Skip to main content

Full text of "Preussische Medicinal-zeitung"

See other formats


This is a digital copy of a book that was preserved for generations on library shelves before it was carefully scanned by Google as part of a project 
to make the world's books discoverable online. 

It has survived long enough for the Copyright to expire and the book to enter the public domain. A public domain book is one that was never subject 
to Copyright or whose legal Copyright term has expired. Whether a book is in the public domain may vary country to country. Public domain books 
are our gateways to the past, representing a wealth of history, culture and knowledge that 's often difficult to discover. 

Marks, notations and other marginalia present in the original volume will appear in this file - a reminder of this book's long journey from the 
publisher to a library and finally to you. 

Usage guidelines 

Google is proud to partner with libraries to digitize public domain materials and make them widely accessible. Public domain books belong to the 
public and we are merely their custodians. Nevertheless, this work is expensive, so in order to keep providing this resource, we have taken Steps to 
prevent abuse by commercial parties, including placing technical restrictions on automated querying. 

We also ask that you: 

+ Make non-commercial use of the file s We designed Google Book Search for use by individuals, and we request that you use these files for 
personal, non-commercial purposes. 

+ Refrain from automated querying Do not send automated queries of any sort to Google's System: If you are conducting research on machine 
translation, optical character recognition or other areas where access to a large amount of text is helpful, please contact us. We encourage the 
use of public domain materials for these purposes and may be able to help. 

+ Maintain attribution The Google "watermark" you see on each file is essential for informing people about this project and helping them find 
additional materials through Google Book Search. Please do not remove it. 

+ Keep it legal Whatever your use, remember that you are responsible for ensuring that what you are doing is legal. Do not assume that just 
because we believe a book is in the public domain for users in the United States, that the work is also in the public domain for users in other 
countries. Whether a book is still in Copyright varies from country to country, and we can't off er guidance on whether any specific use of 
any specific book is allowed. Please do not assume that a book's appearance in Google Book Search means it can be used in any manner 
any where in the world. Copyright infringement liability can be quite severe. 

About Google Book Search 

Google's mission is to organize the world's Information and to make it universally accessible and useful. Google Book Search helps readers 
discover the world's books white helping authors and publishers reach new audiences. You can search through the füll text of this book on the web 



at |http : //books . google . com/ 




über dieses Buch 

Dies ist ein digitales Exemplar eines Buches, das seit Generationen in den Regalen der Bibliotheken aufbewahrt wurde, bevor es von Google im 
Rahmen eines Projekts, mit dem die Bücher dieser Welt online verfügbar gemacht werden sollen, sorgfältig gescannt wurde. 

Das Buch hat das Urheberrecht überdauert und kann nun öffentlich zugänglich gemacht werden. Ein öffentlich zugängliches Buch ist ein Buch, 
das niemals Urheberrechten unterlag oder bei dem die Schutzfrist des Urheberrechts abgelaufen ist. Ob ein Buch öffentlich zugänglich ist, kann 
von Land zu Land unterschiedlich sein. Öffentlich zugängliche Bücher sind unser Tor zur Vergangenheit und stellen ein geschichtliches, kulturelles 
und wissenschaftliches Vermögen dar, das häufig nur schwierig zu entdecken ist. 

Gebrauchsspuren, Anmerkungen und andere Randbemerkungen, die im Originalband enthalten sind, finden sich auch in dieser Datei - eine Erin- 
nerung an die lange Reise, die das Buch vom Verleger zu einer Bibliothek und weiter zu Ihnen hinter sich gebracht hat. 

Nutzungsrichtlinien 

Google ist stolz, mit Bibliotheken in partnerschaftlicher Zusammenarbeit öffentlich zugängliches Material zu digitalisieren und einer breiten Masse 
zugänglich zu machen. Öffentlich zugängliche Bücher gehören der Öffentlichkeit, und wir sind nur ihre Hüter. Nichtsdestotrotz ist diese 
Arbeit kostspielig. Um diese Ressource weiterhin zur Verfügung stellen zu können, haben wir Schritte unternommen, um den Missbrauch durch 
kommerzielle Parteien zu verhindern. Dazu gehören technische Einschränkungen für automatisierte Abfragen. 

Wir bitten Sie um Einhaltung folgender Richtlinien: 

+ Nutzung der Dateien zu nichtkommerziellen Zwecken Wir haben Google Buchsuche für Endanwender konzipiert und möchten, dass Sie diese 
Dateien nur für persönliche, nichtkommerzielle Zwecke verwenden. 

+ Keine automatisierten Abfragen Senden Sie keine automatisierten Abfragen irgendwelcher Art an das Google-System. Wenn Sie Recherchen 
über maschinelle Übersetzung, optische Zeichenerkennung oder andere Bereiche durchführen, in denen der Zugang zu Text in großen Mengen 
nützlich ist, wenden Sie sich bitte an uns. Wir fördern die Nutzung des öffentlich zugänglichen Materials für diese Zwecke und können Ihnen 
unter Umständen helfen. 

+ Beibehaltung von Google -Markenelementen Das "Wasserzeichen" von Google, das Sie in jeder Datei finden, ist wichtig zur Information über 
dieses Projekt und hilft den Anwendern weiteres Material über Google Buchsuche zu finden. Bitte entfernen Sie das Wasserzeichen nicht. 

+ Bewegen Sie sich innerhalb der Legalität Unabhängig von Ihrem Verwendungszweck müssen Sie sich Ihrer Verantwortung bewusst sein, 
sicherzustellen, dass Ihre Nutzung legal ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass ein Buch, das nach unserem Dafürhalten für Nutzer in den USA 
öffentlich zugänglich ist, auch für Nutzer in anderen Ländern öffentlich zugänglich ist. Ob ein Buch noch dem Urheberrecht unterliegt, ist 
von Land zu Land verschieden. Wir können keine Beratung leisten, ob eine bestimmte Nutzung eines bestimmten Buches gesetzlich zulässig 
ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass das Erscheinen eines Buchs in Google Buchsuche bedeutet, dass es in jeder Form und überall auf der 
Welt verwendet werden kann. Eine Urheberrechtsverletzung kann schwerwiegende Folgen haben. 

Über Google Buchsuche 

Das Ziel von Google besteht darin, die weltweiten Informationen zu organisieren und allgemein nutzbar und zugänglich zu machen. Google 
Buchsuche hilft Lesern dabei, die Bücher dieser Welt zu entdecken, und unterstützt Autoren und Verleger dabei, neue Zielgruppen zu erreichen. 



Den gesamten Buchtext können Sie im Internet unter http : //books . google . com durchsuchen. 




1 



^ 



1 



Ctf ^-'J9 r- 



^^ 




^ 



V' 



C< 






]y 






■ V 



u 






.4- 



• rv-' 






7 J 






C, 






-^ 



n 



f 



^-' ■.* 



vV'' 



V>^ 



PREÜSSISCHE 

MEDICINAL-ZEITÜNG, 

Herausgegeben 

von dem Verein far Heilkunde in Preussen 



viter Beflutzong amtlicher fflittheilvngen des Königl. fflinisteriams der geistUehen, 
Viterriehts- und Iledicinil-Aiigelegeiiheiten OBd der Köiiigl. Provluiil-BehlrdeB. 

Redacteur: Geheimer Medicinal-Rath Dr. E. Müller. 



X' 




^V Nene Folge. ^^;MbS^ ^ Jahrgang. 



Berlin, 1863. 

Verlag von Th. Chr. Fr. Enslin. 
(Adolph Enslin.) 



jfO^^'MEB/, .. 




:at-.:-; . ••■•t 



1 



OC T 24 1907 



E. H. D. 



Forstand des Vereines. 



Vorsitzenders Elsholz. Schriftführer: Sinogowitz. Rechnungefthrer: Barts. 

Redacteur: E. Maller. 



Garus in Dresden. 

Ghelias in Heidelberg. 

Sir W. Cricbton in retersbarg. 

Jfiger in Wien. 



Ehren -Mitglieder. 



V. Ludwig in Stuttgart. 
V. MarkuB in Petersburg. 
Monf alcon in Lyon. 



V. Ranch in Petersborg. 
Vrolik Ben. in Amsterdam. 
Freib. v. W ei gel in Stockholm. 



Andrefi in Magdeburg. 
A seh er so n in Berlin. 
Berg er in Berlin. 
B et sc hl er in Breslau. 
Bier bäum in Dorsten. 
Blaslus in Halle. 
Böhm in Berlin. 
Bonorden in Herford. 
Branco in Potsdam. 
Brefeld in Breslau. 
Breitbaupt in Stendal. 
Brosius in Bendorf. 
Büttner in Berlin. 
Butzke in Seh wetz. 
Chevalier in Trier. 
Cohen van Baren in Posen. 
Damerow in Halle. 
Danziger in Goldberg. 
Deutsch in Nicolai. 
Ebermaier in Dusseldorf. 
Ebert in "Berlin. 
Ehren berg in Berlin. 
Eitner in Oppeln. 
Erbkam in Berlin. 
Erlen meyer in Bendorf. 
Eulenberg in Köln. 
Francke in Breslau. 
Oöppert in Breslau. 
Orimm in Berlin. 
Oröben schütz in Frankfurt a. 
Onsserow in Berlin. 
Hfiser in Breslau. 



Ordentliche Mitglieder. 

Haffner in Biscbofstein. 

Hahn in Aachen. 

Hasse in Königsberg. 

V. Haxt hausen in Arnsbeig. 

Hauck in Naumburg. 

Heine in Bitterfeld. 

Henschel in Berlin. 

Hertwig in Berlin. 

Herzog in Berlin. 

Hirsch in Königsberg. 

Hoffmann in Suhl. 

Hoogeweg in Gumbinnen. 

Hörn in Berlin. 

Jungken in Berlin. 

Klose in Breslau. 

Koch in Merseburg. 

Krahn in Erfurt. 

Krieg in Merseburg. 

Krieger in Berlin. 

Krukenberg in Halle. 

Kuh in Breslau. 

Lange in Königsberg. 

Latz in Borbeck. 

Lauer in Berlin. 

Leonhard in Muhlheim a. d. Ruhr. 

Leviseur in Posen. 

Malin in Kottbus. 

Martini in Leubus. 

K. Mayer in Berlin. 

Meklenburg in Deutsch-Krone. 

Meyer in Kreutzburg. 

Mitscherlich in Berlin. 



J. B. Müller in Berlin. 
Naumann in Bonn. 
Pnch stein in Cammin. 
Reichert in Berlin. 
Richter in Dusseldorf. 
Rieseberg in Karolath. 
Rner in Hamm. 
Ruhbaum in Rathenow. 
Rust in Kleutsch. 
Schaper in Coblenz. 
Schlegel in Liegnitz. 
Schlesier in ZuUichau. 
Schnuhr in Marien werder. 
Scholl er in Berlin. 
Schutze in Berlin. 
Schulzen in Lauenburg. 
Seerig in Königsberg. 
Sinsteden in Pasewalk. 
Steffen in Stetün. 
Steifensand in Krefeld. • 
Stumpf in Berlin. 
Tourtual in Münster. 
V. Treyden in Königsberg. 
Troschel in Berlin. 
Yoltolini in Breslau. 
Weese in Thoru. 
Wittcke in Erfurt. 
Wolff in Grünberg. 
Zimmermann in Danzig. 
Zitterland in Aachen. 



Correspondirende Mitglieder. 



Alerts in Rom. 

B. O. Babington in London. 

T. Bfir in Petersbarg. 

BarkhaoBen in Bremen. 

Baom in Göttingen. 

Behr in Bernbarg. 

Bennett in Edinburgh. 

Bertherand in Algier. 

Betti tu Barbacone bei Florenx. 

Bi^rkowski iu Erakao. 

Bishop in London. 

Booilland in Paris. 

T. Brandt in Petersbnrg. 

Bredow in Petersburg. 

Bracke in Wien. 

A. Gallisen in Kopenhagen. 

Corrigan in Dublin. 

Dambre in Gourtraj. 

Fassetta in Venedig. 

Flemming in Schwerin. 

y. Franque in Wiesbaden. 

Oaathier in Ljon. 

Oaj in London. 

Grainger in London. 

Green in Paris. 

Hankel in Frankenhaosen» 

Heine in Petersburg. 

Hendriksz in Zuiderburg. 



Henle in Göttingen. 

Heusinger in Marburg. 

Hey fei der in Petersburg. 

V. Hübenthal in Witepsk. 

Y. Kessler in Lissabon. 

Knolz in Wien. 

Köhler in Warschau. 

Kuhnholtz in Montpellier. 

Kflttlinger in Briangen. 

Lauth in Strasburg. 

Lhavaczek in Karlsbad. 

Lee in London. 

Le Roj->d'Btiolles in Paris. 

Locher-Bai ber in Zürich. 

Lombard in Genf. 

Magnus in Braunschweig. 

Mendez Alvara zu Madrid. 

Nottingham in Liverpool. 

Oppolzer in Wien. 

Otto in Kopenhagen. 

Paine in New-York. 

Plagge in Darmstadt. 

Radius in Leipzig. 

Ray er in Paris. 

Retzins in Stockholm. 

Riecke in Stuttgart. 

Riedel in Wien. 

Ritter in Rottenburg am Neckar. 



Roller in Achern. 

V. Salomon in Petersbnrg. 

V. Savenko in Petersburg. 

Sch&fer in Warschau. 

Schneemann in Hannover. 

Schön lein in Bamberg. 

Schröder v. d. Kolk in Utrecht 

Schwabe in Rudolstadt 

Seiche in Teplitz. 

V. Seidlitz in Petersburg. 

V. Siebold in München. 

Simon in Hamburg. 

So mm er ring in Frankfurt a. M. 

Spengler in Ems. 

Stannins in Rostock. 

Steinheim in Rom. 

Stichel in Frankfurt a. M. 

Stromeyer in Hannover. 

Allen Thomsen in Edinburgh. 

Ure in London. 

Yerhfighe in Ostende. 

V. Vering in Wien. 

Warn atz in Dresden. 

V. Weisse in Petersburg. 

Woyde in Warschau. 

V. Zell er in Winnenthal. 



Malts-Verzelclinlss 

fär den sechsten Jahrgang. Neue Folge. 



L Abgehandelte Gegenstande nach dem Namen der Verfasser geordnet 

(Die Zahlen bezeichnen die Seiten.) 



A«chmaxm, Bericht über die Anitalt far 
Gemüihs- und Nervenkranke ca Sinsig 
am Rhein. 46. 

Blümlein, Das tjrpose Typhoid im Vergif- 
tnogaproceaa. 180. 194. 207. 

Böhm, Gutachten betreffend die Zareoh- 
nungsf&higkeit des der Gotteslfisterang 
angeschuldigten ^fanrergesellen A. S. 17.5. 

— y Ein wahnsinniger Queralant. 284. 291. 

Brosius, Das Asyl zu Bendorf, sechster 
Jahresbericht. 30. 

Erlenmeyer, Bericht über die Privatanstalt 
zu Bendorf. 38. 

— , Die subcutanen Injektionen. 371. 

Enlenberg, Ueber die Wuthkrankheit beim 
Menschen 305. 322. 330. 338. 346. 

— f Ueber emaillirte gnsseiseme Kochge- 
schirre. 317. 

Ficinus, Ein Beitrag zur Casuistik der Tri- 
chinenkrankheit. 63. 

Fingerhuth, Beobachtungen über Tacdna- 
tion und Revaccination. 411. 

Frinkel, Trichinen-Krankheit. 122. 132. 



HaHing, Lähmung des Muse. serr. antic. 

maj. 31». 
Hörling, Was leisten Lippspringe und In- 

selbä in der Lungentuberkulose. 116. 

125. 

Klusemann, Die Trichinen - Krankheit in 

Burg. 396. 
Krieger, Statistische Uebersicht der im Jahre 

1861 in dem Niederbarnimschen Kreise 

gehobenen Geburten. 6. 13. 
Latz, Rademacherianismus. 236. 
Ldwentbal, Ochsengalie gegen Bandwurm. 

I2i. 
Löwer, Die Sterblichkeit der Kinder in 

Berlin w&hrend der Jahre 1851 — 1860. 

2. 10. 18. 26 35. 42. 53. 70. 98. 138. 

169. 1N6. 199 242. 219. 257. 
Maller, Zur Trichinen-Krankheit 20. 
— , Die siebente Ausgabe der Pharmako- 
poe. 59. 
— , Der Tod durch Ersticken and darch 

Ertrinken. 228. 



Malier, Zur Berliner BevSlkenings-SUtistik 

für das Jahr 1862. 274. 282. 289. 289. 

314. 
— , Das Apotheken Wesen in England. 387. 
Pappenheim, Einige Bemerkangea über das 

Tha-Thin. 378. 
Schöpfer, Neues Mittel gegen Bleichsucht 

und Menstruationsstömngen überhaupt 

Schraube, Eine seltene Hernie. 265. 

Steinthal, Mittheilungen aus der Praxis. 58. 
105. 253. 269. 278. 

Schwarz, Balsamum pemvianum gegen die 
KrSUe. 222. 

Thienemann, Ueber Rademacher^s Lehre. 
74. 82. 91. 101. 114. 

Utting, Heilung der Warzen. 231. 

Valentini, Beitrag zur Frage über die pri- 
mären Granulationen. 217. 226. 

Voltolini, Ueber fremde Körper im Sufse- 
ren Gehörgange und deren Entfernung. 
146 

Ziureck, Baschin^scher Leberthran. 293. 



n. Verzeichniss der kritisch angezeigten Schriften. 



Beigel) Balneologisehe Notizen Über die 
Kurmittel des Bades Reinerz. Erlangen 
1863. 296. 

Becker, Der geheime Weingeist der Adep- 
ten. Mühlhausen 1862. 95. 

Berend, Eilfler Bericht über das gymnast* 
orthop. Institut. Beriin 1863. 208. 

Bebrend, Beobachtniigen über die Heilwir- 



kung der Colberger Sohle. Colbeiv 1863. 
18.1. 

Bineel, Pharmakologisch-therap. Handbuch. 
Erlangen 1862 :t2. 

▼. Bönninghausen, Die Aphorismen des Hip- 
pokrates Leipzig 186-1. 114 

Brosius, Psychiatrische Abliandlungen. Neu- 
wied 1863. 383. 



Brück, Balneologisehe Aphorismen. Osna- 
brück 1863. 120. 

Erienmeyer, Wie sind die Seelenstöningen 
in ihrem Beginne zu behandeint 4te 
Aufl Neuwied 1863. 96 

— , Uebersicht der öffentlichen und pri?ft- 
ten Irren- und Idioten -Anstalten. Neu- 
wied 1863. 136. 



VI 



Fanpel, Das Soolbad Kdnigsdorf-Jastrzemb. 

GleiwiU 1863. 160. 
Flecklet, Baineotherapeatische Mittheilun- 

gen. Prag 1863. 103 
H&ckermanD, Lehrbuch der Medicinalpoli- 

zeL Berlin 1863. 159. 
Hirachfeld, Das Sool- nnd Seebad Colberg. 

Golberff 1863. 191. 
Hoppe, Aach die Allopathen sollen selbst 

dispensiren. Leipzig 1863. 79. 
Kleinhaas, Erfahrungen aus dem Gebiete 

der Hautkrankheiten. Coblenz 1862 104. 
Enop, Die Paradoxie des Willens. Leipzig 

1863. 175. 
Koster nnd Brosius, Der Irrenfreund. Neu- 
wied 1863. 252. 
Kunze, Gompendium der praktischen Medi- 

cin. Erlangen 1863. 256. 
Lee, Nice et son dimat Paris 1863. 151. 
Lehmann, Bad Oeynhausen. Leipzig 1863. 

192. 
Lesser, Das Stahl • und Moorbad zu Lan- 

genau. Glatz 1863. 32. 
Lessing, Handbuch der specieUen prakti- 
schen Arzneimittellehre. Achte Auflage. 

Leipzig 1863. 239. 



Lion, Handbuch der Medic- und Sanitfits- 
Polizei. Iserlohn 1862. 48. 

Löschner und Spengler, Archiv für Balneo- 
logie. Neuwied 1862. I. Bd. 3. Hft. 86. 

-, LBd. 4. Hft. 151. 

— — , n. Bd I.Hft 1863. 191. 

, II. Bd. 2. Hft. 1863. 287. 

Medicinal-Kalender für den Preufs. Staat auf 
das Jahr 1862. Berlin IH64 368 

Niemejer, Lehrbuch der spec. Pathol und 
Therapie. 5te AuH Berlin 1863. 110. 

Pfeilsticker, Beiträge zur Pathologie d. Ma- 
sern. Tubingen 1863. 263. 

Posner, Die Preufs. Pharmakopoe in ihrer 
siebenten Ausgabe. Berlin 1863. 120. 

PrOBch und Plofs, Mediciniseb-chirurgisohe 
Encyklopadie. Supplemeniband. Leipzig 
1863. 159 und 344. 

Reumont, Winterkuren in Aachen. Aachen 
1863. 144. 

Schacht, Praeparata ehem. et pharmaca com- 
pos. Berlin 1863. 64. 

Schulte, Beiträge zur conservativen Chirur- 
gie. Bochum 1863. 167. 

Seiler, Ueber die Behandlung der Lungen- 
schwindsucht Basel n. Genf 1862. 64. 



Spengler, Die Geisteskrankheit des Herzogs 

Phüipp in Mecklenburg. 2te Aufl. Neu- 
wied 1863. 96. 
— , Balneologischer Bericht über die 37ste 

Versammlung deutscher Naturforscher u. 

Aerzte. Neuwied 1863. 182. 
— , Brunnen -Diätetik für Kurgäste in Bad 

Ems. Ems 1863. 344. 
— , Brunnenärztlicbe Mittheilungen über die 

Thermen von Ems. 4te Aufl Neuwied 

1863. 352. 
Stiebel, Rickets, Rhachitis. Erlangen 1863. 

271. 
Voltolini, Die Zerlegung und Untersuchung 

des Gehörorgans. Breslau. 7. 
Wagner, Fiinfter Jahresbericht über das 

Soolbad Salzungen. Meiningen 1863. 150. 
Weber, Die Arminiusquelle zu Lippspringe. 

Paderborn 1863. 256. 
Weidgen, Berichte über die vierte Bade- 

Saison zu Neuenahr. Ahrweiler 1863. 

1.50. 
W^erber, Die Kniebisbäder. Erlangen 1863. 

272. 



in. Sachregister. 
Amtliche Erlasse. 



Bekanntmachung des KdnigL Polizei-Präsi- 
diums zu Berlin vom 2. Janaar 1863, 
betr. die granulöse Augenentzündung. 9. 

Bekanntmachung des Köniel. Polizei-PrSsi- 
diums zu Benin vom 9. Januar 1863, be- 
treffend giftige Anilinfarben 17. 

Bekanntmachung der Königl. Regierung zu 
Danzig vom 10. Januar 1863, betr. die 
granulöse Augenentzündung. 34. 

Polizei -Verordnung der Königf. Regierung 
zu Magdeburg vom 7. Januar 1863, betr. 
das Petroleum. 41. 

Allerhöchster Erlass vom 10. Novbr. 1862, 
betr. die Einführung der siebenten Aus- 
gabe der Pharmacopoe. 49. 

Verfügung des Königl. Minister, der geist- 
lichen etc. Angelegenheiten vom 5 Febr. 

* 1863, betr. die Taxe der Untersuchung 
von Blutflecken. 52. 

Bekanntmach nng des Königl. Polizei- Präsi- 
diums zu Berlin vom 5. Februar 1863, 
betr. Lenckart's Werk: die menschlichen 
Parasiten. .S2. 

Bekanntmachung der Königl. Regierung zu 
Bromberg vom 21. Januar 1863, betr. 
Kleider von grüner Arsenikfarbe. 53 

Bekann tmacliuog der Königl. Regierung zu 
Magdeburg vou) 18. Januar 1863, betr. 
die Trichinen-Krankheit. 57. 



Bekanntmachung des Königl. Polizei-PrSsi- 
diums zu Berlin vom 12. Februar 1863, 
betr. chronische Bleivergiftung durch ein 
Barträrbungsmittel. 58. 

Verfügung des Königl Minister der geist- 
lichen etc. Angelegenheiten vom 20. Fe- 
bruar 1863, betr. Abänderungen des Re- 
glements für die Phjsikats-Prüfungen. 65. 

Desgl. vom 10. Februar 1863, betr. die Ge- 
bühren für Atteste der MedicinaUßeam- 
ten. 67. 

Desgl. vom 5. Februar 1863, betr. den Ver- 
lauf der Pookenkrankheit im Jahre 1861. 
67. 

Allerhöchste Bestimmung über Benennung, 
Uniforrairung etc. des thierärztlichen Per- 
sonals der Armee vom 19. Jan. 1863. 73. 

Verfügung des Kgl. Ministeriums d. geist- 
lichen etc. Angelegenheiten vom 3. März 
1863, betr. die Liquidation von Meilen- 
geldem. 87. 

Bekanntmachung der Königl. Regierung zu 
Minden vom o. Februar 1863, betr. die 
Taxe der Hebammen. 89. 

Verfügung des Königl. Ministeriums d. geist- 
lichen etc. Angelegenheiten v. 14. März, 
betr. die Subsumirung der Anstalten zur 
Birreitnog kunstlicher Miniralwässer un- 
ter den Begriff chemischtr Fabriken. 97. 



Bekanntmachung des Kgl. Ministeriums der 
geistl. etc. Angelegenheiten vom 16. März 
1863, betr. einen Druckfehler der sieben- 
ten Ausgabe der Pharmakopoe. 98. 

Bekanntmachung des Königl. Polizei- Präsi- 
diums zu Berlin vom 22. März 1 863, betr. 
die granulöse Augenentzündung. 113. 

Bekanntmachung der Königl. Regierung zu 
Liegnitz vom 10. April 1863, betr. 'die 
Anwendung arsenikhaltiger Farben zum 
Färben von Kleidern und Putz. 121. 

Bekanntmachung der Königl. Regierung zu 
Potsdam vom 7. April 1863, betr. die 
Finnen und die Trichinen der Schweine. 
129. 

Verfügung des Kgl. Ministeriums der geist- 
lichen etc. Angelegenheiten vom 14. April 
1863, betr. die Druckkosten für Impf- 
scheine nnd Impflisten. 137. 

Bekann tmaehung der Königl. Regierung zu 
Potsdam vom 18. April IH63, betr. den 
Handverkauf von drastischen Mitteln etc. 
13a 

Polizei- Verordnung der Königl. Regierung 
zu Potsdam vom 14. April 1863, betr. 
die Aufbewahrung phospborbaltiger Zund- 
waaren, 138. 

Verfügung des Kgl. Ministeriums der geist- 
lichen etc. Angelegenheiten vom 28. April 



vn — 



1863, betr. die unentgeUlielieii Untena- 
chungen v. Gesandheiteznstanden aaf amt- 
liche Requisition. 145. 

YerfaguDg des Kgl. Ministerinrns der geist- 
lichen etc. Angelegenheiten vom 9. Mai 
1863, betr. die Zulassang aasl&ndisoher 
Aerzte zur Praxis im Inlande. 185. 

Desel vom 20. Mai 1863, betr. Hom's 
Werk: das Preafsische Medidnalwesen. 
2te Aufl. 193. 

Desgl. vom 6. Juli 1863, betr. Druckfehler 
der Arzneitaze pro 1863. 217. 

Desgl. vom 3. Juli 1863, betr. die Dampf- 
apparate in den Apotheken. 22&. 

Allerhöchste Verordnung vom 3. Juli 1863, 
betr. die Marsregeln gegen die Einsohlep- 
pung der orientalischen Pest durch den 
Schiffsverkehr. 233. 

Bekanntmachung des Königl. Polizei-Prfisi- 
dinms zu Berlin vom 20. Juli 1863, betr. 
die Menschen pocken. 235. 

YerfSgung des Kgl Ministeriums d. geist- 
liohen eto. Angelegenheiten vom 24. Juli 
1863, betr. den Rabatt der Apotheker. 
241. 

Desgl. vom 19. August 1862, betr. die An- 
stalten zur Bereitung künstlicher Mine- 
ralwasser. 273 

Desgl. vom 12. Sept 1863, betr. das Hal- 
ten eines Herb. viv. in den Apotheken. 
297. 



Polizei -Verordnung der Königl. Regierung 
zu Danzig vom 21 Aug. 1863, betr. die 
öffentlichen Impfungen. 305. 

Desgl. vom 8 Sept. 1863, betr. Beerdigun- 
gen. 322. 

Bekanntmachung derselben vom 11. Sept. 
1863, betr. Impfungen. 329. 

Verfugung des Kgl. Ministeriums der geist- 
lichen etc Angelegenheiten vom 21. Ocft. 
1863, betr Porcellangefafse in den Apo- 
theken. 345. 

Polizei- Verordnung der KönigL Regierung 
SU Oppeln vom 24. October 1863, betr. 
Ofenklappen. 354. 

Bekanntmachung der Königl. Regierung zn 
Cöln vom 7. Octbr. 1863, betr. Finnen 
und Trichinen der Schweine. 361. 

Desgl. zn Trier vom 3. Nov. 1863, betr. 
die Hnndswuth. 370. 

Verfugung des Kgl. Ministeriums d. geist- 
lichen etc. Angelegenheiten vom 18. No- 
vember 1863, betr. die Einziehung der 
Beiträge zum HebammeuoUnterstfitzungs- 
Fonds. 378. 

Bekanntmachung des Königl Polizei-Prfisi- 
diums zu Berlin vom 20. Novbr. 1863, 
betr. Pocken-Erkrankungen Ungeimpfter. 
385. 

Bekanntmachung der Königl. Regierung zn 
Erfurt vom 24. Nov. 1863, betr. Trichi- 
nen-Krankheit. 385. 



Desgl. zu Oppeln vom 20. Nov. 1663, be* 
treffend Konoessionimng einer Apotheke 
in Zanditz. 394. 

Desgl. zu Cöln vom 25. Nov. 1863, betr. 
Unglücksfälle durch Binathmen sohädii- 
cher Gase. 394. 

Polizei -Verordnung der Königl. Regiemng 
zu Frankfurt a« d. O. vom 23. Novem- 
ber 1863, betr. Flachs- und Hanfrötlien. 
396. 

Verfügung des Kgl. Ministeriums d. geist- 
lichen etc. Angelegenheiten vom 7. De- 
oember 1863, betr. Militair-Lazareth-Ge« 
hälfen 401. 

Bekanntmachung der Königl. Regierung zu 
Magdeburg vom 18* Jannar 1863, betr. 
Trichinen. 402. 

Desgl. zn Liegnitz vom 20. Novbr., betr. 
Trichinen. 402. 

Polizei -Verordnung der Könisl. R^erong 
zu Trier vom 3. Nov. 1863, betr. Toll- 
wuth der Hunde. 403. 

Verfügung des Kgl. Ministeriums d. geist- 
liehen etc. Angelegenheiten vom 7. Dee. 
1803, betreff, den Rabatt der Arsneien. 
410 

Desgl. vom 12. Deobr. 1863» betr. Apotho* 
ken- Visitationen. 410. 

Desgl vom 14. Deobr. 1863, betr. Festse«* 
zung gerichtlieh-ohemiaeher Unteraneboit*- 
gen. 410. 



Aluminium zu chirurg. Instrumenten. 360. 

Angine couenneuse. 359. 

Absorption von Arzneien durch die Haut. 

367. 
Absinth-Liqueur. 79. 
Aerztliches Personal in Preufsen. 153. 161. 
Amerikanische Bundesarmee. 279. 
Aneurysmen. 103. 263. 
Apotheken in Berlin. 328. 
Apotheken in England. 387. 
Apothekenhandel. 406. 
Apotheken-Verein in Oestreich. 336- 
Armenpraxis in Beriin. 94. 205. 263. 
Arsenik gegen Gastralgie. 270. 
Arthritische Ablagerungen. 200. 
Arzneitaxe. 215. 

Asyl f&r Geisteskranke zu Bendorf. 30. 
Augenärzte, Versammlung derselben. 343. 
Augenentznndung unter den Schülern des 

Wilhelms-Gymnasii. 72. 86. 
Bandwurm. 124. 

Bergwerksbetrieb, Unglücksfälle dabei. 198. 
Bdellatomie. 270. 

Bevölkerungsbewegung in Berlin. 56. 
Bevölkerungs - Statistik von Berlin. ^74 

282. 289. 314. 
Bevölkerung Preufiiens. 365. 
Blasenwfirmer. 335. 
Bleichsucht, Mittel dagegen* 333. 
Blinde, Zahl derselben in j^gland. 359. 
Blutegel, Anschneiden derselben. 270. 391. 
Blutegel als Parasit. 391. 
Botbryocephalus latus. 135. 
Brand durch Frost. 124. 
British lying-in-Hospital. 31. 
Calabarbohne. 248. 255. 360. 



Garbo suberis gegen Dysenterie. 199. 
Oharit^ . Krankenhaus. 23. 56. 119. 149. 

165. 223. 263. 295. ^34. 368. 399. 
Chloroform -Narkose mit hypoderm atischer 

Anwendung von Narcoticis 371. 374. 
Cholera. 48. 335. 360. 
Cosmetica. 215. 
Coma uraemicum. 107. 
Congress, internationaler statistischer. 279. 
Congress zur Berathung der Organisation 

des Heilwesens auf den Schlachtfeldern. 

359 
Diphtheritis in Berlin. 7 
Düsseldorfer ärztlicher Verein. 343. 
Durchfälle und Brechdurchfälle der Kinder. 

190. 198. 206. 215. 223. 232. 239. 248. 

255 263. 279. 287 295. 302. 312. 320. 

328. 334. 342. 349. 359. 367. 374. 381. 

391. 
Dysenterie. 199. 
DyHtidCie. «Ot. 
Entbindungen in Berlin. 94. 
Ersticken und Ertrinken. 228. 
Examinations-Kommission, medicin. 344. 
£j;an¥i^oii«rKQpa>isiJQ% pbunnfieeHtJsishe. 

351. 
Fabriken, Gesnu&eitsgefahr daselbst. 166. 
Finnen. 334. 

Fleisch kranker Thiere. 360. 
Friedrich Wilhelms-institut. 254. 287. 
Gastralgie, Arsenik dagegen. 270. 
Geburts - Statistik des Niederbamimschen 

Kreises. 6. 13. 
Geburts- und Sterbeliste von Beriin. 46. 

77. 108. 134. 174. 206. 246. 286. 319. 

3*7, 397. 



Geheimmittel. 215. 

Gehörgang, fremde Körper in denselben. 
146. 

Geisteskranke. 231. 232. 

Gelbes Fieber. 7. 48. 199. 

Genuine Kuhpocken-Lymphe. 40. 

Gesundheitsgefahren in Fabriken. 166. 

Gesundheitspolizeiliche Vorschriften bezdg- 
lieh auf Gegenstände des menschlichen 
Gebrauchs. 216. 

Gewerks-Krankenverein in Berlin. 128. 

Glasbläser, syphilitische Infektion dersel- 
ben. 32. 

Gonorrhoe, Matico dagegen. 16. 

GottesgerichUbohne. 248. 255. 

Gräber. 335. 

Granulationen, primäre. 217. 226. 

Hautbrand. 214. 

Hautresorption. 335. 

Heilgehulfen, weibliche. 375. 

Hernia. 265. . 

Hernie complicata. 133. 

HSlfsverein zur Pflege der auf den Schlacht- 
feldern verwundeten Militairs. 399. 

Hitteosy Stern. 231. 

Hufeiandsche Stiftung. 23. 

Oundswath. 95. 271. 381. 382. 

Inhalationen. 335. 

Inselbad. 116. 125. 

Irrenanstalt zn Neustadt-Ebersw. 320. 

Irrengesetzgebung. 23. 

Iriand, Volkszählung daselbst 359. 

lodkalium gegen Aneurysmen. 263. 

lodtinktor gegen Nasenpolyp. 200. 

Kali hypermanffanioum. 295. 

Kaisersverth, Irrenanstalt 320. 



vm 



Kindbettfieber-MiMiD«. 199. 

Kinder- Sterbliehkeit in Berlin. 2. 10. 18. 

26. 85. 42. 53. 70. 98. 138. 169. 186. 

199. 242. 249. 257. 
Kodigetchirre. 317. 
Korrespondensartikel. 365. 380. 
KrStze. 200. 222. 

Krankenh&DBer, Wochenbericht der Berli- 
ner. 7 n. ff. in jeder Nummer. 
Kraokenhfinser im Potadamer Reg. -Bezirk. 

383. 
Lihmnng des Moio. serr. ani maj. 318. 
Landeck. 407. 
Lebensalter der Englischen Bevölkerong. 

375. 
Leberthran, sog. Baschinscher. 158. 293. 
Leberthran, gegen sekundäre Syphilis. 214. 
Lewinstein's Maison de sant^. 119. 223. 

359. 
Lippspringe. 116. 125. 
Liquor Kä. hypermang. 200. 
London, Bewegung der Bevölkerung. 135. 
Lungentuberkulose. 116. 125. 
Mair''s jurist.-med. Kommentar. 376. 
Maison de sant^ in Schöneberg. 359. 
Mania pnerp. period. 317. 
Marthall Hairsche Lebensrettnngsmethode. 

228. 
Matioo gegen Gonorrhoe. 16. 
Mediolnisohe Fakultfiten, Zahl der Lehrer 

und Studenten. 375. 
Medicinal - Personenzahl in den einseinen 

Reg -Bezirken. 102. 110. 119. 128. 135. 

143. 149. 182. 205. 216. 223. 
Menschenpocken. 31. 47. 48. 67. 136. 166. 

263. 270. 
Henstruations- Störungen, Mittel dagegen. 

333. 
Mittelrheinische Aerzte, Versammlung der- 
selben. 343. 
Moutreuil, Brand des Irrenhauses. 392. 
NSgel, eingewachsene. 255. 
Nasenpolyp. 200. 
Nassansche Aerzte, General-Versammlung 

derselben. 360. 375. 



Nassauscher Srztlicher Verein. 392. 
NatroD-Lithionwasser gegen Arthritis. 200. 
Naturforschende Gesellschaft in der Schweiz. 

336. 
Naturforscher-Akademie, Kais. Leop.-Carol. 

360. 
Naturforscher- Versammlang in Stettin. 239. 

310. 31.1. 325. 340. 356 372. 389. 
NeusUdt-Ebersw , Irrenanstalt. 320. 
Ochsengalle gegen Bandwurm. 124. 
Opium gegen Poerperal-Psychosen. 149. 
Pensions- Verein fBr Aerzte. 198. 304. 406. 
Perchloras ferri gegen eingewachsene Nfi- 

gel. 255. 
Peru-Balsam gegen KrStze. 200. 222. 
Pharmaceutische Stoffe und PrSparate auf 

der Londoner Ausstellung. 403. 
Pharmaceutische Ezaminations-Kommission 

in Halle. 406. 
Pharmakopoe, 7te Ausgabe. 59. 
Praeputium, Defekt desselben. 312. 
Praxis, Mittheilungen aus derselben. 58. 

105. 253. 269. 278. 
Privatanstalt des Dr. Erlenmeyer zu Ben- 
dorf. 38. 
Privatanstalt des Dr. Aschmann zu Siniig. 

45. 
Preisfragen. 109. 205. 304. 368. 
Prostitution. 408 
Psychiatrische Versammlung. 302. 
Psychiatrie, Deutsche GcselUchaft f&r. 320. 
Pocken-Erkrankung. 399. 
Puerperal-Psychosen. 149. 
Pulverisateur. 335. 
Rademacher's Lehre. 74. 82. 91. 101. 114. 

236. 
RekrutiruDgswesen. 350. 375. 
Revaccination der Preufs. Armee. 355. 
Rinderpest. 143. 350. 
Römische BSder. 1 19. 
Salzkotten, Soolquelle. 391. 
Santonin, strychn inhaltig. 102. 
Sarracenia purpurea gegen Pocken. 31. 48. 

270. 
Schulen, Hygiene derselben. 47. 391. 



Scbwui^erichte, Statistik der PreuÜBischen. 

413. 
Sterblichkeit der Soldaten. 375. 
Subcutane Injektionen. 371. 374. 
Sylrester's Lebensrettungsmethode. 228. 
Syphilis der Glasblfiser. 32. 
Syphilis durch Cigarren verbreitet. 127. 
Syphilis, sekundäre, durch Leberthran ge- 

heilt 214. * 

Tabakrauchen, als Ursache vor Blindheit 

336. 
Taenia. 48. 
Tba-Thin. 378. 
Trichinen und Trichinen-Krankheit 20. 55. 

63. 122. 128. 132. 200. 223. 248. 328. 

334. 383. 391. 396. 414. 
Tfirkisohe BSder. 119. 
Typoses Typhoid im Veigiftungsprocesse. 

180. 194. 207. 
Ungarische Aerzte und Naturforscher-Ver- 
sammlung. 343. 
Vaccination. 335.411. 
Verein der Aerzte des Kölner Regiemngs- 

Bezirks. 350. 
Verein der Coblenzer Aerzte. 374. 
Vergiftung durch strychninhaltiges Santo* 

nin. 102. 
Vivisektionen. 3.^9. 
VolkszKbiung des Preufs. Staate. 7. 
Wahnsinn. 284. 291. 
Waisenhaus in Rnmmelsbnrg. 404. 
Warzen. 231. 
Weichselzopf. 408. 
Witterungs- und Krankheite - Constitution. 

22. 55. 85. 118. 158. 190. 222. 262. 302. 

334. 365. 405. 
Wöchnerinnen - Sterblichkeit in Englischen 

Arbeitshäusern. 48. 
Wohnungen, gesundheitoschSdiiche. 328. 
Wurmabscess. 215. 
Wuthkrankheit bei Menschen. 305. d22L 

330. 338. 346. 
ZurechnungsHlhigkeit 177. 



IV. Verzeichniss über die Personal-Nachrichten. 



AnMoiohniuiff«!!, EneaniuigoiL und TenotningtiL 



Abegg. 121. 
Albers. 33. 
Alt. 305. 
Anton. 409. 
Behn. 33. 
Bennecke. 73. 
Berger. 313. 
Berg. 33. 
Berten. 137. 
Besohomer. 41. 



Bicking. 33. 
Biedebandt. 393. 
Bittner. 129. 
Bleisch. 353. 
Böcker. 393. 
Böhm. 233. 
Böhme. 393. 
Brandenburg. 393. 
Brück. 33. 
Brusendorf. 9. 



Buchhols. 209. 
Budge. 33. 
Barger. 161. 
Butske. 129. 
Caro. 121. 361. 
Carus. 353. 
Cassel. 49. 
Castiilon. 398. 
Creute. 217. 
Daanenbcrg. 409. 



Dammann. S77. 
Danneil. 17. 
Deininger. 837. 
Delbrück. 1. 
Dick. 167. 
Drecker. 353. 
Eck. 401. 
Ehrlich. 33. 
Eichbaum. 401. 
Bitner. 303. 



IX 



EUholts. 33. 
ISverken. 153. 
Fiflchcr. 377. 
Friedrieb. 153. 
Fritoch. 33. 
Frölich. 105. 
Fachs. 73. 409. 
Fürth. 257. 
Furkeri 33. 
Gemmel. 2.5. 
Gieffera. 345. 
Giese. 377. 
Gläfslein. 105. 
Glaaser. 113. 
Göritz. 73. 
Gosflow. 321. 
Gottoacker. 241. 
y. Graefe. 193. 
Goldhom. 409. 
Grobe. 177. 
Grabitz. 329. 
Gorlt. 1. 
Haas. 401. 
Hagedom. 401. 
Hanstein. 241. 
y. Haselberg. 97. 
Hasse. 97. 
Hayn. 241. 
Heimann. 265. 
Heibig. 337. 
Heller. 409. 
Hemnann. 1. 73. 
Hertel. 65. 
Hirsch. 1. 145. 
y. Hönigsberg. 345. 
Hötensleben. 33. - 
Hofmeyer. 193. 
Hohlfeld. 113. 
Holzendorf. 41. 
Hoppe. 73. 
Honsselle. 1. 



Höthe. 393. 
Huison. 65. 
Harting. 353. 
Jacoby. 217. 
JSger. 177. 
Jansenios. 33. 
Jöstin^. 129. 
Jungnickel. 33. 
KaUa yon Hofe. 217. 
Kaufmann. 409. 
Kayser. 33. 
Keil. 89. 
Keller. 401. 
Kleinsohmidt 225. 
Kniebusch. 33. 
Kdhler. 401. 
König. 313. 
Kdnigsfeld. 145. 
Kosack. 25. 
Koschny. 401. 
Kratzenstein. 385. 
Krabler. 73. 
Krause. 73. 
Krugmann. 137. 
Kürten 393. 
Uhr. 145. 
Lamberg. 177. 
Langenbeck. 161. 
Langer. 145. 
Langenau. 393» 
Lauer. 33. 
Layminn. 337. 
Lebert 33. 
Lehmann. 33. 
Lehnerdt 97. 
Lieber. 153. 
Lindes. 409. 
Löwentbal. 161. 393. 
Lorenz. 57. 
Lossen. 345. 
Mann. 369. 



MarkuU. 393. 
Maximilian. 393. 
Meyer. 193. 
Mitscherlich. I. 
Moll. 129. 
Mfiller. 401. 
Nadrowsky. 97. 
Nasse. 313. 
Naunyn. 345. 
Neunert. 33. 
Nickse. 201. 
Noethe. 49. 
Nuckel. 193. 
Olshausen. I. 
PauL 353. 
Peine. 409. 
Perlett. 105. 
Perwo. 410. 
Philipp. 105. 
Philippson. 265. 
Poetzsch. 129. 
Preifs. 273. 
Ramschüssel. 209 
Regenbrecht. 393. 
Rehfeld. 105. 153. 
Richarz. 353. 
Riedel. 193. 
Rogge. 377. 
Rose. 399. 
Rosenthal. 201. 
Roth. 33. 
Rnpprecht. 89. 
Sarter. 377. 
Scabell. 17. 
Schacht. 1. 
Schlegel 17. 
Schmitz. 321. 377. 
Schmurr. 177. 
Schneider. 105. 
Schombuig. 393. 
Seeiigmüller. 97. 



Seidel. 33. 
Skrozecka. 377. 
Sommerlatte. 409. 
Steinrück. 393. 
Stephan!. 33. 
Steuber. 73. 
Strahl. 345. 
Strecker. 241. 
Stroheim. 377. 
Struck. 137. 
Stumpf. 33. 
Tampke. 337. 
Trautwein. 345. 
Törk. 297. 
Türpen. 409. 
Unger. 353. 
Valentini. 33. 
Veiten. 33. 
Vogel. 321. 
Vogler. 33. 
Voigt. 1. 
Vossius. 33. 
Wagner. 33. 
Weber. 97. 
Werner. 67. 
Westphal. 33. 
Wetzel. 385. 
Wiland. 281. 
Wilms. 265. 
Wirth. 345. 
Winckel. 97. 
Wittstock. 97. 
Wolff. 265. 
Woppisch. I. 
Wossidlo. 121. 
Zickner. 393. 
Ziemssen. 121. 
Ziesmer. 393. 
Zoekert 409. 



ViederlaBBiingoiL 



yan Ackeren. 57. 177. 
Adelung. 337. 
Albrecht. 169. 
Amberg. 185. 313. 
Angenstein. 145. 
Anstensen. 321. 
Anter. 169. 
Appel. 177. 
Arndt. 313. 345. 
d'Arrest. 185. 
Aschoff. 361. 
Auerbach. 185. 
Aust. 265. 
Bahn. 361. 
Bailliodz. 241. 
Baltes. 401. 
Bandisch. 329. 
Baum. 241. 
Baumann. 89. 321. 
Baumeister. 89. 
Bayer. 297. 
Beck. 57. 65. 
▼an Beere. 185. 
Beese. 337. 
Behrens. 353. 
Beigard. 121. 233. 



Bennecke. 121. 

Bennemann. 9. 297. 

Berger. 65. 225. 

Berghausen. 17. 

Bernstein. 321. 361. 

Bertog. 145. 

Berthold. 337. 

Besser. 193. 

Betke. 345. 

Beyer. 73. 

BiUharz. 369. 

Blankenstein. 153. 

Blaskuda. 129. 

Blafs. 73 

Biey. 393. 

Blume. 321. 

Blumenthal. 145. 185. 321. 

Bock. 41. 

Bockshammer. 249. 

Boden. 401. 

Böcker. 225. 

Bögen. 49. 

Böhnke. 161. 

Böhrig. 313. 

Böszermöny. 193. 

Bojanowski. 265. 



Bolle. 201. 
Bonte. 9. 57. 
Borgstedt. 337. 
Boye 225. 401. 
Brandt. 17. 
Braune. 393. 
Braus. 81. 193. 
Breiderhoff. 17. 289. 
Bremme. 97- 
Brinkhaus. 17. 
Brück. 49. 
Brühl. 153. 
Brüger. 41. 241. 
Brunn. 89. 97. 
Brünnighaosen. 1 13. 
Büchtemann. 241. 
Bürger. 377. 
Busch. 241. 
Burtz. 65. 
Ganetta. 273. 
Carus. 145. 225. 
Casper. 321. 
Claus. 121. 233. 249. 
Closset. 313. 361. 
Colsmann. 281. 
Orüger. 209. 



Crusius. 145. 
Ourth. 185. 
Czapla. 241. 
DayidU. 321. 
Davidson. 337. 
Delins. 41. 
Dennert. 337. 
Deubel. 153. 193. 
Dick. 225. 289. 
Diefer. 353. 
Döring. 73. 145. 313. 
Dominick. 25. 
Dorenbei^. 137. 
Dreyer. 169. 
Droste. 17. 
Duhme. 233. 
Dnpuis. 249. 
Eggeling. 145. 225. 
Eiohling. 289. 
Einenkel. 289. 
Eisenhut 345. 
Eisner. 73. 
Eulenburg. 97. 
Falkenhan. 377. 
Falkenheim. 273. 
Fellenberg. 249. 



Ferrari. 361. 
Fibelkora. 113. 
Fischer. 9. 
Fleck. 145. 
Flame. 121. 169. 
Foerater. 129. 241. 
Fohl. 89. 
Friedel. 393. 
FriedläDder. 33. 337. 
Fritze. 129. 137, 
Fuchs. 145. 249. 39a 
Fünfhausen. 353. 
Fürst. 145. 
Fnrstenbeim. 225. 
Funk. 105. 
Gartzen. 209. 409. 
Gebauer. 1. 
Geifs. 225. 
Geisseier. 209. 
Gerold. 185. 225. 
Giersdorf. 9. 
Gillischewskj. 377. 
Gloffka. 225. 
Gödecke. 49. 
Gödel. 81. 
Göden. 313. 
Görig. 329. 
Göritz. 81. 
• GöUch. 185. 
Goldhom. 321. 
Gosebruch. 265. 
Gotthilf. 209. 
Greef. 177. 201. 
Greven. 201. 
Groene. 41. 
Grosser. 361. 
Grofswendt 41. 
Groussilliers. 41.* 
Grünfeld. 281. 289. 361. 
Güllmeister. 9. 
Guerin. 401. 
Gützloe. 281. 
▼an Gulik. 183. 
Gnmprecht. 401. 
Gusserow. 225. 
Qutsmuths. 401. 
Haacke. 345. 
Hagedom-Goetz. 209. 
Hagelberg. 353. 
Halle. 265. 
Hansen. 393. 
Hantschke. 401. 
Hartmann. 9. 345. 
Harwardt 281. 
HarUng. 409. 
Hartwig. 337. 
V. Haselberg. 145. 
Hauckold. 153. 
Hayne 121. 409. 
Hecker. 137. 
Hegener. 273. 
Heimlich. 89. 
Heinrich. 289. 
Hein. 49. 
BeintB. 81. 
Hellbarth 73. 
Heller. 409. 
Hencke. 57. 369. 
Hering. 185. 
Herold. 249. 
Herrmann. 377, 



Herrmanns. 361. 

Hertel. 145. 153. 

Heyer. 377. 

Heymann. 9. 57. 

Hirsch. 337. 

Höltzenbein. 297. 

Hölzer. 193. 

Hornig. 321. 

Hörster. 81. 

Hoffers. 97. 

Hoffmann 225. 321. 

Holthof. 73. 

Holzhausen. 119. 

Honert. 201. 241. 

Honigmann. 225. 

Hörn. 225. 

Hornig. 225. 

Hnlsmann. 1. 

Htithe. 129. 393 

Hüyn. 281. 

Ide. 113 

Ihl. 313. 

Isson 81. 

Jacoby. 153. 321 

Janisch. 345. 

Jansen. 145. 

Jefsnitzer. 145. 

Jitschin. 57. 

Joachim. 97. 

Jösting. 169. 

Jonas. 105. 

Jordan. 121. 193. 

Juliusberg. 289. 

Jung. 17. 

Kabiscb. 145. 

Kaddatz. 377. 

Kahnemann. 185. 225. 273. 

Keller. 353. 

Kellner. 49. 

Kerhuth. 353. 

Kersten. 225. 

Keyl. 185. 

V. Kiedrowsky. 409. 

Kikut. 377. 

Kirchberg. 17. 

Klein. 241. 337. 353. 

Knaup. 209. 

Koch. 161. 177. 

Köhler. 345. 

Koke. 41. 

Kolbe. 225. 

Koppel. 17. 

Koop. 209. 

Korn. 89. 401. 

Krabler. 121. 

Kramer. 409. 

Krause. 209. 

Krauthansen. 169. 

Krieg. 81. 

Krieger. 41. 

Kronenberg. 81. 97. 

Kronisch. 233. 

Kropp. 253. 

Krüger. 145. 169. 225. 

Kubale. 265. 

Kucke. 321. 

Kuehbacher 33. 409. 

Kühne. 401. 

Kuhrt. 41. 

Kypke-Burchardi. 321. 

Lämmerhirt. 265. 



Lamby. 241. 
Landsberg. 265. 
Lange. 313. 
Lebram. 81. 97. 
Legal. 249 
Legrand. 193. 401. 
Lehmann. 249. 289. 
Leinweber. 9. 
Lemcke. 81. 
Lentze. 185. 
Leske. 345. 
Linz. 225. 321. 
Levedang. 33. 345. 
Leviseur. 185. 
Lewin. 241. 
Lewisson. 249. 
Lex. 289. 
Liebert. 233. 
Lieckfeld. 225. 
Liedtke. 97. 
Liepelt 185. 
Lindau. 233. 
Lindner. 377. 
Löwenthal. 1 . 
Long. 185. 353. 
Lubenau. 345. 
Lucas. 321. 
Lüderwald 225. 
Mager. 281. 
Mankiewicz. 313. 353. 
Marcus. 377. 
Marcuse. 377. 
Marggraf. 145. 
Marrheinecke. 393. 
Markall. 369. 
Marquardt. 57. 1^1. 
Marx. 281. 345. 
Maximilian. 113. 
Mechelen. 313. 
Menzel. 265. 
Metzdorf. 225. 
Meurer. 97. 137. 
Meyer. 249. 281. 
Mtchelsen. 185. 
Molly. 337. 
Mossa. 25. 
Müller. 145. 249. 
Münch. 89. 
Münster. 257. 
Naunyn. 289. 
Neubert 121. 
Neumann. 361. 
Nienhaus. 1 . 
Nieter. 121. 
Nöldechen. 145. 
Nöthlichs. 65. 129. 
Obernier. 137. 193. 
Ohm. 93. 
V. Olfers. 14.5. 
Orth. :J45. 377. 
Paradies. 321. 
Pauli. 221. 
Pemaczinski. 345. 
Peters. 169. 
Peyser. 41. 
Pfeffer. 137. 
Pfeiffer. 121. 
Philippi. 89. 
Pinkus 241. 
Plaskuda. 145. 
Plümicke. 377. 



Podesta. 177. 
Pohl. 289. 
Pohlenz. 97. 
Praus. 313. 
Preller. 249. 401. 
Prevot 393. 
Priester. 185. 281. 
Prinzing. 193. 
Protz. 353. 
Przyjemski. 321. 
Pullen. 81. 

äuincke. 73. 
iddatz. 281. 
Rademacker. 233. 
Radey. 81. 
Ramsohüssel. 377. 
Ranschoff. 41. 
Richter. 33. 
Regenbrecht. 225. 
Reimer. 25. 
Rohde. 241. 
Riemer. 401. 
Roberg. 97. 
Robert. 161. 
Roberz. 193. 
Rogge. 41. 
Rohde. 34.5. 
Rohden. 49. 209. 
Rohl. 14.1. 
Rohlwes. 257. 
Rosenzweig. 209. 
Roskowski. 313. 
Rother. 337. 
Rummel. 81. 241. 
Runge. 105. 
Sachs. 9. 249. 265. 
Sack. 193. 
Sala. 41. 
Sämisch. 17. 
Sander. 185. 193. 
Sarter. 377. 
Sartor. 313. 
Schade. 41. 321. 
Schäfer. 193. 
Schäffer. 169. 
Schartow. 401. 
Scharlan 137. 385. 
Schaupensteiner. 225. 
Scherwinsky. 353. 
Scheu rieh. 353 
Schiffer. 225. 
Schirmer. 273. 
Schleich. 377. 
Sclileusner. 137. 
Schlesinger. 385. 
Schlichteweg. 41. 
Scblichting. 97. 
Schliwa. 377. 
Schmalz. 273. 
Schmidt. 17. 145. 
Schmitt. '289. 
Schmitz. 73. 
Schocher. 33. 
Schön 57. 
Schönfeld. 153. 
Scholl. 241. 
Schruff. 249. 
Schütte. 49. 
Schulze. 145. 353. 
Schulzen. 289. 
Schnitze. 273. 



XI 



Scholz. 401. 
Schumacher. 337. 
Schwanefeldt. 289.337. 
Scbwarcauer. 161. 
Schwarz. 377. 
Schweig. 313. 
Schweitzer. 226. 
Seile. 25. 
Senstiufl. 209. 
Sicke. 25. 
Siercks. 393. 
Siering. 169. 
Simon. 121. 249. 
Sklareck 17. 
V. SkotDicki. 209. 
Sommer. 265. 
Sommerfeld. 17. 
Sonderland. 161. 177. 
Sprengmann. 313. 
Spiegelthal. 97. 



Spiro. 249. 
SUnowaki. 361. 
Sunb. 129. 
Steinbanaen. 49. 
Steinmann. 393. 
Stich. 361. 409. 
Stiehl 249. 
Stofameiater. 1 13. 
Strafamann. 249. 
Stranoh. 377. 
Straafe. 105. 
Stratzki. 9. 
Stampf. 9. 
Suckow. 201. 
Süraen. 393. 
Snkkert. 353. 
Szitnick. 201. 
ThaniBch. 113. 
Thieme. 191. 
Thomas. 129. 



Tidden. 9. 
Tiemann. 385. 
Transfeld. 329. 
Uhden. 153. 
Ulmer. 241. 
Ulmers. 177. 
Unschuld. 313. 
Vater. 9. «1. 
Veitb. 153 
Veiten. 201. 
Vogel. 225. 
Vogeler. 353. 
Voigt. 257. 
Waldmann. 313. 
V^eese. 225. 
Weickhmann. 249. 
Weidner. 337. 
Weise. 121. 145. 
Werthen. 377. 
Wenzel. 121. 



Weyert. 377. 

Wichards. 313. 

Wiegand. 233. 

Wieaener. 57. 

Wietheger. 200. 

Willerbach. 233. 

Wimmer. 337. 

Winter. 313. 

W51ke. 193. 

Wolff. 57. 289. 337. 3(»a. 361. 

393 
Woltersdorf. 225. . 
Wurringen. 145. 
Ziegert. 257. 329. 
Zimmermann. 321. 
Ziureck. 393. 
Zucker. 185. 
Zühlke. 281. 



TodesfiUle. 



BSbren. 169. 
Bahrs. 81. 
Behm. 145. 
Beyel. 217. 
Beyer. 321. 
Bischoping. 17. 
Bona. 289. 
Borggreye. 209. 
Bröninghausen 409. 
Bunke. 49. 
Cohn. 353. 
Connor. 241. 
Daub. 233. 
Deiters. 40t. 
Dietrich. 65. 
Dncroix. 33. 
Du Mont. 217. 
Eckardt. 201. 
Ehlers. 297. 
Eichner. 9. 
Falkenstein. 121. 
Fatilborn. 305. 
Fischer. 49. 81. 265. 
Fock. 401. 
Francke. 321. 
Gaspary. 185. 
Gembicki 41. 
Gerber. 361. 
Geron. 145. 
Gieseler 273. 
Gobert. 401. 
Graff. 129. 
Grnbert 337. 
Gruhn 329 
Härtung. 345. 
Hattinger. 3:37. 352. 



Hayn. 249. 353. 
Heck. 121. 
Heidingfeld. 89. 
Heinrich 129. 
Hellekessel. 25. 
Herrmann. 321. 
Hoffmann. 129. 
Hfibner. 73. 
Jitschin. 321. 
Joei. 121. 
Just. 113. 
Karthaus. 121. 
Kilian. 265. 
Klötzke. 81. 
Knope. 49. 
Köfel. 257. 
Köhler. 121. 
Kriege. 161. 
Kunze. 273. 
Lam brecht. 185. 
Lerche. 89. 
Lindau. 177. 
Löwenberg. 161. 
Mahlendorf. 121. 
Mantey. 145. 
Mechelen. 329. 
Meyer. 385. 
Müller. 137. 
Nöllau. 97. 
Patein 129. 
Pauls. 25. 
Peukert. 89. 
Prieger. 193. 
Pripnow. 113. 
Rampelmann. 49. 
Rebling. 353. 



Reinmann. 209. 
Renelt. ^37. 
Rohowsky. 201. 
Ryll. 17. 
SamA 387. 
Sauerland. 337. 
Schlecht 345. 
Schneider. 145. 
Schön. 129. 
Schramm. 73. 
Schulz. 1. 
Schuster. 169. 
Sieber. 281. 
Sonderland. 337. 
Steinbarth. 161. 
Strahl. 185. 
Tendering. 385. 
V. Tesmar. 281. 
Thomae. 201. 
Tobias. 281. 
Tubbesing. 153. 
Unkelbach. 161. 
Varges. 177. 
Vormann. 233. 
Weifsenfeis. 377. 
Wenkebach. 145. 
Wiesing. 401. 
Willing. 57. 
Wittchow. 97. 
Wolff. 233. 
Wutzer. 305. 
Zander. 145. 
ZemiaL 145. 
Zimmermann. 161. 



Ph^giker, 

Aachen. 345. 
Adelnau. 40l. 
Bergheim 353. 369. 
Buiizlau. 201. 
ConiU. 385. 



Offene Medioinal-SteUeiL 

Crenznach. 193. 

Dann. 33. 159. 361. 

Erkelenz 125. 

Halle (Reg.-Bezirk Minden). 273. 409. 

Mogilno. 281. 

Montjoie. 25. 

Oels. 49. 



Osterode. 321. 353. 
Rosenberg. 73. 
Rammelsbnrg. 25. 
Samter. 345. 354. 
Schildberg. 121. 
Schroda. 247. 
Simmem. 337. 



XH 



' Krtu- Wundärzte, 

Darkehmen. 113. 
Gladbach. 129. 
Heiligenatedt. 89, 
Landaberg. 369. 378. 
Moera. 265. 409. 
Mogilno. 353. 369. 
Kaugard. 297. 305. 
I^ewtatlk. 73. 60. 
Rummelsbarg. 137. 159. 
Saarbuig. 41. 385. 
Soraa. 1. 



Steinao. 353. 
Sternberg. 329. 369. 
Strehien. 321. 
Trier. 257. 
Wehlao. 33. 
Wirait«. 1. 

Krett-l^ierSrzie, 

Bereut. 281. 

Braimaberg-Heiiigttnbeü. 241. 
Conitz. 378. 
Fiachhansen. 337. 
Grandens. 297. 

Direktor-Stelle der Rritat-Irrenaiistalt au 



Greiffenberg-Oammm. 321. 329. 

Kulm 297. 

Montjoie. 321/ 

Neiaae. 57. 

Paderborn. 265. 

Schieiden. 321. 

Schwets. 401. 

StaUupteen. 401. 

Steiofnrt-Teklenburg. 177. 

Wireiti. 337. 

ZeU. 361. 



org. 137. 



Keue Folge. 
VI. Jahrgang. 



PREÜSSISCHE 



Di«t« Z«ltang «rtehtiat wSoh«iit- eh. 

Der Preis des gansen Jahrgangs, weleher 

Dlpbt getrennt wird, ist 8 Thlr. 20 8gr. 



MEDICINJÜU^ZEITUNG. 

HerauBgegeben yOK,aein Verein ftlr -milkunde in Preussen 

unter Benittzniig amtlicher Mittlieiloiigen lies tM^ Ktfisteriiuns der geistlieheii, Unterrielits- 
und Medicinal-Ängelegeiihe^e^^^^^r^^igl. Provinzial-BeliQrdeiL 

Redaoteui: E. Müller, Geh. Medicinal-Bath etc. 



1863. 




7. Januar. 



Inhalt. Amtlicher Theil ; Personalien. — Die Sterblichkeit der Kinder in Berlin wShrend der Jahre 1851 — 1860; von £. Loe- 
wer. -r Statistische (Jebersicht der im Jahre 1861 in dem Niederbarnim sehen Kreise gehobenen Gebarten, lusammengestellt aus den 
Hebammen-Tagebüchern; von Krieger. — Tagesereignisse und andenreite Mittheiinngen. — Literatur. — Anzeigen. 



Amtlicher TheiL 

PersonalieBe 

Auszeiehniingen. 

Se. Mije8tfit der König haben allergnfidigst geruht, 
dem Geheimen Ober-Medicinalrath und Prof. Dr. E. Mit- 
Bcherlich sa Berlin den Egl. Kronen-Orden II. Klasse, 

dem Geheimen Gber-MediciDalrath im Ministerium der 
geistlichen, Unterrichts- und Medicinal-Angelegenheiten Dr. 
Houseile, dem Geh. Medicinalrath Prof. Dr. Gnrlt und 
dem Apotheker G US t. LouisVoigt £u Berlin den KSnigl. 
Kronen-Orden III. Klasse, so wie 

dem Geheimeu Medicinalrath und Professor Dr. 0* O. 
Mit seh er lieh und dem Medicinalrath Dr. Schacht su 
Berlin den Rotben Adler-Orden III. Klasse mit der Schleife; 
femer 

dem ordentlichen Professor der med. Fakultät der Dni- 
trersitat sn Königsberg Dr. Hirsch den Charakter als Ge* 
heimer Medicinalrath, sowie 

dem Kreis-Phjsikus Dr. Delbrück su Halle a. d. 8* 
und dem praktischen Arzte Dr. Woppisch zu Zeitz den 
Charakter als Sanitfitsrath zu verleihen. 

Anstellungen. 

Der Privatdocent Dr. Rob. Mich. Olshausen in 
Halle ist zum au fserordentlicben Professor der Geburtshnife 
In der med. Fakultät der Königl. Universität daselbst, und 

der Wuudarzt erster Klasse Herrmann zu Schwei- 



nitz zum Kreis* Wundarzt des Kreises Schweiniti ernannt 
worden. 

Hiederlassnngen* 

Der praktische Arzt Dr. Löwenthal hat sich in 
Wrietzen und Dr. Hnlsmann in Barmen niedergelassen. 

Der praktische Arzt Dr. Oebaner ist von Podgon 
nach Heiligenbeil gesogen. 

Apotheken-Angelegenheit 
Der Apotheker Nienhaus hat die Hasse'sche Apo» 
theke in Blankenstein gekauft. 

TodesfolL 
Der Kreis-Wundarzt Schulz in Sorau ist gestorben. 

Offene Medicinal- Stellen. 
Die Kreis-Wundarzt- Stelle des Kreises Sorau, Reg.- 
Bezirk Frankfurt, ist erledigt. 

Die mit einem Gehalte von 100 Tblrn. verbundene 
Kreis-Wundarzt-Stelle des Wirsitzer Kreises ist erledigt 
und soll anderweit besetzt werden. 

QualifLcirte Bewerber um die Vacanz haben sich, mit 
Binreichung ihrer Zeugnisse spätestens in 4 Wochen bei 
uns su melden. 

Bromberg, den 24. December 1862. 

Königl. Regierung, Abth. des Innern. 



Die Sterblichkeit der Kinder in Berlin wlibrend der 
Jahre 1851-1860. 

Vom Stabsarzt Dr. E. Ii0eW6r in Berlin. 

Wer fiQBere Hauptstadt vor .zehn Jabren gesehen hat 
Dsd sie heute sieht, dem können die grofsartigen Verfindc- 
rungen nicht entgehen, die in seinem Innern während die- 
ser Zeit vorgegangen sind. Es ist offenbar, dass dieselben 
einen bedeutenden Einfiuss auf seine Bevölkerung ausüben 
müssen, und dass dadurch alle Resultate, die eine Beob- 
achtung aus frühem Jahren ergeben haben, sich modifici- 
ren werden. Nur mit grofser Freude kann man das Stre- 
ben der Verwaltung beobachten, an vielen Stellen den dich- 
ten Häusercomplex zu durchbrechen und so der Luft den 
Zutritt durch neue, breite Strafsen da zu gestatten, wohin 
sie sonst nur schwer und mangelhaft gelangen konnte. Man 
hat sich somit beeilt, dem Verlangen der allgemeinen Hy- 
giene nachzukommen, das Zusammendrängen der Hauser 
zu grofsen Massen zu vermeiden, resp. aufzuheben, da sie 
mit Recht in dem Oegentheile eine wichtige Ursache der 
allgemeinen Ungesundheit eines Ortes sieht. Es wird über- 
flSssig sein, darauf hinzuweisen, welcher grofser Vortheil 
gerade der Einderwelt aus dieser Neuerung erwächst Nicht 
allein zum Ersätze der hierbei verschwundenen Häuser, 
sondern auch zur Unterbringung der fortwährend wachsen« 
den Einwohnerzahl sind Neubauten nöthig gewesen und sie 
erheben sich fast in allen Theiien der Stadt einzeln, oder 
mehrere neben einander, oder in längeren Reihen neue 
Strafsen einfriedigend. Jedes neue Haus ist aber mit um 
so mehr Freade zu begrufsen, als es. Dank der Berliner 
Bauordnung vom 21. April 1853, sehr viele Uebelstande 
ausschliefst, die in den vor jener Zeit aufgeführten Gebäu- 
den eine Quelle der Ungesundheit waren und es mit der 
Zeit immer mehr wurden. Wenn man die Kellerwohnun- 
gen von heute mit denen aus älterer Zeit vergleicht, so 
tritt der gewaltigste Unterschied und die segensreiche Ein- 
• Wirkung der genannten Verordnung sofort in die Augen; 
jene sind nicht etwa seltener geworden, aber es ist dies 
auch nicht nöthig, da sie jetzt wirklich Wohnungen sind, 
während sie früher nur als nothdurftiger, durch Dunkelheit 
und Feuchtigkeit sich auszeichnender Ersatz für solche gel- 
ten konnten. Da sie immer von der ärmern Klasse der 
Einwohnerschaft bewohnt werden, die das Proletariat der 
Stadt bilden, d. h. den Theil, dessen einziges Hab und Gut 
in den proles besteht, so werden naturlich diese den Segen 
der neuen Einrichtung am nachhaltigsten und eingreifend- 
sten empfinden. Wir müssen dieselbe aber um so freudi- 
ger begrufsen, als der allerdings bereits vor circa 30 Jah- 
ren begonnene >), in der letzten Zeit aber mit immer gröfse- 



') CommuDalblatt der Haupt- und Residenzstadt Berlin 1860 
No. 2. p. 18. 



ren Schritten stattgefundene Aufschwung Berlins als Fabrik- 
stadt die indastrielle Bevölkerung nicht in naturgemäfser, 
sondern vielmehr in durchaus abnormer Weise vermehrt 
bat. Am aller bedeotendeten hat sich vor Allem neuer- 
dings der Stand der Fabrikarbeiter entwickelt, und durch- 
aus abnorm ist es allerdings, wenn unter 1000 Fabrikar- 
beitern des preufsiscben Staats überhaupt allein auf die 
Hauptstadt 40,7 kommen, während zu derselben Zeit von 
1000 Einwohnern Preufsens im Allgemeinen auf Berlin nur 
25,4 zu rechnen sind. Abgesehen aber auch davon, dass 
diese Klasse der Bevölkerung in der Regel mit Nachkom- 
menschaft reich gesegnet ist, dass die regelmäfsige und er- 
giebige Beschäftigung der Väter auch eine Lebensfrage für 
die Kinder ist, und dass der durch ungünstige Zeitverhält- 
nisse, oder durch Gesundheitsschwäche des Ernährers so 
leicht eintretende Mangel an Erwerb den gewaltigsten Rück- 
schlag auf das Gedeihen der Kinder ausübt, so hängt mit 
dem obigen Umstände auch noch eng zusammen, dass bis 
vor wenigen Jahren nirgend so viel Kinder in den Fabri- 
ken verwendet wurden, als in Berlin. Ist es nicht aber- 
mals abnorm, wenn 1847 in Berlin allein 32 p. M. von 8 
bis 14jährigen Kindern in Fabriken beschäftigt wurden, wäh- 
rend im ganzen preufsiscben Staate dies nur überhaupt bei 
13 p. M. stattfand? Ist es unter solchen Umständen zu 
verwundern, wenn Krankheit und Siechthum als Folge ei- 
ner so leichten Ueberanstrengung dieser unentwickelten 
Kräfte eintritt, wenn früher Tod, wenn auch vielleicht nicht 
in den Kinderjahren, so doch mehr oder weniger bald nach 
ihnen dies zu früh thätige Leben beschliefst? Der indu- 
strielle Aufschwung Borlins ist aber nicht die einzige, wenn 
auch hauptsächlichste Ursache der aufserordentlichen Zu- 
nahme seiner Bevölkerung. Die Stadt übt, wie jede Haupt- 
stadt, eine grofse Attractionskraft aus, und diese magneti- 
sche Kraft wächst immer mit den Jahren , ohne dass je- 
mals eine Schwäche durch Ueberladuog eintritt. Die an- 
derwärts getäuschte Hoffnung, das Selbstbewusstsein, die 
Speculation suchen hier gleichmäfsig ihren Zufluchtsort und 
fügen immer neue Massen zu den schon vorhandenen hinzu. 
Die Bevölkerung Berlins hat sich seit 30 Jahren fast ver- 
doppelt, und springt dies unnatürliche Verhältniss beson- 
ders in die Augen, wenn man bedenkt, dass andere Haupt- 
städte bei einem Vergleiche weit zurückbleiben, dass sich 
beispielsweise die Population St. Petersburgs nur etwa um 
•f , die von Paris um |, die von London und Wien um etwa 
f des früheren Bestandes während desselben Zeitraums ver^ 
mehrt hat. Wenn sich Berlin nun auch beträchtlich in sei- 
nem Umfange vergröfsert hat, so ist dies doch nicht im 
Verhältniss zu der wachsenden Einwohnerzahl gewesen, 
und was ist die Folge? Enges Zusammendrängen vieler 
Menschen, ja mehrerer Familien in engen Wohnungen und 
Anhäufong aller möglichen, die Gesundheit untergrabenden 
Potenzen. 



Die« 18t das Terraio, aaf dem wir ans mit den folgeo- 
dcB Nachweisen sn bewegen haben. Auf der einen Seite 
steht die Verwaltung der Stadt mit dem Bestreben, die all- 
gemeinen Gesandheits- Verhältnisse su verbessern, auf der 
andern das Bevolkerongs-Verhältniss mit einem direkt da- 
gegen wirkenden Verhalten* 



Die allgemeinste Uebersicht, die ans gleichsam in die 
spätem Forschnngen einleitet, erhalten wir, wenti wir das 
MortalitätB - Verhältniss der Kinder im Verglekh so der 
Summe der lebenden Kinder stellen, wie je» Tabb L dar- 
stelk. 



Tabelle I. 



• Es lebten Kinder >) 


Es starben Kinder *> 


ProoentsaU der gestorbenen 
Kinder von den lebenden 


In den 

Jahren 


Somma 


Knaben 


Mädchen 


In den 
Jahren») 


Summa 


Knaben 


Mädchen 


Summa 


Knaben 


Mädchen 


1852 
1855 

1858 


125714 
123811 

130696 


63840 
62913 
65889 


61874 
60898 
64807 


1851/53 
185V^6 
1857yö9 


5814 

5722 
6403 


3073 
3014 
3415 


2741 

2708 
2988 


4,62 
4,61 
4,89 


4,81 

4,77 
5,18 


4,43 
4,45 
4,61 



Das Resultat dieser Tabelle wäre also, dass auf 100 
Lebende 4| Todesfälle dorchschnittlich vorkommen. Bs 
kann dies naturlich nur ganz allgemein hingestellt werden, 
da es einestheils keine unstabilere Oröfse giebt, als eine, 
wenn auch nur theilweise Einwohnerzahl, die sich durch 
Za- und Abzug fortwährend verändert, aOderntheils die Pro- 
oentsätze 4ie Summe aller jener Einwirkungen darstelka, 
die den Tod zur Folge gehabt haben, von 'denen die einen 
aber in einem Jahre mehr als die andern aufgetreten sein 
kdnnen. Das Resultat ist deshalb nur als Thatsache so 
verwerthen, die uns zu einem Vergleiche nicht berechtigt, 
um daraus das gSnstigere oder ungünstigere Mortaiitätsver- 
bältniss der Kinder in Berlin andern Städten gegenüber so 
erschHefsen. Es ist beispielsweise bekannt, dass der bei 
weitem grofste Theil, der in Paris gebornen Kinder zu Ass- 
men auf das Land gegeben wird, so dass dieselben, wenn 
sie sterben, nicht das städtische Register belasten. In Ber- 
lin herrscht aber gerade das umgekehrte Verhältniss, nicht 
allein, dass alle in der Stadt gebornen, ehelichen wie un- 
ehelichen, Kinder in derselben verbleiben, sondern es kom- 
men sogar aus allen Theilen des Reiches eine grofse An- 
zahl werdender Mutter herzu, um sich unter dem Alles ver- 
deckenden Lärm der grofsen Stadt von den Folgen eines 
Fehltritts zu befreien, ja es werden sogar viele aufserebe- 
licbe Kinder nach Berlin in Pflege gegeben, da hier am 
leichtesten aber ihre Existenz der Schleier des Geheimnis- 
ses gedeckt werden kann. Die vorwiegende Sterblichkeit 

' ) Ans den Polizeiakten nach den Volkszählungen zusammen- 
gea teilt. 

') Nach den monatlichen Sterbelisten des König!. Po- 
lizei-PrSsidiums, die überhaupt für alle folgenden Tabellen benutzt 
sind, wenn nicht eine andere Quelle besonders namhaft ge- 
macht ist. 

') Die Zahlen sind das arithmetische Mittel aus den Sum- 
men, die das Zählungsjahr mit dem ?orhergehenden und nachfol- 
genden ergeben. 



der aufsereheliche» Kinder ist aber eine feststehende Thal- 
sache und es liegt auf der Hand, dass sie nicht ohne Rück- 
wirkung auf die allgemeine Kindersterblichkeit sein kann. 
Es wurde deshalb ein Vergleich zwischen Paris und Berlin 
zu dem ganz unrichtigen Schlüsse verleiten, dass die Sterb- 
lichkeit in letzterer Stadt eine beträchtlich grofsere sei. In 
andern Städten werden wieder andere Verschiedenheiten ei- 
nen Vergleich unmöglich machen, und wurde Berlin gewiss 
im Vortheile einer Stadt gegenüber sein, die ein grofses 
Findelbaus besitzt, welches die unehelichen Kinder aus ei- 
nem engern oder weitern Umkreise aufnimmt und wenig- 
stens zum gröfsern Theile besitzt, wie es beispielsweise in 
Mailand der Fall ist. Auch Paris hat sein Findelhans, aber 
es tritt hier in sofern ein anderes Verhältniss ein, als dies 
nur ein Depot für die Kinder bildet und sie sobald als 
möglich auf dem Lande unterbringt, sie also fSr die ge- 
fährlichsten Jahre der Möglichkeit entrückt, in der Stadt 
selbst zu sterben. Casper ■) hat hierauf, wie auf ein ähn- 
lich einwirkendes Moment für London und Wien aufmerk- 
sam gemacht, die ebenfalls ihre Findelhäuser besitzen, und 
kommt deshalb zu dem natürlichen Schlüsse, dass bestimmte 
Parallelen zwischen diesen Städten hinsichtlich des Sterb- 
lichkeitsverhältnisses gar nicht, oder nur mit vorsichtiger 
Berücksichtigung aller dieser verschiedenen Eigenthümlich- 
keiten gezogen werden können. Rechnet man zu diesen 
differencirenden Einflüssen Klima und Volksgebräucbe hin- 
zu, so werden wir zu unserer ersten Aussage immer mehr 
zurückgeführt, in dem gewonnenen Resultate nur eine ein- 
fache Thatsache sehen zu können. Ein zu einem gewissen 
Schlüsse berechtigendes Resultat erhalten wir schon, wenn 
wir die Summe der gestorbenen Kinder mit der Gesammt- 
zahl aller in den einzelnen Jahren Gestorbenen vergleichen. 
Aber auch hier wollen wir vorweg bemerken, dass wir es 
mit einer fortwährend fluktuirenden Einwohnerzahl zu thun 

') C asper. Die wahrscheinliche Lebensdauer des Menschen» 
BerUn 1835. p. 100. 



haben, daas jedea Besoltat nicht positiir, aondern nar an- 
nähernd Bein kann. Vor Allem moBS dabei berncksichtigt 
werdep» ^asfi der Zuzog in Berlin cum allergrofsten Theile 
aus £hatkr£ftigef) und tbatsüchtigen Personen im mittlereq 
Lebensalter besteht, die sich noch mit dem Leben messen 
wollen, irohrand der Abgang sich ans Personen des höhe- 
ren Alters xasa mm ansetzt, die ihr erworbenes Out oder ihre 
t^erdicnte Pension fern von dem gerfiusch vollen Treiben der 
Hauptstadt in Ruhe and Stillleben geniefsen wollen. £r- 
Btere, iu der Bluthe des Lebens, verfallen dem Tode nicht 
80 bald, als es mit letztern der Fall sein würde. Diese 
aber, die die grofse Sterblichkeit des Eindesalters zam Theil 
compensiren wurden, finden ihre Rahest&tte in der Provin- 
2ialstadt, in die sie sich snruckgezogen hatten und die dor- 
tigen Register enthalten ihre Namen. Da hierdurch also für 
Berlin die Sterblichkeit der Kinder im Vergleich zur 6e- 
sammtsterbe^ahL in ein ungünstigeres Licht gestellt wird, 
als es vielleicht an andern Orten der Fall ist, so muss die- 
ser Umstand bei den Ergebnissen der Zusammenstellung, 
wie sie Tab. IL gtebt, im Auge behalten werden. 

Tabelle IL 



Es iiud gestorben 


davon Kinder 

bis zum 
15ten Jahre 


Procent 


in den Jahren überhaupt 




läai 


9844 


5315 


54,0 


1852 


10970 


6005 


54,74 


1853 


11827 


6121 


51,76 


1854 


10295 


5443 


52,88 


I&55 


12168 


6013 


49,42 


1856 


10840 


5710 


52,64 


1857 


12642 


6518 


51,55 


1858 


11857 


5933 


50,04 


1859 


12243 


6758 


55,20 


1860 


11139 


5646 


49,06 


1851—1860 


113833 


59462 


52,24 



DasErgebniis dieser Tabelle Usst sich dahin aasspre- 
chen, daes bei der Summe aller, w&hrend des zehnjährigen 
Zettraams Gestorbenen das Kindesalter mit mehr als 52 
pCt. betheiligt ist, und Iftsst den allgemeinen Schluss zo, 
dass eine beträchtlich gröfsere Anzahl von Menschen in 
Berlin während des Eindesalters, als in den spätem Jah- 
ren binweggerafft wird. Es beschleicht uns allerdings ein 
trauriges Gefnbl^ wenn wir bedenken, wie viel Hoffnung 
und Freude dadurch zu Grabe getragen, wie viel Schmer« 
und Trauer dadurch erzeugt wird. Bedenken wir aber, wie 
schwach und hülflos der Mensch in seinen ersten Lebens- 
jahren ist, sehen wir später, in welcher Weise sich die 
Sterblichkeit auf die einzelnen Eindeijahre vertheilt , und 



dass in einer enormen Weise gerade das erste Jahr bela* 
stet ist, so scheint uns diese Zahl nicht mehr so Staunen- 
erregend. Der Mensch ist nun einmal im Beginn semes 
Lebens auf Andere angewiesen, und so selbstständig er in 
der Blnthezeit seines Daseins ist, so sehr bedarf er in der 
ersten Zelt desselben der Sorge, Pflege und Aufmerksam- 
keit seiner Umgebung. Wo diese nicht vorhanden sind, da 
wird das Baqd wieder gelöst, das ihn vorläufig nur schwach 
an das Leben knüpft, und dass sie oft fehlen, ist eine eben 
so bekannte, wie bedauernswerthe Thatsache. Ein furcht- 
bares Resultat liefert die Kindersterblichkeit der Gesammt- 
snmme der Gestorbenen gegenüber in den grofsen Städteu 
der Union *)» ^o der Mangel einer guten, öffentlichen Ge- 
suqdheitspflege sich mit den Verhältnissen des Klimas ver- 
einigt, um die Kinderwelt zu verheeren. Die Sterblichkeit 
der Kinder allein unter 5 Jahren betrug 1838: 50 pCt., 
1855: 60 pCt und 1857 die nnerhörte Höhe von 70 pCt. 
in New-York. Die Gesammtsumme der in der Stadt New- 
York in den 10 Jahren von 1848 — 1857 gestorbenen Kin- 
der beläuft sich auf die ungeheure Zahl von 138158 gegen 
82117 Erwachsene. Li Philadelphia betrug die Sterblich- 
keit der Kinder schon 1839 51 pCt. von der Gesammt- 
samme der Todesfälle, und sie ist nachher in ähnlichen 
Proportionen gestiegen, wie in New-York. Wir haben hier- 
mit allerdings nur ein Extrem vorgeführt , aber haben es 
thun wollen, um zu zeigen, dass dieses Extrem überhaupt 
möglich ist 

Wir können das Sterblichkeitsverhältniss einer bestimm- 
ten Generation annähernd bestimmen, wenn wir die in ei- 
nem bestimmten Zeitraum Gestorbenen mit den darin Ge- 
bomen vergleichen, wie es Tabelle HI. thut. 

Tabelle HL 



In den Jahren 


starben 
Kinder 


wurden 
geboren *) 


Procent 


1851 


5315 


15335 


34,65 


1852 


6005 


15408 


38,97 


1853 


6121 


14060 


43,53 


1854 


5443 


15194 


35,82 


1855 


6013 


14953 


40,21 


1856 


5710 


15279 


37,37 


1857 


6518 


16104 


40.47 


1858 


5933 


16319 


36,35 


1859 


6758 


17202 


39,28 


1860 


5646 


18226 


30,97 


1851-1860 


59462 


158080 


37,61 



>) Journal für Kinderkrankheiten von B ehrend und Hil- 
debrand Bd. 33. 1859. p. 124. 

•) Hinsichtlich der Gebomen conf. Tab. VH. 



/ 



Das Resnltat der Tabelle würde also anDähernd sein, 
dass von einer bestimmten Generation 37,61 pCt. im Laufe 
der Kindeijabre sterben, und dass demnach , um mit dem 
Aasdrucke Engel's ') su reden, 62,39 in das productiye 
Lebensälter treten, .wenn man anter ihm das versteht, in 
welchem für die grofse Mehrzahl die Möglichkeit beginnt, 
sich selbst ihr Brod zu erwerben, was natürlich fär die be* 
trächtliche Zahl derer nicht passt, die sich höhern Berufs- 
arten widmen. Gas per *) hat bei seinen Untersuchungen 
über die Jahre 1818— 1S29 gefunden, dass 52 pGt. aller 
Gehörnen das Ende der Kinderjahre erleben , und würde 
somit ein weit ungünstigeres Resultat erzielt haben, als es 
unsere Tabelle ergiebt« Bedenken wir aber, dass zwischen 
beiden Zusammenstellungen ein Zeitraum von circa 30 Jah- 
ren liegt, dass während dieser 2^it von der Stadt, wie von 
zahlreichen Privat- Vereinen aufserordentlich viel gethan ist, 
am der excessiven Kindersterblichkeit entgegen zu treten, 
dass mit den Jahren zunehmend gerade durch die überzeu- 
gende Sprache der Statistik ein fortwährend wachsendes 
Streben sich documentirt hat, neue Wohlthfitigkeits-Anstal- 
ten und Vereine zu gründen, so wird uns diese erfreuliche 
Differenz erklärlich erscheinen; 

Zudem weist Casper ') auch nach, dass die Lebens- 
dauer gegen ehemals fortwfihrend zugenommen hat, und 
dass ein Vergleich der Sterblichkeit in den Jahren 1752 
bis 1755 mit dem Zeiträume von 1818—1829 in Berlin 
ergiebt,. dass in dem letztern 48 vom Tausend weniger in 
den Kinderjahren starben, als in dem erstem. Es würde 



sieh hieran also ganz natürlich anknüpfen, dass auch von 
1829 — 1860 die Kindersterblichkeit sich abermals verrin- 
gert hat, und dadurch wieder eine Zunahme der Lebens- 
dauer bedingt ist. Allerdings ist das in unserer Tabelle 
enthaltene Resultat nicht ganz positiv, da in der Reihe der 
Gestorbenen sich viele befinden, die schon vor dem zehn- 
jährigen Zeiträume geboren sind und demnach nicht die in 
dieser Zeit Gehörnen den aus ihrer Zahl in derselben Zeit 
Gestorbenen gegenübergesetzt sind. Es ist aber bekannt- 
lich eine statistische Erfahrung, dass der Vergleich der 
jährlichen Zahl der Gebornen mit der jährlichen Zahl der 
Gestorbenen annäherungsweise dasselbe Proportionsresultat 
giebt, als die Berechnung, wie viel von einer, bestimmten 
Anzahl Geborner nach einer bestimmten Zeit noch am Le- 
ben, resp. wie viel bis dahin gestorben sind, welchen Weg 
Casper eingeschlagen hat. . 

Die absolute Sterblichkeit der Kinder hängt zuvörderst 
von individuellen Einflüssen ab, die sich nach den physi- 
schen oder socialen Lebensverhältnissen gehend machen. 
Zur erstem Categorie haben wir das Alter und das Ge- 
schlecht zu rechnen. 

Alle Schriftsteller, so viele über Kindersterblichkeit ge- 
schrieben haben , vindiciren dem Alter der Kinder einen 
aufserordentlicben Einfluss, mögen sie nun ganze Länder, 
oder nur einzelne Städte in Betracht gezogen haben. Der- 
selbe wird sich natürlich auch in Berlin geltend machen 
und gestaltet sich danach das Verhältniss wie es Tab. IV. 
vorführt. 



Tabelle IV. 



In den Jahren 


üeber- 
hanpt 


Davon in dem Lebensalter von *) 




O-l 

Jahre 


1-2 

Jahre 


2-3 

Jahre 


3-^4 

Jahre 


4-r5 

Jahre 


5-10 

Jahre 


10—15 

Jahre 


1851 

1852 

1853 

1854 

1855 

1856 

1857 

1858 

1859 
^1860 
1851—1860 


5315 : 

6005 
6121 
5443 
6013 
5710 
6518 
5933 
6758 
5646 
59462 


3022 
3160 
3197 
3121 
3189 
3099 
3958 
3995 
4475 
3717 
34933 


920 
1086 
1217 

948 
1130 
1013 
1113 

1172 

899 
10306 


451 

499 
560 
427 
502 
487 
493 
356 
426 
345 
4546 


270 
356 
360 
305 
313 
356 
278 
283 
195 
216 
2887 


196 
258 
234 
187 
236 
218 
187 
139 
138 
123 
1916 


352 
498 
414 
354 
469 
402 
354 
270 
242 
234 
3589 


104 
148 
139 
98 
174 
133 
135 
132 
110 
112 
1285 


In Procenten starb 
Gesammtsumme 


en von der 
• • • • 


58,75 


17,33 


7,64 


4,85 


3,22 


6,03 , 


2,16 



') Zeitschrift des Königl. PreuOs. statistischen Bureaus. Oo- 
toher bis December 1861. p. 323. 

') Casper, die wahrscheinliche Lebensdauer des Menschen, 
p. 37. 



*) Casper, diewahrscheinl.Lebensd.d. Menschen. p.ll2u.l26. 

*) Wo nicht besonders das Gegentheil erwähnt ist, sind die 
Todtgebornen jedesmal in Abzug gebracht, die in den amtlichen 
Listen unter den Gestorbenen mit aufgeführt sind. 



Die sieh aas dieser Tabelle ergebenden Resultate wür- 
den also sein: 

1 ) Es findet mit den vorrfickenden Jahren eine fortwfth« 
rende Abnahme des Sterblfchkeitsverbfiltnisses statt; 

2) das erste Lebensjahr ist das fSr die Kinder geffihr- 
lichste, da es beträchtlich mehr, als die Hftlfte Ton 
ihnen wegrafft; 

3) Während aocb das sweite Jahr noch eine bedeutende 
Sterblichkeit darbietet, nimmt sie nach Vollendung 
desselben mit einem Sprunge ab; nach Tollendetem 
dritten Jahre wird sie immer, aber allrofilig geringer 
und gestaltet sich am gSnstigsten irom lOten — 15ten 
Lebensjahre. 

(FortsetKuog folgt) 

Statistische Uebersicht der im Jabre 1861 in dem 
Niederbarnimschen Kreise gehobenen Geburten, zu- 
sammengestellt aus den Hebammen-TagebOchern. 

Von dem Kreis-Phjsikus Med.-Rath Dr. Krieger in Berlin. 

Von den 58 im Jahre 1861 in dem Kreise Niederbar^ 
nim praktizirenden Hebammen haben 2 keine Entbindung 
verrichtet, beide wegen hohen Alters, dagegen ist eine eme* 
ritirte Hebamme, welche jetzt in Pankow lebt, za wieder» 
hohen Malen zn Hülfe gerofen, wenn die dortige HebamnM 
anderweitig beschäftigt war, es sind mithin 57 Hebammen 
in Funktion gewesen. Dieselben haben im Ganzen 2732 
Geburten gehoben und von diesen 2636 als zeitige, 4 als 
uberzeitige, 63 als frühzeitige, 29 als unzeitige yerzeicbnet. 
Dnter letzteren waren 5 Fruchte so jung, dass deren Ge- 
schlecht noch nicht erkennbar war. Zwillingsgeburten ka* 
men 41 Mal vor, und zwar 2 Knaben 11 Mal, 2 Mädchen 
11 Mal, ein Knabe und ein Mfidchen 14 Mal, und ein Mäd- 
chen und ein Knabe 3 Mal, nicht angegeben ist das Ge- 
schlecht bei 2. — Eine Drillingsgeburt beförderte 3 Kna- 
ben zur Welt, welche sämmtlicb gut gedeihen. Im Ganzen 
sind geboren worden Knaben 1434, Mädchen 1331, mithin 
unter Hinzurechnung der beiden Zwillingspaare, deren Ge- 
schlecht nicht verzeichnet ist, zusammen 2796 Kinder. 

In Betreff der Kindeslagen ist zu erwähnen, dass 2582 
Scheitellagen, 17 Gesichtslagen, 80 Beckenendlagen vorka- 
men, nämlich 41 Steisslagen, 1 Knielage, 38 Fufslagen, 
ferner 15 Querlagen, 14 Schieflagen. Nicht angegeben ist 
die Kindeslage in 66 Fällen, und zwar bei unzeitigen Ge- 
burten 16 Mal, weil die Hebamme das Kind schon gebo- 
ren vorfand 14 Mal, ohne Angabe der Ursache 36. Da 
man aber annehmen kann, dass diejenigen Geburten, bei 
denen die Hebamme zu spät erschienen ist, leicht und re- 
gelmäfsig verlaufen sind, mithin in diesen Fällen das Kind 
ebenfalls eine Scheiteliage gehabt haben wird, so muss die 
Zahl der letztern auf 2596 berechnet werden. Die Unter- 
arten der Scheitellagen habe ich nicht zusammengestellt^ 



weil die Angaben der Hebammen über diesen Punkt mir 
nieht zuverlässig genug erschienen. 

Bei den Nachgeburtstbeilen käme» folgend« UaregeL- 
mäfsigkeiten vor: Vorliegender Mutterkuchen wurde 5 Mal 
beobachtet, dabei wurde das Kind 3 Mal lebend geborea. 
Vorfall der Nabelschnur 12 Mal, und zwar bei Kopflage 
7 Mal, darunter 1 Mal mit Erhaltung des Lebens des Kin- 
des, bei Gesicbtslage und Steisslage je 1 Mal mit todtain 
Kinde, bei Querlage 3 Mal, jedesmal mit lebendem Kinde» 
Eine vierfache Umschlingung der Nabelschnur um den Hals 
des Kindes kam 2 Mal vor, 1 Mal bei lebendem Kinde; 
ein wahrer Knoten in der Nabelschnur 1 Mal, auch bei 
lebendem Kinde. — Dnter den mehrfachen Geborten hat- 
ten 3 Zwillingspaare getrennte Mutterkuchen, 4 etneo g^ 
meinschaftlichen , bei 34 Zwillingspaaren ist das Verhfilt- 
niss des Mutterkuchens nicht angegeben. Bei der Drillings» 
gehurt fand ebenfalls ein gemeinschaftlicher Motterkncheii 
statt. 

Bei den Kindern kamen 8 Mal Missbiidnngen vor a»4 
zwar Spina bifida 5 Mal, darunter 1 Mal mit KlumpfoCs, 
1 Mal mit Hemicephalns eomplicirt, gespaltener Ganmeu 
1 Mal, Defekt eines halben Armes 1 Mal, Nabeis cb— ri 
bruch 1 Mal. 

Der Verlauf der Geburt und des Wochenbetts war für 
die Mutter im Allgemeinen sehr gSnstig. Während dev 
Geburt ist keine Frau gestorben ^ während des Wocheap 
betts 10 Mutter, nnd zwar an Erschöpfung in Folge sehr 
heftiger Blutung 1, an Leberentzundnng 1, a» Blutandraiig 
zum Kopfe (Schlagfluss) 1, an Unterleibsentzundung 1, an 
Typhus 1, an Lungenschwindsucht 2, nicht angegeben ist 
die Krankheit bei 3 Frauen. 

Von den Kindern waren vor der Gebort abgestorben 
und schon in Verwesung übergegangen 53, darunter 8 un- 
zeitige, 2 frühzeitige Früchte, 1 bei vorliegendem Mutter» 
kuchen. — Während der Geburt zu Grunde gegangen sind 
57, und zwar hatten von diesen eine Kopflage 29, davon 
6 zugleich Vorfall der Nabelschnur, 1 vorliegenden Mutter- 
kuchen, 1 vierfache Umschlingung der Nabelschnur um den 
Hals; eine Gesicbtslage 2, davon 1 mit Vorfall der Nabel- ^ 
schnür, eine Fufslage 4, Querlage 7, Schiefläge 4. Nicht 
angegeben ist die Lage bei 5 während der Geburt verstor- 
benen Kindern. — Todtgeboren ohne Vermerk ob vor oder 
während der Geburt abgestorben, wurden 11 Kinder, da- 
von hatten eine Kopflage 4, eine Fufslage 1, eine Schief- 
lage 4, nicht angegeben ist die Lage bei 5 Kindern. — 
Während der ersten 9 Tage nach der Geburt verstarben 
43 Kinder, und zwar an Lebensschwäche 23 unzeitig oder 
frühzeitig geborne, an Krämpfen 4, an Trismus 3, an Spina 
bifida 1, an Nabelschnurbruch 1, an Schlagfluss 1, an Bräune 
1, nicht angegeben ist die Krankheit bei 9 Kindern. 

In Bezog auf den Verlauf der Geburt ergiebt sich, 
dass in 2693 Fällen die Geburt durch die Natur beendet 






ist, dass 19 Kinder durch Kuostbfilfe Seitens der Heb- 
amme, 62 Seitens des Gebortshelfers geboren sind. Von 
Hebammen sind 15 Wendungen, 2 Lösungen der ange- 
wachsenen Nachgeburt vorgeQommen, 1 Mal der Vorfall 
der schwangeren QebSrmatter zurückgehalten, 1 Mal ein 
in einer Fufslage liegendes Kind einer Blutung wegen ex- 
trahirt worden. Die herbeigerufenen Geburtshelfer haben 
44 Mal die Zange angelegt, 13 Mal die Wendung verrich- 
tet, 3 Mal bei Steisslagen, 2 Mal bei Zwillingsgeburten 
Hülfe geleistet. 

» (Schlnsfl folgt.) 

Tagesereignisse and anderweite Mitttieilangen. 

— Wochenbericht der hiesigen öffentlichen Kran- 
kenh&nser: 

Bestand Wöchl. Wöchl. hierunter BesUnd 
20. Dec. Zugang Abgang Todesfälle 27. Deo. 
Bethanien • • • • 269 31 29 3 271 

Hedwigs -Erankenh. 228 39 39 4 228 

Blisabeth-Erankenh. 69 3 2 1 70 

Jüdisches Erankenh. 49 5 13 — 41 



dazo Charit^ • 



615 
1268 



78 



83 



8 



610 
1240 



1883 



1850 



In Bethanien waren Typhus, und im Hedwigs - Eran- 
kenhaase akute Gelenkrheumatismen und Pneumonien vor- 
herrschend. 

— In der Umgegend Berlins, sam Theil auch in 
Berlin selbst sind in letzter Zeit Ffille von Diphtheri- 
tis häufig gewesen. Das Dorf Eiche, 2 Meilen von hier, 
mit etwa 230 Einwohnern, hatte bis Ende September 39 
ErkrankuDgen, welche mit Ausnahme von 5 16- bis 18jäh- 
rigen Mädchen nur Einder betrafen. Von den Erkrankten 
waren 17 gestorben« 

— Aus dem in der Zeitschrift des Eöniglich Preufsi- 
Bchen statistischen Bureaus veröffentlichten definitiven Re- 
snltate der Volkszählung im Preuf^schen Staate am 3. 
December 1861 ergiebt sich in Summa: Zahl der Städte 
1000, Einwohnerzahl in den Städten (Civil und Miiitair zu- 
sammen) 5,611,132, Zahl der Ereise des platten Landes 
332, Einwohnerzahl auf dem platten Lande (Civil und Mi- 
iitair zusammen) 12,865,368. Gesammte Einwohnerzahl 

18,476,500; dazu aufser Landes stehendes Miiitair 14,720; 
msammen 18,491,220. Miiitair-Bevolkerung insbesondere: 
n den Städten 248,991, auf dem Lande 4661, im Auslande 
4,720, zusammen 268,372. Für Berlin Einwohnerzahl, 
üvil: 524,945, Miiitair: 22,626, zusammen 547,571. 

— In Santa Cruz de Teneriffa ist Ende September 



d. J. durch die Fregatte ^Nivaria^, ans dem Quarantaine- 
hause von Vigo, wo sie nur 8 Tage angehalten und dann 
für gesund erklärt war, kommend, das gelbe Fieber ein- 
geschleppt worden. Schon am andern Tage starben zwei 
der ans Land gesetzten Leute und zwei andere kamen 
leicht erkrankt in das Civilbospital. Der Schiffskoch war 
mit seinem Gepäck zu einem Einwohner von Santa Cmz 
gezogen. Letzterer, seine Frau und sein Eind und einige 
Andern, die mit der Familie verkehrt hatten, starben bin- 
nen weniger Tage. Die Zahl der bisherigen Erkrankungen 
wird auf 880 angegeben, von denen 562 geheilt, 131 ge- 
storben und 192 Bestand geblieben sind. 

(Aerztl. Intell.-Blatt.) 

Literatur. 

Die Zerlegung und Untersuchung des Gehororganes an 
der Leiche nebst pathologisch-physiologischen Bemer- 
kungen. Gedruckt zum Zwecke der Habilitation als 
Privatdocent Von Dr. Voltolini, Eönigl. Preufs. 
Ereis-Physikus a. D. etc. Mit einer lithogr. Tafel. 
Breslau Druck von Grafs, Barth und Comp. — 
Ohne Jahreszahl. 27 S. 8. 

Der Herr Verf. macht mit Recht darauf aufmerksam, 
dass in der Ohrenheilkunde von Fortschritten nicht die Rede 
sein könne, wenn man nicht mehr und mehr die Ursachen 
zu erforschen strebe, welche den einzelnen Ohrenkrankhei- 
ten zum Grunde liegen. Gerade die schlimmsten Fälle der 
Schwerhörigkeit und Taubheit, insbesondere die Ursachen 
der völligen Taubstummheit liegen in den Innern Theilen 
des Gehörorgans. Nur im Labyrinthe oder dem Gehörner- 
ven kann völlige Taubheit ihren Sitz haben. Die Aufklä- 
rung der Erankheiten dieser Theile ist selbstverständlich 
nur durch die Anatomie, insbesondere durch Sektionen der 
Obren solcher Personen, deren Leiden man im Leben be- 
obachtet *hat, möglich zu machen. Leider ist die Zerlegung 
des Gehörorgans aufserordentlich schwierig und keine der 
bekannten Metboden kann auf Vollkommenheit Anspruch 
machen. Diesem Mangel ist der Herr Verfasser abzuhel- 
fen bemuht gewesen, und er veröffentlicht nunmehr in sei- 
ner Habilitationsschrift als das Resultat dieser Bemühungen 
eine Methode, die als die vollko.mmenste dadurch sich do- 
kumentirt, dass sie gestattet, das ganze Labyrinth im Zu- 
sammenbange, d. h. die häutigen Eanäie mit dem Säckchen 
und die ganze Spirale der Schnecke mit der Spindel her- 
auszunehmen. 

Jedem Anatomen und jedem der Ohrenheilkunde sich 
widmenden Arzte ist die Eenntniss dieser Arbeit unent- 
behrlich. 



8 



A n z e igen. 



Die KrankenlieUer üneilsalzseife, 

aut den KraDkeDbeiler-Jodschwefelbruiuien bereitet, ist nach At- 
testen der anerkanntesten Aerzte Deutschlands gegen ünreinig- 
keit der Haat und alle Hautkranklieiteii, Scropheln, Fleehten, 
Drüsen, Verhärtniigeii, Geschwüre (selbst syphilitiscHer nnd 
bösartiger Natur), Scknuideii, namentlich auch gegen Frostbeu- 
len etc. etc. das sicherste und zugleich unschädlichste 
Heilmittel, indem sie, sowie auch die Krankenheiler 
Brunnen, niemals eine Krankheit in den Körper xu- 
rücktreibt, sondern sie aus dem Körper ausscheidet. 
Sie dient auch als bewährtes Mittel gegen das Ausfallen der 
Haare in Folge TOn Schwäche der Haut, und bewirkt in Fallen, 
wo die Haare nach Krankheiten ausgingen — was bei Damen 
so häufig vorkommt — nach wenigen Wochen einen neuen kräf- 
tigen Haarwuchs. 

Es giebt drei verschiedene Sorten von Krankeriheiler Quell- 
salzseife : 

1) die Jrodaodaflcifc, als ausgezeichnete Toilette- 
seife und sicheres Präservativmittel gegen Unreinigkeit der 
Haut etc. Sie wird wie die gewöhnliche Toiletteseife gebraucht, 
und ist als solche allen kosmetischen Seifen zum 
täglichen Gebrauche unbedingt vorzuziehen, weil 
sie, von allen schädlichen Bestandtheilen durchaus 
frei, neben ihrer medicinischen Wirkung die Haut weifs, glatt 
und zart macht, und nicht theurer zu stehen kommt, als andere 

gute Toiletteseife; 2) die Jodaodaflcliwerclacire, als 
[eilmittel gegen oben angeführte Krankheitsfälle; 3) die wer» 
•tArhte 9*>^ll**l**^^®9 ^ür hartnäckige oder veraltete 
Fälle, in denen die Jodsodaschwefelseife nicht kräftig genug wir- 
ken sollte. Diese Seife ist von ganz überraschender Heilkraft 
nnd bewirkt selbst in den hartnackigsten Fällen, in denen an- 
dere llittel erfolglos geblieben, noch vollständige Heilung. 

Bei direktem Bezüge von der Brunnen • Verwaltung Kran- 
kenheil in Tölz (Bauern) kostet: I Paket Jodsoda- oder Jod- 
sodascbwefelseife I Fl. 6 Kr. oder 19 Sgr., 1 Paket verstärkte 
Quellsalzseife 1 Fl. 64 Kr. oder 1 Thir. 3 Sgr. 

Die Krankenheiler Quellsalzseife ist auch zu beziehen durch: 
«I. F. Heyl a. Comp, in Berlin, Sain. Ritter in Leip- 
zig, die Alokreiiapotliche in Dresden, JT« Hciinei»- 
diiiS«n* in Hamburi;, JT« lleinr« Dressier in Frankfurt 
a. M., liod. liiiLl in VVien, Stall a. Sdiinidt in St. Pe- 
tersburg und Moskau und alle Apotheken und Mineralwasser- 
Handlungen. * 



Bei Ferdinand Sinke io Brianyen ist so eben er- 
schienen and durch alle Buchhandlungen zu erhalten: 

Monaisheflej mediciDisch-cbirorgische. Kritisches Sammel- 
Journal far praktische Heilkande. Heraosgegebeo voo 
Dr. Oeigel nnd Dr. v. Franqae in Würzburg. YIL 
Jahrg. 1863. 12 Hefte, gr. 8. 4 Thlr. 20 Sgr. oder 
8 FL 

Zeitschrift^ deotsche, far die Staatsarzneikande, mit vor- 
züglicher Berücksichtigang derStrafrecbtspflege in Deatseh- 
land und Oesterreich, herausgeg. von. Dr. P. J. Sc ho ei- 
der and Dr. J. H. Scbürm ayer unter Redaction von 
Dr. S. A, J. Schneider. Nene Folge. XXI. u. XXII. 
Bd. 1863. 4 Hefte, gr. 8. 4 Thlr. oder 6 Fl. 48 Er. 



In demselben Verlage sind erscbieneo: 

Eine neue Milchprobe 

von 

Dr. Alfred Vogel, 

Privatdocenten und prakt. Arzt in München. 
gr. 8. geh. 6 Sgr. oder 18 Kr. 



Die Irrenanstalt 



sn 



Föpelwitz bei Breslau - 

im ersten Decenniom ihrer Wirksamkeit 



Medicinisch - statistischer Bericht nebst Bemerkungen 
über Irrengesetzgebung, Irrenstatistik und psychiatri- 
schen Unterricht. 
Von 

Dr. BL Nemnann. 

gr. 8. geb. 10 Sgr. oder 36 Kr. 



Bei Th. Chr. Fr. Enslm in Berlin ist ersohienen: 

Ophthalmologische Beiträge 

von 
Dr. R. Förster, 

Privatdocenten an der Unlversltiit za Breslan. 

Mit Hol£8chnitten und 2 Kopfertafeln. 

1 Tbaler. 

Inkalts I. Rfetainorphopale, ein Symptom partiel- 
ler Scbrompfang der Retina. 
II« Blikropsie. 
III. Cliorioideitls «reolarls» 



Das 

Prenfslsche Physlkats-£xameiie 

Repetitorium 

für Civil- und Militair-Aerzte 

von 

Dr. Fr. Berth. Loeffler. 

1} Thlr. 

Das Regalaiiv für Obductionen, welches seit dem Er- 
scheinen des Buches eine Abfinderung erfahren, wird in ei- 
nem Separatabdrack jedem Exemplare des Löffler'schen Bu- 
ches gratis beigegeben. 



Yerlag von Th. Chr. Fr. Enslin (Adolph Enslin) in Berlin. — Gedruckt bei A. W. Schade in Berlin, Stall Schreibers tr. 47. 



Neue Folge. 
VI. Jahrgang. 



PREÜSSISCHE 



Die«6 ZeitQng crsoheini wScbent ieh. 

Der Preis des gansen Jahrgangs, welcher 

nicht getrennt wird, ist 9 Thlr. 20 8gr 



MEDICINAL - ZEITUNG. 

Herausgegeben von dem Verein fOr Heilkunde in Preussen 

unter Benntzimg amtlicher Mittheilnngen des KSnigl. Hinisterinrns der geistlichen, Unterrichts- 
nnd Medicinal-Angelegenheiten nnd der K9nigl. Provinzial-Behörden. 

Bedacteur: E. Müller, Geh. Medioinal-Rsth eto. 



1863. 




14, Januar. 



Inhalt« Amtlicher Theil ; PersoDalien; Bekanntmachung. — Die Sterblichkeit der Kinder in Berlin während der Jahre 1851 — 
1860; YonE. Loewer. (Fortsetzung.) — Statistische Uebersicht der im Jahre 1861 in dem Niederbarnimsehen Kreise gehobenen Ge- 
burten, zusammengestellt aus den Hebammen-TagebQchem ; von Krieger. (Schloss.) — Tagesereignisse und anderweite Mittheüun- 
gen. — Anzeigen. 



Amtlicher Theil. 

PersoDalien. 

AutsAiciiiLiing. 
Se. Majestftt der König haben allergn&digst geruht, 
dem Kreis- Wundärzte Braeendorf so Soldau im Kreise 
Neidenbnrg den Rotben Adler-Orden vierter Klasse zq ver- 
leihen« 

Niederlassnngen. 

Der praktische Arzt Dr. Strntzki and der Stabsarzt 
Dr. Gillmeister haben sich in Weifsenfels, Dr. Sachs 
in Gerbst&dt, Dr. Bonte in Ermsleben, Dr. Bennemann 
in Minden, Dr. Heymann in Poppeisdorf, der Wundarzt 
erster Klasse Oiersdorf in Juliasburg, und der Wundarzt 
zweiter Klasse Fischer in Prettin niedergelassen. 

Der Assistenz- Arzt Dr. Vater ist von Spandau nach 
Berlin, der Assistenz-Arzt Dr. Leineweber von Frank- 
furt a. d. O. nach Woldenberg und der praktische Arzt Dr. 
Stnmpff von Arnswalde nadi Seelow gezogen. 

Apotheken-Angelegenheiten. 
Der Apotheker Ti d d en hat die Verwaltung der S au er- 
sehen Apotheke in Waltrop und der Apotheker Hartmann 
die Verwaltung der Filial- Apotheke in Gescher übernommen. 

Todesfall. 
Dr. Bichner in Weifsenfels ist gestorben. 



BekanDtmachunge 

Da die granulöse Augenentzundung wfihrend * 
der letzten Jahre theils sporadisch, theils in gröfserer Aus- 
breitung in den meisten Regierungs • Bezirken sich gezeigt 
hat,, so wird auf Veranlassung des Königl. Ministerii der 
geistlichen, Unterrichts- und Medicinal- Angelegenheiten das 
Publikum unter Hinweisung auf die Bestimmungen des Re* 
gulativs vom 8. August 183^. II. b. §§. 62.-64. auf die 
Notb wendigkeit aufmerksam gemacht, diese bösartige und 
höchst ansteckende Krankheit sofort bei ihrem Entstehen 
zur firztlicben Behandlung gelangen zu lassen. So leicht 
die Krankheit sich in ihren spfiteren Stadien durch starke 
Röthung und Aufwulstung der Augenlider nnd des Weifsen 
im Auge, Schmerz, Lichtscheu und besonders durch eiter- 
artige Absonderung aus den Augen zu erkennen giebt, so 
schwer ist es doch sie in dem ersten Stadium zu erken- 
nen; daher ist eine jede Entzündung der Bindehaut des Au- 
ges mit gleichzeitiger Bildung von Granulationen verdficb- 
tig und macht für den Kranken firztlicben Rath nötbig, zur 
Verhütung der Ansteckung derer aber, die mit ihm zusam- 
men leben, ist die sorgfältigste Vermeidung der die Anstek- 
kung vermittelnden Schfidlichkeiten erforderlich. Die Krank- 
heit verbreitet sich nfimlicb insbesondere durch gemeinschaft- 
liche Benutzung von Waschschwämmen, Handtüchern, Wasch- 
wasser, Wäsche u. s. w., wie auch durch Zusammenleben 
Kranker und Gesunder in einem und demselben Räume 
und kommt vorzugsweise in Spitfilern, Waisenbfiusern, Ka- 
sernen u. 8. w. vor. Es müssen daher die genannten, im 
Gebrauche von Augenkranken befindlichen Gegenstände von 



10 



jedem Anderen streng gemieden, die Zimmer, worin An* 
genkranke sich befinden, sorgfältig gelüftet, gereinigt nnd 
tron Oesnnden nicht bewohnt werden, und überall da, wo 
eine derartige Absonderung der Kranken nicht ausführbar 
ist, kann nur durch ihre Unterbringung in Krankenhäusern 
der weiteren Verbreitung der Krankheit vorgebengt werden, 
Berlin, den 2. Januar 1863. 

Königlicbes Polizei-Präsidium, 
v. Bemuih, 



Die Sterblichkeit der fiiDder in Berlin w&brend der 
Jahre 1851-1860. 

Vom Stabsarzt Dr. E. Loewer ia Berlin. 
(Fortsetzung.) 

Das erste Resultat liegt in der. Natur der Sache ; wenn 
alle die nächtbeiligen Einflüsse, die sich in den ersten Le- 
bebensjahren geltend machen, die ihnen nicht Gewachsenen 
binweggerafft haben, so muss schliefslicb ein kräftiger und 
gesunder Stamm bleiben, der nur deq gewöhnlichen gefähr- 
lichen Einwirkungen unterliegt, denen jeder Mensch unter- 
worfen ist. Wenn nun aber auf das erste Lebensjahr 58,75 
pCt aller gestorbenen Kinder kommt, so können wir uns 
dieses auffallende Resultat nur dadurch erklären, dass wir 
es einestheils mit dem zartesten und hnlflosesten Alter zu 
thun haben, und dass anderntheils eine ganze Summe schäd- 
licher Potenzen einwirkt, um diese Zahl zu ihrer Höhe 
zu erheben. Wir finden zuerst eine beträchtliche Anzahl 
natürlicher Ursachen, die in dem Gesundheitszustande der 
Eltern, der dadurch von vorn herein bedingten Lebens- 
schwäche der Kinder selbst, in dem möglichen Vorhanden- 
sein organischer, den Tod bald herbeiführender Fehler ihre 
Erklärung finden. Hierzu tritt die grofse Menge künstli- 
cher Ursachen, die wir hier nur kurz erwähnen wollen, da 
eine nähere Besprechung später stattfinden wird. Es 
sind dies die gewöhnlichen Momente, die sich haupt- 
sächlich in den Lebensverhältnissen der Eltern concen- 
triren, wo wir auf der Seite der Armuth die so häu- 
fig mangelhafte, oder nachtheilige Ernährungsweise der 
Kinder, die ungesunden Wobnungen, den Mangel an Rein- 
lichkeit und Pflege, die so oft durch die Bescbäftigungs- 
weise herbeigeführte Nachlässigkeit der Eltern sehen. Als 
ein höchst wichtiges Moment muss aber der Einfluss der 
Sterblichkeit der unehelichen Kinder hervorgehoben wer- 
den, denen die Gröfse der Zahl zum bedeutenden Theile 
zur Last fällt. Stellen wir nämlich die ehelichen Kinder 
den unehelichen gegenüber und vergleichen die Zahl der 
Gestorbenen mit den Gehörnen, so ergiebt sich folgendes 
Yerhältniss: 



Tabelle V. 



Auf 100 Gehörne ' ) kommen Gestorbene 
(incl. Todtgeborne). 




In den Jahren 


Vom O.-l. 
Jahre 


Vom 2.-5. 
Jahre 


Vom 6.-15. 
Jahre 


ehe- 
liche 


unehe- 
Uche 


ehe- 
liche 


unehe- 
liche 


ehe- 
liche 


unehe- 
liche 


1851 


27,70 


37,16 


8,75 


10,16 


3,32 


1,65 


1852 


28,37 


35,95 


16,0 


11,11 


4,90 


2,11 


1853 


31,91 


40,98 


19,77 


11,20 


4,56 1,43 


1854 


29,12 


32,95 


14,42 


9,30 


3,50 1,38 


1855 


30,66 


42,04 


17,12 


10,67 


4,01 


2,31 


1856 


21,08 


40,64 


15,83 


9,41 


4,10 


1,69 


1857 


35,96 


47,95 


15,05 


8,22 


3,53 


0,98 


1858 


35,37 


46,31 


11,10 


6,04 


2,97 


0,96 


1859 


36,34 47,94 


13,28 


6,36 


2,42 


0,74 


1860 


29,45 1 39,94 


10,26 


5,45 


2,26 


0,70 


1851-60 


31,33 


41,26 


14,02 


8,60 


3,41 


1,38 



Es geht aus dieser Tabelle also hervor, dass die Sterb- 
lichkeit der unehelichen Kinder für das erste Lebensjahr 
die der ehelichen um circa 10 pCt. überwiegt, dass wäh- 
rend der spätem Jahre das Yerhältniss sich aber umdreht 
und die Sterblichkeit der ehelichen Kinder für das 2te bis 
5te Jahr um circa 5^ pCt. und für das 6te bis 15te Jahr 
um circa 2 pCt. im Durchschnitt überwiegt. Engel*) bat 
bei derselben Znsammenstellung für Sachsen dasselbe Er- 
gebniss gehabt;, es stellt sich dort für das erste Jahr bei 
den unehelichen Kindern ein um 5,85 pCt. ungünstigeres 
Sterblichkeitsverbältniss heraus,, dagegen vom 2ten bis 6ten 
Jahre überwiegen die ehelichen Kinder die unehelichen um 
circa 4 pCt. Auch für Baiern ist von Vogt *) eine Zusam- 
menstellung gegeben, die den Einfluss der aufserehelichen 
Kinder auf die Sterblichkeit des Isten Lebensjahres nach- 
weist Nach ihm starben in den Jahren 1835 — 1844 im 
ersten Jahre 30 pCt. der ehelich und 35 pCt. der aufser- 
ehelich Gehörnen. Bei Vergleichung der letztern Angaben 
mit den Ergebnissen unserer Tabelle, die dadurch wesent- 
lich gestützt wird, darf aber nicht anfser Augen gelassen 
werden, dass auf der einen Seite eine einzelne Stadt, auf 
der andern ganze Staaten stehen, in denen sich die Diffe- 
renz durch weniger betheiligte Landstriche mehr ausgleichen 
muss. Die Ursache dieses Verhältnisses zwischen ehelichen 
und unehelichen Kindern liegt, wie Engel anführt, ohne 
Frage darin, dass alle nicht lebensfähigen unehelichen schon 



*) Die Zahl der Gebomen ist ans der Tab. IX. zu ersehen. 

') Engel, die Bewegung der Bevölkerung im Königreiche 
Sachsen. Dresdeu 1852. p. 76. 

*) Schmidt's Jahrbücher für die gesammte Medicin 1861. 
No. 12. p. 338. 



11 



frühzeitig ein Opfer ihrer illegitimen Gebart werden, wäh- 
rend diejenigen, die die erste Jagendzeit oberstehen, da- 
dnrcb eagleioh eine Probe ihrer intensiven Lebenskraft ab- 
gelegt habisn. Bei den ehelichen Kindern dagegen hilft, oft 
Sorge, Pflege ond Aafmerksamkeit über Schwäche and 
Kränklichkeit in der ersten Zeit hinweg, bis sie doch spä- 
ter ihr Recht geltend machen nnd ihr Opfer abfordern. 

Bin ähnliches Verhältniss wie für die gesammten Kin- 
derjahre stellt sich far die einzelnen Monate des Isten Le- 
bensjahres heraas. Dieterici ') weist dies durch Untere 
sachangen nach, die den zehnjährigem Zeitraum von 1847 
bis 1856 umfassen. Danach sterben in den einzelnen Mo- 
naten des ersten Jahres nach Procenten: 

Tabelle VI. 



25,3 



6,& 



Monate. 



10,1 



9,5 



8,9 



7,7 



6,6 



Monate. 



5,5 



6,2 



5,5 



4,8 



4,4 



Die grdfste Sterblichkeit findet man also bei den Kin- 
dern bis zam ersten Moolite, bedeatend geringer ist die* 
selbe schon im 2ten9 sie nimmt nach and nach ab iind ist 
am geringsten im 12teD Monate. Wie vom Isten bis 2ten 
Jahre, sehen wir auch eine sprangweise Abnahme der 
Sterblichkeit vom Isten zam 2ten Monat, ein zweiter Sprang, 
wie er vom 2ten zum 3ten Jahre sich zeigt, fehlt aber bei 
den Monaten, bei denen vom 2ten bis 5ten die Sterblich- 
keit gleichmäfsig nnd etwas rascher, vom 5ten bis 12ten 
nnr ganz allmälig sich verringert Wie aber von Jahr za 
Jahr, so steigt auch von Monat zu Monat die Hoffnung des 
Lebens« 

Unter den physischen Lebensverhältnissen abt den zwei- 
ten grofsen Einfloss auf die Kindersterblichkeit das Ge- 
schlecht ao& Durch die Wiederholung in allen statistisoheaf 
Aosfuhrungen ist es bereits eine bekannte Thatsache, das# 
das männliche Geschlecht rascher hinwegstirbt, als das Weib' 
liehe, trotzdem dass mehr Knaben als Mädchen geboreti^ 
werden. Es wSrde offenbar nur ein normales Verhältniss 
zwiseben beiden Geschlechtern stattfinden, wenn der Vor^ 
zag des einen durch den de» andern ausgeglichen worde^ 
Dass dies wenigstens fir Berlin nicht der Fall ist, beweist 
TabeHe ¥IL 











Tabelle VIL 












Es sind gestorben 




£• 1 


sind geh 


oren 




in den Jahren 


überhaupt 


Knaben 


Mädohen 


Procent 

der 
Knaben 


Procent 

der 
Mädchen 


fiberh&npt 


Knaben 


Mädchen 


Procent 

der 
Knaben 


Procent 

der 
Mädchen 


i85r 


5313 


2739 


2576 


51,53 


48,47 


15335 


7826 


7509 


51,04 


48,96 


1852 


6005 


3206 


2799 


53,39 


46,61 


15408 


7981 


7427 


51,80 


48,20 


1853 


6121 


3274 


2847 


53,49 


46,51 


14060 


7277 


6783 


51,76 


48,24 


1854 


5443 


2888 


2&&6 


53,06 


46,94 


15194 


7807 


7387 


51,38 


48,62 


1855 


6013 


3210 


2603 


53,38 


46,42 


14953 


7789 


7164 


52,oa 


47,92 


1856 


5710 


2943 


2767: 


51,54 


48,46« 


) 15^79 


7916' 


7363- 


51,81 


48,19 


1857 


6518 


3514 


8004 


53,91 


46,09 


' 16104 


8361 


7743^ 


51,92 


48,08 


. 1858 


5933 


3168 


2765 


53,39 


46,61 


16319 


8406 


7913 


51,51 


48,49 


1859 


6758 


3564 


3194 


52,74 


47,26 


17202 


8814 


8388 


51,23 


48,77 


1860 


5646 


2961 


2685 


52,44 


47,56 


18226 


9278 


8948 


50,91 


49,09 


1851-60 


59462 


31467 


27995 


52,92 


47,08 


158080 


81455 


76625 


51,53 


48,47 



Das Resultat dieser Tabelle ist also, dafs die Sterb- 
lichkeit der Knaben die der Mädchen um beinahe 6 pCt. 
aberwiegt, dass annähernd also auf 112 Knaben nur 100 



')Dieterici, Mittheilungen des statistischen Bureaus in 
Berlin 1857. No. 12 p.l8l. 



Mädchen starben. Aus der zweiten Abtheilung geht her- 
vor, dass die annähernde Differenz der Geburten 3 pCt zu 
Gunsten der Knaben beträgt, dass also nahezu auf 106 Ge- 
barten von Knaben 100 von Mädchen kommen. Das all- 
gemeine aus der Vergleichung hervorgehende Resultat wurde 
also sein, dass das weibliche Geschlecht trotz der uberwie- 



12 



geoden Anzahl der Gebarten von Knaben ein weit günsti- 
geres Sterblichkeitsverh&itnisi \d den Kinderjabren darbie- 
tet, als das m&nnliche. Hinsichtlich des Ergebnisses unse- 
rer Tabelle stimmen wir fast vollständig mit der von 
Bockh ') für die gesammte Bevölkerung aafgestellten über- 
ein. £r hat für das Jahr 1847 — 1858 gefanden, dass in 
Berlin die Zahl 

der Oebornen m&nnlichen Greschlechts 51,63 pCt, 
weiblichen - 48,37 - 

der Gestorbenen männlichen Geschlechts 52,49 pCt. 
weiblichen - 47,51 - 

betragen hat, die Verschiedenheit der Tabellen liegt also 
nur in den Deci malstellen. Der Vergleich liefert die inter- 
essante Thatsache, dass trotz aller Undalationen, die in dem 
Sterblichkeitsverhfiltniss des m&nnlichen und weiblichen Ge- 
schlechts im Laufe des Lebens vorkommen können and be- 
kanntlich auch in der That vorkommen, dasselbe sich am 
Ende des Lebens fast in derselben Weise herausstellt, wie 
es am Ende der Einderjahre der Fall gewesen ist. G as- 
per *) fuhrt bei seinem Vergleiche des Sterblichkeitaver- 
hältnisses zwischen dem männlichen and weiblichen Ge- 
schlechte an und legt seinen Betrachtungen za Grande, dass 
in Berlin ziemlich genau auf 20 M&dchen 21 Eiiaben ge- 
boren wurden. Das Verhältniss der Mädchen zu den Kna- 
ben wurde also sein wie 100: 105, während wir für den 
letztverfiossenen zehnjährigen Zeitraum wie 100: 106 gefun- 
den haben. Die Zeiten haben sich also geändert, vielleicht 
weil sich die Sitten geändert haben, es werden dadurch 
aber auch die Vergleichungs-Resultate sich modificiren. Un- 
ter den Gründen der so auffälligen Differenz des Sterblich-« 
keitsverhältnisses dem Oeschlechte nach müssen zwei einer 
besondern Betrachtung unterworfen werden. Der eine von 
Gas per aufgestellte stutzt sich auf den sich aller Orten 
wiederholenden Ueberschuss der Todtgeburten im männli- 
chen Geschlechte, der durch zahlreiche Beispiele bewiesen 
wird. Es gebt daraus hervor, dass schon in der Gebär- 
mutter die Probabilität des Lebens für das männliche Ge- 
schlecht geringer ist, als für das weibliche, dass also die 
so auffällige Erscheinung nur die Fortsetzung des schon im 
Mntterleibe beginnenden eigenthumlichen Verhältnisses ist 
Das für Berlin sich herausstellende Resultat dient ebenfalls 
nur zur Stütze der Gasper'scben Ansicht Das Verhält- 
niss der Todtgebomen dem Geschlechte nach gestaltet sich 
nach Tab. VIII.: 



>) Bockh, Ortochafts-SUtUtik des Regiemogs-Bezirks Pots- 
dam mit der Stadt Berlin. Berlin 1861. p. 39. 

) Casper, die wahrscheinliche Lebensdauer des Menschexi 
p. 45 und 63. 



Tabelle VIIL 

Auf 100 Gehörne kommen Todtgebome 

im Jahre Knaben Mädchen 

1851 4,60 4,08 

1852 4,28 3,75 

1853 4,60 3,72 

1854 4,41 3,87 

1855 4,69 3,75 

1856 4,04 3,93 

1857 5,27 4,14 
1858* 5,80 4,62 

1859 4,94 4,16 

1860 4,74 3,91 
1851—60 4,75 4,01 

Das männliche Geschlecht überwiegt also auch hier bei 
den Todtgebornen. Dies Verhältniss fluktuirt zwar etwas 
in den verschiedenen Städten, hat aber überall Gesetzes- 
kraft, wie die von Qnetelet *) in demselben Sinne aufge- 
stellten Zahlen beweisen. Ein anderer Grund liegt in dem 
von Rieke, dem Uebersetzer Quetelet's, angeführten 
Umstände, dass weit mehr künstliche Geburten von Kna- 
ben, als von Mädchen vorkommen. '). Er selbst hat in 
Wfirtemberg dafür in dem Zeiträume von 1821—1825 das 
Verhältniss von 140 : 100 gefunden. In dem Jahresberichte 
über das Entbindungs - Institut in Dresden im Jahre 1859 
wird ebenfalls mitgetheilt '), dass durch 16 Zangenopera-* 
tionen 12 Knaben und nur 4 Mädchen zur Welt gefSrdert 
wurden, von denen 10 lebend und 6 todt, von letztern 4 
Knaben und 2 Mädchen geboren wurden. Auf die 4 Wen- 
dungen und Extractionen der Frucht an denFufsen kamen 
2 Knaben und 2 Mädchen, von denen abermals 1 Knabe 
todt berausbefSrdert wurde. Es wäre sehr wünsobenswerth, 
wenn hierfür noch mehr Data angeführt werden konnten, 
doch ist dies leider nicht möglich, da zur Zeit fast alle Be- 
richte nur von dem Ausgange der Operationen bei den Kin- 
dern im Allgemeinen sprechen, ohne auf den Geschlechts- 
unterschied Rücksicht zu nehmen. Gestützt wird die Rieke- 
sche Ansicht beträchtlich durch die neuem Untersuchungen, 
die über den Unterschied des Körpergewichts und des Sehfi- 
deldnrchmessers bei beiden Gesdilechtern angestellt sind. 
So hat V. Siebold *) durch Nach Weisungen, die sich über 
3000 Geburten ausdehnen, dargethan, dass die Mädchen bis 
zum Gewichte von 7 Pfund vor den Knaben den Vorrang 



') Quetelet, über den Menschen und die Entwicklung sei- 
ner Fähigkeiten. Stuttgart 1838. p. 113 n. 144. 

*) Quetelet, über den Mensohen und die Entwicklung sei- 
ner Fähigkeiten. Stuttgart 1838. p. 116. 

') Monatsschrift für Gebnrtskunde und Frauenkrankheiten. 
Bd. 17. p. 136. 

*) Monatsschrift far Geburtsknnde und Frauenkrankheiten. 
Bd. 15. p. 341. 



13 



haben, dass dann aber letztere bedeutend vorschreiten. Bei- 
spielsweise fand er 7| Pfand bei 173 Knaben nnd 137 
Mädchen, 7^ bei 154 Knaben and 106 Mfidchen, 8 bei 132 
Knaben and 94 Mädchen, 9 bei 41 Knaben and 20 Mäd- 
chen. Auch Elsässer hat, wie Siebold anfahrt, über- 
einstimmend mit ihm gefunden, dass anter dem Gewichte 
von 7 Pfand häufiger weibliche Kinder zurSckbleiben , da- 
gegen die Knaben es am häufigsten übertreffen, auch 
Glarke hat bei 16 Knaben und nur 8 Mädchen ein Ge- 
wicht von 8 Pfund gefunden. Alle diese Angaben laufen 
also darauf hinaus, dass die Knaben kräftiger, stärker sind, 
dass sie, so zu sagen, mehr Raum in den Geburtswegen 
einnehmen müssen, und bei der dadurch schwerer von Stat- 
ten gehenden Austreibung auch mehr den Gefahren des Ab- 
Sterbens während der Geburt ausgesetzt sind. Sodann hat 
aber auch Veit ') durch Messungen an 59 Mädchen nnd 
84 Knaben einen Unterschied des Kopfdurchmessers zu Gun- 
sten der Knaben von 6 Linien nachgewiesen. In ähnlicher 
Weise ist Frankenhäuser ') bei seinen Untersuchungen, 
die 17p2 Geburten umfassen, zu dem Resultate gekommen, 
dass die Kopfdurchmesser bei Knaben grofser sind, als bei 
Mädchen, und dass der Kopf mit der Grofse der Kinder 
gleichmäCsig zunimmt. Die Durchmesser betrugen nach ihm: 
bei Knaben bei Mädchen 

querer. . . 3,49 Zoll 3,46 Zoll 

grader . . . 4,49 - 4,46 - 

diagonaler . 5,34 - 5,28 - 

Frankenhäuser hat nun auch gefunden, dass Knaben- 
geburten schwieriger sind, häufiger operative Eingriffe n5- 
thig machen und gröfsere Gefahren ffir Mutter und Kind 
bedingen, als Mädchengeburten. Unter obigen 1702 Ge- 
burten kamen 116 Zangenentbindungen vor, die 72 Mal 



Knaben und 44 Mal Mädchen betrafen. Zu den bereits an- 
geführten Gründen fugt er aufserdem noch die gröfsere 
Härte und Unnachgiebigkeit der Kopfknochen bei den Kna- 
ben hinzu. Ziehen wir aus allen diesen Resultaten eine be- 
stimmte Consequenz, so können wir also sagen, dass die 
Zahl der todtgebornen Knaben dadurch überwiegt, dass die 
Knaben entweder schon vor der Geburt aus uns unbekann- 
ten Ursachen oder unter derselben wegen ihrer beträchtli- 
chen Körperstärke, wegen der bedeutenden Gröfse ihrer 
Schädeldurchmesser und Unnachgiebigkeit ihrer Kopfkno- 
chen häufiger zu Grunde gehen, als die Mädchen. Uehri- 
gens gebührt nicht etwa der Neuzeit das Verdienst, auf dies 
Verhältniss aufmerksam gemacht zu haben; wie Nägele ') 
anführt, hat schon Plinius die Behauptung aufgestellt: 
feminas gigni ceterius, quam mares, und Manriceau suchte 
den Grund davon in dem gröfsern Umfange des Kopfes und 
den breiten Schultern der Knaben. 

(Fortsetzung folgt) 

Statistische Uebersicbt der im Jahre 1861 in dem 

Niederbarnimschen Kreise gehobenen Geburten, zn- 

sammengestellt aus den Hebammen-TagebOchernt 

Von dem Kreis-Physikus Med.-Rath Dr. Krieger in Berlin. 
(SchluBS.) 
Der besseren Yergleichung wegen mit anderen stati- 
stischen Aufnahmen fuge ich noch folgende Zusammenstel- 
lung bei, aus welcher sich namentlich die Veränderungen 
ergeben, die in den Geburtsveriiältnissen des Niederbarnim- 
schen Kreises eingetreten sind, nachdem derselbe durch 
Vergröfserung des Weichbildes von Berlin die Ortschaften 
Moabit, Wedding, Gesundbrunnen n« s. w. verloren hat. 





Im Jahre 1861 

* 


Procent 


Dnrchschnitt 

aus den Jahren 

1858, 1859, 

1860 


Zahl der praktizirenden Hebammen 

Dieselben haben Gebarten gehoben 

mitbin jede einzelne im Dorofaschnitt 

Von diesen Geburten waren seitige 

fiberceitige 

frfibcdtige 

Zwillingsgebnrten 

Drillingsgebarten 

Die Zahl der im Ganzen gebornen Kinder betrag . . . 
Fehlgebarten, bei denen das Geschlecht noch nicht kennt- 
lich war 


57 
2732 
47,929 

2636 

4 

63 

41 

1 
2769 

5 
1434 


96,486 
0,146 
2,305 
1,500 
0,030 
101,354 

0,183 
51,787 


62 

3700 

59,516 

Proceot 

99,135 

0,360 

1,603 

0,017 

101,351 


Von diesen 2769 fündern waren Knaben 


52,586 



') Monatsschrift für Geburtskunde und Frauenkrankheiten. 
Bd, 18. p. 475. 



*) Dieselbe Zeitschrift Bd. 13. p. 171. 

*) Nägele, Lehrb. d. Geburtskunde. Mains 1854. p. 567. 



14 



Von diesen 2769 Kindern waren Mädchen . 

Nicht angegeben ist das Geschlecht bei 

Von den 41 ZwilHngsgebarten ergaben zwei Knaben . . 

zwei Mädchen • . 

zuerst einen Knaben und dann ein Mädchen . . . . . 

znerst ein Mädchen und dann einen Knaben . . . . . 

nicht angegeben ist das Geschlecht der Kinder bei . . . 

Die Lage des Kindes ist nicht angegeben bei 

Nicht sicher, weil die Hebamme das Kind schon geboren 
vorfand, bei 

Mit Bestimmtheit angegeben bei 

Oder mit Hinzurechnung der vorstehenden i4, bei • . . 

Von diesen 2722 Kindern hatten eine Scheitellage . . . 

eine Gesichtslage . . • 
eine Steisslage . . • • 
eine Knielage .... 
eine Fnfslage . • •. • 
eine Querlage . ... 
eine Schieflage 

Vorliegender Mutterkuchen kam vor bei 

Davon wurden lebend geboren . 

Vorfall der Nabelschnur kam vor bei 

Davon wurden lebend geboren 

Wahrer Knoten in der Nabelschnur kam vor bei • . . 

Unter den 2769 Kindern wurden Missbildnngeo beobach- 
tet bei • 

Von denselben wurden todtgeboren . . . . • . • . 

and zwar von diesen schon in Verwesung übergegangen • 

während der Geburt abgestorben 

nicht angegeben, ob der Tod vor oder während der Gebart 
erfolgte, bei ... 

In den ersten 9 Tagen nach d^r Geburt starben .... 

Von den 2732 Müttern starben während des Wochenbetts 

Von sämmtlichen 2774 Fällen wurde die Geburt durch die 
Natur beendet bei . . ' 

Durch Wendung des Kindes bei . 

Anwendung der Geburtszange bei 

Durch anderweitige Kunsthulfe bei . «^ ..... . 







Durchschnitt 


In den Jahren 


Proomt 


aoa den Jahren 

1858, 1859, 

1860. 






Procent 


1331 


48,067 


47,404 


4 


0,144 




11 


26,829 




11 


26,829 




14 


34,146 




3 


7,317 




2 


4,878 




52 Geburten 


1,874 


10,294 


14 


0,504 


0,604 


2708 Bänder 


97,620 


89,640 


2722 


98,124 


89,750 


2596 


95,371 


. 94,919 


17 


0,624 


\ 


41 
1 


1,506 
0,036 


[ 3,099 


38 


1,396 


' 


15 
14 


0,551 
0,514 


0,633 


5 


0,183 


0,059 


3 


60,000 




12 


0,440 




4 


33,333 




1 


0,036 




8 


0,288 


0,062 


121 


4,369 


3,217 


. 53 


43,802. 


51,070 


57 


47,107 


48,929 


11 


9,090 


61,044 


43 


1,552 


0,506. 


10 Mutter 


0,366 


0,171 


2693 


97,080 




28 


1,009 




44 


1,586 




9 


0,324 J 





Auffallen muss zunächst die bedeutende Abnahme der 
Geburten, die sich fast auf 1000 beläuft und nicht in ei- 
nem geraden Verhältniss steht zu der Abnahme der Bevöl- 
kerung des Kreises überhaupt. Nach der Volkszählung von 
"4858 betrug nämlich die Bevölkerung des NiederbamuQ- 
schen Kreises 88991 Seelen, nach der Volkszählung von 
1861 dagegen 76086. Während in den Jahren 1858 bis 
incl. 1860 die Durchschnitts2;ahl der jährlichen Gebtfrteti 
3700 oder 4,157 pCt. der Bevölkerung ausmachte, kamen 
im Jahre 1861 nur 2732 Geburten vor, oder 3,589 pCt. — 
Das Geburtsrerbältniss im Regierungs-Bezirk Potsdam über- 
haupt beträgt nach einem 42jähngen Durchschnitt, nach 
Böckh, Ortschafts-Statistik des Reg.-Bezirks Potsdam und 



der Stadt Berlfn p. 38 3,97 pCt. der Bevölkerung, und be- 
trug im Jahre 1858 3,88 pCt, während das des Kreises 
Niederbarnim für dasselbe Jahr auf .4,40 pGt. angegeben 
ist Die Abnahme ist daher wohl der Verminderung der 
unehelichen Fruchtbarkeit beizumessen. — Es scheint sich 
ferner die Beschäftigung der einzelnen Hebammen sehr be- 
trächtlich vermindert zu haben, da die Durchschnittszahl der 
von jeder einzelnen gehobenen Geburten früher 59,516 war 
und jetzt auf 47,929 gefallen ist. Dieser Unterschied ist 
indessen nur scheinbar, weil die etwa 1000 Gebarten mehr, 
welche die Mhern Jahrgänge aufweisen, in der That in 
den abgezweigten Ortschaften Moabit, Wedding, Gesund^ 
brunnen vorgekommen sind, indem die Tagebücher der dof i 



15 



aosässisigen Hebammen s. B. fSr das Jahr 1860 resp. 185, 
128, 19, 241, 51, 186, 189, zosammen 993 Gebarteo nach- 
weisen. 

Der Unterschied in dem VerhSltni^s der zeitigen and 
nnzeitigen Gebarten, derza Ungunsten des Jahres 1861 
hervortritt, indem froher 99,135, im letzteren Jahre nur 
96,486 pGt zeitige Geborten angegeben sind, kann nicht 
lediglich dorch eine genauere Fübrnog der Tagebucher er- 
klärt werden, denn wenn ich auch stets auf eine solche 
hingearbeitet habe und beispielsweise anführen will, dass 
eine der aosgescbiedeoen Hebammen^ nnd zwar die am 
meisten beschäftigte, über die Zeitigkeit niemals einen Ver- 
merk in ihr Boch eingetragen hat, so moss ich doch er- 
wähnen, dass in einzelnen Ortschaften ungewöhnlich viele 
Froh- oder Fehlgeburten regelmäfsig vorkommen, vermoth- 
lich weil die Fraoen dort mehr schwere Arbeiten als an- 
derswo verrichten. ' In Friedrichshagen z. B., dessen männ- 
liche Bevölkerong vorzogsweise aos Maorern ond Zimmer- 
leoten besteht, pflegen die Frauen Handlangerdienste zu 
thon und setzen sich dorch Heben und Tragen schwerer 
Lasten mancherlei Schädlichkeiten aus, welche wohl eine 
vorzeitige Niederkunft veranlassen können. Solche Um- 
stände müssen aber bei einer Verringerung der Gesammt- 
zahl der Geborten im Kreise das Verhältniss der vorzeiti- 
gen zu den zeitigen Gebarten naturlich ungunstiger stellen. 

Das Verhältniss der Zwillingsgeburten zu den Gebur- 
ten überhaupt ist mit 1,5 gegen früher 1,6 pCt sich ziemr 
lieh gleich geblieben, ebenso dasjenige der gebornen Kin- 
der zu der Zahl der Geburten mit 101,354 gegen früher 
101,351 pCt. 

Das Geschlecht der Kinder bot nicht ganz dasselbe 
Verhältniss dar wie früher, indem jetzt 51,787 pCt. Kna- 
ben gegen 48,067 pCt. Mädchen, in den früheren Jahren 
52,586 pCt. Knaben, 47,404 pCt. Mädchen vorkamen. Nach 
Böckh (1. c.) betrug das Verhältniss der männlichen Ge- 
bomen zu den weiblichen während des 12jäbr]gen Zeit- 
raums vom Jahre 1847 bis 1858 im Regiernngs-Bez. Pots- 
dam 51,58 zu 48,42 pCt. in der Stadt Berlin während des 
gleichen Zeitraums 51,63 zu 48,37 pOt, so dass das dies- 
jährige Verhältniss der Geschlechter der Neugebomen im 
Kreise Nieder barnim dem durchschnittlichen in hiesiger Ge- 
gend sehr nahe kommt. Es wurde zu weit fuhren, wollte 
ich hier näher auf diesen interessanten Gegenstand einge- 
hen, zumal in Betreff des Kreises Niederbarnim die Zeit 
der Beobachtung und die Zahl der Geburten noch nicht ge- 
nügend erscheint, um ans den Ergebnissen der .Berechnung 
ein Gesetz des Geschlechtsverhältnisses herzuleiten; ich will 
nur anfuhren, dass unter den innerhalb der vier Jahre 1858 
bis 1861 im Ganzen gebornen 14,019 Kindern, 7350 Kna- 
ben und 6664 Mädchen waren, während, bei 4 die Angabe 
des Geschlechts fehlte, d. h. 52,447 pGt Knaben und 47,552 
Idädchen. 



Aus den 41 Zwiliingsgeburten ersehen wir, dass in 22 
Fällen beide Kinder desselben Geschlechts waren, und zwar 
ebenso viel Knaben als Mädchen ; von den Zwillingsgebur«» 
ten aber welche zwei Kinder verschiedenen Geschlechts lie- 
ferten, wurde 14 Mal der Knabe, 3 Mal das Mädchen zu- 
erst geboren. Ich führe diesen Umstand nur als eineXhat- 
Sache an, ohne für jetzt daraus einen Schluss ziehen zu. 
wollen, weil mir die Zahl der Beobachtungen noch nicht 
genug erscheint. 

Dass in dem letzten Jahre die Lage des Kindes nur 
bei 52 Geburten nicht angegeben war, oder bei 1,874 pCt., 
spricht, im Vergleich mit dem Verhältniss früherer Jahre, 
in welchen eine Angabe der Kindeslage durchschnittlich bei 
10,249 fehlte, entschieden für eine sorgfältigere Führang 
der Tagebücher Seitens der Hebammen. 

Das Vorkommen einer Scheitellage betrug 95,371 pCt. 
gegen 94,919 pCt in den Vorjahren, wogegen an Becken- 
endlagen 2,938 pCt. beobachtet wurden gegen 3,099; Scbief- 
und Querlagen 1,065 gegen 0,633 pCt. Dass in 5 Fällen 
von vorliegenden Mutterkuchen 3 Kinder lebend geboren, 
worden, muss als ein sehr günstiges Verhältniss betrachtet 
werden; weniger günstig dagegen ist das Verhältniss von 
4 lebenden Kindern unter 12 Fällen von Vorfall der Na- 
belschnur. 

Dass von 121 todtgebornen Kindern (oder 4,396 pCt. 
sämmtlicher Geburten) 57 während der Gebart zu Grunde 
gingen, d. h. 47,109 pCt gegen 48,929 in den Vorjahren, 
ist immer noch eine unbefriedigende Summe, welche indes- 
sen hauptsächlich wohl darin ihren Grund hat, dass auf 
dem Lande die Herbeischaffung zeitiger und zweckmäfsiger 
Hülfe oft ihre grofsen Schwierigkeitrn hat 

Dagegen ist der Verlust von 10 Müttern im Wochen- 
bette, d. h. 0,366 pCt., obgleich er beträchtlich höher ist 
wie in den frühern Jahren, wo er nur 0,171 betrug, ein 
verschwindend kleiner, wenn man ihn mit dem Verlust an 
Kindbetterinnen vergleicht der in manchen Gebäranstalten 
vorkommt. In der Maternit^ in Paris z. B. beläuft er sich 
jetzt auf etwa 7,513, in dem Hopital des Cliniques auf 3,065 
pCt. (Deutsche Klinik 1862 p. 379 Feuilleton). In Wien 
starben im Gebärhause in den Jahren 1850 bis incl. 1854 
4,03, im Jahre 1854 selbst sogar 9,10 pGt. der dort ent- 
bundenen Wöchnerinnen, im General Ijing-in-hospital zu 
London im Jahre 1841 12,82 pGt., im Jahre 1838 sogar 
die enorme Menge von 26,76 pCt. (cf. Semmel weis. Of- 
fener Brief u. s. w., Ofen 1862. p. 10). Der geringe Ver- 
lust von etwa | pGt. der auf dem Lande entbundenen Wöch- 
nerinnen scheint allerdings schlagend für die Ansicht voi^ 
Semmelweis zu sprechen, dass das Kindbettfieber in bei 
weitem der Mehrzahl der Fälle durch Einführung eines zer- 
setzten organischen Stoffes in die Genitalien der Wöchne- 
rinnen von aufsen her entstehe, zumal wenn man erwägt, 
dass von den 10 im Jahre 1861 im Kreise Niederbarnim 



16 



gestorbenen Wöchnerinnen 6 aus andern Todesarsachen ge- 
storben sind, nämlich LeberenUundang, Scblagfluss, Typbas, 
Schwindsacht, Blutang während der Entbindang, so dass 
nor der eine Fall an UnterleibsentzSndang, und möglicher 
Weise die 3 Fälle, in denen eine Todesorsache nicht ange- 
geben ist, Todesfälle dardi Kindbettfieber gewesen sein 
können. 

Auffallend günstig ist ferner, dass 2693 Oebnrtsfälle 
oder 97,080 pCt. durch die Natur beendet wurden, so dass 
nur 44 Zangenanlegungen oder 1,586 pGt. vorkamen. Bei 
den 29 Quer- oder Schieflagen ist 28 Mal die Wendung 
verrichtet, indem ein Fall durch Selbstwenduog als Fulsge- 
burt verlief. 

Tagesereignisse and anderweite HittheiluogeD« 

— Wochenbericht der hiesigen öffentlichen Kran- 
kenhäuser: 

Bestand Wöchl. Wöchl. hierunter BesUnd 
27.Dec. Zugang Abgang Todesfälle 3. Jan. 

Bethanien .... 271 51 55 8 267 

Hedwigs -Krankenh. 228 48 61 11 215 

Blisabeth-Krankenh. 70 8 8 2 70 

Jüdisches Krankenh. 41 3 3 — 41 



dazu Charite • 



610 110 127 
1240 



21 



593 
1237 



1850 1830 

In Bethanien waren Rheumatismus und Rose vorherr- 
schend. 

— Dr. A. Favrot (Union med. — Wiener Medic- 
Halle) empfiehlt das Oel des Matico (Piper angustifolium) 
gegen Gonorrhoe. Wo Strikturen in der Harnröhre oder 
Prostataleiden vorhanden sind, leistet es nichts, wogegen 
es bei einfachen, akuten, subcutanen und chronischen Oo- 
oorrhoen von dem sichersten und dauerndsten Erfolge be- 
gleitet ist. Ferner leistet es bei Weiber, die an chronischer 
Yaginitis leiden, wo ein sonst gutartiger weifsgelblicher 
Ausfluss unter der Einwirkung einer leichten Ermüdung 
oder jedes Excesses oder nach der Periode selbst einen ge- 
fahrlichen Charakter annimmt, die besten Dienste. F. giebt 
es innerlich in Form von Kapseln und lässt in die Scheide 
Charpiebäuschchen, die mit Matiko-Dekokt durchtränkt sind 
und alle 12 Stunden gewechselt werden, einlegen. 

Bei Gonorrhoe lässt er, so lange sie im Entstehen ist, 
nur Einspritzung von destillirtem Wasser, das mit Matico 
|;esättigt ist, machen. Hat die Entzündung schon einige 
Zeit bestanden und ist der Ausfluss bereits dickflüssiger ge- 
worden, so reichen die Einspritzungen nicht aus und es 
werden dann zugleich Matico-Kapseln gegeben. 



Zur Bereitung der Kapseln giebt er folgendes Recept: 
Copaiva-Balsam' 100 Grammes, 
Matico-Essenz 5 

Magnesia q. s. um 100 Boli nach der Methode 
Raguins mit Gelatina zu überziehen. 

Jedes Stück enthält 1 Gramm Cop. und 0,05 Centigr. 
Oel, welche 5 Grammen Maticoblätter entsprechen. 

Der Copaiva- Balsam verliert durch diese Verbindung 
seinen charakteristischen Geschmack. 

Die Apotheker Grimanlt u. Comp, in Paris (Rue de 
la Feuillade) sind die einzigen Verfertiger der Matico-Es- 
senz. Niederlagen finden sich in Wien bei den Droguisten 
Raabe und Röder, obere Bäckerstrafse 751. und in Pesth 
bei dem Apotheker J. Törok. 

Anzeigen. 



Die Besitzer mehrerer Estancias in der Nähe von Bue- 
nos- Ajres wünschen für sich und ihre Familien einen pro- 
movirten Arzt zu engagiren, dem sie für die Jahre seines 
dortigen Aufenthalts ein sicheres Auskommen garantiren. 
Einem jungen Arzte, der sich zur Annahme dieser Stellung 
bereit findet, wird sich, abgesehen von dem möglicherweise 
wünschenswerthen Nutzen des dortigen milden Klimas für 
die eigene Gesundheit, aufser der sicheren Existenz, auch 
eine reiche wissenschaftliche Ausbeute auf dem Felde der 
Heilkunde und der Naturwissenschaften erschliefsen. 

Zur näheren Auskunft erklären sich bereit 
Bremen, December 1862. 

Carl Foeke Wwe. & Sohn 
und Dr. Med. BL Pletzer 



Bremen. 



Bei Th. Chr. Fr. Enslin in Berlin ist erschienen: 
Das 

Prenfsische Pbyslkats-Exameiit 

Repetitorium 

für Civil- und Militair-Aerzte 

▼ OD 

Dr. Fr. Berth« Loeffler. 

IJ Thlr. 

Das Regulativ für Obductionen, welches seit dem Er- 
scheinen des Buches eine Abänderung erfahren, wird in ei- 
nem Separatabdruck jedem Exemplare des Löffler'schen Bu- 
ches gratis beigegeben. 



Ferlag tod Th. Chr. Fr. Enslin (Adolph Enslin) in Berlin. — Gedruckt bei A. W. Schade in Berlin, Süll Schreibers tr. 47« 



Neue Folge. 
VI. Jahrgang. 



PREÜSSISCHE 



Di«86 Zeitung «rsohtlnt wScbaatlieh. 

Dftr Pr«it A%a ganzm Jahrgangs, w«lch«r 

niebt gatraimt wird, ist 3 Thlr. 20 8gr 



MEDICINAL -ZEITUNG. 

Herausgegeben von dem Verein für Heilkunde in Preussen 

unter Benntzvng amtlicher Hittheilnngen des Königl. Hinisterinms der geistlichen, Untenichts- 
nnd Hedicinal-Angelegenheiten nnd der KOnigl. Provinzial-BehOrden. 

Bedactenr: £. Maller, Geh. Medicinal-Rath «tc. 



1863. 




21. Januar. 



Inhalt. Amtlicher Tbeil ; Personalien; Bekanntmachung. — Die Sterblichkeit der Kinder in Berlin während der Jahre 1851 — 
1860; Ton E. Löewer. (Fortsetzung.) — Zur Trichinenkrankhcit. — Witterungs- und Krankheits-Constitution von BerUn ifur Monat 
December 1862. — Tagesereignisse und anderweite Mittheilungen — Zweiunddreifsigster Jahresbericht der Hnfelandschen Stiftung 
zur Unterstützung nothleidender Aerzte. 



Amtlicher TheiL 

PersoDftlieiit 

Auszeichnung. 
Se. MajeBt&t der König haben allergnfidigst geraht, 
dem Regierungs- nnd Geh. Medicinal-Rath Dr. Schlegel 
za Liegnitz den Rothen Adler-Orden IL Klasse mit Eichen- 
laub SU verleihen. 

Anstellungen. 

Die dorch die Beförderung des Privatdocenten Dr. med. 
Olshansen cum anfserordentlichen Professor erledigte Stelle 
des Assistenten bei dem Botbindangs-Institat der Universi- 
t&t in Halle ist d^m Dr. med. Wilh. Scabell ans Mag- 
deburg abertragen. 

Die durch den Abgang des Dr. med. Tiemann zam 
1. Mftrz d. J. vacant werdende Stelle eines Assistenten bei 
der chirnrgischen Abtheilong der vereinigten medicinisch- 
chirurgischen DniversitSts - Klinik in Halle ist dem prakti- 
schen Arzte Dr. P aal Dann eil übertragen worden. 

Hiederlassungen. 

Der praktische Arzt Dr. S klar eck hat sich in Ber- 
lin, Dr. Brandt in Pritzwalk, Dr. Brinkhaos in Harse- 
winkel, Dr. D roste in Scbmalleoberg, Dr. E. L. Schmidt 
in Bonn und Dr. SSmisch in Bonn niedergelassen. 

Dr. Koppel ist von Berlin nach Brandenburg, Dr. 
Berghaosen von Langenfeld nach Meckenheim, Dr. Br ei- 



derhoff von Bonn nach Berlin nnd Dr. Kirchberg yon 
Wermelskirchen nach Barscheid gezogen. 

Apotheken-Angelegenheiten. 
Der Apotheker Jong jun. hat die Köhler'sche Apo- 
theke nnd der Apotheker Sommerfeldt die Weigand* 
sehe Apotheke in Berlin gekauft. 

Todesfalle. 
Dr. Rjll in Posen nnd Dr. Bischoping in Waders- 
loh sind gestorben. 



Bekiuintmftehang. 

Das Polizei-Präsidium findet sich veranlasst, das Pabli- 
kam darauf aufmerksam zu machen, dass viele der gegen- 
wärtig sehr gebräacblichen, onter den Bezeichnangen Foch- 
sin, Azalein, Rosein, Neu- Violett, Roth-Yiolett, Blau- Vio- 
lett, Parmin u. s. w. im Handel vorkommenden Anilin- 
farben Arsenik oder andere giftige Bestandtheile 
enthalten. 

Die Yerwendong von Anilin färben zur Färbung von 
Zucker werk oder andern Oenussmitteln wird daher nie 
ohne vorgängige Feststellung ihrer Unschädlichkeit gesche- 
hen dürfen. 

Berlin, den 9. Januar 1863. 

Königl. Polizei-Präsidiam. 
V. BemtUh. 



fSW^W^^^' 



18 



Die Sterblichkeit der Kinder in Berlin wlllirend der 
Jalire 1851-1860. 

Vom Stabsarzt Dr. E. Loewer in Berlin. 
(Fortsetzung.) 

Wenden wir ans nun zu dem SterblicbkeitsverhfiltniBse 
der Kinder, wie es durch die socialen LebensverhSltnisse 
infiaencirt wird, so tritt ans hier vor allen Dingen der Un- 



terschied zwischen der Sterblichkeit der ehelichen ond un- 
ehelichen Kinder vor Angen. Wir sagen — vor allen Din- 
gen! denn es ist in der That gerade fSr eine groCse Stadt 
eine ewig brennende Frage, wie der anerkannt überwiegen- 
den Sterblichkeit der anfserehelichen Kinder entgegenge- 
steuert werden soll. Für Berlin gestaltet sich das Verhält^ 
niss nach Tabelle IX.: 



Tabelle IX. 



£s sind gestorben 




£s 


sind geh 


oren 




in den Jahren 


überhaupt 


eheliche 


un- 
eheliche 


Procent 

der 
ehelichen 


Procent 

der 
nnehel. 


Oberhaupt 


eheliche 


un- 
eheliche 


Procent 

der 
ehelichen 


Procent 

der 
nnehel. 


1851 


5315 


4295 


1020 


80,81 


19,19 


15335 


12983 


2352 


84,67 


15,33 


1852 


6005 


4942 


1063 


82,30 


17,70 


15408 


13041 


2367 


84,64 


15,36 


1853 


6121 


5080 


1041 


82,99 


17,01 


14060 


11901 


2159 


84,64 


15,36 


1854 


5443 


4471 


972 


82,14 


17,86 


15194 


12891 


2303 


84,84 


15,16 


1855 


6013 


4953 


1060 


82,37 


17,63 


14953 


12793 


2160 


85,55 


14,45 


1856 


5710 


4748 


962 


83,15 


16,85 


15279 


13092 


2187 


85,69 


14,31 


1857 


6518 


5368 


1150 


82,36 


17,64 


16104 


13758 


2346 


85,43 


14,57 


1858 


6933 


4828 


1105 


81,38 


18,62 


16319 


13838 


2481 


84,80 


15,20 


1859 


6758 


5484 


1274 


81,15 


18,85 


17202 


14531 


2671 


84,47 


15,33 


1860 


5646 


4535 


IUI 


80,32 


19,68 


18226 


15382 


2844 


84,40 


15,60 


. 1851-60 


59462 


48704 


10758 


81,91 


18,09 


158080 


134210 


23870 


84,90 


15,10 



Absolut genommen, ergiebt sich also aus der Tabelle, 
dass von 100 Kindern, die während des lOjäbrigen Zeit- 
raums gestorben sind, nahezu 82 eheliche und 18 uneheli- 
che waren, und dass andererseits von 100 Geborenen na- 
hezu 85 auf die ehelichen und 15 auf die anehelichen Kin- 
der kamen. Die unehelichen Geburten verhalten sich also 
zu den ehelichen, wie 1 : 5,6, die unehelichen Todesfalle 
zu den ehelichen wie 1 : 4,5. Wenn wir nun das Sterb- 
lichkeitsverhältniss der ehelichen zu den unehelichen Kin- 
dern feststellen wollen, so ist auch hier festzuhalten, dass 
wir, wie bei Tabelle IIL und aus denselben Gründen, die 
jährliche Zahl der Gehörnen mit der jährlichen Zahl der 
Gestorbenen vergleichen. Das Vergleichungs-Resultat wird 
also auch hier immerhin nur ein annäherndes sein können. 
Da bei den unehelichen Kindern auf 100 Gehörne 45,07, 
bei den ehelichen auf 100 Geborne 36,21 sterben, so stellt 
sich die Sterblichkeit der unehelichen Kinder zu der der 
ehelichen etwa wie 5:4, d. h. auf 4 eheliche Kinder ster- 
ben 5 uneheliche. Auf dieses ungunstige Verhältniss hat 
naturlich die aufsereheliche Fruchtbarkeit den allerwesent- 
lichsten Einfluss, und dass diese in einer so grofsen Stadt 



bedeutender ist, als in einer kleinern, ist ebenso bekannt, 
wie in der Verschiedenheit des socialen Treibens begründet. 
Bockh '} findet aus einem Vergleiche der Jahre 1817 
bis 1856, dass sich das Verhältniss der anfserehelichen 
Fruchtbarkeit zu der ehelichen ungeÜihr wie 1 : 8 stellt, 
sagt aber auch, dass, während im Verhältniss zur Zahl der 
ehelichen Geburten die Zahl der unehelichen in früheren 
Perioden erheblich abgenommen hatte, sich in den letzte- 
ren Jahren die Zahl der unehelichen Geburten in einer auf- 
fallenden Weise wieder vermehrt hat. In diese letzten 
Jahre fällt nun aber gerade unsere Zusammenstellung, und 
muss deshalb auch das von uns gefundene Verhältniss wie 
1 : 5,6 ungunstiger ausfallen, als das seinige. Böckh macht, 
um diese hohe Zahl zu erklären, auf die grofse Menge der 
in Berlin vorhandenen unverheiratheten Personen weiblichen 
Geschlechte aufmerksam und weist nach, dass, wenn man 
die verheiratfaeten Personen der einzelnen Altersklassen in 
Berlin und andern Orts unterscheiden könnte, sich die für 



') Böckh, Ortschafts-Statistik des Regierungs-Bezirks Pots- 
dam mit der Stadt Berlin, p. 41. 



/ 



19 



erstere Stadt ODgunstige DiffereDZ bedentend reduciren, dass 
sie resp. mehr, als verschwiDden würde. So zeigt eich nach 
ihm, das8 die weiblichen Altersklassen von 19 bis 32 Jahr, 
denen die unehelichen Geburten fast ausschliefslich angehö- 
ren, in Berlin 27,47 pCt., im Regierungs- Bezirk Potsdam 
21,10 pCt. der weiblichen Bevölkerung ausmachen, dass an- 
dererseits die Zahl der Ehefrauen in Berlin nur 29,12 pCt, 
im Begiernngs - Bezirk dagegen 34,26 pCt. der weiblichen 
Bevölkerung beträgt. Nach speciellcren Deductionen unter 
Berücksichtigung der obigen Verhältnisse kommt Böckh 
zu dem Schlüsse, dass das wirkliche Verhältniss der aus- 
eerehelichen Fruchtbarkeit in Berlin sich erheblich geringer 
gestalten wurde, als im Regierungs-Bezirk Potsdam. Die 
Menge der in Berlin vorhandenen unehelichen Kinder ist 
nun offenbar der Hauptgrund, weshalb ihr Sterblichkeits- 
Register so grofse Verhältnisszahlen tragt. Zu ihm gesel- 
len sich aber auch noch eine grofse Zahl anderer, die sich 
mehr oder weniger an allen Orten wiederholen und je nach 
den Sitten der Länder, oder den Einrichtungen der Städte 
mehr hervortreten oder geringer erscheinen. Da in Berlin 
kein Findelhaus existirt, das, wie in Paris und London, die 
unehelichen Rinder auf das Land schickt, wo beim eintre- 
tenden Todesfalle die Register ihre Namen aufnehmen, so 
müssen unsere Tabellen sie alle enthalten und deshalb an* 
dern Orten gegenüber sehr belastet erscheinen. Ein Ver- 
gleich mit jenen Städten ist deshalb aber ein Unding. Bei 
ans werden die unehelichen Kinder also in der Stadt selbst 
untergebracht, aber Jedermann weifs, wie die Pflege für 
Geld gebandhabt wird. Wenn bei uns jetzt auch die Zeit 
aufgehört hat, wo die Frauen, welche uneheliche Kinder 
aufnehmen, von dem bekannten Berliner Volkewitze mit 
dem Namen „Engelmacher^ belegt wurden, wenn auch jetzt 
Polizei, Stadtverwaltung und Vereine durch Beaufsichtigung 
darauf hinwirken, dass die Pflege genau und gesundheits- 
gemäfs geschehen soll, so muss doch die sociale Stellung 
dieser Kinder immer noch eine grofse Menge Opfer aus ih- 
rer 2jahl fordern, da die Pflege fremder Personen, die kein 
Interesse an der Existenz des Kindes haben, bei denen 
dies erst erkauft und bezahlt werden muss, niemals die 
der eigenen Familien ersetzen kann, da die aufserebelichen 
Kinder von dem ersten Momente ihres Werdens an entwe- 
der mit absichtlicher Rücksichtslosigkeit oder, im günstig- 
sten Falle, mit Gleichgültigkeit für ihr Dasein zu kämpfen 
haben. Dies beweist sich am besten durch die Zahl der 
aufserebelichen im Vergleich zu den ehelichen Todtgebor- 
nen, was uns für Berlin Tab. X. vorfuhrt. 



Tabelle X. 
Auf 100 Gehörne kamen Todtgebome 
in den Jahren eheliche uneheliche 

1851 4,12 5,56 

1852 . 3,84 4,97 

1853 3,93 5,55 

1854 3,80 6,12 

1855 3,94 5,96 

1856 3,56 6,94 

1857 4,08 8,52 

1858 4,61 8,74 

1859 4,06 7,34 

1860 3,86 6,92 
1851—60 3,99 6,27 

Ohne darauf aufmerksam zu machen, tritt bei den un- 
ehelichen Kindern der fast um die Hälfte gröfsere Unter- 
schied der Todtgeborneu in die Augen. Er ist der Aus- 
druck für alle die vielfachen Potenzen, die entweder ab- 
sichtlich oder durch Noth, Kummer und Schaam je nach 
den Verhältnissen während der Schwangerschaft auf die 
Mutter einstürmen. Auch Qnetelet *) berichtet, dass wäh- 
rend der letzten Hälfte des vorigen Jahrhunderts in Ber- 
lin das Verhältniss der Todtgebornen bei den unehelichen 
Geburten dreimal gröfser, als bei den ehelichen gewesen 
ist. Sind jene Einwirkungen aber noch "nicht derartig ge- 
wesen, dass sie schon im Mutterleibe das Kind getodtet 
haben, so haben sie doch meist die Folge, dass dasselbe 
schwach und mehr oder weniger lebensunfähig geboren wird, 
und dass es deshalb, zumal es meist keine ausreichende 
Pflege antrifft, bald nach der Geburt zu Grunde geht. Dazu 
kommt noch, dass diese Kinder, die fast immer die Fruchte 
der Ausschweifung sind, die von Eltern stammen, welche 
durch Krankheit, unregelmäfsiges Leben und Leidenschaf- 
ten in ihrer Gesundheit vielfach zerrüttet sind, ohnehin 
schon den Keim des baldigen Todes in sich tragen, der 
durch die Aufnahme, die sie beim Eintritt ins Leben fin- 
den , nicht unterdrückt wird, sondern sich immer wieder 
entwickelt und den traurigen Ausgang in kürzerer oder län- 
gerer Zeit herbeiführt. 

Wenn dies das allgemeine Bild für Berlin ist, so tref- 
fen wir doch in ihm einen Theil der Bevölkerung, in dem 
die vorgeführten Verhältnisse eine ungleich günstigere Ge- 
stalt annehmen, es sind dies die Juden. Wir finden bei 
ihnen zwei wesentliche Verschiedenheiten : ein ungleich ge- 
ringeres Verhältniss der unehelichen Geburten zu den ehe- 
lichen und damit auch zusammenhängend ein günstigeres 
Sterblicbkeitsverhältniss der unehelichen Kinder zu den ehe- 
lichen. Das Sterblicbkeitsverhältniss der Kinder bei den 
Juden gestaltet sich nach Tab. XL folgendermafsen : 



') Quetelet, über den Menschen und die Entwicklang sei- 
ner Fähigkeilen. Stuttgart 1838. p. 120. 



20 



Tabelle XI. 



Es starben bei den Jaden vor ▼oilendetem Isten Lebensjahre. ') 



In den Jahren 


üebcr- 
haopt 


Eheliche 


Uneheliche 


Procente der GresammUamme 




Knaben 


Mädchen 


Knaben 


Mädchen 


der 
Ehelichen 


der 
Unehelichen 


1851 


35 


16 


16 


l 


2 


91,43 


8,57 


1852 


53 


19 


27 


3 


4 


86,79 


13,20 


1853 


36 


11 


22 


2 


1 


91,66 


8,a3 


1854 


46 


25 


16 


2 


3 


89,13 


10,87 


/ 1855 


39 


19 


15 


3 


2 


87,18 


12,82 


1856 


44 


23 


18 


— 


3 


93,18 


6,81 


1857 


57 


30 


18 


7 


2 


84,21 


15,79 


1858 


54 


26 


23 


4 


1 


90,75 


9,25 


1859 


65 


41 


20 


2 


2 


93,84 


6,15 


1860 


58 


29 


21 


6 


2 


86,20 


13,79 


1851-1860 


487 


239 


196 


30 


22 


89,32 


10,67 



(Fortseteang folgt.) 



Zor Trichioenkrftnkheit« 



Die in No. 52. onseres letzten Jahrgangs enthaltene 
Bemerkung, dass die eigenthnmlichen Epidemieen^ welche 
Herr Dr. Send 1er zu Magdeburg and Herr Bataillonsarzt 
Dr. Scholtz zu Blankenborg am Harz in der deutschen 
Klinik beschreiben, vielleicht der Trichinenkrankheit 
angehören, hat Herrn Ober-Stabsarzt Dr. Abel veranlasst, 
die Redaktion darauf aufmerksam zu machen, dass auch 
er bereits im Jahrgange 1857 dieser Zeitung dieselbe räth- 
selbafte Krankheit, wie sie von Send 1er und Scholtz 
geschildert worden, unter dem Namen „einer eigenthumli- 
cheu Influenza -Epidemie^ beschrieben habe. Aus 
Herrn Abels in No. 15. des Jahrgangs 1857 abgedruck- 
ten Berichte ergibt sich, dass in Halberstadt und Quedlin- 
burg und den vorzuglich zwischen Harz und Huy liegen- 
den Nachbarorten zum ersten Male im Jahre 1844 eine 
wenig umfangreiche Grippe -Epidemie, die sich durch An- 
schwellung des Gesichts, des Halses und der Extremitäten 
auszeichnete, beobachtet wurde, dass seitdem vereinzelte 
Fälle dieses Leidens vorkamen, bis dies im Monat Januar 
1851 in Halberstadt und in dem eine halbe Meile davon 
entfernten Dorfe Harsleben wieder allgemeinere Verbreitung 
erlangte. Nachdem, heifst es weiter, die Epidemie, welche 
sich vorzugsweise nur auf einen Theil der Mannschaften 
des 7ten Kürassier - Regiments und andere junge kr&ftige 



■) Die aintlichen Listen scheiden nur für das Iste Lebens- 
jahr die ehelichen Kinder von den unehelichen, weshalb hier nur 
für das eine Jahr die ZnsammensteUnng erfolgen konnte, die An- 
gabe der Geburten ist ebenfalls nach hmtlichen Quellen* 



Leute beschr&nkte, mit Anfang Februar wieder erloschen 
war, erschienen sie mit Beginn des Monats Mai von Neuem 
und zwar in grofserer Inteneitfit in Halberstadt, webiger in 
Harsleben und seit Mitte Mai auch in Quedlinburg. Sie 
umfasste dies Mal fihnlich wie im Januar einen Zeitraum 
von 3—4 Wochen, und fast sfimmtliche Erkrankungen fan- 
den gleichzeitig oder kurz nach einander statt, in Quedlin- 
burg nachweisbar zwischen dem 13. und 17. Mai. in Hal- 
berstadt war die Krankheit gleichmfifsig über die ganze 
Stadt, in Quedlinburg fast ansschliefslich über die Neustadt 
verbreitet Es wurden fast nur kr&ftige jugendliche Perso- 
nen ergriffen. Bejahrtere sah Dr. Abel nie erkranken; 
Kinder nur selten. Wfihrend sonst im Allgemeinen kein 
Stand an der Krankheit vorzugsweise zu leiden schien, be- 
fiel sie unerklärlicher Weise die in beiden Städten garni- 
sonirenden Soldaten; in Quedlinburg gehörte von 50 Er- 
krankungen die gröfsere Hälfte der in der Neustadt liegen- 
den Garnison an. In Halberstadt kamen gegen 30 Fälle 
beim Miiitair vor, die Erkrankungen im Civil waren nicht 
genau festzustellen. Meistens wurden ganze Familien und 
einzelne ganze Beritte der Kürassiere ergriffen. Hr. Abel 
ättfserte dabei in jenem Berichte „eine Erscheinung, wofür 
ich keinen triftigeren Grund anzugeben weifs, wie denn ^ 
die Aetiologie dieser Epidemie überhaupt tro^ j 
der sorgfältigsten Nachforschungen gleich < .f 
der meisten andern völlig im Dunkeln blieb.^ 

Der Bericht nennt folgende Symptome: Wiederb ed 
Frösteln, abwechselnd mit Hitzeschauern, enorme Ma g. 
keit, Ziehen, Reifsen, auch wohl Prickeln in den Glied ^^ 
Eingenommenheit des Kopfes, zuweilen Delirien, gastr \^e 



21 



Symptome, am achten Tage bei Steigerang der fibrilen und 
nervösen Symptome eine eigenthümliche Geschwulst and 
2war meistens zaerst der antern Augenlider oder mit Blat- 
eztravasat anter der Conjanctiva bulhi, Bindebaotröthung, 
Lichtacheu, oder an den Dnterkieferwinkeln , zaweilen ein- 
seitig, in der Regel doppelseitig. Von da verbreitete sich 
in 12—48 Stunden die Geschwulst über das ganze Gesicht, 
vorzugsweise über die Submaxillargegend, spater aber Nak- 
ken and Halsmuskeln und gleichzeitig über die obern, sel- 
tener über die untern Extremit&ten , ausnahmsweise auch 
wohl über die ganze Eorperoberfläche. In den leichtesten 
Fällen 'waren die ei^riffenen Theile nur gedunsen, in den 
schwersten war die Geschwulst prall, die Temperatur er- 
höht und die Haut geröthet Immer war dabei besonders 
an den Extremitäten ein Gefühl von Spannung, ungemeiner 
Erlahmung und Schwerbeweglichkeit, oft auch starkes Reis- 
sen. Die Geschwulst bedurfte 1 — 5 Tage zu ihrer voll- 
ständigen Entwickelung und erhielt sich unter Fieberbewe- 
gungen nicht selten 14—16 Tage. (Gleiche Anschwellun- 
gen sollen übrigens damals auch von Thierärzten bei Pfer- 
den, die an der Influenza litten, beobachtet sein.) Die 
Krankheit endete per lysin , indem alle Symptome nach 3 
bis 16tägiger Dauer ällmälig aufhörten und nur zuweilen 
eine Woche lang dauernde Mattigkeit hinterliefsen. 

Wenn bei diesen Erkrankungen, wie bei den Blan- 
ken burgern dahingestellt bleiben muss, ob sie durch Tri- 
chinen-Einwanderung veranlasst waren, so wird da- 
gegen unsere Yermuthung bezüglich der von Dr. Send- 
1er in Magdeburg beobachteten von ihm unter dem Namen 
^epidemisch auftretendes akutes Oedem des sub- 
cutanen Zellgewebes und der Muskeln^ beschrie- 
bene Krankheit von Herrn Dr. Send 1er selbst durch fol- 
gende interessante Mittheilung in der Deutschen Klinik (No. 
2. Jahrg. 1863) bestätigt: 

^Frau R.^ eine Frau von etwa 30 Jahren, hatte im Au- 
gust 1860 die von mir beschriebene Krankheit und unter 
meiner Behandlung durchgemacht. Sie war erkrankt am 
27. August unter allgemeiner Abgeschlagenheit, Brechnei- 
gung mit heftigen Kopfschmerzen, Frost und Hitze. Kurz 
darauf hatten sich ödematöse Anschwellung des Gesichts 
und Schoäerzen in den Gelenken und Muskeln hinzugesellt. 
Diese waren hart, strangartig anzufühlen, schmerzten bei 
jeder Berührung, besonders bei seitlicher Verschiebung der 
Faser, und die davon befallenen Extremitäten erschienen 
bedeutend geschwollen. Zuerst wurden die Vorderarme, 
dann die Oberarme, besonders die Beugemnskeln ergriffen. 
Später ging die Affektion auch auf die Unter- und Ober- 
schenkel über. Die Muskeln des Rumpfes litten weniger, 
ioch war die epigastrische Gegend gegen Druck empfinde 
[ich. Sie fieberte fortwährend stark, wurde heiser, war ap- 
petitlos, mit weifs - gelblichem Zungenbelag und fötidem 
/kthem, sie war obstruirt und litt aufserordentlich durch die 



ununterbrochenen Schmerzen im Kopf und den infiltrirten 
Muskeln, die fast jede Bewegung unmöglich machten. Seit 
dem 5. September liefs das Fieber ein wenig nach, auch 
der Kopf wurde leichter und die Schmerzen in den Mus- 
keln, namentlich dem Biceps brachii, nahmen ällmälig ab, 
doch blieb die Verdauung hartnäckig gestört Die Behand- 
lung hatte sich auf ein Emeticum, auf schweifstreibende 
Mittel und kalte, erwärmende Umschläge auf den Leib, die 
mit Erleichterung gebraucht wurden, beschränkt. Am 15. 
September waren endlich Fieber und Muskelinfiltrationeu 
verschwunden und der Appetit kehrte zurück. Mattigkeit, 
Heiserkeit und Oedeme der Füfse dagegen blieben noch 
lange und ihre volle Munterkeit erlangte die Frau erst nach 
Monaten wieder. Dann blieb sie gesund bis zum Juli 1862, 
wo sie anfing, über Magendrücken nach der Mahlzeit und 
Appetitmangel zu klagen, und im August stellte sich ein 
starkes. Bluterbrechen ein. Nach längerer Behandlung war 
sie Mitte Oktober auch davon leidlich hergestellt, klagte je- 
doch noch immer über andauernde und oft heftige Magen- 
schmerzen. Diese dienten mir zum Vorwande, um ihr am 
obern Theile des Biceps brach, s. eine Fontanelle zu le- 
gen. Bei dem bedeutenden Fettpolster konnte nur mit Mühe 
ein Stück Muskelfleisch von Erbsengröfse erlangt werden, 
in welchem auch nur höchstens die Hälfte wirkliche Mus- 
kelfaser war. In diesem fand sich nach vielem sorgfälti- 
gen Suchen unter dem Mikroskope eine wohlerhaltene, spi- 
ralförmig zusammengewundene, aber leblose Trichine. — 
Hiermit war der Beweis geliefert, dass die von mir be- 
schriebene und seit dem Jahre 1858 jedes Jahr hier in ge- 
ringerer oder gröfserer Ausdehnung vorgekommene neue 
Krankheit auf Trichineneinwanderung beruht Nach mir 
entnahm Herr Dr. Hagendorn von hier einem vor Kur- 
zem unter den bekannten Erscheinungen Erkrankten eine 
Fortion Muskelfleisch aus dem Biceps brach, und hatte das 
Glück, in demselben eine noch lebende, ebenfalls zusam- 
mengerollte Trichine zu finden. 

Wenn anch diese Aufklärung zunächst nur ein lokales 
Interesse hat, so erlangt si6 doch insofern eine gewisse 
Wichtigkeit, als die in Magdeburg seit 4 Jahren vorgekom- 
menen Trichinen-Erkrankungen die in andern Städten be- 
obachteten an Zahl bedeutend übertreffen und noch fort- 
dauernd Krankheitsfälle der Art beobachtet werden. Da- 
gegen wissen wir hier nur von einem Todesfalle zu berich- 
ten, so dass man behaupten kann, die Krankheit sei in 
Magdeburg bis jetzt in milderer Form als z. B. in Plauen 
und Calbe a. S. aufgetreten.^ 

Ist hiernach die Trichinenkrankheit in Magdeburg wie 
bereits früher in Calbe a. S. als konstatirt zu erachten, und 
erwägt man, dass wenigstens muthmafslich auch in Blan- 
kenburg am Harz, in Halberstadt und Quedlinburg wieder- 
holt Epidemien der Trichinenkrankheit sich gezeigt haben, 
so drängt sich die Frage auf, ob gerade vorzugsweise die 



22 



Gegend zwischen Elbe and Harz das trichinenbaltige Fleisch 
liefere, dessen Genass an jenen Orten Jahre lang nach ein- 
ander menschliche Erkrankungen herbeigeführt hat? Selbst 
der Dresdner Fall and die Epidemie von Planen im Voigt- 
lande worden sich mit den Erkrankungen in Magdeburg 
and seiner Umgegend in einen gewissen geographischen 
Zasammenhang bringen lassen. Oder sind nur zufällig ge- 
rade in der bezeichneten Gegend die eigen thu ml ichen Sym- 
ptome der Trichinetikrankheit Gegenstand der ärztlichen 
Aufmerksamkeit geworden, und ist diese Krankheit über- 
haupt häufiger, als man bisher anzunehmen Grund gehabt 
hat? ') — Jedenfalls ist die Trichinenkrankheit ein Gegen- 
stand von der gröfsten Wichtigkeit, sowohl weil durch sie 
für die Aetiologie eine bis dahin ungeahnte Aufklärung ge- 
wonnen worden ist, als auch wegen ihrer Bedeutung für 
die Sanitätspolizei; und es verdient die Eenntniss der kon- 
statirten Fälle der Trichinenkrankheit die gröfstmogliche 
Verbreitung unter dem ärztlichen Publikum. Wir lassen 
daher hier noch ein kurzes Referat über einen von Profes- 
sor Friedreich in Heidelberg beobachteten und in Vir- 
cbow's Archiv (Bd. 25. Heft 5. und 6. 1862) veröffentlich- 
ten Fall folgen: 

Ein kräftiger Schlächtergeselle erkrankte an Kopf- 
schmerz, Appetitmangel, auffallender Schwäche der Beine 
und heftigen Schmerzen der Wadenmuskeln, der Hals und 
der Nackengegend, Gefühl von Steifigkeit und Spannung 
der genannten Theile. Die Muskeln fühlten sich prall und 
auffallend hart an. Dabei stellten sich heftige Fieberer- 
scheinungen and diarrhoische Stahle, profuse Schweifse, Pu- 
stel-Eruptionen an verschiedenen Korperstellen, einzelne Fu- 
runkeln, Oedem der Unterschenkel, Heiserkeit und Schmerz 
beim Sprechen ein. Mit der Middeldorpffschen Har- 
pune wurde ein Muskelstückchen aus der rechten Wade 
herausgenommen und in diesem kaum hanfkorngrofseu Prä- 
parate sieben, zum Theil spiralförmig zwischen den Mus- 
kelfasern liegende Trichinen gefunden. AuCserdem fand 
sich in dem aus einem Furunkel entleerten Eiter eine grofse^ 
völlig entwickelte Trichine. Zwei Monate später fand man 
in einem abermals aus der Wade herausgenommenen Mas- 
kelpartikelchen eine noch lebende spiralförmig gewundene, 
in rotirender Bewegung begriffene, aber bereits von einer 
dünnwandigen, ovalen Kapsel eingeschlossenen Trichine 
zwischen normalen Muskelfasern. Der Kranke genas, nach- 
dem er von F. mit Kali picronitricum (Kai. picronitr. 
5j, Extr. Liquir,, Pulv. Liquir. ää q. s. ut f. pil. No. 60. 
drei Mal täglich 5 Pillen) behandelt worden war. 

Das Kali picronitr. färbt zuerst die Gonjunctiva und 



*) Auch hier in Berlin sind von Herrn Dr. Kornfeld kürz- 
lich an zwei Personen Einer Familie die der Trichinenkrankheit 
angehörenden Symptome beobachtet worden; der Nachweis vor- 
handener Trichinen aber hat bisher nicht geführt werden können. 



dann auch die ganze Körperoberfläche gelb. F. empfiehlt 
dasselbe gegen Trichinen ebenso wie gegen den Bandwurm, 
gegen welchen letztern er es zu einer halben Drachme mit 
einer Drachme Pulv. rad. Jalap. und Extr. Liquir. so viel 
nöthig zur Bereitung von 30 Pillen (3 Mal täglich 5) neh- 
men lässt. 

Witterangs- und Krankheits-Constitotion za Berlin 
fQr den Honat December 1862« 

In den ersten 5 Tagen blieb das Wetter bei anhalten- 
dem Ostwinde durchweg klar und heiter. Die Temperatur 
der Luft ging allmälig zurück und liefe zwischen dem 4. 
und 5. ihren niedrigsten Standpunkt wahrnehmen. Am 6. 
Abends trat Thauwetter ein, welches bei dauerndem Sud- 
winde bis einschliefslich den 8. anhielt and am 7. und 8. 
Regen mit sich führte. Am 8. Morgens war es sehr neb- 
lig. Mit dem 9. trat plötzlich wieder bedeutender Frost 
und Ostwind ein verbunden mit Schnee am 9. und 10. 
Diesem folgte jedoch am 11. Morgens schon wieder Thau- 
wetter, welches bis einschliefslich den 17. mit geringen 
Nachtfrosten wechselte und am 12. und 14. etwas Schnee, 
sowie auch am 14. und 15. etwas Regen im Gefolge hatte. 
Am 15. Morgens nebelte es nicht ganz unbedeutend. Am 
12. und 16. war Südwind, in der übrigen Zeit dagegen 
Westwind. Die Tage des 16. ond 17. blieben klar und 
heiter. Mit dem 18. trat entschieden unfreundliche und 
feuchte Witterung ein, welche bei ausschliefslichem, abwech- 
selnd scharfem Westwinde bis zu Ende des Monats anhielt. 
Bemerkens werther Frost wurde in dieser Zeit nur zwischen 
dem 22. und 24. wahrgenommen. Geringer Schnee fiel 
am 18., 20., 21., 22., 26. und 27., und Regen am 20., 21., 
24., 26., 28. bis 30. und 31. Nebel wurde am 18. Morgens 
wahrgenommen. 

Das Thermometer variirte zwischen dem 5. und 11. 
am stärksten und schwankte Morgens um 6 Uhr zwischen 
•4-5,2 am 29. und — 9,6«R. am 10., Mittags um 2 Uhr 
zwischen -H 6,4 am 28. und — 8,2* R. am 10. ond Abends 
um 10 ühr zwischen -1-5,3 am 28. und — 7,7« R. am 9. 
Dessen mittlerer Stand betrug um dieselbe Zeit: Morgens 
-1-1,2, Mittags -1-2,3 und Abends -4-l,7«R.; ebenso die 
Differenz: Morgens 15,8, Mittags 14,6 und Abends 13,0^ R. 
Die durchschnittliche Differenz gegen den vorigen Monat 
beträgt — 1,6'R. Der gleichmäfsig höchste Thermometer- 
stand wurde am 29., der gleichmäfsig niedrigste dagegen 
am 10. wahrgenommen. 

Das Barometer hatte bis einschliefslich den 18. meist 
eine beträchtliche Höhe, variirte zwischen dem 18. und 22. 
am stärksten und schwankte überhaupt zwischen 342,95'" 
am 16. und 322,66'" am 20. Dessen mittlerer Stand be- 
trag: Morgens um 6 ühr 336,14'", Mittags um 2 ühr 336,05" 



23 



und Abends am 10 Uhr 336,42'"; die bedeutende Differenz 
20,19'". Barihelme. 

Im Monat December war die Morbilitat aufserordent- 
lich grofs. YorzQgsweise kamen Angina tonsillaris, Ea- 
tarrhe der Respirationsorgane, selbst zar Bronchitis sich 
steigernd, gastrische and gastrisch-nervöse Fieber und Ma- 
sern zar Srztlichen Behandlang. Nicht selten worden Falle 
von Diphtheritis beobachtet. In Entbindungsanstalten wa- 
ren Eindbettfieber verbreitet. — Modificirte Pocken zeigten 
sich immer noch. — Syphilis scheint, wenn auch in der 
Regel nicht gerade in schweren Formen, gröfsere Ausbrei- 
tang za gewinnen. 

Die Sterblichkeit war bedeutend. Mr, 

Unter den liausthieren litten die Pferde ziemlich 
h&ufig an Eatarrh, Bronchitis, Influenza und Eolik; auch 
kamen akute Rheumatismen mehrfältig und im hohen Grade 
vor; und vereinzelt fanden sich Nesselausschlag, Brand- 
mauke, Gehirn - Congestion, Tetanus und Gastricismus. — 
Unter dem Rindvieh herrschte in der grofsten Ausbreitung 
die Aphthenkrankheit, mehrenthells in der Form des Maul- 
wehes, h&ufig aber mit dem Elauenweh verbunden, und fast 
eben so hfiufig fand sich auch Euteransschlag hinzu. Uebri- 
gens kamen bei dieser Thierart Gastricismen und Rheuma- 
tismen in mfifsiger Menge vor. — Die Hunde litten sehr 
zahlreich an Rheumatismus, Eatarrh, Diarrhöe, an Staupe 
and Krämpfen und an Flechten und Räude. Von Wuth- 
krankheit ist kein Fall vorgekommen. Heriwig. 

Tagesereignisse and anderweite Kittheilnngeno 

— Wochenbericht der hiesigen öffentlichen Eran- 

kenhäuser: 

Bestand Wdchl. Wöchl. hierunter Bestand 
3. Jan. Zugang Abgang Todesfälle 10. Jan. 

267 53 36 5 284 

215 55 45 5 225 

70 6 8 2 68 

41 5 3 — 43 



Bethanien .... 
Hedwigs - Erankenh. 
Elisabeth - Erankenh. 
Jadisches Erankenh. 



dazu Gharite • 



593 
1237 



119 92 



12 



620 
1329 



1830 1949 

In Bethanien waren Nervenfieber und Rheumatismus, 
und im Hedwigs - Erankenhause Lungenentzündungen vor- 
herrschend. 

— Mit Bezug auf die in No. 52. des letzten Jahrgan- 
{ 8 enthaltene Besprechung der „Gesetze undVerord- 
] ngen in Deutschland Betreffs der Geisteskran- 
1 n^ ist die Redaktion von dem Herrn Referenten der in 
j er Arbeit auf Prenfsen bezuglichen Gesetze ersucht 
' rden, nachstehende Bemerkungen desselben aufzunehmen: 
) dass er vorgängig zur Sammlung für die Redaktion 



nur die seit einer Reihe von Jahren fertige Zusam« 
menstellung der betreffenden Bestimmungen im All- 
gemeinen Landrecht eingesandt habe. 

2) dass diese an sich übrigens von sachlichem und hi- 
storischem Interesse seiende Zusammenstellung ohne 
alles Weitere abgedruckt worden sei, und 

3) dass er die ganze Arbeit erst nach dem Druck des 
Supplementheftes zum XIX. Bande der Zeitschrift für 
Psychiatrie gesehen habe. 

— Die grofse Zahl der gegenwärtigen Erkrankungs- 
fälle hat das Charite-Erankenhaus in allen seinen Sta- 
tionen so sehr überfüllt, dass die Normalzahl von 1 300 be- 
reits überschritten, und dass insbesondere zur Unterbrin- 
gung der Pockenkranken aufser der gewöhnlichen, aller- 
dings sehr wenig umfangreichen Pocken-Station noch eine 
andere Lokalität der Charite hat eingerichtet werden müssen. 

— Am Jahresschluss 1862 vertheilten sich die Cha- 
rit^kranken nach den einzelnen Stationen, wie folgt: 
Innerlich Eranke 225 Männer, 88 Weiber; äufserlich Eranke 
157 M., 38 W.; gynäkologische Eranke 30 W.; Augen- 
kranke 49 M., 15 W.; Hautkranke 16 M., 6 W.; kranke 
Einder 27 Enaben, 22 Mädchen; Gemüthskranke 48 M., 
37 W.; Erampfkranke 4M., 12 W.; venerisch - Eranke 
108 M., 146 W.; Erätakranke 36 M., 20 W.; kranke Ge- 
fangene 65; Gebäranstalt 11 Schwangere, 13 Mütter, 3 
En., 5 Mädchen; Pockenkranke 17 M., 14 W.; Cholera- 
kranke — . Totalsnmme 1212 Eranke. 

— Nachweisnng der Gharite-Eranken im Monat 

December 1862: 

Männer Weiber Enab. Mdch. Summa 

Bestand am 30. Nov. 725 486 5 9 1225 

Zugang im Dec. 658 364 28 23 1073 



Samma 1383 


850 


33 


32 


2298 


Entlassen. . . ; 566 
Gestorben ... 65 


356 
42 


14 
16 


20 

7 


956 
130 


Bestand am 31. Dec. 752 


452 


3 


5 


1212 



Unter den Todten sind todtgeboren 3 

ZweiQDddreifsigster Jahresbericht der Hofeland'scheD 
Stiftung zor llDterstQtzaog Dothleidender Aerzte. 

Wie erfreulich in neuester Zeit das Interesse an der 
Hufeland'schen Stiftung zur Unterstützung nothleidender 
Aerzte sich gesteigert hat, crgiebt die Zunahme der Zahl 
der zu der Stiftung beitragenden Mitglieder. Das Jahr 1861 
hatte deren 1741; im Jahre 1862 stieg die Zahl auf 1876. 
Die verhältnissmäfsig gröfste Betheiligung hat das Regie- 
rungs-Bezirk Dusseldorf dargethan, dessen Beiträge fast um 



24 



das Doppelte gestiegen sind. Indem \?ir dieses dankbar 
anerkennen, hoffen wir, dass aach in den ändern Regie- 
rungs - Bezirken ein immer regeres Interesse in der Folge 
sich kand gebe, damit wir in den Stand gesetzt werden, 
dem allgemeinen Wunsche der Collegen gemäfs gröfsere 
Unterstätzongen gewähren zu können. Soweit es die Mit- 
tel gestattet haben, ist dies bereits der Fall gewesen. In 
einigen Ffillen, wo die momentane Bedrängniss eine sehr 
grofse war, sind wir sogar über die beantragte Summe hin- 
ausgegangen. Die Zurückweisung eines berechtigten und 
bedürftigen Collegen aber hat in keinem Falle stattge- 
funden. 

Zur Abwehr der mancherlei Angriffe, denen die Stif- 
tung ausgesetzt gewesen ist, bemerken wir, dass nach Aus- 
weis der Jahresberichte der letzten 15 Jahre aus den bei- 
den Stiftungskassen weit gröfsere Summen in die Provinzen 
geschickt, als in diese znrGckgeflossen sind; dass in den 
letzten Jahren die Pensionen und Unterstutzungen gestie- 
gen, und zuletzt sogar sämmtliche Beiträge cund ein Theil 
der Zinsen zu Unterstutzungen und Verwaltungskosten aus- 
gegeben worden sind. 

Ueber die Wittwen - Kasse können wir leider nicht so 
günstig berichten, weil die Mittel derselben immer noch be- 
schränkt sind. Es betheiligten sich daran bisher fast in al- 
len Provinzen zu wenig Aerzte (nur der Regierun gs- Bezirk 
Dasseldorf macht hierin wieder eine ruhmliche Ausnahme), 
80 dass einige 50, selbst die geringe Unterstützung von 15 
Thaiem beanspruchenden Wittwen haben abgewiesen wer- 
den müssen. Die Noth anter den Wittwen des ärztlichen 
Standes ist eine sehr grofse, and wir können den Herren 
Collegen nicht genog ans Herz legen, ein gröfseres Inter- 
esse für dieselben za bethätigen. 

Erfreulich ist es uns mittheilen zu können, dass der 
Wittwen-Easse durch den Dr. Brühl in Bromberg ein Ka- 
pital von 100 Thlrn. geschenkt worden ist 

Endlich wollen wir nicht unbemerkt lassen, dass in dem 
Regierungs-Bezirke Hohenzollern - Sigmaringen sämmtliche 
Aerzte den beiden Kassen beigetreten sind. 

Indem wir den Herren Regierungs-Medicinal-Räthen 
und Physikern, welche für unsere Stiftung so viele Zeit- 
opfer gebracht haben, hiermit nochmals unseren wärmsten 
Dank sagen, bitten wir Sie vorzugsweise, so wie die ärzt- 
lichen Gesellschaften and die Redakteure der medicinischcn 
Zeitangen, das Direktorium auch fernerhin zu unterstutzen. 

Was schliefsiich den Stand der Revision der Statuten 
anlangt, so theiien wir mit, dass uns der Bericht des 6e- 
fichäftsführers über die gutachtlichen Aeufserungen , welche 
bis jetzt aus den Provinzen eingeschickt worden sind, vor- 
liegt, und wir in der nächsten Zelt für unsere Beschlüsse 
dem Herrn Minister berichten werden. Dem mehrfach aus- 



gesprochenen Wunsche, die Statuten den Med. -Kalendern 
beizufügen, haben wir genügt, sowie wir auch eine hinrei- 
chende Anzahl Jahresberichte haben drucken lassen, damit 
jeder Arzt, er sei Mitglied oder nicht, ein Exemplar erhal- 
ten könne. 

Der Kassen bestand der Hufelandschen Stiftung zur Un- 
terstützung nothleidender Aerzte betrug am letzten Decem- 
ber 1861: 63,520 Thlr. zinstragende Staatspapiere, 8Thlr. 
in Gold und 4600 Thlr. 1 Sgr. 8 Pf. in Cour. Hierzu ka- 
men im Jahre 1862: 3022 Thlr. 15 Sgr. Zinsen, 2166 Thlr. 
27 Sgr. 6 Pf. in Cour, und 3 Thlr. Gold jährliche Beiträge. 
Ausgegeben wurden : 1 705 Thlr. zor Unterstützung von 36 
nOth leidenden Aerzten, 3109 Thlr. 4 Sgr. zum Ankauf von 
3000 Thlrn. Staatspapiere, 16 Thlr. 20 Sgr. Zinsdifferenz für 
eine gekaufte Hypothek und 403 Thlr. 4 Sgr. 3 Pf. Verwal- 
tüngskosten. 

Für den Umsatz von 46,800 Thlrn. gekündigter 4|f 
nicht convertirter Staatsanleihe de 1850 wurden eingenom- 
men 47,009 Thlr. 1 9 Sgr. Cour., angekauft wurde dafür eine 
5f Staatsanleihe de 1859 über 24,000 Thlr. wofür 26,333 
Thlr. 10 Sgr. in Cour, und eine 4| ^ pnpillarisch sichere 
Hypothek von 23,000 Thlrn. wofür 23,000 Thlr. in Cour, 
gezahlt worden. 

Kassenbestand ult Decbr. 1862: 23,000 Thlr. zinstra- 
gende Hypotheken, 43,720 Thlr. zinstragende Staatspapiere, 
11 Thlr. in Gold ond 2231 Thlr. 24 Sgr. 11 Pf. in Cour. 

Den Kassenbestand der ärztlichen Wittwen-Unterstüz- 
zungs-Kasse am letzten December 1861 bildeten: 22,500 
Thlr. zinstragende Staatspapiere, 3 Thlr. ip Gold and 1655 
Thlr. 19 Sgr. 6 Pf. in Cour., wazu im Jahre 1862 kamen: 
1027 Thlr. 15 Sgr. Zinsen, 1376 Thlr. 7 Sgr. 6 Pf. Cour., 
3 Thlr. Gold jährliche Beiträge und 100 Thlr. Geschenk vom 
Dr. Brühl in Bromberg. 

Ausgegeben wurden: 538 Thlr. 24 Sgr. 6 Pf. zum An- 
kauf vori 500 Thlrn. 5f Staatsanleihe, 1730 Thlr. für 72 
dürftige Wittwen und 11 Thlr. 13 Sgr. Verwaltungskosten. 

Umgesetzt wurden gekündigte nicht convertirte Staats- 
anleihe de 1850 von 19,000 Thlr. eine 4J f pnpillarisch si- 
chere Hypothek von 19,000 Thlr. gekauft wurde. 

Kassenbestand ult. December 1862: 19,000 Thlr. zins- 
tragende Hypothek, 4000 Thlr. zinstragende Staatspapiere, 
6 Thlr. in Gold und 1879 Thlr. 4 Sgr. 6 Pf. in Cour. 

Berlin, den 5. Januar 1863. 

Das Direktorium der Hufeland 'sehen Stiftung zur Unter- 
stützung nothleidender Aerzte.. 

Hom. Housselle. Müller, Ohrtmann, Wilms. 



Verlag von Tb. Chr. Fr. Enslin (Adolph Enslin) in Berlin. — Gedruckt bei A. W. Schade in Berlin, StalUcbreibcratr. 47. 



Seue Folge. 
VL Jahrgang. 



.PREÜSSISCHE 



Diese Zeitung eraehelnt wSehant ich 

Der Preis des ganzen Jahrgangs, weleber 

nicht getrennt nird, ist 3 Thlr. 20 Bgr 



MEDICINAL - ZEITUNG. 

Herausgegeben von dem Verein ftlr HeDkun/ie in Preussen 

unter Benntznng amtlicher Hittheilnngen des KOnigl. Hinisterinms der geistlichen, Dnterrichts- 
vnd Hedicinal-Angelegenheiten und der KSnigl. Provinzial-fiehörden. 

Bedacteur: E. Müller, Geh. Medicinal-Rsth etc. 



1863. 




28. Januar. 



Inhalt. Amtlicher Theil; PersoDallen. — Die Sterblichkeit der Kinder in Berlin während der Jahre 1851-^1860; von £. Loe- 
wer. (Fortsetzung.) — Das Asyl des Dr. C. Brosius za Bendorf bei Coblenz. Sechster Jahresbericht 1862. — Tagesereignisse 
und anderweite Mittheil angen. — Literatur. — Anzeigen. • 



Amtlicher TheiL 

PersoDftlieDe 

Auszeiolmang. 
Se. Majestfit der König haben allergn&diget geraht, 
dem Kreis -Pbysikns Dr. Qemmel in Gerdaaen den Cha- 
rakter als Sanitfitsrath ca verleiben. 

Anstellung. 
Der praktische Arzt Dr. Kosack ist tum Kreis-Pbj- 
fiikns des Kreises Bolkenbain ernannt worden. 

Hiederlassongen. 
Der praktische Arzt Dr. Mossa hat sich in Bromberg 
und der Thierarzt Sicke in Dammeraa, K<ieis Granberg, 
niedergelassen. 

Apotheken-Angelegenheiten. 
Der Apotheker Seile hat die Ja st' sehe Apotheke in 
Czamikan, der Apotheker Reimer die ▼. Glasenapp- 



sche Apotheke m Schivelbein nnd der Apotheker Domi- 
nick die Meitzen'sche Apotheke in G51n gekaaft. 

Todesfalle. 
Der Kreis • Physikns Dr. Pauls in Montjoie and der 
Kreis- Physikas Dr. Hellekessel in Erkelenz sind ge- 
storben. 

Oflfene Medidnal-Stellen. 
Die Kreis-Pbysikats-Stellen für die Kreise Erkelenz 
and Montjoie, beide im Regierangs-Bezirk Aachen, sind 
erledigt 

Die Kreis - Pbysikats - Stelle des Rummelsburger 
Kreises, mit welcher ein Gehalt von jährlich 200 Thalem 
verbunden, ist erledigt, und werden qoalificirte Medicinal- 
Personen, welche sich um diese Stelle bewerben wollen, 
aufgefordert, sich binnen 6 Wochen unter Einreichong ih- 
rer Zeagnisse bei ans za melden. 
Cöslin, den 31. December 1862. 

Konigl. Regierong, Abth. des Innern. 



26 



Die Sterblichkeit der Kinder in Berlin während der 
Jahre 1851-1860. 

Yom Slabsant Dr. E. Loewdr in Berlin. 
(Fortsetsnng.) 

Zuerst sehen wir, dass ancb hier, bei den ehelichen 
Kindern, wie bei den anebelicben, mehr Knaben als Mfid* 
eben sterben. Dass nach Aasweis der letzten Kolumne so 
wenig aneheliche Kinder iip Vergleich za den ehelichen ge- 
rade in dem ihnen geföhrlichsten ersten Lebensjahre ster- 
ben, hat vor Allem den bereits oben berührten Grand, dass 
verhältnissm&fsig wenig aneheliche Kinder geboren werden. 
In der That sind in dem Zeitraame von 1851—1860 3504 
eheliche and 101 aneheliche Kinder geboren, es kommt also 
1 aneheliche Gebart aaf 34 eheliche. Vergleicht man hier- 
mit das vorbin aligemein gefundene Verhaltniss von 1 : 5,62, 
so ist der Unterschied also enorm und muss dies der Sterb- 
lichkeit der anehelichen Kinder bei den Juden eine ganz 
andere Gestalt verleihen. Der Grund hiervon liegt offen- 
bar darin, dass gerade hier wenig jadisches Proletariat exi* 
stirt, und dass dies wenige dann immer noch reichlich von 
den Reichen ihres Stammes, deren es ja hier bekanntlich 
sehr viele giebt, unterstützt wird. Die Abgeschlossenheit in 
der gerade die weniger wohlhabenden Juden leben, der 
enge Familienverkehr, der sie auf ihr eigenes Haus und 
auf das Zusammenhalten der einzelnen Familienmitglieder 
anweist, ist nun auch der Grund, weshalb die Juden ein so 
geringes Contingent zur dienenden Klasse stellen. Bekannt- 
lich findet man hier selbst bei den meisten jQdiscben Fa- 



milien christliche Dienstboten. Der weibliche Theil dieser 
Klasse liefert aber die meisten unehelichen Kinder. Wollte 
man hierzu noch Handarbeiterinnen, Ladenmädchen u. s. w. 
rechnen, so finden wir auch unter diesen nur wenige JS- 
dinnen, da sich der ungleich grofsere Theil in der Wirth- 
schaft ihres Elternhauses beschäftigt. Ebenso giebt es aoch 
unter den prostitnirten Mädchen nur wenige; von den im 
Jahre 1854 zur regelmäfsigen ärztlichen Untersuchung No- 
tirten 1150 gehörten nur 10 dem judischen Glaubensbekennt- 
nisse an. '} Mit der geringen Menge der unehelichen Ge- 
burten steht auch die absolute Zahl der unehelichen Todt- 
gebornen im geraden Verhältnisse, ja wir finden überhaupt 
bei den Juden weniger Todtgeborne, als bei der nicht ja- 
dischen Bevölkerung. Der Grand hiervon ist wohl theils 
in dem alten talmddischen Gesetze zu suchen, dass den Ja- 
den anempfiehlt, ihre - schwangern Frauen zu schonen und 
von der Arbeit fern zu halten, besonders aber in dem Um- 
stände, dass sich unter der arbeitenden Klasse weiblichen 
Geschlechts nur höchst wenige Jüdinnen befinden, die Frauen 
vielmehr entweder den Männern getreulich in ihrem Hi&n- 
del beistehen oder sich in der Wirthschaft beschäftigen. 
Hier sind sie aber offenbar nur selten allen den Ursachen 
ausgesetzt, die während der Schwangerschaft dem Leben 
des Kindes Gefahr bringen. ^ 

Das Verhaltniss der Todtgebornen ist in Berlin: 



') Müller, Berliner statifltiflches Jahrbuch für das Jahr 1854. 
Berlin 1856. p. 252. 



Tabelle XH. 







E 8 w a 


r e n .t 


d t g e 


b r e 1 


Q 






Samma 
der Todtgebornen. 




C b ri 


B t e n. 








Ju 


1 e n. 




In den Jahren 


Knaben 


Mädchen 


eheliche 


un- 
eheliche 


Knaben 


Mädchen 


eheliche 


un- 
eheliche 


Christen 


Jaden 


1851 


368 


307 


536 


131 


4 


3 


6 


1 


667 


7 


1852 


341 


279 


502 


118 


5 


10 


13 


2 


620 


15 


1853 


335 


253 


468 


120 


4 


9 


13 


— 


588 


13 


1854 


345 


286 


491 


140 


8 


3 


11 


— 


631 


11 


1855 


365 


269 


505 


129 


— 


— 


— 


— 


634 


— 


1856 


320 


299 


467 . 


152 


— 


1 


1 


— 


619 


1 


1857 


441 


321 


562 


200 


9 


10 


18 


1 


762 


19 


1858 


488 


366 


638 


216 


12 


7 


17 


2 


854 


19 


1859 


436 


349 


589 


196 


10 


11 


20 


1 


785 


21 


1860 


440 


350 


593 


197 


8 


6 


11 


3 


790 


14 


1851—1860 


3871 


3079 


5351 


1599 


60 


60 


110 


10 


6950 


120 


Von der Samme der 
Todtgeburten 
Procente 


55,69 


44,30 


76,99 


23,0 


50 • 


50 


91,66 


8,33 


Auf 100 
4,41 1 


Gebarten 
3,32 



4.47 



27 



Die Todtgeborten habeu also im Allgemeinen während 
des lOjäbrigen Zeitraums in dem Verbältniss stattgefunden, 
dass 4,47 auf 100 Geburten kommen. Quetelet ') führt 
an, dass im Durchschnitt 22 Geborne auf 1 todtgebornes 
Kind zu rechnen sind, und dass dies Verbältniss mit dem 
von Berlin ziemlich übereinstimmt, das sich eeit mehr als 
sechzig Jahren fast unveränderlich gleich geblieben ist. Man 
sieht, dass sich dies auch für die letztverflossenen 10 Jahre 
bestätigt, da sich das von uns gefundene Verbältniss von 
dem Obigen nur um 0,07; unterscheidet. Dasselbe vertheilt 
sich nun so, dass bei den Christen (NichtJuden) 4,39 und 
bei den Juden 3,32 Todtgeborne auf 100 Geburten kom- 
men, letztere sind also fast um 1 pCu im Vortheil vor er- 
stem. Betrachten wir die Tabellen specieller, so überzeu- 
gen wir uns zuerst, dass die Knaben ebenfalls mehr todt- 
geborne liefern, als die Mädchen, bei den Juden ist dies 
Verbältniss vollständig gleich. Wir können diesen Umstand 
aber wohl als rein zufällig betrachten , da die Zahlen , um 
die es sich handelt, zu niedrig sind, um eine erwähnens- 
. werthe Differenz aufkommen zu lassen. Während diese 
Verhältnisse durch die Procentsätze von der Summe der 
Todtgeburten überhaupt deutlich ausgesprochen sind, kön- 
nen die auf die ehelichen und unehelichen Todtgebornen 
bezüglichen nur als einfache Thatsachen betrachtet werden, 
die erst Werth erhalten durch Vergleich mit der Summe 
der Geburten. Es stellt sich dabei heraus, dass bei den 
Ckristen 4,09 eheliche Todtgeborne auf 100 eheliche Ge- 
burten, dagegen 6,72 uneheliche Todtgeborne auf 100 un- 
eheliche Geburten ^) kommen; der Unterschied ist also zu 
Ungunsten der letztern =2,63 pGt. Ein Blick auf die Ru- 
brik der Juden zeigt uns das interessante Ergebniss, dass 
in einem Jahre überhaupt keine einzige, und dass sogar 4 
Jahre hintereinander, 1853 — 1856, keine uneheliche Todt- 
geburt vorgekommen ist. Absolut genommen ist dies of- 
fenbar eine höchst günstige Erscheinung, von besonderen 
Schlüssen muss uns aber der sehr wichtige Umstand ab- 
halten, dass alle Zahlen, um die es sich handelt, viel zu 
klein sind, um statistisch mit Nachdruck verwerthet wer- 
den zu können. Es muss dies vor Allem im Auge behalt 
ten werben, wenn wir die unehelichen und ehelichen Todt- 
gebornen mit den Gehörnen vergleichen. Es findet sich da- 
bei, dass auf 100 eheliche Geburten 3,31 eheliche, dagegen 
auf 100 uneheliche Geburten 9,89 uneheliche Todtgeborne 
kommen wurden. Hinsichtlich der ehelichen Todtgeburten 
stellte sich also ein günstigeres, hinsichtlich der unehelichen 
ein bedeutend ungünstigeres Verbältniss, als bei den Chri- 

>) Quetelet, über den Menschen und die Entwicklung sei- 
ner Fähigkeiten. Stuttgart 1838. p. 110. 

') Conf. Tab. X., die das Verbältniss für die Gesammtbevöl- 
kemng giebt, wahrend hier nach dem Glaubensbekenntnisse ge- 
8<^ieden ist Die Differenzen können deshalb nicht auffallen. 



sten heraus. Bei letztern bandelt es^ sich aber um grofee 
Zahlen, bei den Juden für 10 Jahre nur um 101 uneheli- 
che Geburten und 10 Todtgeburten. Offenbar würde sich 
dies bei einer längern Reihe von Jahren ganz anders ge- 
stalten und erst eine Vertheilung eintreten lassen, wie wir 
ja auch sehen, dass diese 10 Todtgeburten eigentlich nur 
auf 6 Jahre kommen, während 4 ganz frei sind. Wer zu- 
fällig letztere allein in den Kreis seiner Beobachtung gezo- 
gen hätte, würde ein staunenerregendes Resultat erhalten 
und sich möglicherweise zu unrichtigen Schlüssen verleiten 
lassen. 

Fassen wir nun die universell wirkenden Einflüsse auf 
die Sterblichkeit der Kinder in das Auge, so begegnen wir 
hier zuerst den kosmischen; wir würden also den Einfluss 
der Jahres- und Tageszeiten zu betrachten haben. 

Fast alle Stafistiker, die den Einfluss der Jahreszeiten 
auf die Sterblichkeit der Kinder untersucht haben, sind zu 
dem einheitlichen Schlüsse gekommen, dass der Sommer 
die für die Kinder gefährlichste Jahresperiode ist. Nur die, 
. welche ihre Untersuchungen über eine katholische Bevölke- 
rung gemacht haben, stehen dem entgegen, da sie den Win- 
ter als die gefährlichste Jahreszeit auffassen. So stellt Que- 
telet ') nach seinen in Belgien angestellten Forschungen 
den Satz auf, dass die höchste Sterblichkeit auf den Win- 
ter fällt, dass sie im Frühjahr abnimmt, während der Som- 
merhitze sich etwas steigert und hierauf bis zur Annähe- 
rung des Winters von Neuem eine Verminderung erfährt. 
Er stützt sich dabei auf Villerme *), der für Paris das- 
selbe Resultat gefunden hat. Auch in der jüngsten Zeit 
bat Bouchnt dieselbe Ansicht ausgesprochen, er sagt: ,,le 
froid augmente la mortalite des nonvean-nes et en hiver 
on ne peut sans danger faire sortir les eufants, pour les porter 
k la mairie ou ä T^lise^. Dieser letzte Umstsnd ist es 
aber gerade, der, wie Gas per *). nachweist, den Grund 
der Abweichung von dem Resultate anderer Forscher ab- 
giebt Das Kind, welches so wenig Eigenwärme besitzt, 
das gegen die Einwirkung der kältern Atmosphäre noch 
nicht kräftig genug reagiren kann, muss in den katholischen 
Ländern in den ersten 3 Tagen auf die Mairie gebracht 
werden, damit der Gebnrtsakt festgestellt und das Kind in 
die Civilregister eingetragen wird. Aufserdem muss es be- 
hufs der Taufe so früh als möglich zur Kirche gebracht 
werden, und wird so abermals der Winterkälte und ihren 
verderblichen Folgen preisgegeben. Diese Umstände kom- 
men bei nns aber nicht zur Geltung, da Berlin verhältniss- 
mäfsig nur wenige Katholiken enthält, und so können wir 



') Quetelet, über den Menschen und die Entwickelung sei- 
ner FShigiteiten. p. 189. 

*) Gazette hebdomadafre Oct. 1861. p. 687. 

') Gasper, Denkwürdigkeiten der medicinischen Statistik 
und Staatsarzneikonde. Berlin 1846. p. 73. 



28 



auch schon a priori annehmen, dass das von ans gefundene 
Resultat mit dem erstangefSbrten gleichlautend sein wird, 
d. h. dass das Mazimiun der Sterblichkeit bei den Kindern 



aaf den Sommer fSlIt. Tab. XIII. fahrt ans das Sterblich- 
keitsverhaltniss für Berlin vor: 











Ta 


belle 


XIII. 












In den Monaten 


1851 


1852 


1853 


1854 


1855 


1856 


1857 


1858 


1859 


1860 


1851 

bis 

1860 


December . . . 


433 


423 


421 


418 


399 


485 


426 


335 


595 


506 


4441 


Januar .... 


531 


388 


484 


420 


405 


327 


470 


553 


457 


498 


4533 


Februar .... 


382 


361 


411 


360 


394 


397 


369 


537 


521 


447 


4179 


Winter .... 


1346 


1172 


1316 


1198 


1198 


1209 


1265 


1425 


1573 


1451 


13153 


März 


433 


526 


469 


427 


434 


458 


414 


531 


424 


424 


4540 


April 


383 


427 


429 


435 


400 


438 


438 


463 


359 


412 


4184 


Mai 


348 


446 


416 


494 


395 


416 


442 


465 


391 


428 


4241 


Frnhling . . . 


1164 


1399 


1314 


1356 


1229 


1312 


1294 


1459 


1174 


1264 


12965 


Juni 


315 


441 


443 


414 


465 


443 


583 


652 


528 


461 


4745 


JuU 


371 


703 


512 


542 


510 


478 


944 


664 


1016 


550 


6290 


August .... 


756 


783 


627 


672 


734 


727 


835 


557 


929 


491 


7111 


Sommer . . . 


1442 


1927 


1582 


1628 


1709 


1648 


2362 


1873 


2473 


1502 


18146 


September . . . 


489 


651 


818 


436 


871 


510 


683 


460 


588 


492 


5998 


October .... 


454 


481 


627 


427 


642 


517 


453 


388 


475 


478 


4942 


November . . . 


420 


375 


464 


398 


364 


514 


461 


328 


475 


459 


4258 


Herbst .... 


1363 


1507 


1909 


1261 


1877 


1541 


1597 


1176 


1538 


1429 


15198 


Zusammen . . . 


5315 


6005 


6121 


5443 


6013 


5710 


6518 


5933 


6758 


5646 


59462 



Unsere Tabelle überzeugt nns also anf das Bestimm- 
teste, dass der Sommer die gefährlichste, der Frühling die 
gnnstigste Jahreszeit ist Die einzelnen Jahreszeiten wür- 
den nach der Sterblichkeit in denselben folgende Reihen- 
folge einnehmen: 

Sommer mit 18146 SterbeflUlen » 30,51 pGt der 6e- 
sammtsumme, 

Herbst mit 15198 SterbefEllen = 25,55 pGt. der 6e- 
sammtsnmme, 

Winter mit 13153 Sterbefällen = 22,12 pGt. der 6e- 
sammtsnmme, 

Frühling mit 12965 Sterbefällen = 21,80 pGt. der 6e- 
sammtsnmme. 

Vom Sommer zum Herbst findet ein bedeutender Sprung 
statt, da letzterer ein nahezu nm 5 pCt günstigeres Sterb- 
lichkeitSFerhältnisB statt; die andern Jahreszeiten ha ben ei- 
nen allmäligen Abfall in der Art, dass die günstigste, der 
Frühling, sich zu seinen Gunsten nm 8,71 pGt. vom Som- 
mer unterscheidet. 

Dass der Sommer eine so beträchtliche Menge von Ein- 
deropfem fordert, verdankt er nach Ausweis der Tabelle 
dem August, dem bei weitem ungünstigsten, und den^ Juli, 
dem nach ihm ungünstigsten Monate; in diesen beiden al- 
lein sterben mehr, als im ganzen Frühling, ja sogar mehr, 



als im ganzen Winter. Nach ihnen tritt der September in 
die Reihe, was wahrscheinlich darin seinen Orund hat, dass 
viele im August bereits entstandene Krankheiten sich anf 
den September übertragen und erst in ihm tödtlich enden* 
Wollen wir die einzelnen Monate nach dem Sterblichkeits* 
verhältniss in ihnen zusammenstellen, so würden sie fol- 
gende Reihe einnehmen: 

Februar mit 7,01 pGt der Gesammtsnmme d. Sterbefälle, 
April - 7,03 - - - - - 

Mai - 7,13 - - - - - 

Novemb. - 7,16 - - - - - 

Decemb. - 7,46 - • - - - 

Januar - 7,60 - - - - - 

März - 7,63 - - - - - 

Juni - 7,97 - - - - - 

October - 8,80 - - - - - 

Septemb. - 10,08 - - - - - 

Juli -10,57 . - - - . 

August -11,96 - - - - - 

Diese Uebersicht lehrt uns, dass das Anfangs- und End- 
glied der Eette sich um fast 5 pGt. unterscheidet. Von 
allen der günstigste Monat ist der Februar, von ihm aus 
findet eine, wenn auch nicht gleichmäfsige, so doch immer- 
hin nicht bedeutende Zunahme bis zum October hin statt. 



/ 



29 



woraof dieselbe aoföngt, dch am Proceote m steigern, so 
dass der Aagast sogar um 1,37 pCt. sich von seinem Yor^ 
dermanne unterscheidet. Es ist demnach 

im Winter: Februar der günstigste 
Januar der ungünstigste 

im Frühling: April der günstigste 
Mfirs der ungunstigste 

im Sommer: Juni der günstigste 

August der ungünstigste 

im Herbst: November der günstigste 

September der ungünstigste 
Monat Dieses Resultat stimmt im Wesentlichen auch mit 
dem überein, welches nach Helfft *) die Tabellen des sta- 
tistischen Bureaus in Berlin für die Jahre 1847 bis 1856 
ergeben haben. Nach ihnen ist die Sterblichkeit der Kin- 
der im Juni, Juli und August susammengenommen bei wei- 
tem grofscr, als während der übrigen Zeit des Jahres, das 
Sterblichkeitsverhfiltniss war so gestaltet, dass auf Januar 
7,05 pCt., Februar 6,36 pCt., Mfirz 7,07 pCt., April 6,61 
pCt, Mai 7,16 pCt., Juni 8,55 pCt., Juli 11,28 pCt., Au- 
gust 14,90 pCt, September 9,58 pCt, October 7,67 pCt., 
November 6,08 pCt, December 7,29 pCt. der Sterbefälle 
kamen. Auch hier springt nach dem August und Juli be- 
sonders der September hervor, und wenn wir von dem oben 
angeregten Umstände absehen wollen, dass viele im August 
bereits erworbene Krankheiten erst in ihm tödtlich werden, 
so BteUen ihn auch die in ihm herrschenden Temperatur- 
Verhältnisse diesen Monaten am nächsten, und haben na- 
türlich auch hier, wie dort, dieselben unangenehmen Fol- 
gen. Schon 1844 sagt Wollheim '} von dem Klima Ber- 
lins, dass der Sommer bis in den September währt, der 
meist sehr schon ist, so dass die Uebergangszeit des Herb- 
stes sich auf den in der Regel kühlen und heitern October 
und die ersten Wochen des November beschränkt. Damit 
ist aber auch gegeben, dass der September andere Oesund- 
heitsverhältnisse, als die übrigen Herbstmonate darbieten 
mnss. Dass die Temperaturverhältnisse von dem eingrei- 
fendsten Binflusse auf Leben und Sterben sind, unterliegt 
wohl keinem Zweifel. So sagt Escherich '), dass die 
Sommertemperatnr, sobald sie ihren Jahresdurchschnitt über- 
schreitet, mit dem Deberhandnehmen der Kindersterblich- 
keit einhergeht. In jedem von 22 Jahren , in welchem in 
Baiern die durchschnittliche Sommertemperatnr 15* über- 
schritt, hat auch die Kindersterblichkeit ihre Durchschnitts- 
gröfse überschritten. 



') Scbmidt's Jahrbücher für die gesammte Medicin 1861. 
Bd. 112. No. 12. p. 330. 

^) Wollheim, Yersnch einer medicinischen Topographie nnd 
Statistik von Berlin. Berlin 1844. p. 18. 

') Schmidt^s Jahrbücher für die gesammte Medicin Bd. 112. 
Jahrgang 1861. No. 12. p.330. 



Bscherich sieht hierin einen Innern Zusammenhang; 
wenn die Temperatur um 1* gestiegen ist, so ist die Kin- 
dersterblichkeit um 1,3 pGt. über den mehrjährigen Durch- 
schnitt gestiegen, war die Temperatur um 1^ * gestiegen, 
so steigerte sich die Sterblichkeit im Isten Lebensjahre um 
2,8 pCt, nnd wenn die Sommerhitze um 2^ * den Durch- 
schnitt überst^g, überschritt die Sterblichkeit der Kinder 
die gewöhnliche im Isten Lebensjahre um 5| pGt. Das 
Steigen und Fallen der Temperatur, dem Escherich ei- 
nen so grofsen Einfluss für den Sommer vindicirt, wird 
aber auch in jeder andern Jahreszeit seine Wirkung aus- 
üben. Am präcisesten nnd allgemein gültigsten sagt des- 
halb Gas per O? dass die Extreme der hohen und niedern 
Temperatur für das Leben gleich verderblich sind. Wir 
verdanken Casper aber auch gerade für Berlin eine ge- 
naue Nachweisung darüber, wie der Einfluss des Luftdrucks 
auf das Leben einwirkt Das Resultat seiner so genauen 
Tabellen ist, dass der grofsere Luftdruck fast in allen Jah- 
reszeiten die Sterblichkeit steigert, der geringere sie min- 
dert, sowie dass der Einfluss des Luftdrucks auf das mensch- 
liche Leben nicht in allen Jahreszeiten gleich ist. Eine an- 
dere Einwirkung auf Gesundheit und Leben wird durch den 
in den verschiedenen Jahreszeiten, resp. in den verschiede- 
nen Monaten verschiedenen Feuchtigkeitsgehalt der Luft 
herbeigeführt. Gasper hat bei seinen Untersuchungen ge- 
funden, dass eine feuchte Luft den günstigsten Einflnss auf 
Verlängerung des Lebens ausübt, und dass keine Luft dem 
Leben so feindlich ist, als die trockene Kälte. In diesen 
3 Faktoren haben wir aber das Material, mit welchem es 
leicht ist, die Verschiedenheit der Sterblichkeit in den ein- 
zelnen Monaten zu erklären, wie sie uns Tabelle XIIL vor- 
geführt hatte. 

Um die Sterblichkeit der Ejnder nach den Tageszeiten 
kennen zu lernen, brauchen wir uns nur auf die so genaue 
Arbeit Schneider's zu beziehen, der seine Untersuchun- 
gen auf die Jahre 1847 — 1857 und mit einem Materiale 
angestellt hat, wie es uns nie hat zur Disposition stehen 
können. Seine Resultate beziehen sich zwar auf die 6e- 
sammtsterblichkeit in Berlin, doch überzeugt uns ein Blick 
auf das Absterben nach deih einzelnen Krankheiten, dass 
sie auch für die Kindersterblichkeit allein ihre volle Gel- 
tang haben. Der Schluss aus seinen höchst mühseligen Be- 
obachtungen ist: 

1} das Maximum der Sterblichkeit fällt auf die Stunden 
von Nachts 12 bis des Morgens 6 Uhr, das Minimum 
derselben auf die Stunden von Mittags 12 bis Nach- 
mittags 6 Uhr; 

') Casper, Denkwürdigkeiten zur medicinischen Staatsarz- 
neikunde p. 23, 28 n. 41. 

") Virchow, Archiv für pathologische Anatomie und Phy- 
siologie. Berlin 1859. p. 100. 



30 



3) daa abioltite Maxim am der Sterblichkeit fällt aaf die | 
Stunden des Morgens yon 4 — 5, wie aach 6 — 7 ühr, ' 
das Minimun] dagegen yon Nachts 12 — 1 Morgens | 
und des Nacbmittags Ton 5 — 6 Uhr. 
(Fortsetzang folgt) 

Das Asyl des Dr. C. Brosius zu Bendorf bei 
CableDZt Sechster Jahresbericht 1862. 

Laut Bericht pro 1861 ') verblieben am Ende des Jah- 
res 1B61 14 Kritnke in der Anstalt; dazu wurden im Laufe 
des Jahres i>^62 17 Kranke aufgenommen. Unter diesen 
31 Irren wareo 16 unheilbare, gröfstentheils ältere Pfleg- 
linge des Asyls, nnd 15 präsumtiv heilbare. Von letzteren 
Würden 6, aämnitlich weibliche Kranke geheilt; das sind 
mit Rucksieht auf die Gesammtzahl der (heilbaren und un- 
heilbaren) Kranken 19}- pCt. rücksichtlich der überhaupt 
nur heilbaren (15) 40 pGt; ein Verhältniss, welches das 
des rorEgen Jahres um ein Greringds übersteigt. 

Äufserdem wurden zwei ungeheilte Kranke in öfifentli- 
che Anstallen versetzt, und 5 unheilbare Kranke zu den An- 
gehörigen entlaaseii. 1 Kranker (Blödsinn mit Lähmung) 
starb in der Anstalt, anderthalb Jahr nach Beginn seines 
Leidens. Mitbin Bestand am Schlüsse des Jahres 1862 17 
Kranke, darunter 9 anheilbare, 8 heilbare (2 Rekonyales- 
centeu). 

Auch im verflossenen Jahre habe ich von pharmaceu* 
tischen Mitteln in der Behandlung der Irren keinen nach- 
weisbaren Nutzen gesehen. Gegenüber den enthusiastischen 
Lobrednern des Opiums in der Melancholie, das auch wir 
anwandten^ tnuss ich nach meiner bisherigen Erfahrung be- 
baaplfiu, dass es in einigen Fällen, obgleich die Symptome 
es zu indiciren schienen, ganz wirkungslos blieb, in andern 
die Krankheilssymptome steigerte, und neben den Fällen, 
wo die Meiaacbolicä unter dem Gebrauche des Opiums heilte^ 
kenne ich ebenso viele, die in gleich kurzer Zeit ohne ir- 
gend ein Arzneimittel zur Heilung fibergingen. 

Da das Asyl mit seinen Einrichtungen neben dem Ge- 
brauche von Medikamenten als Heilmittel iu Betracht kommt, 
so IlLast sich in einem Falle von Heilung nie entscheiden, 
wi^lcher Antheil an dieser dem pharmaceutischen Mittel und 
welcher dem Asyle (Entfernung des Kranken aus den häus- 
lichen Verbällnissen, Ruhe und Schonung des Gehirns, der 
Diät, dem persön liehen Verkehr u. s. w.) zukommt. Daher 
kann der prak tische Arzt besser, als der Anstaltsarzt über 
den Wertb des Opiums, der mir noch zweifelhaft ist, ent- 
scheiden. Wäre dieser Werth ein ganz sicherer, so müsste, 
wo das Opium nun schon seit vielen Jahren so dringend 
empfohlen und ein Modemittel geworden ist, die Zahl der 
Heilungen der MuUncholie zugenommen und die Dauer ih- 



^) Pfcafi. Med. Zeitg. 1862. No. 21. 



res Verlaufs abgenommen haben. Dieses ist, so viel ich 
weifs, noch nicht bewiesen. Nach der mündlichen Mitthei- 
lung Dr. Koste r's zu Marsberg, der doch über ein gros- 
ses Beobachtungsmaterial verfügt, wurde auch dort kein er- 
heblicher Vortheil vom Opium beobachtet. Und, wie ge- 
sagt, meine kleinere Erfahrung beweist, dass ohne jedes 
pharmaceutische Mittel Gehirnkrankheiten zur Genesung 
übergehen. 

Unter den sechs geheilten Frauen befand sich eine (29 
im Jahresbericht pro 1861} mit Anteversio uteri, der die- 
ser Dislokation wegen das Bettliegen anempfohlen wurde. 
Schon früher habe ich zwei Fälle von Uterinleiden mit Ge- 
müthskrankheit veröffentlicht. » ) Bei geisteskranken Frauen, 
wo Uterinalsymptome geklagt werden, ist die Vaginal-Un- 
tersuchung nie zu unterlassen; alle Bedenken und Einwände 
dagegen müssen gegenüber der Rücksicht auf ein sicheres 
Heilverfahren verstummen; Nachtheile hat auch eine gei- 
steskranke Frau von der Exploration nicht. 

Ob das Uterinleiden die einzige Ursache der psychi- 
schen Störung und welcher Art der Connex zwischen bei- 
den sei, ist schwer nachzuweisen. Hunderte von Frauen 
gehen mit Dislokation des Uterus umher, ohne geistes- oder 
gemüthskrank zu werden. Jedenfalls ist die oft begleitende 
Anämie und Störung der Ernährung, oder die Wirkung 
häuslicher Verhältnisse und psychischer Eindrücke mit in 
Anschlag zu bringen. Indessen bietet das lokale Leiden 
einen nicht zu übersehenden Angriffspunkt für die Behand- 
lung. Die Befreiung der Kranken von den lästigen Druck- 
symptomen und den synergischen Erscheinungen der örtli- 
chen Anomalie kann nur günstig auf das Allgemeingefühl 
wirken, und mit der Hebung sexueller Sensationen versiegt 
auch eine mögliche Quelle verschiedener, auf geschlechtli- 
che Verhältnisse bezüglicher Wahnvorstellungen. 

In der Anordnung des Bettliegens oder abwechselnder 
Ruhe auf dem Sopha, bei gleichzeitiger Anwendung gelin- 
der Laxanzen (vielleicht auch Sitzbäder und örtliche Blut- 
entziehung) und einer roborirenden Diät sind die der Hei- 
lung des örtlichen und psychischen Leidens günstigen Be- 
dingungen gegeben. 

Ueberhaupt muss das Bettliegen neu aufgenommener 
Melancholiker, die horizontale Lage, bei mäfsiger Verdun- 
kelung des Zimmers und Entfernung jeden Lärms und je- 
der Sinneserregung, kurz Ruhe in jeder Weise als ein wirk- 
sames Mittel zur Erholung des kranken Gehirns betrachtet 
werden. Betreffs seiner Wirksamkeit kann ich den Em- 
pfehlungen Guislain's und der mündlichen Mittheilung des 
Dr. Richarz zu Endenich nur beistimmen. Diese Bedin- 
gungen lassen sich nur in einem wohleingerlchteten Asyle 
herstellen, und ich komme darauf zurück, dass die Wohl- 

^) Allgem. Med. Central-Zeitg. 27. Jahrg. 27. Stuck. 



4' 



31 



tbat des Asyls neben der angeblichen Wirksamkeit von Arz- 
neien Dicht ZQ vergessen ist. 

Im verflossenen Jahre wnrde bei zwei tobsachtigen 
M&dchen , bei dem ersten einmal nar auf einige Minuten» 
bei dem zweiten mehrmals die Zwangsjacke angelegt. In 
dem ersten Falle (31 des vorigj&hrigen Berichts) trat die 
Kranke (za Hanse schlecht erzogen, dort dominirend) auch 
nns gegenüber befehlend anf, sich aber alle frech und ver- 
ächtlich erhebend, unsere Anordnungen verlachend, uns keck 
herausfordernd, sich als den Herrn des Asyls gerirend, uns 
mit ihrer Macht bedrohend. Hier wirkte die Jacke demu- 
thigend; das gehobene Selbstgefühl wurde. unter dem Druck 
einer unüberwindlichen Macht rasch deprimirt, mit der Mä- 
fsignng des Afifekts kehrte die Besonnenheit zurück. Die 
restrainirte Kranke warf sich weinend und jammernd auf 
ihr Bett, auf das sich ein reichlicher Thränenstrom ergoss, 
der erste während der Krankheit Die vor wenigen Minu- 
ten noch Alles und Alle stolz und frech, beherrschende 
Kranke fühlte und nannte sich unglücklich. Dieser Moment 
bezeichnete den Beginn der Decadence der tobsüchtigen 
Exaltation ; der Gulminationspunkt der Krankheit war über- 
schritten , es traten seitdem öfter melancholische Stunden 
ein, und allmälig die Heilung. 

Neben dieser Kranken wohnte eine tuberkulöse Kranke, 
deren Aufregung weniger heftig, aber anhaltender war, be- 
gleitet von optischen und akustischen Phantasmen. Feind- 
selig und bitter gegen Jeden, namentlich die Wärterin, 
spielte sie uns jeden ihr möglichen Schabernak, verunrei- 
nigte muthwillig Bett und Zimmer, schleifte das Bettzeug 
durch ihre vielen Sputa auf dem Fufsboden, schleuderte das 
Wasch- und Trinkwasser gegen die Decke und Wände des 
Zimmers, beschmierte mit den Speisen das Ofengitter etc. 
Durch ihr ganzes Benehmen setzte sie die Geduld der Wär- 
terin auf eine harte Probe, zumal diese merkte, dass die 
Kranke nur beabsichtige, sie zu reizen, zu ärgern und ihre 
Arbeiten zu vermehren, und ich fürchtete stets, dass die 
Kranke durch ihre unaufhörlichen Possen und Widerlich- 
keiten, durch ihre Beschimpfungen und gelegentlichen Thät- 
lichkeiten, denen sie Ironie und Entschuldigung mit «Ver- 
rücktheit^ hinzufügte — die Wärterin zu Revangen verlei- 
ten möchte. Alle meine Ermahnungen waren natürlich 
fruchtlos. Mit einem Lachen, das ihren Triumph und die 
Absicht zu ärgern verkündete, rief die Kranke mir zu; «Sie 
werden mit mir nicht fertig; ich muss die Tolljacke anha- 
ben, dann werde ich ruhig; so hat man es mit mir in G. 
auch gemacht^. Die Jacke wurde angelegt, aber ohne Er- 
folg. Meine Erkundigung ergab, dass Patientin nie in G. 
die Jacke getragen hatte. Durch ihre Lüge beabsichtigte 
sie höchstwahrscheinlich, uns neue Täuschung und neuen 
Aerger zu bereiten. In der Jacke führte sie mit den Fü- 
(sen aus, was sie früher mit den Händen gethan hatte, und 
auch in den Bewegungen des Rumpfes, vorzüglich im Ge- 



brauche der Zunge und Lippen, der doch auf keine Weise 
hätte verhindert werden können, besafs die Kranke hinläng- 
liche Freiheit zur Vollbringung verschiedener Possen und 
Entäufsernng ihres bitteren Gefühls. Ich gab nach mehr- 
maligen Versuchen den Restraiut auf. Die Exaltation der 
Kranken liefs allmälig nach mit dem stärkeren Hervortre- 
ten der Lungensymptome; es folgte ein Stad. melancholic. 
mit Einsicht des Irreseins. Die Kranke verliefs uns geistig 
hergestellt Anfangs Juni und ist auch bis jetzt wenigstens 
so vernünftig geblieben , dass sie den elterlichen Haushalt 
versehen und in der Gesellschaft verkehren kann. 

Die genannten und andere sehr lärmende Fälle waren 
die Ursache, dass noch iin Herbst des vorigen Jahres des 
Bau einer Tobabtbeilnng begonnen wurde. 

Am Schlüsse des Jahres trat mein früherer Assistenz- 
Arzt, Herr Dr. Scheffer aus Gassei, wieder als solcher 
bei mir ein, nachdem er ein Jahr lang als zweiter Arzt in 
dem mit einer Abtheilnng für Irre verbundenen Landkran- 
kenhause zu Gassei fungirt hatte. 

Tagesereignisse und anderweite llliUheilungen« 

— Wochenbericht der hiesigen öffentlichen Kran- 
kenhäuser: 

Bettand Wöchl. Wdchl. hierunter Beatand 
10. Jan. Zugang Abgang Todesfälle 1 7 . Jan. 
Bethanien .... 284 43 35 2 292 

Hedwigs -Krankenh. 225 64 68 7 221 

Elisabeth -Krankenh. 68 6 8 2 66 

Jüdisches Krankenh. 43 6 7 1 42 



dazu Gharit^ • 



620 119 118 
1329 



12 



621 
1360 



1949 1981 

In Bethanien waren Nervenfieber und Rheumatismus, 
und im Hedwigs-Krankenhause Rheumatismen und entzünd- 
liche Lungenaffektioen vorherrschend. 

— In dem British Ljiug-in-Hospital (Entbin- 
dungsbans) in London, in dem nur verheirathete Frauen 
Aufnahme finden, wurden seit dem Jahre 1849 bis Ende 
1861 1581 Entbindungen gemacht. Von den Müttern star- 
ben in diesem ganzen Zeitraum nicht mehr als 11, also auf 
143 Entbindungen Eine, oder 0,69 pCt. Die Todesfälle er- 
eigneten sich bei Einer Frau nach schwerer Entbindung mit 
Instrumenten; bei Einer Frau, welche aus einem von Fie- 
ber inficirten Hanse kam und neun Tage nach der Entbin- 
dung an Fieber starb; bei Einer Frau durch Fuerperalaf- 
fektion, bei Einer durch Gehirn affektion; bei Einer durch 
Zehrfieber, und bisi 6 Frauen durch Puerperalfieber oder 
puerperale Peritonitis. 

— Ueber die Wirksamkeit der Sarracenia purpa- 



32 



rea bei MeDSchenpocken hat Dr. Norton Manningin 
York 10 einer Anzahl sorgfältig ausgesuchter Fälle Versu- 
che angestellt, die zu dem Resultat gefuhrt haben, dass die 
Sarracenia, welche den enormen Preis von 2 Schilling pro 
Unze hat, durchaus wirkungslos blieb. Da sAllgemeinbefin- 
den der Kranken besserte sich nicht, Diurese trat nicht ein 
und das Exanthem machte seinen gewohnlichen Verlauf. 

— ^on den franzosischen Zeitungen Temps, 
Presse, Opinion, Nationale und Si^cle ist eine Subscription 
eröffnet worden, um dem Dr. Nölaton für seine Verdienste 
umGaribaldi's Behandlung eine werthyolle goldene Dose 
zu schenken. 

— Unter Glasbläsern hat man nach einer Mitthei- 
lung Diday's in Lyon seit längerer Zeit in Frankreich sehr 
häufig Syphilis, und zwar fast immer vom Munde ausge- 
hend beobachtet Die Veranlassung wurde darin gefunden, 
dass das Blasen der Flaschen durch drei Personen, welche 
Einer nach dem Andern das Rohr fest in den Mund neh- 
men und blasen müssen, geschieht, so dass wenn Einer der- 
selben im Munde an syphilitischen Affektionen leidet, die 
Weiterverbreitung unvermeidlich ist. Die Behörde hat 14- 
tägige Untersuchungen der Arbeiter angeordnet. Indess ver- 
spricht man von dieser Maafsregel sich weit weniger Wir^ 
kung, als wenn bestimmt würde, dass jeder Arbeiter eines 
eigenen Mundstückes, das er auf das Rohr aufsetzt, sich 
bedienen müsse. 

Literatur« 

Pharmakologisch - therapeutisches Handbuch für Aerzte 
und Studirende der Medicin und Pharmacie. Mit 
gleichzeitiger Berücksichtigung der Pharmakognosie, 
Toxikologie und Balneologie bearbeitet von Gustav 
A. Bingel, Doctor d. Medicin u. Chirurgie. Zweite 
Hälfte. Erlangen bei Ferd. Enke 1662. 

Dies nunmehr vollendete Handbuch empfiehlt sich in 
jeder Beziehung zum Gebrauch des praktischen Arztes, der 
hier alles Wissenswer)he über die einzelnen Arzneimittel 
und ihre therapeutische Verwendung kurz verzeichnet fin- 
det, und dem die Benutzung für seine Praxis durch das 
beigefugte therapeutische Register aufserordentlich erleich- 
tert wird. 

Das Stahl- und Moorbad sowie die Molkenkur -Anstalt 
zu Langen an in Pr. Schlesien. Balneologische 
Studien mit Rücksicht auf die Saison 1862 von Dr. 
A. Lesser, prakt. Arzte etc. zu Glatz, Bade- und 



Brunnenarzte zuLangenan. Glatz, Druck von Georg 
Frommann. 1863. 

Die kleine Schrift giebt einen interessanten Bericht 
über Langenau, dessen Emilienquelle zu den alkalisch - er- 
digen Eisensäuerlingen gehört, und dessen Moorerde der 
von Marienbad sehr ähnlich ist. Die Zahl der Kurgäste 
betrug im vergangenen Jahre 259; die Zahl der von der 
Emilienquelle versendeten Flaschen 1129. 



Anzeigen. 



Die Besitzer mehrerer Estancias in der Nähe von Bue- 
nos- Ajres wünschen für sich und ihre Familien einen pro- 
movirten Arzt zu engagiren, dem sie für die Jahre seines 
dortigen Aufenthalts ein sicheres Auskommen garantiren. 
Einem jungen Arzte, der sich zur Annahme dieser Stellung 
bereit findet, wird sich, abgesehen von dem möglicherweise 
wünschen swerthen Nutzen des dortigen milden Klimas far 
die eigene Gesundheit, aufser der sicheren Existenz, auch 
eine reiche wissenschaftliche Ausbeute auf dem Felde der 
Heilkunde und der Naturwissenschaften erschliefsen. 

Zur näheren Auskunft erklären sich bereit 

Bremen, December J862. 

Carl Foeke Wwe. & Sohn 
und Dr. Med. E. Pletzer 



BremeiL 



Bei Th. Chr. Fr. Enslin in Berlin ist erschienen: 
Das 

Prenfsiscbe Pbjsikats-Examens 

Repetitorium 

für Civil- und Militair-Aerzte 

von 

Dr. Fr. Berth. Loeffler. 

1} Thlr. 

Das Regulativ für Obdnctionen, welches seit dem Er- 
scheinen des Boches eine Abänderung erfahren, wird in ei- 
nem Separatabdrnck jedem Exemplare des LofHer'schen 'Bu- 
ches gratis beigegeben. 



Verlag von Th. Chr. Fr. Enslin (Adolph Enslin) in Berlin. — Gedruckt bei A. W. Schade in Berlin, Stalltchreiberstr. 47. 



] 



Neue Folge. 
VI Jahrgang. 



PREÜSSISCHE 



Di«se Zftitimg eraehtlnt wSetaent loh 

Der Preis dea «anxen Jahrgangs, welcher 

Dicht getrennt wird, lit 3 Thlr. 20Bgr 



MEDICINAL - ZEITUNG. 

Herausgegeben von dem Verein ftlr Heilkunde in Preussen 

unter Benntzniig amtlicher Hittheilniigeii des Königl. Hmisterinms der geistlichen, Unterriehts- 
and Hedicinal-Angelegenheiten nnd der K9nigL Provinzial-BehOrden. 

Redactenr: E. Maller, Geh. Medicinal-Bath etc. 



1863. 




4. Februar. 



Inhalt. Amtlicher Theil; Personalien; Bekanntmachuns. — Die Sterblichkeit der Kinder in Berlin während der Jahre 1851 — 
1860; Yon £. Loewer. (Fortsetzung.) — Bericht über die PriYatanstalt des Sanitätsraths Dr. Erlenmeyer zaBendorf bei Coblenz 
im Jahr« 1862. — Tagesereignisse nnd anderweite Mittheilangen. t- Anzeigen. 



Amtlicher TheiL 

Personalieiie 

AuszeichnimgeiL. 

Bei der diesj&brigen Feier dea Krön angs- and Or- 
den sf es tes erhielten: 

den Rothen Adler-Orden III. Klasse mit der 
Schleife Dr. Behn, General-Arzt des Y. Armee-Corps, 
Dr. Elsholts, General» Arzt nnd Subdirektor dies medic- 
chirorg. Friedrich« Wilbelms-Institnts; 

den Rothen Adler-Orden lY. Klasse: Albers, 
Apotheker zn Lengerich, Professor Dr. Bndge za Greifs- 
wald, Dr. Fr lisch, Saoitäts-Rath and Kreis -Phjsikas za 
Loblinitz, Unterarzt a. D. Farkert, Kreis - Physisns Dr. 
Kajser za Naambarg, Kniebusch, Departements-Thier- 
arzt zu Berlin, Dr. Lebert, Professor an der Universitfit 
zu Breslau, Dr. Lehmann, Stabs- und Garnison -Arzt in 
Colberg, Dr. Roth, Ober-Stabs- und Reg.-Arzt des 2ten 
Magd. Inf.-Regiments No. 27., Seidel, Assistenz- Arzt a. D., 
Dr. Stephan!, Stabs- und Marine-Arzt IL Kl., Dr. Va- 
lentini, Stabs- und Bat-Arzt beim Kaiser Franz Garde- 
jrenadier*Regiment No. 2., Dr. Vogler, Stabs- und Bat- 
Arzt beim 5ten Ostpr. Inf.-Regt. No. 41.; 

den Kgl. Kronen-Orden IL Klasse: Dr. Lauer, 
jreh, Sanitätsrath, Prof. und Leibarzt Sr. Majestät des Kö- 
ligs, General-Arzt etc.; 

den Kgl. Kronen-Orden III. Kl.: Dr. Bicking, 
reh, Sanitätsrath zu Berlin, Dr. Jungnickel, General- 
arzt des VI. Armee-Corps, Dr. Stumpf, General- Arzt des 



Oarde*Corps, Dr. Wagen er, Assistent bei dam anatomi- 
schen Museom der UniTersit&t Beriin; 

den Kgl. Kronen-Orden IV. KL: Dr. Brack, 
Zahnarzt za Breslau, Dr. Ehrlich, Sanit&tsratb zu Brieg, 
Dr. HStensleben, Sanitfitsrath za Wriezen, Dr. Janse- 
nios, prakt Arzt za Geilenkirchen, Nennert, Apotheker 
zu Mettmann, Dr. Veiten, Sanitätsrath zu Bonn, Dr. Vos- 
sios, prakt. Arzt zu Zempelburg, Dr. Westphal, Geh- 
Sanitfitsrath za Beriin. 

Anstellong. 
Der praktische Arzt Dr. Berg ist zum Ejreis- Wund- 
arzt des Kreises Malmedj ernannt worden. 

Hiederlassongen. 
Der praktische Arzt Dr. Kaehbacher hat sich in 
Goln, Dr. Levedang, Dr. Richter pnd Dr. Friedlan- 
der in Wesel niedergelassen. 

Apotheken-Angelegenheit. 
Der Apotheker Schocher hat die Ellerholz'sche 
Apotheke aaf Neogarten in Danzig gekauft. 

Todesfall. 
Der Krds - Wundarzt Ducroix in Tapiau ist ge- 
storben. 

Offene Medidixal-Stellen. 
Die Kreis-Physikats-Stelle im Kreise Dann, Reg.-Be- 



34 



nrk Trier, ond die Kreis- Wandarst-Stelle des Kreises Weh- 
laa im Reg.-Bes]rk Königsberg sind erledigt. 



BekftDDtinachang. 

Da aacb in anserem Verwaltangs - Bezirke im Laafe 
der letztverflossenen Jahre mehrfach Fälle von sogenann- 
ter granulöser Aageneotzundnng vorgekommen sind, 
bei welehen sich der Verdacht der Ansteckung and Ueber* 
tragang von einem Individuam auf das andere herausge- 
stellt hat, so sehen wir uns veranlasst, unter Hinweisung 
auf die betreffenden Vorschriften des Regulativs vom 8. Au- 
gust 1835, §§. 62 — 64. hiermit Folgendes zu bestimmen: 
1 } die Ortspolizei-Bebörden haben anhaltend dafür Sorge 
zu tragen, dass diejenigen Personen ermittelt werden, 
welche an akuten, verdächtigen Augenentzfindungen 
leiden ; 

2) die von derartigen Augenentzündungen Befallenen sind 
sobald als möglich der Behandlung eines approbirten 
Arztes oder einer geeigneten Heilanstalt zu über- 
weisen ; 

3) Die Ortspolizei -Behörden resp. die Landräthe haben 
ihre besondere Aufmerksamkeit darauf zn richten, dass 
die ürsprungsquelle des Uebels entdeckt und von die- 
ser aus der WeilerverbreitaDg sofort ein Ziel gesetzt 
werde; 

4} bei der AnsfShroDg dieser Maafsregeln sind in der 
Regel Kosten yerursachende Unter6acfauoge& zu ver- 
meiden. 
Indem wir den Polisei- Behörden und Medicinal-Beam- 
ten unseres Bezirks die sorgfältige Befolgung der vorste- 
henden, im höhern Auftrage erlassenen Bestimmungen zur 
Pflicht machen, lassen wir hierunter eine kurze Belehrung 
fiber die charakteristischen Zeichen der granolösen Augen- 
entzundnng, sowie ober die Wege ihrer Verbreitung und 
die Mittel, letztere zu verhüten, folgen, welche wir der Be- 
achtung des Publikums dringend empfehlen. 
Danzig, den 10. Januar 1863. 

Königl. Regierung, Abth. des Innern. 



Die sogenannte granulöse Angenentsündung, 
welche auch die kontagiöse oder ägyptische genannt 
wird und seit der Zeit der napoleonischen Feldzöge beson- 
ders unter den Truppen der meisten europäischen Staaten 
in starker Verbreitung aufgetreten ist, hat sich in den letzt- 
verflossenen Decennien mehrfach auch unter der Civilbe- 
völkerung, namentlich in Hospitälern, Waisen-, Arbeits- und 
Armenhäusern, in Schulen und Pen sions-An stalten, aufser- 
dem aber auch vereinzelt oder verbreitet in überfüllten, un- 
saubern und schlecht ventilirten Wohnungen auf dem Lande 
und in den Städten gezeigt. Da dieselbe erfabmngsgemäfs 



sowohl durch den Dunstkreis enger und von vielen Men- 
schen dicbt besetzter Wohnnngsräume als auch besonders 
durch die dabei leicht vorkommende gemeinschaftliche 
Benatzung des Waschwassers, der Waschnäpfe, 
der Schwämme, der Bett- und Leibwäsche, der 
Handtucher und Taschentucher von einem Indivi- 
duum auf das andere fibertragbar ist, auch in ihren Folgen 
zu einer erheblichen Verminderung des Sehens und selbst 
zur völligen Erblindung fuhren kann, so erscheint es von 
besonderer Wichtigkeit, dass nicht blos die oben bezeich- 
neten Wege der Ansteckung möglichst verhütet, sondern 
auch die Anfllnge des Uebels rechtzeitig erkannt und durch 
angemessene Mittel beseitigt werden. Es ist dies um so 
nothwendiger, als gerade die Anfänge der Krankheit öfters 
so versteckt auftreten, dass sie lange verkannt bleiben und 
erst beachtet werden, nachdem das Leiden bereits eine ge- 
fahrdrohende Höhe erreicht hat. Es gilt dies vornehmlich 
von derjenigen Krankheitserscheinung, von welcher dieses 
Leiden seine besondere Bezeichnung erhalten hat, nämlich 
von der körnigen, dem Fischrogen nicht unähnlichen Auf- 
lockerung der Bindehaut des Auges, welche oft längere 2^it 
auf der innem Seite der Augenlider und in den Ueber- 
gangsfalten besteht und in Folge der gwiugen, damit ver- 
bundenen Beschwerden und ihrer versteckten Lage von den 
Patienten selbst nicht wahrgenommen und beachtet wird. 
Gesellt sich hierzu durch Erkältung oder durch den Ein- 
fluss einer andern Schädlichkeit eine entzündliche Affektion, 
so entsteht alsbald eine schleimige Absonderung, welche 
als der eigentliche Träger der Ansteckung zu betrachten 
ist; die Augenlider schwellen auch äufserlich wahrnehmbar 
an, das Weifse im Auge wird geröthet, es treten Lichtscheu 
und Schmerzen hinzu, in den schlimmem Fällen steigert 
sich die Entzündung immer mehr und kann sogar, wenn 
das Uebel zu spät erkannt oder unrichtig behandelt wird, 
zn einer unheilbaren Trübung der Hornhaut und dadurch 
zur Erblindung fuhren. Die Rücksicht auf die oft hartnäk* 
kige Natur dieser eigenthumlichen Angenentzündung er- 
heischt um so mehr eine vorsichtige Beachtung der ersten 
Erscheinungen, als die Erfahrung gelehrt hat, dass das in 
seiner Entstehung unbeachtet gebliebene und vernachlässigte 
Uebel später oft allen Heilversuchen widersteht, oft nach 
theilweiser Beseitigung von Neuem ausbricht imd selbst 
nach jahrelangem Bestehen nicht vollständig erlischt. Die 
damit Behafteten befinden sich aber nicht blos selbst in der 
Gefahr, dauernd erwerbsunfähig zu werden, sondern bilden 
auch einen Heerd der Ansteckung für ihre Umgebung. Die- 
jenigen nämlich, welche mit dergleidien Personen in nf ' 
here Gemeinschaft zn treten gezwungen sind, erkrank-^ f 
alsbald in derselben Weise. Auch in unserm Verwaltnn 
bezirke sind mehrere Ortschaften ermittelt worden, in ^ 
eben alle Mitglieder einzelner Familien, in Folge von Uel 
tragung der Krankheit durch einen Hausgenossen^ in r 



35 



obra geschilderten Art lange Zeit an der grannloeen An- 
genentsandong litten. Eben so sind in einzelnen Kreisen 
bei dem Ersatzgescbäfte F&Ue von granulöser Angenentznn- 
dang mehrfach vorgekommen. 

Die Mittel znr Verhütung derartiger Uebertragungen be- 
stehen vorzugsweise in der sorgfältigen Vermeidung der im 
Eingange genannten Wege der Weiterverbreitung ^ in der 
Beachtung der gröfsten Reinlichkeit, in der Sorge für reine 
Laft in den Wohnungen und Schlafzimmern. Zeigen sich 
aber bei einem Individuum Spuren der Krankheit, so ist 
dasselbe sofort von andern zu sondern und ärztlicher Auf- 
eicht und Behandlung, wo möglich iu einer Heilanstalt, zu 
übergeben. 



Hinsichts der Heilung der Krankheit ist vor AlKem sa 
beachten, dass dieselbe um so eher und sicherer gelingt, je 
frühzeitiger das Uebel erkannt und die erforderliche ärztli- 
che Behandlung eingeleitet wird. So lange die oben be* 
scbriebene Auflockerung der Bindehaut des Auges nicht 
dauernd beseitigt ist, kann bei einwirkenden Schädlichkei- 
ten jederzeit ein Rückfall eintreten und selbst nach langer 
Zeit einen Übeln Ausgang herbeiführen. 

Dan zig, den 10. Januar 1863. 

Konigl. Regierung, Abth. .des Innern. 



Die Sterblichkeit der Kioder io Berlin w&lirend der 
Jalire 1851-1860. 

Vom Stabsarzt Dr. £. Loewer in Berlin. 
(FortsetzoDg.) 

Dass die Tageszeiten von Einflnss auf din Sterblichkeit 
sind, wird von Niemandem bezweifelt, über das Wie and 
Wann? herrscht aber, wie auch Schneider anfuhrt, noch 
gar keine Uebereinstimmnng der Ansichten. So legt Q ac- 
te let ') das Maximum der Sterblichkeit auf die Nachmit- 
tagsstanden von 12 — 6 Uhr mit 1458, lasst dann Nach* 
mitto-nacht von 12 bis 6 Uhr mit 1397 und mit dem Mi- 
nimam Vormitternacht von 6 — 12 Uhr mit 1074 von 5250 
SterbeffiUen folgen. Nach Rieke's Anfuhrung legt Ber- 
linski das Maximum auf die Morgenstunden von 6 — 12 
Uhr, das Minimum auf dieselben Stunden des Abends. Beide 
soeben den Orund dieser Erscheinung in dem Reize der 
aufgehenden Sonne. 

Durch die Einwirkung irgend welches Reizes, also auch 
darch die des Lichts und der Wfirme, soll der geringe Vor^ 
rath von Lebenskraft, der sich bei dem bereits im Todes^ 
kämpfe befindlichen vorfindet, vollends erschöpft werden, 
während die möglichste Sabtraction aller Reize, wies dies 
namentlich des Nachts stattfindet, das Leben noch einige 
Zeit erhalten kann. Wie aber die Empfindlichkeit desOr- 
ganiamns für Eteize mit der Ifinger fortgesetzten Einwirkung 
derselben abnimmt, and erst dann wieder ganz hergestellt 
wird, wenn sie eine Zeit lang ihn zu afficiren aufgehört 
naben, so ist es aach mit dem Einflüsse des Licht- ond 
W&rmereises aof den Sterbenden. Nur in den ersten 6 
Itonden ihrer Einwirkong auf die Organismen bedingen sie 
in die Mittelzahl abersteigendes Sterbüchkeitsverhfiltniss, 
* den Nachmittagsstanden aber gleicht sich diese Differenz 



■) Quetelet, über den Menschen und die Entwieklung sei« 
r Fähigkeiten p. 198 a. 200. 



wieder aus; dasselbe gilt von dem günstigen Einflasse der 
Nacht, welcher sich ebenfalls nur in der ersten H&lfte der- 
selben geltend macht. 

Auch Gas per ') legt das Maximum der Sterblichkeit 
auf die Vormittags-, das Minimum auf die Vormitter nachts- 
standen, seine Erkl&rung dieser Erscheinung stimmt im We- 
sentlichen mit den oben angeführten überein. Bueck's Un- 
tersuchungen über die Sterblichkeit in Hamburg nähern sich 
am meisten dem Schneider'schen Resultate, er fand das 
Maximam auf Nachmitternacht mit 306 und das Minimam 
auf Nachmittag mit 211 Todesfällen im Mittel fallen. Von 
allen Beobachtern hat Schneider den l&ngsten Zeitraum 
und die grofste Somme von Todesf&llen — 114,183 — sei- 
nen Untersuchungen zn Grunde gelegt, and , worauf auch 
Casper grofses Oewicht legt, die Todtenscheine benutzt, 
die aus der ganzen Stadt zusammengeliefert sind. Es wird 
deshalb gerechtfertigt erscheinen, wenn wir an seinen Re- 
sultaten, als an den umfassendsten, vorläufig festhalten. 

Unter den osivenell wirkenden Einflüssen würden wir 
nan die hygienischen za betrachten, d« h. also das Sterb- 
lichkeitsverbältniss nach den Krankheiten fesUostellen ha- 
ben. Wir haben von ihnen die in den Kreis unserer Un- 
tersochuogen gezogen, die im Eandesalter hauptsächlich auf- 
treten und verheerend einwirken. Am besten reiht sich 
hier der Einflnss der Krankheiten nach den verschiedenen 
Jahresaeiten an, wie dies Tabelle XIV. zeigt 

Wir sehen daraaa zuerst, dass die im Kindesalter mör- 
derischsten Krankheiten Absehrung mit 15,18 pCt., Blrämpfe 
mit 11,94 pGt, Durchfall mit 11,05 pCt., Entzündung der 
Respirationsorgane and Lebeusschwäche mit je 7,98 pCt^ 
Oehirnenteündang und hitziger Wasserkopf mit 7,62 pCt., 
häatige Bräune mit 3,59 pCt. und die akuten Exantheme 
mit 3,70 pCt. der gesammten Sterbefälle sind« Die übri- 



>) Casper, Denkwürdigkeiten sor medicinisdien Statistik 
und Staatsaraneikonde p. 232. 



36 



gen Krtinkheiten nehmen eine weniger bervorrageode Stelle 
eio. Es mnss oao allerdings zugestanden werden, dass die 
Todesursachen nicht immer beetimmt angegeben werden,, 
däss man vielmehr, sö zu sagen sehr oft symptomatisch 
bei dem Ausdrucke derselben zu Werke geht und nicht die 



ursprüngliche Krankheit angiebt. Wir wissen es ja aus 
Erfahrung, wenn der Todtenschein unterschrieben werden 
soll, dann stellt ein Wort zur rechten Zeit sich ein, und 
gerade die Collectivworte, wie Abzehrung, Krämpfe u. s. w. 
sind die beliebtesten. 



Tabelle XIV. 



Krankheitsbenennong. 



I 



Ol 

< 



^ 



a 






i 



s 



S 
E 
s 
CO 



1. Lebenssohw&che ..... 

2. Krämpfe 

3. Zahnen 

4. Triamas und Tetanus • . . 

5. Durchfall und Brechdurchfall . 

6. Abzehmiig 

7. ZellgewebBYerhSrtuDg . . . 

8. Entzündung der Respirationa- 

organe • 

9. hSutige Braune 

10. Kenchhuaten 

11. Gehirnentzündang und hitziger 

Wasserkopf 

12. Schlagfluas . 

13. LuDgenachlag und LungenlSh- 

mung ........ 

14. Scropheln und Rachitis . . . 

15. Scharlach • • 

6. Masern 

17. Cholera . 



407 

585 

128 

68 

86 

611 

14 

486 
228 



370 
174 

155 

73 

174 
73 



398 

630 

126 

71 

50 

502 

15 

567 
202 

73 

364 
192 

157 

71 

153 

59 



355 

546 

117 

66 

49 

560 

17 

625 

198 

79 

354 
165 

143 

74 
97 
20 



1160 

1761 

371 

205 

185 

1763 

46 

1678 
628 
251 

1068 
531 

455 
218 
424 
154 



377 

605 

146 

75 

45 

663 

27 

554 

208 

83 

424 

160 

166 

91 

112 

35 



303 

622 

129 

68 

88 

580 

14 

412 
181 

72 

468 
154 

140 
95 
93 
23 



358 
579 
144 

78 
183 
668 

15 

365 

128 
56 

436 
130 

106 
79 
97 



1038 

1806 

491 

221 

316 

1911 

56 

1331 
517 
211 

1328 
444 

412 

265 

302 

94 



413 

594 

158 

86 



462 
616 
202 
81 
1628 
706 900 
13 16 



309 

112 

50 

397 
114 

85 
76 
98 
41 



299 

151 

71 

402 
153 

90 

74 

123 

35 



515 

754 

293 

86 

2260 

1171 

14 

204 
142 

89 



127 

98 
80 
132 
32 
81 



1390 

1964 

653 

253 

4587 

2777 

43 

812 
405 
210 

1188 
394 

273 
230 
353 
108 
81 



394 
544 
232 

76 

947 

1124 

18 

248 
191 
102 

296 
113 



83 
183 

33 
381 



406 
527 
160 

82 
418 
832 

14 

280 
172 
107 

317 
133 

112 

70 
220 

45 
221 



354 
502 
105 

81 
124 
720 

20 

397 
225 
100 

319 
150 

155 

72 

226 

59 

23 



1154 

1573 

497 

239 

1489 

2676 

52 

925 
588 
309 

932 



365 
225 
629 
137 
625 



4742 
7104 
1940 

918 
6577 
9127 

197 

4746 

2138 

981 

4536 
1765 

1505 
938 

1768 
493 
708 



Hinsichtlich der Jahreszeiten pr&dominiren im Winter 
die Entzündungen der Respirationsorgane, auch im Frfih* 
jähre zfihlen diese Krankheiten noch viele Opfer; im Som- 
mer sterben um die Hälfte weniger daran, als im Winter. 
Der Grund liegt auf der Hand, da kein Binfinss gunstiger 
ist zu ihrer Hervorbringung, als die K&lte. Aus demselben 
Grunde erhebt sich auch hier die h&ntige Br&une beträcht- 
lich über die Zahl der in den andern Jahreszeiten Gestor- 
benen. In ganz natfirlicher Weise wird sich ihnen Lungen- 
schlag und Lnngenlfihmung ansthliefsen , die ja im Allge- 
meinen das Endglied der Krankheiten der Respirationsor- 
gane bilden, wenn diese eben tödtlich verlaufen. Wenn 
wir dann die Masern im Winter und ihm zunächst im Herbst 
mit Todesfällen beiastet sehen, so hat dies ohne Zweifel 
seine Ursache darin, dass ihr todtlicher Ausgang meist durch 
Gomplicationen mit Entzündung der Respirationsorgane her- 
beigeführt wird. Die Zahl der am Scblagfloss gestorbenen 
Kinder überwiegt ebenfalls im Winter. Zur Erklärung die- 



ser Erscheinung, die wir in der Jahreszeit erwarten muss- 
ten, wo die Gehirnentzündung die meisten Todesfälle zeigt, 
müssen wir vor allen Dingen bedenken, dass Schlagfluss 
ein Collektivbegriff ist, mit dem man bei Ausstellung eines 
Todtenscheins sich an die vorhergegangene Krankheit zu 
halten nicht immer die Verpflichtung fShlt Wenn nun 
auch ein beträchtlicher Theil der an Schlagfluss vorstorbe- 
nen sich in der Jahreszeit finden wird, wo die Gehirnent- 
zündung am häufigsten tödtlich verläuft, was wir in der 
That auch im Frfihlinge bewahrheitet sehen, so fällt ein 
anderer Theil doch den Krankheiten der Respirationsorgan< 
anheim, denn dass diese vielfach mit Gehimersoheinungen 
enden, ist bekannt, ebenso, dass der Arzt bei den armen 
Klassen der Bevölkerung oft erst dann an das Krankenbett 
gerufen wird, wenn diese schon den nahen Tod ankunden. 
So kommt es denn aber auch, dass er bei der Angabe dei 
Todesursache die Affektion des Gehirns besonders vor Au- 
gen haben und dieselbe als Schlagfluss angeben kann. Vo 



37 






den drei Wintermonaten seheo wir den Febraar mit der 
höchsten Zahl der an Entzandang der Respirationsorgane 
Gestorbenen, . nach ihm den Janaar. Da swischen diesen 
beiden Monaten eine solche Differenz der mittlem Tempe- 
ratnr nicht besteht, dass wir ans daraas diesen Unterschied 
erklfiren können, so wird er darin zu Sachen sein, dass ein 
Theil der im Janaar entstandenen Krankheiten sich aaf den 
Febraar überträgt, dort erst todtlich endet and so seine 
Opfer za denen des letztern Monats hinzufügt. Dfe im 
Sommer tödtlichen Krankheiten sind Abzehrung, Krämpfe, 
Darchfall, Lebensschwäche und Zahnen. Dieselben können 
gewiss zum Theil als zu einer Kette gehörig angesehen 
werden, in der als Haaptglied der Darchfall und Brech- 
dorchfall der Blinder gelten kann. Wenn er selbst nicht 
todtlich endet, so bedingt er doch oft grofse Schwäche, Ab- 
magernng, bleibende Störnng der Verdauangsthätigkeit und 
fahrt so das Bild der Abzehrung herbei, die bei altem Kin- 
dern als solche, bei ganz jangen aber vielfach als Lebens- 
schwäche figurirt. £s soll natürlich keineswegs geläugnet 
werden, dass dieselbe auch in Krankheiten oder in angfin- 
stigen Lebensverhältnissen der Eltern ihre Quelle haben 
kann, ja es steht dies sogar anfser allem Zweifel. Das 
Moment aber, das die Tödtlichkeit der Lebensschwäche 
haaptsäcblich in den Sommer versetzt, hat zam gröfsten 
Theile gewiss seinen Grund im obigen Umstände. Bei den 
Krämpfen wirken beide Ursachen zusammen. Viele Kin- 
der, die an Diarrhoea infantum leiden, erliegen nnter Kräm- 
pfen, andererseits bilden sich dieselben ohne Zweifel durch 
Congestion und Reiz des Gehirns aas, wie sie die Sommer- 
hitze bei den hierfür so empfindlichen Kindern so leicht 
herbeifuhrt Der Durchfall der Kinder zählt aber im Som- 
mer allein 4587 Opfer, zu denen allein der August ein Con- 
tingent von 2260 stellt, beides Zahlen, wie sie so grofs bei 
keiner andern Krankheit and in keiner andern Jahreszeit, 
in keinem andern Monate vorkommen. Engel ') socht 
diese grofse Sterblichkeit im Augost durch die Annahme 
za erklären, dass in ihm und im September, den er ihm 
dabei zur Seite stellt, viel and unreifes Obst gegessen wird. 
Einerseits zeigt aber der ganze Herbst keine so grofse Zahl 
von Todesfällen durch Durchfall, wie der August allein, 
andern theils könnte dies doch nur von den altern Kindern 
gelten, während gerade die Hanptzahl der Sterbefälle durch 
die ganz jungen Kinder herbeigeführt wird. Offenbar läfst 
sich dies ungünstige Ergebniss ganz ungezwungen ans den 
ErnährangsverhältDissen Erklären, die gerade im Sommer 
\o leicht den Untergang des Kindes bewirken. Es sind 
etzt wohl fast alle Autoren darüber einig, dass eine kSnst- 
che Ernährung nie die Mutter-, selbst nicht die Ammen- 
lileh ersetzen kanjo. Die Milch, oder der Brei, die zum 



^) Engel, die Bewegnng der Bevölkerung im Königreiche 
ihsen p. 46. 



Ersätze gereicht werden, sind der Verdanungskraft der klei» 
nen Kinder nur za oft nicht angepasst, sie müssen dann 
als Indigestum wirken und Durchfall herbeiführen. Dieser 
Uebelstand vermehrt sich aber beträchtlich im Sommer, wo 
die Milch und der Brei so rasch säuern, wenn aus Unrein- 
lichkeit und Nachlässigkeit die Saugflasche . nicht rein ge- 
halten und die Nahrungsportionen nicht zu jeder Mahlzeit 
frisch bereitet, sondern die Reste der frühem zu den spä^ 
tern immer mitverwendet werden. Wie oft sieht man bei 
der ärmern Klasse der Bevölkerung die Wände der Saug- 
flasche an durchsichtig durch anklebende Milch, wie oft dringt 
ein sänerlicher Geruch aus ihnen hervor I Mögen immerhin 
die ungünstigen Ernährongsverhältnisse in allen Jahreszei- 
ten auf die Kinder einwirken, am meisten wird es immer 
da stattfinden, wo verdorbene, zersetzte Nahrang darge- 
reicht, wo die Nachlässigkeit der Eltern noch durch die 
Jahreszeit potenzirt wird. Hierzu kommt der unselige 
Glaube, dass bei Kindern in der Zahnnngsperiode jeder 
Durchfall heilsam und nöthig sei. Erst wenn er aasgear- 
tet ist, wenn das abgemagerte Kind durch sein Aussehen 
einem todten ähnlicher, als einem lebenden ist, wird der 
jetzt ohnmächtige Arzt herbeigerufen , der auf seine 'Vor- 
würfe die Antwort erhält, dass man den Durchfall beim 
Zahnen far noth wendig gehalten und ihn deshalb habe be- 
stehen lassen. Wie viele Kinder hat diese Idee schon in 
das Grab gebracht I Abgesehen von allen diesen Verhält- 
oissen fShrt nun aber die Hitze des Sommers Magen-Darm- 
leiden herbei, die oft epidemisch auftreten und eine ver- 
schiedene Höhe und Gefahr darbieten. So beschreibt Rie- 
del '} eine derartige Epidemie aus dem Sommer und Spät- 
sommer des Jahres 1857 in Berlin, die besonders das Kin- 
desalter unter 2 Jahren erfasste. Es sind nach ihm in den 
19 Wochen der Dauer der Epidemie 15,73 pGt. kleine Kin- 
der mehr gestorben, als die Norm beträgt. Das durch- 
schnittliche Verhältniss der Kinder anter 2 Jahren zur Ge- 
sammtsterblichkeit wird 39,88 : 100 angenommen. Dieses 
Verhältniss änderte sich vom 20. Mai bis 30. September 
derartig, dass es in den ersten 6 Wochen m^hr als 60 pCt., 
vom 12. bis 19. August sogar 65 pCt der Gesammt-Mor- 
talität betrug. Die Epidemie war somit nach ihm für das 
zarte Kindesalter ungleich verheerender, als das im Som- 
mer 1855 hier herrschende analoge Magen - Darmleiden. 
Während vom 20. Mai bis 30. September 1857 die Sterb- 
lichkeit des Lebensalters unter 2 Jahren durchschnittlich 
55,61 pCt. der Gesammtsterblichkeit betrug, so blieb die- 
selbe vom 25. Juli bis 14. November 1855, d. h. während 
der Dauer der damals herrschenden Cholera-Epidemie mit 
durchschnittlich 31,45 pCt noch bedeutend unter dem ge- 
wöhnlichen Sterblichkeitsverhältniss dieses Alters. Dem 



I) Monatsblatt für med. Stetistik u. Gesandheitspflege 1857 
No. 12. p. 81 u. 83. 






38 



Sommer eigen ist ja aocb die Cholera infantam, die mit 
wfiBserigen Dorcbföllen beginnt, zu denen eich Erbrechen, 
endlich Gehimerscheinnngen nnd Collapsus hinzugesellen, 
die dem Leben ein Ende machen. Hex am er ') theilt mit, 
daas in New-York, wo die Krankheit allerdings intensiver 
and mörderischer durch die Beschaffenheit des Klimas ist, 
in den 10 Jahren von 1848—1857 nahe an 10,000 Kinder 
ihr erlegen sind. Aus der Mortalit&tstafel, die Casper *} 
nach den Jahreszeiten aufgestellt, geht hervor, dass an 
Darmflussen im Sommer 512, im Herbst 373, im Winter 
59, im Frühling 54 pro M. Gberhanpt starben. Auch hier 
seiohnet sich der Sommer ans nnd hat dies ohne Zweifel 
der Kindersterblichkeit zn danken. Es springt nun noch 
mit einer fiberwiegenden Zahl von Todesfällen das Zahnen 
hervor. Abgesehen davon, dass diese Krankheitsbenennnng 
ein amf angreicher Collectivbegriff ist, dass unstreitig die 
Dentition den während derselben auftretenden Krankheiten 
ein eigen thumliches Gepräge aufdrucken kann, und man ge- 
neigt ist, diese alle auf die Zähnung selbst zu schieben, so 
wird man doch dem Sommer eine gröfsere Gefährlichkeit 
nicht absprechen können. Die Cerebral-Affektionen, die so 
oft in Begleitung der Dentition auftreten , werden offenbar 
durch die Hitze des Sommers nur gesteigert werden kön- 
nen, und werden deshalb hier häufiger den Tod zur Folge 
haben, als in andern Jahreszeiten. 

Die Krankheit, die im Frühling hauptsächlich ihre 
Opfer fordert, ist die Gehirnentzündung und der hitzige 
Wasserkopf. Auch hierin haben wir dasselbe Resultat ge- 
funden, wie Casper; in der so eben angeführten Zusam- 
menstellung weist er nach, dass an Gehirnentzündung der 
Kinder im Frühjahr 376 pro M. starben, während auf den 
Winter 269, aof den Herbst 228, auf den Sommer sogar 
nur 176 proM. kamen. Casper, der für die Entzundnn« 
gen im Allgemeinen gefunden hat, dass sie hauptsächlich 
im Frühjahre todtlick werden, kommt dadurch zn dem all» 
gemeinen Schlüsse, dass der Winter unter allen Jahreszei- 
ten am meisten zn Entzündungen disponirt, dass aber der 
Frnhh'ng diesen Krankheiten bei weitem die tödlichste Jah- 
reszeit ist. Wir können diesen Satz naturlich nur für die 
Gehirnentzündung adoptiren, da das Maximum der Sterb- 
lichkeit an Entzündungen der Bespirationsorgane für die 
Kinder auf den Winter WlL Es ist dabei übrigens nicht 
zu vergessen, dass Casper die Gesammtsterblichkeit sei- 
nen Untersuchungen zu Grande gelegt hat. Rilliet nnd 
Barthez ') sprechen sich über das Vorkommen der Ge- 



') B ehrend und Hildebrand, Journal für Kinderkrank- 
heiten Bd. 33. p. 125. 

*) Casper, Beiträge zur medlo. Statistik und Staatsarznei- 
knnde p.48. 

*) Rilliet et Barthez, traite des maladies des enfants. 
Psiis 1861. Bd. I. p. 128. 



hirnentzündung in bestimmten Jahreszeiten nicht entschie- 
den aus. Aus einer Znsammenstellung von 30 Fällen geht 
hervor, dass 10 auf den Frühling, 6 auf den Sommer nnd 
je 7 auf Winter und Herbst kommen. Sie kommen da- 
durch zu dem allgemeinen Schlüsse, dass die Gehirnentzün- 
dung nicht während der Sommerhitze am häufigsten ist» 
obgleich die Insolation als wichtige Ursache nicht geläug* 
net werden könne. Aus dem Jahresbericht über das Kin- 
derkrankenhaus Mariahilf in Wien ') geht hervor, dass im 
Jahre 1858 im Januar 3 pCt. an Gehirnleiden erkrankten, 
die bis Juni auf 9 pCt., die höchste Erkranknngsziffer, stie- 
gen. Das Maximum der Fälle ist demnach auch hier auf 
den Frühling gefallen, nnd wenn man annehmen darf, dass 
der Tod in denselben Proportionen erfolgte, als der Aus* 
brnch der Krankheit, so wird also auch er hauptsächlich 
auf das Frühjahr gefallen sein. Wir erkennen gern an, 
dass die angefahrten Citate nur wenige sind, aber es fehlt 
hier gerade an Beobachtungen über den Einfluss der Jah- 
reszeiten auf die Sterblichkeit, vielleicht reden unsere gro- 
fsen Zahlen und der beträchtliche Ueberschuss im Frühjahr 
für sich am besten. 

(Fortsetzang folgt) 

Bericht Aber dte PriTut-ADstalt des Sanitätsraths 

Dr« Erlenmeyer zu Bendorf bei Coblenz im 

Jahre 1862. 

Die frühem Berichte über die Resultate meiner Privat- 
anstalt für Gemuths* und Nervenkranke, welche ich in die- 
ser Zeitschrift seit einer Beihe von Jahren niedergelegt 
habe, sind immer mit einigem Interesse gelesen worden, so 
dass ich den Muth habe, mit denselben auch ferner fortzu- 
fahren. Es liefsen sich dieselben leicht, wie dieses öfter von 
mir gewünscht worden, weiter ausdehnen, damit sie nicht 
blos dürre statistische Notizen enthalten, da hierzu Mate- 
rial genug vorhanden ist, aber der Raum dieser 2^itschrift 
gebietet das Einhalten einer engem Gränze« 

Die unter meiner Leitung stehende Anstalt ist in den 
letzten Jahren mit einer auswärtigen Abtheiinng versehen 
worden, d. h. es sind in verschiedenen Privathänsern leich- 
tere Fälle beginnender Gemuthsleiden und namentlich Ner- 
venkranke einlogirt und von mir behandelt worden. In 
diesem letzten Jahre hat diese Einrichtung schon eine be* 
deut^idere Ausdehnung erlangt, so dass zn gleicher 2jeit 
in 5 verschiedenen Hänsern derartige Kranke untergebrach** 
waren. Der Stand dieser Abtheilung ist in diesem Ja 
nie ausgegangen ; die Zahl der angebotenen Logis wird j 
jedem Jahre grofser, indem sich die hiesigen Burger imr 
mehr daran gewöhnen mit solchen Kranken zu verkefc 



') Behrend und Hildebrand, Journal für Kindevkr 
heiten 1859. Bd. 33. p. 408. 






39 



und solche bei sich aafiQnehmeD. Diese Einrichtong hat 
sehr grofse Vortheile, indem aof diese Weise die Kranken 
sehr frühzeitig sich einer Kar unterziehen. In einer Zeit 
wo noch Niemand im Stande ist, sie za einer Aufnahme in 
eine Anstalt sn bewegen und ^wenn er mit Engelzangen 
redete^. Die Preise dieser Einrichtong sind nicht höher 
als die in der Anstalt, so dass der Benatzong auch nach 
dieser Seite kein Hinderniss entgegensteht. 

Die LokalitSten der Anstalt sind aach in diesem Jahre 
nicht anbedeotend erweitert worden. Die Abtheilong der 
unruhigen männlichen Kranken erhielt einen zweistöckigen 
Anbau von mehr als 40 Fnfs Front Anfserdem wurde ein 
besonderes Badehaas mit 4 Kabinetten far diese Abtheilong 
erbaut, welche bisher in den Hauptgebäuden selbst vorhan- 
den waren, da die hierzu benutzten R&ume zo Kranken- 
zimmern eingerichtet worden, so dass jetzt die Baderäume 
auf beiden Abtheilnngen ganz neu gebaut sind. Das Areal, 
das den Ejranken zur Beschäftigung dient, wurde durch An- 
kauf ebenfalls bedeutend vergröfsert. 

Im Ganzen hat sich der Krankenstand des Jahres 1862 
wieder um 10 gehoben gegen den von 1861, indem das 
Minimum von 49 auf 59 und das Maximum von 60 auf 72 
stieg. 

Anknüpfend an den letzten Jahresbericht von 1861 be- 
merke ich, dass am Schlüsse des Jahres 60 (41 männl. u. 
19 weibl.) Kranke in der Anstalt vorhanden waren. 

Dazu wurden im Laufe des Jahres 1862 aufgenommen 
32 männl. und 14 weibl., also in Summa 46 Kranke. Es 
war das die stärkste Aufnahme, welche die Anstalt über- 
haupt seit ihrem Bestehen gehabt hat Am nächsten rei- 
hen sich an die folgenden Zahlen: 41, 35, 31 u. s. w. Es 
wurden also im ganzen Jahre behandelt 106 Kranke (73 
männl. und 83 weibl.}, ein Stand der bisher noch nicht er- 
reicht worden war. 

Dieselben stammten aus folgenden Ländern: 
Preufsen: Rheinprovinz (23 M., 10 W.) 33, Provinz West- 

phalen (7 M,, 4 W.) 11, Provinz Sachsen (1 W.) 1, Pro- 

vinz Schlesien (1 M.) 1, Provinz Brandenburg (1 M.) 1, 

Provinz Pommern (1 M.) 1, Provinz Preufsen (1 M.) 1 = 

(34M., 15W.) 49. 
Königreich Baiern (2 M., 3 W.) in Summa 5. 

Hannover (5 M.) in Summa 5. 
Kurfarstenthum Hessen (2 M.) in Summa 2. 
Grofsherzogthum Oldenburg (3 M., 4 W.) in Summa 7. 

Hessen (5 M., 1 W.) in Summa 6. 
lerzogthum Braunschweig (1 M.) in Summa 1. 
Nassau (2 M., 4 W.) in Summa 6. 
irstenthum Waldeck (14 M., 5 W.) in Summa 19. 

:eie Stadt Frankfurt (1 M.) in Summa 1 , also 101 aus 

Deutschland. 

Anfserdem aus nicht deutschen Ländern: 

% den Niederlanden (1 M.) in Summa 1. 



Ans Frankreich (1 M.) in Summa 1. 
Aus Rnssland (1 M., 1 W.) in Summa 2. 
Aus Amerika (1 M.) in Summa 1, also 5 ans dem Ausland, 
im Ganzen 106. 

Von diesen 106 Kranken gingen im Laufe des J^i^ires 

89 ab. Dieselben zerfallen in folgende Categorien: 

Genesen (11 m., 9 w.) in Summa 20, 

Gebessert (8 m., 5 w.) in Summa 13, 

Gestorben (4 m., 2 w.) in Summa 6, 

39. 

Bei der Genesung ist das günstige Verhältniss der weib* 
liehen Kranken recht deutlich hervortretend. Während sich 
die männlichen Kranken überhaupt zu den weiblichen ver- 
hielten SS 73 : 33, so dass die weiblichen nicht einmal halb 
so zahlreich war, stellen sich die Genesungen =11 : 9, also 
4 höher. Dadurch wird der alte Satz wieder bestätigt, dass 
die Heilbarkeit bei den weiblichen Kranken viel gröiser ist 
— Es kommt dieses sicher zum Theil daher, dass selbst* 
Ständige Erkrankungen des Gehirns viel seltener sind, und 
dass die Gebirnatrophie als Folie der fortschreitenden Pa- 
ralyse bei dem weiblichen Geschlecht gar nicht vorkommt 
Ganz entschieden hebe ich das hervor, da ich immer mehr 
erkenne, dass die allgemeinen Lähmungen der Frauen nicht 
zu der fortschreitenden Paralyse im engern Sinne gehören. 

Die gebesserten Fälle begreifen sowohl solche, wel- 
che nach ihrer Entlassung allmälig noch vollständig ge» 
nesen sind, als auch solche, welche sich zu Hause allmälig 
verschlimmerten und schliefslich wieder in Anstalten ge- 
bracht werden mussten. Die Abtheilung der gebessert Ent- 
lassenen nmfasst in Privat -Anstalten meist solche, welche 
von ihren Angehörigen entweder nach schriftlichen Mitthei- 
lungen oder nach persönlicher Beurtheilung für gesund ge- 
halten worden sind — wenigstens für so gut, dass man den 
Aufenthalt in einer Anstalt nicht nur ffir uberflfissig, son- 
dern auch für nachtheilig hält 

Die Gestorbenen anlangend, so befinden sich unter 
denselben 3 Fälle von Epilepsie, wo der Tod im Anfall 
eintrat. Zwei waren Idioten, bei einem die Anfälle von 
Jugend auf vorhanden, bei dem Mädchen traten sie mit der 
verspäteten Pubertätsentwickelung hervor. Bei beiden konnte 
leider ans Rucksicht auf die Familie die Section nicht ge- 
macht werden. Der dritte Fall ist in vieler Hinsicht merk- 
würdig und wird noch von mir ausfuhrb'ch veröfifentlicbt 
werden. Es bestand znerst totale beiderseitige Amaurose, 
dann trat Geistesstörung hinzu und zuletzt Epilepsie. Die 
Diagnose einer Geschwulst an der Basis cranii unfern des 
Ghiasma wurde durch die Section vollständig bestätigt — 
Es befindet sich unter den Gestorbenen nur ein Paralyti- 
ker, während deren 7 in der Anstalt vorhanden waren. 
Von zweien, die bald wieder entlassen wurden, erwarte ich 
noch weitere Nachrichten (vier sind noch hier anwesend), 
um darüber auch noch eine ausführliche Mittheilung zu ma- 



40 



chen. Hier sei nur erwfihnt, dass aioh dieselben Dach der 
fortgesetzten Kur noch sehr wesentlich za Hanse gebessert 
haben. In diesem Jahre habe ich Versuche mit dem Ar- 
gent nitr. gemacht, setze dieselben jedoch noch fort, da sie 
mich sehr ermnthigt haben. 

Nach Abzug dieser 39 Kranken verblieben 
am Schlüsse des Jahres 67 (50 männliche und 17 
weibliche). 

Unter diesen Verbliebenen befinden sich noch viele 
welche Aussicht auf Heilung gewähren. Einer ist schon 
seitdem genesen abgegangen und mehrere andere schüefsen 
sich dem bald an. — Ans diesem Grunde unterlasse ich es, 
jetzt ganz und gar die Procentyerhältnisse der Genesung 
zn berechnen. Dazu werde ich nächstens eine andere Ge- 
legenheit haben. 

Tagesereignisse und anderweite Sittlieiinngen. 

— Wochenbericht der hiesigen öffentlichen Kran- 
kenhäuser: 

Bestand Wöchl. Wdchl. hiemnter BestAiid 
1 7. Jan. Zugang Abgang TodegfSlie 24. Jan. 
Bethanien .... 292 46 39 5 299 

Hedwigs -Krankenh. 221 50 53 2 218 

Blisabetb-Krankenh. 66 8 4 1 70 

Jüdisches Krankenh. 42 4 6 — 40 



dazu Gharite • 



621 108 
1360 



102 



8 



627 
1346 



1981 1973 

In Bethanien waren Rheumatismus und Halsentzündung, 
nnd im Hedwigs-Krankenhause akute Gelenkrheumatismen 
▼orherrschend. 

— Die hiesige Königl. Schntzblattern-Impfungs- 
anstalt hat durch den Kreis-Phjsikus Dr. Schwartz zu 
Friedeberg in der Neumark wiederum genuine Kuh- 
pockenljmphe erhalten, welche der Kreis-Thierarzt Ko- 
walski zu Woldenberg von einer pockenkranken Kuh 
abgenommen hat Nach KJs Bericht zeigten vier Kube 
echte Pocken in den verschiedensten Stadien; Eine dersel- 
ben hatte eine schöne, klare durchscheinende Blatter an der 
Hinterzitze, und wurde dieser Blatter die Lymphe entnom- 
men. — Der in der Anstalt vorgenommene Impfversnch 
mittelst 6 Einstichen an den Armen eines gesunden Kindes 
hatte das Erscheinen Einer normalen Vaccinepustel zur 
Folge, so dass die Echtheit der Lymphe dadurch aufser 
Zweifel gesetzt ist 



Anzeigen. 



Die Besitzer mehrerer Estancias in der N&he von Bue- 
nos-Ayres wünschen für sich nnd ihre Familien einen pro* 
movirten Atzt zu engagiren, dem sie für die Jahre seines 
dortigen Aufenthalts ein sicheres Auskommen garantirea 
Einem jungen Arzte, der sich zur Annahme dieser Stellung 
bereit findet, wird sich, abgesehen von dem möglicherweise 
wfinschenswerthen Nutzen des dortigen milden Klimas für 
die eigene Gesundheit, aufser der sicheren Existenz, auch 
eine reiche wissenschaftliche Ausbeute auf dem Felde der 
Heilkunde und der Naturwissenschaften erschliefsen. 

Zur näheren Auskunft erklären sich bereit 

Bremen, December 1862. 

Carl Focke Wwe. & Sohn 
und Dr. Med. H. Pletzer 



BremeiL 



Heute wird ausgegeben IVo. 4« vom 

Centralblatt 

für die 

mediciiiiscben Wissenscbaften 

Unter Mitwirkung von 

Dr. W. Kfthne, Dr. PL Mank u. Dr. F. y.Brecklinghansen 

redigirt von 

Dr. L. Herman. 

WSehentlieh 1-2 Bogen. Preis des Jahrgangs 5 TUr. 15 Sgr. 

Bestellungen, darauf nehmen alle Buchhandlungen und 
Fostanstalten an. 

Berlin, den 25. Januar 1863. 

Auguat HirachwaU. 



Bei Th. Chr. Fr. Enslin in Berlin ist ersohienen: 
Das 

Prenfsiscbe Physikats-Examene 

Repetitorium 

für Civil- und Militair-Aerzte 



Dr. Fr. Berth. Loeffler. 



Das Regulativ für Obductionen, welches seit dem Er 
scheinen des Baches eine Abänderung erfahren, wird in ei 
nem Separatabdruck jedem Exemplare des LöfHer'schen Ba 
ches gratis beigegeben. 



Verlag von Th. Chr. Fr. Enslin (Adolph Enslin) in Berlin. — Gedruckt bei A. W. Schade in Berlin, Stollschreiberstr. 



Nene Folge. 
IHL Jah^rgang. 



PREÜSSISCHE 



Di««« Z«lti>Bg «raeb^lat w3eh«^ t '.e 

D«r Pr«l« d«« gans«D Jahrgang, w«l«h«r 

nicht g«tr«iuit wird, ist SThlr. 20 8gr 



MEDICINAL -ZEITUNG. 

Herausgegeben von dem Verein ftkr Heilkunde in Preussen 

unter Benntznng amtlicher Hittheilnngen des KQnigl. Hiusteriiuns der geistlichen, ünteniehts- 
nnd Hedicinal-Angelegenheiten nnd der Königl. Provinzial-Behörden. 

Bedacteur: £. Maller, Geh. Medieinal-Bath etc. 



1863. 




11. Februar. 



Inhalt. Amtlicher Theil; Personalien*, Polizei-Verordnung. — Die Sterblichkeit der Kinder in Berlin während der Jahre 1851 
bifl 1860; von £. Loewer. (Fortsetzong.) — Bericht über die Anstalt für Gemüths- und Nervenkranke zu Sinzig a. Rh.; von Asch- 
mann. — Gebnrts- und Sterbe-Liste von Berlin für Monat December 1862. — TagesereigniAse und anderweite Mittheilungen. — 
Literatur. — Anzeigen. . • 



Amtlicher TheiL 

Personalien« 

Anszeiclmimg. 
Se. MaJMtftt ^d«c £i5iug hab^o allergnfidigst geruht, 
dem Direktor der Provinzial - Irrenanstalt in Owinsk Dr. 
Beschorner den Charakter als Sanhätsrath za verleihen. 

Anstellang. 
Der Thierarzt erster Klasse Holzendorf i&t zum 
Slreis-Thierarzt des Kreises Prüm ernannt worden. 

Niederlassungen. 

Der praktische Arzt Dr. Krieger hat sich in Lasdeb- 
nen, Dr. Bogge in Oscbe, Dr. Bock in Unrnhstadt, Dr. 
Koke in Saarlonis nnd der Thierarzt erster Klasse Qrofs- 
wendt in Wittstock niedergelassen. 

Dr. Peyser ist von Strasburg nach Thorn, Dr. Sala 
von Kriescht nach Freienwalde, Dr. Kahrt von Langen- 
salza nach Muhlhausen, Dr. de Gronssilliers von Saar^ 
louis nach Langensalza , Dr. Groene von Vlotho nach 
Lozemborg, Dr. Brneger von Zdiiny nach Peitz, Dr. Ran- 
seh off vob Gütersloh nach Bielefeld, der Kreis -Thierarzt 
Schade von Slapp nach Gnlm und der Thierarzt Delins 
von Bernau nach Berlin gezogen. 

Apotheken-Angelegenheit. 
Der Apotheker Schlichteweg bat die Apotheke in 
Sllrieh k&uflich übernommen. 



Todesüall. 
Der Wundarzt zweiter Klasse Gembicki in Hansfelde 
ist gestorben. 

Offene Medicinal-Stelle. 
Die Kreis- Wundarzt-Stelle des Kreises Saar bürg ist 
seit einiger Zeit erledigt und soll nunmehr wieder besetzt 
werden , was hiermit Behufs Bewerbung um dieselbe be- 
kannt gemacht wird. 



Polizei-VerordDung« 

Das in neuerer Zeit in den Handel gekommene , ins- 
besondere aus Amerika importirte Petroleum oder Steinol, 
auch Erdöl, rock-oil, earth-oil, coal-oil genannt, ist, ver- 
möge seines reichen Gehaltes an flüchtigen Kohlenwasser- 
stoffen von anfserordentlicher Entzündbarkeit nnd steht in 
dieser Beziehung, selbst im raffinirten Zustande, dem stärk- 
sten Alkohol nicht nach. Die Gefährlichkeit wird dadurch 
erhöht, dass es specifisch leichter als Wasser ist, also auf 
dem Wasser schwimmt, und wenn es brennt, durch Wasser 
nicht gelöscht werden kann. Zur Verhütung dieser Gefahr 
wird für den Transport, die Lagerung und die Bearbeitung 
des Petroleums oder Steinöls die nachstehende Polizei-Ver- 
ordnung auf Grund des Gesetzes vom 11. Mftrz 1850 für 
den Bezirk der unterzeichneten Regierung erlassen. 

I. Für den Transport zu Wasser. 
§.1. Die Polizeibehörde des Einlade-Ortes hat zu be- 



42 



stimmeD, ob Petroleum in abgeBonderten Fabraeagen ge- 
fubrt werden müsse, oder ob es mit andern Gütern verla- 
den werden dSrfe. Im letitereD Falle bat sie die erforder- 
lieben Vorsichtsmaafsregela« denen sich der Schiffer zu un- 
terwerfen bat, anzuordnen. 

§. 2. Der Führer eines Fahrzeuges, welches Petroleum 
an Bord bat, darf mit seinem Fahrzeuge nur in einer Ent- 
fernung von mindestens 200 Schritt von andern Fahrzeu- 
gen oder von bewohnten Gebäuden anlegen. Erreicht er 
den Bestimmungsort, so hat er der Polizeibehörde anzuzei- 
gen, dass das Fahrzeug Petroleum geladen habe und die 
Menge desselben genau anzugeben. Cr hat sodann das 
Fahrzeug auf den von der Polizeibehörde bestimmten Liege- 
platz zu fuhren und darf diesen Platz ohne Erlaubniss der 
Polizeibehörde nicht verlassen. 

§. 3. Die Löschung der Petroleum -Ladung muss in- 
nerhalb der von der Polizeibehörde bestimmten Frist be- 
wirkt werden. 

§. 4.' Schiffer, welche Petroleum in ihre Fahrzeuge 
einladen oder überladen, dürfen dies nur an der von der 
Polizeibehörde bestimmten Stelle bewirken, und mfissen den 
Hafen oder Ladeplatz binnen der vorgeschriebenen Frist 
verlassen. i 

§. 5. Auf Schiffen, welche Petroleum an Bord haben, 
oder einnehmen, sowie bei der Löschung, Lagerung und 
Einladung von Petroleum darf Feuer oder Licht nicht ge- 
macht und Tabak nicht geraucht werden. 

§. 6. Die Ausladung and Lagerung von Petroleum 
darf nur auf dem von der Polizeibehörde dazu bestimmten 
Platze stattfinden. 

IL Für den Transport zu Lande. 
A. auf Eisenbahnen. 

§. 7. Sendungen von Petroleum müssen mit besonde- 
ren Frachtbriefen, welche den Inhalt der Sendung deutlich 
erkennen lassen, aufgegeben werden. 

§. 8. Auf die mit Petroleum beladenen Wagen dürfen 
andere Waaren nicht beigeladen werden. 

§. 9. Mit Petroleum beladene Wagen dürfen in be- 
deckten Rfiumen (Güterschuppen) nicht aufgestellt werden. 
Dieselben sind auf beiden Seiten mit rothen Zetteln, auf 



welchen das Wort „Feuergefährlich^ deutlich zu lesen ist, 
und mit der Signatur „Petroleum^ zu versehen. 

§. 10. Die BeförderODg darf nur mit den Oijtenragen 
geschehen. Bei Nachtzügen darf Petroleum in mit Later- 
nen versehene Wagen nicht geladen wetden% 

§.11. Petroleum darf nicht in Güterschuppen und nur 
an solchen Plfitzen audserbalb derselben, wo brennbare 
Stoffe nicht in der Nähe sind, ans- oder eingeladen oder 
gelagert werden. 

Während dieser Arbeiten darf Feuer oder Licht in die 
Nähe nicht gebracht und Tabak von den dabei beschäftig- 
ten Personen nicht geraucht werden. 

B. auf anderen Wagen. 
§. 12. Wagen, welche mit Petroleum beladen sind, 
dürfen unter bedeckten Räumen nicht stehen gelassen und 
müssen unter steter Aufsicht gehalten werden. 

III. Aufbewahrung und Verarbeitung. 

§. 13. Petroleum darf in gröfsern Quantitäten nur in 
einzeln stehenden, nicht bewohnten Gebäuden gelagert wer* 
den. Für den Privatgebrauch oder den Detailhandel darf 
es nur in Quantitäten, welche 500 Pfund nicht übersteigen 
und nur in feuersicheren Räumen gehalten werden. 

§. 14. Das Raffiniren rohen Petroleums ist nur in 
Räumen gestattet, welche von der Polizeibehörde besonders 
genehmigt worden sind. 

§. 15. Debertretungen vorstehender Bestimmungen wer- 
den mit einer Polizeistrafe bis zu 10 Thalern geahndet 
werden. 

Mit Bezug auf vorstehende Verordnung weisen wir die 
Polizeibehörden unseres Geschäftsbezirks hiermit an, dafür 
zu sorgen, dass die besonderen Liege-, Lade- und Lager- 
plätze für Petroleum ein für alle Mal bestimmt und zur 
Eenntniss der Betheiligten gebracht werden. 

Magdeburg, den 7. Januar 1863. 

Eönigl. Regierung, Abth. des Innern. 



Eine gleichlautende Polizei-Verordnung ist von 
der Eönigl. Regierung zu Potsdam unter dem 22. Januar 
1863 erlassen worden. 



Die Sterblichkeit der Kinder in Berlin w&hrend der 
Jahre 1851-1860. 

Vom Stabsarzt Dr. £. Loewer in Berlin. 
(Fortsetzung.) 

Die im Herbst die höchste Sterblichkeitsziffer tragen- 
den fio-ankheiten sind Keuchhusten, Scharlach und Cholera. 
Hinsichtlich der letztem Krankheit steht es wohl fest, dass 



sie eine ausgemachte Vorliebe ffir den Herbst bat, und wir 
können zu den vielen und verheerenden Beweisen, die sie 
frfiher gegeben bat, auch noch den aus unserm lOj&hrigen 
Zeiträume hinzufügen, in dem sie im Sommer und im Herbst 
in dem Verh&ltniss wie 1 : 7| auf die Kinderwelt verbee- 
rend eingewirkt hat. Dass das Scharlachfieber hauptsäch- 
lich im Herbst tödtlich geendet bat, lässt sich vielleicht 
zum Theil aus dem Umstände erklären, dass hier am leicb- 



43 



testen darch UnTorsichtigkeiten Nachkrankheiten mit tödt* 
liehem Aasgaoge herbeigeffibrt werden, indem die oft hei- 
tern, aber in der Temperatur oben so oft wechselnden Tage 
mehr lam frohen Verlassen des Zimmers auffordern, als 
im Winter, wo die anhaltende niedere Temperatur die El- 
tern mehr zur Vorsteht mahnt. Werden in der letzteren 
Jahreszeit die Vorsichtsmaafsregeln aufser Augen gesetzt, 
so wird natürlich auch hier die bittere Strafe nicht ausblei- 
ben, und in der That sehen wir den Winter nach dem 
Herbst die höchste Zahl von TodesfSUen tragen. Am we- 
nigsten sind Frühjahr und Sommer belastet, die sich zum 
Herbst fast wie 1 : 2 stellen, weil hier offenbar Unvorsich- 
tigkeiten noch am ungestraftesten vorüber gehen. Der 
Keuchhusten überragt mit seiner Sterblichkeit im Herbst 
ganz evident die andern Jahreszeiten, sein Binfluss ist da- 
her nicht abznläugnen. Aber das Wodurch? ist eine nicht 
zu beantwortende Frage, sicher hat unser Klima einen be- 
deutenden Einfluss darauf. Nach ihm tritt der Winter in 
die Reihe, Frühling und Sommer liefern fast eine gleiche 
Anzahl von Sterhefälle. In dem ob^ citirten Bericht über 
Mariahilf wird angeführt, dass die höchste Erkrankungszif- 
fer an Keuchhusten mit 5 pCt. auf den Juli fiel, die An- 
gabe des Sterblichkeitsverh&ltnisses fehlt leider. Auch in 
Smith >), der die Keuchhusten-Epidemieen in England sta- 
tistisch betrachtet, finden wir keine Stütze, da er ein ganz 
anderes Resultat gefunden hat, als wir. Nach ihm erreich- 
ten die Sterbefälle ihre Höhe Ende M&rz und Anfangs 
April und hatten den niedrigsten Stand im August« Er 
folgert daraus, dass die Zahl der-Todesfälle und der Wärme- 
grad zu einander im umgekehrten Verhältnisse steheh. 
Romberg ') sagt, dass Herbst und Frühjahr, schnelle Ab- 
wechselung der Temperatur und hygrometische Verhältnisse 
der Luft den Keuchhusten-Epidemieen günstig sind, denen 
eine katarrhalische Basis gemeinschaftlich, jedoch der stap 
tionäre Genius ein verschiedenes Gepräge giebt. 

Die Krankheiten, bei denen die Sterblichkeit mit kei- 
nem erwähnenswerthen Unterschied nach den Jahreszeiten 
hervortritt, sind Zellgewebsverhärtung , Trismus und Teta- 
nus und Scrofeln und Rbachitis. Die Zahlen sind zwar in 
keiner Jahreszeit gleich, doch ist die Differenz für einen 
lOj&hrigen Zeitraum nicht bedeutend genug, um zu einem 
entscheidenden Schlüsse zu berechtigen. Bei Scrofeln und 
Rbachitis trägt der Frühling noch die höchste Sterblichkeits- 
aiffer, und es ist wohl erlaubt, Nachwehen des Winters zu 
"^ermothen, während dessen die mit der Krankheit behafte- 
3Q Kinder in den oft engen, dumpfigen Wohnungen ein- 
, "eawfingt gewesen sind und die für sie so nöthige frische 



*) Schmidt'« Jahrbücher für die gesammte Medioin 1855. 
.356. 

^} Romberg, Lehrbach d. NervenkrankbMten. Berlin 1853. 
d. I. p. 434. 



Luft entbehrt haben. Beim Trismus und Tetanus hat der 
Sommer einen geringen Ueberfluss, gewiss aus demselben 
Grunde, ans dem Krämpfe und Zahnen in ihm am häufig- 
sten tödtlich verlaufen. 

Wir haben die Pocken nicht in obige Zusammenstel- 
lung aufgenommen, weil während des 10jährigen Zeitraums 
eine beträchtliche Epidemie vorgekommen ist, die ihren be- 
stimmten Gang eingehalten hat, aufser derselben aber nur 
vereinzelte Todesfälle eingetreten sind. Hätten wir die spo- 
radischen Fälle mit den epidemischen zusam menge fasst, so 
hätten wir nur ein unreines und zu falschen Schlüssen ver- 
leitendes Bild vorfuhren können. Im Jahre 1855 ist kein 
einziger tödtlich verlaufender Pockenfall vorgekommen, im 
Jahre 1851 sind 22, 1852: 24, 1853: 8 und 1854: 9 To- 
desfälle verzeichnet, die auf alle Jahreszeiten vertheilt sind. 
Die Epidemie begann im Mai 1857 mit 4, erreichte im 
Mai 1858 ihre Höhe mit 48 und sank dann allmälig bis 
zum Juli 1859 mit einem Todesfall aus dem kindlichen 
Alter. Im Jahre 1860 sind nur 3 'Todesfälle notirt Wir 
können somit für die Pocken nur sagen, dass, wenn sie 
sporadisch auftreten, sich die Todesfälle auf alle Jahres- 
zeiten vertheilen, dass aber bei epidemischem Verlaufe ihre 
Zahl im Verhältnisse zum Gange der Epidemie stehen 
wird. 

Ueber den Einfluss des Alters und Geschlechts auf 
den tödtlichen Verlauf der Krankheiten giebt uns die Zu- 
sammenstellung eine Uebersicht, wie sie Tabelle XV. vor- 
führt. 

Um zuerst die beiden Krankheiten vorweg zu nehmen, 
die sich auf das erste Lebensjahr beschränken, so sehen 
wir bei der Lebensschwäche bedeutend das männliche Ge- 
schlecht überwiegen. Es fällt mit dem zusammen, was be- 
reits vorhin im Allgemeinen über das Prävaliren des männ- 
lichen Geschlechts gesagt ist, speciell mit dem Umstände, 
dass die Knaben während der Geburt gröfsern Gefahren 
ausgesetzt sind, als die Mädchen. Bleiben sie lange in der 
Geburt stehen, entwickeln sie sich langsam, und kommen 
sie dann Scheintod t zur Welt, so gelingt es wohl oft, 'den 
noch glimmenden Lebensfunken in ihnen wieder anzufa- 
chen, aber gar zu oft erlischt er auch bald wieder und 
brennt nicht weiter. Bei der Zellgewebsverhärtung über- 
wiegt das weibliche Geschlecht dem männlichen um 9 To- 
desfälle. Ist es gerechtfertigt, auf diese Differenz einen 
Schlnss zu bauen? Wir zweifeln fast. Immerhin können 
wir aber bei der Seltenheit der Krankheit einerseits und 
bei der Gröfse unseres Beobachtungsfeldes andererseits auf 
diesen Unterschied aufmerksam machen, vielleicht führen 
spätere Untersuchungen seine Feststellung herbei. Bei der 
Abzehrung kommen die meisten Todesfälle auf das erste 
Jahr, das sich zum zweiten Jahre wie 3, resp. 2|:1 ver- 
hält. Auch in letzterem steht die Sterblichkeit fast in dem- 
selben Verbältniss zum folgenden Lebensjahre, etwas gün- 



44 



Tabelle XV. 



KranilieitBbenennuiig. 



Von 
0^1 Jahre 


Von 
1-2 J, 


Von 
2-3 J. 


Von 
3-4 J. 


Von 
4—5 J. 


Von 
5-^10 J. 


Von 
10 15! J. 


1 


g . 
'S. 


1 


1 


1 


1 


1 




J 


1 


^ 


1 


1 


S.- 


2662 


2080 
























3069 


2545 


996 931 


329 


360 


145 


183 


72 


117 


139 


147 


35 


49 


2886 


2528 


437 412 


68 


70 


31 


25 


22 


18 


29 


38 


6 


7 


1364 


1203 


678 603 


207 


191 


87 


94 


: 40 


64 


101 


79 


17 


19 


149 


127 


260 


220 


228 


166 


208 


i59 


138 


120 


164 


163 


15 


21 


918 


251 


116 


170 


46 


75 


13 


37 


20 


17 


7 


11 






549 


429 


133 


113 


55 


57 


33 


35 


13 


19 


25 


19 


10 


15 


912 


672 


635 


622 


350 


345 


205 


193 


114 


110 


180 


154 


20 


24 


2842 


2390 


555 


545 


188 


191 


106 


74 


38 


48 


44 


58 


10 


5 


633 


553 


362 


346 


20 


26 


















522 


389 


5 


6 


2 


1 










1 




2 




741 


570 


9a 


85 


46 


37 


30 


33 


26 


15 


42 


41 


10 


23 


111 


102 


194 


164 


188 


172 


191 


191 


145 


134 


288 


283 


34 


33 


171 


152 


136 


111 


77 


88 


35 


41 


1^ 


29 


35 


34 


9 


5 


94 


103 


























43 


35 


51 


57 


57 


51 


39 


38 


39 


27 


88 


90 


45 


48 



1. LebensBchwäöhe . ... . . 

2. Abzehrang .. . . • . . . . 

3. Durohfall nnd Brechdarchfall . 

4. Entzündung der Reepirations- 
■ Organe , . . . . ... 

5. häutige Bräune ...... 

6. Keuchhusten ;....... 

7. Lnngenfichlag und Lungenl&h- 

mung . 

8. GehimentzfinduDg und hitziger 

Waaserlcopf ...... 

9. Krämpfe ........ 

10. Zahnen 

11. Trismufl nnd Tetanui . . . 

12. SchlagfluBB ....... 

13. Acute Exantheme ezcL Pocken 

14. Scropheln und Rachitis . . . 

15. ZellgewebeyerhärtuBg . . .. 

16. Cholera ........ 



stiger gestaltet Bich das Verhältniss des dritten Jahres sam 
vierten. Später verliert der Tod durch Abzehrang seine 
Bedeutung fSr das Alter, da seine Ziffern nicht mehr so 
betrSchtlich sind. Es findet demnach vom Isten bis 4ten 
Jahre eine sprungweise Abnahme und cwar so bedeutend 
statt, dass sich das 4te Jahr zum Isten wie 1 : 21 resp. 14 
verfa&It. Der Orund liegt auf der Hand^ je junger, je 
schwächer das Kind ist, desto mehr wirken die schädlichen 
Potenzen auf seine Kräfte aufreibend ein, je älter es wird, 
desto mehr vermag es zu widerstehen. ; Diese Widerstands- 
kraft wächst aber nicht mit jedem vorrückenden Jahre nur 
um das Doppelte, sondern in hdbern Proportionen. Sehr 
aufflllig tritt die Verschiedenheit des Geschlechts bei der 
Hohe der Todesfälle hervor. Während des Isten n. 2teo 
Jahres, besonders in ersterem, überwiegt das männliche 
Geschlecht, vom Ende des 2ten Jahres an bis zum Schlüsse 
der Einderjahre sind stets mehr Mädchen als Knaben durch 
Abzehrung zu Grunde gegangen. Diese Verschiedenheit 
tritt am Auffälligsten vom 4ten zum 5ten Jahre hervor, in- 
dem die Todesfälle der Knaben zu denen, der Mädchen wie 
1 : 1,54 sich verhalten. Die Erklärung dieser Differenz ge- 



schiebt leicht durch die, wie ESttner^) sagt, anerkannte 
Thatsache, dass sich Knaben in der ersten Kindheit weit 
zarter und empfindlichen gegen anpassende Nahrung zei- 
gen, nameptlicb aber schwieriger durch kunstliche AuffSt- 
terung zu erhalten sind, als Mädchen. So sterben denn die 
Knaben, die sich in diesen Verhältnissen befinden, in deo 
ersten Kinderjahren hin, dann aber wächst ihr Widerstands- 
vermögen und Qbertrifft das der Mädchen, an die dann die 
Reihe kommt, die gröfsere Zahl der Opfer zu liefern. 

Eine gleiche sprungweise Abnahme nach dem Alter 
sehen wir auch beim Durchfall und Brechdurchfall. Hier 
fiberwiegt ebenfalls das iste Jahr aufserordentlich, da e» 
zum 2ten in dem Verhältniss von 6,60 resp. von 6,11:1 
steht Auch vom 2ten zum 3ten Jahre findet ein bedeu 
tender Sprang statt, sie verhalten sich wie 6,42 resp. 5,81:1 
Nach Ablauf des 3ten Jahres sind die Todesfälle nach obi 
gen Ki'ankheiten überhaupt nicht mehr bedeutend, verrio 
gern ihre Zahl aber noch fortwährend bis zum Ende de^ 



*) Behrend und Hildebrand, Journal für Kinderkrankh« 
ten 1859. Bd. 32. p. 4. 



45 



Kinderjahre. Dies ekfataate Resultat bereobtigt zu dem 
Schiasse, dass hauptsficblich für das erste Lebensjahr die 
Krankheiten der Digestionsorgane gefahrbringend sind, dass 
sie auch noch im 2ten Jahre viele Opfer fordern, dass da- 
gegen vom Ende des 2t«n, noch mehr des 3ten Jahres an 
das Alter aufhört, sur Begründung einer ungfinstigen Pro- 
gnose beizutragen. Das .Geschlecht scheint nur für daß er- 
ste Lebensjahr einen Unterschied zu bedingen, wo die Ster- 
befälle der Knaben ein Plus von 358 den MSdchen gegen- 
über zeigen. Die Differenz, die sich in den andern Alters- 
klassen herausstellt, ist nicht bedeutend genug, um zu Wi- 
llem Schlüsse zu berechtigen und scheint in ihnen eine 
ziemlich gleiche Betheiligüng der Knaben und Madchen ob- 
zuwalten. Kuttner ^) ist bei seinen Untersuchungen zu 
dem Resultate gekommen, dass die Sterblichkeit sich bei 
beiden Geschlechtern fast ganz gleich verhält, indem die-^ 
selbe im Isten Lebensjahre 31 pCt. (von 606 Knaben star- 
ben 186, von 502 Mädchen starben 156), im 2ten dagegen 
nur etwalOpCt. (von 151 Knaben 15, von 174 Mädchen 
18) betrug, daher nur in letzterem sich etwas günstiger 
für das weibliche Geschlecht stellte. Brunniche ') fühlt 
sich bewogen, aus 16 Todesföllen, die nach Krankheiten 
der Verdauungsorgane eintraten und die nur Kinder vom 
vollendeten 2ten Lebensjahre an trafen, den Scbluss zu zie- 
hen, dass das männliche Geschlecht eine ungünstigere Mor- 
talität zeigt, als das weibliche, weil das erster e mit 9, das 
letztere nur mit 7 Fällen betheiligt ist 
(Fortsetzung folgt) 

Bericht Ober die Anstalt fOr Cremüths- ond Nerven- 
kranke za Sinzig a. Rh. 

Von Dr. Aschmaiin. 

Wo das romantische Abrthal sich in weiter Ebene in 
das Rheinthal öfiPnet, etwa 20 Minuten vom linken Rhein- 
ufer entfernt, liegt, an das reben bepflanzte Gebirge ange- 
lehnt, das freundliche Städtchen Sinzig mit seiner durch 
die Reinheit ihres Baustyls ausgezeichneten, eben in der 
Restauration begriffenen Kirche. Die fruchtbare Thalebene, 
mit Schlössern und Landhäusern geschmückt, von der fisch- 
reichen Ahr durchflössen, bildet mit dem jenseits des Rheins 
sich hinziehenden malerischen Gebirgszuge, den das Auge 
bis zum Drachenfels verfolgt, eines der lieblichsten Pano- 
ramen, welche der Rheinstrom aufzuweisen hat. Die se- 
*^enswertben Schlosser Rheineck und Argenfels, die Städte 
^Jnz und Remagen mit der berühmten ApoUinariskirche, 
las Sagenreiche Siebengebirge, das pittoreske Abrthal mit 
!em jungen, rasch aufblühenden Bade Neuenahr, das an 



') B ehrend und Hildebrand Journal für Kinderkrankhei- 
1 Bd. 32. p. 3. 
») a. a. 0. Bd. 33 p. 327. 



überraschenden Ansichten ebenso reiche Brohlthal mit sei- 
nen zahlreichen, jetzt wieder der Vergessenheit entrissenen 
Heilquellen bilden die weithin allen Bewunderern der Na- 
tur und so vielen Heilbedürftigen wohl bekannte Nachbar- 
schaft von Sinzig. 

Die reine Bergluft» welche von den noch nicht ganz 
ihres Waldsclunuckes beraubten Höben herabweht, das sel- 
tene Vorkommen der schroffen Temperatur Wechsel, wel- 
che den. rechtsrh^nischen Seitenthälern ihre gefürchteten 
Morgen- und Abeindnebel bringen, der vulkanische Boden, 
auf welchem die vorzüglichsten Etothweine gedeihen, ma- 
chen das Klima unserer Gegend berühmt wegen seiner Sa- 
Inbritäty was nicht nur durch wissenschaftliche Autoritäten 
hinreichend nachgewiesen, sondern auch dadurch, dass Epi- 
demien selten hier beobachtet werden, bestätigt wird. 

In dieser, von der Natur so reich ausgestatteten Ge- 
gend liegt auf der linken Seite der Ahr» unterhalb der 
Stadt Sinzig meine Anstalt für Gemüths- und Nervenkranke, 
welche am 15. November v. J. eröffnet worden ist. Man 
gelangt am besten hierher mit der rheinischen Eisenbahn, 
indem mit Ausnahme der Schnellzüge alle Züge an der 
Station Sinzig halten. Das Anstaltsgebände ist etwa 10 
Minuten vom. Bahnhofe entfernt Diejenigen, welche vor- 
ziehen auf dem Dampfschiff zu fahren, reisen am besten 
bis Remagen, wo eine Landnngsbrücke ist, und gelangen 
in einer halben Stunde hierher. Die Zimmer des in ein- 
fachem Stjle erbauten Gebäudes sind alle freundlich und 
hell und gestatten die Aussicht auf die jenseitigen Rhein- 
berge ; die Corridore sind ebenfalls hell und sehr geräumig. 
Die Badeeinrichtnngen sind möglichst vollständig nnd zweck- 
mäßig; die Heizung der Bäder geschieht mittelst Dampf. 

Das umliegende zur Anstalt gehörige Areal ist ziem- 
lich ausgedehnt nnd bietet hinreichenden Raum zu Spazier- 
gängen und Erholungsplätzen, zu Feld- und Gartenarbeiten. 

Nirgends im Hause findet sich eine eiserne Stange oder 
ein besonderes Schloss, wie man sie in den Anstalten für 
Irre zu finden gewohnt ist. Ueberhaupt sind alle Vorrich- 
tungen, sowohl an Mobilien als Immobilien aufs Strengste 
vermieden, welche überhaupt daran zu erinnern im Stande 
wären, dass es eine Anstalt für Seelengestörte ist. 

Ebenso haben wir aufs Bestimmteste alle Beschrän- 
knngsmittel für die Kranken bei Seite gelassen und wer- 
den auch so leicht nicht zu denselben greifen. 

Bis zum Ende des Jahres 1862 waren 10 Kranke auf- 
genommen, von denen 3 dem Regierungs - Bezirk Düssel- 
dorf und 7 dem Regierungs-Bezirk Göln angehören. 9 dar- 
unter sind Katholiken nnd 1 Kranker ist mosaischen Glau- 
bens. — 5 Kranke sind männl., 5 weibl. Geschlechts. 

Dem Hauswesen steht eine ältere Dame vor, welche 
schon in ähnlichen Anstalten lungirt hat Dieselbe leitet 
und überwacht aufserdem die häuslichen Beschäftigungen. 
Im Sommer werden der Garten und die benachbarten Fei- 






46 



der vielfach Gelegenheit za BescbSfdgaog geben. Bis Jetzt 
iit bereite eiogefQhrt, daee ein Lehrer aas Sinzig t&glieh 
mehrere Privatstanden ertbeilt 

In der Stadt Sinzig stehen mehrfach Wohnungen zar 
YerfSgang far Kranke, so dass Nervenkranke, welche gern 
frühzeitig sich einer geeigneten Behandlang anterziehen wol- 
len, hier ein passendes Unterkommen finden. 

Wir legen aaf diese grofsere Freiheit der Kranken ei- 
nen grofsen Werth. Nicht als ob damit gesagt sein sollte, 
dass wir es für möglich hielten, alle Seelengestorten aaf 
diese Weise an behandeln, und dass derRestraint in allen 
Ffillen entbehrlich wfire; es wfirde dies ein Irrtham anse* 
rerseits sein, der bei andern Irrenfirzten Missdentangen her- 
beiführen könnte. Wir sind vielmehr der Ueberzeugang, 
dass es Kranke giebt, die darchaas nicht anders als dorch 
körperliche Beschr&nkangen za halten sind, mögen diesel- 
ben in einer Jacke and dergl. oder in einem gepolsterten 
Zimmer bestehen. Es wird kein verst&ndigen Irrenarzt die- 
selben in allen Fällen für uberflassig erklären wollen. Wo 
man die nnmittelberen Zwangsmittel mehr verlassen hat, 
mnss man die Binsperrang in den Vordergrand treten las- 
sen and umgekehrt. Welche von beiden Beschränkungen 
für die Kranken die passendste ist, dQrfte schwer zu ent- 
scheiden sein. Uns erscheint es am zweck roäfsigsten, keine 
dieser Methoden aaf Kosten der andern fernzuhalten und 
auszascbliefsen, sondern soviel als möglich beide gleichmä^ 
fsig anzuwenden. 

In unserer Anstalt wollen wir aber gar keine zur An- 
wendung bringen und ziehen vor, alle diejenigen Kranken 
in andere Verhältnisse zu bringen, welche nicht ohne Be- 
schränkungen zu halten sind. Das Familienleben schlagen 
wir in vielen Fällen noch höher an, als den Aufenthalt in 
der Anstalt, wenn die geeigneten Leute dazu zu finden sind. 

Creburts- and Sterbe-Liste tod Berlin fDr December 

1862. 

Im Monat Deebr. d. J. sind in Berlin 

geboren: 975 Knaben a. 811 Mädchen, zus. 1786 Kinder, 
gestorben: 880männl., 707weibl.Geschl., z us. 1 587 Menschen, 
mithin mehr geboren als gestorben: 199 

Getraut wurden 399 Paare. — Unter den Geburten ereig- 
neten sich 28mal Zwillings -Geburten. — Uneheliche Kin- 
der worden geboren 292 (159 Knaben und 133 Mädchen), 
es starben 172 £96 Knaben und 76 Mädchen), worunter 138 
im ersten Lebensjahre. 



Lebene 


alter der Verstorbenen« 




Todt- 


Es starben im Alter 


gebo- 






. 




u 




ren 


t0 


\u]^ 


1 


u 


1 


A 




zosammen 


wur- 




:!- 


u 


u 


den 


•n 


A 


•^ 
o 


lA 


S 


s 




s 


s>t 


n 


ZA 




1 


.2 


1 


T 


I 


1 

lA 


^ 


-* 


i 


kk 


0iA 




67 


39 


445 


295 


5130 


25 


221 


186 


189 


36 


3 


821 


660 



Eines gewaltsamen Todes starben 34 Menschen, und 
zwar: durch Verungluckung 21, nämlich: 2 Frauen durch 
Ertrinken, 5 Männer in Folge von Kopfverletzungen, 2 
Männer und 1 Knabe durch Verbrennung, 1 Mann, 2 Frauen 
und 1 Mädchen an Erstickung, 5 Männer in Folge eines 
Sturzes oder Falles, 1 Mann durch Quetschung, und 1 
Mann durch Erfrieren; durch Selbstmord 13, nämlich: 7 
Männer, welche sich erhängten, 3 Männer, die sich erschos- 
sen, 1 Mann, der sich erstach, und 2 Männer, welche sich 
vergifteten. 

Die 1587 Todesfälle überhaupt ereigneten sich anter 
folgenden näheren Krankheits- und Geschlechts -Verhält- 
nissen: 



Es starben: 



Todtgeboren 

Durch Lebensschwäche bald nach der Geburt 

Tod in Folge angeb. Bildungsfehler 

Alterschwäche 

Selbstmord ........ 

UngIGcksfälle 

An Eklampsie d. Schwangeren o. Gebärenden 

- Verblutung bei und nach der Entbindung 

- Wochenbettfieber 

An innern akuten Krankheiten: 

Pocken ' 

Scharlach 

Masern ... 

Blasenausschlag 

Schwämmchen 

Keuchhusten 

Gastrisch-nervöses Fieber und Typhus 
Katarrhalisches Fieber und Grippe 

Rheumatismus 

Rothlauf 

Zellgewebeverhärtung der Kinder . . 
Durchfall u. Brechdarchfall der Kinder 

Entzündung des Gehirns 

Brandige Bräune 

Häutige Bräune 

Mandelbräune 

EntzSndung der Luftröhre .... 
des Brustfells u. d. Lungen 



B 

e 
n 

S 


3 
1 


67; 39 


29 


23. 


1 


1 


29 


54 


13 


— 


16 


5 


— 


2 


— 


2 


— 


23 


6 


9 


4 


5 


34 


29 


1 
3 


1 


-.— 


42 


20 


1 


6 


4 


1 


6 





1 


— 


6 


7 


31 


28 


5 


1 


31 


35 


3 


— 


22 


25 


621 


42 



s 
a 

D 

«5 



106 

52 

2 

83 

13 

21 

2 

2 

23 



T5 
9 

63 
1 
1 
3 

62 
7 
5 
f 
1 

13 



— 3 
4- 
if 



i 



47 



fis Starben: 



EntzündaDg des Herzens .... 

des Rackenmarks . . . 

des Magens und des Dann- 
kanals ...... 

des Baachfells . . • • 

der Leber 

des Unterleibs ohne nähere 
Angabe des Organs . • 

An innern chron. Krankheiten: 

Organ. Krankheiten des Gehirns . . 
des Ruckenmarks 
des Herzens • . 
der Lungen . . 
der Leber . . , 
der Speiseröhre, d. 
Magens und des 
Darmkanals . . 
Sonstige organ. Krankheiten des Unter- 
leibs 

Blutfleckenkrankheit 

Brust Wassersucht ........ 

Bauchwassersucht 

Allgemeine Wassersucht 

Brightsche Nierenkrankheit .... 

Gicht 

Syphilis 

Skrofeln und englische Krankheit . • 

Tuberkulose des Gehirns 

der Lungen (Hals- u. Lun- 
genschwindsucht) . . . 

Darmschwindsucht 

Tuberkulose ohne nähere Benennung. 
Chronische Hautkrankheiten .... 

Krebs der Kiefern 

der Brust 

des Magens 

des Leber 

der Blase .....«•. 

des Unterschenkels 

der Gebärmutter 

Mark- und Blutschwamm 

. Starrkrampf (Tetanus, Trismus) . . 

Epilepsie 

Eklampsie der Kinder ...... 

Säuferwahnsinn 

Andere Geisteskrankheiten .... 

A n plötzlichen Krankheitsfällen: 

Oefaimschlagfiuss 

Lungen- und Herzschlag 

Nervenschlag — tödtliche Ohnmacht . 

ä äufsern Krankheiten: 

Maries und Nekrose 

Dhron. Entzündung der Gelenke . . 
Vncheinklemmung 



1 


3 
1 


n 


1 


2 

1 


•\ 


6 


,^^ 


6 


1 


""" 


1 


1 


2 


3 


5 


12 


17 


13 


6 


19 


— 


1 


1 


11 


9 


20 


9 


6 


15 


2 


1 


3 


5 


7 


12 


5 


6 


11 


1 


1 


2 


3 


3 


. 6 


— 


1 


1 


20 


8 


28 


5 


1 


6 


1 


2 


3 


1 


— 


1 


5 


4 


9 


2 


3 


5 


100 


74 


174 


1 


— 


1 


— 


2 


2 


— 


1 


1 


1 


— . 


1 


— 


1 


1 


2 


3 


5 


1 


1 


2 





1 


1 


— 


1 


1 


— 


3 


3 


1 


— 


1 


12 


8 


20 


1 


3 


4 


79 


47 


126 


2 


1 


3 


3 


1 


4 


41 


25 


66 


13 


13 


26 


1 


2 


3 


7 


3 


10 


— 


1 


1 


2 


1 


3 



Es starben: 



Brand der äufsem Gliedmafsen. . . 

Vereiterung des Zellgewebes und der 
Drüsen 

Nabelentzündung 

Todtlicher Ausgang von chir. Operatio- 
nen (Verblutung, Pyämie etc.) . . 

Andere chirurgische Krankheiten . • 

An nicht bestimmten Krankheiten 
od. unter wissenschaftlich nicht 
zu rubrioirenden Krankheitsbe- 
nennungen: 

Abzehrung .•..•.•••• 

Lungenlähmung . 

Zahnen 

Blutentmischung 

Nicht benannte Krankheiten : . . . 



45 

30 

4 

1 

3 



39 

33 

3 

3 



a 

s 

CO 



1 
1 

5 
9 



84 

63 

7 

1 

6 



880i 70711587 



Tagesereignisse nnd anderweite Mittheilungen» 

— Wochenbericht der hiesigen öffentlichen £[k*an- 
kenhäuser: 

Bectand Wöchl. Wöchl. hierunter Bestand 
24. Jan. Zugang Abgang Todesfälle 31. Jan. 
Bethanien .... 299 31 43 % 287 

Hedwigs -Krankenh. 218 56 56 7 218 

Elisabeth-Krankenh. 70 7 3 1 74 

Judisches Kranlcenh. 40 4 10 1 ' 34 



daxn Charite 



627 
1346 



98 112 



12 



613 
1357 



1973 1970 

In Bethanien waren Rheumatismus und Masern vor- 
herrschend. 

— Die Pocken gewinnen wieder in mehreren Gegen- 
den, besonders der östlichen Provinzen des Preufs. Staates 
gröfsere Verbreitung. Vorzugsweise ist die Stadt Stolp im 
Cösliner Reg.-Bezirk davon heimgesucht. 

— Der auch von uns vielfach angeregten Hygiene 
der hiesigen Schulen, für die leider wegen der eigenthüm- 
lichen Ressortverhaltnisse die Medicinai -Behörde wenig zu 
thun im Stande ist, wird nunmehr, wie wir boren, durch 
einen Beschlnss des Königl. Ober - Präsidiums der Provinz 
Brandenburg eine unerwartete Förderung zu Theil werden. 
Es hat dies n&mlich eine sanitätspolizeiliche Revision der 
hiesigen Gymnasien durch eine Kommission angeordnet, 
welche aus einem Mitgliede des Medicinal-Kollegii und ei- 
nem Mitgliede des Provinzial-SchulkoUegii besteht. Seitens 



48 



des Ersteren ist dazu der Geb. Medicinal-Rath Dr. Ebert 
ernanot. 

Mag die Wirksamkeit dieser Eommiqsioo eine recht 
segensreiche werden, und recht bald auch auf die abrigen 
hiesigen Schulen sich ausdehnen. 

— In Rio Janeiro herrschen Cholera und gelbes 
Fieber. Auch in Peshawur in Indien grassirt die Cho- 
lera noch unter den Europäern. 

— Auf Malta soll die Taenia ungemein häufig sein 
und Ton dem Genuss rohen Schweinefleisches herrühren. 

— Die in Englischen Blättern mehrseitig gerühmte 
Wirksamkeit der Sarracenia purpurea gegen die Men- 
schenpocken dürfte auch bei uns, wo gegenwärtig die 
gröfsere Ausbreitung der Pocken an Gelegenheit dazu es 
nicht fehlen lässt, zu Versuchen auffordern. Dr. Morris 
in Halifax äufsert über die Gebrauchsweise: er habe alle 
Theile der Pflanze immer mit Erfolg angewendet; man lasse 
eine Drachme irgend eines Theiles derselben mit 1 Pinte 
Wasser bis zum Ruckstande von einer halben Pinte infun- 
diren und davon 3stundlich die ganze Krankheit hindurch 
ein Weinglas voll trinken ; stärkere Gaben machen bei jün- 
geren Kranken Reizung zum Erbrechen. 

— Wie gering die Sterblichkeit der Wöchnerin- 
nen in EngTischen Arbeitshäusern (Workhouses) ist, er- 
giebt eine Blittheilnng von James Smart, Medicinal- Be- 
amten in Bethnal-green Workhouse, in tbe Lancet. In dem 
genannten Hause kamen in 10 Jahren 610 Entbindungen 
vor und die Zahl der verstorbenen Mütter beschränkte sich 
auf zwei, von denen Eine an Ruptur des Uterus, die an- 
dere an Fieber starb. Der gröfste Theil der Frauen war 
unverheirathet. 

Literatar. 

Handbuch der Medicinal- und Sanitäts-Polizei. 
Nach eigenen Erfahrungen und nach dem neuesten 
Standpunkt der Wissenschaft und der Gesetzgebung 
für Aerzte und Verwaltungs- Beamte. Nebst einem 
Anhang die Veterinär -Sauitätspolizei bearbeitet von 
Dr. Adolph Lion sen., prakt. Arzt etc. zu Berlin. 
Iserlohn bei J. Baedeker 1862. 500 S. 8. 
Wenn dies Werk zwar zum Gebrauche des Medicinal- 
Beamten nicht ausreicht, so darf es doch Studirenden und 
Aerzten, welche mit dem Wissenswertheäten der Medicinal- 
und Sanitäts-Polizei bekannt werden wollen, empfohlen wer- 
den. Sollte eine zweite Auflage nöthig werden, so wäre 
zu wünschen, dass der Herr Verfasser Uebertreibungen ver* 



miede, wie bei spiele weise 8« 180, wo es beifsr, „da»s man la 
den belebtesten Orten Berlins auf den Trottolrs im Urin und 
Koth gehe**, 

AnieigeiL 



In den Oster- Ferien werde ich täglich von 5 — 6 Uhr 
einen kliui stoben Cursus für Chirurgie und Oph- 
thalmologie geben y in welchem ich, wie bisher bei der 
Vorstellung von Kranken besondere Rücksicht aaf Dia- 
gnostik und Encheirese nebmea werde. — Anfang: 
16. März. 

Anmeldungen nehme ich t^lich in meiner WohnuDg 
Krausnickstr. JO* um 4 Uhr, — in meinem Klinikum Li'' 
nienstr. 1 46* (nahe der Friedrichsstr-) am *2 Uhr entgegen. 

Hermann Friedberg. 

Die Krankenheiler Q^nellsalzseife, 

aus den Kr^pkt^ubeiler-Jod^cbivefelhrunnen heroitet, ist nach Äl- 
testen dt>r anerk an niesten AerzU^ Deulachlanüs j^^gen Unreinlg* 
keit der Haut itiid alle HaatkrankhdtoD , Scrophelnf Fkchten, 
Drüsen f Verhartuu^^^n , (jeKt^liwüJ'e (.sclhnt sjlfhiliti^ctier und 
bösartiger Naturi, äckriindeflf namentlicli aucfi ge^n Froiitteii* 
len 'etc» etc. das sicherste und zugleich uriflchädlicltstc 
Heilmittel, indem sie, sowie £iut'h die Krankenheiler 
Brunnen, niemals eine Krank heil in Jon Kürper zu- 
rücktreibt^ sondern sie aus dem Körper ausN^bcidet. 
Sie dient auch aU bewährtes I^liltel gegen das Aut>fiilJ«n der 
Haare in Folge von Seh würbe der Hatil, und bewirkt in FäHeo, 
wo die Haare nach Krankheilen ausgingen — was btn Damen 
80 häufig vorkommt — nach wenigen Wochen einen neuen kräf- 
tigen Haarwuchs. 

Es giebt drei verü^chiedene Sorten von Krankenhelkcr Quelle 
salzseife : 

1) die JoilitodAMeire, als aui^gezeichnete Toilelte^ 
seife und sichcri^s Pi-aseiTatii? mittel |;:eFen Unreinigkeit der 
Haut etc. Sie wird wie die gewöhnliche Toiletteseife gebraucht^ 
und iBt vlIs solche allen ko^mf^ttschen 8eifen zum 
täglichen Ge brauche unbedingt vorzuziehen, weil 
sie, von allen seil ad liehen BesLandtli eilen durchaus 
frei, neben ihrer medicrnisdien Wirkuns die Haut weifs. glatt 
und zart macht, und nicht theurer zu sJrhen koinnit, als andere 
gute ToikMieseife^ 2) die Joill»oilii«rli»erelMieire. ah 
Heilmitiet gei;en oben an^erüjtrte Krankheitsfälle; >Ji die ler» 
Ütftrkte 9<"^^^'^'^^^'**^"^> ^^'^ hartnackige oder veraltete 
Fälle, in denen die Jodsudasehwefel^eire nicht kräftig genug wir^ 
ken soUie. üies^e Seife ist von ^auz überrai^cheiider Heilkraft 
und bewirkt selbst in den hartnackigsten Füllen^ m denen an- 
dere Mitte! erfüIgluH geblieben, noch voll titiindi^e iküun^. 

Bei direkleni Be/uge tu« der Brunnen • Verwaltung Kran- 
kenheil in ToU (Ba^vern) ko^ilen l Paket Jodsoiia- oiler Jod' 
sodascfavTefeijaeife l Fi. 6 Kr. oder 19 ^^gr.^ J Paket verüitHrkte 
Quellsal/seife i Fl. &4 Kr, oder I Thir. 3 Sgr 

Die Krankenheiler Quellsalzsetfe ist auch 3tu beziehen durch - 
JF» F. He; I 11.^ C'omp. in Berlin, Sfiin. Itllter in Leip- 
zig, die jflultreiifiiioiheke in Dresden, J, lleiiiier* 
dlni^rr in Hamburg^ J* Heltir. Hr^PtiPiler in Frankfurt 
a. M, Ijiift. lilitl in Wien, Ntoll li. >^rlitiiiflt in 8t. Pe- 
tersburg und Moskau und alle A|JoLbeken und j>lmera)wa&f«er- 
Handlungen. 



Verlag von Th. Chr. Fr. Enslin (Adolph Enslin) in Berlia. — Gedruckt bei A. W. Schade in BerUn^ StaUichre itierfttr> 4?] 




Nene Folge. 
VI Jahrgang. 



PREÜSSISGHE 



DiM« Zeitung enoh«int wSchentüch. 

Der Preis des gensen Jahrgangs, welcher 

nicht getrennt wird, ist 3 Tblr. 20 8gr. 



MEDICINAL - ZEITUNG. 

Herausgegeben von dem Verein fQr Heilkunde in Preussen 

unter Benutzung amtlicher Hittheilnngen des KQnigl. Hinisteriams der geistlichen, Unterrichts- 
und Hedicinal-Ängelegenheiten nnd der K9nigl. Provinzial-Beh9rden. 

Bedacteni: £. Müller, Greh. Medicinal-Rath etc. 



1863. 




18. Februar. 



Inhalt. Amtlicher Theil; PerBonalien; Allerhöchster Erlass vom 10. I^ovember 1862; Verfügung; BekaDntmachangen. — Die 
Sterblichkeit der Kinder in Berlin während der Jahre 1851 bifl 1860; von £. Loewer. (Fortsetzung.) — Wittenings- und Krank- 
heita-Constitution Ton Berlin für Monat Jannar 1862. — TagesereignlBse und anderweite Mittheitnngen. — Bekanntmachung. 



Amtlicher TheiL 

PersonalieDe 

AüizeichnniigeiL 

8e. Majestät der König haben allergnädigst gemht, 
dem Stabs- ond Bataillons- Arzt Noethe des Isten Schle- 
sischen Jäger -Bataillons No. 5. den Rothen Adler- Ordeo 
dritter Klasse mit der Schleife, and 

dem E^reis-Phjsikas Dr. Gassei za Wollstein den Cha- 
rakter als Sanitfits-Rath za verleihen. 

^ Niederlassungen. 

Der General -Arzt Dr. Boeger ond die praktischen 
Aerzte DDr. Brack, Hein, Kellner and Steinbaasen 
haben sich in Berlin, Dr. Jacob Steinhaasen in Goln, 
Dr. Robden in Dasseldorf niedergelassen. 

Dr. Schütte ist von Heeringen nach Nordhansen ge- 
sogen. 

Apotheken-Angelegenheit. 
Dem Apotheker E. Goedecke ist die Concession za 
der neu angelegten Apotheke in Langendreer, Kreis Bo- 
chum, ertheilt worden. 

Todesfälle. 
Der Kreis - Physikus Dr. Bänke in Gels, der prakti- 
sche Arzt Dr. Knape*in Berlin, Dr. Rampelmann in 
Iserlohn and der Wandarzt zweiter Klasse Fischer in 
Tennstädt sind gestorben. 



Offene Medieinal-Stelle. 
Die Kreis-Physikats-Stelle im Kreise Gels, Reg.-Be- 
firk Breslau, ist erledigt. 



AllerhSchster Erlass vom 10« November 1862, 

betreffend die EinfBhrung und Anwendung der im Verlage 
des Geheimen Gber-Hofbnchdruckers Decker unter dem 
Titel „Pharmacopoea Borassica. Editio septima^ erschiene- 
nen neuen Ausgabe der Landes-Pharmakopoe. 

Auf Ihren Bericht vom 31. v. M. genehmige Ich, dass 
die im Verlage des Geheimen Gber-Hofbachdrackers Decker 
zu Berlin unter dem Titel: „Pharmacopoea Borassica. Edi- 
tio septima*' erschienene neue Aasgabe der Landes - Phar- 
makopoe vom 1. Jnli k. J. ab den Aerzten, Wandärzten 
und Apothekern, sowie den Behörden zur Richtschnur die- 
nen soll und setze zugleich hinsichtlich deren Anwendung 
far den ganzen Umfang der Monarchie, anter Aufhebung 
aller entgegenstehenden Vorschriften, Folgendes fest: 
1 ) Nach Maafsgabe der von dem Minister der Medicinal- 
Angelegenheiten aufzustellenden Series medicaminum 
sind die Arzneimittel in sämmtlichen Apotheken je- 
derzeit vorräthig zu halten. 
2 ) Die Apotheker dürfen zwar diejenigen chemischen und 
pbarmaceutischen Präparate, welche sie selbst zweck- 
mäfsig anzufertigen behindert sind, aus andern Apo- 
theken, chemischen Fabriken oder Droguenhandlan- 
gen entnehmen, sind aber für die Reinheit und Güte 
der angekauften Präparate unbedingt verantwortlich. 



50 



3) Wenn ein Atzt oder Wandarzt von den io der bei- 
ItegeDdeD Tabeile A. aufgeführten Arzneimitteln zom 
Innerlicheu Qebranch eine grofsere Dosis verordnet, 
ala dafletbst angegeben ist, so bat derselbe einer sol- 
chen DosiB dm deichen I beizofflgen. Hat er dies an- 
larlasaan, so tat der Apotheker verpflichtet, das Re- 
cept d€tD Ar2t oder Wandarzt zaruckzaschicken, wor- 
auf derselbe entweder eine geringere Dosis za ver- 
ordnen ^ oder das Zeichen 2 beizufügen hat. 

4) Die in der anliegenden Tabelle B. zusammengestell- 
ten Arzneiroitiel sind in abgeschlossenen Räumen nach 
den für die Aufbewahrung der Gifte bestehenden me- 
dictnaUpolizeilicben Bestimmungen zu verwahren. 

5 ) Die in der Tabelle C. angeführten Arzneimittel sind 



in abgesonderten Räumen und getrennt von den übri- 
gen Arzneimitteln aufzustellen. 
6) Hinsichtlich der Bestrafung etwaniger Zuwiderhand- 
lungen gegen vorstehende Anordnungen verbleibt es 
bei der Bestimmung unter No. 7. der B^abioet^-Order 
vom 5. Oktober 1846, Gesetz-Sammlung S. 509. 
Dieser Erlass ist durch die Gesetz-Sammlung bekannt 
zu machen und der siebenten Ausgabe der Landes -Phar- 
makopoe vorzudrucken. 

Berlin, den 10. November 1862* 

Wilhelm. 
V. Muhler. 
An den Minister der geistlichen, Unterrichts- und 
Medicinal- Angelegenheiten . 



Tabelle A. 

Enthält die Maxlmal-Dosen der Arzneimittel für einen Erwachsenen, welche der Arzt beim Verschreiben zum Innern 

Gebrauch nicht überschreiten darf, es sei denn^ da ss er ein Ausrufungszeichen (!) hinzufügt. 




Acidum arsenicosam 

AmmoDiacum caprico-snlphuricum . 
Aqua Amygdalaram amararum . • 
Argeutum Ditricum fusum . • . • 
Atropiuni salphoricum ....*. 

AurO'N&triam chloratam . • • • 

Cantharides pulveratae ^ . , • > 

Cuprum salphuricum 

Cupram «alpbnricum, quod pro eme- 
ticO) refracta dasi , . . . • 

EjcCracttitn Aconid 

E:£tractam BeUadonnae . . . . 

Bxtractam Colocynihidia . . . . 

Extractum Digitalis ...... 

Extractum Hellebori 

Extraclnui Ilyoscyanii , . . . . 

Extractom Opii ...••... 

Extractuiü Semiuiä Strychni aquo- 
sum 

Extractum Seminis Strychni spiri- 
tuoäum 

Folia Bellfidonoae pulverata . . . 

FoHa Digitaljä pulverata . • . • 

Folia HjDseyami pukerata . . . 

Fructus ColocynthldJa pulverati . . 

Gummi-resina GuUi 

Herba Comi macalati polverata . . 

Hydrargyruro bichlorat. corrosivum 



Grani pars. Aiodecim. 
Grana duoNv / 
Drachma dimidi^ 
Granum dimidium. 
Grani pars quinquage- 

sima. 
Granum unnm. 
Granum unum. 

Grana duo. 

Grana quindecim. 
Granum dimidium. 
Grana duo. 
Granum unum. 
Grana tria. 
Grana duo. 
Grana tria. 
Grana duo. 

Grana quatuor. 

Granum unum. 
Grana quatuor. 
Grana quinque. 
Grana quinque. 
Grana qninque. 
Grana quinque. 
Grana quinque. 
Granum dimidium. 



^-^ 1907 — r 

Gram pars aexla. 



Grana sex.^ 
Diäciuna^auae. 
Grana tria. 
Grani pars vicesima 

quinta. 
Grana tria. 
Grana quatuor. 

Grana sex. 



Grana 
Grana 
Grana 
Grana 
Grana 
Grana 
Grana 



duo. 

sex. 

sex. 

duodecim. 

octo. 

quindecim. 

sex. 



Grana duodecim. 



Grana 
Grana 
Grana 
Grana 
Grana 
Grana 
Grana 
Grana 



quatuor. 

duodecim. 

quindecim. 

viginti. 

quindecim. 

quindecim. 

triginta. 

duo. 



Milligrammata qninq. 
Decigramma nnum. 
Grammata duo. 
Centigrammata tria. 
Milligramma unum. 

Centigrammata sex. 
Centigrammata sex. 

Decigramma nnum. 

Gramma unum. 
Centigrammata tria. 
Decigramma unnm, 
Centigrammata sex. 
Decigrammata duo. 
Decigramma unnm. 
Decigrammata duo. 
Decigramma unum. 

Decigrammata duo. 

Centigrammata sex. 
Decigrammata duo. 
Decigrammata tria. 
Decigrammata tria. 
Decigrammata tria. 
Decigrammata tria. 
Decigrammata tria. 
Centigrammata tria. 



Centigramma unum. 
Decigramm. quatuor. 
Grammata Septem. 
Decigrammata duo. 
Milligrammata duo. 

Decigrammata duo. 
Centigrammat. viginti 

quatuor. 
Decigramm. quatuor. 



Centigramm. duodec. 
Decigramm. quatuor. 
Decigramm. quatuor. 
Decigrammata octo. 
Decigramm. quinque. 
Gramma unnm. 
Decigramm. iquatuor. 

Decigrammata sex. 

Centigr. viginti quat. 
Decigrammata sex. 
Gramma unum. 
Gramma unnm. 
Gramma unum. 
Gramma unum. 
Grammata duo. 
Decigramma unum. 



51 






Hjdrargyram biiodatum rubram 

Hydrargyram iodatom 

Hydrargyrum oxydolatom Ditricam 

crystallisatam . 

Hydrargyrom oxydalatam Ditricam 

solatazD 

Kali arsenicosum Bolatam . . . . 

Kreosotum • . . 

. Morphium hydrochloratam .... 

Oleam Crotonis • 

Opium pulveratum 

Phosphorus 

Plumbum aceticum 

Radix Belladocnae pulverata . . 
Radix Hellebori . 

Rhizoma Veratri pulveratum . . . 

Stibio-Eali tartaricum 

Strycbnium nitricum 

Tinctnra Acooiti 

Tinctura Gantbaridum • . . . . 

Tluctora Golocyntbidis 

Tiuctura lodi 

Tioctura Opii crocata . . • . . 
Tinctura Opii simpIex . . . . . 
Tinctura Seminis Colcbici. . . . 
Tinctura Semiuis Strycbni . . . 
Tubera Aconiti pulverata .... 

Veratrium 

Vinum Semiois Colcbici . . . . 
Zincum chloratum 

ZiDCum sulphuricum 

Ziocum sulphuricum, quod pro eme- 
tico, refracta dosi . . ... . 



Pro dosi. 

Oranum dimidium. 
Oraoum unum. 

Grani qoadrane. 

Orana duo. 
Guttae quinque. 
Gutta aua. 
Grauum dimidium. 

Granum unum. 
Graua düo. 
Graui quadrans. 

Graüum unum. 
Graüa tria. 
Grana quinque. 

Grana quinque. 

Grana qnatuor. 
Grani pars sexta. 
Guttae triginta. 
Grana dec6m. 

Grana decem. 

Grana quinque. 

Grana decem. 
Grana decem. 
Scrupulus unus. 
Grana decem. 
Grana duo. 

Grani pars decima* 
Scrupulus unus. 
Grani quadrans. 

Granum nnum. 

Grana viginti. 



Pro die. 

Grana duo. 
Grana sex. 

Granum nnum. 

Grana octo. 
Guttae viginti. 
Guttae quatuor. 
Grana dno. 

Grana quinque. 
Grana sex. 
Granum unum. 

Grana sex. 
Grana decem. 
Grana viginti. 

Grana viginti. 

Grana sedecim. 
Granum dimidium. 
Guttae nonaginta. 
Grana viginti. 

Grana triginta. 

Grana viginti. 

Grana quadraginta. 
Grana quadraginta. 
Scrupuli quatuor. 
Grana triginta. 
Grana decem. 

Granum dimidium. 
Scrupuli quatuor. 
Grana duo. 

Grana qnatuor. 



Pro dosi. 

Centigrammata tria. 
Centigrammata sex. 

Milligram mata quin- 

decim. 
Decigramm^ nnum. 
Guttae quinque. 
Gutta una. 
Centigrammata tria. 

Centigrammata sex. 
Decigramma unum. 
Milligrammata quln- 

decim. 
Centigrammata sex. 
Decigrammata duo. 
Decigrammata tria* 

Decigrammata tria. 

Decigraoimata duo. 
Centigramma unum. 
Gramma unum. 
Decigrammata sex. 

Decigrammata sex. 

Decigrammata tria. 

Decigrammata sex. 
Decigrammata sex. 
Decigramm. duodec. 
Decigrammata sex. 
Centigrammata duo- 

decim. 
Milligrammata sex. 
Decigramm. duodec. 
Milligrammata quin- 

decim. 
Centigrammata sex. 

Decigramm. duodec 



Pro die. 

Decigramma unum. 
Decigramm. quatuor. 

Centigrammata sex. 

Decigramm. quinque. 
Guttae viginti. 
Guttae quatuor. 
Centigrammata duo- 

decim. 
Decigrammata tria. 
Decigramm^ quatuor. 
Centigrammata sex. 

Decigramm. quatuor. 
Decigrammata sex. 
Decigrammata duode- 

cim. 
Decigrammata duodo- 

dm. 
Gramma unum. 
Centigrammata tria. 
Grammata tria. 
Decigrammata duo- 

decim. 
Decigrammata duo* 

deviginti. 
Decigrammata duo« 

decim. 
Grammata duo. 
Grammata duo. 
Grammata quinque. 
Grammata duo. 
Decigrammata sex. 

Centigrammata tria. 
Grammata quinque. 
Decigramma unum. 

Decigrammata tria. 



Tabelle B. 

Bntb&lt die Arzneimittel, welche gewöhnlich Gifte genannt 

Verden und in abgeschlossenen R&umen verwahrt werden 

müssen. 

Acidum arsenicorum. 

Atropium sulphuricum. 



Hydrargyrum amidato-bichloratum. 
Hydrargyram bichloratum corrosivum. 
Hydrargyrum biiodatum rubrum. 
Hydrargyrum iodatum. 
Hydrargyrum oxydatum rubrum. 
Hydrargyrum oxydulatum nitricum crystallisatam. 



52 



Hydrftfgyraiu oxydolatom oitricum solatum. 

Kali areeDicosiam solatam« 

Photphorus. 

Strychnium Ditricum. 

VeratriutD. 

Andere m den Apotheken vorhandene Substanzen von 
ähnlich giftiger Wirkung, wie die in vorstehender Tabelle 
genannten, sind gleichfalls in denselben abgeschlossenen 
Eauoien oacb den für die Aufbewahrung der Gifte beste- 
henden medicinal-polizeilichen Bestimmungen zu verwahren. 

Tabelle C, 

Enthält die Arzneimittel, welche von den übrigen getrennt 
sein müssen. 



Acidum hydrocbloratum. 
Acidum bydrncbkjratum cru- 

dum. 
Acidum nilricam. 
Acidum nitrkum crudum. 
Acidum Tiitrictim fumans. 
Acidum satphuricum. 
Acidum »ulpbaricuni crudum. 
Ammoniacum cuprico-snlpha- 

ricum* 
Aqua Amygdalar« amararum. 
Aqua PinmbL 
Argentum nitricum com Kali 

nitrieo« 
Argentum ni tri cum fusum. 
Auro-Natrium chloratum. 
CatitbarideB. 
Chloroformium. 
Cnprum aceticum. 
Cnprum alauiinatum. 
Cuprum aulphuricum. 
Eupborbiunu 
E^^tr actum Aconiti. 
Exlractum Beltadonnae. 
Extractum Colocynthidis. 
Extractum Digitafia. 
Extractum G ratio] ae^ 
Extractum Hyoscyami. 
ExtraciujB Ipecacuaubae. 
Extractum Meierei spirituos. 
Exlr actum Opii, 
Extraeta m Seminis Strjchni 

aquo&am. 
Extractam Seminia Strjchni 

aptritnoaum. , 
Folta ßelladonoae. 
Folia Dtgitulis- 
Fotia Hyoeciami. 
Folia Stramoiiii. 
Frnct u s G o 1 ac v ntbi d ig. 
Gummi-resina Gutti« 
Herba Conii maculati. 
Herba Gratiolae. 
Hjdrargjrum chloratum mite. 



ilodum. 

Kali bydricum fusum. 

Kali hydricum siccnm. 

Kali hydricum solutum. 

Kalium iodatum. 

Kreosotum. 

Morphium hydrochloratum. 

Natrnm hydricum solutum. 

Oleum Crotonis. 

Oleum Sabinae. 

Oleum Sinapis. 

Opium. 

Plumbum aceticum. 

Flnmbum hydrico - aceticum 

solutum. 
Plumbum hydrico-carbonicam. 
Plumbum oxydatum. 
Pulvis Ipecacuanhae opiatus. 
Radix Belladonnae. 
Radix Ipecacuanhae. 
Resina Jalapae. 
Rhizoma Veratri. 
Santoninum. 
Semen Colcbici. 
Semen Strycbni. 
Spiritus Sinapis. 
Stibio-Kali tartaricum. 
Summitates Sabinae. 
Tinctnra Aconiti. 
Tinctura Cantharidum. 
Tinctnra Colocynthidis. 
Tinctura lodi. 
Tinctura Ipecacuanhae. 
Tinctura Opii benzoica. 
Tinctnra Opii crocata. 
Tinctura Opii Simplex. 
Tinctura Seminis Colchici. 
Tinctura Seminis Strycbni. 
Tubera Aconit], 
Vinum Stibio-Kali tartarioi. 
Vinum Seminis Colchici. 
Zincum aceticum. 
Zincum chloratum. 
Zincum sulphnricom. 



Andere in den Apotheken vorkommende Substanzen, 
welche eine ähnliche Wirkung haben, wie die genannten^ 
sind gleichfalls von den übrigen Arzneistoffen zu trennen 
und in den abgesonderten Räumen der Tabelle C. aufzu- 
bewahren. 



Verfügung. 

Auf den Bericht vom . . erwiedere ich der Königlichen 
Regierung, dass für gerichtsärztliche Untersuchung anschei- 
nender Blutflecken einschliefslich des Berichts unter analo- 
ger Anwendung der Position 13. V. A. der Taxe vom 21. 
Juni 1815 die Gebuhr von 2 bis 3 Thlr. zuzubilligen ist. 
Den Sachverständigen muss hierbei überlassen bleiben, ob 
sie dem in dieser Bezeichnung ihnen ertheilten Auftrage 
durch chemische oder mikroskopische Untersuchung allein 
oder auf beiden Wegen zusammen zu genügen vermögen. 
Im letzteren Falle dürfen sie aber nicht für eine jede der 
angewandten beiden Untersuchungsmethoden besonders, also 
nicht die doppelte Gebuhr für die chemische und die mi- 
kroskopische Untersuchung liquidiren. Wenn die Ausfuh- 
rung der Untersuchung an verschiedenen Gegenständen 
(Kleidungsstücken etc.) verlangt wird, so muss dieselbe der 
Vollständigkeit wegen an Jedem einzelnen Gegenstand be- 
sonders vorgenommen werden, auch wenn die betreffende 
Gerichtsbehörde in ihrer Requisition dies nicht ausdrucklich 
ausgesprochen hat. In diesem Fall ist aber den Sachver- 
ständigen zu gestatten, für jede einzelne Untersuchung den 
oben erwähnten Gebührensatz zu liquidiren. 

Die Königl. Regierung ermächtige ich, nahh Mafsgabe 
dieser Grundsätze die Feststellung der derselben vorliegen- 
den Liquidationen des Kreis-Physikus Dr. N. zu bewirken. 

Berlin, den 5. Februar 1863. 

Der Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medicinal- 
Angelegenheiten. 

In Vertretung: Lehnert, 
An 
die Königl. Regierung zu N. 
457. M. 



Auf Veranlassung des Königlichen Ministerii der geii * 
liehen, Unterrichts- und Medicinal- Angelegenheiten empfiel 
das Polizei-Präsidium das von dem Professor Dr. Rudolf^ 
Leuckart im Verlage von Winter zu Leipzig und H 
delberg herausgegebene Werk: „Die menschlichenF 
rasiten und die von ihnen herrührenden KraE 
heiten^, welches über Finnen, Trichinen und and 
Wurmkrankheiten wichtige und für die Sanitätspolizei hör 



53 - 



werthTolle Aufschlüsse liefert , der Beachtung der hiesigen 
Medidnal-Beamten ond Aerzte. 
Berlin, den 5. Februar 1863. 

Eönigl. Polizei-Präsidiom. 



Es ist der Fall vorgekommen ^ dass nach dem jedes- 
maligen Tragen eines £leides von hellgrünem Stoffe (so- 
genannter Tarlatan) bei der Eigentbümerin so eigenthfim- 
liche Krankheitserscheinungen auftraten, dass der zugezo- 
gene Arzt durch die grelle und verdfichtige Farbe des be- 



regten Stoffes aufmerksam gemacht, denselben der chemi- 
schen Prüfung unterzog und sehr bald dessen nicht uner- 
heblichen Arsenikgehalt ermittelt«. 

Wir nehmen hieraus Veranlassung das Publikum vor 
dem Ankauf und der Verwendung derartiger, schon durch 
ihre lebhaft grüne Farbe verdächtiger Stoffe zu warnen und 
die Herren Aerzte zu ersuchen, ihren Einfluss auf das Pu- 
blikum in dieser Beziehung geltend zu machen. 

Brombei^, den 21. Januar 1863. 

Eönigl. Regierung, Abtb. des Innern. 



IHe Sterblichkeit der Kinder in Berlin w&hrend der 
Jahre 1851-1860. 

Vom Stabsarzt Dr. E. Loewer in Berlin. 
(Fortsetzung.) 

Die Todesfälle nach denBntzüodnngen der Respira- 
tions-Organe kommen ebenfalls hauptsächlich auf das Iste 
Lebensjahr. Weniger, aber immer noch zu den andern Al- 
tersklassen verhältnissmäfsig hoch ist das 2te und das 3te 
Jahr belastet. Vom vollendeten 3ten Jahre bis zum Ende 
der Kinderjahre findet mit vorschreitendem Alter eine all- 
m&lig immer geringere Betheiligung statt. Das 2te Jahr 
ferhält sich zum Isten wie 1:2, das 3te zum 2ten wie 
1:3,22 resp. 3,15, das 3te zum Isten wie 1:6,58 resp. 
6,29. Es findet also zwischen den am meisten betheiligten 
Jahren ein bedeutender Unterschied statt, der uns zu dem 
Schlüsse berechtigt, dass bei den Entzündungen die Gefahr 
des tödtlichen Ausgangs hauptsächlich für das Iste, dann 
nach den angegebenen Proportionen für das 2te und 3te 
Jahr besteht, und dass mit vorschreitenden Jahren anfangs 
sprungweise, später allmälig sich die Gefahr vermindert. 
Das männliche Geschlecht überwiegt in allen Altersklassen, 
anfser vom vollendeten 3ten bis 5ten Jahre, wo die Mäd- 
chen mehr Sterbefälle zeigen. Die Differenzen sind zwar 
nur gering, doch dürfen sie vielleicht nicht als Zufälligkei- 
ten bezeichnet werden, denn auch Tripe ') fand bei sei- 
nen Zusammenstellungen in diesem Alter einen geringen j 
Unterschied zu Gunsten der Knaben. Küttner ') hat da- j 
gegen gesehen, dass während des 2ten und 3ten Lebens- 
jahres sich die Ziffer der erkrankten (1 48) und gestorbenen 
(48) Knaben merklich, nämlich wie 4 : 3 über die der Mäd- 
chen erhob, von denen 112 erkrankten und 34 starben, 
während andererseits vom Ablaufe des 5ten Jahres an das 
weibliche Geschlecht (59) ganz in demselben Verhältnisse 



>) Monatflblatt für medicinische Statistik und Staatsarznei- 
kunde 1857. No. 10. p. 70. 

*) Behrend und Hildebraud Journal für Kinderkrankhei- 
ten Bd. 32. p. 5. 



das männliche (39) überwog und auch eine wesentlich gros- 
sere Sterblichkeit zeigte. Die häutige Bräune zeigt die 
meisten Todesfälle vom Anfange des 2ten bis zum vollende- 
ten 4ten Lebensjahre, es wurde sich dann das Iste und 
hieran wiederum das 5te bis lOte Jahr anschliefsen. Das 
Alter vom lOten bis 15ten Lebensjahre zeigt nur sehr we- 
nige Todesfälle, offenbar weil hier überhaupt die Krankheit 
nur selten auftritt; es kommen auf diese letzten Jahre über- 
haupt nur 36 Todesfälle, während vom 6ten bis 1 Oten Jahre 
noch 327 verzeichnet sind. Das Jahr, in dem die Bräune 
die meisten Opfer fordert, ist das 2te, die Abnahme von 
diesem zum 3ten ist auch ungleich bedeutender, als von da 
bis zum lOten, wo stets eine allmälige Verminderung statt- 
findet. Die Knaben aberwiegen bis zum 5ten Jahre sehr 
bedeutend, vom 6ten bis lOten ist die Sterblichkeit in bei- 
den Geschlechtern gleich, vom lOten bis i5tea sind einige 
Sterbefäile mehr auf der Seite der Mädchen. Rilliet und 
Barthez ') sprechen über die Bräune nach ihren klini- 
schen Beobachtungen dasselbe Urtheil, welches wir so eben 
nach der Vertheilung der Todesfälle uns gebildet haben. 
Wenn auch das Kind kurz nach der Gebart, eben so wie 
der Greis gegen das Ende seiner Tage von der Krankheit 
ergriffen werden kann, so steht es doch fest, dass die Kin- 
der im Alter von 2 — 7 Jahren ihr am meisten ausgesetzt 
sind. Eben so stellen jene Autoren es als bestimmt hin, 
dass die Knaben bedeutend den Mädchen überwiegen. So 
waren unter 80 von Trousseau operirten Kranken 22 
Knaben und 8 Mädchen, unter 25 Kranken zählte Janse- 
cowich 17 Knaben und 5 Mädchen. 

Die meisten Todesffile nach Keuchhusten kommen 
auf das Iste, nach ihm auf das 2te Jahr, die sich wie 1,88 
resp. wie 1,5 zu 1 verhalten. Vom 2ten zum 3fen Jahre 
findet eine sprongweise Verminderung statt, sie stehen in 
dem Verhältniss von 2,52 resp. 2,26 : 1. Auf die folgen- 
den Jahre fallen verhältnissmäfsig nur noch wenige Sterbe- 
fälle, vom lOten bis 15ten ist gar keiner mehr erfolgt. Das 



') Rilliet and Barthez traitd des maladies des enfants. 
Bd. I. p. 301. 



54 



lete Lebensjahr ist also für die mit* Keuchhusten behafte- 
ten Kinder das gefahrlichste, die Gefahr oimmt mit zuoeh- 
mendem Älter ab^ was* sich am aufiPfilligsten nach vollen- 
detem 2ten Jahre doknmentirt. Das Geschlecht influencirt 
beim Keucbbusteu bedeutend auf die Herberführung des tödt- 
lieben Ausgangs, und swar sind es hier durchweg die MUd- 
then^ bei denen die auffallend höheril Ziffern vorkommen. 
Der grofate Unterschied zwischen den beiden Geschlechtern 
leigt sich £w lachen dem Isten und 2ten Jahre. Dasselbe 
Eesultät ergeben auch die Tabellen^ welche Helfft ') nach 
den Unteräuchungen von Trip e mittheilt. Auch nach ihm 
ist der Keuchhusten um so verderblicher, je junger das 
Kind ist, seiue Zusammenstellung beweist, dass die Knaben 
zu den Mädchen im Verh&Itniss wie 100:120,2 sterben. 

Eine Statistik der Keuchhusten - Epidemieen , die £d. 
Smith ') aber Eogland giebt, weist auch für dort dasselbe 
Resultat nach, welches unsere Tabelle liefert In England 
kommen anf das Alter unter einem Jahr 40,4 pCt., auf das 
Alter vom Igten bis 2ten 27,8 pCt., zwischen dem 2ten und 
3ten 1 3j6 pCt., zwischen dem 3ten und 4teii 0,77 pCt., zwi- 
schen dem 4ten und 5ten Jahre 0,47 pGt., mithin auf das 
Alter unter den ersten 5 Liebensjahren 94,1 pCt. Der hier- 
aus für England gezogene und mit uns vollständig harmo- 
nirende Scbluss ist demnach, dass der Keuchhusten beson- 
dera im Isten Lebensjahre die gröfste Sterblichkeit erzeugt, 
von dieser Periode an gradweise in seinem tödtlichen Ver- 
laufe bis zum vollendeten 4ten Jahre abnimmt und nach 
dem lOten Lebensjahre fast gSnzlicfa verschwindet. Ebenso 
fand auch Smitb, ^ass in jeder Lebensperiode das Ver^ 
hättniss der Sterblichkeit im weiblichen Geschlecht hoher, 
als im mäonlicheD ist, nur hat sich für England noch her* 
ausgestellt, dass in dem Maafse, als das Alter vorschreitet, 
auch das Vorwiegen beim weiblichen Geschlechte wächst, 
was unsere Tabelle nicht ergiebt. Auch Rilliet und Bar- 
thez ^) sprechen sich mit uns identisch aus. Nach ihnen 
ist die Krankheit bis zum Alter von 6 Monaten selten, han- 
tiger im Alter von 6 Monaten bis 1 Jahr. Ihr Maximum 
liegt in einem sehr bedeutenderen Verhältnisse zwischen 1 
und 5 Jahren. 

Von 5 2n 7 Jahren kommen noch einzelne Fälle zur 
Beobachtupg, doch vermindern sie sich in dem Maafse, als 
sieb das Kind der Pubertät nähert. Ebenso sprechen sie 
sich auch dahin aus, dass die Mädchen mehr zur Krank- 
heit disponirt sind, als die Knaben. Romberg *) fand 



') MoD&tsblatt fiir medioinische Statistik und Ge8aDdbeit8<> 
pflege 1857. No. 10. p. 71. 

') Schmidfs jAhrbücher für die gesammte MedScin Jahrgang 
ims p.354. 

') Rilliet und Barth ez trait^ des maladies des enfants. 
Bd. 2. p 644. 

*) Koraberg Lehrbach der Nervenkrankheiten p. 434. 



übrigens auch bei den Erwachsenen mehr die Frauen, als 
die Männer vom Keuchhusten heimgesucht Für die Kin- 
der schliefst er sich West an, der das Verbältoiss der Mad- 
chen zu den Knaben wie 55,4:44,6 pGt. fand. 

Bei der Gehirnentzündung und dem hitzigen Was- 
serkopfe sehen wir das Iste Lebensjahr bedeutet^d über das 
2te, dieses wieder über das 3te überwiegen, von diesem an 
nimmt die Sterblichkeit bis zum lOten Jahre altroälig ab« 
um sich für das lOte bis 15te Liebensjabr unverbältnissmä- 
fsig zu verringern. Das Iste Jahr steht zum 2ten iu dem 
Verhältnisse von 1,26:1, das 2te zum 3ten wie l^HJ : 1, 
nach dem lOten Jahre verringert sich die Sterblichkeit in 
der starken Proportion von 7,6:1. Hinsichtlich des Ge- 
schlechts tritt nur beim Isten Jahre, aber ein am so auf- 
fälligerer Unterschied hervor, indem die Knubi^n zu den 
Mädchen wie 1,35:1 starben. In den andern Jahren ist 
die Differenz nur unbedeutend zu Gunsten der Mädchen, 
80 dass man zu dem Schlüsse berechtigt ist, daas nach Ab- 
lauf des Isten Jahres der Geschlechtsunterschied einen Ein- 
fluss auf den tödtlichen Verlauf der Krankheit nicht mehr 
ausübt. KQttner ') erkennt gar keinen Untt^rschied an, 
von den an Gebirnaffektionen erkrankten 91 Knaben und 
51 Mädchen, die seiner Beobachtung zu Grunde liegen, 
starben von den ersten 57, von den letztern 33, so dasa 
also bei den Erkrankungen, wie bei der Mortalität das Ver- 
hältniss wie 5 : 3 geherrscht hat. Immerhin geht doch aber 
hieraus hervor, dass das männliche Gesöblecht bei der 
Krankheit mehr betheiligt ist, als das weibliche, denn wenn 
auch der Tod in demselben Verhältnisse erfolgte, wie die 
Erkrankung, so ist doch der Deberschuss auf der Seite der 
Knaben beachtenswerth. Kuttner's Fälle drüngten sich 
fast ausschliefslich auf die 5 ersten Lebensjahre znsamiiieti, 
da nach diesem Altersabschnitte überhaupt nur noch IB 
Fälle vorkamen. Rilliet und Barthez ') erkinnen eben- 
falls an, dass die Knaben von der Krankheit mehr zu lei- 
den haben, als die Mädchen, bei der Meningiti«^ Lfitten sie 
das Iste und das 9te Jahr für das gefährlichste und suchen 
den Grund in der ersten und zweiten Zähnung^ vom Hy- 
drocephalns sagen sie nur im Allgemeinen, dass er für die 
Kinder um so gefahrbringender ist, je junger sif? sind. 

Vielleicht hängt der üeberschuss der Knaben bei der 
Gehirnentzündung und dem Wasserkopfe damit zusammen^ 
dass sie von der Zahnung mehr zu leiden haben, der eine 
Erzeugung von Cerebral-Affektion nicht abzusprechen ist 
Gestutzt wird diese Ansicht wenigstens dadareh, dass dir 
Todesfälle nach Zahnen auch im ersten Lebensjahre einei 
beträchtlichen Üeberschuss der Knaben iiber die Mädche 



') Behrend und Hildebrand Journal für Kinderkranklief 
ten Bd. 32. p. 7. 

*) Rilliet und Barthez trait^ des maladies dm entajatk 
Bd. 1. p. 127 und Bd. 2. p. 150. 



55 



nacbweigen. Im 2teD Jahre ist diese Diifereiiz zwar noch 
aasgesprocheo, aber bedeutend geringer. 

Dass zam 3ten Jahre eine ^ grofse Verminderang der 
Todesfälle stattfindet, braucht wohl keine Erklärung, da ja 
im Verlaufe der ersten beiden Lebensjahre das Zahnge- 
schfift Yor sich zu gehen und abzulaufen pflegt und die 
Hinausschiebnng. in eine spätere Zeit nur Ausnahmefälle 
betrifiPt Wohl lehrt und aber noch die für das Zahnen auf- 
gestellte Columne, dass der ziemlich verbreitete Glaube, die 
Zahnung bringe um . so mehr Gefahr, je später sie auftrete, 
nicht stichhaltig ist, da die Todesfälle gerade im Gegentheil 
bei den vorschreitenden Jahren in starken Proportionen ab- 
nehmen. 

(Fortsetzung folgt) 

WitteruDgs- und Erankheits-CoDstitotioo zu Berlin 
fQr den Monat Jannar 1863. 

Die ersten 6 Tage dieses Monats waren in ihrem Ver- 
lauf fast durchweg heiter und schön. Die Temperatur der 
Luft ging im Verhältniss zu den letzten Tagen des vorigen 
Monats merklich und besonders in den Nächten vom 3. ab, 
bis zum Gefrierpunkt zurück. Vom 1. bis 3. war Westwind» 
demnächst aber bis einscbliefslich den 6. Südwind. Vom 
7. bis 11. blieben trüber Himmel und Nebel vorherrschend. 
Die Temperatur der Luft blieb bis einschliefslich den 8. 
dieselbe, wie in den vorangegangenen Tagen, liefs aber 
▼om 9. bis 11. eine geringe Steigerung wahm^men. In 
dieser Zeit war Ostwind überwiegend, mit Abweichungen 
Dach Süd am 9. und 10. und nach Nord am 11. Vom 12. 
bis 22. machte sich ein stärkerer Wechsel in der Witterung 
bemerkbar, durch Schnee, Rtfgen, Nebel und wenig heitern 
Himmel. Etwas Schnee fiel am 12., 14., 18., 19. und 21., 
Regen am 12., 14. und vom 19. bis 22. täglich. Am 15.» 
16. und 17. war durchweg starker Nebel. Die Tempera- 
tur der Luft ging am 15. bis zu gelindem Frost zurück, 
» welcher bis zum 19. anhielt und zwischen dem 16. und 17. 
den niedrigsten Temperatorstand wahrnehmen liefe. Am 
12., 13. und vom 18. bis 22. blieb meist heftiger Westwind 
Torherrschend,, welcher in der Nacht vom 20. cum 21. in 
Sturm überging. Zwischen dem 13. und 14. war Südwind, 
und vom 15. bis einscbliefslich den 17. Ostwind, mit wech 
selnder Windstille. Vom 23. bis zum Schlüsse des Monats 
trat abwechselnd mehr heiterer Himmel hervor. Mäfsiger 
Regen fiel nur am 25. und 27. Die Temperatur der Luft 
ging in dieser Zeit merklich in die Höhe und liefs ihren 
liochsten Standpunkt zwischen dem 30. und 31. wahrneh- 
men. Westwind blieb andauernd und meist heftig. 

Das Thermometer variirte nicht aoffällig und schwankte 
Blorgens um 6 Uhr zwischen + 5,7 am 24. und 30. und 
-^ 2,3* R. am 17., Mittags um 2 Uhr zwischen -I- 8,0 am 
31. und — 2,0^ R. am 17. und Abends um 10 Uhr zwischen . 



+6,8 am 31. und — 2,0° R. am 16. Dessen mittlerer 
Stand betrug um dieselbe Zeit: Morgens +2,0, Mittags 
+ 3,5 und Abends +2,1* R.; ebenso die Differenz: Mor- 
gens 7,0, Mittags 10,0 und Abends 8,8* R. Die durch- 
schnittliche Differenz gegen den vorigen Monat beträgt 
+0,8* R. Der höchste Thermometerstand wurde am 31. 
und der niedrigste am 17. wahrgenommen. 

Das Barometer variirte zwischen dem 14. und 21. am 
stärksten und schwankte überhaupt zwischen 342,43"' am 
14. (und 320,72'" am 20. Dessen mittlerer Stand betrug: 
Morgens um 6 Uhr 334,80"VMittags um 2 Uhr 334,37'" und 
Abends um 10 Uhr 334,65'"; die Differenz 11,71 '". 

Barihelme, 

Im Januar waren katarrhalische und gastrische Krank- 
heiten, vorherrschend, insbesondere Tonsillar- Anginen, Ka- 
tarrhe der Respirationsorgane ubd gastrische Fieber. Ma- 
sern waren seltener als im vorhergehenden Monate; Schar- 
lach vereinzelt. Pocken, grofstentbeils gutartig, zeigten sich 
noch immer in ziemlicher Verbreitang. 

Die Morbilität überhaupt war bedeutend, die Mortalität 
überstieg nicht das gewöhnliche Verhältniss. Mr. 

Die Hausthiere im Allgemeinen erkrankten nur in 
mäfsiger Anzahl, besonders Scbaafe und Schweine, während 
bei dem Rindvieh durch das weit verbreitete Herrschen der 
Maul- und Klauenseuche viele Erkrankungen herbeigeführt 
wurden. Bei den Pferden waren Katarrhe vorherrschend 
und bei jüngeren Thieren oft mit Drusenanschwellungen, 
die in Eiterung übergingen, complicirt. Mehrfältig Zeigte 
sich auch wieder die Influenza, und zwar in der Form ei- 
nes katarrhalisch-gastrischen Fiebers mit Affektion der Re- 
spirationsorgane und der Leber. Die Krankheit war in den 
allermeisten Fällen sehr gutartig. Kolik trat in mäfsiger 
Menge auf; und die übrigen vorgekommenen Krankheiten, 
Gastricismus, Katarrh, Bräune, Lungenentzündung, Rheu- 
matismus, Mauke u. dgl. zeigten sich einzeln, aber gegen 
Ende des Monats erschien Tetanus rhenmaticus kurz nach 
einander in mehreren Fällen. — Bei dem Rindvieh kam, 
aufser der Maulseuche, nur Gastricismus vor. — Schaafe 
litten bin und wieder an Katarrh und Schweine ebenso an 
Gastricismus und Rheumatismus. — Unter den Hunden wa- 
ren Katarrhe, Bronchitis, Gastricismus und Rheumatismus 
vorherrschende Leiden; Staupe und Krämpfe waren selte- 
ner als in früheren Monaten. Wuthkrankheit ist nicht vor- 
gekommen. Hertwig, 

Tagesereignisse und anderweite MittheilungeD* 

— Nach einer über die Trichinen-Krankheiten 
auf Rügen von dem dortigen Physikus Hrn. Dr. Wentzel zu 
Bergen uns zugegangenen; vorläufigen Mittheilung sind dort, 
so viel bekannt, zuerst im Frühjahr 1861 und wiederum zu 
Ende des verflossenen Jahres verdächtige Erkrankungen vor- 



56 



{ 



gekomman^ beide Male auf d^r Halbinsel J asm und. In 
der letzten Epidemie erkrankten ungeffibt' 16 Personen and 
2 davon^ die Ehefrao des Gutsberrn and deren Scb wester, 
beide »ehr kräftige gesande Frauen, starben fast za glei- 
cher Zeit, Die Sektion bat leider nicht stattgefunden, weil 
von den bebandelndeD Äerzten die Natar der Krankheit 
erst spater erkannt wurde. Herr Dr. Wentzel fagt sei- 
nem Berichte biDm, dass es ihm gelangen sei, ein Stack 
Warst von dem Orte der Erkrankungen zu erlangen, and 
habe er dasselbe, da er selbst bei der mikroskopischen Un- 
tersncbung Tricbfnen nicht gefanden, dem Hrn. Dr. Laa- 
doiB in Greifswald geschickt. Von Letzterem sei ihm eben 
die Mittbeitang geworden^ daas nach Behandlang mit Salz- 
säiire^ wodurch die ans koblensaarem Kalk bestehenden 
Kapseln aufgelost worden. Trieb inen sich gezeigt haben. 

Je häufiger die bis vor Kurzem unbekannte Trichinen- 
Krankheit zu sein scheint, um so wichtiger wird die voll- 
ständigste Kenntnisa derselben, sowie ihrer Verbreitung and 
ihrer ätiologischen yerbältnisse, und wendet sich daher die 
Redaktion dieser Zeitung an die Medicinal-Beamten 
und Aer2te mit der Bitte um geneigte Mitthei- 
lang alles Dessen, was in dieser Beziehang za 
ihrer Kenntniis und Beobachtung gelangt. 

In Berlin sind kürzlich wieder aof Ersuchen des Pe- 
ll zei>FrSsidii dreifsig verschiedene Schweinefleischproben von 
Herrn Geh.-Ratb Gurlt mikroekopisch untersucht, sfimmt- 
lich jedoch ohne Trichinen gefunden worden. 

— Wocbeubericbt der hiesigen öffentlichen Kran- 

keohäuaer; 

BeitAnd WöchL Wöchl. hierunter Bestand 
3 I.Jan. Zugang Abgang Todesfälle 7. Febr. 
Bethanien . , . . 287 31 42 8 276 

Hedwigs -Krankanh. 218 55 53 4 220 

Bltsabeth-Krankenh. 74 4 3 1 75 

Jüdisc hes Krankenh, 34 6 2 — 38 

100 13 609 

1363 



dazu Charite 



613 Ü6 
. 1357 



1970 1972 

In Bethanien waren Rheumatismus und Rose, und im 
Hedwigs - Kran kenhause ent^uodjiehe Brustaffektionen and 
Rheuma tisme n voTherrscbeud- 

— KacbweiaaDg der Charitd-Kranken im Monat 

Januar 1862: 

Männer Weiber Knab. Mdch. Summa 
Bestand am 3 l.Dec. 752 452 3 5 1212 

Zuffanß im Jan. 776 330 27 33 1266 



Samma 1^28 


828 


30 


38 


2478 


Entlaesen. ... 630 
Gestorben ... 71 


330 
24 


15 

8 


19 
4 


1014 
107 


Bealand am 31. Jan. 827 


508 


7 


15 


1357 



Unter den Todten Bind todtge boren 3 



— Im Jahre 1^62 wurden in Berlin ata geboren 

aogemeldet , ^ 11136 Knaben, 

und 10228 Mädchen, 
xusammen 21364 Kinder. 
Als geatorben wurden angemeldet 
81 Ib mfinnl. und 6945 weibL, zusammen J5060 Personeiif 
so dass 6304 mehr geboren als gestorben sind. 

Unter den Gehörnen waren 1713 männL und 16^3 
weibliche uneheliche Kinder* 

Unter den Gestorbenen befanden sich an nnebe* 
liehen Kiudern bis zum läten Lebensjahre 1616, darOD 
885 mannl, und 731 weibh 

Vor und in der Geburt starben 

965 Kinder (570 Knaben, 395 Mädchen), 
darunter uneheliche 210 (120 Kn., 90 MSdch.X 
Mehrgeburten fanden atatt; 

Zwillingsgeburten 309 Mal, 
Drillingsgeburteu 2 Mal. 
Getraut wurden 6042 Paare. 

Im Vergleich mit dem Jahre 1861 wurden 1862 mehr 
geboren 587 Kinder und starben weniger 131 Peraonen. 

Die Bevotkernng van Berlin vermehrte sich im J^ 
1862 durch UeberBchuss der Geburten über 
dte Todesfälle um ........ . 6304 SeetcE. 

dureh Ueberficbues der £d gezogenen über 
die abgezogenen Personen tun ..... 4790 

zusammen 11Ö94 Seelen. 
Sonach betrug die Bevölkerung Berlins^ welches Ende 
1861 528009 Einwohner gehabt hatte, am Ende !862 
539103 Seelen. 

Bekanotmacbun^p 
PromoTirte und für den Pre ufaischen Staat approbirte 
junge Aerzte, welche der polnischen Sprache foII kommen 
mächtig sind nad in der Psychiatrie sich praktisch auszu- 
bilden beabsichtigen f werden zur Bewerbung um dte neo- 
gegründete ärztliche Assistenten -Stelle in der Proriozial' 
Irren-'Hetlanstalt zu Owinsk hiermit aufgefordert« 

Als Jabres-Slipendiam ist für den erwählten Aesisten^ 
ten bei freier Station ein Betrag von 350 — 400 Thal er tu 
gewähren. 

Schrirtliche Anträge können demnächst an den unter- 
zeichneten Anstalts-Direktor unter Beifügung der betreffen^ 
den Zeugnisse gerichtet und von demaelben Mittheilangen 
über die spedellen Annahme-BedingDugen gewärtigt werden 
Owinak, den 7. Februar 1663. 

Dr, ßeschorner, 

Direktor und erster Arzt der Provinzial-Irren^Heilanr^ Jt 

zu Owinsk, 



yer1&^ von Th. Chr. Fr. Enilin {Adolph Enilin) in Berlin. — Gedruckt bei A. W. Schade in Berlin, St&lUchreiberti' 



Neue Folge. 
TL Jahrgang. 



PREÜSSISCHE 



Dl«se Zdtang eraohelat wSehentlioh. 

Der Preis des ganien Jahrganga, w6loh«r 

niebt getrennt wird, ist 3 Thlr. 20 8gr. 



MEDICINAL -ZEITUNG. 

Herausgegeben von dem Verein f&r Heilkunde in Preussen 

vster Benntznng amtliclier Hittheilnngen des KSnigl. Hinisteriimis der geistlichen, Unterrichts- 
and Hedicinal-Angelegenlieiten and der Königl. Provinzial-Behörden. 

Redabteur: E. Müller, Geh. Hedicinal-Bath etc. 



1863. 




25. Februar. 



Inhalt. Amtlicher Theil; PerBonalien; Bekanntmachangen. — Mittheilnngen ans der Praxis; von Steinthal. — Die siebente 
Ausgabe der Preussischen Pharmakopoe. — Ein Beitrag zur Casnistik der Trichinenkrankheit ; yon Ficinns. --Tagesereignisse und 
anderweite Mittheilnogeo . — Literatur. 



Amtlicher TheiL 

Personalien» 

Anstellung und Verietsnng. 

Der Wandarzt erster Klasse Lorenz ist unter An- 
weisung seines Wohnsitzes in Jericbow zum Kreis- Wand- 
arzt des 2ten Jericbow'scben Kreises ernannt, und . 

der Kreis -Tbierarzt Werner in Neisise in den Kreis 
Nimptsch versetzt worden. 

Niederlassungen. 

Der praktische Arzt Dr. Wiesener hat sich in Al- 
tenkirchen auf der Halbinsel Witten, der Kreis- Wnndarzt 
Jitschin in Schrei bendorf und der Tbierarzt erster Klasse 
Marqnardt in Letschin niedergelassen. 

Dr. WoIfT ist von Lippebne nach Arnswalde, Dr. 
BoDte von Wangerin nach Ermsleben, Dr. Hey mann von 
Poppeisdorf nach Bonn und Dr. van Ackeren von Bonn 
nach Mehr gezogen. 

Apotheken-Angelegenheiten. 

Der Apotheker Schön bat die Breite nfeld'sche Apo- 
t ^eke in Kischbajn gekauft. 

Der Apotheker Beck hat die Concession zur Anlage 
€ Der neuen 'Apotheke in Gr.-Jostin, Kreis Furstentbum, er- 
l Iten. 

Der Apotheker 6. Hencke hat die elterliche Apotheke 
i Ladidghunsen übernommen. . 



Todes£GdL 
Der zweite Arzt an der Privat-Irrenanstalt in Siegbarg 
Dr. Willing ist gestorben. 

Offene Medidnal-Stelle. 
Die Kreis-Thierarzt^telle des Kreises Neisse, Reg.- 
Bezirk Oppeln, ist erledigt 



Bekanntmachnngen. 

In neuester Zeit ist eine eigentbumlicbe frankheit 
mehrfach beobachtet worden, welche durch einen mit Hülfe 
des Mikroskops entdeckten Eingeweidewurm, den man mit 
dem Namen Trichina spiralis belegt hat, hervorgerufen 
wurde. Diese Krankheit ist in unserm Departement zwei- 
mal epidemisch aufgetreten : die Erkrankungen waren mei- 
stentheils sehr schwere und endeten in nicht wenigen Fäl- 
len mit dem Tode. Die genannte, in verschiedenen Thier- 
arten und im Menschen vorkommende Trichine ist ein klei- 
ner fadenförmiger, in mehrfachen Spiraltoaren aufgerollter 
Wurm, eingeschlossen in einer länglichen HQlse oder Blase 
(Cyste), welche zwischen den Muskelfasern gelagert ist. 
Obgleich die Menge derselben sich bis zu Millionen steigern 
kann, so ist doch mit blofsen Augen an dem inficirten 
Fleisch eine merkliche Veränderung nicht wahrzunehmen. 
So lange diese Tbierchen sich in jenen HuUen befinden, 
bleibt ihr Lebenszustand unentwickelt, sie sind Embryonen 
von Parasiten und äufsem an und für sich keine erhebli- 



58 



eben Nachtheile aaf die Gesundheit des damit behafteten 
Organismus. Wird aber das damit besetzte Fleisch genos- 
sen, so werden die Cysten von den Magen- and Darmsäf- 
ten aofgelösft und die Thiere fnd, welche mth mm in we- 
nigen Tagen zar volligen Geschlechtsreife entwickeln und 
eine zahllose Brut erzeugen, die sofort die Wände des 
Darmkanals durchbohrt und sich einen Weg nach den Mus- 
keln sucht, wo sie sich wiederum einkapselt. 

Dieser Zeitraum, wo die Trichinen-Embryonen sich auf 
die Wanderung begeben, ist für die Gesundheit derjenigen 
Organismen, in welche letztere stattfindet, höchst gefährlich. 
Bei Menschen, welche trichinenhaltiges Fleisch genossen hat- 
ten, zeigten sich zuerst Appetitlosigkeit, Mattigkeit und all- 
gemeines Unwohlsein; nachdem dies einige Tage oder Wo- 
chen gedauert hatte, trat heftiges Fieber ein mit Zufällen 
der Magen- und Darmreiznng, allgemeinen Gliederschmer- 
zen, Brustbeklemmung und einer wassersüchtigen Anschwel- 
lung des Gesichts und der Extremitäten, welche letztere 
vielfältig steif, ja völlig unbeweglich wurden. Nicht selten 
erfolgte der Tod. 

So weit bis jetzt hat beobachtet werden können, kommt 
von denjenigen Thieren, welche dem Menschen als Nah- 
rungsmittel dienen, die Trichinenkrankheit am häufigsten 
bei den Schweinen vor, jedoch sind auch andere, nament 
lieh Rinder, nicht frei davon. Mit Sicherheit darf aber an- 
genommen werden, dass höhere Hitzegrade, insbesondere 
Siedhitze, die Trichinen tödten, mithin unschädlish machen, 



und dass nur der Genuss des roh^ Trichinenfleisches der 
menschlichen Gesundheit gefährlich sei. Ob Räuchern und 
Pökeln des Fleisches, insbesondere, wenn es nur unvoll- 
ständig ausgeführt wird, & Lebensfähigkeit der Trichinen 
«erstdre, mnss einstweilett noch fortzusetzen! den Untersu- 
chungen vorbehalten bleiben. 

Im Interesse der öffentlichen Gesundheitspflege haben 
wir uns veranlasst gefunden, auf diesen neuerkannten Feind 
der menschlichen Gesundheit aufmerksam zu machen und 
vor dem irgend vermeidlichen Genuss rohen Flei- 
sches zu warnen. 

Magdeburg, den 18. Januar 1863. 

Eönigl. Regierung, Abth. des Innern. 



Es ist kürzlich der Fall einer chronischen Blei- 
vergiftung zur Eenntniss des Polizei - Fräsidii gebracht 
worden, veranlasst durch längeren Gebrauch eines aus ei- 
ner hiesigen Parfümerie - Handlung bezogenen Bartfär- 
bungs-Mittels, als dessen Hauptbestand theile bei der 
chemischen Untersuchung Mennige und Kalk sich erge- 
ben haben. Das Polizei - Präsidium nimmt daraus Veran- 
lassung vor dem unvorsichtigen Gebrauche derartiger kos- 
metischer Mittel, welche nur zu häufig schädliche Bestand- 
theile enthalten, zu warnen. 

Berlin, den 12. Februar 1863. 

EönigL Polizei-Präsidium. 



MittheiluDgeD ans der Praxis. 

Von dem Geb. Sanitätsrathe Dr. Steinthal in Berlin. 

Anfangs April 1859 wurde ich bei einem angehenden 
judischen Juristen zu Rathe gezogen, der nach der Angabe 
seines erfahrenen Hausarztes aufser an Scharlach und an- 
deren skrophulosen Affektionen, nie an einer ernsthaften 
Krankheit gelitten hatte. Derselbe war vor drei Monaten 
im Finstern von einer steilen Treppe herabgefallen und 
hatte unmittelbar darauf Blutspeien bekommen. Eine an- 
tiphlogistische Behandlung und der mehrwöchentliche Ge- 
brauch von Molken beseitigten das Blutspeien und die fie- 
berhafte Aufregung. Anstatt sich nun noch zu schonen, 
unterzog sich Patient den juristischen Studien zum Behuf 
des letzten Examens mit einem wahren Feuereifer und 
werde um so lebhafter angeregt, als ein eben erschienenes 
Ministerial-Reskript ihn in seiner ganzen Laufbahn zu hem- 
men drohte. Er bekam einen Ruckfall von Blutspeien und 
verfiel gleichzeitig in eine krankhafte Aufregung, die rasch 
in Tobsucht fiberging. 

Als ich ihn zum ersten Mal sah, schwatzte er unauf- 
hörlich bunt durcheinander, deutsch, französisch, lachte, 



weinte, schlug nm sich, verunreinigte sich und hatte bereit« 
mehrere Tage und Nächte in jener tobsuchtigen Aufregung 
zugebracht, so dass er bisweilen von zwei Wächtern nicht 
zu bändigen war. Dabei war sein Puls mäfsig gereizt, die 
Hauttemperatur nicht erhöht, das Blntspeien nicht erheblich. 
Unter diesen Umständen musste ich darauf bestehen, 
den Kranken sofort in eine Irren - Heilanstalt zu bringen. 
Hier hatte er die ganze erste Nacht und auch den folgen- 
den Morgen in einer deklamatorisch-heiteren Geschwätzig- 
keit zugebracht, wenig gegessen, keinen Urin gelassen und 
auch keine Leibesöffnung gehabt Ich verordnete ihm des- 
halb eine Solut. magnes. sulph. c tart stib. und gab ihm 
am Abend einen halben Gran Opium. Er bekam darauf 
einige Stunden Schlaf und war am Morgen klarer und ru- 
higer. Die abfahrende Arznei hatte hinreichend gewirkt 
und das wiederholte Opiat hatte einen so wohlthätigen Ein- 
flnss, dass er in den nächsten Tagen sich ruhiger und ge- 
setzter benahm. Auf meine Veranlassung schrieb er an 
seine Mutter einen kleinen Brief, der aber freilich noch 
wirre phantastische Gedanken enthielt Nachdem er nun 
zwei Nächte ohne Opium erträglich geschlafen hatte, stellte 
sich eines Morgens wieder Blutspeien ein, das sich am nach- 



59 



aten T«ge, der aagewiuidten Mittel angeacbtet, reichlicher 
seigte, da es nicht möglich war, einen aufgeregten Geistes- 
kranken in derjenigen Ruhe zu erhalten, die hier so drin- 
gend nöthig war. Der Kranke fing bald an lebhaft zu fie- 
bern, der Athem ward imaier beschleunigter, die Erschö- 
pfung nahm bald einen bedenklichen Charakter an, der 
Kranke bekam ein cyanotisches Aussehen und starb An- 
fangs Mai Abends 1 1 Uhr, nachdem er etwa 4 Wochen in 
der Anstalt gewesen war. 

Die Sektion ward leidor nicht gestattet, was um so 
mehr zu bedauern war, da sie uns vielleicht einigen Auf- 
schluss fiber den Zusammenhang der traumatischen Gele- 
genheitsursache und der dadurch eingeleiteten akuten Lun- 
gen- und Gehirnkrankheit gegeben haben wurde. Dass der 
Verlauf der vorliegenden Krankheit ein so rapider war, fin- 
det auch ohne Sektion seine naturliche Erklärung. 

Der jähe Fall von einer steilen Treppe, die traumati- 
sche Verletzung der Lungen, die wahrscheinliche Gehirner- 
schütterung, der physische und psychische Einfluss der oben 
angedeuteten Nebenumstände und insbesondere die nach- 
theilige Ruckwirkung der tobsuchtigen Aufregung auf die 
ohne Zweifel hyperämischen^Lungen , mussten wohl den 
tödtlichen Ausgang beschleunigen. 

Aehnliche Fälle, wo bei jungen Leuten angestrengte 
Vorbereitungen zu ihren Staatsprüfungen, verbunden mit den 
dabei ganz naturlichen Sorgen und Beängstigungen, zu ei- 
nem schnellen Tode geffihrt haben, sind mir schon cu wie- 
derholten Malen vorgekommen. 

Die siebente Ausgabe der Preussischen Pharmakopoe. 

Die eben erschienene siebente Ausgabe der Pharmako- 
poe, welche vom 1. Juli d. J. ab den Preossisoben Medi- 
cinal - Personen zur Richtschnur dienen soll, befindet sich 
zur Zeit wohl in den Händen der Meisten unserer Leser. 
Nichtsdestoweniger mag eine Zusammenstellung alles des- 
sen, worin diese Ausgabe von der sechsten, an die wir 
durch nunmehr 16jährigen Gebrauch uns gewöhnt hatten, 
abweicht, Vielen willkommen sein, um am leichtesten mit 
der neuen Ausgabe bekannt zu werden. 

Diese Abweichungen sind folgende: 

L Bezuglich der Vorschriften zur Bereitung der 
Präparate im Allgemeinen. 

Die Verhältnisse der Vorschriften sind einfach in Thei- 
len, nicht wie früher in benannten Gewichten angegeben. 
Letztere finden sich ausnahmsweise nur bei Empl. adhaes., 
Empl. Angl. und Empl. Mezerei cantharid., bei Pilul. aloet. 
ferr. und Pulv. agrophor. lax. 

IL Bezüglich der Tabellen. 

Die in der sechsten Ausgabe befindliche Sjmonymen- 
Tabelle und die Tabelle (A) derjenigen Präparate, welche 
der Apotheker kaufen darf, sind weggelassen, offenbar weil 



angenommen ist, dass der Apotheker sämmtliche sog. che» 
mische Präparate sich im Wege des Handels versclgiffen 
darf. In der revidirten Dosentabelle (jetzt Tab. A.) sind 
aufser der höchsten einmaligen Gabe auch die höchsten Gaben 
für einen Tag angegeben und dabei neben dem alten Me- 
dicinal-Gewicht auch das Grammen-Gewicht, dessen Einfüh- 
rung vom 1. Juli d. J. bevorsteht, berechnet. 

Die Tabellen B und C, welche die in der Giftkammer 
zu verschliefsenden und die abzusondernden Medikamente 
nennen, sind mehrfach abgeändert; der Tabelle B insbeson- 
dere Atropium sulph. und Phosphor zugefügt, und aufser- 
dem ist bestimmt worden, dass auch ähnliche, nicht offi- 
cinelle Substanzen den in den Tabellen genanoten zuge- 
sellt werden sollen. 

Die Tabelle der specifischen Gewichte der officinellen 
Flüssigkeit bestimmt gegenwärtig die Gewichtsgränzen bei 
15^ Celsius und enthält aufserdem eine Berechnung des Ge- 
wichts je nach der verschiedenen Temperatur von + 12® 
bis 25 • C. 

In der Tabelle der Reagentien ist Ferr. sulph. durch 
Ferro -Ammoniacum sulph., Ferro -Kalium cyanatum rnbr. 
durch Kali hypermanganicum und Tinct. Gall. durch Acid. 
tann. ersetzt worden. 

ni. Bezfiglich der einzelnen Medikamente. 

1. Fortgelassen sind folgende Arzneipräparate: 



Acetum digitalis. 
purum. 
Acidum acetico-aromaticum. 

hydrocyanatum. 
Aqua Asae foetidae comp. 
Gascarillae. 
foetida antihysterica. 
Goulardi. 

Magnesiae carbonicae. 
Opii. 

phagedaenica« 
Baryum chloratum. 
Cataplasraa ad decubitum. 
Ceratum Resinae Burgundicae. 
Colocynthis praeparata. 
Emplastrum foetidum. 
fuBCum. 
opiatum. 
oxycroceum. 
Extr. Chinae frig. paratum. 

- Cinae aether. 

- Conii. 

- Gort. Aurant 

- Folior. Jaglandis. 
Graminis. 

liquidum. 
Lactucae virosae. 
Myrrhae. 
Niootianae. 

- Sennae. 

- Stramonii. 



Extr. Taraxaci liquidum. 

Valerianae. 
Farioa Hordei praep. 
Fei tauri inspissatum. 
Ferrum chloratum^ 

hydrico-acet. in Aqua, 
iodatum saccharatum. 
phosphor. oxydulat. 
Glandes Quercus tostae. 
Hydrarg. et Stib. sulphurata. 

oxydulat nigrum. 
Eali stibicum. 

Kalium sulpburatum (purum) 
Linimentum Aeruginis. 

saponato-ammo- 
niacatum. 
Liquor Ammoniaci carbon. 

- pyro- 
oleosi. 
Liqu. Hydrarg. bichlorat cor- 

rosivi. 
Liqu. Myrrhae. 

- Stibii chlorati. 
Mixtura vulneraria acida. 
Morphium. 

aceticum. 
Mucilago Cydoniae. 
Oleum Amygdalar. aethereum . 

- ChamomiUae purum. 

- contra taeniam Chaberti 

- Galbani. 



6Ö 



Oleom Salme. 
Paste Glycjrrbisae. 

gummosa. 
Pilalae Jalapae. 

odoDtalgicae. 
Polris aromaticns. 
gummosns. 
Sapo gaajaciDQS. 

- terebiDthinatas. 
Serum Lactis aluminatum. 
tamarindinat 
Sioapismus. 

Spiritus Aetheris acetici. 
chlorati. 
nitrosf. 
Ammooiaci caustic. 
Dzond. 
Spiritus Formicarum. 

Vini alcobolisatns. 
Spongiae compressae. 



Stibium sulphoratum rubeom. 
Sjropos Croci. 
Tiuctura Arnicae. 

Asae foetidae. 
Capsici annui. 
TiDCtCa8torei(Sibir.)aetherea. 
Canad.aetberea. 
• Cbinae simples. 

- Conii. 

- Digitalis. 

- Galbani. 

- Guajaci ammoniacata. 

- Lobeliae. 

- Moschi. 

- Nicotianae. 

- Piropinellae. 

- StramoDÜ. 
Trochisci Ipecacuaobae. 
Vinum Radici Golchici. 



Folgende Droguen und rohe chemische 
Prfiparate. 



Aerogo. 

Ammoniacum hydrochloratum 

crodom. 
Bolus armena. 
Capita Papaveris. 
Caricae. 
CioDabaris. 
Coccioella. 
Cornu Cervi raspat. 
Cortez adstringens Brasil. 

Quassiae. 

Salicis. 

Simarubae. 
Gnprum snlp.bnr. venale. 
Flores Aurautii. 

Malvae arboreae. 

• Millefolii. 

• Rhoeados. 

- Stoecbados citrinae. 

- Tanaceti. 

- tiliae. 
Folia Althaeae. 

- Bucco. 

- Juglandis. 

- Rntae. 

- Tozicodendri. 
Glaodes Quercus. 
Herba Aconiti. 

Ballotae lanatae. 
Chenppod. ambrosioid. 

- Lactucae yirosae. 
Lobeliae. 
Ljcopodii. 
MarrubiL 
Meliloti. 

- Polsatillae. 
Ichthjocolla. 
ludicum. 



Kali nitricnm crudum. 

- sulphuric. crudum« 
Kino. 

Magnesia sulphnrica cmda. 

Minium. 

Natrum nitricum crudum. 

sulpbur. 
Oleum. Bergamottae. 

Cajeputi (crudum). 

Laori. 
Os Sepiae. 

Plumbnm aceticum crudum. 
Radix Alcannae. 

Arnicae. 

Arteoaisiae. 

- Garyophyllatae. 
Golchici. , 

- Glycjrrhisae glabrae. 

- Helenii. 

- Paeoniae. 

- Pimpinellae. 

- Rubiae tinctorum. 
ResinaPini empyreum.liquida. 
Sapo domesticus. 

- viridis. 
Scammonium Halepense. 
Semen Gacao. 

Petroselini. 

Sabadillae. 

Stramonii. 
Spiritus Yini (crudus). 
Stibium (purum). 
Stibium snlphurat. nigr. (un* 

zerkleinert). 
Strobili Lupnli. 
Saccinum. 
Terebinthina cocta. 
Tragacantha. 



Substanzen, welche «war in den Vorschriften vorkom- 
men, aber als allgemein bekannt , nicht als besondere Ar- 
tikel aufgenommen sind: 



Amylum. 
Argeutom. 
Aurnm. 
Bismuthom. 
Gera alba. 
- flava. 
Gerasa acida. 
Golophonium. 
Gonchae. 
Ferrum. 

Flores Rosarum incarnatarum. 
Formicae. 
Fructus recentes Gitri. 

Juniperi. 

Rubi Idaei. 

Sambuci. 
Lac vaccinum. 



Manganum oxydat nativum. 
Natrium chloratum. 
Oleum animale foetidum. 

Olivarum vulgare. 

Succini crudum. 
Petroleum crudum. 
Pix navalis. 
Poma acida. 
Rotulae Sacchari. 
Saccharum. 

Sapo Hispanicus albus. 
Sebum. 

Spongiae marinae. 
Yinum Gallicum album et Xe- 

rense (statt Madeira). 
Zincum. 



2. Abänderungen in der Nomenklatur. 



6te Ausgabe. 
Acidum pyro-lignosum. 
Acetum concentratum. 
Acidum benzoi'cum. 

sulph. rectif. seu dep. 
Ammoniacum seu Gummi 

Amoniacum. 
Amygdalae amarae et dnlces. 

Aqua Galcariae. 
Ejreosoti. 
Arsenicum album. 
Asa foetida. 
Baccae Juniperi. 

Spinae cervinae. 
BenzoS. 
Bolus alba. 
Borax. 

Garbo praeparatus. 
Gardamomum minus. 
Gassia cinnamomea. 
Gastoreum. 
Gerussa. 

Ginnamomum acutum. 
Golocynthis. 
Gortex Ghinae regius. 
Gubebae. 
Decoctum Zittmanni fortius et 

mitius. 
ExtractumMezerei aethereum. 
Nuc. vomic. aquos. 

et spirit 
Elemi. 
Galbanum. . 
Gntti. 

Herba Sabinae. 
Hydrarg. iodatum flavnm. 
Liquor Ammoniaci acetici. 



^ 7te Ausgabe. 

Acetum pyro-lignosum. 
Acidum aceticum dilutum. 

benzoi'cum dilutum. 

sulph uricum. 
Gummi-resina Ammoniacum. 

Semen Amygdali amamm et 

dulce. 
Galcaria soluta. 
Ereosotum solutnm. 
Acidum arsenicosum. 
Oummi-resina Asa foetida. 
Fructus Juniperi. 

Rhamni catharticae. 
Resina Benzoe. 
Argilla. 

Natrum biboracicum. 
Garbo pulveratus. 
Fructus Gardamomi minores. 
Gortex Ginnamomi Gassiae. 
Gastoreum Sibiricum. 
Plumbum bydrico-carbonicum. 
Gortex Ginnamomi Zeylanici. 
Fructus Golocynthidis. 
Gortex Ghinae Galisayae. 
Fructus Gubebae. 
Decoctum Sarsaparillae com- 

posit. fortius et mitius. 
Extract. Mezerei spirituosum* 
Strychni aquos. etspi- 

rituosnm. 
Resina Elemi. 
Gummi-resina Galbanum. 

Gutti. 
Summitates Sabinae. 
Hydrarg. iodatum. 
Ammoniac. aceticum solatum. 



61 



6te Aasgabe. 
Liqnor Ammoniaci anisatos« 
caastici. 
sacdDici. 
Chlori. 
Ferri acetici. 

- cblorati. 
sesqaichlorati. 

Hydrargyri nitrici. 

Kall acetici. 

- carboDici. 

- bydrici. 
Natri bydrici. 
PJambi bydrico-acedci. 

Litbargyrum. 

Masticbe. 

Myrrhai 

Natnmi carbonicam addalam. 

depuraU 
Noces moschatae. 

vomicae. 
Oleom GiDDamomi. 
OHbaonm. 

PaJpa TamariDdomm. 
Radix Calami. 
Filici8. 
Galangae. 

Olycyrrbizae echinatae. 
Gramiots. 
HeUeb. aib. 
Jalapae. 

Iridis Florentinae. 
' Salep. 
Scillae. 
Zedoariae. 
Zingiberis. 
Semen AdisI stellad et vul- 
garis. 
Semen Cannabis. 
Carri. 
Ginae« 
Coriandri. 
Foeniculi. 
Lycopodii. 
Pbellandrii. 
. Solatio arsenicalis- 
SuccQS Glycyrrbis. crad. et de- 
parat 
Saccus Jnoiperi deporatas. 
Sambaci inspissat. 
Tanciarindi. 
Tartaros borazatas. 
crndoB. 
deparatos. 
Terebinthina commanis. 
Tioctnra Castorei. 
Ungt. Cerassäe. 

Hydrargyri rabrom. 
Vanilla. 

Vinam stibiatam« 
Zincam ozydatom. 



7te Aasgabe. 
Ammpniac solotam anisatam. 
caastic. solatom. 
saccinic. solatnm. 
Chlorom solatam. 
Ferr. aceticam solatam. 
chloratam 

- sesqaicbtorat solatam. 
Hydrarg. nitricornoxydalatam 

solatam. 
Kali aceticam solotam. 

- carbonicom solotam. 

- bydricom solotam. 

Natrom bydricom solotam. 

Plombom hy drico - acetic. so- 
latom. 

Plombom oxydatom. 
Resina Mastich e. 
Gammi-resina Myrrha. 
Natrom bicarbonicom. 

carbonicom porom. 
Semen Myristicae. 

Strychni. 
Oleom Cinnamomi Cassiäe. 
Gommi-resiua Olibanom. 
Palpa Tamarioclorom deparat. 
RbizQma Galami. 
Filicis. 
Galangae. 
Radix Glycy rrhizae. 
Rhizoma Graminis. 
Rbizoma VeratrL 
Tobera Jalapae. 
Rhizoma Iridis Florentinae. 
Tobera Salep. 
Bolbos Scillae. 
Rbizoma Zedoariae. 

Zingiberis. . 
Froctas Anisi stellati et vul- 
garis. 
Fractos Gannabis. 

Garvi. 
Flores Ginae. 
Fractos Goriandri. 
FoenicolL 
Lycopodium. 
Froctos Pbellandrii. 
Kall arsenicosom solotam. 
Bxtract. Glycyrrbiz. crad. et 

deparat. 
Bxtract. Joniperi. 
Samboci. 
Polpa Tamarindorom crada. 
Kali tartaricom boraxatom. 
- bitartaricom cradom. 
porom. 
Terebinthina. 
Tinctora Gastorei Sibirici. 
Ungt. Plombi hydrico-acetici. 
Hydrarg. oxydati robri. 
Froctas Vanillae. 
Vinam Stibio-Eali tartarici. 
Zincam oxydatom ponun. 



3. Neo aufgenommen sind, an Pr&paraten: 

Aqoa Robi Idaei, aos frischem Himbeerkochen dorch De- 
stillation mit Kali. 

Acidom benzoicom crystallisatom , dorch Aoskochen mit 
Kalk ond Zersetzen dorch Ghlorwasserstoffsfiure berei- 
tet; von schwachem Geruch, wird mit der Zeit nicht gelb. 

Argentum nitricnm com Kali nitrico , ein Gemisch . von 1 
Theil Höllenstein mit 2 Theilen Salpeter. 

Atropiom solphoricom. 

Ghloroformiom, spec. Gew. 1,492 — 96 bei 15* G. 

Cinchoniom solphuricum. 

Goffeinöm. 

Gollodiom. 

Decoctom Sassaparillae concentratom, 2 Theile Sarsaparilla 
sollen 1 Theil Dekokt geben. 

Emplastrom Mezerei cantharidatum (Drooottii), Englisches 
Heftpflaster wird mit einer Tinktor aas Ganthariden. Sei- 
delbast, Mastix ond Essigfither bereitet, aberzogen. 

Fei taori deporatom siccom, die frische Galle wird mit Al- 
kohol gemengt, filtrirt, der Spiritos dorch Destillation ge- 
trennt, der Rockstand dorch Knochenkohle entffirbt ond 
zom Trocknen gebracht. Ein weifses, in Spiritus und 
Wasser lösliches Pulver. 

Ferrom oxydolatam lacticum. 

Glycerinom, klar, färb- ond gerocblos, im Wasser und Al- 
kohol löslich; spec. Gew. 1,230; frei von Kalkerde und 
Bleioxyd. 

Hydrargyrom oxydolatam nitricom; 

Kali bicarbonicom purum. 

Dquor ad Serum Lactis parandom, Labessenz aus frischem 
Kfilberlab bereitet 

Morphiom hydrochloratom , an Stelle des Morphiom aceti- 
cam, weil es bestfindiger ist. 

Oleom BaUami Copaivae j ^^^ OeBtillation darznsteÜen. 

Cobebarom ) 

Santoninom^ for das w^gefallene Extr. Ginae aeth. 
Spiritos Sinapis, aos 1 Tb. OL Sinapis und 60 Th. Spir. 
Tinctofa Chinioidei, aos 2 Theilen Ghinioidin, 1 Th. Ghlor- 

wasserstoffsfiore ond 15 Theilen Alkohol bereitet. Der 

Sfiorezosatz ist geschehen, damit die Tinktor mit Wasser 

gemischt, klar bleibt. 
Tinctora Formicarom, statt des weggefallenen Spir. Formi- 

carom, dorch Maceration zo bereiten. 
Tinctora Seminis Strychni, ans 5 Theilen Semen ond 24 

Theilen Spir. rectif. dorch Maceration za bereiten. 
Unguentum Glycerini, 2 Theile Amylom, 10 Th. Glycerin. 
Ungoentom Hydrarg. amidato-bicblorati, aos 1 Theil Merc. 

praep. alb. ond 9 Theilen Fett. 
Zincam aceticam. 

oxydatom venale, zor Bereitong der Salbe ond der 

Zinkprfiparate. 
Zincam valerianicom, soll 25 pGt Zinkoxyd enthalten. 



62 



an Drogaen: 

Cortex Frangnlae. 

Flores Knsso. 

Gelatina, snr Bereitang des Englischen Pflasters and Gela- 
tiniren der Pillen. 

Glandulae Lnpuli (Lapuliu). 

Badiz Hellebori (viridis), für die weggefallene Itad. Helle- 
bori nigri. 

Tubera Aconiti (Napelli), für die weggefallene Herb, Aco- 
nit! Stoerkeani Mazimaldosis 2 Gran (and 10 Gran) statt 
5 Gran des Ejraates. 

4. Veränderangen in der Bereitang, Stärke and Zasam- 
mensetzang finden sich bei folgenden Präparaten: 

Acetam soll aas Spiritos bereitet sein. Früher sollten 16 
Theile einen Theil Kali carb. pur. sättigen, jetzt 6 Tbeile 
einen Theil Kali carb. solut, also 18 Theile Essig ei- 
nen Theil Kali carb. Da jedoch das offlcinelle Kali 
carb. pnr. gewohnlich noch 10 pCt Wasser enthält, der 
Liqaor Kali aber ^ geglühtes Eali carb., so kcfmmt das 
frühere Verhältniss wieder heraas. 

Acidam hydrochloratam (param) enthält jetzt 25 pGt was- 
serfreier Sänre, früher 24^ pCt 

Acidam nitricom (param) enthält jetzt 25 pGt wasserfreier 
Säare, früher 27^ pCt. 

Acidam salpharicam (param) enthält jetzt 80 pCt. wasser- 
freier Säare, früher 81 pCt 

Acidam tannicam soll jetzt in Wasser klar löslich sein. 

Aether aceticas ist jetzt fast reiner Aether; Wasser darf 
nar den lOten Theil seines Volomens an Aether aufneh- 
men, früher den 7ten Theil; spec. Gew. jetzt 0,900 — 4 
bei 15 • C, früher 0,885—90 bei 17^» C. 

Aqua Cerasorum amygdalata wird jetzt durch Mischen von 
1 Theil Aqua Amygd. amarar. mit 23 Theilen Aq. de- 
still, bereitet 

Calcaria hypochlorosa soll mindestens 10 pCt. wirksamen 
. Chlors ausgeben. 

Chlorum solutum (Liquor Chlori) soll mindestens | pCt 
Chlor enthalten. 

Decoctum Sarsaparillae compositum fortins und 

mitius. Das Verhält- 
niss der Sarsaparilla zur Ausbeute ist um ^j vergrofsert, 
dagegen fällt der Zusatz von Calomel und Zinnober 
fort 

Emplastrum adhaesivum, jetzt durch Zusammenschmelzen 
von 1 Theil Res. Pini Burg, mit 4 Theilen Empl. Plnmbi 
Simplex. 

Emplastrum adhaesivum Anglicum statt mit Hausenblase — 
mit Gelatine zu bereiten. 

Extractum Aconiti soll aus den trocknen Knollen des Aco- 
nit Napellus vermittelst Spiritus bereitet werden. Ist 



durch Extraction mit kaltem Wasser 
zu bereiten. 



weit stärker als früher: Maximaldosis i Gran, frü- 
her 3 Gran. 

Extractum Hellebori soll aus der Wurzel des HelleboraB 
viridis bereitet werden. Maximaldosis jetzt 2 Grau, * 
früher 10 Gran. 

Extractum Mezerei spirituosum jetzt nur vermittelst Alko- 
hol zu bereiten. 

Eztrat Ratanhae 
Rhei 
Scillae 

Extract Strjchni spurituosum. Nicht mehr mit Alkohol, 
sondern mit Spirit. rectificat zu bereiten. Das Extrakt 
lässt sich nun mit Wasser mischen. 

Extract Taraxaci. Aus der Wurzel mit jungem frischem 
Kraut zu bereiten. 

Ferrum chloratum solutum enthält jetzt 10 pCt Eisen, frü- 
her lOf pCt. 

Ferrum sesquichloratum solutum enthält löpCt Eisen, frü- 
her 16f pCt 

Ferrum hydricum in Aqua ist jetzt ein Gemenge von Eisen- 
oxydhydrat und Magnesia usta mit einer Losung von 
Chlormagnesium. Stets frisch zu bereiten. 

Pulvis aerophorus, jetzt 5 Theile Natron, 4 Theile Säure 
und 9 Theile Zucker; früher 4, 3 und 7. 

Pulvis aerophorus laxans. 1 Dosis besteht jetzt aus 7| . 
Grammen (120 Gran) Seignettsalz, 2^ Grammen (40 Gr.) 
Natron und 2 Grammen (32 Gran) Säure; früher 12q, 
40, 30. 

Pulvis Magnesiae cum Rheo. Das Pulv. rad. Iridis Florent 
ist weggefallen. 

Serum Lactis jetzt mit Labessenz zu bereiten, früher mit 
Weinsteinsäure. 

Species ad Infnsum pectorale. Die Flores Rhoeados fallen 
fort 

Tinctura Aconiti früher aus dem Kraut des Aconit Stoer- 
kean., jetzt aus den Knollen des Aconit. Napellus zu be- 
reiten. Maximaldosis =» 30 Tropfen. 

Unguentum Plumbi jetzt aus Gera alba, Adeps und Blei- 
essig; früher mit Provencer-Oel. 

Unguentum Rosmarini, statt des Ol. Lauri ist Ol. Nnci- 
stae eingetreten; die Farbe also nicht mehr grün. 

Unguentum Zinci. Mit Zinc. oxydat venale zu berei- 
ten, daher wohlfeiler. 

Vinum Stibio-Kali tartarici (stibiatum). Statt mit Madeira 
— mit weifsem Franz wein zu bereiten. 

In der Beschaffenheit und den Handelssorten der Droguen : 

Alo§. Es BoU nur Cap-AloS (lucida) angewendet werden. 
Benzoe (Resina Benzoe). Es wird vor der Sumatra- oder 

Penang-BenzoS gewarnt, die Zimmtsäure enthält 
Catechu. Nur Pegu- oder Acacien - Catechu anzuwenden^ 

nicht mehr die Terra japonica. 



■■I^fp^ 



63 



Cortez Chinae Caüsayae (regias). Nur solche boH ange- 
wendet werden, welche 3^ p€t China-Basen enthält. 

Folia Sennae. Nor Alexandriner oder Tripolitaner Senna, 
nicht mehr die Indische anzuwenden. 

Elemi (Resina Elemi). Nor das von Yncatan anzuwenden. 

Opiam. Nur das von Smyrna soll angewendet werden, 
dessen Pulver mindestens 10 pCt Morphium enthält. 

Radix Ipecacuanhae. Früher sollte beim Pulvern kein Rück- 
stand bleiben, jetzt soll das Holz, welches etwa \ der 
Wurzel beträgt, zurückbleiben. 

Rhizoma Filicis (Rad. Filicis). Das Pulver soll grün sein, 
nicht braun. 

Tubera Jalapae (Rad. JalapaeX Das Pulver der Knollen 
soll mindestens 10 pCt. Hars enthalten. 

(Alnmen sollte früher nur Kali - Alaun sein, jetzt darf es 
Kali- oder Ammoniak-Alaun oder gemischter sein.) 

Ein Beitrag zur Casnistik der TricbineDkrankheit. 

Yom SanitatBrath und PhjflikoB Dr. Ficinus in Stolberg. 

Brst die vortreffliche Schilderung des epidemischen 
Auftretens der Trichinenkrankheit in Calbe *) gab mir Auf- 
scbluss über einige räthselhafte Erkrankungen, die ich im 
März 1860 hier in Stolberg beobachtet hatte. Es ging mir 
gerade so wie den CoUegen in Calbe, denn ich befand mich 
einer Krankheit gegenüber» die mir neu war und über die 
j^h nirgends Aufflchluss fand. Die Oedeme, welche sprin- 
gend zu sein schienen, gaben Veranlassung zu Harnunter- 
suchungen, doch wies ihr Resultat eine Nierenaffektion von 
der Hand. Zuletzt spannte ich sie in das Prokrustesbett 
der Nomendatur und nannte sie Grippe unter der Form 
eines rheumatisch - gastrischen Fiebers. Ich verzweifelte, 
denn nichts half, die Kranken verzweifelten, denn sie er- 
fuhren Hülfe und Linderung erst durch die Zeit, die sich 
aber über 2 — 3 Monate erstreckte. Daher spreche ich 
nichts von der verschwendeten Therapie. Ich kann auch 
den Beweis durch das Mikroskop nicht liefern, hätte es 
aber ein Jahr später noch gekonnt, denn damals schoss 
sich einer der Krankgewesenen den ^nken Zeigefinger ab, 
und bei Heilung der mehrfach zerrissenen Hand hätte sich 
wohl Gelegenheit gefunden, einige Muskelbündel zu erlan- 
gen. Die Symptomatologie ist aber von Calbe und nach- 
träglich von Magdeburg ans bereits so fest begründet, dass 
die Krankheit auch ohne Mikroskop erkannt werden kann. 
Nahm ich doch auf Grund meiner aufgeklärten Beobach- 
tungen das Magdeburger Scleroma adultorum sofort für 
dasselbe, was die CoUegen in Calbe und ich hier gesehen 
hatten. 

Am 3. März wurde ich, nachdem mir schon eine Kranke 
mit unerklärlichen Gesichtsödem bei Lungenkatarrh flüchtig 



*) 'No. 38, Jahrg. 1862 d. Ztg. 



zur Beobachtung gekommen, zu einer Frau von einigen 50 
Jahren gerufen, die nach Tage langer allgemeiner Indispo- 
sition die weifse Geschwulst des Gesichts und der Conjnn- ^ 
ctiva bekommen hatte. Sie fieberte mäfsig bei ziemlich 
reiner Zunge, klagte aber über schmerzhafte Präkordialangst, 
Schlaflosigkeit und aufserordentliche Kraftlosigkeit Unter 
rheumatoiden Schmerzen traten weitere Oedeme an den 
Ellenbogengelenken und in unförmlicher Weise an den Fü- 
fsen und Unterschenkeln auf; letztere schwanden erst nach 
einem Vierteljahre. Der übrige Hausstand, aus 2 Männern 
und 3 weiblichen Personen bestehend, erkrankten in der- 
selben Weise Bei dem jüngeren Manne, einem Solfne in 
den Dreifsigern, begann das Leiden mit von Fieber beglei- 
teten heftigen, zum Schreien zwingenden Kolikschmerzen. 
Bei zwei weiblichen Personen waren die Oedeme um die 
Ellenbogen unförmlich und bei Berührung höchst schmerz- 
haft. Das Gesichtsödem war bei denen, die an sich rothe 
Wangen hatten, roth, bei den andern ganz weifs, und gab 
ihnen, da auch die Conjunctiva geschwollen war, ein eigen- 
thümliches Ansehen. Die Darmfunktionen waren bei Al- 
len normal. 

Später meldeten sich noch etwa 15 — 20 Personen aus 
dem indolenten Proletariat mehr gelegentlich und verlang- 
ten Abhülfe für ihre geschwollenen Beine und ihre grofse 
Kraftlosigkeit. Sie hatten, wie sie sagten, „die fatale irre- 
gegangene Krankheit^ überstanden und beschrieben sie ganz 
so, wie ich dieselbe bei den erwähnten 6 Personen gese- 
hen hatte. Einer derselben, ein sonst kräftiger Mann in 
den 50ger Jahren, hatte unförmlich geschwollene Beine, 
war in hohem Grade anämisch, so hinf&llig, dass er kaum 
stehen konnte. Dabei war seine Zunge so schwerfällig, 
dass er kaum sprechen konnte, wie er denn auch geistig 
ganz verfallen schien, denn er nannte fast Alles „Auer- 
berg^, wo er an der Chaussee arbeitete. Eisen half ihm 
nicht, aber die Zeit hat ihn vollkommen hergestellt. To- * 
desfälle sind nicht bekannt geworden. 

Ich habe die meisten der damals Erkrankten wieder 
aufgesucht, doch bei Keinem Gelegenheit gehabt, eine mi- 
kroskopische Controlle anzustellen, und lasse es auf sich 
beruhen, ob die reichliche Anzahl weifsgelber Punkte an , 
der untern Fläche der Zunge Trichinen oder Fettpartikel- 
chen sind. Natürlich ist der Sache in ätiologischer Bezie- 
hung nicht weiter nachzuforschen, wahrscheinlich aber ha- 
ben sich Alle durch die hiesige Lieblingsspeise „rohes ge- 
hacktes Schweinefieisch^ inficirt Zu verwundern aber ist, 
dass die Krankheit hier nicht öfter vorkommt, da der 6e- 
nuss des Schweinefleisches fast zur Tagesordnung gehört, 
und die Zucht der Schweine wie der Handel damit in die- 
sem Theile des Herzens in seltener Blüthe steht Mit vor- 
stehendem aphoristischen Beitrage wollte ich nicht der be- 
kannten Symptomatologie, wohl aber der Casuistik und 
Verbreitung der Krankheit dienen, wie die Dessauer Regie- 



64 



rang der ProphylaziB dieote, indem sie die Krankheitser- 
eeheinongen am Schweine eroiren und bekannt machen liefs. 

Tagesereipisse und anderweite MittheiluDgeo. 

— Wochenbericht der hieeigen öffentlichen Kran* 

kenhfiuser: 

Bestand Wöchl. Wöchl. hieninter BesUnd 
7. Febr. Zagang Abgang Todesfälle 14 Febr. 

Bethanien .... 276 49 47 7 278 

Hedwigs -Krankenh. 220 40 47 6 213 

Blisabeth-Krankenh. 75 4 3 -~ 76 

Jadisches Krankenh. 38 6 2 — 42 



dain Charit^ 



609 
1363 



99 99 



13 



609 
1370 



1972 1979 

In Bethanien waren Rheamatismus nnd Nervenfieber, 
und im Hedwigs-Krankenhause aknter G^lenkrhenmattsmas 
vorherrschend. 

Liter&tar. 

Ueber die Behandlang der Longenschwindsncht 
durch die Brosterweiterong and dem Oebraach der 
Scrophalaria nodosa von Dr. J. Seiler. Basel a. 
Genf bei H. Oeorg 1862. 227 S. 8. 

Der Herr Verfasser hat sein Werk sowohl far Aerzte, 
wie far gebildete Laien geschrieben» eine Binrichtang die 
snr Folge hat, dass Ein Theil den Letzteren unverständ- 
lich, and ein anderer Theil far die Eirsteren überflüssig ist 
Davon abgesehen ist das Bach Aerzten gewiss von Inter- 
esse. In den ersten Kapiteln finden sich Ursachen, Natar 
and Verlauf der Schwindsucht dem heutigen Standpunkte 
der Wissenschaft entsprechend abgehandelt. Dann folgt die 

* eigenthfimliche Behandlung, durch welche der Herr Verfas- 
ser den ersten Stadien der Schwindsucht entgegentritt Sie 
besteht in der Brusterweiterung und Kräftigung des Mus- 
keltonus durch einen eigenthümlichen Induktionsapparat, 
wegen dessen Beschreibung und Anwendnngsweise wir den 
Leser auf das Werk selbst verweisen müssen, und in der 
Verordnung der Scrophularia nodosa, zum Innern Gebrau- 
che und zu Inhalationen mittelst des Pnlverisatenrs von 
Sales-Girons. Für den innem Gebrauch wird die aus 
dem frischen Kraute nach Hahnemaun's Vorschrift be- 

• reitete Tinktur empfohlen. Indem wir hierin den Qerrn 
Verfasser vollkommen Recht geben, bemerken wir, dass 
überhaupt bei der Anwendung von vegetabilischen Mitteln 
diese Bereitungsweise den gewöhnlichen Tinkturen weit vor- 
zuziehen ist, und es zu wünschen wäre, dass auch die Lan- 
despharmakopoe, wie dies schon bei einzelnen Mitteln der 



Schacht' sehe Anhang gethan hat, die aus der frischen 
Pflanze bereiteten Tinkturen aufnähme 

Praeparata cbemiea et pharmaca composita in Pharma- 
copoeae Borussicae editionem septimam non recepta, 
quae in officinis Bornssicis usitata sunt Supplemen- 
tum Pharmacopoeae Borussicae curavit J. E. S c h ac h t, 
Dr. med., Pharmacopola, Collegii medici regii so- 
cius. Berolini apud Bad. Gärtner (Amelang) 
1863. 144 S. 8. 
Die siebente Ausgabe der Pharmakopoe hat die Zahl 
ihrer chemischen Präparate und zusammengesetzten Arznei- 
mittel noch mehr beschränkt, als die ältere Ausgabe. Wenn 
daher sonst schon der sogen. Schacht' sehe Anhang zur 
Pharmokopde, der im Jahre 1847 erschien und eine ans- 
seramtliche Ergänzung der 6ten Ausgabe der Pharmakopoe 
bildete, dem Arzte und dem Apotheker unentbehrlich war, 
so gilt dies noch weit mehr von dieser neuen, die siebente 
Ausgabe der Pharmakopoe ergänzenden Arbeit. Mag die 
Letztere die Zahl ihrer Mittel noch so sehr verringern, die 
ärztliche Praxis behält dennoch viele ältere Mittel bei, za 
deren Bereitung die Pharmakopoe nicht mehr Anweisung 
giebt, und sie adoptirt neue Mittel, die in die Pharmakopoe 
noch nicht Aufnahme gefunden haben. Nichts aber ist noth- 
wendiger, als dass Arzt und Apotheker über diese Büttel 
sich verständigen, damit sie überall gleichmäfeig bereitet 
werden. Diese Verständigung ist der Zweck des Schacht-^ 
sehen Werkes, das denn auch von den Preufsischen Apo- 
thekern als Richtschnur far die Bereitung der gebräuchli- 
chen nicht officinellen Präparate und Composita allgemein 
angenommen worden, und daher auch jedem Arzte neben 
der Pharmakopoe unentbehrlich ist. 

Bekanntmachung. 

Es sind bei der hiesigen Anstalt zwei vom Staate und 
der Provinz mit 200 Thalern jährlichen Oehalt und völlig 
freier Station dotirte Assistenten-Stellen gegründet worden 
und baldigst zu besetzen. Jungen Aerzten welche ihr 
Staats-Ezamen absolvirt haben und sich zu einem einjähri- 
gen Dienste in der Anstalt verpflichten wollen, wird dies 
mit der Aufforderung bekannt gemacht, sich unter Einrei- 
chung ihrer Zeagnisse bei dem Unterzeichneten zu melden 
und von demselben die näheren Bedingungen ihres Eintritts 
entgegen zu nehmen. 

Leubns, den 21. Februar 1863. 
Der Direktor der Provinzial-Irren-Heilanstalt, 
Eönigl. Geh. Sanitätsrath Dr. Martini. 



Verlag von Th. Chr. Fr. Enslin (Adolph Enslin). in Berlin. — Gedruckt bei A. W. Schade in Berlin, Stallschreibentr. 47 



Neue Folge. 
VI. Jahrgang. 



PREÜSSISCHE 



Dt«f« Z«ltnBg «rtebeiat wSobentHeh. 

D»r Pr«it <!•• guis»n Jahrgangs, v«lelitr 

nlolit gatreant wird, itt S Thlr. 20 8gr. 



MEDICINAL -ZEITUNG. 

Herausgegeben von dem Verein fQr Heilkunde in Preussen 

unter Benntznng amtlicher Hittheilnngen des Eönigl. Hmisterinms der geistlichen, Unterrichts- 
nnd Hedicinai-Ängeiegenheiten nnd der KQnigi. ProvinziaI-Beh9rden. 

Redacteur: £. Maller, Geh. Mediein&l-Rath etc. 



1863. 




4. Mftrz. 



Inhalt. Amtlicher Theil; Personalien; Verfügungen; Bekauntmachang. — Die Sterblichkeit der Kinder in Berlin während der 
Jahre 1851 bis 1860; ron £. Loewer. (Fortsetzung.) — Tagesereignisse und anderweite Mittheiinngen. — Anzeige. 



Amtlicher TheiL 

PersonalieD. 

AlUEeiolmiuigen. 

Se. Majestfit der König babeo allergnädigst geraht, 
dem Kreis - Phyeikus , Sanitfiterath Dr. Hertel za Anger- 
mfinde den Rotben Adler-Orden Tierter Klasse, und 

dem prakt. Arzte Dr. Raison za Posen den Charak- 
ter als Sanitfitsrath za verleiben. 

Hiederlassnngen. 
Dr. Bartz bat sich in Wrietzen, Dr. Gottfr. Nötb- 
licbs in Aachen and der Tbierarzt erster Klasse Berger 
in Paderborn niedergelassen. 

Apotheken-Angelegenheit 
Der Apotheker Beck ist als Administrator der Ja- 
eoby'scben Apotheke in Stenszewo bestellt 

Todesfall. 
Der Wandarzt zweiter Klasse Dietrich in Seyda ist 
gestorben. 



TerfliguDgen« 

I Es bat sich das BedSrfniss beraasgestellt, die Bestim- 

moDgen des Reglements vom 1. December 1852 Ober die 

r Pbysikats-Prafang in mehreren Punkten abznfindern und za 
erg&nzen. 



Die diesffiUigen Anordnangen sind in einem besonde- 
ren Reglement zasammengefasst, welches ich der Königl. 
Regierang hierbei in . . Exemplaren zur Nachacbtong ond 
scbleonigen Yeröffentlicbnng darch Ihr Amtsblatt übersende. 
In Beziehung auf die PrQfungs- Gebühren verbleibt es 
bei der Verffigang vom 8. Februar 1856. 

Berlin, den 20. Februar 1863. 
Der Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medicinal- 
Angelegenheiten. 
V. Mühler, 
An 
sfimmtlicbe Kgl. Regierungen incl. Sigmaringen. 

Reglement für die Prüfung Behufs Erlangung 
der Qualifikation als Kreis-Physikns. 

§. 1. Diejenigen praktischen Aerzte» welche in ihrer 
Approbation als Arzt, Wondarzt und Geburtshelfer das Prä- 
dikat ,, vorzuglich gut^ erbalten haben, können 2 Jahre, die- 
jenigen, welche das Pr&dikat „sehr gut^ erhalten haben, 3 
Jahre, die übrigen 5 Jahre nach erlangter Approbation zu 
der Physikats-Prfifung zugelassen werden. 

§. 2. Die Gesuche um Zulassung zur Prüfung sind on-^ 
ter Beifügung der Approbation als Arzt, Wundarzt und Ge- 
burtshelfer an die betreffende Kgl. Regierung zu richten, 
welche demnächst an den Minister der Medicinal- Angele- 
genheiten gutachtlich berichtet und sieb hierbei insbesondere 
darüber zu ftufsern hat, ob der Candidat als wissenschaft- 
lich gebildeter Arzt einen guten Raf, das Vertrauen seiner 
Kranken und die Achtung seiner GoUegen erworben, auch 
sonst sich so geführt habe, dass ihm ein öffentliches Amt 



66 



ohne Bedenken anvertrant werden kann. Militair-Aerzte 
haben hieraber ein Zeuguiss des vorgesetzten General-Aras- 
tes beizubringen. 

§. 3. Die PrSfang wirtl vor der 'WiBeenscbaftlichen 
Deputation för dasMedicinalweeen abgelegt and besteht in 
einer schriftlichen, praktischen and mundlichen Prufang. 

§. 4. Für die schriftliche Prüfung werden zwei wis- 
senschaftliche Ausarbeitungen geliefert, zu welchen die Auf- 
gaben ans dem Oebiet der gerichtlichen Medicin und der 
Sanitats-Polizei oder anstatt der letzteren aus dem Gebiet 
der medicinischen Statistik, der Kriegsarzneikunde oder der 
Hygiene entnommen werden. 

Die Aufgaben werden von der Wissenschaftlichen De- 
putation für das Medicinalwesen gestellt und dem Minister 
der Med icinal- Angelegenheiten eingereicht, welcher dieselben 
durch die betreffende Egl. Regierung dem Candidaten zu- 
fertigen lässt. 

§. 5. «Die Ausarbeitungen sind spätestens 6 Monate 
nach Empfang der Aufgaben dem Minister der Medicinal- 
Angelegenheiten mit der an Eidesstatt abzugebenden Ver- 
sicherung, dass sie, abgesehen von den dabei benutotea li- 
terarischen Hulfainitteln , ohne anderweitige fremde Hülfe 
von dem Candidaten selbst angefertigt worden, einzureichen. 
Dieselben müssen geheftet und paginirt, auch gut und deut- 
lich geschrieben seid und eine vollständige specielle Angabe 
der benutzten literarischen Hülfsmittel enthalten. 

§. 6. Nach Ablauf der 6monatIichen Frist werden die 
Ausarbeitungen nicht mehr zur Censur angenommen, es sei 
denn auf besonderen Antrag der betreffenden Königl. Re- 
gierung ausnahmsweise eine Nachfrist bewilligt worden, 
was jedoch unbedingt nur einmal zulässig ist. 

Unmittelbar an den Minister gerichtete Gesuche der 
Candidaten um Nachfrist werden nicht berücksichtigt. 

Wer die Gmonatliche Frist resp. die bewilligte Nach- 
frist nicht innegehalten hat, darf frühestens erst ein Jahr 
nach Ablauf derselben neue Aufgaben erhalten. Wer auch 
dann die Arbeiten nicht rechtzeitig abliefert, wird überall 
nicht mehr zur Prüfung zugelassen. 

§. 7. Die rechtzeitig eingereichten Probearbeiten wer- 
den der Wissenschaftlichen Deputation für das Medicinal- 
wesen vorgelegt und von derselben mit der schriftlichen 
Censur dem &linister der Medicinal-Angelegenheiten zurück* 
gereicht. 

Genügen die Arbeiten den Anforderungen, so wird der 
Candidat unmittelbar durch den Minister davon benachrich- 
tigt und zu den übrigen Prüfhngs-Abechnitten zugelassen. 
Wird eine der Arbeiten „mittelmafsig*' oder ^schlecht^ be- 
funden, so ist die ganze schriftliche Prüfung zu wiederho- 
len und der Candidat kann je nach dem Ausfall der Cen- 
* aar nach Ablauf von 3 Monaten bis 2 Jahren sich neue 
Aufgaben durch die betreffende Eönigl. Regierung erbitten. 
Eine zweite Wiederholung findet nicht statt. 



§. 8. Die praktische und mündliche Prüfung muss spä- 
testens 6 Monate nach Mittheilung des Ausfalls der schrift- 
lichen Prüfung absolvirt werden, widrigenfalls zunächst die 
schriftlrche Prüfung wiederholt werden muss. 

Die Prüfung wird im Charit^-Erankenhause zu Berlin 
von Mitgliedern der Wissenschaftlichen Deputation für das 
Medicinalwesen möglichst in zwei auf einander folgenden 
Tagen abgehalten. 

Während der Zeit vom 15. August bis 15. Oktober je- 
den Jahres finden keine Prüfungen statt. 

§. 9. In der praktischen Prüfung hat der Candidat 
a) am ersten Tage in Gegenwart eines Mitgliedes der 
Deputation den Zustand eines Geisteskranken oder 
eines Verletzten zu untersuchen und sofort unter Clan- 
sur einen Fundbericht mit gutachtlicher Aeufserung 
über den Fall unter Berücksichtigung der gesetzlichen 
Bestimmungen abzufassen; 
Ä) am folgenden Tage an einer Leiche eine ihm aufge- 
gebene legale Obduction zu verrichten und den Sek- 
tionsbericht vorschriftsmäfsig zum Protokoll zu dik- 

. tiren* 

§. 10. Die mündliche Prüfung wird gleichzeitig mit 
der §. 9. lit. b, erwähnten praktischen Prüfung von 3 Mit- 
gliedern der Wissenschaftlichen Deputation abgehalten, de- 
nen die Auswahl der aus dem ganzen Gebiet der Staats- 
arzneikunde , einschliefslich der Veterinair - Polizei zu ent- 
nehmenden Prüfungs-Gegenstände überlassen bleibt. 

Mehr als 3 Candidaten zugleich dürfen zu der prakti- 
schen oder mündlichen Prüfung nicht zugelassen werden. 

§.11. Deber beide Prüfungen wird ein Protokoll auf- 
genommen, welches die Gegenstände der Prüfung, das Ur- 
theil der Examinatoren über das Ergebnis» jeder- einzelnen 
Prüfung und die Schlusscensur über das Gesammtergebniss 
der Prüfung enthalten muss. Dasselbe wird dem Minister 
der Medicinal-Angelegenheiten eingereicht. 

§• 12. Im Fall eines ungenügenden Ergebnisses der 
praktischen oder der mündlichen Prüfung ist dieselbe je 
nach der Censur nach 3 — 6 Monaten zu wiederholen. 

Eine zweite Wiederholung findet auch hier nicht statt 

§. 13. Die für die medicinischen Prüfungen überhaupt 
vorgeschriebenen Censuren „vorzüglich gut^, „sehr gut^, 
„gut% „mittelmäfsig^ und „schlecht^ kommen auch bei der 
Physikats-Prüfung in Anwendung. Auf Grund der 3 ersten 
Censuren wird das Fähigkeits-Zeugniss zur Verwaltung ei- 
ner Physikatsstelle ertheilt Die beiden letzten Censuren 
haben die Abweisung des Candidaten zur Folge. 

§. 14. Das gegenwärtige Reglement tritt sofort in 
Kraft, so dass auch diejenigen Candidaten, welche die nach 
den Bestimmnngei» des Reglements vom l.December 1825 
anzufertigenden schriftlichen Probearbeiten bereits abgelie- 
fert haben, praktisch und mündlich nach Vorschrift des neaen 
Reglements zu prüfen sind. 



- 67 



Deujenigeo Candidaten, welche die naeh jenen Bestim- 
muigen aniufertigenden Probearbeiten noch nicht abgelie- 
fort haben, wird aaf ihren bei dem Minister der Medicinal- 
Angelegenheiten nnmittelbar tu stellenden Antrag die Be- 
arbeitung derjenigen Aufgaben erlassen werden, welche nicht 
anter die Kategone der im §• 4. erw&bnten Aufgaben fallen. 
§. 15. Die §§. 75., 76. und 77. des Reglements für 
die Staatsprüfungen der Medicinal-Personen vom 1 . Decem- 
ber 1825 werden hiermit aufgehoben. 
Berlin, den 20. Februar 1863. 
Der Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medicinal- 
Angelegenheiten. 
V. Mühier, 



Unter den in dem Bericht vom • . vorgetragenen Ver- 
hSltnissen kann ich die zurSckfolgende Beschwerde des 
praktischen Arztes Dr. N. zu N. nicht für ungegründet er- 
achten. Es ist zwar richtig, dass die Cirkular -Verfügung 
vom 20. Januar 185B (Hörn Med.-Wesen Bd. I. 362.) nur 
von Attesten der Medtcinal-^Beamten handelt und 
demzufolge im vorliegenden Fall der Abschnitt 5. der Ta^ 
voin 21. Juni 1815 keine Anwendung findet. Die Position 
20. Abschnitt I. der Taxe bezieht sich jedoch nar auf sol- 
che Bescheinigungen, wodurch ohne weitere Motivirung die 
Thatsache festgestellt wird, dass eine Person krank oder 
gesund sei. Durch eine solche Bescheinigung wfirde die 
Requisition, welche der Landratb an den Beschwerdefüh- 
rer gerichtet hat, ihre Erledigung nicht gefunden haben. 
Es war vielmehr in der Ordnung, dass der Dr. N. ein aus- 
führliches Outachten erstattet hat, für welches nicht der 
höchste Satz der Position 20., sondern der niedrigste Satz 
der Position 21. Abschnitt 1. der Taxe zur Anwendung zu 
bringen isL 

Ich veranlasse demnach die Königliche Regierung, die 
nachtr&gliche Zahlung der defektirten 2 Thaler anzuordnen 
and den Beschwerdeführer mit entsprechendem Bescheid zu 
▼ersten. 

Berlin, den 10. Februar 1863. 
Der Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medicinal- 
. Angelegenheiten. 

In Vertretung: Lefineri. 
' An 
die Konigl. Regierung zu N. 



Der Königl. Regierung übersende icb in Verfolg der 
Verfügung vom 6. Januar v. J. (No. 5724. M.) anliegend 
eine auf Orund der erstatteten Berichte gefertigte Zusam- 
meosteUung über den Verlauf der Pockenkrankheit in 
Prenfsen im Jahre 1861 zur Kenntnissnahme und mit der 



Veranlassung, über das Auftreten der Krankheit im Jahre • 
1862 nach Anleitung der Cirknlar-Verfagnng vom 24. De- 
cember 1858 (5105 M.) zu berichten. 

Berlin, den 5. Februar 1863. 
Der Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medicinal- 
Angelegenheiten. 
«. MuhUr. 
An 
sämmtliche Königl. Regierungen incl. Sigmaringen 

und an das hiesige Königl. Polizei-Präsidium. 
No. 386. M. ■ 

^ie Pnckenkrankheit 
hat im Jahre 1861 im Allgemeinen eine etwas gröfsere 
Aasdehnung gewonnen, als im Vorjahre. Die Epidemie, 
welche 1859 die Provinz Preufsen nach einer fast neunjäh- 
rigen Pause za überziehen begann, hat an Ausdehnung zu- 
genommen und, wie es scheint, ihren Höhepunkt noch nicht 
erreicht Dann aber ist die Krankheit von Neuem wieder 
in der Provinz Schlesien, namentlich im Regierungs-Bezirk 
Oppeln aufgetaucht, nachdem sie während der letzten Jahre • 
nach einem langen und heftigen Verweilen za erlöschen 
schien. In der Provinz Posen hat sich die Verbreitung der 
Krankheit nicht erheblich gemindert; in den übrigen Pro- 
vinzen aber ist sie in erfreulichem Abnehmen gewesen und 
hat besonders in dem westlichen Theil der Monarchie nur 
in einzelnen Fällen sich gezeigt 

Ueber die lokale Verbreitung der Krankheit und ihren 
Gang in den einzelnen Blegierungs - Bezirken enthalte ndie 
eingegangenen Berichte der Mehrzahl nach, keine Details. 

Die anliegende Zusammenstellung (s. umstehend) enthält 
die Zahlen der Erkrankten und Oestorbenen nach den Re- 
gierungß - Bezirken in derselben Art, wie in den früheren 
Jahreo» Ea ergeben sich hiernach für den ganzen Staat 
14066 an den Pocken Erkrankte, 
1640 - - - Oestorbene, 

was eine Mortalität von 11 pCt. ergiebt Die letztere ist 
gegen 1860 nicht gestiegen, bei den Kindern sogar noch 
gefallen, ol>gleich diese im letzten Jahr verhältnissmäfsig 
etwas mehr von der Krankheit befallen worden sind, als 
im Vorjahre. In der Sterblichkeit der geimpften und der 
nicht geimpften Erkrankten ist ein hervortretender Unter- 
schied gegen früher nicht bemeriLbar gewesen. 

Fast die Hälfte aller Erkrankungen und mehr als die 
Hälfte der Todesfälle kommen auf die Provinz Predsen. 
Am stärksten grassirten die Pocken im südlichen Theil des 
Regiernngs - Bezirks Königsberg , demnächst aber auf dem 
platten Lande dee Regiernngs-Bezirks Marienwerder und in 
den beiden Städten Danzig und Elbing, wo die Krankheit 
einen epidemischen Charakter annahm. Im Regierungs-Be- 
airk Bromberg war die Krankheit über alle Kreise verbrei- 
tet Im Oppelner Departement wurden die Kreise Beuthen 



68 



N a c h w e i 

der im Jahre 1861 im Preussiscben Staate 





■ 








ZwM 




ErkrankuugafElle. 


Todesfall;. 


MorUUtät 


1 




t1 
j3 






1 






a' 




1 


Reg i eroDgB- Bezirk. 


der er- 

griffeDCD 
Orte. 


Zeitdauer der Eptilemle. 




1^ 
tu 

1 


Summa. 


1 
Sä 


6 

a 

1 


Summa. 


1 

•J 


1 
t 

•s 


B 

a 

s 

00 




















pCt. 


'pCiT 


pCt. 


1. 


Königsberg . . , 


435 


Januar bis December 


1449^ 990 


2439 


257 


98 


355 


17 


9 


14 


2. 


Gumbinnoii 






64 


desgL 


225. 75 


300 


47 


5 


52 


20 


6 


17 


3. 


Daazig . . . 






108 


desgl. 


3401213 


1553 


57 


137 


194 


16 


11 


12 


4. 


Marienwerder , 






168 


desgl. 


6961132 


1828 


176 


187 


363 


25 


16 


19 


5. : 


Posen - . . 






172 


desgL 


284: 


617 


901 


32 


40 


72 


11 


6 


7 


6. 


Bromberg . 








200 


dosgL 


471 


870 


1341 


52 


70 


122 


11 


8 


9 


7. 


BerÜD . . 








1 


deagL 


13 


30 


48 


9 


1 


10 


50 


3 


20 


8. 


Potsdam . 








106 1 


desgL 


•527j 


745 


1272 


38 


25 


63 


7 


3 


5 


9. 


Frankfurt . 








96 


desgL 


213i 427 


640 


25 


48 


73 


11 


11 


11 


10. ' 


Stettin . . 








78 


deagL 


96i 287 


383 


20 


28 


48 


20 


9 


12 


11. 


Cosliu . . 








79 


desgL 


1 374 


€33 


1007 


39 


55 


94 


10 


8 


9 


12. 


Stralsund . 








12 


desgL 


8 


88 


96 


« 


10 


10 


7 


11 


10 


13. ■ 


Breslau . _ 








46 


desgL 


85 


89 


174 


6 5 


11 


7 


5 


6 


14. 


Liegnitz , . 








25 


desgl. 


3o! 


118 


148 


4 


6 


10 


13 


5 


6 


15, 


Oppelu , . 








199 


desgL 


860 


819 


1679 


80 


59 


139 


9 


7 


8 


16. 


Magdeburg . 








9 


Januar bis Oktober 


12 


46 


58 


1 




1 


8 




2 


17. 


Merseburg , 








6 


März bis Mai 


n 


6 


17 


1 




1 


9 




5 


18. 


Erfurt • , 








1 


Juni 


1 


1 


2 


1 




1 


100 




50 


19. 


Münster 








1 


— 


1 


* 


1 


. 




. 


• 




• 


20. 


Minden • , 








3 


Januar bis August 


4 


14 


18 


• 




. 


• 






21. 


Arnsberg 








19 


Januar bis Oktober 


46 


66 


112 


15 


3 


18 


32 


4 


16 


22. 


Cölu - , , 








1 


«*. 


• 


3 


8 


. 




. 


. 




. 


23. 


Düsseldorf 








3 


Mai und November 


1 


3 


4 


. 




* 


. 




• 


24. 


CobleB« . 








* 


'f 


> 


* 


. 


• 




. 


. 




. 


25. 


Aachen , 








1 


— 


2 


6 


8 


2 




2 


100 




25 


26. 


Trier . 








12 


Mai und December 


8 


26 


34 


1 




1 


12 




3 


27. 


Sigmaringeu 






, 


» 


. 


. 


. 


• 




. 


• 




• 




Summa 1861 


1845 


Januar bis December 


5762 


8304 


14066 


863 


777 


1640 


15 


9 


11 




18 


60 


mi 


u-eii 


1624 


desgl. 


4703 


7623 


12326 


780 


534 


1314 


17 


7 


11 



69 



sang 

an den Pocken Erkrankten und Gestorbenen. 





■ : 

Vo 


n g 


e i n 


p f t e n 






— ; 

V n n 


:■:■■■■■,■ ■ ! ■ 

i c h t gel 


== 

m p f t 


e n 


Revac 


cinirit 


1 


Kindm 


ErwkdiMiMB 




Xindern 


Erwachaenen 


Zosunmen 




1 


i 


i 


1 
1 


1 


4* 
1 


1 


i 
1 


i 

o 
S 


9 


s 

■e 


3 
1 


1 
1 

9> 


S 
1 

• 


4d 


1 

1 

1 a> 


1 


1 

o 
S 


er- 
krankten 


V 

starben 


984 


175 


17 


905 


91 


10 


1889266 


pCt 
14 


465 


82 


pCt. 
17 


85 


7 


pt 


!t. 

8 550 


89 


pCt. 
16 


180 


33 


45 


12 


26 


39 


2 


5 


841 14 


16 


180 


35 


19 


86 


3 




8 216 


• 38 


17 


. 


• 


263 


26 


9 


801 


82 


10 


1064|l08 


,10 


77 


31 


40 


412 


55 


1 


3 489 


86 


17 


3 


1 


574 


82 


15 


908 


104 


11 


1482 186 


12 


122 


94 


77 


224 


83 


3 


7 346 


177 


50 


8 


1 


233 


14 


6 


580 


28 


4 


813 42 


5 


51 


18 


35 


37 


12 


3 


2 88 


30 


34 


66 


2 


370 


21 


5 


777 


59 


7 


1147| 80 


6 


101 


31 


30 


93 


11 


1 


1 194 


42 


21 


. 13 


3 


10 


3 


30 


24 


1 


4 


34 


4 


11 


8 


6 


75 


6 


• 




14 


6 


42 


• 


. 


331 


10 


3 


684 


22 


3 


1015| 32 


3 


196 


28 


14 


61 


3 




4 257 


31 


12 


44 


• 


163 


12| 7 


363 


35 


9 


526| 47 


9 


50 


13 


26 


64 


13 


2 


114 


26 


22 


12 


3 


80 


8 


10 


256 


26 


10 


536! 34 

i 


10 


16 


12 


75 


31 


2 




6 47 


14 


29 


15 


2 


310 


17 


5 


497 


41 


8 


807 


58 


7 


64 


22 


34 


136 


14 


1 


200 


36 


18 


25 


7 


7 


. 


• 


74 


10 


13 


81 


10 


12 


1 




• 


14 


• 




15 


• 


. 


2 




51 


1 


2 


78 


3 


4 


129 


4 


3 


34 


5 


14 


11 


2 


1 


8 45 


7 


15 


. 






16 


1 


6 


111 


4 


3 


127 


5 


4 


14 


3 


21 


7 


2 


2 


8 21 


51 23 


44 






355 


27 


7 


709 


42 


5 


1064 


69 


6 


505 


53 


10 


110 


17 


1 


5 615 


70 11 


15 




1 


8 


1 


12 


46 






54 


1 


2 


4 


• ^ 


• 


. 






4 


• 


• 


1 






7 






6 






13 






4 


1 


25 


• 






4 


1 


25 


• 






• 




• 


1 






1 






1 


1 


100 


• 






1 


1 


100 


• 






1 






• 






1 






, 


, 


, 


• 






, , 


• 


• 


• 






4 






13 






17 






• 


• 


. 


1 






1 


• 


• 


• 






22 


3 


13 


60 


3 


5 


82 


6 


7 


24 


12 


50 


6 






30 


12 


40 


• 






• 






3 






3 






■ 


• 


• 


• 






> • 


. 


. 


3 






1 






3 






4 






• 


• 


• 


• 






1 • 


• 


• 


• 






• 






• 

6 






6 






2 


2 


100 


• 






» • 

2 


• 

2 


100 


• 






4 

■ 






24 

• 






28 






4 


1 

• 


25 


2 

• 






6 


1 

■ 


16 

• 


1 






3839 


413 


10 


6968 


553 


8 


10807 


966 


9 


1923 


450 


23 


1336 


224 


11 


5 3225 


674 


20 


432 


53 


3128 


374 


12 


6384 


402 


6 


9512 


776 


8 


1575 


406 


26 


1239 


132 


i: 


l 2814 


538 


19 


662 


2' 


2 



70 



ODd GrofS'Streblitz am heftigsten heimgesucht ond sind hier 
4ie mehrfachsten Einschleppangen der Krankheit aos Polen 
und Oesterrejch coDStatirt worden. Im Regierangs-Bezirk 
Potsdam worden wie im Vorjahre die Priegnitz and der 
Angermünder Kreis am heftigsten heimgesucht In Pom- 



mern endlich fand die Krankheit vornehmlich im Cösliner 
Verwaltungs-Beiirk eine stärkere Verbreitung. 

Die nachfolgende Tabelle giebt eine Uebersicht der in 
den einzelnen Provinzen an den Pocken Erkrankten und 
Gestorbenen w&hrend der letzten 5 Jahre: 



ProTinx 


1S57 


1858 


1859 


1800 


1861 


Er- 
krankte 


Ge- 
Btorbene 


Er- 
krankte 


Ge. 

storbene 


Er. 
krankte 


Ge. 

•torbene 


Er. 
krankte 


Ge- 

storbene 


Er- 
krankte 


Ge. 

storbene 


l^rtafsen 


48 


2 


37 


8 


695 


88 


4358 


658 


6120 


964 


Pos^D .... 








d28 


34 


2317 


274 


1273 


116 


2246 


174 


2242 


194 


Br&ndcDbnrg . . 








1040 


91 


10846 


844 


6106 


448 


2411 


195 


1960 


146 


Pommern . . , 








151 


4 


2698 


266 


3958 


370 


2154 


155 


1486 


152 


ScEiteflien . , . 








2570 


265 


3183 


351 


935 


124 


500 


65 


2001 


160 


S&chscn . . . 








810 


49 


4125 


289 


688 


44 


136 


12 


77 


3 


We^tphilen . . 








2315 


326 


2109 


322 


1000 


94 


106 


7 


131 


18 


Rheioland . . , 








1660 


143 


3538 


435 


1380 


87 


415 


48 


49 


3 


Summa . 








8922 


914 


30843 


2789 


16035 


3141 


12326 


1314 


14066 


1640 



Die Sterblichkeit der Kinder in Berlin wAhrend der 
Jabre 1851-1860. 

Yom Subaarzt Dr. E. Loewer in BerliD. 
(Fortsetzang.) 

Bei den Krämpfen sehen wir das erste Jahr ^ie bei 
weitem gröfete Menge von Todesfällen tragen, es verh&lt 
sich aar Summe aller andern Einderjahre wie 2,79:1. 

Auch das zweite Jahr springt noch bedeutend hervor, 
es Btebt £n allen andern folgenden in dem Verhältniss wie 
1,41 : 1. Später vermindert sich die Sterblichkeit mit den 
TorschreitendeB Jahren immer mehr und zeigt in dem Al- 
ter von 10 — 15 Jahren eine nur unbedeutende Orofse. 
Demnach ist das Iste Lebensjahr fSr Krämpfe das bei wei- 
tem gefährlichste Alter, aufser Durchfall und Brechdurch- 
fall und aufser Abzehrung fordert keine Krankheit im er-» 
steu Jabre so viele Opfer, als jene. Auch dem 2ten Jahre 
ist eine vermehrte Gefahr den andern gegenüber nicht ab 
zusprechen^ doch vermindert sie sich später immer mehr in 
starken Proportioneo* Machen wir vorweg darauf aufmerk- 
sam, dass für das Alter vom vollendeten 4ten bis lOten 
Jahre das weibliche Geschlecht mit einen! geringen Ver- 
hältnisse dem mänDÜchen überwiegt, da die Differeni im 
3ten Jabre nicht erwähnenswerth ist, so haben wir stets 
eine höhere Ziffer bei den Knaben, als bei den Mädchen. 
Dieselbe ist am ungldich grofsten im Isten Jahre, wo das 
männliche Geschlecht ein Plus von 452 2eigt. Im Oan£en 



genommen steht die Sterblichkeit der Knaben zu der der 
Mädchen in dem Verhältnisse von 100 : 87,52. Dasselbe 
ist allerdings etwas anders, als das von Tripe ') gefun- 
dene, der 100:79 aufgestellt hat, wer weifs aber, wie weit 
sein Begriff „Convnlslonen^ sich ausdehnt und in welchen 
Gränzen sich unsere „Krämpfe^ bewegen. Küttner's ') 
Zahlen sind hier noch kleiner, als sonst; die von ihm no- 
tirten Todesfälle nach Krämpfen beschränken sich auf die 
2 ersten Lebensjahre und betrafen 4 Knaben und 1 Mäd- 
chen, so dass sie auch hier bei erstem viel häufiger waren. 
Schliefsen wir hieran den Trismus und Tetanus, so sehen 
wir naturgemäß fast nur das Iste Lebensjahr belastet, in 
dem Abfall des Nabels, Entzündung der Nabelgefäfse, Er- 
kältung und Zugluft die Hauptursachen abgeben. Vielleicht 
hab^ auch letztere, vielleicht noch andere Veranlassungen 
den Grund der Todesfälle in den spätem Jahren abgege- 
ben, jedenfalls sind sie für uns von untergeordnetem Wer«- 
the, da unter den letzten Bedingungen die Kinder unter 
demselben Einfiusse, als die Erwachsenen stehen. Das 
überwiegende Verhältniss der Knaben bei den Todesföllen 
ist in die Augen springend, sie verhalten sich zu den Mäd- 
chen, wie 1,34 rl. Im St. Petersburger Findelhause kamen 



') MouatsbUtt für medicinifiche Statistik und Geaundbeits- 
pflege 1857. No. 10. p. 71. 

*) Behrend oad Hildebrand, Journal f&r Kjnderkrank- 
heiten Bd. 32. p. 7. 



71 



1857 ') 10 Fälle von Trismas vor, die sich mnf 8 Knaben 
and 2 Mädchen vertheilten. Wie Romberg *) anfahrt, 
hat aach Sc hol 1er Knaben häufiger ale Mädchen vom 
Trismas befallen werden gesehen: nnter 19 Fällen waren 
15 Knaben and 4 Mädchen. 

Alle die letzteren Krankheiten cosammengenommen 
drängen ans tn dem Schlüsse, dass bei den Krankheiten 
in den Sphären des Nervensystems mehr die Knaben als 
die Mädchen zu leiden haben, and dass dieser Unterschied 
hauptsächlich im Isten Lebensjahre hervortritt. 

Beim Schlagfluss sowohl wie beim Longenschlage and 
der Lungenlähmang können wir a priori erwarten, dasselbe 
Resultat zu finden, welches die Entzündungen der Respi- 
rationsorgane, die Gehirnentzündung und der hitzige Was- 
serkopf ergeben haben. Es ist dies auch in der ^^hat der 
Fall: überwiegende Betheiligung der Knaben and des Isten 
Lebensjahres, rasche Abnahme mit vorschreHendem Alter 
zeigen sich auch hier und machen eine weitere Explikation 
um so unnötbiger, als die Krankheitsbenennungen überhaupt 
.eine Zwitterstellang einnehmen and keine sichere Basis für 
unsere Untersuchungen darbieten. 

Die akuten Exantheme zeigen die Hauptzahl der To- 
desfälle vom vollendeten Isten bis vollendeten 4ten Lebens- 
jahre mit einer ziemlich gleichen Betheiligung. Der Reihe 
nach würden sich dann nach der Sterblichkeitszififer das 
5te, Iste und 6ste bis lOte Jahr anschliefsen, in denen die- 
selbe immer geringer wird, vom Uten bis 15ten Jahre ist 
sie nur unbedeutend. Dass das erste Jahr eine so entfernte 
Stellang in dem Sterblicbkeitsverhältnisse einnimmt, hat of- 
fenbar seinen Grund darin, dass es überhaupt nar verhält- 
nissmäfsig selten von der Krankheit heimgesucht wird. 
Rilliet und Barthez ') sagen vom Scharlach und von 
den Masern, dass sie im Laufe des ersten Jahres von aas- 
serordentlicber Seltenheit sind, dass sie im Allgemeinen 
vom 3ten bis lOten, besonders aber vom 6ten bis lOten 
Jahre auftreten und die Knaben mehr, als die Mädchen er- 
greifen. Wenn trotzdem das Iste Jahr eine so hohe und 
das 2te überhaupt die höchste Zahl der Gestorbenen trägt, 
so werden wir uns dennoch gezwungen sehen, ihnen bei- 
den das traurige Vorrecht der gröfsten Gefahr bei den ako» 
ten Exanthemen zu vindiciren. 

Li den Jahren aber, wo sie besonders auftreten» lässt 
sich aus der fortdauernd abnehmenden Sterblichkeitsziffer 
acbliefsen, dass sich mit den vorrückenden Jahren auch die 
Gefahr für das Kind vermindert. Sehen wir von dem 4ten 



') Aerztlicher Bericht über das St. Petersburger Findelhaus. 
Petersburg 1860. p. 25. 

') Romberg, Lehrbuch der Nervenkrankheiten Band L 
p. 587. 

') Rilliet und Barthez, trait^ des maladies. des enfants 
Bd. 3. p. 207 u. 298. 



Jahre ab, wo das Sterblichkeitsverhältniss zwischen Kna- 
ben ond Mädchen gleich ist, so gestaltet es sich bei erste« 
ren durchweg ungünstiger und zwar um so mehr, je höher 
die Zahl der Gestorbenen überhaupt ist. Es tritt dies haopt- 
sächlich im 2ten Jahre hervor, wo auf der Seite der Kna- 
ben ein Pins von 30 existirt. Im Ganzen genommen steht 
das Sterblichkeitsverhältniss der Knaben zu dem der Mäd- 
chen, wie 100:93,74. Tripe *) hat für London das Ver- 
bältniss von 100:97,1 gefunden und stammt diese Diffe- 
renz vielleicht daher, dass bei ihm die Pocken mit einbe- 
griffen sind. Speciell starben nach seinen Tabellen an den 
Masern auf 100 Knaben 97,8 Mädchen und kamen die mei- 
sten Opfer auf das 2te, dann auf das 3te, nnd in dritter 
Reihe auf das Iste Lebensjahr. Für Scharlach fand er 
zwischen Knaben und Mädchen das Verhältniss von 100 : 
89,7, die meisten Todesfälle kamen der Reihe nach auf 
das 3te, 4te nnd 2te Jahr, im Isten unterlagen die wenig- 
sten Kinder. Wir haben die Pocken in die Reihe nicht 
aufgenommen, weil hier während der vorhin erwähnten Epi- 
demie die ungleich meisten Todesfälle aaf das Iste Lebens- 
jahr kommen, wo also noch keine Schatzkraft durch voll- 
zogene Vaccination eingetreten gewesen sein wird. Die 
Knaben überwogen etwas die Mädchen. Interessant ist es 
aber, bei der Epidemie zu untersuchen, in welchem Ver- 
hältnisse die Kinder überhaapt zu den Erwachsenen gestor^ 
ben sind, weil bei ihnen doch die Vaccination vorausgesetzt 
werden kann. Während der ganzen Epidemie starben 468 
Personen, davon 267 Kinder und 201 Erwachsene, also in 
dem Verhältnisse von 100 : 75,28. Mag man immerhin die ' 
Zahl der Erwachsenen noch für bedeutend halten, mag man 
dieselbe dazu benutzen, um die Revaccination zu empfeh- 
len, so steht es doch aber fest, dass sie dem Tode weni- 
ger Opfer, liefern, als die Kinder, weil sie geschützter sind 
als die letztern, von denen ein guter '^heil gewiss noch 
nicht vaccinirt gewesen ist 

Die Todesfälle durch Skrofeln und Rhachitis sind 
der Ausdruck eben so vieler Opfer, die ihren Uutergang 
^den Verhältnissen**, um nicht zu sagen ihren Eltern ver- 
dtmken. . Sei es, dass die Kinder die Beute der von den 
Eltern ererbten Krankheit geworden sind, sei es, dass ver- 
kehrte Ernährungsweise, dampfe, feuchte Wohnungen, Man- 
gel an Luft und Licht ihr Dasein erst in Sieehthum ver- 
wandelt, dann dem Tode überantwortet haben, immer bleibt 
es eine traurige Thatsache, dieser Art von Quellen den Un- 
tergang 80 vieler Kinder zuschreiben zu müssen. Weil am 
zartesten und für alle Schädlichkeiten am meisten empfäng- 
lich, wird hier das Iste Lebensjahr die höchste Sterblich- 
keitsziffer zeigen und in der That überwiegt sie bedeutend 
der der andern Jahre. Die Sterblichkeit nimmt mit vor- 



') Monatsblatt für medicinische Statistik und Gesundheits- 
pflege 1857. No. 10. p. 70. 



72 



sohreiteDdem Alter in starken Proportionen ab and ist nar 
unbedeatend im Alter von 10 — 14 Jahren, weil hier natur- 
lich Bchon alle Todescandidaten aas den Reiben aasgemerzt 
sind und der Organismus überhaupt sich mehr gekräftigt hat. 
Das mfinnliche Geschlecht ist in den beiden ersten Jah- 
ren am meisten belastet, im 3ten, 4ten and 5ten Jahre lei- 
gen die M&dchen eine höhere Sterblichkeitsziffer, in den 
nfichstfolgenden 5 Jahren ist das Verh&ltniss naheza gleich 
and am Ende der Eindeijahre sind die Knaben wieder mehr 
betheiligt Im Ganzen genommen überwiegt wegen der 
grÖfsern Betheiligung der ersten beiden Jahre das männli- 
che Geschlecht, da es zum weiblichen wie 100 : 96,23 sich 
verhält. Das nach den Jahren so verschiedene Sterblich- 
keitsverhältniss lässt sich aas dem Auftreten der Krankheit 
erklären. Kattner ') hat bei 1187 mitRhachitis behafte- 
ten Kindern beobachtet, dass in den 2 ersten Lebensjahren 
369 fioiaben und 335 Mädchen, vom 3ten bis 9ten Jahre 
208 Knaben und 275 Mädchen mit der Krankheit behaftet 
waren, und dass, während im 7ten Jahre die letzten fünf 
männlichen Rhachitischen aufgezeichnet sind, die Mädchen 
deren bis zum 9ten Jahre noch 13 zählen. Die Hauptbe- 
theiligung der Geschlechter an der Krankheit fällt also fast 
auf dieselben Jahre, als die Hauptbetheiligung an den Ster- 
befällen. Kfittner fand die Sterblichkeit bei den Mädchen 
(27) etwas grofser als bei den Knaben (17); wenn unser 
Befund umgekehrt ist, so liegt der Grand wohl in unsern 
bedeutend gröfsern und deshalb leicht ein anderes Verhält- 
niss herbeifahrenflen Zahlen. Bei den Skrofeln fand übri- 
gens auch Kuttner, dass die Sterblichkeit ein wenig grös- 
ser aaf Seite der Knaben, als auf der der Mädchen ist. 
(Fortsetzung folgt) 

Tagesereignisse und anderweite fflittlieiiungen. 

— Wochenbericht der hiesigen öff^entlichen Kran- 
kenhäuser; 

Bestand Wöchl. Wöchl. hierunter Bestand 
U.Fbr. Zugang Abgang Todesfalle 21. Febr. 
Bethanien .... 278 42 41 5 279 

Hedwigs -Krankenh. 213 48 54 8 207 

Blisabeth-Krankenh. 76 8 4 2 80 

Jüdisches Krankenh. 42 7 4 1 45 



dazu Charite • 



609 
. 1370 



105 103 



16 



611 
1357 



1979 1968 

In Bethanien waren Rheumatismus und Masern, und 
im Hedwigs - Krankenhause entzündliche Brustaffektionen 
vorherrschend. 

— Unter den Schulern des hiesigen Wilhelms-Gym- 



nasiums haben sich seit Anfang d. J. mehrfach Erkran- 
kungen an katarrhalischer Augenentzundung be- 
merklieb gemacht, deren Verbreitung die Besorgniss vor 
der Entwickelung der granulösen Entzündung rege machte 
und die temporäre Schliefsung des Gjmnasii nothwendig 
erscheinen liefs. Da indess die zuerst Erkrankten bereits 
wieder hergestellt sind, auch bisher in den Familien der 
Erkrankten keine Verbreitung der Augenentzundung statt- 
gefunden hat, so scheint die Krankheit kontagiöser Natur 
nicht zu sein, und durften vielmehr irgend welche örtliche 
Einflüsse, deren Ermittelung bisher nicht gelungen ist, ih- 
rem Entstehen und ihrer Verbreitung zum Grande liegen. 



Anzeige. 

Die Krankenlieiler ^nellsalzseife, 

aus den Krankenbeiler-Jodschwefelbrunnen bereitet, igt nach At- 
testen der anerkanntesten Aerzte Deutschlands gegen Unreinig- 
keit der Haat und alle Haatkrankheiten, Scropheln, Fleehteii, 
Drüsen, Yerhärtangeii, GeschwUre (selbst s^phUitiselier und 
bösartiger Natur), Sehriindeii, namentlieh aaen gegen Frostbeu- 
len ete. ete. das sicherste und zugleich unschädlichste 
Heilmittel, indem sie, sowie auch die Krankenbeiler 
Brunnen, niemals eine Krankheit in den Körper zu- 
rücktreibt, sondern sie aus dem Körper ausscheidet. 
Sie dient auch als bewährtes Mittel gegen das Ausfallen der 
Haare in Folge von Schwäche der Haut, und bewirkt in Fällen, 
wo die Haare nach Krankheiten ausgingen — was bei Damen 
so häufig vorkommt — nach wenigen Wochen einen neuen kräf- 
tigen Haarwuchs. 

Es giebt drei verschiedene Sorten von Krankenheiler QuelU 
salxseife : 

1) die Jodsodaselfe, als ausgezeichnete ToileUe- 
seife und ki eher es Präservativmittel geg;en Unreinigkeit der 
Haut etc. Sie wird wie die gewöhnliche Toiletteseife gebraucht, 
und ist als solche allen kosmetischen Seifen zum 
täglichen Gebrauche unbedingt vorzuziehen, well 
sie, von allen schädlichen Bestandtheilen durchaus 
frei, neben ihrer medicinischen Wirkung die Haut weifs, glatt 
und zart macht, und nicht theurer zu stehen kommt, als andere 
gute Toiletteseife; 2) die Jodsodasehwefelselfe, al.< 
Heilmittel gegen oben angeführte Krankheitsfälle; 3) die ver* 
stArkte QuellsalsEselfe , für hartnäckige oder veraltete 
Fälle, in denen di6 Jodsodaschwefelseife nicht kräftig genue wir- 
ken sollte. IHese Seife ist yon sanz überraschender fieilkraft 
and bewirkt selbst in den hartnackigsten Fällen, in denen an- 
dere Mittel erfolglos geblieben, noch voUständige Heilung. 

Bei direktem Bezüge von der Brunnen - Verwaltung Kran- 
kenheil in Tölz (Bayern) kostet: 1 Paket Jodsoda- oder Jod- 
sodascbwefelseife 1 Fl. 6 Kr. oder 19 Sgr., 1 Paket verstärkte 
QuellsalzReife ! Fl. 54 Kr. oder 1 Thir. 3 Sgr. 

Die Krankenheiler Quellsalzseife ist auch zu beziehen durch: 
J. F. Heyl u« Comp, in Berlin, Sam« Ritter in Leip- 
zig, die miolireiiapotlieke in Dresden, JF, Helmer* 
dinier in Hamburg, J* Heinr. Dressler in Frankfurt 
a. M., lind« lilxl in Wien, Stoll u. Selmildt in St. Pe- 
tersburg und Moskau und alle Apotheken und Mineralwasse^r- 
Handlungen. f 



i 



Verlag von Th. Chr. Fr. Enslin (Adolph Enslin) in Berlin. — Gedruckt bei A. W. Schade in Berlin, SUllBchreiberstr. tc^ 



Neae Folge. 
VI. Jahrgang. 



PREÜSSISCHE 



D1«M Z«it«Bg «rteb«!»» w5ehtiitHeb. 

D«r Pr«U dM gwigM Jahrgaagt, yrütkn 

siebt gatreaat wird, ist S Tblr. 20 8gr. 



MEDICINAL -ZEITUNG. 

Herausgegeben von dem Verein für Heilkunde in Preussen 

uter Beiiatziing amtlicher Hittbeilnngen des E9iiigl. Hiiiisteriiims der geistlichen, ünterrichts- 
ond Hedicinal-ÄBgeiegenheiteii und der KQnigl. ProTinuaI-Beh9rdeii. 

Redacteur: £. Maller, Geli. Medicinal-Batli ete. 



1863. 




U. März. 



Inhalt. Amtlicher Theil; Personalien; Kabinets-Ordre. — Ueber Rademacher^s Lehre, mit Bezog auf einige neuere AenfiBeron« 
gen darüber; Ton H. W. Thienemann. ~ Geburt«- und Sterbe-Liste von Berlin für Monat Januar 1863. — Tagesereignisge und 
anderweite Mittheilnngen. — Literatur. — Anzeige. 



Amtlicher Theil. 

Personalien« 

AuszeidmnngeiL 
Se. Migest&t der König haben allergnfidigBt geruht, 
dem General- Arzt Dr. Hoppe den EönigL Kronen-Orden 
jsweiter Klasse, aud dem Kreis- Wandarzt Dr. Krause zu 
Dentsch-Crone und dem Unterarzt Herr mann den Rothen 
Adler- Orden vierter Klasse zu verleiben. 

AnsteUnngen. 

Der praktische Arzt Dr. Stenber ist zum Kreis-Pfay- 
sikus des Kreises Worbis, nnd der praktiselie Arzt Dr. 
Fachs onter Belassang seines Wohnsitzes in Lobsens zum 
Elreis- Wundarzt des Kreises Wirsitz ernannt worden. 

Die durch das Ausscheiden des Dr. Marm6 erledigte 
Stelle des Assistenz-Arztes der medidnischen Poliklinik bei 
der DniversitAt in Qreifswald ist dem Dr. med. Erab- 
1er, ond 

die durch den Abgang des Dr. Bertog erledigte As- 
sistenz-Arzt-Stelle bei der mediciniscben Abtheilong des Uni- 
versit&ts - Krankenhauses in Greifswald dem Dr. med. C. 
Bennecke abertragen worden. 

Der Kreis- Wundarzt G5ritz za Tempelburg hat die 
nachgesuchte Entlassung aos dem Staatsdienste erhalten. 

Viederlassnngen. 
Der praktische Arzt Dr. Döring hat sich in Anger- 



münde, Dr. Blafs in Schlebusch und Dr. Holthof in 
Cöln niedergelassen. 

Dr. R. Schmitz ist von Bonn nach Bad Nenenahr 
und der Wandarzt erster Klasse Beyer von Eanscha nach 
Beerherg gezogen. 

Apothekon-Angelegenheit 

Der Apotheker E Isner hat die Jonas'sche Apotheke 
in Posen ond 

der Apotheker Quincke die Zopp'sche Apotheke in 
Deotz gekauft 

Dem Apotheker Hell bar dt ist die Administration der 
Schramm'schen Apotheke in Neuftthrwasser übertragen. 

Todesfälle. 
Der Kreis-Physikas Sanitfitsrath Dr. Hühner in Ro- 
senberg 0.-S. and der Apotheker Schramm in Neafahr- 
wasser sind gestorben. 

Offene Medicinal-Stellen. 

Die Kreis-Physikats-Stelle des Kreises Rosenberg, 
Reg.-Bezirk Oppeln, und 

die Kreis -Wandarzt- Stelle des Kreises Nenstettin, 
Reg.-Bezirk Göslin, sind erledigt. 



AlierhSchste BestimiHiDg 

fiber die Benennung, Uniformirung etc. des thierfirzdichen 
Personals der Armee. 
Des Königs Majest&t haben mittelst Allerhöchster Ka- 
binets-Ordre vom 9. d. M. Folgendes za bestimmen geraht: 



76 



nische Ziel erstrebendes, snf Erfahrong gebautes, sich der 
strengsten Logik befleifsigendes Lehrgebäude, welches von 
vorn herein auf einen Standpunkt sich stellt, von welchem 
aus es die übrigen Lehrgebäude zu überschauen und die 
Lücken, die es in denselben findet, mit allen der Kli- 
nik SU Gebote stehenden Kräften auszufüllen sucht, 
und da, wo die bereits vorhandeoen Kräfte nicht ausrei- 
chen, denselben neue Hebel hinzufügt. Wer R ade ma- 
ch er's Lehre principiell verwerfen will, der zeigt, dass er 
nie begriffen hat, oder hat begreifen wollen, was Räde- 
rn ach er in der Vorrede und am Schlusskapitel sagt. Diese 
Sätze sind: 

In der Vorrede: ^In meiner Jugend verliefs ich schon 
als Zweifler die Hochschule, und habe seitdem immer alle 
sogenannte Theorien gering geschätzt, ohne mir jedoch den 
Grund dieser Geringschätzung angeben zu können ; und erst 
als ich zur ärztlichen Grofsjährigkeit gekommen war, fing 
ich an zu begreifen, dass meine Theorieschen von einer in 
meinem Kopfe dämmernden Verstandesmahoung, zwischen 
der rohempirischen und der sogenannten ratio- 
nellempirischen Heillehre mit ihren unzähligen 
Artungen, müsse noch eine dritte, wahrhaft ver- 
standesrecbte Heillehre liegen, erzengt sei^. 

Weiterhin: „Aus dem, was ich jetzt gesagt, werden 
die Leser schon abnehmen, dass es sich in meinem Werke 
nicht um eine bücherliche Alterthümelei, sondern vielmehr 
um etwas allgemein Verstandhaftes handelt — r.^ 

Im Schlnsskapitel „Letztes Wort an den Leser^: 
„Mein alter Meister Hufe 1 and sagte mir, da ich noch fast 
jung und er noch nicht alt war: ich solle Alles prüfen 
und das Beste wählen. Das ist wohl eine sehr verständige 
Rede; allein man kann doch unmöglich Alles prüfen, wenn 
man sich nicht deutlich denkt, worin das zu prüfende All 
bestehe. Da nun mein Verstand nur drei Grundfesten ei- 
ner Heillehre denken kann, und ich in diesem Werke die 
Aerzte auf die verkannte oder übersehene dritte Grundfeste 
aufmerksam gemacht, so glaube ich, dadurch das zu prü- 
fende All vervollständigt, und wo nicht etwas Dankenswer- 
thes, doch etwas Nützliches getban zu haben ^. 

In diesen Sätzen ist, denke ich, deutlich genug ausge- 
sprochen, dass Rademacher's Lehre kein negirendes, ver- 
nichtendes Princip enthält, sondern ein schaffendes. Sie 
lässt dem rohen sowohl, als dem rationellen Empiriker Al- 
les das, was er brauchen kann, unangetastet, ihre Tendenz 
ist aber noch Neues hinzuzufüen. Wer dieses auf seinem 
Standpunkte nicht braucht, dem wird es Niemand aufdrin- 
gen. Da aber unsere Schullehren unbestrittenermafsen der 
Lücken übergenug haben, so dünkt es mich doch thöricht, 
nicht einmal nachzusehen, ob etwas von dem, was Rade- 
mach er giebt, in irgend eine Lücke passe. Es ist mög- 
lich, dass Rademacher und seine Nachfolger sich in ih- 
ren Beobachtungen täuschen, aber wir sind uns bewusst. 



Alles, was in unsern Kräften steht, anzuwenden, um uns 
vor Täuschungen zu bewahren, und wer uns angreifen will, 
muss uns doch zeigen, wo wir uns getäuscht haben; das 
blofse Sagen: „Ich glaube das nichtl^ kann doch unmög- 
lich eine genügende Grundlage zum Absprechen über er- 
fahrungswissenschaftiiche Gegenstände geben. In Gd- 
schen's „Deutscher Klinik^ lese ich eben aus Italien über 
den Kaiserschnitt: „Einer der bedeutendsten Operateure 
Neapels versicherte, dass er kein einziges günstiges Resul- 
tat desselben kenne und daher auch die in fremden medi- 
cinischen Journalen mitgetheilten sämmtlich für erdichtete 
halte ^. Darüber lachen wir, aber manche Aeufserungen 
über Rademacher's Angaben sind wahrlich nicht viel 
besser. 

Werber fällt über Rademacher's Lehre kein ab- 
sprechendes Urtheil, verwirft sie überhaupt nicht principiell. 
Was er über einzelne Punkte sagt, motivirt er und ich setze 
voraus, dass er meine Gegengründe nicht übel nimmt, denn 
die Wahrheit kann ja nur durch Zusammenstellung ver- 
schiedenartiger Ansichten ermittelt werden. Werber kri- 
tisirt mit Schärfe, muss deswegen auch auf scharfe Erwi- 
derung gefasst sein; übrigens ist Werber der erste Schrift- 
steller, der Rademacher wirklich kritisirt Alle vorher- 
gegangenen Urtheile waren, wenn auch wortreicher, doch, 
nicht weniger oberflächlich, als das des Herrn (R.). W er- 
be r's Werkchen zerfällt in drei Abtheilungen : 1) Die Hei- 
lungsgesetze. 2) Historischer Umriss der medicinischea 
Schulen. 3) Die Kreise der Heilungsmittel und Heilungs- 
weisen. 

In der ersten Abtheilung geht Werber zuerst das mo- 
ralische, dann das physische Gebiet durch und theilt jede 
Klasse in das Gesetz des Gegensatzes, der Ableitung und 
der Aehnlichkeit Bei dem Gesetze der Aehnlichkeit im 
physischen Gebiete spricht er nun von Hahnemann'a 
Lehre, von Paracelsus's Lehre und von Rademacher's 
Lehre. Was er über Hahnemann sagt, geht mich hier 
nichts an. Von Paracelcns's Lehre giebt Werber blos 
einen Auszug von dem, 'was Rademacher ') in seinem 



') loh setze voran«, dass Rademaoher's Werk „Rechtfer- 
tigung der von den Gelehrten misskannten, verstandesrechten Er- 
fahrungsheillehre der alten scheidekünstigen Geheimärzte nod 
treue MitUieilang des Ergebnisaea einer fiinfundzwanzigjährigen 
Erprobung dieser Lehre am Krankenbetfe^S Berlin bei Reimer^ 
den Aersten, welche mit den Fortschritten der Zeit mitgehen wol- 
len, bekannt ist; obgleich ich bestimmt weifa, dass nicht Alle, die 
es besitzen, es gelesen haben. Gerade diejenigen aber, die blos 
darin geblättert, sind die, welche auf Rademacher schimpfen — 
diejenigen, welche es gelesen, sprechen allemal mit Achtung von 
Rademacher, auch wenn sie nicht, oder nicht ganz seiner Mei- 
nung beitreten. Rademacher schrieb mir einmal hierüber Fol- 
gendes: „Ihre Vermnthung, dass Herr Prof. R. das Buch nur 
flüchtig gelesen, kann wahr sein; ich mag diese Flüchtigkeit aber 



77 



ersten Kapitel sagt; er tritt also Rade mach er ganz bei 
und kann demnach anch Rademache r's Bekenntniss, dass 
seine Lehre in ihren Principien mit der des Paracelsas 
identisch sei« nicht widersprechen. Der Hanpt» nnd Orond- 
sats der paracelsiflchen Lehre ist: „denn nicht aas der 
specolativen Theorie soll t^ractica fliefsen, son- 
dern aas der Practica die Theorica*'. Dieses ist 
nan anch der Grandsatz Rademache r's and ihm zufolge 
stellt er die therapentischen Beobachtungen immer obenan 
nnd wül diesen die pathologischen etc. untergeordnet wis- 
sen, unsere Orthodoxie befolgt grofsentheils den entgegen- 
gesetzten Weg, nnd da anch Werber aaf demselben wan- 
delnd geforscht hat, so hat er Rade mach er Öfters anders 
verstanden, als dieser gewollt. Das wird sich bei weiterer 
Betrachtung zeigen. 

Nach Paraeelsus Lehre geht Werber nun auf Ra- 
de mach er's Lehre über nnd macht davon zuvörderst ei- 
nen kurzen Auszug, der in sofern gut ist, als überhaupt ein 
Auszug ans R ad em ach er's Werke gemacht werden kann. 
Denn dieses Buch ist ein in allen seinen Theilen so orga- 
nisch gegliedertes, streng zusammenhängendes Werk, wie 
ich kaum ein anderes kenne; jeder Thdl gehört zum Gan- 
zen. Rademac her sagt das selbst in der Vorrede: „Mein 
ganzes Bach ist eine ausfuhrliche Beantwortung dieser Frage ^ 
(d. h. der in Frage gestellten Behauptungen). In einem 
Briefe vom 24. Mai 1845 schrieb er mir: 

„Sie haben eine Recension meines Bochs gelesen, 
deren Verfasser dasselbe nicht als ein logisches Ganze 
erfasst Sie müssen wissen, dass die gewöhnlichen Aerzte 
der Meinung sind, um ein logisches Ganze darzustellen, 
dazu müsse man, anfser unsem römischen nnd arabischen 
Zahlen, noch zum Wenigsten die Bachstaben dreier Al- 
phabete als Zahlen benutzen. Wo sie also die mitzäh- 
len und Buchstaben bezeichneten Abtheilungen, ünterab- 
theilangen and Untern nterabtheilungen u. s. w. vermissen, 
glauben sie festiglich, das Ganzes sei nur ein wirres Ge- 
brnddel^. 

Rade mach er hat demnach ein logisches Ganze ge- 
ben wollen nnd glaubt es gegeben za haben. 

Nach diesem Aaszuge sagt Werber: „Vorausgesetzt, 
die Sache verhalte sich gerade so, wie Rade mach er lehrt, 
dass Eisen Krankheiten, welche das ganze and allgemeine 



anch nicht tadeln, denn ich weifs recht gut, dass die meisten Bü- 
cher der Art sind, dass, wenn man sie mit Aufmerksamkeit ge- 
lesen, man nach dem Lesen eben so klug ist, als man vor dem 
Lesen gewesen; dieses benimmt auch veratsndigen Männern aaf 
die Dauer alle Lust zum aufmerksamen Lesen^^ Und ein ander- 
mal: ,,Ich habe in manchem Buche das nicht gefunden, was ich 
nach einer sehr belobenden Reoension darin hätte finden massea; 
ist es also nicht gut, dass auch einmal ein Buch geschrieben wird, 
in welchem die Leser mehr Gutes finden, als sie erwartet?'^ 



Lebenssystem ergreifen und eisenhaft za behandeln sind, 
wirklich sicher and rasch heilt, dass Chelidonium eine be- 
stimmte Leberkrankheit sicher und schnell beseitigt, so fragt 
es sich, wie geht denn die Heilang vor sich? Diese Frage 
kann allerdings gemacht werden, wir können auch streben, 
sie zu beantworten, aber bis wir dahin gelangen, müssen 
wir* uns ohne die Beantwortung behelfen. Es giebt einen 
Erankheitszustand , der durch Chinin geheilt wird. Das 
wissen wir Alle; aber wie? das weifs Keiner. Wir verste- 
hen aber dennoch mit dem Chinin zu heilen. So steht es 
mit allen direkten Heilmitteln. Gerade über das Eisen hat 
uns die Physiologie froher Erklärungen gegeben; sie giebt 
uns jetzt andere nnd wird uns in Zukunft wieder andere 
geben — die Heilwirkung selbst bleibt nichtsdestoweniger 
die n&mliche. 

(Fortsetzung folgt) 

Geburts- and Sterbe-Liste ?od Berlin fDr Jannar 
18S3. 

Im Monat Januar d. J. sind in Berlin 

geboren: 1073 Knaben n. 1045Mfidchen, zus. 2118 Kinder, 
gestorben: 754männl., 662weibl.Geschl., zus. 141 6 Mensehen, 
mithin mehr geboren als gestorben: 702 

Getränt wurden 345 Paare. — Unter den Geborten ereig- 
neten sich 43mal Zwillings -t^ieburten. — Uneheliche Kin- 
der wurden geboren 348 (177 Knaben nnd 171M£dchen), 
es starben 148 (83 Knaben und 65 Mfidchen), worunter 121 
im ersten Lebensjahre. 

Lebensalter der Verstorbenen. 



Todt- 

gebo- 

ren 


Es sUrben im Alter 


■g 


1 ft- ÜB l-a 


£ \Jä 


u 

A 

l 




ziuammen 


wur- 
den 




« 

•-9 


S 
1 


A 


Sie 

PN 




68 


48 


386 


278|47|23 
1 1 


17 


188 


176 


162 


22 


1 


734 


6S6 



Eines gewaltsamen Todes starben 27 Menschen, und 
zwar: durch Verunglückung 17, n&mlich: 2 Mfinner nnd 
1 Frau durch Ertrinken, 8 M&nner in Folge von Kopf- 
verletzungen, 1 Mann, 1 Knabe nnd 1 Mädchen durch Er- 
stickung, 1 Mfidchen an Verbrennung, 1 Mann in Folge ei- 
ner Halswuude und 1 Frau durch fahrlässige Verabreichung 
von Schwefels&ure statt Medicin; durch Selbstmord 10, 
nfimlich: 3 Männer nnd 5 Frauen, weldie sich ^hängten, 
und 2 Männer, die sich erschossen. 

Die 1416 Todesfälle überhaupt ereigneten sich unter 
folgenden näheren Krankheits- und Geschlechts-Verhält- 
nissen: 



78 



Es starben: 



Todtgeboren 

Durch Lebeniflch wache bald nach der Gebort 

Tod in Folge ^ngeb. Bildongsfehler 

Älterschwäche , . . . . . , . 

Selbstmord - 

UnglfickstaHe 

An Eklampsie d« Seh w längeren a. Gebärenden 

- Verbiatung bei und nach der Entbindung 

- Wochenbettieber , • 

An Innern akuten Krankheiten: 

Ruhr 

Pocken 

Scbarlacb - , 

Masern . . , 

Schwämmehen *.<••*••• 

Keuchhusten 

Gasiriach-nerv6aes Fieber und Typhus 
Katarrhalisches Fi*iber und Grippe 

Rheuinatismaa 

Rothlaof . . < 

Zellge wehe Verhärtung der Elinder . . 
DurchfaJt u* Brechdurchfall der Kinder 
Entzündung des Gehirns . . . * . 

Brandige Bräune 

Häutige Bräune . . • .* • • • . 

Mandelbräuoe 

Entzündung der Luftröhre .... 

des Brastfells n. d. Lungen 

des Herzens .... 

dos Rückenmarks . . . 

des Magens und des Dar m- 
kanals 

des Bauchfells .... 

der Harnwerkzeuge . . 

der Biutgef&fse .... 

des Unterleibs ohne nähere 
Angabe des Organs . . 

An Innern cbron- Krankheiten: 

Organ, Krankheiten des Gehirns . . 

des Rockenmarks 

des Herzens . . 

der Lungen . . 

der Leber . . . 

der Speiseröhre, d. 
Magens und des 
Darmkanals . . 
Sonatige organ. Krankheiten des Unter- 
leibs 

Skorbut . 

Brustwassersucht 

Bauchwassersucht 

Allgemeine Wassersucht ..... 
Brightsche Ni treu k rankheit .... 

Gicht 

SteiLikrankheit . 



s 

e 


3 


a 
a 

a 
CO 


68 


48 


116 


25 


24 


49 


— 


1 


• 1 


20 


35 


55 


5 


5 


10 


13 


4 


17 


— 


2 


2 


— 


1 


1 


— 


12 


12 


1 


_ 


1 


7 


9 


16 


5 


3 


8 


25 


25 


50 


1 




1 


2 


— 


2 


16 


21 


37 


4 


6 


10 


5 


5 


10 


4 


6 


10 


1 


: 


1 


6 


7 


13 


30 


28 


58 


— 


5 


5 


38 


34 


72 


1 


— " 


1 


19 


25 


44 


30 


25 


55 


1 


2 


S 


— 


1 


1 


__ 


2 


2 


— 


2 


2 


1 


— 


1 


— 


1 


1 


6 


2 


8 


4 


7 


11 


1 




1 


11 


14 


25 


12 


9 


21 


7 


4 


11 


2 


5 


7 


3 


7 


10 


1 


— 


1 


7 


2 


9 


... 


1 


1 


9 15 


24 


2, 2 


4 


-1 2 


2 


11 


-1 


1 



Es starben: 



Syphilis •••••! 

Skrofeln und englische Axankheit . . 
Tuberkulose des Gdiims t . • . • 
* der Lungen (Hals- n. Lun- 

genschwindsucht) . • • 

Darmschwindsucht 

Tuberkulose ohne nähere Benennung. 
Krebs der Speiseröhre 

der Brust •••..... 

des Magens 

des Leber 

der Gebärmutter 

Krebs ohne nähere Benennung . . . 

Mark- und Blotschwamm 

Starrkrampf (Tetanus, Trismus) . . 

Epilepsie 

Eklampsie der Kinder 

Säuferwahns^ln 

Andere Geisteskrankheiten .... 

An plötzlichen Krankheitsfällen: 

Gehurnscblagiluss . • 

Lungen- und Herzschlag 

Nervensehlag — tödtliche Ohnmacht . 

An äufsern Krankheiten: 

Caries und Nekrose 

Nabelentzundung 

Tödtlicher Ausgang von chir. Operatio- 
nen (Verblutung, Pyämie etc.) . . 
Andere chirurgische Krankheiten . • 

An nicht bestimmten Krankheiten 
od. unter wissenschaftlicli nicht 
zu rubricirenden Krankheitsbe- 
nennungen: 

Abzehrung 

Lungenlähmung 

Zahnen 

Nicht benannte Krankheiten .... 



126 
3 
1 
1 

2 
1 



1 
5 
4 

68 
2 
2 



28 
10 



59 
21 

3 



61 
2 
1 

3 
1 
2 
4 



38 



23 
9 
1 



43 
29 

8 
7 



S 
S 

9 

CO 



2 

15 

5 

187 
5 
2 
1 
3 
3 
3 
4 
1 
1 
11 
4 

106 
2 
2 



51 

19 

1 



3 
1 

5 
3 



102 
50 
11 
10 



i 7Ö4| 66211416 

Tagesereignisse und aDderweite MittheUungen. 

— Wochenbericht der hiesigen öffentlichen Kran« 
kenhänser: 

Beitand Wöchl. Wdchl. hierunter Bestand 
21.Fbr. Zugang Abgang TodeflmUe28.Febr. 
Bethanien .... 279 43 40 5 282 

Hedwigs -Krankenh. 207 41 48 6 200 

Elisabeth -Krankenh. 80 5 9 — 76 

Jüdisches Krankenh. 45 4 1 1 ^"^^41 



daia Charite 



611 

1357 



93 105 



12 



1968 



79 - 




In Bethanien waren Nenrenfieber und Rheamatismas 
▼orherrschend. 

— F.Horeau (Ann.d'hjg.) bemerkt binsichts des in Frank- 
reich üblichen Gennseee von Absinthljqaear« daae die Art 
derMisehnngdeBse^lben zom Wasser von grofsem Einflasse sei. 
Giefst man das Wasser langsam tropfenweise and schüt- 
telnd zu dem Absinth, so erhftlt man eine gronüche, trübe 
Flüssigkeit, wfihrend wenn man das Wasser rasch auf den 
Absinth gielst, die FlSssigkeit wie eine unvollkommene Emul- 
sion, fast dorebscheinend aassieht. Aber nicht nur nach 
dem Ansehen, sondern auch Oeschmack und Wirkung wer- 
den nach der verschiedenen Bereitung verschieden. Das 
Eine ist fade, safelich and berauscht fast gar nicht; das 
Andere dagegen weit aromatischer, kraftiger und berau- 
schender. Dort scheinen Wasser und Liqneur ohne Verei- 
nigung sasammen gemischt, hier scheint die Theiluug der 
Molecule und die Vereinigung des Wassers und des Alko- 
hol vollstfindig und daher die Wirkung des Getränks siche- 
rer und seine Absorption vollkommner, so dass das thera- 
pentische Axiom dadurch bestätigt wird: Je mehr ein Kör* 
per sertheiit wird, um so leichter wird er absorbirt. 

LiteratDr. 

Auch die Allopathen sollen selbst dispensiren. Vom 
Prof. Dr. J. Hoppe. Leipzig bei Otto Purfürst 
1863. 

Der Herr Verfasser h&lt das Selbstdispensiren der 
Aerzte für absolut noth wendig zur Ausbildung und fort- 
schreitenden Vervollkommnung des Arztes, zur glücklichen 
and möglichst erfolgreichen Anstellung des Heilversucbes, 
zam Nutzen des Kranken und zur Kultur der Wissenschaft, 
nnd will dasselbe nur so weit beschränkt wissen, dass die 
Hausapotheke des Arztes nur für die eigene Praxis diene, 
dass sie unscheinbar gehalten, weder vop aufsen noch im 
Innern der Wohnung die Aufmerksamkeit des Publikums 
auf sieb ziehe, und dass das Dispensiren unentgeltlich ge- 
schehe. 

Wir glauben, der Herr Verfasser verlangt damit zu 
viel, er verlangt mehr, als die Mehrzahl der Aerzte selbst 
wünscht, ond mehr, als der Staat gewähren darf. Wir 
wollen ihm beipflichten, so weit es sich um homöopathische 
Arznei* Verdünnungen handelt, wie wir das auch in unserer 
Besprechung seiner im Jahre 1861 erschienenen Schrift: 
„Die Dispensirfreiheit^ in No. 52. des Jahrgangs 1861 un- 
serer Ztg. anerkannt haben. Das Dispensiren homöopathi- 
scher Arznei- Verdünnungen mag, wenn es unentgeltlich ge- 
schieht, ohne Gefahr jedem Arzte überlassen werden. Dehnt 
man das Dispensiren aber weiter aus, so muthet man da- 
tQit dem Arzte pharmaceutische Kenntnisse zu, die er in 



der Regel nicht besitzt ond die man von ihm nicht fordern 
darf. Ueberdies wurde gar mancher Ara^t, nur um das ^* 
bliknm anzuziehen, eine Hausapotheke etabliren. Sein Col- 
lege mfisste es ihm gleich thun, um seine Praxis nicht ein- 
zubufsen. Ob das Publikum Vortheil von solchem Treiben 
ziehen würde, ist fraglich; das aber ist gewiss, dass der 
ärztliche Stand an Ehre dabei nicht gewinnen würde. 



A n z e i 



g c- 



firankeidieU (T(»z). Saison 1863. 

Die HeUwirkungen der JodsodatchwefelbruDnen von 
Mrankenliell und der daraus gewonnenen Quellenpro- 
dukte (Salz und Seife) haben sich seit einer Reibe von Jahren 
nach den Attesten vieler der angesehensten Aerzte Deutsch- 
lands , wovon am Schlüsse einige im Abdrucke folgen , bei 
Slirofeln, «krotaUsen Aatfenenteandaiigeii,- 
Fleeliteii, Haut- uiiii Drasen-Mranltlielteii, 
MrUpfen, RlieiiaiatiaBiaa , C^scKwüren, Ta« 
berkeln, Steill|rkelteii der «f^ienke, Frost- 
beulen, .Sclüraniieii, lieber- a. milsans^hiwel- 
Iniii^en, Verilaaans«be8cliwerilen, BleieK« 
•uelit^ welfiieiii Fla«a, efeuronisclieii lieiden 
der ScMeiHttliftate n. fllAniiverlLzeai^, Sand 
und firies, SterilftOlt, Stoekansen, TerffrAAie- 
nnd VerKArtnnir <ier QescKleelitftdrll- 
Hypertropliie mid Fibrold de« IJtera«, 
lereii) Cileseliwal«t und Verliftrtaiis der 
O^arieii» Bliitiias«eii, «eenndArer und tertlll«- 
rer SrpMU«? JKIerkiiriall&raiil&Keiteii ete« ete. 
in 80 vorzüglicher Weise bewährt, und den Ruf dieser Brunnen 
nicht nur in Deutschland, sondern auch im Auslande so fest 
begründet, dass über den Vorzug derselben vor andern ähnli- 
chen Quellen in sehr vielen der oben genannten Krankheitsfalle 
ungeachtet aller Anfeindungen kein Zweifel* bestehen kann. Wir 
erlauben uds daher den Herren Aerzten für kommende Saison 
diese Heilbrunnen, sowie auch das Krankenheiler Jodsoda- 
lalz und die Qaellsalzseife zu empfehlen. 

Das Krankenbeiler-Jodsodasalz wird sowohl zu Bä- . 
dern, Umschlägen etc, als auch innerlich mit dem vortrefilich- 
sten Erfolge angewendet. Es ersetzt das JTedl&all vollkom- 
men und hat vor diesem den wesentlichen Vorzug, dass es 
die Verdauung befordert und die gestörte wieder herstellt, wäh- 
rend das Jodkali bekanntlich von vielen Kranken nur schlecht 
oder gar nicht vertragen wird, ja nicht selten nach längerem 
Gebrauche Verdauunga- und Unterleibsbeschwerden der hart- 
näckigsten Art verursacht. 

Von der Krankenbeiler-Quellsalzseife werden mit- 
telst des Jodsodaaalzes 3 versebiedene Sorten angefertigt: l)Die 
jr^dfledaseife) als ausgezeichnete Toiletteseife und sicheres 
Präservativmittel gegen Unreinigkeit der Haut und alle Haut- 
krankheiten. 2) Die jrad«ada«eliwefelseife, als Heil- 
mittel gegen Scropheln, Flechten^ Drüsen, Verhärtungen, Ge- 
schwüre, Schrunden, Frostbeulen etc. und zur Verstärkung von 
Bädern. 3) Die irerstArkte QaellMüsseife, für hart- 
näckige und veraltete Fälle, in denen die Jodsodaschwefelseife 
nicht kräftig genug wirken sollte. D ie se S e i f e ist von ganz 
überraschender Heilkraft und bewirkt selbst in den 
sehllmmsten Fällen, in welchen andere Mittel ganz 
erfolglos geblieben, sehr oft noch vollständige Hei- 
lung. 

Die Kuren, welche auswärts mit dem versendeten Wasser 



80 



und mit Bilder tod Kraokenheiler-JodsodMalx gemaobt werdeoi 
liefern fast immer gleicbgünstige Resultate, wie der Ge- 
brauch ei/ier Kur in Kraukenheil (Tölx) selbst, doch wird we- 
gen der gesunden Gebirgsluft, Feränderter Lebensweise etc. ei- 
ner Kur in TöU immerhin der Voriug einauräumen sein. 

Das Badebaus in Tdlz findet wegen seiner grofsen Zweck- 
mäfsigkeit den allgemeinsten Beifall der Aerxte und Kurgäste^ 
die Gasthöfe, der Comfort in Privatwobnungen etc. dagegen lie- 
fsen bisher noch manches zu wünschen übrig, wie es bei einem 
neuen Kurorte im Hochgebirge anders fast nicht sein konnte, 
die Verbesserungen jedoch, welche jedes Jahr und besonders im 
letzten SpätMommer gemacht wurden, sind sehr wesentlich, und 
wird Töls in kommender Saison allen billigen Anforderungen 
genügen, indem zu den bereits vorhandenen Häusern für Fremde 
aufserbalb Tölz im letzten Jahre noch 6 neue gebaut worden 
sind, worunter ein sehr schöner grofser Gasthof mit 14 Fenstern 
in der Front, grofsem Speisesaal, guter Restauration, Einrich- 
tung für Mineralbäder, Garten am Hause etc. 

Diesem Hotel gegenüber wurde ferner in Mitte eines 8 Mor- 
gen grofsen, mit einem Zaun umgebenen Wiesengartens eine 
grofsartige Villa mit 20 schön eingerichteten Salons und Wohn- 
zimmern, Einrichtung fUr Mineralbäder, Stallungen etc. aufge- 
geführt, welche zur Aufnahme fürstlicher und allerhöch- 
ster Herrschaften bestimmt ist. Da es bisher an einer sol- 
chen Lokalität in Tölz gänzlich gefehlt hat, ist durch diesen 
Neubau einem srofsen Bedürfnisse abgeholfen, daher wir uns 
erlauben, die Herren Leibärzte fürstlicher Familien 
auf diese Villa ganz besonders mit dem Bemerken aufmerksam 
zu machen, dass desfalisige Anmeldungen so zeitig als möglich 
an die unterzeichnete Stelle zu richten sind. 

Die Eröffnung der Bäder beginnt am l. Juni. Von Mün- 
chen oder Rosenheim gelangt man in 3 Stunden nach Tölz. 

Die Krankenheiler -Brunnen- and Quellenprodukte können 
durch alle Mineralwasserhandlungen und Apotheken, in Berlin 
durch J. F. Heyl u. Comp., in Wien durch L. Lixl, in St. Peters- 
burg durch StoU u. Seuidt, sowie auch direkte von derBrun. 
neu- Verwaltung in Tölz, bei welcher medicinische Gebrauchs* 
anweisungen unentceldlidi zu haben sind, bezogen werden, und 
zwar bei direktem Bezüge von Tölz: 

1 Kiste mit 30 ganzen Flaschen k fl. 9. 42 kr. oder Thlr. 5. 
16^ Sgr. 1 Kiste mit 30 halben Flaschen Wasser k Ü,S oder 
Thlr. 4. 174 Sgr. 

i Glas Jodsodasalz (12 Unzen) A fl. 6. 30 kr. oder Thlr. 3. 
2U Sgr , i Glas (6 Unzen) k fl. 3. 18 kr. od. Thlr. 1. 26^ Sgr.; 
I Glas (3 Unzen) i^ fl. 1. 42 kr. oder 29 Sgr. 

1 Paket Jodsoda- oder Jodsodaschwefelseife (I Zollpfund) 
k fl. 1. oder 17^ Sgr., 1 Paket verstärkte Quelisalzseife k fl. 1. 
48 kr. oder Thlr. 1. 1 Sgr. 

Töls (Bayern), 15. Februar 1863 

Bnumen-Verwaltox^ Krankenheil« 

Atteste. 

Wenn ich mich im Jahre 1858 gegen meinen sonstigen 
Grundsatz bestimmen liefs, die Krankenheiler- Brunnen durch ein 
Attest zu empfehlen, so geschah es nur in Folge der überra- 
schenden Wirliungen, welche ich von dem Gebrauche die- 
ser Brunnen, insbesondere bei sehr schweren Urin leiden 
gesehen habe, sowie auch in Berücksichtigung der g^o' «i- 
genthfimlicben Mischung sehr heilkräftiger Körper, 
wie sie bis jetzt nur in den Krankenheiler-Quellen vorkommt, 
und die denselben unter den Mineralwassern eine sehr wich- 
tige Stellung giebt. 

Ich habe diese Brunnen, und namentlich auch das daraus 
gewonnene Quell salz zu Bädern etc. seit dieser Zeit sehr 
▼ielföltig nicht nur bei schweren Uterinletden, sondern 
auch hei Scrophelo, Flechten, Drüsen, veralteten 
Blasenkatarrhen, bösartigen Geschwüren, invete- 



rirter Syphilis etc. etc., und zwar in vielen hartnäckigen 
Fällen, in denen der vorherige Gebrauch weit stärke- 
rer Jodwasser ohne die gewünschte Wirkung geblie- 
ben war, mit so vortrefflichem Erfolge in Anwendung 
ff eb rächt, dass ich für Pflicht halte, dem an mich ergangenen 
Gesuche um einen weiteren Ausspruch über meine letztjährigen 
Erfahrungen durch vorstehende Erklärung zu genügen, und die 
Krankenheiler - Brunnen für die genannten Leiden wegen ih- 
rer ebenso sichern als auch milden Wirkung neuerdings 
sehr zu empfehlen. 

Dresden, 26. Februar 1861. 

(gez.) Geh. Med.-Rath Dr. y. Ammon, königl. Leibarzt. 

Das Mineralwasser von Krankenheil sowie die aus dem- 
selben gewonnenen Quellenprodukte habe ich vielfältig mit vor- 
trefflichem Erfolge bei hartnäckigen scrophulösen Krank- 
heitsformen, Anschoppungen des Uterus, der Milz und anderer 
drüsiger Organe in Anwendung gezogen, was ich hierdurch zu 
bezeugen kein Bedenken trage, um eine noch ausgebreite- 
tere therapeutische Yerwerthung dieser Quellen an* 
zuregen. 

Berlin, 12. März 1861. 

(gez.) Dr. P. Th. Frorichs, 
Geh. Med.-Rath u. Prof. d. med. Klinik. 

Ich habe die Heilquellen von Krankenheil und die dar* 
aus erzeugten Quellenprodukte bei verschiedenartigen Krank- 
heitszuständen, namentlich bei inveterirter Syphilis, Scrophulo- 
sis, krankhaften Anschwellungen und fibrösen Geschwülsten des 
Uterus, veralteten Blasenkatarrhen u. a. m. mit so günstigem 
Erfolge gebrauchen lassen, dass ich nicht anstehe, dieses hie- 
mit zu bezeugen, und diese ausgezeichneten Heilquellen 
den Herren Aerxten aufs Beste zu empfehlen. 

Berlin, 16. Februar 1858. 

(gez.) Dr. B. Langenbeck, 
Geh. Med.-Kath u. Prof., Direktor der k. Klinik. 

Nicht gern sehe ich meinen Namen benützt zur Empfehlung 
von industriellen Unternehmungen, in welche Kategorie auch die 
Ausbeutung der von der Natur gespendeten Mineralquellen ge- 
hört. Wo es sich aber darum handelt, dnrch Widerlegung von 
Vorurtheilen der leidenden Menschheit einen wahren Dienst zu 
erweisen, da muss die Rücksicht auf persönliche Antipathieen 
in den Hintergrund treten, und deshalb komme ich auch dem 
Wunsche der Brunnen Verwaltung Kranken heils: meine mehrjäh- 
rigen Erfahrungen zu Gunsten der dortigen Quellen sprechen 
zu lassen, mit Vergnügen nach, indem ich hiemit bezeuge, dass 
ich von dem Gebrauche des Krankeoheiler Wassers und der 
daraus bereiteten Arzneikörper bei der Behandlung chronischer 
Frauenkrankheiten, namentlich der chronischen Entzündung und 
der fibrösen Geschwülste der Gebärmutter, sowie auch der ver- 
schiedenen Eierstockgeschwülste Wirkungen beobachtet habe, 
hinter welchen nicht selten jene der einen viel gröfseren 
Jodreichthum darbietenden Quellen, wie z. B. der Quel- 
len von Kreuznach, zurückstanden. 

Ich kann deshalb Krankenheil bei der Behandlung der an- 
geführten Krankheitszustände hier aufs Angelegentlichste' 
empfehlen, wie ich dies auch bereits zu wiederholten Malen in 
meinen wissenschaftlichen Arbeiten gethan habe. 

Würzburg, 18. April 1862. 

(gez.) Dr. Fr, T. SoanioBi, 
kgl. b. geh. Rath u. Prof. d. Medicin. 



Verlag von Th. Chr. Fr. Enslin (Adolph Enilin) in Berlin. — Gedraekt bei A« W. Schade in Berlin, Stallschreiberstr. 47. 



/ 



Neue Folge. 
VL Jahrgang. 



PREÜSSISCHE 



Dl«te Z«itOBg «rtehvlat w5eli«nt;{«h. 

Der Pr«ii des ganten Jahrgangs, weleb«r 

nicht getrennt wird, Ist S Thlr. 20 8gr. 



MEDICINAL - ZEITUNG. 

Herausgegeben von dem Verein fQr Heilkunde in Preussen 

iBter Benvtiung amtlicher Mittheiliingei des KQnigl. linisteriimis der geistiichen, Unterriehts- 
nnd Medidn&I-ABgelegeBlieiteii und der KSiigl. ProviBzial-BehSrden. 

Redacteur: E. Müller, Geh. Medicinal-Rath etc. 



1863. 




11. 



18« März. 



Inhalt. Amtlicher Theil; PersoDalien: VerfuguDg. — Ueber Raderoacher^s Lehre, mit Bezag auf einige neuere AeuCserungea 
darBher; von H. W. Thienemann. (PortsetKung.) — Witteninga- und Kraokheits-Conatitntion ?on Berlin fSr Monat Februar 1^1. 
— Tagesereignisse und anderweite Mittbeiinngen. — Literatur. — Anteigen. 



Amtlicher Theil. 

PersODalien. 

Hiederlaisimgen. 

Die praktiacben Aerzte Dr. Pullen, Dr. Rummel 
«ad Dr. Vater sowie der Woodarst erster Klasse Görita 
baben sich in Berlin niedergelassen. 

Dr. Lemcke ist von Berlin nach Ratibor, Dr. Isson 
von Liebemohl nach Wryscba bei Gustrin» Dr. Gödel von 
OroGs- Ottersleben nach Osterweddingen , Dr. Heinfs von 
Aken nach Berlin, Dr Braus von Deutz nach Cöln, Dr. 
Lebram von Bromberg nach Cöslin, Dt. Kronenberg 
TOD Bonn nach Leicbiingen ond der Wundarct L Klasse 
Hdrster von Reiste nach Sandern gezogen. 

Apotheken-Angelegenheitan. 

Der Apotheker Krieg bat die Senff'scbe Apotheke 
io Oebisfelde und 

der Apotheker Radey die Stange*sche Apotheke in 
Groningen gekauft. 

Todesfälle. 
Der Sanititsrath Dr. Klotz ke hat sich in Straofsberg, 
der Wundarzt erster Klasse Fischer in Osterweddingen 
nnd der Wnndarst sweiter Klasse Bahrs in Magdeburg 
sind gestorben. 



Terfügiuige 

Da nach dem Bericht der Königlichen Regierung vom 
. . die Entfernung zwischen A. und B. mehr als drei Mei* 
len beträgt, so können bei Anwendung des Rescripts vom 
25. Juni 1847 (Hörn IL 149.) dem Dr. N. zu A. bei 
Festsetzung seiner Liquidation in der P.'schen Blöd- 
sinuigkeits-Untersuchung Meiiengelder nach Position 24. 
der Taxe I. vom 21. Juni 1815 nicht vorenthalten werden. 
Auch sind ihm, da die Positionen 23. und 24. 1. c genaa 
zusammenhängen, die nachweislich verwendeten Fahrkosten 
zn erstatten. 

Aus demselben Grunde ist es aber unzulässig, neben 
den Meilengeldern, welche die Stelle der Diäten vertreten, 
und den Fuhrkosten noch Gebuhren für den gericfatlioben 
Termin oder für das zu Protokoll gegebene Gutachten nach 
Abschnitt V. der Taxe zu bewilligen. Käme dieser Ab-> 
schnitt der Taxe hier überhaupt zur Anwendung, so mfisste 
auch die Entschädigung für die Reise und die Diäten hier- 
nach und nicht nach Abschnitt L der Taxe festgesetzt wer- 
den. Wird aber der letztere Abschnitt angewandt, so fin- 
det auch das Alinea 3. von Position 23. analoge Anwen- 
dung, d. h. der Arzt empfängt in den Diäten oder Meilen- 
geldern zugleich die Vergütung f3r alle Verrichtungen, die 
er in Erledigung des die Reise veranlassenden Geschäfts 
vorgenommen hat. Hierzu gehört im vorliegenden Fall 
aoch die Abhaltung des gerichtlichen Termins und die Ab- 
gabe eines protokollarischen Gutachtens, wofür demnach 
besondere Gebuhren neben den Meilengeldem and Fuhrko» 
sten nicht bewilligt werden können. 



82 



Der EoniglicheD RegieroDg überlasse ich etc. — Ben* 
lin den 3. März 1863. 
Der Minister der geistlichen, Unterrichts- and Medicinal- 
Angelegenheiten. 

In Vertretung: Lehneri, 
An 
^ie Eönigl. Regierang za N. 



Ceber Rademacher's Lehre, mit Bezug auf einige 
neuere AeurseruDgeo dariiber« 

Von Dr. H. W. Thienemann, Kreis-PhjsikoB za Marggrabowa 
in Ostpreufsen. 

(Fortsetzung.) 

S. 75 sagt Werber: „Die erste Pordernng an eine 
wissenschaftliche Heilungslebre und Heilmittellehre ist Prü- 
fung der Heilmittel oder Arzneien an gesunden Thieren und 
Menschen, damit man mit Bestimmtheit unter Mitwirkung 
der Physik, Chemie, Mikroskopie die Wirkungen der Arz- 
neien an den Geweben, Organen, Apparaten, Systemen und 
Flüssigkeiten des lebenden Körpers kennen lernt, welche 
man dann am Kranken zur Controle wieder prüfen kann 
und muss^ etc. — Warum soll nun das gerade die erste 
Forderung sein, da wir doch wissenschaftliche Lehrge- 
bäude der Medicin genug gehabt haben, ehe überhaupt im 
Gtibrauohe w;ir, Heilmitcd an Gesunden zu prüfen? Und 
dann idt der Nutzen einer solchen Prüfung immer für die 
Therapie ein sehr untergeordneter. Wenn wir in der Me- 
dicin das altopiLthiscbe oder das homöopathische Princip 
gelten Jansen wollen, so wird allerdings die Prüfung an 
Gesunden uns den Wirkungsheerd und demnach die Hei 
lungsspbäre genau anzeigen, indem wir am Kranken ent- 
weder positiv oder negütiv die nämliche Wirkungsweise ha- 
ben wollen. Der Kranke leidet am trägen Stuhl — Glau- 
bersalz befördert die Darmbewegung, ergo — ! Der Kranke 
leidet am Durchfall, Opium stopft — warum andere Mittel 
suchen?! Dies ist mathematische Medicin; eben so raison- 
nirt die Howöopalbie, nur umgekehrt. Ich brauche nicht 
zu sagen, welchen Werth in der Allopathie eine solche 
symptonm tische Pfueehertti hat, und die Homöopathie giebt 
ihren Werth selb&t dadurch an, dass sie das Mittel in ver- 
schwindender Gabe zu reichen befiehlt. Die Homöo- 
pathie wäre nie entstanden, wenn nicht die Pedanterie im 
vorigen Jahrhunderte aus den Augen gelassen hätte, dass 
bei Weitem die Mehrzahl der Krankheiten, auch bei den 
grellslen Krankheitsbildern (Pneumonie, Typhus) in einer 
gewissen Zeit spontan vorgebt. 

Wir müssen nicht vergessen, dass der Kranke eine 
and^r« Ee(!eptivität , ein anderes Verhältniss znr Anssenwelt 
besitzt, als der Gesnnde, und wir sehen im Vergleich 
mit der physiologischen Arzneiwirkung, in Krankheiten 



manchmal dieselbe, manchmal die entgegenge* 
setzte, manchmal aber auch eine ganz fremdartige 
Erscheinungen zeigende Wirkung. Dass diesem be- 
fttimmte Naturgesetze zu Grande liegen, ist keine Frage; 
dass wir manchmal die Wirkung eines Mittels ▼orausbe- 
rechnen können, ist auch richtig. Aber bestimmt können 
wir es nicht immer, weil wir eben von den Naturgesetzen 
nur einen kleinen Theil kennen. Soll ich Beispiele 
anfuhren? Der Genuss von Brdbeeren befördert bei den 
meisten Personen den Stuhl; bei manchen hält er ihn zu- 
rück: bei einzelnen entsteht eine Urticaria über die ganze 
Haut. Dies geschieht bei scheinbar gesunden Menschen, 
obwohl das Letztere eine vom gewöhnlichen Zustande ab- 
weichende, also krankhafte Beschaffenheit des Organismus 
voraussetzt. Man könnte aus der letzten Wirkung der Erd- 
beeren auf eine bedeutende Heilkraft schliefsen. Aber wel- 
che?? dass Linnee sich durch Erdbeeren „die Gicht^ ku- 
rirt zu haben erzählt, ist bekannt; der Name Gicht ist viel 
zu unbestimmt, als dass die neuere Wissenschaft auch nur 
annähernd schliefsen könnte, an welcher Krankheit Lin- 
use eigentlich gelitten. Doch würde dieser eine Fall für 
eine specifische Heilwirkung der Erdbeeren viel mehr An- 
halt geben, als die Fälle der krankmachenden Wirkung. — 
Digitalis verlangsamt den Herzschlag bei Gesunden, in 
Krankheiten manchmal auch; es giebt aber Fälle genug, 
wo sie in Krankheiten mit verlangsamtem Pulse die Bewe- 
gung desselben bis zur Norm beschleunigt. In vielen Krank- 
heiten, namentlich bei fieberhafter Erregung, hat sie auf 
den Puls gar keinen Einfluss. In manchen Krankheiten 
bewirkt sie eine kolossale Diurese; in andern, wo wir das 
gar gern haben möchten, vermindert sie den Harnabgang* 
Wir kennen die Gesetze der organischen Natur noch viel 
zu wenig, um aus der Wirkung an Gesunden auf die Wir- 
kung an Kranken schliefsen zu können. Es ist gut und 
häufig nothWendig zu wissen, wie ein Medikament sich zum 
gesunden Organismus verhält, aber es ist ganz gewiss nicht 
das erste Erforderniss in der Therapie. Das erste und 
hauptsächlichste Erforderniss eines Heilmittels ist, dass 
wir seine Wirkung am Kranken kennen. Aus der physio- 
logischen Wirkung des Chinins durfte kein Forscher auf 
seine Heilkraft in einem bestimmten Krankheitsprocesse ge- 
schlossen haben! 

S. 75 und a. a. O. spricht Werber ober Löffler's 
Versuche über die physiologische Wirkung des Eisens, and 
wirft hierbei Rade mach er vor, dieselben verworfen zu ha- 
ben. So geradezu bat dies Rademacher nicht gethan« 
wie er überhaupt keine wissenschaftliche Forschung 
verwirft; in Bezug auf solche sagt er z. B.: „Wir, vor- 
zugsweise auf die Beobachtung des belebten Menscbenlei- 
bes angewiesen, mussten ja eine wahrhaft viehische Natar 
haben, wenn wir das Räthselhafte in dem belebten Leibe, 
was auch gerade nicht zum Receptschreiben und Geldver- 



83 



verdienen führt, als der Beobachtung anwerth, übersehen 
wollten^. Aber er vindicirt den Löffler'scben Forschao* 
gen keinen groTsern therapeutischen Werth^ als sie eben 
haben. — Dann wirft Werber L off ler'n vor, in den Irr- 
thnm verfallen zn sein, die (Nrim&re und sekund&re Wirkung 
falsch aufgefasst sn haben. Mich dünkt, hier bandelt es 
sich blos um Worte. Löffler nennt die Erfahrungen bei 
fortgesetztem Gebrauche mittlerer Dosen des Eisens sekun» 
d&re Wirkung, Werber will sie Giftwirkungeo nennen. 
Das Factum ist ja immer dasselbe. Für die Praxis habe 
ich aus den Löffler'scben Versuchen gelernt, den Eisen- 
gebrauch bei Kranken nicht su lange fortzusetzen, also 
trotz der Benennung ^ sekundere Wirkung^ dieselben in ih* 
rer toxischen Bedeutung aufgefafst. Hinsicbts der Heilwir» 
kuDg des Eisens sind durch Löffler's Versuche meine vor- 
herigen Ansichten und Kenntnisse nicht im Mindesten ge- 
ändert oder gefördert worden. 

Spfiter, S. 78, fragt Werber: „ob die Heillehre Ra- 
demacher's die Arzneien similia similibns oder contraria 
contrariis anwendet oder nach welchem andern Gesetze?^ 
und findet in einen F&llen, dass Rademacher contraria 
contrariis verordnet hat Natürlich kommt das vor, natura 
lieb aber auch, wie ich oben auseinandergesetzt habe, das 
Gegentbeil, also similia similibus — am hfinügsten aber 
doch Keines von Beiden. Bei der direkten Heilmethode 
werden wir gar hfiufig ohne weiteres Geklügel bei dem Ge- 
setze speciHcum contra morbum stehen bleiben müssen* 

S. 81 heifst es: „Wie findet man aber die entspre- 
chende, d. h. specifische Arznei? Dies Auffinden der ent- 
sprechenden Arznei unterliegt grofser Schwierigkeit. Die 
consensuellen krankhaften Erscheinungen können irrefüh- 
ren, indem sie sehr h&nfig st&rker hervortreten als die des 
orergrifi^enen Organs oder Geeammtorganismus, z. B. des 
Magens, der Leber, der Nieren. Dann beherrscht äufserst 
wichtig nach der Rademacher' sehen Heilungslehre der 
Genius epidemicus den kranken Organismus; ferner kann 
ein consensuelles (soll wohl heifsen: consensuell ^griffe- 
nes) Organ selbststfindig leidend werden, wo man nnge^ 
wiss wird, welches man zuerst behandeln soll. Endlich 
kommt noch die Schwierigkeit hinzu, das rechte Mittel für 
die wirkliche vorliegende Krankheit zu treffen, indem es ja 
mehrere Mittel für die Leber^ Milz, Nieren etc. giebt, und 
Bade mach er ist nicht im Stande, die Zeichen anzugeben, 
welche ein bestimmtes Mittel fordern. Das ist für akute, 
rasch verlaufende Krankheiten ein schlimmer Umstand und 
darum bleibt dem Arzte, welcher dieses System prüfen und 
ana Krankenbette danach handeln will, derRath übrig nur 
ebronische Krankheiten zur Prüfung su w&hlen.^ — Die 
ersten Sfitze enthalten unbestreitbare Wahrheiten, auf wel- 
che Raderaacher blos schärfer hindeutet, als gewöhnlich 
geschieht; deshalb habe ich es vorzüglich mit dem letzten 
Satze zu thon. Freilich ist es ein schlimmer Umstand, den 



wir aber so wenig ans der Praxis streichen können, als 
die Stürme aus der Nautik. Wenn irgend eine Schule uns 
ein bestimmtes und sicher helfendes Mittel gegen eine akute 
Krankheit giebt, so brauchen wir weder Rademacher's 
Medikamente, noch Rademacher's Methode, sie dem Falle 
anzupassen. Prof. Werber bat hier aus dem Auge verlo- 
ren, dass gerade bei akuten Krankheiten uns die neuesten 
Schulen am allermeisten im Stiche lassen und Exspektativa 
empfehlen. Wir wissen aber, dass dies nicht ausreicht. 
Schön w&r's, wenn der Schiffer immer mit günstigem Winde 
segeln — wenn wir uns die Krankheitsfälle zur Behandlung 
wählen könnten, wie wir sie gern haben. Wir müssen aber 
die Natur nehmen, wie sie sich uns giebt. Allerdings wird 
uns im Einzelfalle einer akuten Krankheit unsere Kunst 
bisweilen im Stiche lassen und der Kranke sterben oder 
unter unsern Händen spontan genesen ; aber gar oft gelingt 
es doch, das Mittel noch zur Zeit aufzufinden und die Krank-, 
heit abzukürzen, wenn man cnm grano salis operirt. Aber 
Rad em acher giebt uns durch seine Epidemieenlehre ein 
Hülfsmittel, dessen ungeheure Tragweite bei Behandlung 
akuter Krankheiten ganz aufser der Berechnung liegt. Wer 
einmal eine durch Chinin heilbare, ausgebreitete Epidemie 
eines bösartigen Wechselfiebers unter den Händen gehabt 
hat, weifs, was er mit dem Chinin ausrichten kann. Ganz 
dasselbe ist in Bezug auf andere Mittel für eine Menge 
Epidemieen praktisch nachgewiesen, und bestimmt gilt das 
Nämliche für die meisten, ja vielleicht für alle Epidemieen, 
stationäre sowohl als interkurrente. In chronischen Krank- 
heiten haben wir für Experimente im Einzelfalle mehr Spiel- 
raum, dagegen ist der Vortheil, den uns der Genius epide* 
micus bietet, geringer; daher die Schwierigkeiten bei aku- 
ten nud chronischen Krankheiten sich wohl die Waage hal- 
ten. Der Arzt, welcher direkt heilen will, muss bei jedem 
Einzelfalle mit allen Kräften handeln, die ibm Wissenschaft 
und Kunst bieten. Ich habe mich nun seit beinahe 19 Jah- 
ren bemüht, die direkte Heilung vorzugsweise zu erstreben; 
meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass der Vortheil dersel- 
ben ungemein grofs, dass aber die Arbeit auch|eine bedeu- 
tende ist. In Bezug auf Specialfälle muss ich auf Rade- 
macher selbst und auf die Arbeiten seiner Nachfolger, die 
hauptsächlich in B er nhardi's Zeitschrift für wissenschaft- 
liche Therapie *) niedergelegt sind, verweisen. 

Hierauf folgt S. 81 und 82: „Rademacher' bat ge- 
rade das Mittel verworfen was seiner und jeder Heilungs- 
lehre überhaupt als wissenschaftliche und fordernde Grund- 

') Diese Zeitschrift wurde in Eilenbarg im Jahre 1846 Toa 
Bernhardi nnd Löffler unter dem Titel „Zeitschrift für 
ErfahrnngsheilkuDSt^* vorzugsweise zur Besprecbiing von 
Rademacher's Lehre gegründet und seit 1853 von Bern* 
hardi allein unter dem Titel „Zeitschrift für Wissenschaft* 
liehe Therapie ^^ fortgesetzt, ohne ihre Tendenz zo ändern. 



84 



läge dient, die Arzneien an gesonden Thieren und Men- 
sciien za prBfen and an Kranken zn coutroliren.^ 

^Nicht nor diese Sunde bat Rade mach er begangen, 
sondern nar andere.*^ Eben weil Rade mache r die di- 
rekte Erankheitsheilnng erstrebt, welche sich nicht mathe- 
matisch constrniren lässt, kann er diesen Experimenten nur 
einen sehr untergeordneten Werth beilegen. Statt diese ge- 
ringe Schätzung derselben eine Sunde zu nennen, glaube 
ich gezeigt zu haben, dass sie weiter nichts ist, als offene 
Anerkenntniss einer wirklich vorhandenen schwachen Seite 
unseres ganzen medicinischen Wissens. 

Nun kommen die andern Sunden, S. 82: ,,Er war noch 
eingerannt in die Wahnvorstellung, als sei die Krankheit 
ein besonderes und unerkennbares Wesen, welches mit der 
Gesundheit im Kampfe begriffen sei, während sie doch nur 
▼eränderte physiologische Thätigkeit ist, abgeänderte phy- 
siologische Functionen durch irgend eine feindliche Ursache 
dazu veranlasst oder gezwungen.^ Hier handelt es sich 
meines Erachtens wieder blos um Worte. Ob ich die 
Krankheit ein besonderes Wesen nenne, das ich nicht 
kenne, oder ob ich sie eine Abweichung der physiologi- 
schen Thätigkeit nenne, deren Wie? ich eben so wenig 
kenne, ist doch ganz gewiss im praktischen Leben gleich- 
gültig. Kennen wir denn das Wesen von irgend einer 
Krankheit? Ich will die anführen , welche in jeder Bezie- 
hYing am offensten vorliegt, die Krätze. Wir können 
darch Aufsetzen der Milbe die Krätze beliebig erzengen 
and für gewohnlich durch Entfernung der Milbe heilen. 
Welches ist denn nun aber der Grund der abweichenden 
physiologischen Funktion, dass durch die Einwirkung der 
lAilbe Bläschen an den von ihr entfernten Gelenken etc. 
auftreten? Das ist physiologisch meines Wissens noch nicht 
erforscht, also ist uns auch bis jetzt das Wesen der Krätze 
onbekannt. 

Hierauf: „Er vernachlässigte gänzlich die anatomische 
und chemische so wie die physikalische Seite der krank- 
haften Zustände, ja man kann sagen auch der gesunden 
Lebenslage, indem sie in seiner Heillebre kaum einen Werth 
baben.*^ Lassen wir nicht aus den Augen, dass Rade* 
macher's Approbation vom Jahre 1793 datirt und dann 
fragen wir ans: Wer hat zuerst auf die diagnostische Be- 
deutung, des alkalischen Urins aufmerksam gemacht? Wer 
hat aus der dunkeln Schilderung des Paracelsas die Be- 
reitang des Würfelsalpeters auf den ersten Blick erkannt? 
Wer hat die Wirkung and Verdauungslehre der Neutrali- 
sirmittel schärfer aufgefasst und klarer beschrieben, als Ra- 
demacher Q. 8. w. 

Ferner: „Die Pathologie and Aetiologie als wissen- 
schaftliche Grandlage der Medicin wurden von Radema- 
cher nicht erkannt und gewürdigt, darum sind auch seine 
Diagnosen so oberflächlich and meist werthlos. Seine prak- 
tische Heilungslehre ist nicht anf wissenschaftlichem Boden 



gewachsen, hängt mit der wissenschaftliehen Medicin nicht 
zusammen, was stets ein grofses Gebrechen für jede Hei- 
lungslehre ist.^ Ich sollte meinen, dass wir es Rade ma- 
ch er Dank wissen müssen, dass er unsere Pathologie and 
Aetiologie nicht mit noch mehr Hypothesen bereichert hat, 
als wir vor ihm hatten. Dass er das, was nach dem Aas- 
arbeiten seines Werkes geschehen ist, nicht in demselben 
besprechen konnte, werden wir ihm doch nicht vorwerfen 
wollen. Die Höhe des Werthes dieser neuem Forschan- 
gen für die Therapie zeigen uns aber die nihilistischen, 
mitunter leider auch verworrenen Recepte der „physiologi- 
schen*^ Aerzte. Rademacher besafs eine bedeutende ge- 
lehrte Bildung in vielen Fächern. Des Lateinischen z. B. 
war er so mächtig, dass erHufeland's Vorlesungen über 
specielle Therapie lateinisch nachschrieb. Das unscheinbare 
Kapitelchen über Sprachmnsik lässt eine bedeutende Kenn^ 
niss der Metrik durchschimmern. Lesen wir in seinem 
Werke aufmerksam das 6te Kapitel „Kunstheilung und Na- 
tuiheilung** und fragen wir uns, ob das ohne Würdigung 
der physiologischen Wissenschaften gefertigt werden konnte! 
Ziehen wir ferner in Erwägung, was Rademacher in der 
Vorrede zur 2ten Auflage sagt, besonders den Satz: 

„Die Schwierigkeit meines, allerdings etwas seltsa* 
men Unternehmens, welche darin bestand, das ärztlich 
geschichtlich Kritische, das ärztlich Reinverstandhafte, das 
ärztliche Praktische und das ärztlich Sittliche mit einan- 
der zu verschmelzen und dem Ganzen ein freundliches 
Grewand umzuhängen, habe ich mir deutlich gedacht, je- 
doch darauf gerechnet, dass die Verständigern unter mei- 
nen Lesern sich dabei des alten lateinischen Spraches 
erinnern: In magnis voluisse sat est.^ 

Ich glaube nicht nöthig zu haben, mehr zar Erörterung 
zu sagen, ob Rademacher's praktische Heilungslehre aaf 
wissenschaftlichem Boden gewachsen ist oder nicht Seine 
Diagnosen sind so, wie er sie geben konnte, ohne aus dem 
Realen ins Hypothetische za streifen. Es ist nicht seine 
Schuld, dass der Nebel sich eben nur als Nebel malen 
lässt. Was aber den praktischen Werth von Rade- 
macher's Diagnosen betrifft, so muss man darüber das 
Urtheil von denen hören, weiche ihm hierin vorzugsweise 
gefolgt sind, also Kissel, Bernhardi, mich u. A. Wir 
stellen den praktischen Werth dieser Diagnosen sehr hoch, 
ohgleich wir beistimmen mfissen, dass sie nur auf Wahr- 
scheinlichkeit beruhen. 

Wenn Werber gleich dar anf sagt: „Rademacher 
wollte auch keine wissenschaftliche Medicin*^, so dürfte das 
eben angeffibrte Gitat and die oben genannte Stelle ans 
Rademacher*8 Briefe wohl klar das Gegentheil beweisen. 
Es fragt sich nur, was aus dem Gebiete der Wissenschaft 
hierher gehört und was nicht. Allerdings hat Radema- 
cher die Heilknnst zam Ziele, aber er braucht so got 
wie jeder Arzt die Wissenschaft am das Ziel za errei- 



— 86 — 



eben. Er spricht nie ao», dass er die Wissen- 
sohaft nicht brauche, er meint nur, dass Wissenschaft 
eben noch keine Kunst ist, und bezeichnet die Stelle, wo 
die Kunst weiter gehen kann und muss als die Wis- 
senschaft. 

(Fortaetzang folgt.) 

WitterDDgs- and Krankheits-CoDstitution zu Berlin 
fDr den Monat Februar 18S3. 

Eine wesentliche Verschiedenheit in der Witterung des 
Monats Februar gegen den Monat Januar d. J. hat sich 
nicht bemerkbar gemacht. Die Temperatur der Luft war 
besonders zur Tageszeit eine überaus milde, was zunfichst 
in der Zeit Tom 1. bis einschliefslich den 13. sehr merk- 
lieb hervortrat und am 7. den höchsten Temperaturstand 
wahrnehmen liefe. Westwind blieb durchweg vorherrschend 
und war am 1 8, stürmisch. Geringer Regen fiel am 2., 5., 
6., 9. und vom 11. bis 13. tfiglich, dazwischen Schnee am 
5. und 9. Nebel war am 10. Morgens sichtbar. Mit dem 
14. traten meist gelinde Nachtfröste ein, welche bis zum 
23. anhielten und zwischen dem 20. und 21. den niedrig- 
sten Temperaturstand wahrnehmen liefsen. In dieser Zeit 
war die Witterung Sberwiegend heiter und schön. Unbe- 
deutender Regen fiel nur am 19., 22. und 23. Bis ein- 
schliefslich den 18. blieb Westwind, am 19. und 20. Ost- 
wind, am 21. Südwind, so wie am 22. und 23. wiederum 
Westwind vorherrschend. Vom 24. bis 28. war das Wet- 
ter durchweg trübe, ohne besonders unfreundlich zu sein, 
wobei die Temperatur der Luft ziemlich den zuerst ange- 
führten Standpunkt eingenommen hatte. Frost und Regen 
blieben bei ausschliefsiichem Westwinde in dieser Zeit gänz- 
lidi aus. 

Das Thermometer schwankte Morgens um 6 Uhr zwi- 
schen + 6,8 am 7. und — 3,6*R. am 21., Mittags um 2 
Uhr zwischen -I- 7,6 am 7. und -I- 0,6* R. am 16. und 
Abends um 10 Uhr zwischen -f-6,6 am 7. und — 1,0* R. 
am 20. Dessen mittlerer Stand betrug um dieselbe Zeit: 
Morgens +2,2, Mittags + 4,8 und Abends +2,5* R.; 
ebenso die Differenz: Morgens 10,2, Mittags 8,2 und Abends 
7,6* R. Die durchschnittliche Differenz gegen den vori- 
gen Monat beträgt +0,6* R. Der durchweg höchste Ther^ 
mometerstand wurde am 7. und durchweg niedrigste am 
20. wahrgenommen. 

Das Barometer variirte nicht auffällig, erreichte aber 
nach dem 13. einen andauernd seltenen hohen Standpunkt 
and schwankte Oberhaupt zwischen 343,97'" am 15. und 
832,32"' am 1. Dessen mittlerer Stand betrug: Morgens 
nm 6 Uhr 338,68'", Mittags um 2 Uhr 338,96"' und Abends 
um 10 Uhr 339,29'"; die Differenz 11,65'". Barlhelmi, 

Auch im Monate Februar war die Zahl der Erkran- 
kungen sehr bedeutend, vorzugsweise seigten sich Katarrhe 



der Respirationsorgane und Rheumatismen, sowie Tonsil- 
lar- Anginen. Auch Fälle von Diphtheritis bei erwachsene» 
reu Rindern waren ziemlich häufig. Scharlach und Masern 
wurden seltener gesehen. Yarioloiden kamen immer noch 
vor, indess schien die Zahl der Erkrankungen geringer zu 
werden. 

Durchfälle und Brechdurchfälle ereigneten sich nicht 
ganz selten bei Erwachsenen. 

Unter den Schulern eines Ojmnasii machte sich ka- 
tarrhalische Augenentzündung in gröfserer Ausbreitung be- 
merklich. 

In Bethanien kam ein Fall von Trichinenkrankheit zur 
Behandlung, in welchem das Vorhandensein von Trichinen 
im Mnskelfleische des Armes der Erkrankten konstatirt 
wurde. Mr, 

Die Anzahl der innerlichen Erkrankungen bei den Haus- 
thieren war im Februar bedeutend geringer als in den vor- 
hergegangenen Monaten. Bei den Pferden zeigte sich dies 
ganz besonders auffallend in deu wenigen Fällen (4) von 
Kolikkranken, welche im Laufe des Februar zur Kur in die 
Königl. Thierarzneischule gebracht wurden und nur unge- 
fähr ein Viertheil der sonst gewöhnlichen Anzahl dieser 
Patienten betrugen. Am meisten litten die Pferde an Ka- 
tarrh, Bronchitis, Influenza und Rheumatismus. Aufserdem 
kamen Lungenentzündungen, Gehirnkongestionen, Starr- 
krampf, Einschuss und einzelne Fälle von verdächtiger 
Druse und Wurmverdacht vor. — Bei dem Rindvieh be- 
stand das bereits seit mehreren Monaten seuchenartig herr- 
schende Maul- und Klauenweh noch an mehreren Orten, 
und aufserdem kamen Gastridsmen hin und wieder vor. — 
Ueber Krankheiten der Schaafe und Schweine ist, aus- 
ser Knochenerweichung bei den Letzteren, nichts bekannt 
geworden. — Die Hunde litten an akutem Rheumatismus, 
an Bronchitis, mehrere an Krämpfen, und viele an Ohren- 
zwan^ und an Exanthemen. Wuthkrankheit ist nicht vor- 
gekommen. Hertwig, 

Tagesereignisse and anderweite Hittlieilungen« 

— Wochenbericht der hiesigen öffentlichen Elran- 

kenhäuser: 

ßeBtaod Wdchl. Wöchl hierunter Be«Und 
28.Fbr. Zugang Abgang Todesfälle 7.MSrz 

Bethanien .... 282 42 40 2 284 

Hedwigs -Krankenh. 200 49 55 7 194 

Elisabeth -Krankenh. 76 4 5 2 75 

Judisches Krankenh. 41 5 4 — 42 



dazu Charite . 



59Ö 
1297 



100 104 



11 



595 
1341 



1896 



1936 



In Bethanien waren Nervenfieber und im Hedwigs- 
Krankenhanse entzündliche Brustaffektionen vorherrschend. 



86 



— Nacbweisong der Charite -Kranken im Monat 

Fiebktiar 1863: 

Männer Weiber Knab. Mdeh. Summa 
Bestand am 31. Jan. 827 508 7 15 1357 
Zugang im Febr. 599 367 29 32 1027 



Samma 1426 


875 


36 


47 


2384 


Entlassen. ... 575 
(Gestorben ... 70 


353 
30 


25 
2 


24 
8 


977 
HO 


Bestand am 28. Febr. 781 


492 


9 


15 


1297 



Unter den Todten sind todtgeboren 3 

— Nach den Ermittelangen der bezüglich der Angen- 
Erkranknngen unter den Schalem des hiesigen Wil- 
helms-Gymnasiams von dem König]. Ministerio der 
Geistlichen, Unterrichts- and Medicinal* Angelegenheiten nie- 
dergesetzten Kommission — ans den Geheimen Medicinal* 
Rfithen Maller and Ebert and dem Prof. v. Grfife be- 
stehend — beschränken sich jene Erkranknngen anf leichte 
entzfindliche Reizungen der Schleimhant, so dass das Vor- 
handensein derselben vielen Kranken sogar anbekannt war 
und erst durch die Untersachung entdeckt wurde; nur in 
sieben Ffillen fand sich ausgesprochene Schleimhautentcun- 
dung mit Hypertrophie des Papillarkörpers, resp. mit Ab- 
sonderung von Sekrety das Morgens die Augen melir oder 
weniger verklebt; ein höherer Grad der Krankheit mit Wnl- 
stung des Umschlagtheiles der Augenschleimhaat fand sich 
nur in Einem Falle. Sog. granulöse Augenentzdndung aber 
ist bei Keinem gefunden worden. Die Mehrzahl der Er- 
krankten gehören der Quarta des Gymnasiums an. Nach- 
dem eine sehr vollständige Reinigung und Desinfektion des 
ganzen Gymnasii stattgefunden, ist in Folge des Gutachtens 
der Kommission der Unterricht zwar wieder eröffnet, aber 
die Erkrankten bis auf weitere Bestimmung der Kommis- 
sion, welche von 8 zu 8 Tagen ihre Untersuchungen fort- 
setzt, vom Schulbesuch ausgeschlossen worden. 

Mit Rücksicht auf die Diagnose bemerken wir, dass 
nnr die Untersuchung des obern Augenlides sicheren 
Aufschluss über das Vorhandensein und den Grad der Krank- 
heit giebt; ein Umstand, den auch Sanitätsrath Dr. Viol 
zu Breslau in seinem interessanten Vortrage: ^über die ge- 
genwärtige epidemische Verbreitung des Augen katarrhs (ab- 
gedruckt in No. 41 u. ff. Jahrgang 1861 unserer Zeitung), 
anf den wir unsere Leser hierdurch besonders aufmerksam 
machen, mit den Worten hervorhebt: die chronische Blen- 
norrhoe mit Granulationen sowie namentlich das Trachom 
treten oft nicht sofort in die äufsere Erscheinung, sondern 
können erst durch genaue Untersuchung entdeckt werden, 
da der krankhafte Process meist unter dem obern Au- 
genlide verborgen fortwuchert und somit viele Individuen 
als gesund angesehen werden, die es in der That nicht sind. 



Literatur. 

Archiv für Balneologie, herausgegeben von Prof. Dr. 
Bosch ner und Hofratb Dr. Spengler. 1. Band 
3. Heft. Neuwied bei J. H. Heuser 1862. 

An Originalien bringt dies Heft des balneologischen 
Archivs einen Aufsatz des Prof. Di tt er ich über den Kur- 
ort Salzbrunn am Kemptener Walde und Nachrichten 
über den' Winteraufenthalt in Mentone von dem Hofrath 
Spengler; aufserdem eine grofse Zahl interessanter bal- 
neologiscber Notizen, Korrespondenzen u. s. w. 

In dem Aufisatae über Salsbrunn hebt Ditterich be- 
sonders hervor, dass die dortige Rom er quelle ein jod- 
haltiges Kocbsalzwasser von einer EUinheit enthalte, wie 
kein anderes Mineralwasser, da alle anderen jodigen Koch- 
salzwasser (Dürkbeim, Bez, Wildegg, Heilbrunn, Hall, 
Kreuznach) bromhaltig seien. Nur die Quelle No. U. zo 
Salzhausen im Grofsherzogthum Hessen macht eine Aus- 
nahme, auch sie liefere ein rein jodiges Koch Salzwasser, 
enthalte aber so viel Kochsalz, dass die Schleimhaut des 
Verdanungskanals beim inneren Gebrauche derselben zo 
sehr gereizt werde. 

Den rein jodigen Kochsalzwassern aber schreibt D. eine 
weit mildere Wirkung zu als den bromhaltigen, die bei reiz^ 
baren Konstitutionen und besonders beim weiblichen Ge- 
schlechte leicht gefährlich werden können, da schon die 
Bruch theile eines Granes von Bromnatrium oder Bromka- 
kalinm, wenn sie in 16 Unzen Mineralwasser die Ziffer 
0,300 überschreiten, nicht minder heroisch wirken als ei- 
nige Gran dieses Salzes in Lösung aus der Apotheke ver- 
schrieben und gereicht 

Unter den übrigen Kurmitteln Salzbrunns nennt D. die 
Jodmilch und Jodmolke. Das Futter der Ziegen und 
Kühe wird mit dem Wasser der Römerquelle geneut, aas- 
serdem werden sie mit diesem Wasser getränkt oder sie 
bekommen jodiges Quellsalz oder jodige Salzlauge, v. Lie- 
big fand in einer Reihe übereinstimmender Versuche in 100 
Unzen der Abendmilch einer Kuh 0,0101 Gramme Jod, also 
über die Hälfte mehr als in der Krankenheiler Bernhards- 
quelle« 

Diese Jodmilch und Jod mölke wird gegen erethiscbe 
Skrophulose, gegen Chlorose, besonders mit Hysterie kom- 
plicirt, gegen Katarrh der Athmungs- und der GeniUlor- 
gane mit dem Charakter der IrriUbilität als wahre Panaeee 
gerühmt. 



Nachstehende „Berichtigung*' ist uns von Herrn Dr. 
Lion sen. mit dem Ersuchen um Veröffentlichung zuge- 
gangen: 

Berichtigung. 

Die Anzeige meines Handbachs der Medicinal- n. 8»> 



87 



BiUlt8*Polizei in No. 6. dieser geehrteo Zeitochrift veranlasst 
mich ZQ folgender AeofseraDg: 

1 ) Ich ersache den Herrn Recensenten , seine Aasspra- 
che: dass das Werk für den beamteten Arzt nicht 
aasreiche, thatsfichlich za beweisen, damit ich im 
Stande bin, diesen Mangel abzaheifen. 

2) Ich bin bereit za beweisen, dass die aafgegriffene Be- 
haoptang keine Uebertreibang ist, and wünsche 
von Herzen, dass ich, wenn dieses Werk eine zweite 
Auflage erreichen sollte, in der Lage sein könnte, eine 
Yerbesseroiig dieses Zostandes anzeigen zo können. 

3) Da der Herr Recensent von Uebertreibnngen 
spricht, so bitte ich, lediglich im Interesse der Wahr- 
heit and des Werkes, dieselben nachzuweisen. Es 
sind dies wahrscheinlich diejenigen Thatsachen, die 
von der deatsoben Zeitschrift für Staatsarzneikande 
als freimfitbige bezeichnet worden sind. 

Berlin, im Febraar 1863. Dr. Lion sen. 

WieViraaf Hrn. Dr. Lion's wiederholtes Ersuchen sein 
Werk besprochen haben, so sind wir auch seinen vorstehend 
> geaasserten Wünschen za gendgen bereit. Wenn der be- 
schrfinkte Raum der Zeitung uns indess gewisse Grunzen vor- 
schreibt, so d&rften schon die nachstehenden Andeutungen, wie 
sie sich beim Durchblättern des Werkes eben bieten, zo 
diesem Behafe ansreieheud sein. 

Za 8. 3. Die Aeofeerang aber das Preufsische Sani- 
tats- and Medicinalwesen, „dass ihm Einheit und Princip 
fehle, dass Alles Stuck- and Fiickwerk sei, wie es gerade 
eben die Umstände bringen oder erzwingen^ schien uns 
Uebertreibang. 

Zu S. 265. Ebenso der Aussprach: „man findet aberall 
Mängel in unserer ärztlichen Kommanal-Verwaltung, in wel* 
chen Laien und merkwfirdiger Weise qoiescirte Apotheker 
die entscheidende Stimme haben, die aber nur eine einsei- 
tige, oberflächliche Kenotniss ärztlicher Dinge haben, und 
in der Regel sich nur desto mehr aufblähen.^ 

Zu S. 8. Die Darstellung der Ressortverhältnisse des 
Prenfsischen Medicinalweseos reicht für den beamteten Arzt 
nicht aus, weil sie sogar irrig ist. Nicht das Ministerium 
des Innern, sondern das der geistlichen etc. Angelegenhei- 
ten hat die oberste Leitung der Medicinal- und Sanitätspo* 
lizei, nicht der Regierungs-Medicinalrath hat an den Mini- 
ster zu berichten, sondern die Regierung, deren sachver- 
ständiges Mitglied er ist, u. s. w. Augenscheinlich sind 
dem Herrn Verf. alle diese Verhältnisse unbekannt. 

Zu S. 0. Wenn der Herr Verfasser über die wissen- 
schaftliche Deputation für das Medicinalwesen ond aber die 
Medicinal - Kollegien den Leser belehren wollte , so warde 
der beamtete Arzt davon wenigstens mehr als die Stelle, 
wo bei Hörn oder bei Simon ond Rönne die diesfälli- 
gea Instruktionen sich finden, wissen wollen, zumal der 



Herr Verf. so viel Raam in seinem Werk fibrig hatte, am 
mehrere Seiten der für die Sanitätspolizei ganz gleicbgulti- 
tigen, verunglackten Rummelsbarger Säugling Waisenan- 
stalt (S. 241 n. £P.) widmen, am über seinen Streit mit dem 
Berliner Kriminal - Physikus (S. 460) aasführlich referiren, 
um die Gewährsmängel beim Viehhandel besprechen zu kön* 
nen n. s. w. 

Zo S. 22. Die Aeafserung: „Verschwiegenheit gehört 
schon aus Politik za den Pflichten des Arztes^ dürfte als 
incorrekt für eine zweite Auflage sich nicht empfehlen. 

Auch für die auf derselben und der folgenden Seite 
enthaltene Aeufserung über Sanitätsberichte würde eine an- 
dere Fassang erwünscht sein, als folgende: 
„Die Aerzte hatten früher die Verpflichtung, qnartaliter 
Sanitäts-Berichte za liefern, sie sollten sogar durch Ord- 
nungsstrafe dazu angehalten werden, und es sollte dar- 
auf bei Meldungen zu Physikaten Rücksicht genommen 
werden; allein man ist davon (? Ref.) wieder zurückge- 
kommen. Dagegen müssen z. B. die Berliner Aerzte ali- 
jährlich Impfberichte bei Vermeidung von Strafe einrei- 
chen, gleichviel ob sie geimpft haben oder nicht (Man 
begreift nicht, ob das als Curiosum mitgetheilt wird. Ref.) 
Wie sie sich hierbei (?Ref.) bei gewissen Epidemieen, 
Pocken, Cholera, Typhus zu verhalten haben, werden wir 
später angeben. Diese Berichte würden in anendlichen 
Beziehungen wohlthätig wirken u. s. w.^ 

Zu S. 24. Denselben Wunsch können wir nicht un- 
terdrücken, wenn der Herr Verf. nach Besprechung des auf 
die Atteste der beamteten Aerzte bezüglichen Ministerial- 
Rescript fortfährt: „Nächst diesem (?Ref.) wird der Arzt 
als Ge werbtreibend er erachtet. Das Schema (? Ref.) lau- 
tet für Berlin (wahrscheinlich aber auch für den Umfang 
der ganzen Monarchie) merkwürdig genug wörtlich: „„der 
hier ortsangehörige etc. hat unter dem . . 18.. den selbst- 
ständigen Gewerbebetrieb als Arzt angemeldete^. Die be- 
züglichen Gesetze haben wir schon genannt. Diese Verord- 
nung (? Ref.) hat die unangenehme Gonsequenz etc^ 

Zu S. 34. Da von dem Physikus so ansfübrlich die 
Rede ist, dass sogar die Termine, innerhalb dessen die Phy- 
sikatsprüfuQgsarbeiten abgeliefert werden müssen, und woran 
doch wahrlich bei einer wissenschaftlichen Bearbeitung der 
Medicinal* und Sanitäts - Polizei nicht viel gelegen ist, be- 
sprochen werden, so fällt es auf, dass über den Kreis-Thier- 
arzt und den Kreis-Wundarzt kaum ein Wort gesagt ist. 
Das Wort „Departements-Thierarzt^ kommt wohl überhaupt 
nicht vor. 

Zu S. 40. Dass der Herr Verf. seioe Theilnahme ao 
dem Geschicke der. Physiker dahin äafsert: 

Das schlimmste Verbältniss ist ab^ das, in welchem sie 
zo dem Landrath oder dessen Sekretär stehen, von deren 
discretionärem Ermessen ihre meisten Revenuen abhän- 
gen. Das ist traarig, aber wahr. 



88 



macht ihm zwar Ehre, durfte aber auch id einem Lehrba* 
che der Medicioal-Polif ei nicht an der richtigen Stelle sein. 

Zn S. 45. Wir glaaben bisher schon nachgewiesen tu 
haben, dass der Herr Verf. Manches hätte fortlassen kön- 
nen. Hier, wo von Apotheken die Rede ist, konnte und 
mnsste aber in der That mehr gesagt werden , wenn das 
Werk fnr Beamte sich eignen sollte. Die Anlegung neuer 
Apotheken ist in 9 Zeilen abgefertigt^ 3ber Apotheken Pri- 
▼ilegien nnd Koncessionen ist nichts gesagt. 

Zn S. 47. Der Herr Verf. theilt mit, dass das Rega- 
lativ vom 16. Sept. 1836 die Verseichnisse der Arsneiwaa- 
ren enth&lt, mit denen nur Apotheker nnd mit denen Nicht- 
Apotheker handeln dürfen. Diese Verzeichnisse sind nnn 
aber schon seit dem Jahre 1857 aufgehoben nnd durch an- 
dere, in der Gesetzsammlung abgedruckte ersetzt worden. 
Das ist denn doch eine Instruktion, die fSr Medicinai-Be- 
amte nicht ansreicht. 

Zn S. 131. Fast ebenso stiefmutterlich wie das Apo- 
thekenwesen ist das Impfwesen behandelt. Hier hfttte der 
Herr Verf. recht grfindlich nnd ausfuhrlich über Werth oder 
Unwerth der Knhpocken-Impfnng, über die sog. Retrovacci* 
nation, über genuine Knhpockenlymphe n. s. w. sich aus- 
lassen müssen. 

Zu S. 191. Dasselbe gilt von der Frage über Einfüh- 
rung öffentlicher Schlachthäuser. Dass bei dieser Maafsre- 
gei vor Allem ihr Einfluss auf die Fleischpreise und somit 
auch anf die Ernährung der arbeitenden Klassen in Betracht 
kommt, ist dem Herrn Verf. wohl nicht bekannt. 

Zn S. 193. Dem angehenden Medicinal-Beamten wird 
weit mehr damit gedient sein, zu wissen, für welche Ge- 
werbe das Prenssische Gesetz wegen Gefährdung der 
Nachbarschaft ein besonderes Koncessionirungs -Verfahren 
vorschreibt, als dass er liest, wie viel Klassen von Fabri- 
ken Trebuchet in Paris aufgestellt habe. 

Zn S. 312. Bei der Zündholz-Fabrikation erfährt der 
Leser über den rotheu Phosphor nichts mehr, als dass D n- 
pasqnier ihn ansschliefslich zn benutzen vorgeschlagen 
habe. Wir können in der That nicht gianben, dass der 
Herr Verf. das für Medidnalbeamte ausreichend hält. 

Das Vorstehende genügt wohl, Herrn Dr^ Lion zu 
überzeugen, dass ihm in unserer Beurtheilnng seines Wer- 
kes nicht Unrecht geschehen ist. D. R. 

Anzeigen. 

Nene medieinuielie Verlagswerke der H. Lrapp'schen 

Buchhandlung — Lftiipp iL Siebeek — in Tübingen 

vom Jabie 1862. 

— In allen Buchhandlungen zu haben — 
HHmm, Prof. Dr. V. v., Die er^ie AM*roiimHg eme$ Pohf- 



p€H Ift der Kehlkopfhöhie durch Zerschneiden olioe blu- 
tige Eröffnung der Luftwege, nebst einer kurzen Anlei- 
tung der Laryngoskopie. Mit 32 Abbild. In 2 Auf- 
lagen. Lex.-8. broch. i Thir. 
Henkel^ Prof. Dr. J. B., Medicinisch-pharmaceuHsehe JBo- 
tanik nebst AÜas^ enthaltend die Analysen der wichtig* 
sten Pflansenfamilien. 22 Bogen Text nnd Atlas von 
54 schönen Tafeln mit Erklärungen. Lex.-d. 9 Fl. 36 
Kr. — 5 Thlr. 20 Sgr. 
Lebert^ Prof. Dr. H., Handbuch der praktischen Medicin, 
Driiie verbesserte Auflage. Zwei starke B&nde. 
Lex..8. broch. 16 Fl. 48 Kr. - 10 Thlr. 

Obgleich durch vielfache Bereicherungen die Bogen- 
aahl wieder ansehnlich vermehrt wurde, und das Buch 
nun circa 140 Bogen stark ist, lassen wir doch den bis- 
herigen Ladenpreis auch für diese dritte Auflage fort- 
bestehen, um unserem Werke auch hinsichtlich der Wobl- 
feilheit den Vorrang zu bewahren. 
Luschka^ Prof. Dr. H., Die Anaiomie des Menschen in 
Rücksicht auf die Bedurfnisse der praktischen Heilkunde 
bearbeitet Erster Band, 2te Abth.: Die Br%st. Auch 
unter dem Titel: 
Die Anatomie der Brust des Menschen, Mit 40 feinen 
Holzschnitten. Lex.-8. broch. 5 Fl. 48 Kr. — 3 Thb. 
15 Sgr. 
Die 1. Abth.: Der HaU, kostet ebenfalls 5 Fl. 48Kr. — 
3 Thlr. 15 Sgr. 
Sick^ Dr. P., Beiträge zur Lehre vom Venenkrebs. Mit 2 

Tafeln Abbild, gr. 8. broch. 1 Fl! 2 Kr. — 24 Sgr. 
Vierordt, Prof. Dr. K., Ornndriss der Physiologie des 
Menschen. Mit 208 Figuren in Holzschnitt. Zweili 
verbess. Auflage. Lex.-8. broch. 4 FL 23 Kr. — 2 
Thlr. 20 Sgr. 



Im Verlage von August Hirschwald in Berlin ist so ebeA 
erschienen und kann durch alle Buchhandlungen bezogen werdea: 

Die 

Prenssische Pharmacopöe 

in ihrer 
siebenten Ausgabe. 

Zur schnellen Orientirung über alle in derselben enthaltenen 

Abfinderungen und Zusfitze 

and als 

Supplement zur seclisteii Ausgabe. 

Von 
Dr. L. Posner^ 

Rönigl. Sanitätsrathe and prakt. Arzte in Berlin, 
gr. 8. geh. Preis 12 Sgr. 



Verlag fod Th. Chr. Fr. Enslin (Adolph Entlin) in Berlin. -• Gedruckt bei A. W. Sdiade in Berlin, SUllsohreiborstr. 47. 



Neae Folge. 
VI. Jahrgang. 



PREUSSISCHE 



Diese Zeltang erscheint wSehentHch. 

Der Preis des gsnsen Jahrgangs, welcher 

nicht getrennt wird, ist 3 Thir. 20 8gr. 



MEDICINAL - ZEITUNG. 

Herausgegeben von dem Verein ftlr Heilkunde in Preussen 

unter Benntziing amtUcher littheilongen des Königl. ■inisteriiuns der geistlichen, Unterrichts- 
nnd ledicinal-Angelegenheiten nnd der KSnigl. Provinzi&l-fieh9rden. 

Redacteur: £. Müller, Geh. Medicinal-Rath etc. 



1863. 




12. 



25. März. 



Inhalt. Amtlicher Theil; Personalien; Bekanntmachang. — Ueber Rademacher'B Le&re, mit Bezog auf einige neuere Aeufse- 
mngen darüber; von H. W. Thienemann. (Fortaetsung.) — Tageaereigniaae und anderweite Mittheilungen. — Literatur. — An- 
zeige. 



Amtlicher Theil. 

PersonalieQs 

AnsteUnngeiL 
Der praktische Arzt Dr. Keil ist Eum Kreis-Physikas 
des Kreises Nearode and der praktische Ar£t Dr. Rapp- 
reeht zam Kreis -Wandarst des Kreises Stolp ernannt 
worden. 

Viederlassnngen. 
Der praktische Arzt Dr. Philippi hat sich in Frank- 
furt a. O. und Dr. Fohl in Laaban niedergelassen. 

Dr. Korn ist von Rosenberg nach Danxig, Dr. Ban- 
mann von Bisohofswerder nach Berlin, Dr. Manch von 
Königsberg nach Rosenberg, Dr. Heimlich von Goln nach 
Haan and der Wandarst I. Klasse Brunn von Bialosliwe 
nach JnstiD bei Colberg gezogen. 

Apotheken-Angelegenheit. 
Dem Apotheker Baumeister ist die Verwaltung der 
neu errichteten Filial- Apotheke in Langerwehe, Reg.-Bezirk 
Aachen, übertragen worden. 

Todesfälle. 
Der Kreis - Wandarzt Lerche in Hohengandern , der 
Wandarst Heidings feld in Wigandsthal und der Wund- 
arzt Peukert in Wiesan sind gestorben. 



Offene Medicinal- Stellen. 

Die Kreis- Wandarzt-Stelle des Neastettiner Kreises, 
mit welcher ein Gehalt von jährlich 100 Thlrn. verbanden, 
ist erledigt. 

Qualificirte Medicinal- Personen, welche sich am diese 
Stelle bewerben wollen, haben sich anter Vorlegung ihrer 
Zeugnisse binnen 6 Wochen bei uns zu melden. 

Cöslin, den 8. März 1863. 

Königl. Regierung, Abth. des Innern. 

Die Kreis- Wundarzt-Stelle des Kreises Heiligenstadt, 
Reg.-Bezirk Erfurt, ist erledigt. 



BekanDtmachungs 

Nach der Note xar Taxe für die Geburtshelfer vom 
21. Juni 1815 soll es in Ansehung der Belohnung der Heb- 
ammen bei der Entbindung and nachherigen Behandlung 
der Matter nnd des Kindes, soweit solche deren Amts ist, 
bei der Verfassung jedes Orts sein Bewenden haben, und 
ist nar bei entstehenden Streitigkeiten über das Honorar, 
welche weder aus der Lokalobservanz noch ans einer an- 
dern Lokalnorm entschieden werden können, dasselbe nach 
der Taxe far die Oebortahelfer , insofern dieselbe auf die 
den Hebammen zostehenden Verrichtungen passt, in der 
Art zu bemessen, dass den Hebammen in der Regel nur 
ein Viertel, oder bei Vermögenden ein Drittel des Satzes 
far die Geburtshelfer zusteht 

Abgesehen davon, dass die Lokalobservanz, auf wel- 
che hier verwiesen wird, oft schwer erkennbar and nach* 



90 



weisbar ist, und auch nar als Maafsstab für die VergütQDg, 
nicht aber far den Umfang der den Hebammen obliegen- 
den Verrichtungen dienen soll, setzt die fernere Anwend- 
barkeit der 'Lokalobservanz auch die Fortdauer der that- 
sächlichen Verhältnisse voraus, welche zar Zeit ihrer Ent- 
stehung vorhanden waren. Diese Voraussetzung trifft aber 
fast durchgängig nicht zu, indem seit dem Erlasse der Taxe 
und noch vielmehr seit Entstehung der filtern Observanzen 
alle Lebensbedurfnisse dergestalt im Preise gestiegen sind, 
und zugleich der Geldwerth so gefallen ist, dass der ob- 
servanzmäfsige Gebührensatz jetzt einen weit geringeren 
Werth darstellt, und dieselbe Geldsumme in der That nicht 
dieselbe Vergütung ist, wie sie ehedem war. Zum grofsen 
Theile in dem Grade nun, wie sich alle diese Verhältnisse 
geändert haben, hat sich auch die Lage der Hebammen, 
besonders auf dem Lande, und namentlich in den Gegen- 
den, wo die Observanz mäfsigen Gebuhren derselben mehr 
oder weniger unter dem niedrigsten, ihnen nach Maafsgabe 
der Taxe für die Geburtshelfer zustehenden Sätze geblie- 
ben sind, verschlechtert, und ist nicht selten so druckend 
geworden, dass viele Hebammen nicht allein keinen eini- 
germafsen entsprechenden Ersatz für ihre oft bedeutende 
Mühe und Anstrengung und ihre grofse Verantwortlichkeit 
erhalten^ sondern selbst mit Mangel und Noth zu kämpfen 
haben. Die Folge davon ist gewesen, dass solche Hebam- 
men, um den nothigen Unterhalt für sich und ihre Fami- 
lien zu gewinnen, sich mit andern Arbeiten und Geschäften 
haben befassen müssen, und dadurch, wenn auch nicht ge- 
rade von der unmittelbaren Ausübung ihres eigentlichen 
Berufs, doch in ihrer dienstfreien Zeit von der so noth wen* 
digen Fortbildung in ihrem Fache durch Selbstunterricht 
aus dem Hebammenlehrbncbe abgehalten, auch mitunter 
durch gröbere Handarbeiten weniger geschickt zu manchen 
geburtshülflichen Verrichtungen gemacht werden, und dass 
es endlich bei Erledigung von Bezirks - Hebammenstellen 
nicht selten sehr schwer hält, dazu geeignete, und zu deren 
Uebernahme geeignete Personen aufzufinden. 

Unter diesen Umständen sehen wir uns veranlasst, 
nach Anleitung der Taxe für die Geburtshelfer vom 2L 
Juni 1815 und unter Beachtung des in der Note zu dieser 
Taxe angegebenen Maafsstabes nachstehend eine Taxe für 
die Hebammen aufzustellen, in welcher die Gebühren der- 
selben für die einzelnen von ihnen zu besorgenden Hülfis- 
leistungen aufgeführt sind. Es ist dabei keineswegs unsere 
Absicht, dadurch die bisherigen Observanzen ganz aufzu- 
heben, sondern nur in den Fällen, wo die übliche Vergü- 
tung zu gering, und den dabei in Betracht kommenden, 
vorstehend erwähnten Verhältnissen durchaus nicht mehr 
angemessen ist, dieselbe auf das den Umständen, und ins- 
besondere dem dermaligen Geldwerthe entsprechende Maafs 
SU erhöben. Dagegen beabsichtigen wur nicht, die den Heb- 
ammen zu gewährende Vergütung auf die Sätze der Taxe 



überall beschränken, oder anderweitigen, vorzüglich auf dem 
Lande gebräuchlichen Zuwendungen und Geschenken von 
Gegenständen des Haushalts oder der Wirthschaft an die 
Hebammen in den Weg treten zu wollen. Welche der in 
der Taxe aufgeführten Sätze in jedem einzelnen Falle zur 
Geltung kommen, richtet sich neben der gehabten Mühwal- 
tung hauptsächlich nach den Vermogensverhältnissen der 
Personen, welche die Dienste der Hebammen in Anspruch 
genommen haben, und ist bei etwaigem Zweifel in letzte- 
rer Beziehung und beim Mangel eines anderen passenden 
Maafsstabes die Klassen- resp. Einkommensteuer der betref- 
fenden Personen als Richtschnur zu benutzen, so dass je 
nach den niedern oder höhern Sätzen der Steuer auch die 
niedern oder hohem Sätze der Taxe in Anwendung ge- 
bracht werden. Für die Entbindung armer Frauen und die 
demselben überhaupt geleistete Hülfe ist den Hebammen 
naah unserer Amtsblatts -Bekanntmachung vom 28. Mai 
1829 (Amtsblatt 1829 S. 242) der niedrigste Taxsatz aus 
den betreffenden Gemeinde- oder Armenkassen zu entrich- 
ten, sobald sie nicht aus letztern ein bestimmtes jährliches 
Gehalt, oder von Gemeindewegen anderweitige Vergütun- 
gen für ihre dergleichen Verrichtungen bei Armen erhalten. 

Taxe 
für die Hebammen des Regierungs-Bezirks Minden. 

1) Für eine leichte regelmäfsige Entbindung 15 Sgr. bis 
1 Thlr. 20 Sgr. 

2) Für eine Zwillings -Entbindung 22^ Sgr. bis 2 Thlr. 
20 Sgr. 

3 ) Für eine natürliche aber sich verzögernde Entbindung, 
wobei Tag und Nacht zugebracht worden ist 1 Thlr; 
bis 3 Thlr. 10 Thlr. 

4 ) Für eine Fufsgebnrt oder für eine gedoppelte Geburt, 
welche in eine Fufsgebnrt verwandelt worden ist 1 
Thlr. bis 3 Thlr. 10 Sgr. 

5) Für eine regelwidrige Geburt, welche darch die Wen- 
dung bewirkt worden ist 1 Thlr. bis 4 Thlr. 

6) Für den Beistand bei einer Fehlgeburt oder das Ab- 
nehmen einer Mole 15 Sgr. bis 1 Thlr. 

7) Die Vergütung für die zur Pflege der Wöchnerin and 
des Kindes bis zum 9ten Tage nach der Entbindung 
nothigen Besuche und Verrichtungen ist in dem Satze 
für die Entbindung mit eingeschlossen. Vom 9. Tage 
ab erhält die Hebamme: 

a. für jeden Besuch am Orte bei Tage 2^ Sgr. bis 
5 Sgr. 

b. für einen Besuch am Orte bei Naebt, d. h. von 
10 Uhr Abends bis 6 Uhr Morgens 5 — 10 Sgr. 

c. für einen Besuch bei Tage, bei einer Entfernung 
über eine Viertelmeile vom Orte 5 — 10 Sgr. 

d. für einen Besuch in solcher Entfernung bei Naeht 
7i-15 Sgr. 



91 



8) Far die Dntersucbnog der iDDarn Oebartstbeile, NB. 
die zum Zweck der BotbindoDg aDgeetellte Untersa- 
cbnog wird nicbt besonders berecbnet 31- — 15 Sgr. 

9) F8r das Setzen mehrerer Blutegel 5 — 10 Sgr. 

10) For das Setzen mehrerer Schröpfköpfe 5 — 10 Sgr. 

bei trockenen Schröpfköpfen wird nar die Hftlfte 
dieses Satzes berechnet. 

11) Far das Setzen eines Klystiers 2| — 5 Sgr. 

das KWstier znm Zweck der Entbindong oder in 
den ersten 9 Tagen des Wochenbetts wird nicht 
besonders berechnet. 



12) Far die Anlegung des Katheders 3|— 10 Sgr. 

so oft dieselbe binnen 24 Standen wiederholt wird, 
die Hälfte dieses Satzes. 

13) Werden die Verrichtangen von 8 bis incl. 12 bei Nacht 
oder in einer Entfernung von über eine Viertelmeile 
vom Orte erfordert, so erhöhen sich die Sfttze um 
2i~5 Sgr. 

14) Für eine Nachtwache 10 — 20 Sgr. 
Minden, den 8. Februar 1863. 

König]. Regierung. 



Heber Rademacher's Lehre, mit BezHg auf einige 
neuere Aeorserungen darfiber. 

Von Dr. H. W. Thieneilianix» Kreis-Physikuft zu Marggrabowa 
in Ostpreufsen. 
(Fortsetzung.) 

Hi^ fährt Werber fort: ^ — gerade wie Hahne- 
mann^ — und sagt dann S. 84: ^Da möchte ich doch 
fragen, ob denn zwischen Rademacher und Hahne- 
mann ein so wesentlicher Unterschied ist in Rücksicht an^ 
Yeiiiennang und Missachtung der naturwissenschaftlichen 
Medicin nnd ob nicht der Eine wie der Andere die liedi- 
ctD anf eiuen rohen Empirismus zurückführten?^ Ich glaube 
hier tfiascht sich Werber. Hahnemann wollte eine The- 
rapie auf Formenerken ntniss gründen, also auf die Basis 
der rohen Empirie. Wir sehen aber, dass Radema- 
cher gerade auf die Form der Krankheit unter allen Aerz- 
ten am wenigsten Werth legt. £Üe Experimente und 
Beobachtungen, welche Rademacher anstellt, um diesen 
geringen Werth möglichst scharf zu begründen, haben ganz 
gewiss dieselbe wissenschaftliche Bedeutung, wie die mi* 
kroskopisch-anatomisohen Untersuchungen etc. Anderer, und 
sie heben einander nicht auf, sondern sollen einander er- 
gfiozen. Wenn aber die pathologischen Forscher die the- 
rapeutischen Erfahrungen von sich weisen, so können sie 
nie die für die Heilkunst erforderliche Höhe erreichen. Wir 
haben z. B. eine Nierenkrankheit, die durch Cochenille, wir 
haben eine andere, die durch Virgaurea geheilt wird; die 
Formen beider fliefsen zusammen, aber therapeutisch sind 
sie streng geschieden. Wenn die pathologischen Forscher 
ODS hierin Aufklärung geben, wollen wir ihnen sehr dank- 
bar sein! Es ist allerdings etwas schwerer, als den Ei- 
weifsgehalt des Harns und die Brigbt'sche Degeneration der 
Nieren aufzusuchen, womit bis jetzt der Therapie sehr we- 
nig genutzt ist. 

S. 84: „Rademacher probirt seine Mittel an einem 
nrergriflPenen Organe oder am urergriffenen Organismus, in- 
dem er ja selbst häufig nicht weifs, ob der Organismus oder 



ein Organ unerkrankt ist, nnd probirt dann erst die Organ- 
mittel oder die Mittel des Oesammtorganismns, indem er 
nicht weifs, welches derselben das gerade passende ist.^ 
Wenn uns die Wissenschaft in dieser Beziehung mehr 
giebt, so werden wir aufhören zu probiren, aber erst gebt 
uns, was wir brauchen I 

Hieran schliefst sich: „Ist das nicht ein Tantalus-Be- 
mnhen und eine Sisyphus- Arbeit, wo man zu keinem Ziel 
gelangt und stets wieder von vorn anfangen muss? Die 
Sache gleicht ein^ Lotterie oder einem kaleidoskopischen 
Spiel.^ — Dieser Vergleich ist nicht passend. Die Sache 
gleicht einer Jagd auf unbekanntem Gebiete, bei unbekann- 
tem Wild. Der Jfiger kann sich den Jagdplan nicht vor- 
her entwerfen, er muss der Spur folgen, so gut es geht. 
Wir werden es darum aber nicht Sisjpbus-Arbeit nennen, 
wenn Brehm in der afrikanischen Wüste oder Bur mei- 
ste r im südamerikanischen Urwalde jagen. Der Arzt darf 
bei seinem Probiren so wenig als der Jäger seine naturhi- 
storischen Kenntnisse bei Seite setzen, und er muss so pro- 
biren oder spuren, dass selbst das erste Misslingen ihn der 
gesuchten Fährte näher bringt. 

Dann: ^Die praktische Medicin soll nicht dem Zufall 
preis gegeben werden'', ^n sehr schöner Satz, dem blos 
die Erfahrung entgegensteht, dass die Nürnberger keinen 
henken, bevor sie ihn haben. Wir können nicht längnen, 
dass die wichtigsten Entdeckungen im Gebiete der Thera- 
pie ebensowohl, wie in jeder Erfahrungswissenschaft sehr 
häufig durch Zufall erfolgt sind. Sache der Wissenschaft 
ist es, den Zufall auszubeuten. 

S. 82: „Seine (Rademacher's) praktische Heilungs- 
lehre ist nicht auf wissenschaftlichem Boden gewachsen, 
hängt mit der wissenschaftlichen Medicin nicht zusammen, 
was stets ein grofses Gebrechen für jede Heilungslehre ist.'' 
— „ohne wissenschaftliche Pathologie nnd Aetiologic, wel- 
che doch sämmtlich die wahre und ächte Grundlage der 
Medicin als Wissenschaft und Kunst sein müssen". — Dass 
Rademacher's Lehre die Wissenschaft nicht von sich weist, 
glaube ich dargethan zu haben ; die Medicin aber muss, wie 



92 



jede EudsI, in ihren Leistungen über die Wissenschaft 
hin aasgehen. Das, was die WisseDSchaft als solcbe der 
Heiikunst bietet, ist nicht s=0, aber es ist eben nicht so 
bedeatend am das firztliche Können so hoch zu heben, als 
das Bedarfniss erheischt. Wir müssen bedenken, dass die 
Wissenschaft und die durch sie lösbareb Probleme ihre 
Gr&nze haben, welche der Kunstler überschreiten muss und 
kann. Nehmen wir z. B. irgend ein mechanisches Uewerbe» 
so verlangt es in seiner Ausübung die Theilung von Kreis- 
bogen und Winkeln in gleiche Theile. Es ist kaum ein 
einfacher scheinendes Problem denkbar, als das, einen 
Winkel in drei gleiche Theile zu theilen. Die mathemati- 
sche Wissenschaft kann es nicht (mit Ausnahme einiger 
Specialfälle, z. B. des rechten Winkels). Soll der Wagner, 
der Uhrmacher, der Maschinenbauer mit seinen Arbeiten 
warten, bis die Mathematik jenes Problem gelöst hat? Er 
nimmt seinen Zirkel zur Hand und probirt, bis er das 
rechte Maafs gefunden. Oleich ungen höherer Grade kann 
die Wissenschaft (ebenfalls mit Ausnahme einiger Special* 
fälle) nicht lösen. Wenn sie der Lösung benöthigt ist, ar- 
beitet sie nach der Newton'schen Näherungsmethode, d. h. 
sie probirt und beobachtet Noch mehr, beim Rechnen je- 
der gewöhnlichen Gleichung bedürfen wir eines Dinges, das 
wir handhaben, ohne es zu kennen, wir setzen es als x 
oder y in ansere Rechnung. Das Alles sind Parallelen der 
Rad emac herrschen Heilungslehre, namentlich vorsinnlichen 
sie uns den Nutzen und die Nothwendigkeit des Probirens 
in Fällen, wo die Wissenschaft nicht ausreicht. 

Selbst da wo wir durch Wissenschaft das ans vorlie- 
gende therapeutische Problem lösen könnten, wird uns oft 
in der Praxis das Reichen von Probemitteln ersprieüslicher 
sein, als das wissenschaftliche Verfahren. Wenn ich bei 
einer Zeichnung z. B. eine Länie in 7 gleiche Theile zu 
theilen habe, so ist die mathematische Lösung unschwer 
auszufahren; sie ist aber so weitläu6g, dass die Theilung 
durch Probiren mit dem Zirkel viel bequemer erscheint, 
und — in Erwägung, dass unsere Instrumente auch bei rein 
mathematischen Arbeiten eben keine mathematischen Linien 
nnd Flächen sind — wird die Theilung durch das Probi- 
ren eben so scharf sein, als die wissenschaftliche Lösung 
der Aufgabe. Es versteht sich, dass das Probiren selbst 
ein rationelles, und kein tölpisches Herumtappen sein muss. 
Selbst unsere xar i^ox^i^ Rationalzahlen, die Logarithmen^ 
liefert nns nicht die reine Wissenschaft, sondern das Expe- 
riment, das Probiren zwischen dem Gröfsern und Kleinem! 
Wenn nun diejenigen Wissenszweige, die sich auf die rein- 
ste Verstandesoperation gründen und deren Gesetze sich 
mit Schärfe und Genauigkeit* feststellen lassen , sich nicht 
einmal des Experiments entrathen können: wie kann man 
verlangen, dass eine Kunst, von deren Hebeln unsere tief- 
ste Wissenschaft kaum die Anfänge wirklich ihr eigen nen- 
nen kann, die sich so unendlich verzweigen und ineinan- 



dergreifen; wie kann man verlangen, sage ich, dass diese 
ohne Beihülfe des Experiments praktisch bestehen könne! 
Ich kann mich nicht enthalten, auf das hinzuweisen, 
was Rademacher in seinem 8ten Kapitel unter der Ue- 
berschrift sagt: „Ist meine Behauptung, dass durch die 
Schullehre (welcherlei Farbe sie habe) der Verstand der 
Aerzte tbeilicht verkrüppelt sei, eine Beleidigung für die 
Aerzte?^ worin er die allgemeine Meinung über diesen 
Punkt der durch die Schullehre erzeugten Gefangennehm ung 
des freien Urtheils zuschreibt, indem er meint, dass sich 
unsere Wissenschaft jetzt noch auf demselben Standpunkte 
der geistigen Befangenheit befände, wie die Theologie bei 
der Inquisition, die Jurisprudenz bei den Hexenproees* 
sen. Brieflich gab mir Rademacher noch einen andern 
Grund an: 

Den 24. Juni 1847. „Sie sagen, Ihr Freund M. (in 
Berlin) habe Ihnen geschrieben: Schönlein beobachte 
ein vornehmes Stillschweigen über mich. Mein bester 
Freund I ich habe von den Professoren und fürstlichen 
Leibärzten (welche letztern, wo nicht immer, doch meist 
zugleich Professoren sind) nichts erwartet, als ein vor- 
nehmes Schweigen und mitleidiges Achselzucken. — Wie 
kann man von Männern, die auch nur sehn Jahre lang 
die schulrechte Lehre mit eigenen Zusätzen verschönert 
oder verhässlicht öffentlich vorgetragen haben, wie kann 
man erwarten, dass diese, wenn sie auch wirklich von 
der Wahrheit der reinen Erfahmngsheillehre fibearsengt 
wären, diese Ueberzeugang öffentlich aussprechen und so 
sich selbst vernichten sollten? Nein, mein guter Freund! 
man muss von ehrlichen irdischen Menschen nichts Deber- 
menschlichsittliches erwarten.^ 

Rademacher hat in Bezug auf das Factum Recht. 
Werber ist — 19 Jahre nach dem Erscheinen des Wer- 
kes — der Erste, der eine wirkliche Knük dieser Lehre 
schreibt. Den bittern Ausspruch aber in seinem ganzen Um» 
fange anzuerkennen, dagegen sträubt sich mein Humanitäts- 
gefühh 

S. 83 : ^ — heilt die Arznei das erkrankte Organ oder 
den kranken Gesammtorganismus, so ist es die rechte Ar^ 
nei, das wahre Arcannm; heilt sie es nicht, so muss eine 
andere Arznei ergriffen werden; mehr erkennt der Arzt 
nicht nnd mehr zu wissen ist auch nicht nöthig.^ Etwas 
weiter unten: ^ — so entsteht billig die Frage, wozu soll 
der Arzt Anatomie, Chemie und Physik, wozu Pathologie 
und Aetiologie studiren, wenn er denn doch von Krankhei- 
ten, die er heilen, (ihr Wesen) nicht erkennen, und was er 
erkennen kann, (ihre Erscheinungen) nicht heilen soll?'' 
Hier ist zu suppliren, dass eben, um zu erkennen, 
ob eine Arznei heilt, oder ob sie nicht heilt, das 
höchste ärztliche Wissen nöthig ist. Ich verweise 
statt einer Antwort auf Eis sei's Arbeiten und speciell auf 
Bernhardts Aufsatz „das schwierigste Problem der The- 



93 



rapie^ '), als welches er die Erkenotniss der wirklich er- 
folgten oder nicht erfolgten Eonstheilang beaeichnet. Wenn 
der Rademacherianer sonst keinen Grund hätte, die medi- 
cinischen Wissenschaften and Holfswissenschaften za stu* 
diren, so durfte dieser Eine vollkommen genagend sein. 

Auf derselben Seite sagt Werber: ^Nach Radema- 
eher redncirt sich die ganze Medicin auf Untersuchung und 
Beurtbeilung , ob der ganze Organismus oder nur ein Or- 
gan urergriffen ist etc.^ Dem widersprechen einige meiner 
obigen Citate. Gegen Ende seines 6ten Kapitels sagt Ra- 
demacher: ^Bis jetzt ist noch kein Arzt so weit gekom- 
men, dass er das antagonistische Heilen ganz entbehren 
kann; auch ich wiU mich einer solchen Eunstigkeit nicht 
rühmen.^ Also sieht er doch ganz gewiss nicht die ganze 
Medicin in dem, was er über direkte Erankheitsheilung 
lehrt. 

S. 84: ^Beide (Rademacher und Hahnemann) sind 
stark in Angriffen und in Auffindung der Gebrechen der 
hippokratischen Medicin, besonders in heilkunstlerischer Be- 
Ziehung, aber sie sind selber schwach in der Erkennung 
ihrer eigenen Gebrechen.^ Das Erste ist richtig, und lei- 
der sind die VorwQrfe von Hahnemann grofsentheils und 
die von Rademacher meines Erachtens immer gegründet. 
Darznthun, dass die Grebrechen, welche man Rade ma- 
ch er zur Last legt, entweder gar nicht vorhanden, oder 
Mfingel unseres Gesammtwissens sind, ist Zweck meines 
ganzen Aufsatzes. 

Ibid.: ^Nachdem ich so viele Gebrechen nachgewiesen 
und so viel Tadel ausgesprochen über Rademacber's Hei- 
longslehre, so kann man die Frage anfwerfen, sollte denn 
diese Lehre, welche sich immer mehr auszubreiten scheint 
oDter den Praktikern, nicht auch Wahres und Gutes ent- 
halten?^ Das Gute findet Werber vorzugsweise in Fol- 
gendem, S. 86: „Rademacher unterschied die universa- 
len Krankheiten von den lokalen, die ursprünglichen Erank- 
heiten von den consensuellen , und nahm besondere Rück- 
sicht auf die epidemischen' Einflüsse. Dann suchte er die 
Affinitfit oder verwandtschaftliche Beziehung der Arzneien 
sa dem kranken Organismus und dessen einzelnen Orga- 
nen auf, und bestrebte sich für jede besondere Erkranknngs- 
weise des Organismus oder dessen einzelnen Organen die 
entsprechende oder specifische Arznei als das wahre Heil- 
mittel aufzufinden and anzuwenden. Rademacher stellte 
sich also auf den praktischen Boden, auf den Boden der 
HeUungslehre, und nicht auf den Boden der Pathologie, 
wie vorherrschend die bisherige hippokratische Medicin.^ 
Nach Wiederholung einiger Vorwurfe wegen Vernachlassi- 
gang der Wissenschaft kommt der Schlufssatz: „Denn daran 
darf nicht gezweifelt werden, dass Rade mach er mit dem 
Unterscheiden der universalen und lokalen, der ursprüngli- 



') ZeiUchr. f. wissenschafU. Band V. Heft 1. p. 17. 



chen und consensuellen Erankhciten, unter der vorwalten- 
den Herrschaft der epidemischen Einflüsse und mit dem 
Anwenden zutreffender Arzneien atif gutem Wege sich be- 
fand.^ — Werber sagt also, dass Rademacher sich 
auf gutem Wege befand. Durch das Wandeln auf die- 
sem Wege wurden aber die Dinge zu Tage gefSrdert, wel- 
che Werber Rademache r'n zum Vorwurfe macht. Ehe 
man also diese Dinge verwirft, muss man feststellen, ob 
sie wirklich vorhanden sind, oder nicht, und das kann nur 
durch das Wandeln auf demselben Wege erreicht werden. 
Werber hat Rademacher'sche Medikamente angewen- 
det, aber er ist zuverlässig dabei nicht Rademacber's 
Weg in dem Maafse gegangen, dass sein Fund zum um- 
fassenden Urtheile Grund gfibe. Seine Erfolge können 
durchaus nicht den Werth haben, als die Erfolge derjeni- 
gen, welche sich ansschliefslich mit der Kultur von Rade- 
macher^s Lehre beschäftigt haben. Diese haben Rade- 
macber's Lehre, wie er sie giebt, vollständig bestätigt ge- 
funden, und mehrere von ihnen haben ihre gemachten Er- 
fahrungen veröffentlicht. Was meine Forschungen betrifft, 
so habe ich die Summe von deren Erfolgen in diesem 
Blatte ') und in einem in der Naturforscher- Versammlung 
£o Eönigsberg gehaltetenen Vortrage *) angegeben. Das 
Endresultat ist, dass ich durchschnittlich mit einem ein- 
zigen Recepte bei 89 pCt. meiner heilbaren Patienten 
die beginnende Besserung und bei 64 pGt die vollkommene 
Heilung erreiche. Die Besserung beginnt bei 60 pGt. schon 
am Isten oder 2ten Tage. Ein solches Resultat ist gewiss 
kein ungünstiges. Die weitere Ausführung dieser Erfolge 
gebe ich jetzt in Bernhard i's Journal sowohl in einem 
langem Aufsatze über landgängige Erankheiten als 
in einzelnen Erankengeschichten, und ich kann jedem Sol- 
lten mit gutem Gewissen versichern, dass Rademacber's 
Weg wirklich nicht blos ein guter, sondern auch bei gehö- 
riger Umsicht ein nicht überschwer zu verfolgender ist. Nur 
mnss Niemand — wie auch geschehen ~ sich einbilden, 
dass der Rademacherianer in seinem Wirken immer auf Ro- 
sen wandele. Neiü! Die gebratenen Tauben fliegen dem 
Arzte nirgends in den Mund. 

Nun kommt S. 87 noch eine Nachrede: „Wie Lokali- 
rung der Erankheiten so auch Lokalisirung der Arzneien, 
wo zu letzterer Rademacher den bestimmteren Anstofs 
gegeben, wird für die wissenschaftliche und künstlerische 
Medicin in Zukunft die Hauptrichtnng sein, wie auch Vi r- 
chow anerkennt, nur muss sie sich naturwissenschaftlich 
entwickeln und gestalten, und nicht wie bei Rade m acher 



') üeber die Sicherheit der Rade mache raschen Diagnose, 
Jahrg. 1860. No. 24 und 25. 

») Zeitfichr. für wlssenschaftl. Therapie Bd. V. Heft 1. sowie 
in den Verband], d. naturf. Versammlnng pro 1660. 



94 



In eioen mystischen Nimbus und in rohe Empirie verstel- 
len — ähnlich Hahn em an n, wodarch kein wahrer wis- 
senschaftlicher Fortschritt möglich wird. So oft in 
einem Zeitalter die Wissenschaft missachtet wnrde, sank 
auch die praktische Medicin; so oft ein Arzt die Wissen- 
schaft verachtete, rächte sie sich an ihm, indem er in ro- 
hen Empirismus, wie H ahnemann, oder in träumerischen 
Mjsticismus, wie Rademacher, verfiel.*' — Hier wird 
also dem rademacherischen Princip, Liokalisirung der Krank- 
heit und Lokalisirnng der Arzneien das Wort geredet. 
^Nar muss sie (diese Richtung) sich naturwissen- 
schaftlich gestalten.^ Da muss mau billig fragen, was 
helfet das? Doch wohl dasjenige, was die Naturbeobach- 
tung als positiv uns giebt, in Bezug auf den Zweck, wel- 
chen wir erreichen wollen, in den Vordergrund stellen. 
Nun ist der Zweck der praktischen Medicin doch unzwei 
felhaft Erankheitsheilung — also das, was sich auf die Hei- 
lung unmittelbar bezieht, gehört voran — und so ist Ra- 
demaoher's Ordnung gestellt. Wollen wir das, was sich 
auf die Heilung nur unmittelbar bezieht, obenan stellen, so 
theilen nnd verwirren wir die Wege, welche zum Ziele fuh- 
ren. Dies geschieht, wenn wir, um Therapie zu lehren, 
das pathologische Princip zur Krankheitseintbeilung benuz- 
cen. Die Pathologie an und für sich als wissenschaftliche 
Forschung mag ihre Resultate in der ihr gefälligen Reihe 
aufzählen, eben so, wie der Botaniker die Pflanzen nach 
seinem Systeme klassifidrt Der Gärtner wäre ein grofser 
Narr, wenn er die Victoria regia, Cactus grandiflorus und 
Ribes alpinum als botanisch zusammengehörende Pflanzen 
neben einander pflanzen wollte. Wenn er die Pflanzen be- 
nennen will, so braucht er die botanische Klassificirung ; 
wenn er sie behandeln will, so tbeilt er sie in Wasserpflan- 
zen und Landpflanzen, Treibbaus- und Ealtbauspflanzen, 
Stauden und Kräuter — unbeschadet seiner botani- 
schen Kenntnisse. Der Heilk unstier , welcher die 
Krankheiten behandeln will, befindet sich genau in dem 
Verhältnisse des Gärtners. Die Fortschritte der Therapie, 
die sich seit 2000 Jahren im Zirkel dfehen, werden sich 
ewig im Zirkel zu drehen fortfahren, wenn wir nicht in 
die Speichen des Rades eingreifen nnd die therapeutischen 
Systeme so moduliren, wie die Therapie es verlangt. 
Werber deutet S. 174 selbst auf das Postulat bin: „Man 
kann nicht längnen, dass die Aerzte nach einer glän- 
zenden Diagnose der Krankheit gar häufig trostlos als The- 
rapeuten dastehen.^ Dass die Eintheilung der Krankheiten 
mit vorgestelltem therapeutischen Princip ausführbar ist, hat 
Rademacher gezeigt Therapeuten, welche diese Einthei- 
lung und Rademacher's Benennungen unwissenschaftlich 
finden, gehören in dieselbe Kategorie, wie etwa der Gärt- 
ner, welcher aus lauter Wissenschaftlichkeit die Aloe ins 
Hyacinthenbeet pflanzt. Die weitere Ausfuhrung dieser 
s^zzirten Sätze wird man in einer Expektoration über das 



Wechselfieber im Isten Hefte des fiten Bandes von Bern- 
hardi's Zeitschrift finden. 

(SchloBs folgt) 

Tagesereignisse und anderweite MittheiiungeD« 

— Wochenbericht der hiesigen öffentlichen £j*an- 

kenhäuser: 

Bestand Wöchl. Wöchl. hierunter Bentand 

7. März Zugang Abgang Todesfälle 14.März 

Betiianien .... 284 36 48 8 272 

Hedwigs -Krankenh. 194 63 53 9 204 

BHsabeth-Krankenh. 75 7 4 — 78 

Judisches Krankenh. 42 7 9 2 54 



dazu Charite • 



595 
1341 



113 114 



19 



594 
1349 



1936 



1943 



In Bethanien waren gastrische Zustände und im Hed* 
wigs- Krankenhause entzGndliche Brustaffektionen vorherr- 
schend. 

— In der hiesigen städtischen Armenprazis wur- 
den im UI. Vierteljahre 1862 7940 Kranke (einsdilierslich 
des übertragenen Bestandes von 1114) behandelt, von de- 
nen 268 starben. Von den Verstorbenen waren 117 männ- 
lichen, 148 weiblichen Geschlechts, 3 ohne Geschlechtsan- 
gabe. Nach dem Lebensalter befanden sich von den Ver- 
storbenen im ersten Lebensjahre 68, von 2 — 3 Jahren 50, 
von 4 — 10 Jahren 25, von 11 — 15^ Jahren 10, von 16 — 
30 Jahren 17, von 31—60 Jahren 49, von 61— 70 Jahren 
24, von 71—80 Jahren 14, von 81—90 Jahren 8, von 91 
und mehr Jahren 3. 

Die häufigsten Todesursachen waren Lungenschwind- 
sucht 43, Durchfall 41, Alterschwäche 22, Grehirnbautent- 
zQndung 15, gastrisches Fieber 12, Lungenentzündung und 
Katarrh je 11, Scharlachfieber 10 etc. 

Von sämmtlichen Kranken wurden geheilt 5744 (72,34 
pGt.), iu Krankenhäuser dirigirt 549 (6,92 pCt.}, ungebeilt 
entlassen 74 (0,93 pCt.), aus der Kur blieben 171 (2,15 
pGt.}, starben 268 (3,38 pGt.) und blieben Bestand 1134 
(14,28 pCt.). 

' An Entbindungen wurden in Berlin im Jahre 
1861 von 142 Hebammen 14661 Entbindungen ausgeführt. 
Von 12 Hebammen fehlen die Berichte. Unter den Ge- 
burten waren nnzeitige 164, frühzeitige 506, zeitige 13986, 
uberzeitige 5. Von den Kindern waren 7719 männlichen 
und 6942 weiblichen Geschlechts. — Die Kindeslagen wa- 
ren 13864 Scheitel-, 33 Gesichts-, 258 Steiss-, 7 Knie-, 150 
Fufs-, 56 Quer* und 27 Schieflagen. Als Missbildnngen sind 
14 Missgeburten und 19 Molen angegeben. Todesfälle er- 
eigneten sich bei Muttern während der Entbindung 14, wäh- 



95 



read des Wochenbette 31; bei Kindern: bereite io Verwe- : 

sang übergegangen 260, wftbrend der Gebort verstorben { 

193, w&hfend der ersten 9 Tage 181. Von sSmmtlichen i 

Gebarten worden 14165 dorch die Nator, 44 dorcb die ; 

Eonst der Hebammen ond 452 dorch Eanstholfe des 6e- { 

bortebelfers vollendet. i 

I 

— Das Janoarheft der Annales d'hjg. pobl. enthfilt 
umfassende Stadien von Vernois über die von der Be- 
hörde gegen die Hondswoth einzoleitenden Verhotungs- 
Maafsregeln. Die Resultate, welche der Verf. ans der Sta- 
tistik sieht, sind etwa folgende: die Besteoerong der Hunde 
hat die Zahl derselben sehr unwesentlich verringert. Die 
Yerringerong der Zahl der Honde vermindert nicht die Zahl j 
der Ffille von Hondswoth. In Frankreich sind die bisher '■ 
ober diese Fälle veröfTentlichten Zahlen viel so hoch ge- ! 
griffen. Ais mittlere Zahl sind etwa 17,08 jährlich anzo- ! 
nehmen. Die bisherigen Maafsregeln haben nicht den er- 
warteten Erfolg gehabt, denn die Hondswoth ist da, wo 
keine Maafsregeln genommen waren, seltener gewesen. Es 
existirt keine absolute Beziehong zwischen der Zahl der 
Honde, der Zahl der Einwohner eines Landes ond der Zahl 
der Fälle von Hondswoth. Die Applikation des Maolkorbs, 
so wie sie heotigeo Tages geschieht, ist aofser Stande^ den 
Menschen vor den Bissen eines toHen Hondes zo schützen. 
Aber aoch bei der gröfsten Vollkommenheit würde der 
Maulkorb einen tollen Hond nicht am ^eifsen hindern, weil 
er unfehlbar zerbrochen werden würde. Die Mehrzahl der 
an Menschen vorgekommenen Bisse toller Honde haben sich 
im Innern der Wohnongen ereignet; es scheint also nicht 
gerechtfertigt, den Maolkorb aof die Strafse zo beschrän- 
ken. Das Anbinden der Honde scheint nor an öffentlichen 
Orten angeordnet werden zo können. Die Einsperrong der 
Honde während der ToUwoth scheint für das Poblikom 
ganz zweckmäfsig, steht aber mit der Prophylaxis nicht im 
Zosammenhaoge. Es giebt keine Race von Honden, wel- 
che mehr als die andern zor spontanen Erceogong ond Ver- 
breitong der Woth disponirt ist. Die absichtliche Vergif 
tung der Honde aof den Strafsen ist von der Obrigkeit 
nicht anzoordnen, weil sie nicht gerade die gefährb'chen, 
sondern alle Honde ohne Unterschied trifft. Fälle von 
Hondswoth kommen zo allen Jahreszeiten vor, daher müs- 
sen die Maafsregeln daoernd sein. Die Wuth kann sich 
spontan beim Honde entwickeln, aber diese Fälle sind viel 
seltener, als die dorch Ansteckong. Ein bestimmtes Ver- 
hältniss ist in dieser Beziehong nicht anzugeben. Es be- 
darf noch neuer Untersuchungen über die Art der Entwick- 
lung und über alle Umstände, welche den spontanen A us- 
broch der Hondswoth begleiten. Erst diese Untersochongen 
werden die Aerzte die wahre Aetiologie ond vielleicht aoch 
die Natur der Hundswoth lehren ond die Verwaltong über 
die mit Erfolg dagegen anzuwendenden Mittel aofklären. 



— Der Englische Professor der gerichtlichen Medicin 
Alfred Taylor (Times) veröffentlicht Vergiftongsf alle, 
herbeigeführt dorch den Oenoss Kanadischer Rebhühner. 
Taylor, zo einer Dame gerofen, fand sie aof dem Racken 
liegend, kalt und pulslos. Nach einem Glase Branntwein 
trat allmälig Bcsserong ein, die Krankheit daoerte aber meh- 
rere Wochen bis zor Wiederherstellong. Die Kranke klagte 
besonders über unerträgliches Stechen, das namentlich bei 
der leichtesten Bewegong der Gesicbtsmoskeln sich ein- 
stellte. Zwei und eine halbe Stunde vor der Erkrankung 
hatte die Kranke von einem Kanadischen Rebhuhn genos- 
sen. Fünf Tage später worde Taylor wieder zo einer 
jungen Dame gerofen, welche mit gotem Appetit ein fri- 
sches, in Eis konservirtes Rebhohn genossen hatte ond we- 
nige Minoten danach von ähnlichen Symptomen wie die 
erstet Kranke, Kälte, Polslosigkeit, Lähmong, an erträglichen 
Stichen im ganzen Körper and sehr schmerzhaften Zosam- 
menziebongen des Schlundes, befallen war. Nach einem 
Emetikom ond Branntwein verschwand der Schmerz in ei- 
nigen Standen ond die Kranke war nach einigen Tagen 
wieder hergestellt. 

Während Taylor diese Kranke behandelte, bemerkte 
er eine jonge Katze, welche ein wenig von dem Rebhahn 
erhalten hatte and davon an den hinteren Extremitäten völ- 
lig gelähmt war. Sie erbrach von selbst sehr heftig und 
wurde dadorch hergestellt. 

Literatur« 

Der geheime Weingeist der Adepten, Spiritus 

Vini Lulliani s. philosophici und seine medicinische 

Anwendung für Chemiker und Aerzte bearbeitet von 

Dr. Christian August Becker, Kreis - Physika» 

in Mühlhaosen in Thüringen, Geh. Sanitätsratbe etc. 

Mühlhaosen in Tb. bei Friedr. Heinrichshofen 

1862. 62 S. 8. 

Der anlängst verstorbene Verfasser, dessen letzte Schrift 

ans vorliegt, bemühte sich, die Arcana des Paracelsos 

aofzoflnden; die Dankelbeit der Sprache derselben nöthigte 

ihn, in den alchemistiscbeo Schriften dorch Vergleichongen 

Aofklärong zo soeben ond führte ihn so immer weiter aaf 

das Feld der Arcana, dorch deren Erforschang er zo einer 

Anzahl von Heilmitteln gelangte, welche zwar nicht in der 

Pharmakopoe stehen, aber ihn sichere Resoltate in der 

Praxis erreichen liefsen. Zo diesen Mitteln gehört der Spi- 

ritos Vini Lollianos, in welchem er nach langen Stodien 

das Aceton entdeckte. Hier theilt er nun die Angaben der 

Alchemisten über die Bereitong des Spiritos mit ond giebt 

an, wie er unter dem Namen Spiritus Aceti oleosus jenes 

Präparat möglichsl nachzumachen gesucht und dasselbe mit 

Nutzen angewendet habe. Statt des Spirit. acet. oleosus, 

der nach dem Vorgange der Alten nicht nur das Aceton, 



96 



sondern aach Oele enthielt, machte er in neuerer Zeit Ver- 
suche mit dem reinen Aceton, wie es die gegenwärtige 
Pl^armacie darstellt, erreichte indess nicht die gleichen Wir- 
kungen, wie mit jenem, wie es ja auch manchem anderen 
alten Präparate geht, das durch neuere wissenschaftlichere 
Bereitung den Ruf seiner Wirksamkeit eingebüfst bat 

Den Schluss bildet ein Bericht über das Antipyre- 
ton Poterii» ebenfalls seiner Zeit ein bochgeruhmtes Mit- 
tel, das auch der Verfasser mit grofsem Nutzen in verschie- 
denen Fällen anwendete, und dass aufser Essigsäure und 
Aceton noch Eisen, Chlor, Schwefelsäure und Ammoniak 
enthält. 

Die kleine Schrift mag, wie der Verf. selbst meint, 
wohl auf grofse Theilnahme nicht zu rechnen habe. Ge- 
wiss aber wird sie bei manchen Berufsgenossen Interesse 
erwecken, nicht gerade nur ein historisches, sondern auch 
ein praktisches Interesse, weil sie den Weg weist zu wertb- 
ToUen Heilmitteln, die der heutigen Pharmacie fremd sind. 

Wie sind die Seelenstorungen in ihrem Beginne zu be- 
handeln? Eine von der „deutschen Gesellschaft für 
Psychiatrie und gerichtliche Psychologie^ mit dem 
vollen Preise gekrönte Abhandlung. Von Sanitäts- 
rath Dr. Albrecht Erlenmeyer, dirig. Arzte etc. 
Vierte vermehrte und verbesserte Auflage. Neuwied 
1863 bei J. H. Heuser. 112 S. 8. 
Die rasche Aufeinanderfolge von vier Auflagen bestä- 
tigt in vollstem Maafse das gunstige Urtheil, welches wir 
bei Gelegenheit des Erscheinens der frühem Auflagen die* 
ses Werkes ausgesprochen haben. Gleiche Anerkennung 
ist demselben durch Uebersetzung in mehrere fremde Spra- 
chen und officiell Seitens mehrerer Deutscher Regierungen, 
welche das Werk für ihre Medicinal - Beamten angeschafft 
haben, zu Theil geworden. 

Die neue Auflage unterscheidet sich von der älteren 
durch ausführlichere Bearbeitung des therapeutischen Thei- 
les und durch Beifügung präcis gefasster Krankheitsgeschich- 
ten zu jeder einzelnen pathologischen Abtheilung. Dass 
nicht nur dem Irrenarzte und dem Gerichtsarzte, sondern 
einem jeden Arzte dies Werk, das ungeachtet feines gerin- 
gen Umfangs die Behandlung der beginnenden Seelenstö- 
rungen in jeder Beziehung klar und vollständig bespricht, 
zu empfehlen ist, leuchtet um so mehr ein, als bekanntlich 
nur die ersten Stadien der Geisteskrankheiten Aussicht auf 
erfolgreiches ärztliches Einschreiten zu bieten pflegen. 

M. 

Die Geisteskrankheit des Herzogs Philipp in Meck- 
lenburg. Ein Beitrag zur Gkschichte der Psychiatrie 
im 16. Jahrhunderts. Von Hofrath Dr. Spengler 



zu Bad-Ems. Zweite Auflage. Neuwied 1863. 
Heuser, gr. 8. 24 S. 
Es ist ein gewöhnlicher Vorwurf, den man Badeärz- 
ten macht, dass sie zu exclnsiv Specialisten seien, da die 
medicinische Wissenschaft nur Ein grofses Ganze sei. ün- 
sern Verfasser trifft dieser Vorwurf nicht, wie seine vielfft» 
eben Arbeiten auf den verschiedenen Gebieten der Medicio 
beweisen. Eine solche Arbeit liegt uns vor. Es ist in der 
That schon allein ein ruhmvolles Zeugniss, dass von dieser 
Abhandlung, die zuerst nur als Aufsatz in dem Archiv für 
Psychiatrie erschien, eine zweite Auflage veranstaltet wer- 
den musste. Allein ihr Inhalt rechtfertigt auch diese neue 
Ausgabe. Die Krankengeschichte des Herzogs Philipp 
ist dadurch besonders merkwürdig, dass sie die Gutachten 
der damals berühmtesten Aerzte enthält, während andere 
solche psychiatrische Darstellungen meist nur auf die Aus- 
sagen von Laien basirt sind. Aufserdem sind diese Gut- 
achten in sprachlicher Hinsicht von Interesse, da sie der 
Verf. mit Recht genau nach dem Urtext wiedergeben liefs. 
— Es sei deshalb dieser werthvoUe Beitrag zur Greschichte 
der Psychiatrie Allen empfohlen, die sich mit dieser Wis- 
senschaft beschäftigen. Dr. E. 



Anzeigen. 



Preisherabsetzung. 

Verlag von Friedricli Vieweg u. Sobn in Brannscliweig. 

(Zu beziehen durch jede Buchhandlung.) 

Die medicinische Physik. 

Zugleich als Supplementband filr Mediciner zu sämmt- 

lichen Auflagen Ton Müller -Pouillet^s Lehrbuch 

der Physik. 

Von Dr. Adolf Fiok, 

Professor und Prosector in Zürich. 

34 Bogen, gr. 8. mit 211 in den Text eingedruckten 
Holzschnitten. 

Geh. Herahgesetzter Preis 1 Thlr. I5 Sgr. (früherer Preis 
3 Thlr. 

Berichtigung. 

In der Sterbeliste für den Monat Januar sind inthümlich 
2 männliche und 11 weibliche, zusammen 13 Personen, welche an 
Diphtheritis gestorben sind, unter der Rubrik häutige Bräune 
mit gezählt Aufserdem sind unter diese Rubrik auch alle diejeni- 
gen gebracht worden, welche als an Bräune (ohne weitere Bezeich- 
nung) verstorben gemeldet sind. Es giebt daher die aufsergewöhn- 
lich grofse Zahl der im Januar an häutiger Bräune Verstorbenen 
zu der Vermuthung Anlass, dass unter diesen Todesfällen eine grofse 
Anzahl solcher sich findet, welche durch die gegenwärtig epidemisch 
auftretende Diphtheritis oder sog. brandige Bräune herbeige- 
führt sind. 



Verlag Fon Th. Chr. Fr. Enslin (Adolph Enslin) in Berlin. ^ Gedruckt bei A. W. Sehade in Berlin, Stallschreiberstr. 47. 



Neae Folge. 
VI. Jahrgang. 



PREÜSSISCHE 



Der Prtit d«t fusra Jahrgugt, w«lek«v 
niobt getrennt wird, itt 8 Tblr. SO 8gr. 



MEDICINAL - ZEITUNG. 

Herausgegeben von dem Verein für HeOkunde in Preussen 

unter Benntznng amtlicher Hittheilmigeii des KQnigi. Miiiisteriiims der geistlichen, Dnterrichti- 
nnd Medicind-Ängelegenheiten nnd der K9nigl. Provinzi&l-BehOrden. 

Bedactear: E. Müller, Geh. Medioinal-Rath etc. 



1863. 




1. April. 



Inhalt. Amtlicher Theil; PertoDalien; Verfügiing; Bekanntmachnng. — Die Sterblichkeit der Kinder in Berlin wShrend der 
Jahre 1851 bis 1660 Ton £. Loewer. (Fortsetzung.) —' Ueber Rademacher^s Lehre, mit Beng auf einiget neuere Aeufsemngen dar- 
über; Ton H. W. Thienemann. (Fortsetzung.) ~ Tagesereignisse und anderweite MittheiJungen. — Literatur. — Anzeigen. 



Amtlicher Theil. 

Personaliene 

AaszeichnangeiL. 

Se. Mi^estät der König haben allergnädigst geruht, 
dem Hofapotheker, Geheimen Hofrath Dr. Wittstock ed 
Berlin den Rothen Adler-Orden rweiter Klasse mit Eichen- 
laab, 

dem Forstlich Lippeschen Medicinal-Rath Dr. Hasse 
SQ Salznffeln den Kgl. Kronen-Orden dritter Klasse und 

dem Badearzte in Lippspringe Dr. Weber au Driburg 
den Charakter als Sanit&tsrath za verleihen. 

Anstellongen. 
Dem praktischen Arzte Dr. Nadrowski in Coadja- 
then ist die interimistische Verwaltung der Kreis- Wundarzt- 
Stelle des Eo-eises Tilsit abertragen. 

An Stelle des Dr. med. Appel ist der praktische Arst 
Dr. Seeligmfiller als Assistenarzt bei der medicinischen 
Abtheilong der rereinigten medicinisch-chirnrgischen Univer- 
sitSts-Klinik in Halle vom !• Mfirz c ab angestellt worden. 

Bei dem geburtshfilflich-klinischen Institut der Univer^ 
sit&t in Berlin ist die Stelle des Secund&r-Arztes dem bis- 
herigen ersten Assistenten der Anstalt Dr. Winckel, die 
Iste Assistenten -Stelle dem Dr. med. Lehnerdt und die 
2te Assistenten - Stelle dem Dr. med. ▼• Haselberg vom 
1. April ab übertragen worden. 



ViederlasBimgen. 

Der prakc Arzt Dr. Eulen borg hat sich in Greifs- 
wald, Dr. Ro^erg in Grofsbnllesheim, Dr. Kronenberg 
in Leichlingen und Dr. M eurer in Coblenz niedeigelassen. 

Der Kreis-Physikus Dr. Spie gelt hal ist von Wani- 
leben nach Buokau, Dr. Lebram von Bromberg nach Gds- 
lin, Dr. Pohlenz von Vetschau nach Cottbus, Dr. Bremme 
von Unna nach Fröndenberg, der« Kreis -Wundarzt Hof- 
fers von Skuscz nach Pr. Stargardt und der Wundarzt er- 
ster Klasse Brunn von Bialosliwe nach Gr. Jestin gezogen. 

Apotheken-Angelegenheiten. 

Der Apotheker Joachim hat die Becker'sche Apo- 
theke in Skaisgirren, der Apotheker Liedtke die Ste- 
phani'sche Apotheke in Bialla und der Apotheker Schlich- 
tin g die Liedtke' sehe Apotheke in Heinrichswalde ge- 
kauft. 

Todesfalle. 

Der zweite Hebammenlehrer Dr. NöUau in Dansig 
und der praktische Ant Dr. Wittchow in Amswalde sind 
gestorben. 



Was den von der Königl. Regiemng in Beziehung auf 
die Revision von Fabriken zur Bereitung künstlicher Mine- 
ralwfisser erhobenen Zweifel betrifft, ob die Bestimmungen 
der VerfuguAg vom 2. November 1844 auf diejenigen An- 
stalten der Art, bei denen es sich nv^ am Darstellong mooa- 



- 98 



sirender Getrfioke handelt, Anwendang findet, so wird zur 
Lösung dieses Zweifels schliefslich nur das zur Erzeugung 
von Kohlensäure ia Anwendung gab rächte Verfahren maafs- 
gebend sein dürfen. Demzufolge sind alle diejenigen An- 
stalten, in welchen besondere Eohlensiure-Entwickelungs- 
nnd Reinigungs-Apparate, Gasometer, Compressions-Maschi- 
nen nebst Manometer etc. angewendet werden, zu chemi- 
schen Fabriken im Sinne des Gesetzes vom 1. Juli 1861 
(Ges. - Samml. S. 749) zu rechnen und zwar selbst dann, 
wenn diese Einrichtungen nur zur Darstellung kohlensau- 
rer Genussmittel benutzt werden. Dagegen kann denjeni- 
gen Geschäften, in welchen die Bereitung moussirender Ge- 
tränke nur dadurch bewerkstelligt wird, dass in jede Fla- 
sche der betreffenden Flüssigkeit eine, die Eohlensäure-Ent- 
wickelung bedingende Salzmischung vor der Yerkorkung der 
Flasche hineingeschüttet wird, das Prädikat chemischer Fa- 
briken selbstredend nicht beigelegt werden. 

Nach dieser Auffassang hat die EÖnigl. Regierung in 
Beziehung auf die Revision der zur Bereitung kohlensaure - 
faaltiger Wässer im dortigen Verwaltungsbezirk bestehenden 
resp. neu einzurichtenden Anstalten zu verfahren. 

Berlin, den 14. März 1863. 
Der Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medicinal- 
Angelegenheiten. 

In Vertretung: Lehmeri. 
An 
die Königliche Regierung zu N. 



BckanntmaehuDg. 

Die Königliche Regierung veranlasse ich, die nachste- 
hende Bekanntmachung durch Ihr Amtsblatt schleunigst zur 
Veröffentlichung zu bringen. 

In der 7ten Ausgabe der Pbarmacopoa borussica, Ar- 
tikel Ferrum chloratum solutum ist S. 76 Zeile 2 von oben 
statt „100 partibus'' „1000 partibus^ zu lesen. 

BerHn, den 16. März 1863. 
^Der Minister der geistliehen, Unterrichts* and Medicinal- 
Angelegenheiten. 

In Vertretung: Lehneri. 
An 
Bftmmdicfae Kgl. Regiemogen (incl. Sigmaringen). 



Die Sterblichkeit der ffinder in Berlin w&Iirend der 
Jahre 1851-1860. 

Vom Stabiant Dr. E. Loewar in Berlin. 
(Fortsetzung.) 

Die Cholera hat in dem 2ten und 3ten Jahre unter 
den Kindern die gröfste Sterblichkeitsziffer, es schliefst sich 



dann das erste Jahr an und von hier an sinken mit jedem 
Jahre die Zahlen in langsam abnehmender Proportion. Das 
2te und 3te Jahr, die die höchste Zahl tragen, sind zudem 
auch ganz gleichm&fsig betheiligt. Aufser dem 2ten Jahre 
findet vom 6ten Jahre an ein Ueberwiegen des weiblichen 
Geschlechts statt, im Isten, 3ten, 4ten und 5ten Jahre ist 
die Zahl der Todesfälle auf der Seite der Knaben etwas 
höher. Im Ganzen genommen bleibt auf ihrer Seite ein 
geringer Ueberschuss, da sie sieb zu den Mädchen wie 100 
zu 95,58 verhalten. Interessanter als diese Frage ist ge- 
wiss die, wie sich die Sterblichkeit der Kinder bei der Cho- 
lera gegenüber der der Erwachsenen verhält. In dem 10- 
jährigen Zeiträume von 1851 — 1860 ist allerdings keine be- 
deutende Epidemie gewesen, immerhin sind die Zahlen aber 
grofs genug, um einen Schlnss zu erlauben. Die meisten 
Todesfälle Oberhaupt ereigneten sich im Jahre 1855 und 
betrugen 1098, im Jahre 1853 starben 876, im Jahre 1852 
129 Personen, die übrigen Todesfälle vertheilen sich auf 
1854 und 1859, die Gesammtsterbezahl betrug 2193. Hier- 
von waren 1485 Erwachsene und 708 Kinder, sie stehen 
also in dem Verhältnisse von 100:47,70. Das kindliche 
Alter zeigte, so viel können wir wenigstens positiv sagen, 
während der Ausbruche der Cholera in den Jahren 1851 
bis 1860 bei weitem niebt so viel Todesfälle, als die Er- 
wachsenen. Auch bei der Epidemie in Halle ') im Jahre 
1849 betrug die Sterblichkeit der Kinder nur 21 pCt. von 
der Gesammtsterblichkeit, die meisten Todesfälle kamen 
auf das Alter von 40 — 60 Jahren. Wir können aber die 
Frage nicht unterdrücken, ob die geringere Sterblichkeits- 
ziffer der Kinder nicht in dem Umstände begründet ist, dass 
sie weniger von der Krankheit befallen werden, als die Er- 
wachsenen, ob dagegen von den erkrankten Kindern nicht 
ein gröfserer Procentsatz stirbt, als von den erkrankten Er- 
wachsenen? Die Zahl der während der Jahre 1851 — 60 
erkrankten Kinder kennen wir nicht. 

Wollheim *) sagt, dass während der Epidemie Toin 
1831 in Berlin 60 pCt. der erkrankten Kinder gestorben 
sind, und dass, während allerdings auf die spätem Alters-' 
klassen höhere Sätze kamen, die Erkrankten in dem Alter 
von 15—30 Jahren nur 58 Todesfälle erlitten. Brock *) 
hat im Allgemeinen bei den letzten Epidemien in Antwer- 
pen gefunden, dass die Kinder und Greise von ihnen am 
meisten mitgenommen wurden. Während der Epidemie von 
1854 — 55 in der Schweiz erkrankten im Canton Basel *) 387 

') Monatsblatt für medicinische Statistik und Gesundheits- 
pflege Februar 1857. p. 12. 

') Wollheim, Versuch einer medicinischen Statistik und 
Topographie von Berlin S. 329. 

') Canstatt^s Jahresber. über die Fortschritte d. gesamm- 
ten Medicin 1860. 4ter Band S. 59. 

*) fflonatablatt für medicmische Statistik und Gesundheits- 
pflege. Februar 1857. p. 13. 



99 



und starben 203 Personen» anter dieser Zahl erkrankten 83 
and starben 49 Rinder. Die Morbiiität ist also auf der 
Seite der Erwachsenen, die Mortalit&t auf der der Kinder 
gewesen, da von jenen 50 pCt., von diesen 59 pCt. der Er- 
krankten starben. Während derselben Epidemie erkrank* 
ten in Zürich 215 Personen, onter ihnen nur 4 Kinder im 
Isten und 5 im 6ten bis lOten Lebensjahre, auch in Flun- 
tern blieb das kindliche Alter von der Krankheit am mei* 
Bten verschont. Wenn nun auch die Disposition der Be- 
völkerung einer Stadt und ihrer verschiedenen Altersklas- 
sen für die Cholera zu verschiedenen Zeiten eine verschie- 
dene sein wird, wenn die Cholera auch überhaupt noch za 
rithselhaft ist, um alle ihre Verhaitnisae aufklären f u kön- 
nen, so scheint nns doch der Sohluss ans dem Obigen ge- 
rechtfertigt, dessen wir besonders bei dem för Berlin ge- 
fundenen Sterblichkeits - Resultate eingedenk sein wollen, 
dass im Allgemeinen die Morbiiität auf der Seite der Er- 
wachsenen ist, das» aber die von der Krankheit befallenen 
Kinder nicht in einem günstigem Verhältnisse sterben, als 
alle Altersklassen der Erwachsenen. 

Werfen wir nun noch einen letzten Blick auf die ein- 
aelnen Altersklassen, so sehen wir, dass bis zum lOten 
Jahre die Knaben eine höhere SterJbIichkeitS2iffer zeigen, 
als die Mädchen, dass sich dies Verhältniss aber mit dem 
lOlen Jahre umkehrt, von welcher Zeit ab letztere fiber- 
wicgen. In der Altersklasse vom Uten bis iDten Jahre 
verhält sich das weibliche Geschlecht zum männlichen wie 
100 : 85,68. Schon Bickes ^) hat auf diesen Wechsel auf- 
merksam gemacht, der für das weibliche Geschlecht zwi- 
schen dem loten und 14ten bis 15ten Jahre auftritt, wäh- 
rend auch nach ihm bis zum lOten Jahre die Knaben je- 
derzeit die grofse Mehrzahl ausmachen. Bickes weist das 
Verhältniss an allen Provinzen PreufseuB und an Pajris 
saeh, nnd man wird schwerlich fehlgreifen, wenn man die- 
sen Umstand in der Annäherung an die Pabertätsjahre be- 
grSndet glaubt. Der weibliche Organismus, mit dem dann 
eine ao grofse Veränderung vorgeht, wird in diesen Jahren 
den Krankheiten leicht den Stempel der gröfsern Gefahr^ 
liehükeit aufdrucken. 

VieUeicht wird man den so frühen Eintritt dieses Wech- 
fiels auch der grofsen Stadt zuschreiben dürfen, wie wir es 
far Berlin thun und wie es durch die Zahlenverbältnisae 
Bickes fQr Paris gethan hat, in der die Mädchen durch 
Umgang, Beispiel und Lektire absichtlich oder unabsicht* 
lieb io den Strudel der Leidenschaft hineingezogen, wenig« 
atena aufregenden Eindrucken ausgesetzt werden. Die 
8<shwe8tern der grofsen Menge von Mädchen, die zu d» 
EJasse der „e corpore lucrum habentes^ gehören, müssen 
es eines Tages merken, und wenn sie es nicht selbst mer- 



') Henke, Zeitschrift für Staatsarzneikunde , 20BteB firgSä« 
mngaheft S. 9. 



ken, sind geschäftige Zangen genug vorhanden, die sie dar^* 
auf aufmerksam machen, von welcher Art das Leben der 
letztern ist. Wo der eigene Begriff nicht ausreicht, kommt 
die Phantasie zn Hülfe und malt die aufregenden und an- 
reiaenden Bilder, die eine frühe Einwickelung in der Q^ 
schlechtssphäre mit ihren physiologischen wie pathologischen 
Folgen nach sich ziehen. 

Als letste Todesursache wären nun noch die Unglücks- 
fälle an eruiren, die kein unbedeutendes Contingent zu den 
Opfern liefern, die die jährlichen Todtenlisten zeigen. Es 
macht einen traurigen Eindruck, wenn wir fast in allen 
Monaten des zehnjährigen Zeitraums von 1851 — 60 Ang^ 
ben von Unglücksfällen finden, die Kinder das Leben ge- 
kostet haben, wenn wir ihre Zahl mehrmals bis auf 8, ein- 
mal sogar bis aul i in einem Monate steigen sehen. Hier 
liegen nicht Schwäche der Gesundheit, Altersverhältnisse, 
hygienische oder kosmische Einflüsse zu Grunde, hier liegt 
die Schuld auf der Seite der Eltern oder ist in mangelhaf- 
ten oder gana mangelnden Sicherheitsvorkehrongen be- 
gründet 

Am genauesten belehrt nns darüber Tabelle XVI. 

Tabelle XVL 
Es starben durch Unglücksfälle uberhaupti 
1851: 19, 1852: 28, 1853: 26, 1854: 28, 1855: 31, 
1856: 40,. 1857$ 30, 1858: 46, .1859: 32, 1860: 32, 
1851 — 60: 312. 
davon: 
ertrunken 76, durch Verbrennung 69, erstickt 32, durch 
Genuas schädlicher Substanzen 21, in Folge Verletzungen 
verschiedener Act 45, durch Fall 25, übergefahren 30, er- 
mordet lly erfroren 1, Selbstmord 2. 

Das allgemeine Resultat der Tabellen würde aho sein, 
dass allein 0,52 pCt. der Gesammtsterbesnmme auf Todes- 
fälle durch Unglück käme. 

Unter den Ertrunkenen sind auch die Kinder mit anf- 
genommen, von denen es in den Berichten heifst: „im Was- 
ser gefunden^. Ob hier Zufall oder Absicht im Spiele ge- 
wesen ist, ob einige dieser Fälle unter die Rubrik „Selbst- 
mord^ gehören, ist nicht festzustellen. Zu vermuthen ist 
allerdings, dass Bänder aus Furcht vor Misshand langen in 
der ersten Angst und Aiifr^;ang ihren Tod im Wasser such- 
ten und fanden. Die beiden unter Selbstmord angeführten 
Fälle betrefifen Knaben, die ihren Tod dadurch gefunden 
haben, dass sie sich auf den Schienenstrang einer Eisen- 
bahn gelegt nnd so von den heranrollenden Wagen haben 
zermalmen lassen. Wenn dies auch ein in der neuem Zeit 
mit Vorliebe angewandtes Mittel zum Seibatmorde gewor- 
den ist, so beweist es doch gerade bei den Kindern, dasa 
nicht augenblickliebe Aufregung zur That verleitet hat, son* 
dorn dass ihr lange Ueberlegung und fester Entschluss vor- 
angegangen sein rnnss. Beim firachiefsen, Erhängen eto. 



100 



fShrt eine Bewegung vom Leben £om Tode, es findet keine 
Probe der Festigkeit dadorcb statt, dass das todtbringende 
Instrnment ans der Feme herantritt, durch Gerfinsch an 
seine cerstörende Ejraft mahnt, dass ein günstiger Angen- 
blick der vorfibereilenden Gewalt abgelauert werden mnss. 
Dies Alles ist aber in den Selbstmorden anf der Eisenbahn 
der Fall. Wenn wir nun trotzdem Kinder gerade diese 
Todesart wfthlen sehen^ bei denen ein Entschlnss so leicht 
wieder fftllt, dann können wir aach annehmen, dass eine 
tiefeingreifende Einwirkung, eine Vercweiflang ihr Gemnth 
erfasst haben mnss, die nns einen traurigen Einblick in die 
FamilienverhAltnisse verschaifen. Eine Barbarei Ton Seiten 
der Eltern gehört auch dasn, um es möglich su machen, 
dass ein Kind den Erfrierungstod erldden kann. Es wird 
eins jener ungificklichen Geschöpfe gewesen sein, das für 
den rohen Vater das susammen su betteln hat, was er 
durch eigene Arbeit su erhalten an faul ist Das Kind hat 
nicht die nöthige Summe in seinen erstarrten H&nden, die 
den Vater befriedigt, seine drohende und schlagende Ge- 
stalt steht ihm vor Augen, es getraut sich nicht in das El- 
ternhaus snrfickaukehren , es kauert sich in einem entfern- 
ten Winkel zusammen, sucht und findet Trost erst in den 
ThrSnen, dann durch den Schlaf. Aber wihrend dessen 
bemeistert sich anch die Kftlte seiner Glieder und erlöst es 
von diesem Dasein, in dem ihm die Eltern nie Liebe, son- 
dern nur Furcht und Angst eingeflöfst haben. Zu den 11 
Ffillen, die bestimmt unter der Rubrik „ermordet^ aufge- 
führt sind, wfirden vielleicht noch mehrere hinzutreten, wenn 
wir einen genauen Blick in alle die Veranlassungen thun 
könnten, die die andern ÜnglncksfXUe herbeigefOhrt haben. 
Beispielsweise ist dies bei 4 Kindern anaunehmen, die mit 
ihren Eltern susammen im Wasser gefunden, aber in der 
Rubrik „ertrunken^ aufgeführt sind. Mag immerhin Gei- 
steszerruttung der Eltern einen Theil bewirkt haben, ein 
anderer zeugt gewiss von ihrer Verzweiflung, ihre Kinder 
darben zu sehen und nicht helfen zu können. Bei den 
meisten der ermordeten Kinder ist bestimmt angefahrt, dass 
sich Vater oder Mutter mit ihnen entleibt haben — ein 
Schreckensbild, das wir der grofsen Stadt verdanken, wo 
im gröbten Contraste Luxus des Reichen und Verzweiflung 
des Armen, hoher Gewinn des Besitzenden und Arbeits- 
mangel des Unvermögenden, aber auch höchste Bildung und 
gröfste Rohheit und Sitlenlosigkeit unter demselben Him- 
mel zusammenleben. 

Ein Theil der übrigen UnglncksffiUe ist offenbar durch 
Fahrifissigkeit der Eltern herbeigefSihrt. Es ist leider ein 
bekannter Gebrauch bei den firmern Leuten, wenn sie des 
Morgens zur Arbeit gehen, die Stuben abzuschiiefsen, in 
denen sie die Kinder znrficklassen, die sie genug geschützt 
zu haben glauben, wenn sie ihnen das Verlassen der Woh- 
nung unmöglich machen. Die Kinder aber» von Langeweile 
oder Nachahmungslust bewogen, spielen an den Oefen, die 



Kleider fangen Feuer, das vielleicht von einem Kinde anf 
das andere, bei dem es fingstlich Hfilfe sucht, ubertrageo 
wird und ein qualvoller Tod beschliefst die Scene. Ein 
anderer, eben so häufiger Gebrauch ist bei der firmeren 
Klasse das Verschliefsen der Ofenklappe, ohne sich darum 
zu kümmern, ob das Feuer schon ausgebrannt ist Eine 
eigene Gontrole ist den Eltern nicht möglich, da sie die 
Wohnung für die Dauer ihrer Arbeit verlassen, die zurfick« 
gebliebenen Kinder ahnen nicht die Gefahr, die sich ihnen 
durch den Geruch des Rauches ankündigt, die eintretende 
Betfiubung verhindert sie, den Hölferuf erschallen zu las- 
sen, und so beschleicht sie der Tod allmfilig, gegen den 
sie sich nicht zu wehren verstehen. Durch diese beiden 
entsetzlichen Fahrifissigkeiten ist fast ein Drittel aller To- 
desfKlle durch Unglück herbeigeführt Aber leider mnss 
noch als dritte die angereiht werden, dass die Eltern so 
oft schfidliche Substanzen so aufstellen, oder nach dem Ge- 
brauche stehen lassen, dass sie von den Kindern erreicht 
werden können. Es sind dies besonders die unter dem 
Namen Oleum fignrirende concentrirte Schwefelsfiure und 
die Lauge, die in den Hanshaltungen zum Scheuem und 
Waschen gebraucht werden. Die allen Kindern innewoh- 
nende Naschhaftigkeit vermuthet in den Flaschen irgend 
etwas für ihren Gaumen, ein rascher Schluck soll sie be- 
friedigen, aber treibt sie auch zum Genuss von Substanzen, 
die ihnen einen qualvollen Tod bereiten. Der Ffille sind 
nur sehr wenige gewesen, wo Kinder die schwarzen Bee- 
ren von Nachtschatten oder Tollkirsche genossen haben, in 
dem Glauben, es mit essbaren Fruchten zu thun zu haben, 
und wo dann der Vergiftnngstod sie hinwegraffte Hier 
wfire der Grund auf der Seite der Kinder, wie es mehr 
oder weniger auch bei den Gbrigen Unglucksffillen der Fall 
ist Man darf aber nicht vergessen, dass hierbei zum Theil 
Verhfiltnisse mitwirken, die Einrichtungen in der Stadt zur 
Last fallen. Dies können wir wenigstens in Bezug anf die i 
übergefahrenen Kinder aussprechen. Berlin hat aufaeror- 
deutlich wenig Plfitze in der Stadt, die den spielenden Kin- 
dern einen ungestörten Raum zu ihrem Treiben darböten. 
Fast alle Plfitze werden von den Wagen durchkreuzt, viele, 
die bisher verhfiltnissmfifsig frei davon waren, sind jetzt 
Halteplfitze fSr öffentliche Fuhrwerke geworden, der bei 
weitem gröfste Theil dient für die meisten Tage der Wo- 
che zu Marktplfitzen — wo sollen sich die Kinder hemm- 
tummeln, da auch die Höfe Luxusartikel in Berlin sind? 
Der Platz vor dem Museum liefert uns in den wfirmeren 
Jahreszeiten das Bild einer zahlreichen Kinderschaar, die 
nach diesem einzigen Punkte zusammenströmt, weil sie hier 
von Wagen und Pferden nicht gestört wird, auch der autl- 
lere Theil der Linden bietet den Kindern Gefzhrloaigkeit 
Für alle die Stadttbeile, die von diesem Glanzpunkte des 
Berliner Lebens entfernt liegen, fehlen die freien Plltae in 
unserem Sinne, und die Kinder sind auf die StraCsen an» 



101 



gewiefleo, wo sie fortwährend Oefahr laafen, wenn sie nicht 
mit Aofmerksamkeit auf die Wagen achten, Fon ihnen fiber- 
gefahren IQ werden. Ein Tfaeil der Verletzungen, die den 
Tod herbeigeführt haben, verdankt gewiss anch diesem Yer- 
hfiltnisse seine Entstehung. Es sind daronter die verschie- 
densten Yeranlassanden sobsummirt; starke Qnetschungen 
dnrch Thorflngel, Todtangen durch Stein wSrfe, Verletson- 
gen beim Fallen, dnrch Pferde etc. Die unter der Rubrik 
^durch Fall^ aufgeführten Kinder sind meist aus dem Fen- 
ster oder von der Treppe herabgestSrzt und haben so ei- 
nen plötclichen Tod gefanden. 

Heber lUdemacher's Lehre^ mit Bexog auf einige 
neuere Aeorserungen darBber« 

Von Dr. H. W. ThienemaiUIy Kreit-Physikoc lu Marggrabowa 
in Oitpreofsea. 

(Fortsetsang.) 

Nun komme ich auf einen Ausdruck« den einiigen, 
welchen ich Werber sum Vorwurfe mache und von dem 
ich glaube, dass er ihm unbedacht entfallen ist, was er an- 
erkennen wird, wenn er darauf achtet. Er wirft Räde- 
rn ach er einen ^^mystischen Nimbus* vor oder sagt gar, er 
sei nin träumerischen Mjsticismus*^ verfallen. Mystiker 
nennt man ja doch denjenigen, welcher sich eines geheim« 
nissvoUen, nur dem Geweihten sngfinglichen Wissens oder 
Könnens rfihmt, und träameriscben Mysticismüs kann man 
nur dem vindiciren, der seines Wissens und Denkens sich 
nicht vollkommen bewnsst ist. Nun aber ist mir kein 
Schriftsteller bekannt, welcher sein Wissen, Glauben und 
Vermuthen schfirfer trennt, als Rademacher, und dass 
er dieses mit Bewosstsein gethan hat, sagt er ja schon in 
der Vorrede: „Gegenstände die ich genau zu beobachten 
und SU untersochen befähigt gewesen, habe ich von denen 
ausdrücklich geschieden, zu deren Untersuchung sich mir 
seltener die Grelegenheit dargeboten etc.*^ Selbst in dem 
ins Metaphysische spielenden Kapitelchen „Materialismus 
der Aerste* ist der Gedankengang so scharf und klar, dass 
er meine Bewunderung erregt hat Rademache r*s Spra- 
che ist eine andere als in gewöhnlichen medicinischen Schrif- 
ten; er spricht sich in der Vorrede zur zweiten Auflage 
selbst darüber aus, warum er sie gewählt Er vermeidet 
technische Ausdrucke und schreibt in der allgemeinen Gon- 
versationssprache, so viel es nur möglich ist Dies ist bei 
einem Werke, dessen Gebrauch sich bis auf spätere Zeiten 
erstrecken soll, unumgänglich nöthig, weil die Kunstaus- 
drficke den herrschenden Schulen angehören und mit de- 
ren Verfall unverständlich werden. Wenn er f8r Dinge, 
die er nicht kennt und nicht zu kennen behauptet, Namen 
aufstellt, wie z. B. Gesammtorganismus, Urleiden des Plexus 
coeliacus, so dürfen wir ihn eben so wenig des Mysticis- 
müs seihen, als den Mathematiker, wenn er mit Irrational- 



zahlen oder gar mit imaginären Gröfsen rechnet Hah- 
ne mann mit seinen hocbpotensirten Decilliontheilen ist 
Mystiker, aber Rademacher sicher nicht 

Nachdem nun Werber in seiner zweiten Abtheilung 
den historischen Umriss der medicinischen Schulen gegeben 
und in der dritten ober die Kreise der Heilmittel und Hei- 
lungsweisen gesprochen hat, sagt er S. 173: 

„So zeigt sich im Laufe vieler Jahrhunderte ein sehr 
mannichfaltiges Bestreben der Aerzte, das Wesen der 
Krankheiten aufzusuchen und zu erkennen. Jede Schule 
sucht es in anderer Weise auf und bekämpft es mit Waf- 
fen nach ihrer eigen thnmlichen Anschauung, und so ob- 
waltet Bellum omnium contra omnes. 

Es fragt sich, wie ist dieser Arbeit eines Sisyphns 
und der Qual eines Tantaius abzuhelfen?^ 

Hier lässt er zum Schlüsse ohne weitere Bemerkung 
die „direkte Behandlung des Kranken^ folgen. Hierin 
liegt wohl das stillschweigende Bekenntniss, dass die Lö- 
sung dieser Aufgabe in der direkten Krankheitsheilung liege* 
Ich lege dasselbe Bekenntniss als meine Ueberzeugung, wie 
ich schon oft gethan habe, hiwmit wiederum offen ab. Nur 
muss man, wenn man direkt heilen will, Alles beobachten, 
was zur direkten Heilung nöthig ist. Da nun vor Rade- 
macher nichts Klares und Umfassendes über direkte Kran- 
kenbehandlung gelehrt worden ist, und nicht jedem Arsta 
so wie Rademacher Gelegenheit und Kraft gegeben sein 
dürfte, sich das dazu Nöthige anzueignen (was zuverlässig 
den wirklich groben Praktikern jeder Zeit gelungen sein 
muss, nur dass sie ihr Wissen uns nicht hinterlassen ha- 
ben), so ist demjenigen, welcher die direkte Krankheitshei- 
lung handhaben will, vor allen Dingen zu rathen, Rade- 
macher zu Studiren, und das, was er lehrt und was spä- 
ter seine Nachfolger erfahren und mitgetheilt haben, prak- 
tisch anzuwenden. Auffallend ist, dass Werber hier bei 
der direkten Krankheitsheilung Priefsnits mit anfShrt 
Wenn wir dem reinen Wasser auch eine direkte Heilkraft 
nicht absprechen dürfen, so ist dieselbe doch ganz gewiss 
nur eine geringe, und wie jede direkte Heilwirkung nur 
gegen einen einzigen bestimmten Krankheitszustand gerich- 
tet Durch Hydrotherapie werden aber eine Menge der ver- 
schiedenartigsten Krankheiten, und zwar theilweise sehr be- 
deutende und hartnäckige geheilt Dies ist nur durch eine 
indirekte Heilung möglich und erklärlich. 

Um dem Bellum omnium contra omnes aus dem Wege 
zu gehen, ist es nöthig, sich auf einen Standpunkt zu be- 
geben, von welchem aus wir die kriegführenden Mächte 
überschauen können. Dieser Standpunkt ist der historisch 
kritische. Wir müssen aber, um den Werth der Schulen 
zu bemessen, den anzulegenden Maafsstab nicht aus den 
Schulen selbst, sondern aus dem Bndzwecke herleiten, wel- 
chen sie verfolgen. Der Zweck aller therapeutischen Schu- 
len ist Krankheitsheilnng. Wir können den Werth dersel- 



102 



ben nur danach benrtheilen, in wiefern sie diesen Zweck 
erreichen. Wir müssen also bei Kritik der Schalen die 
Heilwirkung der Mittel zu Ornnde legen, demnach dasje- 
nige Moment, auf welches Rademacher als dritte Grund- 
feste der Heilknnst seine Lehre basirt, mit Bewusstsein in 
unsere Gesammt Wissenschaft einführen. Das ist es, was 
Rademacher's Lehre bezweckt Wie Rademacher ge» 
arbeitet, welche Er&fte und Kenntnisse er dabei angewen» 
det, was er überhaupt geleistet, wie oft er vielleicht in £in- 
zelnheiten sich getäuscht hat — das Alles ist Nebensache. 
Es handelt sich immer vor Allem darum, ein bis- 
her vernachlässigtes Princip mit den bisher be- 
kannten gleichzeitig im vollen Umfange zu ver- 
werthen. 

Des Sisjphns Arbeit können wir nur entgehen, wenn 
wir blos positive, oder wenigstens die positivsten therapeu- 
tischen Data als wirkliche Grundlagen unserer Lehrgebäude 
benutzen, unbekümmert um den manchmal winzigen Um« 
fang derselben. So lange wir die Therapie auf pathologi- 
sche Data stützen , wird der Stein bei jeder neuen patho- 
logischen Entdeckung unsern Händen entrollen. 

Von S. 176 ab beendigt Werber sein Buch auf foU 
gende Weise: „Zum Schlüsse sollen noch einige Winke 
mitgetheilt werden zur Orientirung für direkte Behandlung 
der Kranken als eine Aufgabe der Zukunft.^ (Wir könn* 
ten hinzufügen: welche theilweise von Rademac her be- 
friedigend gelöst ist.) 

Hier zeigt Werber, dass sein praktisches Gefühl Ra- 
demacher höher stellt, als ein grofser Theil seines frü- 
hem Raisonnements erwarten lässt. Die ratio hat die mens 
specnlativa überwogen. Die bezeichneten Winke enthalten 
in der Hauptsache das, was Rademacher lehrt und for- 
dert. Sie sind aber vom Standpunkte der rationellen Em<> 
pirie gegeben und passen deshalb nicht vollständig auf Ra- 
de mache r's reine Empirie* Zur direkten Krankheitsbe- 
handlung bedürfen wir aber der letztern vollständig. Ich 
halte daher für zweckmäfsig, diese Winke von meinem 
Standpunkte aus einer umfassenden Kritik zu unterwerfen. 
Wenn wir einen neuen Weg gehen wollen, so können wir 
nicht mit Einem Fufse im alten bleiben. Besser als Ra- 
demacher dürfte schwerlich sobald ein Arzt die schwe- 
bende Aufgabe lösen. Rade mach er theilte mir seine An- 
sicht hierüber einmal brieflich mit: „Ihrer Meinung, es sei 
Zeit, dass die reine Erfahrnngsheillehre vom Katheder ge- 
lehrt werde ^ (i. J. 1845), „kann ich nicht sein und Ihrem 
Vorsatze, deshalb an den Professor N. zu schreiben, mit 
gutem Gewissen nicht bestimmen. Ich bin vielmehr des 
Glaubens, dass man die Sache ruhig ihren Gang muss ge^ 
hen lassen, ohne daran zu meistern. Leben wir wirklich 
schon, ohne es zu wissen, in der Zeit des Paracelsischen 
Hellas, so wird die Lehre immer mehr Anhänger finden. 
Ist aber jene Zeit noch fern, so wird die Lehre absterben; 



um jedoch später, wenn das jetzige Geschlecht vom Welt- 
schauplatze verschwunden, wieder zu erwachen. Dann 
könnte aber leicht die Paracelsische Prophezeiung, dass 
er lanye nach seinem Tode die Aerzte erst recht 
beifsen werde, in Erfüllung geben.^ Dieses „lange^ hatte 
Rade mach er selbst dreimal unterstrichen. Um den Aus- 
' druck Helias nicht mystisch zu finden, diene zur Nachricht, 
dass in Rademacher^s Istem Kapitel über dessen Bedeu- 
tung genügende Auskunft gegeben ist. 
(SchluAs folgt) 

Tagesereignisse und anderweite IHittheiiuügeü. 

— Wochenbericht der hiesigea öffisntUcben Klraii- 

kenhäuser : 

Bestand Wöchl. Wöchl. hierunter Befttand 
I4.März Zugang Abgang Tocle8£aHe21.MSr£ 

Bethanien .... 272 27 48 6 251 

Hedwigs -Krankenh. 204 41 50 7 195 

Elisabeth -Krankenh. 78 7 5 2 80 

Jüdisches Krankenh. 40 9 5 2 44 



dazu Charite . 



594 
1349 



84 108 



17 



570 
1330 



1943 



1900 



In Bethanien waren Nervenfieber und Rheumatismus, 
und im Hedwigs -Krankenhause entzündliche BruBta£fektio- 
nen vorherrschend. 

— Im Regiernngs-Bezirk Posen waren 



' 


Cl 

< 


h 

a . 


S 
1« 


a 


1 

Ol 


1 

Im 


g 
i 

es 


ultimo 1862 

- 1861 

es waren mithin 

MZX; : : : : 


152 
152 


39 
40 

1 


12 
15 

3 


2 
2 


40 
89 

1 


69 
68 

1 


399 
394 

5 



— Im Regierungs-Bezirk Bromberg waren 

ultimo 1862 ... . 
- 1861 .... 
es waren mithin 

mehr 

[weniger . . . 



1862J; 



79 


13 


3 


2 


18 


33 


74 


15 


3 


1 


18 


33 


5 


2 


— 


1 


■"~" 


—" 



224 
222 

— — 2 



— Die pharmaceutische Zeitung für Russland berich* 
tet einen Fall von tödtlich al^elaufener Vergiftung eines 
Kindes, welches San ton in bekommen hatte. Die chemi- 
sche Untersuchung ergab, dass jedes der betre£fenden San* 
toninpulver in 3 Gran Santonin | Gran Strjchnin ent- 
hielt. Dieser Fall verdient um so mehr Beachtung, als den 
gesetzlichen YcMrscbriften zuwider gegenwärtig Santonispa* 



108 



Stillen sogar von Kaafleaten feilgehalten werden. In letz- 
terer Beziehang^ bemerken wir, dasB leider nnr za oft von 
Aerzten die Neigung des Publikums, ans Droguenhandlun- 
gen Arzneiwaaren za entnehmen, gefördert wird, da doch 
den Aerzten nicht unbekannt sein kann, dass Drognenhand- 
Inngen bezüglich der GOte und Reinheit ihrer Waaren un- 
ter keiner Kontrolle stehen! 

— In der Royal Mcdical and Cfairurgical Society zu 
London wurden von Ernst Hart die Resultate von neun 
Fftllen von Aneurysmen der Extremitäten, durch einfa- 
che gewaltsame Beugung des Gliedes oder durch Beugung 
in Verbindung mit Druck erfolgreich behandelt, mitgetheilt. 
Im Anschluss an diese Fälle referirt Dr. S. Currie in the 
Lancet einen Fall von Aneurysma der Poplitea, wel- 
cher durch Kompression erfolglos behandelt war und durch 
Beugung des Gliedes beseitigt wurde. Der Kranke, 
ein gesunder Mann von 33 Jahren wurde am 23. Januar 
1862 in das Militairspital von Hong - Kong aufgenommen. 
Er hatte zuerst vor acht Tagen eine leichte Anschwellung 
an der Hinterseite des linken Knies wahrgenommen und 
empfand Steifigkeit und Schmerz beim Gehen. Bei der Un- 
tersuchung fanden sich die Venen des Beines erweitert und 
in der obern Hälfte der Kniekehle eine Geschwulst von der 
Grofse einer kleinen Orange, welche sich deutlich als Aneu- 
rysma zu erkennen gab. Die Kompression wurde wieder- 
holt, auch mit Verbindung mit Eisumschlägen versucht, aber 
wegen grofser Abmagerung des Beines, zunehmender Härte 
der Geschwulst und Oedem des Gliedes musste immer wie- 
der davon abgestanden werden. Am 27. März wurde mit 
allmäliger Beugung des Beines der Anfang gemacht und 
nach wenigen Tagen die Hacke mit den Nates in Berüh- 
rung gebracht, welche Lage nach Art des Pferdebändiger 
Barey mit Gurt und Schnalle erhalten wurde. Hierdurch 
^wnrde zur grofsen Erleichterung des Kranken die Cirkula- 
tion in der Geschwulst sofort gehemmt. Demselben wurde 
gestattet, mit Krücken zu gehen, während das Bein durch 
eine lange über die Schulter gehende Schlinge getragen 
wurde. Die vollständige Beugung verursachte zwar in den 
ersten Tagen Schmerz im Knie, doch war dieser erträglich. 
Kollatoral-Cirkulation bildete sich bald deutlich aus und 
es schien, dass die Kur allmälig durch fibröse Ablagerun- 
gen in der Geschwulst gelingen werde. Am 9ten Tage 
"wurde das Bein halb gebeugt und die Geschwulst unter- 
sucht: die Pulsation ' fand sich schwach und das Geräusch 
fast unhörbar. Die Beugung wurde nun bis zum 20. Juni 
forlgesetzt; der Kranke gewöhnte sich an das Aufbinden 
des Beines und befand sich im Allgemeinen gut. So oft 
aber das Bein behufs der UntersnchuDg extendirt wurde^ 
konnte die Pulsation , wenn auch schwach , doch deutlich 
gefohlt werden, so dass man zuletzt die Hoffnung aufgab 
und die Unterbindung der Arterie m machen beschloss* Zu 



diesem Behuf wurde vorläufig der Gurt entfernt und das 
Bein so weit gestreckt, als dies der nunmehr eingetretene 
Grad von Kontraktur des Knies gestattete. Am folgenden 
Tage, den 21. Juni, fand sich unerwarteter Weise, dass die 
Pnlsation ganz aufgehört hatte und die sorgfältigste Unter- 
suchung mit dem Stethoskop ergab auch nicht das leiseste 
Geräusch. Die Pnlsation kehrte auch nicht wieder und die 
Heilung blieb in jeder Beziehung vollständig. Die Behand- 
lung hatte sich nun auf Streckung des Beines zu richten 
und wird diese nach der Ansicht des Berichterstatters ge- 
wiss erreicht werden. 

Literatur« 

Balneo- therapeutische Mittheilungen über die Wirkungen 
der Karlsbader Thermen in chronischen Leiden 
der weiblichen Sexualorgane von Dr. L. Fleckles, 
König! . Pr. Sanitätsrathe etc. Prag 1863, Gerza- 
bek'sche Buchdruckerei (K. Seyfried). 

Der rühm liehst bekannte Herr Verfasser, von je her 
bemüht, die Indikationen für den Gebrauch Karlsbads im- 
mer bestimmter zu begränzen, giebt in der vorliegenden 
kleinen Schrift Andeutungen, die die Aufmerksamkeit jedes 
Arztes verdienen, bezuglich derjenigen Krankheiten der weib- 
lichen Sexualorgane, für welche Karlsbad indicirt ist Der 
erste Abschnitt dieser Mittheilungen bezieht sich auf die 
Amenorrhoe und Dysmenorrhoe. Bei der erstem hält er 
Karlsbad besonders da ffir geeignet, wo während des Aus- 
bleibens der Menstruen Phlebostasen sich entwickeln und 
periodische Gastralgien, Darm- und Uterinkoliken mit sich 
fuhren, während dann, wenn bei der Amenorrhoe neben 
den genannten abdominellen Symptomen sog. Nervensymp- 
tome prävaliren, die Nachkur der Stahlquellen von Fran- 
zensbad oder Bister nicht unterlassen werden darf. Wo 
aber die Amenorrhoe bei jungen plethorischen Frauen, die 
nicht koncipirt haben, mit der Tendenz zu Phlogosen im 
Sexualsysteme und mit hartnäckiger Goprostasis sich kom- 
plicirt, hält F. Marlenbad für geeigneter als Karlsbad. 

Bei sog. abdomineller Dysmenorrhöe, eben so da wo 
diese nach einem schweren Typhus sich entwickelt hat und 
mit einem bedeutenden Milztumor verbunden ist, ist Karls- 
bad vortrefflich, aber auch hier ist eine Nachkur in Fran- 
zensbad nothwendig. Wo die Dysmenorrhöe mit Anämie, 
gesunkener Energie des Nervenlebens, Laxität des Uterus 
im Znsammenbange steht, passt nicht Karlsbad, sondern 
entschieden die eisenhaltigen Mineralquellen, vor allen Pyr- 
mont 

Der zweite Abschnitt hat diejenigen chronischen Frauen- 
krankheiten, und zwar insbesondere des Genitalsystems zum 
Gegenstande, weiche in Folge der climacterischen Periode 
sich entwickeln. Hier empfiehlt F. zur Vorbeugung vieler 
ehronischer Frauenkrankheiten (Leberanschwellungen, chro- 



104 



Dische Milshjperfimieo a. s. w.) bei dem Erecheineo der er- 
sten Vorboten den Gebrauch von Karlsbad oder andern ge- 
eigneten Quellen. Besonders sind es auch die in dieser Le- 
bensperiode so hftnfig auftretenden chronischen Neurosen 
(Hemikranie, Oastralgie, Ischialgie und Hysterie) auf abdo- 
minellem Boden wurzelnd, sowie die chronischen Uebel, bei 
deren Genesis die fiberwiegend im Organismus sich erseu- 
gende Hamsfiure als ehi Hauptfaktor gewürdigt werden 
muss, nimlich die gichtischen und rheumatischen Leiden 
und die Concrementbildung in Nieren und Blase, für wel- 
che Karlsbad am hulfreichsten ist. Dasselbe gilt von chro- 
nischen Dermatosen und Psychosen , die durch Menostasie 
und Uterinale Hyper&sthesie bedingt sind. 

Der dritte Abschnitt beschiftigt sich mit Krankheiten 
der Gebärmutter: der chronischen Metritis und dem chro- 
nischen Uterusinfarkt, und macht besonders darauf aufmerk- 
sam, dass hier die günstige Wirkung Karlsbads auf der Be- 
seitigung der abdominellen Komplikationen beruht, dass 
aber auch direkt eine Verminderung der Anschwellung durch 
Karlsbad erreicht werden kann, so lange noch das von 
Scanzoni als serös - faserstofXige Infiltration bezeichnete 
Stadium vorhanden ist Als Nachkur werden Ischl oder 
Kreuznach, und bei anämischen Subjekten Franzensbad, El* 
ster, Pyrmont oder Spaa empfohlen. 

In dem vierten und letzten Abschnitte, der von Ova- 
rienleiden (Oophoritis chronica, Tumoren der Eierstöcke) 
handelt, theilt der Herr Verfasser die gSnstigen Erfahrun- 
gen mit, welche er in gewissen Fällen von der Anwendung 
der Karlsbader Thermen gemacht, bezeichnet jedoch die jod- 
nnd bromhaltigen Quellen als diejenigen, welchen in jeder 
Beziehung bei weiblichen Genitalien-Erkrankungen im All- 
gemeinen nnd vorzüglich bei Eierstockleiden die volle An- 
erkennung gebfihrti Mr. 

Erfahrungen ans dem Gebiete der Hautkrankheiten 
von Dr. Kleinhans zu Goblenz (Coblenz bei Hol- 
scher 1862) 
ist eine neue Brochure betitelt, welche eine recht lehrrei- 
reiche und interessante Arbeit genannt au werden verdient. 
Verfasser, dem seit einer Reihe von Jahren ein sehr um- 
fangreiches Material in Behandlung dieser Affektionen zu 
Gebote steht und der sich durch gediegene Kuren bereits 
einen grofsen Ruf erworben hat, ist nach Kräften bemfiht 
gewesen, reichhaltige Beobachtungen an der Fülle der ver- 
schiedenartigen zur Behandlung gelangten Hautleiden zu 
sammeln, und hat dieselben in dieser recht praktisch gehal- 
tenen Schrift niedergelegt. Die zu Versuchen gewählten 
Mittel sind die neuesten den Fortschritten der Chemie zu 
verdankenden Heilpotenzen. Wir finden dieselben in recht 
klarer Darstellung der Reihe nach aufgefBhrt und ihrem 



Werthe gemäfs beurtheilt Wenn wir uns eine Ausstellung 
an der sonst tadellosen Brochure erlauben dOrfen, so wäre 
es die, dass es Verf. gefallen haben mochte, bei der in- 
struktiven Darlegung der grofsen Wirksamkeit bedeutender 
Arzneimittel die Indicationen fSr deren Anwendung etwas 
genauer zu präcisiren, vielleicht auch eine comparative Ver> 
gleichung von einigen der bewährtesten jener Medikamente 
wenigstens anzubahnen. — — 

Anfser diesem Tadel können wir aus voller Ueberzeu- 
gung die höchst anziehende Schrift jedem Praktiker bestens 
empfehlen und wünschen dem Verfasser ferneres Gluck auf 
dem betretenen Wege. Dr. J?. 

Anzeigen. 

In der Yerla^Bbuchhandliuig von Fr. BassemiaiUI in MaiUr 
heim ist enchlenen, und durch jede Budihandlting des In- und Ana- 
landes zn bezieben: 

Cblmrgiscli-anatomisclie Tafeln 

Yon 

I Dr. Anton Hahn, 

I Prof. der Medicin an der Universität cn Heidelbeig. 

Nach der Natur geseichnet und lithographirt 

j von 

I Franz X. Wagner. 

I SO ausgeführte — zum Tbeil colorirte — und SO Linear» 
I Tafeln in Royal -Folio. Abbildungen der verschiedenen 
Theile des menschlichen Körpers in natArllciier 
OrSftie und ein Band Erklärungen in gr. Octav. 
Preis: 20 TMr. = 35 Gulder. 
Veue Auflage. 
Bs dient dieses Werk, dessen künstlerische Ausführung 
meisierhafi genannt werden darf^ und wohl kaum von el- 
nem ähnlichen erreicht^ viel weniger übertroffen worden isi, 
als Basis für alle topographisch • anatomische Unterso- 
chungen. 

Die Verlagshan diu ng hat den Preis desselben^ bei die- 
ser neuen Auflage^ bedeutend ermäjsigt (früher 33 j- Thlr. 
^ 58 Fl. — jeUt 20 Thlr. = 35 FL), glaubt dadurch vie- 
len Wünschen entgegen zu kommen, und demselben eine 
grofse Verbreitung zu verschaffen. 



Preisherabsetzung. 
Verlag von Friedrich Vieweg u. Sohn in Branoseliweig. 

(Zu beziehen durch jede Buchhandlung.) 

Die medicinische Physik. 

Zugleich als Supplementband ftlr Mediciner zu sämmi- 

lichen Auflagen von Müller -Poui 11 et's Lehrbuch 

der Physik. 

Von Dr. Adolf Fick, 

Professor und Prosector in Zürich. 

34 Bogen, gr. 8. mit 211 in den Text eingedruckten 

Holischnitten. 

Geh. Herabgesetcter Preis 1 Thlr. 15 Sgr. (früherer Preis 

3 Thlr. 



YerUg von Th. Ohr. Fr. Snslin (Adolph Bnslin) in Berlin. — Gedruckt bei A W. Schade in Berlin, Stallschreibentr. 47 



Neue Folge. 
VI Jahrgang. 



PREÜSSISCHE 



DiM« Ztttong «rteh«!!!! w5eb«Qt i«k. 

Der Prtlt d«t ganien Jahrgangs, w«loh«r 

Bl«bt gMMut wird, in t Thir. 10 «gr. 



MEDICINAL -ZEITUNG. 

Herausgegeben von dem Verein f&r HeUkunde in Prenssen 

uter Benitznng amtlicher Hittheiliingeii des KOnigl. Miiiisteriiims der geistlickei, Uiterriekti- 
QBd Mediem&l-Angelegenlieiten und der KOnigl. Provinzial-BehOrden. 

Redaeteur: E. Hüller, Geh. Hedlcinal-Rsth ete. 



1863. 




14. 



8. April« 



Inhalt. Amtlicher Tbeil; PertoDalien. — Mittbeilnngen am der Pnzia; ron Steinthal. — Coma nrSmicnm. — Gebarta- und 
Sierbe-Liate von Berlin fSr Monat Februar 1863. — Tageaereigniaae niid taderweite Mittheilongen. — Literatar. -* Anseigtn. 



Amtlicher TheiL 

Pereraalira« 

Ansieiehnnngtn. 

8e. Majestitt der König haben allergoAdigst gemht, 
dem Kreis- Wondarst Philipp sa Falkenberg, Reg«-Beiirk 
Oppeln, and dem Kreis -WoDdarst Wilh. Olfifslein an 
Brmndeobnrg a. d. H. den Bothen Adler-Ordeo IV. Klakse, 
sowie 

dem Kreis-PhjsikQS Dr. Rebfeld in Orftts den Cha- 
rakter als Saoitfttsralh sa verleihen. 

Anstellungen. 

Bei dem ehimri^schen Klioiknm aod Poliklioikom der 

DniversitAt in Königsberg ist die dorch den Abgang des 

Dr. Caspary sam 1. April in Erledigang kommende Stelle 

des ersten Assistens • Arstes dem bisherigen «weiten Assi- 



stenteo Dr. Prölich and die sweite Assistenaarat - Stelle 
dem praktisohen Arste Dr. Bndolph Schneider ftbertM» 
gen worden. 

Tersetinng. 
Der Kreis - Tbierarst Perlett ist ans Halle in Wesl- 
phalen in den Kreis Cohem-Blayen verseist worden. 

Viaderlassnngon. 

Der praktisehe Arst Dr. Fank hat sich in Bzin «in- 
dergels 



Apotheken-Angeleganhaiten. 

Der Apotheker Bange bat die Gase'sehe Apotheke 
in Praast» ond der Apotheker Jonas die Thomas'sehe 
Apotheke in Warmbnuin gekanft 

Dem Apotheker Stranfs ist die Administralioa der 
Preofs'sehen Apotheke in Zirke übertragen worden. 



MittheiloDgeii aas der Praiis« 

Von dem Geh. SanitöUrathe Dr. Steinthal in Berlin. 

Im Herbste v. J. warde ich von Herrn N. aufgefor- 
dert, seinen 24jAhrigen Sohn so besachen, von dem es mb, 
troCs aller eaphemistischen Bemerknngen des Vaters ober 
ihn 9 nicht sweifelbaft war, dass er geisteskrank seL Ich 
fand den jungen Mann bleich, hager» fast hektisch 



hend. Als ich zu ihm eintrat und gleichseitig ein vieijXh* 
rigor Knabe an ihm Ins Zimmer kam, sprang er wie ein 
Wilder aaf das Kind so, und warf es ongestfim aar Thor 
hinaus. Alsdann begrOfste er mich mit einem grinsenden 
Lächeln, aberfaiufte mich mit Komplimenten und seigte sich 
auiSsllend geschwätsig und nirrisch, ohne nnsusammenhin- 
gend so sprechen« Er machte aof mich beim ersten An- 
blick den Eindrock eines Phthisicas, obgleich er keine dai^ 



106 



mof bezüglichen Klagen Temehmen Hefa, nnd ich fand ihn 
gans fieberfrei« Ich vefordnete ihm eiostweilen eine Mh- 
lende, fast indifferente Arznei nnd machte ihm begreiflich, 
dass ich ihn erst Omaner be»bach|ei> mftesvr 9et deinem 
nächsten Betach<( fand ich ihn jn deMelben ilärrilMhen Aof- 
regUDg: er ke^m aich eiitge Male maafgdiiorderl zu mit 
nnd ich hatte Mnhe, ihn io seiner verworrenen Geschwätzig- 
keit, die sich hanptsächlich anf Essen and Trinken bezog, 
zn hemmen nnd ihn wieder los zu werden. Am 26. Sep- 
tMDber, einem hohen jGdischen Festtage, an welchem er 
in gesnnden Tagen den Tempel nicht verlassen haben würde, 
ging er von Hanse we«:, kam erst spät Abends wieder nach 
Hanse, war ganz angeberdig, verbrachte e!ne sehr nnmhige 
Nacht und benahm sich am folgenden Morgen in meiner 
Gegenwart wie ein Verrückter; er war eben aufgestanden, 
halb angekleidet, sah ganz verwildert aus, spuckte um sich 
herum, wollte sich den Puls nicht fühlen lassen, schlug sich 
wiederholentlich mit Heftigkeit auf die Brust, erklärte mir, 
er wolle keine Arznei mehr von mir nehmen. Ich entfernte 
mich mit der Weisung an den Vater, sofort einen erfahre* 
nen Irrenwfichter anzonehmen. 

In den nächsten seht Tagen war der KTSnlr^ tff sä- 
uern Befinden nnd Benehmen sehr veränderlich, gröfsten- 
theils sehr onrnhig nnd beweglich, so dass an eine gründe 
liehe Untersnoiiang mit den» Stethoskop nicht zn denken 
war, was ich bei seinem Habitns und dem verdächtigen Hn- 
sten zur Befestigung der Diagnose wohl gewünscht hätte. 
Bis jetzt war der Puls noch immer ruhig geblieben. In 
der «weiten Hfilfte des Oktobers kamen einige Tage, wo 
der Kranke sich falliger und verständige benahm: dann 
ward er wieder sehr aufgeregt, schwatzte viel Unsinniges, 
war nicht fieberfrei und benahm sich wie ein Kranker im 
Dflfirio einee SjnociHiB eretbiccis« 

In der Nacht vom 12. zum 13. war er gank tobsfidb« 
tig und erst gegen' Morgen trat Ruhe ein, so dass ich ihn 
bei meinem Morgenbesuche in einem ruhigen Schlafe fand. 
Gttiizeb^n'so nnnah^ terMef die folgende Macht; er ver- 
weigerte Jetzt jede Antnet, jede Ni^ong. Am nächsten 
Morgen fand ich ihn lebhaft fiebernd und in einer mehr 
vtrdriefeliehen als avfgeregten Stimmong. Am t7. Mor^ 
gens bot Patient einen sehr eigentbfimlichen Zustand dar: 
in der Nacht hatte er mit geringen Unterbrechungen ganz 
verworren dellrirt; gegen Moi^n trat mit einem starken 
Schweifse wieder mehr Ruhe ein. Ich fand ihn mit sehr 
eingesunkenen, dunkel geringelten^ starren glanzlosen An* 
gen, in sich gekehrt, mussltirend, an den Händen umher- 
piückend, die er bisweilen heftig zusammenballte. Der 
Athem war ungleichmäfsig, bisweilen athmete er wie von 
einem Angstgefühle aufgeschreckt, gewaltsam auf, die Haut- 
temperatur war normal, der Pols mäfsig beschlennigt Von 
den Umgebungen nimmt er gar keine Notiz und ist nicht 
daen ta bewegen, etwas zu sich zn nehmen. 



Am 18. war er, nach einer ruhigeren aber schlaflosen 
Nacht, etwas aragänglicher, so dass man ihm Aranei nnd 
Nahrang beibringen konnte und er einzelne an ihn gerich- 
tete Fmgeni>eaBtwortete. Seine Delirien waven heul boch- 
müthiger Art, er hatte vid mit den militi^riichen Befehlen 
des Prinzei-Regenten zu schafFen. 

Auch die folgende Nacht verlief ziemlich ruhig, indes- 
sen fieberte er am 19. lebhafter als gestern, die Zunge war 
roth und trocken. £r theilte mir mit heiterem Lächeln 
mit, dass ich ihn morgen in seinem neuen Pailaste in der 
Kaiserstrafse antrefifen würde. Die nächsten Tage boten 
keine wesentlichen Veränderungen dar. In der Nacht vom 
22. zum 23. hatte Patient viel geschlafen, aber am Morgen 
fieberte er wieder lebhaft und war in einer weinerlichen 
Stimmung, als ich ihn aufforderte, seine Arznei zu nehmen. 
Bald darauf wurde er heiterer und äufserte: er habe heut 
noch etwas Wichtiges vor, ich werde es ja wohl wissen. 
Er will Anfangs nicht mit der Sprache heraus, fiufsert aber 
dann: er verlobe sich heute mit der Princess Alice und 
werde morgen seinen Pallast beziehen. Unter fortdaoern- 
den erotischen Phantasien, gesteigerter Unruhe, trockenem 
Husten,' lebhaftem Fieber, zunehmendem Cöllapsus verstri-- 
eben die nächsten Tage. In der Nacht vom 25. zum 26. 
fühlte er seinen herannahenden Tod: er liefe sich die Hände 
waschen, die Gebetriemen reichen, das Sterbegebet vorsa- 
gen und starb dann ganz sanft wie ein Phthisicus. 

Die Leiche war sehr anämisch und in hohem Grade 
abgemagert. 30 Stunden nach dem Tode wurde die Sec- 
tion unternommen. 

Der Schädel war sehr dick und schwer, die Hirnhäute 
nirgends krankhaft adhärirt, das Gehirn schön nnd normal 
entwickelt, von normalem Ban, nh'geuds Exsudat, nur ve- 
nöse Ueberfüllung zumal in den Sinus und an der Basis 
cranfi. 

Die Lungen waren nicht nur in beiden Spitzen, son- 
dern in ihrem ganzen obern Drittel überall stark adhärirt 
und überall von Tuberkeln in den verschiedensten Stadien 
erfüllt. In der linken Lungenspitze war Mne grofse Vomica 
mit jauchigtem Eiter, die andern äwei Drktel der Lungen 
waren sehr hyperämisch, das Herz normal aber welk und 
blutleer. Die Leber war sehr grofs aber nicht blntreicli 
und von normaler Struktur, die Gallenblase grofs, gespannt, 
aber ohne Eonkremente ; der Magen sehr ausgedehnt, naefet 
links verschoben, die Milz um die Hälfte gröfser als nor- 
mal und sehr blutreich. Am vollkommen normalen Darm- 
kanal fiel nur das lleon auf, das in der Länge eines Fufses 
durch eine dunkelblaue Färbung abstach und sich in seiner 
Peritonealhaut sehr hjperämisch und von einzelnen faellro- 
then Plaques durchzogen zeigte. Im Lumen dieses Darmea 
und den übrigen Häuten war nichts Abnormes wahrznnefa« 
thetij die Nieren und Genitalien waren gesund. 



107 



Dieser Erankbeitsfall hat id sofern einige Analogie mit 
dem ▼origeo« als er Jbenfalls eine Komplikation von Gei- 
steskrankheit mit akater Langenkrankheit darbietet. Die 
Section best&tigte allerdings meine Yermttthoog, auf die 
gleich Anfangs der ganse Habitus des jungen Mannes mich 
führen mnsste. Aber sie löst keineswegs so manche hier 
obwahende Zweifel. 

Ich gab mir viele Mühe, nach dem Tode des Kranken 
noch einmal alle nor denkbaren VerhSltnisse zn ermitteln, 
aber ich konnte von den Eltern nicht in Erfahrang brin- 
gen, was nnr irgend zu einer befriedigenden Erklärung die- 
ses ebenso eigentbfimlicben als von vorn berein bedenkli- 
chen Krankheitszustandes h&tte fuhren können. Er war 
angeblich nie ernstlich krank gewesen; auf Onanie war kein 
Verdacht zu begründen; der junge Mann galt den Eltern 
stets für einen soliden hoffnungsvollen Sohn, der als Hand- 
Inngsdiener eine ehrenvolle, sorgenfreie Steilang einnahm. 
Eine verborgene Liebe, zu der in. den Krankheitserschei- 
nungen wohl einige ferne Andeutungen vorlagen, war durch 
fiichts Positives nachzuweisen. Faktisch ist der Kranke an 
einer Tuberculosis pulmonum acutissima zu Grunde gegan- 
gen, komplicirt mit einer krankhaften Erregung des Ge- 
hirns, mit einer durch nnd durch kranken Nervenverstim- 
mung, die wohl dazu beitragen mochte, dem Kraukheits- 
bilde einen ungewöhnlichen Austrieb zu verleihen. Wah- 
rend es Momente im Verlaufe der Krankheit gab, wo man 
hatte glauben mögen, einen erethischen Nervenfieberk ran- 
ken vor sich zu haben, war doch eigentlich nur in den 
letzten Lebenstagen lebhaftes Fieber zugegen, und der ge- 
ringe Husten, der Mangel aller subjektiven Klagen, die man 
auf kranke Lungen hätte bezieben müssen, finden nur in 
der veränderten Nerven Stimmung ihre Deutung. 

Die Art des Sterbens ist dem Irrenärzte eine bekannte: 
schon sehr häufig habe ich die Erfahrung gemacht, dass 
bei den verschiedensten Formen von Seelenstörung kurz vor 
dem Tode ein Stadium eintritt, wo plötzlich, als ob der 
Geist, von den körperlichen Banden entfesselt, einen Jiiöhe- 
ren Schwung nähme, Vernunft und^Gemuthlichkeit wieder 
einkehren, als ob sie nie zuvor alienirt gewesen wären. 

Der hier in Rede stehende Kranke, der namentlich ge- 
gen geinen Vater immer sehr schroff und unkindlich wäh- 
rend der Krankheit aufgetreten war, umfiqg ihn plötzlich 
mit Liebe und Zärtlichkeit, die erotischen Phantasien ver- 
stummten; er benahm sich wie ein recht religiös Sterben- 
der, verlangte nach den bei den Juden üblichen Sterbesa- 
kramenten, und starb dann ohne alle Agonie, wie eine er- 
loschende Fiamme. 

JSinige Monate nach dem Tode dieees Kranken erfuhr 
ich von einem Kollegen, der die Familie früher besucht 
batte, dass allerdings hier ein Seminium bereditarium ad 
phthiein vorhanden war. Mehrere Schwestern des Verstört 
beaen warea der Phth. tuberculosa erlegen, eine soch jetzt 



lebende Schwester war tuberkulös. Der von mir beban- 
delte junge Mann hatte mehrere Jahre an einer Zahnfistei 
gelitten und war oft heiser gewesen. 

€oma urtmicom. 

Joseph Minol, Bergmann, 29 Jahr alt, gut und krfif- 
tig gebaut, hatte sich bei der Arbeit durch Aufheben einer 
sehr schweren Last Schaden gethan. Bei seioer Ankonft 
im Lazareth litt derselbe, nachdem er seitdem au Hauae 
schon mehrere Tage krank gelegen hatte, an Harnveriial- 
tung. Die Urinblase war enorm ausgedehnt, prall, hast und 
empfindlich bei der Berührung der Regio pubis. Mittelst 
Katheters wurden alsbald gegen anderthalb Quart dunklen, 
gerötheten Urins abgelassen. Patient fieberte; die Zunge 
mäfsig belegt. Fünf Stunden später, Abends, stellte sich 
Bewusstlosigkeit ein, welche 6 Stunden bis Nachts 2 Uhr 
anhielt, wobei der Kopf heiss, das Gesicht geröthet, die Au- 
gen weit offen, die Pupillen erweitert und träge, die Zähne 
fest geschlossen, die Hauttemperatur erhöht, die Respiration 
langsam und schwach, die Pulse langsam, ziemlich voll aber 
weich, die Harnblase neuerdings mäfsig gefQUt war. Es 
wurde sogleich durch den Katheter wieder ein halbes Quart 
Urin entleert, an Stirn und Schläfe 10 Blutegel applicirt, 
über den Kopf eine mit Eis gefällte Schweinablase gelegt, 
grofse Senfteige in den Nacken und auf die Waden appli- 
cirt, und ein Kljstier mit Essig und Salz angeordnet Der 
comatöse Zustand verlor sich hiernach ebenso schnell als 
er eingetreten war; der Kranke wusste sich auf Nichts an 
erinnern, was mit ihm vorg^angen war, und klagte nur 
über grofee Mattigkeit und Eingenommenheit des Kopfes« 
InnerUeh wurde Glaubersalz mit Brech Weinstein veroi^dnet 
und der Urin alle 6 Stunden abgelassen. — Am folgendan 
Tage fand sich demungeachtet der oben beschriebene An- 
fall abermals ein, jedoch späXer, und hielt nur dritthalb 
Stunden an. Vom dritten Tage an vermochte der Kranke 
ohne die geringste Beschwerde in hinreichender Menge Urin 
zu lassen, und kehrten dergleichen Anfälle nicht wieder, 
wogegen das begleitende Fieber in seinem fernem Verlaufe 
den Charakter einer Febris gastrica- nervosa anaahm, von 
welchem letztern derselbe genesen ist. Es unterliegt wokl 
keinem Zweifel, dass die Hirnzufälle durch Intoxikation der 
Bintmasse und dadurch bedingte abnorme Innervation des 
Gehirns entstanden aind, und eine Aufnahme von Harnstoff 
ins Blut stattgefunden hatte. 

(Aus den SaHitäts-Berichten des Reg.-Bezirks Oppeln.) 

Eilnei'. 



108 



Geburts- and Sterbe-Liste ¥od Berlin f&r Febmar 
1863. 

Im Monat Februar d. J. sind in Berlin 

geboren: 922 Knaben n. 928 Mädchen, zas. 1850 Kinder, 
gestorben: 691 mfinnl, 598weibL6e8cbl., zos . 1289 Menschen, 
mithin mehr geboren als gestorben: 561 

Getraut wurden 337 Paare. — Unter den Oeburten ereig- 
neten eich 23mal Zwillings- Geburten. — Uneheliche Kin- 
der wurden gehören 332 (176 E[naben und 156M5dchen), 
es starben 148 (72 Knaben und 76 Mädchen), worunter 121 
im ersten Lebensjahre. 





Lebensalter der Verstorbenen. 




Todt- 
gebo- 
ren 


Es starben im Alter 

• 


^1 1 *. 1^ i^ . ^ 1 ^ 


l 




ZDsammen 


wur- 
den 

p '3 


Ja ^ 


© — ;<n ^ CO 


1^ 


pH 


47 39 


382 


221 


4317 25' 214 154 


127 


18 


2 


663 


540 



Eines gewaltsamen Todes starben 26 Mensoheo, and 
swar: durch Verunglückung 15, nämlich: 3 Männer, 2 
Frauen und 1 Knabe durch Ertrinken, 2 Männer und 1 
Mädchen in Folge von Kopfrerletznogen , 1 Frau und 1 
Mädchen an Verbrennung, 1 Mann, durch Eänaihmen von 
Gas, 2 Männer und 1 Knabe in Folge Falles oder Sturzes; 
durch Selbstmord und Mord 11, nämlich: 7 Männer und 
1 Frau, welche sich erhängten, 2 Männer, die sich erschos- 
sen, und 1 Mann, weldkier ermordet wurde. 

Die 1289 Todesfälle überhaupt ereigneten sich unter 
folgenden näheren Krankheits- und Geschlechts-Verhält- 
nissen: 



iS starben: 



Es starben: 



Todtgeboren 

Durch Lebensschwäche bald nach der Geburt 

Tod in Folge angeb. Bildungsfehler 

Alterechwäche 

Selbstmord 

Mord — Todschlag 

Unglücksfalle 

An Eklampsie d. Schwangeren u. Gebärenden 
- Wochenbettfieber 



An innern akuten Krankheiten: 

Pocken 

Scharlach 

Masern 



47 

30 

1 

18 
9 
1 

10 



39 
28 

24 

1 

5 

3 

11 



4 

2 

10 



s 
CO 



86 
58 

1 
42 
10 

1 
15 

3 
11 



7 

7 

17 



Blasenausschlag . . 

Schwämmehen 

Keuchhusten 

Gastrisch-nervöses Fieber und Typbus 

Katarrhalisches Fieber und Grippe 

Rheumatismas 

Rothlauf 

Zellgewebeverhärtnng der Kinder . . 

Durchfall u. Brechdurchfall der Kinder 

Entzündung des Gehirns 

Brandige Bräune (Diphtheritis) . . . 

Häutige Bräune 

Mandelbräune 

Bräune ohne nähere Bezeichnung • . 

Entzündung der Luftrohre .... 
des Brustfells u. d. Lungen 
des Magens und des Darm- 
kanals 

des Bauchfells .... 

der Leber 

der Harnwerkzeuge . • 

des Unterleibs ohne nähere 

Angabe des Organs . . 

An innern chron. Krankheiten: 

Organ. Krankheiten des Gehirns . . 
des Rückenmarks 
des Herzens • . 
der Lungen . • 
der Leber . . . 
der Speiseröhre, d. 
Magens und des 
Darmkanals . . 
Sonstige organ. Krankheiten des Unter- 
leibs 

Blutfleckenkrankheit 

Brustwassersucht 

Bauchwassersucht 

Allgemeine Wassersucht 

Brightsche Nierenkrankheit .... 

Gicht 

Steinkrankheit 

Syphilis 

Skrofeln und englische Krankheit • . 

Tuberkulose des Gehirns 

der Lungen (Hals- u. Lun- 
genschwindsucht) . . . 

Darmschwindsucht 

Tuberkulose ohne nähere Benennung. 
Chronische Hautkrankheiten .... 

Krebs der Brust 

des Magens 

des Leber , 

der Gebärmutter 

des Mastdarms 

Krebs ohne nähere Benennung . • • 
Starrkrampf (Tetanns, Trismns) . . 



1 



18 

4 

1 

4 

1 

9 

35 

13 

18 

11 
16 
41 



11 
1 

13 

11 

4 



2 
21 

5 



1 
6 
19 
11 
16 
2 
13 
20 
24 

2 

3 

1 
1 



15 
4 
4 



6 3 



10 


6 


16 


1 


— 


1 


1 


2 


3 





2 


2 


11 


6 


17 


3 


2 


5 


— 


1 


1 


1 




1 


1 


1 


2 


3 


6 


9 


2 


— 


2 


109 


81 


190 


1 




1 


2 




2 


1 


2 


8 




2 


2 


3 


1 


4 


— 


1 


1 


— 


2 


2 


2 


— 


2 


1 


1 


2 


18 


lli 


U 



B 

OD 



109 



Es starben: 



Eklampsie der Kinder 

Oeisteskrankheiten 

An plötsHchen Erankheitsf&llen: 

OehirDSchlagflass ........ 

Langen- nnd Herzschlag . . . . . 

Nervenschlag — tödtliche Ohnmacht . 

An äofsern Krankheiten: 

Garies und Nekrose 

Chron. Entzündung der Gelenke . . 

Bracheinklemmnng' 

Wasserkrebs 

Vereiterung des Zellgewebes nnd der 
Drüsen 

Nabelen tzandung 

Todtlicher Ausgang von ehir. Operatio- 
nen (Verblutung, Pj&mie etc.) . . 

Andere chirargis<£e Krankheiten . 

An nicht bestimmten Krankheiten 
od. unter wissenschaftlich nicht 
SQ robricirenden Krankheitsbe- 
nennungen: 

Abzehrung 

Lungenlähmung 

Zahnen 

Blutleere 

Nicht benannte Krankheiten .... 



S 

a 

9 



30 
9 



1 
1 

4 

1 

3 
2 



50 

22 

3 

1 
1 



4d 



31 



26 
4 



691, 598 



81 
1 



61 

14 

3 



89 

48 

3 

1 
5 



1289 



Tagesereignisse und anderweite IBiUheilungeD« 

— Wochenbericht der hiesigen öffentlichen Kran- 
kenhaaser: 

Bestand Wdohl. Wöchl. hierunter Bestand 
21. März Zqgang Abgang Todes ftUe 28.März 
Bethanien .... 251 33 34 4 250 

Hedwigs -Krankenh. 195 53 36 6 212 

Elisabeth-Krankenh. 80 4 5 1 79 

Jüdisches Krankenh. 44 11 6 1 49 



dagg Cluyit^ 



570 
1330 



101 81 



12 



590 
1314 



1900 



1904 



In Bethanien waren Rheumatismus, und im Hedwigs- 
Krankenhanse entzündliche Brustaffektionen Torherrschend. 

— Preisfragen der Pariser Academie de m^- 
deelne. 

FOr das Jahr 1863: Preis der Akademie 1000 fV.: 
Ueber die Milzbrandkrankheiten (Maladies charbonneoses) 
bei dem Menschen und den Thieren. Preis des Baron 
Portal: Von den patiiologisohea VerAndemngen des Mafr- 



terknchens nnd ihrem Einflnss aof die Entwickelang der 
Frucht. Preis der Mad. Bernard de Civrieuz 1000 Fr«: 
Von der Dyspepsie. Preis des Dr. Capuron 1000 Fr«: 
Vergleich der Vortheile und Nacbtheile der Wendung im 
Becken und der Anlegung der Zange bei verengei^tem Bek- 
ken. Preis des Dr. Lefebre 2000 Fr.: Von der Melan- 
cholie. Preis des Dr. Amnssat 1000 Fr.: Für den Ver- 
fasser einer Arbeit oder von Untersuchungen, zugleich auf 
Anatomie und Experimentatioo gegründet, welche den be- 
deutendsten Fortschritt in der chirargischen Therapie be- 
wirkt oder vorbereitet haben werden. Arbeiten, welche be- 
reits einen Preis oder eine Belohnung in einem Konkurse 
der Akademie der Medicio and der Akademie der Wissen- 
schaften des Instituts erbalten haben, werden zn diesem 
Preise nicht zogelasseo. Preis des Baron Barbier 6000 
Fr.: Für den Entdecker zaverl&ssiger Heilmittel solcher 
Krankheiten, die bisher gewöhnlich für unheilbar galten, 
wie Hondswntb, Krebs, Epilepsie, Skropheln, Tjphus, Cho- 
lera u. s. w. Preis des Marquis d'Argenteuil 12000 Fr.: 
Für den Erfinder der bedeutendsten Vervollkommnung der 
Heilmittel der Verengerungen der Urethra während des 
Zeitraums von 1856 — 1862 oder in deren Ermangelung 
den Erfinder der wichtigsten Vervollkommnung, welche 
während dieser sechs Jahre die Behandlung anderer Krank- 
heiten der Urinwege erfahren hat. 

Für das Jahr 1864: Preis der Akademie 1000 Fr.: 
Auf klinische Thatsacben begründete Studien der Kompli- 
kationen, welche Seitens der Nervencentra und ihrer Um- 
hüllungen während des Verlaufs des akuten Rheumatismus 
vorkommen können. Preis des Baron Portal 600 Fr.: 
Bestimmung des Zustandes der Nerven in lokalen Paralj- 
sien. Preis der Mad. Bernard de Givrieux 1000 Fr.: 
Geschichte der progressiven Bewegungs- Ataxie. Preis des 
Dr. Capuron 1000 Fr.: Das nicht zn beseitigende Erbre- 
chen der Schwangeren. Preis des Dr. Itard 3000 Ft.: 
Für den Verfasser des besten Werkes oder Denkschrift aus 
der praktischen Medicin oder der angewandten Therapie. 
Damit die Werke die Probe der Zeit bestanden haben, ist 
es Bedingung, dass sie wenigstens seit 2 Jahren veröffent- 
licht sind. Preis des Herrn Orfiia 6000 Fr.: Ueber die 
giftigen Champignons; es sind 1) die allgemeinen Kennzei- 
chen derselben und besonders solche, die für Jedermann 
verständlich sind, anzugeben, 2) zu untersuchen der Ein- 
flnss des Klimas, des SUndorts, des Bodens, der Kultur 
und der Jahreszeit auf die schädlichen oder unschädlichen 
Eigenschaften derselben, 3) die giftigen Principien der gif- 
tigen Champignons sind zn isoliren, ihre physischen und 
chemischen Charaktere zu bestimmen und die geeigneten 
Mittel zu ihrer Auffindung in Vergiftungsf&llen anzugeben; 
4) SU prüfen, ob es möglich ist, den Champignons ihre gif- 
tigen Principien zu nehmen oder diese zn nentralisiren, und 
im letztern Falle den Process, welcher bei dieser Umwand- 



110 



long itettgefanden bat, zn ufitersuchen; 5) Stadium der Ein^ 
iririkaog der giftigen Champignons anf unsere Organe, der 
Mittel, der Vergiftung Torsabengen und der Mittel, sie zu 
beseitigen. Preis des Baroj^ Barbier 300 Fr. wie oben. 
Die Arbeiten mfissen in fransösischer oder iateioiscber 
Sprache verfasst sein. 



— Im Begiemngs-Beairk Postdam waren 



ultimo 1862 . . • • 
. 1861 .... 
es waren mitbin 



1862J 



IS 


S 


& 


N 


N . 


H . 


< 


IS 


na 


& 


^ 


^ 


227 


50 


35 


228 


52 


36 


1 


2 


1 



a 



€8 



h 


9 


o 


<«-i 


'S 


r» 


1 


■2 


o, 


ja 


< 


H 



105 
102 



90 
90 



mehr 

weniger . • . 

— Im Regiernngs-Bezirk Frankfurt waren 



a 

s 
a 

a 



710 
708 



oltimo 1862 . . . . 
. 1861 .... 
es waren mithin 



1862 



(mehr . . 
(weniger 



180 
181 


85 
34 


20 
24 


5 
5 


60 
57 


88 
88 


1 


1 


4 





3 


""*" 



867 
858 

— 9 



Literatar« 

Lehrbuch der spedellen Pathologie und Therapie 
mit besonderer Rucksicht auf Physiologie und patho* 
logische Anatomie von Dr. Felix Niemejer, or- 
dentl. Prof. der Pathologie und Therapie, Direktor 
der med. Klinik an der Universität Tübingen. In 
zwei Binden. FQnfte vermehrte und verbess. Auf- 
lage. Berlin 1863 bei Aug. Hirsch wald. 1489 
Seiten 8. 
Wenn ein angehender Arzt in der Wahl eines Lehr- 
buchs schwankt, das ihn einführen soll in die Arztliche 
Praxis, oder wenn ein beschäftigter Arzt ein Buch wönscht* 
aus dem er in schwierigen Fällen sich Raths erholen und 
durch das er mit dem heutigen Standpunkte der Patholo- 
gie nnd Therapie vollständig bekannt werden will, so darf 
dem Einen wie dem Andern in der That mit Fug und 
Recht Niemeyer's Werk, das innerhalb weniger Jahre 
fünf Auflagen nothwendig gemacht hat, empfohlen werden. 
Es sind, wie der Herr Verf. in der Vorrede zur Isten Auf- 
lage änfsert, nicht neue Beiträge fOr die Erkennnng der 
Krankheiten oder neue Hulfsmittel für die Heilung dersel- 
ben in dem Werke enthalten, sondern nur di^raigen Krank- 
heitserscheinungen, welche sich durch die Analyse zahlrei- 
cher Beobachtungen als die am meisten constanten und die 
wesentlichen herausstellen, nnd nur diejenigen Heilmittel 
und Knrmittel^ welche sich wirklich bewährt haben, besproi- 
eben worden. 



Hierbei giebt sic-h nun aber nicht allein das reiche 
Wissen des Verfassers, das ihn die nenere Physiologie für 
die Brklämng pathologischer nnd therapentischer Thatsachen 
zu verwerthen und die Symptome als die nothwendigen Fol- 
gen der Krankheit «u deducireo beCShigte, so wie sein Ta^ 
lent als praktischer Artt Mund, sondern es verdient auch 
das seltene Geschick Anerkennung, mit dem er vollständ% 
und deutlich, nnd doch auch in gedrängter Kurze den Le- 
ser auf einem so umfassenden Gebiete heimisch zu machen 
verstanden hat. 

Die Anordnung des Ganzen ist durchaus zweckentspre- 
chend; es werden zuerst die Krankheiten der einzelnen Or- 
gane (Respirationsorgane, Cirkulationsorgane, Digestionsoiv 
gane, Leber und Gallenwege, Milz, Harnorgane, Geschlechts- 
organe , Nervensystem 4 Haut und Bewegongsorgaue) und 
dann die constitntionellen Krankheiten (akute nnd chroni- 
sche Infektionskrankheiten und allgemeine Ernährungsano- 
malien, welche nicht von einer Infektion abhängen), abge- 
handelt. Den Krankheiten der Respirationsorgane sind die 
Krankheiten der Nasenhöhle, den Milzkrankheiten die Leu- 
kämie und die Melanämie, und den Krankheiten der Harn- 
Organe die Addison'sche Krankheit als Anhang hinzuge- 
fügt. Ein vollständiges alphabetisches Register erleichtert 
aofserdem die Benutzung des Werkes für den Praktiker. 

Was die Bearbeitung der einzelnen Krankheiten be- 
trifft, so ist überall der Physiologie und der pathologischen 
Anatomie gebührend Rechnung getragen, und die Therapie 
auf Angabe derjenigen Kurarten beschränkt, zu deren Em- 
pfehlung des Verfassers eigene oder aber zuverlässige fremde 
Erfahrung ihn berechtigte. 

Wenn wir auf die Einzelnheiten des Werkes näher ein- 
zugehen uns versagen müssen, so gestatten wir uns doch 
Einiges, das uns der Beachtung besonders werth scheint 
nnd wodurch auch gerade der Standpunkt, den der Verfaa* 
ser in der praktischen Medicin einnimmt, charakterisirt 
wird, hier anzuführen. In dem Abschnitte von den Krank- 
heiten des Lungenparenchyms äufsert er, dass die heu- 
tige Lehre von der Lungenphthisis einer grundlichen Re- 
form bedürfe, dass keineswegs die Bildung und der Zer- 
fall einer Neubildung» sondern dass chronische, destruirende 
Entzündungen der Bronchien und des sie umgebenden Lan- 
genpao-enchyms die häufigste Ursache der Schwindsacht seien» 
Bronchialkatarrhe, welche bei kräftigen Individuen gewöhn- 
lich schnell vorüber gehen oder Oberflächen - Affektionen 
bleiben, sehe man bei Individuen mit angeborner oder ep- 
worbener Schwäche der Konstitution häufig in die Länge sich 
fliehen» allmfttig anf das Parencbym der Bronchialwand nnd 
von hier auf die benachbarten Lungenzelien übergreifen imd 
hier zu käsigen Infikrationen and ZerstiSrui^n föhren. 
Dieser Lehre von dem überaus bäofigisn Vorkommen der 
nicht tuberkulösen Phthisis pulmonum legp der Herr Vei£ 
mifrReflht eine eminente Bedeutung für diePrqphylaxieao^ 



111 



Tlwrapie der Pblirisis bei; diePhthim werde seltener wer- 
den nnd viele Pftlle von anfangender Phtbisis, welche jetst 
ungeheilt bleiben, werden Heilung finden, weil bei der Be- 
handlang aknter Katarrhe schwächlicher Individuen eine 
weit gröfsere Yoraieht Platz greifen werde, als jetzt ge- 
wöhnlich der Fall sei. Wäre, äufsert der Verfasser wei- 
ter Hinsicfats der Therapie, die Ansicht, dass das beröcb- 
tigte hektische fleber der Phthisiker ebenso ein Sjmptom 
der chronischen destruirenden Pneumonie ist, als das Fie- 
ber, welches einen akuten Katarrh, eine croupöse Pnenmo- 
nie begleitet, Symptom dieser akuten Entzfindongen ist, all- 
gemeiner verbreitet, bestimmte das erste Eintreten von leich- 
ten abendlichen Fiebererscheinungen mehr als es bisher ge- 
schieht, die Aerzte diejenigen Maafsregeln zu tre£fen, wel- 
che die Bzacerbation der chronischen Entzündung^ erheischt, 
wurden solche Kranke sofort in das Zimmer, resp. in das 
Bett gebannt, bis ailes Fieber verschwunden ist, so stände 
es um Vieles gunstiger mit den Resultaten, welche bei der 
Behandlung der Phthisis erzielt werden u. s. w. 

Bei der Therapie der Pneumonie macht der Herr 
Verf. darauf aufmerksam, dass diese Krankheit einen so 
aasgeaproohenen cjklischen Verlauf nehme, wie kaum eine 
andere, und dass sie sich selbst überlassen, bei kräftigen 
Menschen, wenn sie nicht komplicirt und von mäfsiger In- 
tensität sei, fast immer mit Genesung ende, dass sie so 
wenig, wie Erysipel, Pocken, Masern und andere Krank- 
heiten mit cjklischem Verlauf, therapeutische Eingriffe ver- 
lange, und dass dies vor Allem von dem Aderlasse gelte. 
Nur in folgenden drei Fällen gestattet er den Aderlass: 
1} die Pneumonie hat einen bis dahin gesunden, kräftigen 
Menschen befallen, ist frisdi entstanden und die Tempera- 
tor ist höber als 40 Grad, die Piilsfreqiieiiz beträgt mehr 
120 Schläge in der Minute. 2) Ein coUaterales Oedem in 
den von der Pneumonie verschonten Lnngenabschnitten führt 
Gefahr für das Leben herbei. 3) Erscheinungen von Ge- 
hirndruck, nicht Kopfschmerz and Delirien, sondern sopo- 
röse Zustände, vorübergehende Lähmungen u. s. w. 

Ebenso wird bei der Behandlung der Pleuritis der 
Aderlass verworfen, sogar noch für schädlicher erklärt, weil 
die Pleuritis unverkennbar schon wegen ihrer längern Dauer 
Sil Blntvenurmang fahrt Aaeh bei der Sütsflndiig des 
Bauchfells besehränkt der Herr Verf. den Aderlass auf 
die Fälle einer frühzeitig auftretenden bedeutenden Cyanose 
and einer hochgradigen Dyspnoe, wenn sich Zeichen von 
Oedem in den obem Lnngenzetlen hinzugesellen. Das frü- 
ber gebräuchliche Behandeln einer jeden Bauchfellentzün- 
dong mit reichlichen Aderlässen, Blutegeln, Kalomel und 
Quecksilbersalbe nennt er ebenso irrationell wie verderb- 
lich, da man schon die Leiche von Individuen^ welche ohne 
vorherige Blutentaiehung an Peritonitis mit abun4aBten Er- 
gjSmen starben, meist auffallend blutleer finde^ und bei den 
Xjdehen derer^ die lege artia behandelt sdeiii Hers and Ge- 



Afse gewöhnlieh so tHi>enMiB wenig Bkvtt enthalten, dass mas 
sich versucht fühle, der Behandlung eine gröfsere Schuld 
an dem Tode beizumessen, al^ der Krankheit selbst 

In dem Abschnitte über die Syphilis wird der Leser 
über die Streitfragen von dem specifischen unterschiede des 
weichen und des harten Ulcus syphiliticum u. s. w. voUstän* 
dig orientirt; die merkurielle Behandlung wird nur gegen 
das harte Geschwür und gegen sekundäre Syphilis empfoh- 
len; zum Gebrauch der Jodpräparate gegen Syphilis, in al- 
len denjenigen Fällen gerathen, in denen man nicht auf ein 
baldiges spontanes Erlöschen der Syphilis hoffen kann und 
in welchen zugleich die Merkunalkuren aus andern (in die- 
sem Abschnitte ebenfalls besprochenen) Gründen kontrain- 
dicirt sind. 

Wir schliefsen unser Referat mit der gewiss beherzi- 
genswerthen Aeufserung des Verfassers: „Ich habe im er- 
sten Jahre meiner Praxis keine Merkurialien gegen syphi- 
litische Affekte angewendet, habe aber schon im zweiten 
Jahre angefangen, jeden indnrirten Schanker und fast alle 
sekundären Affektionen mit Merkurialien zu behandeln. Die 
Zahl der in dieser Weise von mir behandelten Kranken 
kann sich freilich nicht mit der Zahl von Kranken messen, 
welche auf der syphilitischen Abtheilung eines grofsen Spi- 
tals in wenigen Jahren behandelt werden; aber sie ist grofs 
genug um zu beweisen, dass man den nachtheiligen Ein- 
fluss der Merkurialbehandlung in hohem Grade übertrieben 
hat Da ich die meisten Kranken später unter den Augen 
behielt und da ich bei Vielen nach ihrer Verheirathung Haus- 
arzt wurde, so hätten mir die nachtheiligen Folgen der Mer- 
kunalkuren weniger leicht entgehen können, als manchem 
Vorsteher einer grofsen syphilitischen Abtheilung, der seine 
Kranken nach ihrer Entlassung aus den Augen verliert Die 
bis zu 11 Jahren fortgesetzte, zum Theil sehr genaue Be- 
obachtung einer nicht unbedeutenden Zahl von Individuen, 
welche vorsichtig geleitete Merkurialkuren durchgemacht ha- 
ben, hat mich aus einem Gregner zu einem entschiedenen 
Anhänger der merkurieilen Behandlung gemacht u. s. w.^ 

ilfr. 



Anzeigen. 

Die Krankenheiier ttnellsalzselfe^ 

aus deo KrankeDbeiler-Jodscbwefelbrunnen bereitet, ist uacb At- 
testen der anerkanntesten Aerzte Deutschlands gegen UnreilÜg- 
keit der Haut und alle HaatkranUieiteii, Serepheln, Flechteii, 
DrttssB, VerhttrtuiMii, fieseiwtr» (selbst syphilitucier und 
bösartiger Natur), Schriudeo, nan^atlieh auch gegen Frostbea- 
lern etc. etc. das sicherste und zugleich unschädlichste 
Heilmittel, indem sie, sowie auch die Krankenbeiler 
Brunnen, niemals eine Krankheit in den KiTrper zu- 
rücktreibt, sondern sie aus dem Körper ausscheidet, 
Sie dient auch aU bewährtes Mittel gegen das Aasfallen der 
Haare in Folge tou Schwäche der Haut^ und bewirkt in Fälle?, 



112 



wo di« Haare nach Krankheiten ausgingen — was bei Damen 
so büufig Torkomnit — nach wenigen Wochen einen neuen kräf- 
tigen Haarwuchs. 

Es giebt drei verschiedene Sorten Ton Krankenheiler Quell- 
saltteife: 

1) die Joilsoilaseife, als ausgezeichnete Toilette* 
seife und sicheres Präservati vmittel ge^en Unreinigkeit der 
Haut etc. Sie wird wie die gewöhnliche Toiletteseife gebraucht, 
und ist als solche allen kosmetischen Seifen zum 
täglichen Gebrauche unbedingt vorzuziehen, weil 
sie, von allen schädlichen Bcstandtheilen durchaus 
frei, neben ihrer medicinischen Wirkung die Haut weifs, glatt 
und zart macht, und nicht theurer zu stehen kommt, als andere 

Site Toiletteseife; 2) die JodsodascKwefelselfe, als 
eilmittel gegen oben angeführte Krankheitsfälle; 3) die ver- 
•tftrlite QaellsalaBSelfe, für hartnäckige oder veraltete 
Fälle, in denen die Jodsodaschwefelseife nicht kräftig genue wir- 
ken sollte. Diese Seife ist von caiUE überrascheiider Heilkraft 
nd bewirkt selbst in den hartnäckigsten FiUlen, in denen an- 
dere Mittel erfolglos geblieben, noch vollständige Heilnng. 

Der Vorstand des Franz- Joseph -Kinderspitals, Herr Prof. 
Dr. Löschner in Prag, sagt darüber in einem Berichte: 

Von allen Präparaten der Krankenheiler Mineralquellen ent- 
faltete unzweifelhaft die verstärkte Quellsalzseife, welche 
wir bei chronischen Ausschlägen mit gutem Erfolge anwendeten, 
die eklatantesten Wirkungen. Namentlich waren es Ec- 
lema, Impetigo, Eothvma, und zwar zumeist inveterirte Fälle, 
wo sich diese Seife in Verbindung mit Bädern (von Quellsalz) 
als ein zuverlässiges Heilmittel bewährte Auch bewirkte sie bei 
einem Falle langdauemder Psoriasis sehr rasch merkliche Bes- 
serung, und nach längerer Applikation vollkommene Heilung des 
Leidens. 

Bei direktem Bezüge von der Brunnen - Verwaltung Kran- 
kenheil in Tölz (Bayern) kostet: 1 Paket Jodsoda- oder Jod- 
sodaschwefelseife 1 Fl. 6 Kr. oder 19 Sgr., 1 Paket verstärkte 
Quellsalsseife I Fl. b4 Kr. oder 1 Thir. 3 Sgr. 

Die Krankenbeiler Quellsalzseife ist auch zu beziehen durch: 
J. F. BEeyl «• Comp, in Berlin, Ssmü. Ritter in Leip- 
zig, die Mohrenapotltehe in Dresden, S. Helmer- 
«ilffei* in Hamburg, J« Helnr. Dressier in Frankfurt 
a. M , lind. Uxl in Wien, StoU a. Selsmlilt in St. Pe- 
tersburg und Moskau und alle Apotheken und Mineral wasaer- 
Handlungen. 

In unterseiohnetmD Verlage erschien und ist durch alle Buch- 
handlungen zu beziehen: 

Lehrbuch 
der speciellen 

Physiologie des Menschen« 

F8r VorlesuDgen und snm Selbststadiom 
von 

Jidiiis Bndge, 

Proftssor der Anatomie und Physiologie, Director des Bootomischen 
und anatomisclian Museums und Theaters an d. Univen. Greiftwald. 

Achte, gfiDzlich umgearbeitete Auflage. 
Ilft< 5 Kupferiafeln u. xMreichen einffeiruckten Holttcknüten. 
Lex.-8. Geh. Preis 6 Thlr. 
Bei dem BrscheiDen der Tollstftodigen Neobearbeitong 
yorstehenden Werks können wir auf eine besondere Em- 
pfehlang desselben verzichten, da ein Buch, dessen Leser- 
kreis ein relativ bescbrfinkter ist und welches bei der nicht 
geringen ZM von vorhandenen and neu erschienenen Schrif- 



ten aber denselben Gegenstand, doch bereits sieben Auf* 
lagen erlebt. hat, sowie in mehrere fremde Sprachen Sber- 
setzt worden ist, Fond genug in sich trafen muss, um auch 
in der vorliegenden neueren Gestalt sieb Gönner zu ver^ 
schaffen. 

Den seltenen Erfolg, den diese Physiologie gehabt 
hat, verdankt sie vorzüglich zwei Eigenschaften, ihrer Klar« 
heit und ihrer Wahrheit. Durch die grofse Körse im Ans- 
druck, deren sich der seinen Stoff vollkommen beherrschende 
Verfasser bedient hat, war es möglich eine Masse von That- 
sachen und Anschauungen mitzutheilen und alle Fortschritte 
der Wissenschaft bis in die neueste Zeil, so weit sie fest 
stehen, nachzutragen, wie des Verfassers viele eigenen Elr- 
fahrangen hier snm ersten Male niedergelegt sind. 

Es hat der Verfasser bei dieser Neubearbeitung eine 
besondere Rücksicht auf das Bedürfniss der prakt Aerzte 
genommen, welche sich auf der Höhe der Wissenschaft zu 
erhalten wünschen, and empfiehlt sich ihnen das Werk also 
ganz besonders. 

Bezüglich der Ausstattung sind keine Kosten gescheut 
worden, um dasselbe seinem innern Werthe entsprechend 
erscheinen zu lassen. 

Leipzig. ^oigi ti. Günther. 

Preisherabsetzung. 
Verlag von Fiiedricli Yieweg u. Sobn in BraniiMliwei;. 

(Za beziehen durch jede Bachhandlang.) 

Die.medicinische Physik. 

Zugleich als Supplementband f&r Mediciner zu sämmt- 

lichen Auflagen von Müller -Pouillet's Lehrbuch 

der Physik. 

Von Dr. Adolf Kckf 
Professor und Prosector in Zürich. 

34 Bogen, .gr. 8. mit 211 in den Text eingedruckten 

Holzsdinitten. 

Geh. HerabgesetEter Preis 1 Thlr. 15 Sgr. (froherer Frei« 

3 Thlr. 



Bei Th. Chr. Fr. Enslin in Berlin ist erschienen: 

Ophthalmologische Beiträge 

von 
Dr. B. F5rster, 

PriTstdocenten an der Uniyersität zu Breslau. 
Mit Holzschnitten und 2 Kapfertafeln. 
1 Thaler. 
Imltislti I« HeiMnorpIs^iisto, ein Symptom partiol* 
ler Schrumpfung der Stetina. 
II. IliUropsle. 
III. Cliorloldeltls «reolarls« 

Berichtigung. 
Durch ein MissYerstandniss ist in No. 12. der Zeitung der Ver- 
fasser der Schrift: der geheime Weingeist der Adepten, Geh. Sa- 
nitätsratfa Dr. Becker als unlängst yentorben au^eftthrt. DerBe- 
daktiom gereicht es zur Freude, dies Missverstiindniss berichtigen an 
können und den Wunsch hinzasufUgen, dass es dem verehrten Ve- 
tersnen noch lange als Vorbild treuen wissenschafUichen Forschens 
und edler Mensehenfirenndlichkeit zu wiriten reigönnt sein nögel 



Verlag Ton ITh. Chr. Fr. Sntlin (Adolph Snalin) in Berlin. -> Gedruckt bei A. W. Mmd« in Bsrliii, Stollsohireibentr. 47. 



Nene Folge. 
YL Jahrgang. 



PREÜSSISCHE 



DiM« Ztitnng «rMbtiat w6oh«nt ich. 

0«r Pr«is d«a gaasMi Jahrgangs, w«lofe«r 

nicht g«tr«nQt wird, ist 3 Thlr. 20 Sgr. 



MEDICINAL -ZEITUNG. 

Herausgegeben von dem Verein für Heilkunde in Preussen 

imter Benntzang amtlicher Hittheilnngen des Eönigl. Hinisterinms der geistlichen, Unterrichts- 
nnd Hedicinal-Angelegenlieiten und der Königl. Pro?iiizial-Beh&rden. 

Redscteor: £. Müller, Geh. Medicinal-Rath etc. 



1863. 




16. April. 



Inhalt. Amtlicher Theil; Personalien; Yerfdgung; Bekanntmaohang. — Ueber Rademacher'a Lehre, mit Bezog auf einige neuere 
Aenfserun^en darüber; von H. W. Thienemann. — Was leisten Lippspringe nnd Inselbad in der Lnngentnberkolose ; von Hör- 
ling. — Witterungs- und Krankheits^Constitution yon Berlin für Monat Mfirz 186-3. — Tagesereignisse und anderweite Mittheilnn- 
gen. — Literatur. — Anzeigen. 



Amtlicher TheiL 

Personalien« 

Ausieichnungen. 
Se. Majestftt der König haben allergnAdigst gemht, 
den praktischen Aeriten Dr. Glaster In Oronberg and 
Dr. Hohlfeld in Beriin den Charakter als Sanitfitsrath so 
verleihen. 

Hiederlaasnngen. 

Der praktische Arzt Dr. Fibel körn hat sich in Dan- 
irig, Dr. Maximilian in Potsdam, Dr. Ide in Stettin and 
Dr. Thanisch in Trier niedergelassen. 

Dr. Stofsmeister ist von Mühlhaasen nach Breiten- 
worbis gesogen. 

Apotheken-AngelegenhMten. 
Der Apotheker Brünntnghaasen hat die Oi*ban- 
sehe Apotheke in Oberpleis gekaaft. 

Todesfälle. 
Der Kreis-Wondarzt Pripnow in Darkehmen and der 
Apotheker Jast in Filehne sind gestorben. 

Offene Medicinal Stelle. 
Die Kreis -Wnndarst- Stelle im Kreise Darkehmen, 
Beg.-Besiirk Oambinnen, ist erledigt 



Verfügung« 

Aaf die Vorstellaog vom . . erwiedere ich Ihnen, dass 
far Belebaogsversache an scheintodt gebomen Kindern eine 
Rettongs-Prfimie nicht bewilligt wird. Es ist vielmehr die 
Pflicht jedes Oebortshelfers nnd jeder Hebamme diese hfiafig 
vorkommenden, zo ihren Fanktionen gehörigen Versache 
anzustellen, ond die Königliche Regierung za N. hat daher 
mit vollem Recht Ihre desfalls^gen Absprache zarockge- 
wiesen. 

Berlin, den 31. März 1863. 
Der Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medicinal- 
A ngelegenheiten. 

In Vertretung: Lehneri. 
An 
den praktischen Arzt Herrn Dr. N. za N. 



Bekanntmaehong« 

Im Aoschlass an die diesseitige, die granulöse Aa- 
genentzondong betreffende Bekanntmachang vom 2. Ja- 
nuar d. J. findet das Polizei- Präsidium sich veranlasst, dar- 
auf aufmerksam zu machen, dass die leichteren Grade der 
entzündlichen Reizung der Augenschleimhaat nar darch die 
sachverständige Untersuchung der innern Fläche des obe- 
ren Augenlides ermittelt werden können. Gerade hier 
pflegt der Krankheitsprocess im Verborgenen zu wuchern, 
bevor er in die äufsere Erscheinung tritt, und es werden 
daher viele Individuen für gesund angesehen, die es in der 



114 



Thal Dicht sind, and bei denen die Krankheit, welche in 
ihrem Beginn durch zweckm&fsige ortliche Behandlang leicht 
zvL beseitigen gewesen wire, spSter bis zu den gefährlich- 
sten Formen sich steigern kann. 
Berlin, den 22. M&rc 1868. 

Eönigl. Polizei-Präsidium. 
V. BemtUh, 



Veber Rademacher's Lehre^ mit Bezog auf einige 
neuere Aeorserungen darfiber« 

Von Dr. H. W. Thienemann , Kreis-Physikas ZVL Marggrabowa 
in Ostpreufsen. 

(Schlu88.) 

Diese Winke sind nun: 

1 ) „Man verlasse die Irr bahn, auf welcher man seit 
Tielen Jahrhonderten das Wesen der Krankheiten suchte; 
man hat nicht die Krankheiten, sondern den Kranken 
und dessen kranke Organe zu behandeln, was sicher zu 
erkennen ist von einem Arzte, der anatomisch, chemisch, 
pfajsikalisch, physiologisch, pathologisch und ätiologisch 
in strenger Disciplin erzogen und in tüchtiger Klinik ge- 
bildet worden ist.^ 

Hier nennt also Werber die bisherige Medicin, also 
offenbar die hippokratisch-galenische rationelle Empirie 
eine Irrbahn und räth sie zu verlassen. Er verwirft die 
Kategorie Krankheiten und sucht die Behandlung von 
Kranken und kranken Organen. Dies ist etwas un- 
verständlich, ich denke aber es soll das bedeuten, was Ra- 
demacher Krankheit des Ges am mt Organismus und 
Organ k rankheiten nennt. Es wäre demnach hier mit 
andern Worten gesagt, man verlasse die rationelle 
Empirie und folge der Rademacher'schen reinen 
Empirie. Wenn Werber das sagen wollte, warum geht 
er nicht offen mit der Sprache heraus? Freilich, wenn man 
Rad ema che r's Lehre für unwissenschaftlich erklärt, wäre 
das eine Schande. Rademacher's Lehre 4st aber die 
wissenschaftlichste Heillehre die wir haben. Ra- 
demacher prunkt nicht mit Wissenschaftlichkeit, voraus- 
setzend, dass das, was er in seinem Werke nicht sagt, 
Dinge sind, die als Abc jedem studirten Arzte bekannt sein 
müssen. Er spricht blos von Dingen, von denen er mit 
Recht glaubt, dass sie den meisten Aerzten unbekannt 
seien. 

In dem ersten Theile obigen Satzes stimme ich also 
als Schuler Rademache r's mit Werber vollkommen fiber- 
ein. Nun kommt aber der zweite Theil, in welchem Wer- 
ber behauptet, dass ein Arzt, der die Hulfswissenschaften 
kenne und klinisch gebildet sei, die kranken Organe 
sicher erkenne. Das ist ganz gewiss nicht der Fall. 
Ohne Optik und Perspektive kann ein Maler keine gute 



Arbeit liefern ; aber Optik und Perspektive machen den Ma- 
ler noch nicht Eben so hoch als der Maler muss auch 
der Heilkünstler über den Hulfswissenschaften steheo. Und 
einige Monate Klinik sind nur ein geringes Exercitium für 
die unendlichen Fälle, welche dem praktisehen Arzte vor- 
kommen. Es ist durchaus nicht immer möglich, den Sitz 
eines Krankheitssymptoms zu bestimmen, WQnn auch die 
neuen und neusten Hulfsmittel hierin das, was vor nur 1 
Jahren geleistet wurde, ganz ungemein übertreffen. Wir 
werden uns der Sicherheit durch angestrengtes Studium der 
fortschreitenden Hulfswissenschaften nähern, aber sie schwer- 
lich je erreichen. Wir müssen auch rationell verordnen kön- 
nen, wenn wir über die Diagnose im Unklaren sind. 

2) „ Man lokalisire durch scharfe Diagnose die krank- 
haften Erscheinungen und unterscheide genau die ursprüng- 
lichen von den abgeleiteten. '^ 

Hie jacet lepus in pipere, sagt Pater Eusebius in 
Kater Murr! Wenn wir den Sitz einer Krankheitserschei- 
nnng auch in vielen Fällen ermitteln können, so haben wir 
doch zur Unterscheidung eines idiopathischen und consen- 
suellen Leidens gar kein sicheres diagnostisches Kriterium, 
als die HeilwirkuBg des direkten Mittels. Zu Hülfe kommt 
uns der Genius epidemicus, aber mit Bestimmtheit können 
wir es immer nur ex post sagen, was wir geheilt haben» 
vorausgesetzt, dass wir uns über die Heilung selbst nicht 
getäuscht haben. 

Im Sommer 1849 wurde ich su einer kurze Zeit nach der 
zweiten Entbindung heftig erkrankten Dame gerufen. Ich fand 
eine Oophoritis der linken Seite mit allen Symptomen so cha^ 
rakteriatiBch ausgebildet, wie sie nur ein diagnostisches Hand- 
buch schildern kann. Was war's? die Larve, d. h. die coa- 
sensnelle Erscheinung einer Febris intermittens quintana! Zar 
Erkenntnis« konnte ich nur durch das Nichtwirken der Anti- 
I phlogose, durch den Genius epidemicus und ez post durch das 
Coupiren mit Chinin gelangen. 

Wer das Unterscheiden von idiopathischen und conseo- 
snellen Krankheitserscheinungen für möglich oder gar fSr 
leicht hält, der möge einmal versuchen, wenn er einen von 
leichtem Winde bewegten Pappelbaum anschaut, ans der 
Bewegung der Blätter und Zweige die Richtung des Win- 
des zu bestimmen. Die Bewegungen gehen hier mit einer 
anscheinend so vollständigen Regellosigkeit vor sich, dass 
es vollkommen unmöglich erscheinen wird, die Windesrieh- 
tung auch nur annähernd zu erkennen. Hier haben wir nun 
eine einfache bewegende Kraft, im Kampfe mit den Pen- 
delschwingung der Blätter und der Elasticität der Zweige; 
von Alle dem kennen wir die Gesetze mit mathematischer 
Genauigkeit, und dennoch ist das Zusammenwirken dieser 
drei Elemente so verwickelt, dass wir, obgleich wir mit un- 
sern Sinnen die Bewegung jedes eineeinen Blattes genau 
wahrnehmen, die bewegende Kraft nicht erfassen. — Wenn 
wir nun einen kranken Organismus vor uns haben, wo je- 



115 



der N^rv und jedeB Aedercben in seiner Weise an der 
Krankheit theilnimmt, wo die Gesetze des Verhaltens der- 
selben auch beim tiefsten Eindringen in die Natar, doch 
nur unTollkommen bekannt sind, nnd wo immer nur ein 
kleiner Theil der krankhaft bewegten Organe unserer An- 
sehaaung zng&nglich ist, sollen wir uns da wandern, oder 
gar schämen, dass wir nicht im Stande sind, das Princi« 
piiim movens, den Pnnkt im Organismus, von dem die 
Krankheit aasgeht, za erkennen? 

Wenn wir hier die Unzal&nglicbkeit unserer auf Patho- 
logie gestutzten Therapie nicht anerkennen, and nicht durch 
das therapeutische Experiment ausgleichen wollen, so wer- 
den wir nie aufhören, des Sisjphus Stein zu wälzen. Wol- 
len wir ans der Tantalasqualen unbefriedigter Hoffnungen 
entledigen, so diirfen wir die Radikalkur nicht scheuen, 
auch wenn sie uns unsere Lieblingsideen von goldenen Luft- 
schlössern amputirt. Wir dürfen von der Wissen- 
schaft nur Mögliches verlangen! 

3) „Man prüfe die Arzneien an gesunden Thieren 
und Menschen und bemerke die wesentlichen Erscheinun- 
gen, in so weit sie die anatomischen Wirkungsbezirke 
und die physiologischen Wirkungsweisen entschieden of- 
fenbaren.^ 

Solche Experimente sind nicht zwecklos, aber, wie ich 
oben ausgesprochen, für die direkte Krankheitsheilung nur 
von sehr beschränktem Nutzen. 

4) „Man controllire die Arznei Wirkungen an den Ge- 
sunden mit den Krankheitserscheinungen am Kranken- 
bette und sammle Erfahrungen über die Anwendung der 
Arzneien.** 

Das Letzte ist das Wichtigste, aber man kann auch 
Erfahrungen am Krankenbette über Arzneien sammeln, wel- 
che an Gesunden nicht geprüft worden sind, auch kaum ge- 
prüft werden können. 

5) „Man wird finden, dass eine Arznei, welche con- 
stante physiologische oder pathologische Veränderungen 
in einem anatomischen Gebiete hervorbringt, auch in pas- 
senden Fällen ein Heilmittel für dasselbe sein werde.^ 

Ein in sehr engen Grenzen geltender Satzl Unsere aus- 
übende Heilkunst muss weit, weit über denselben hinaus- 
gehen. Ich erinnere nun wieder an das Chinin. 

6) „Bestimmte Arzneien sind bestimmten Organen 
des menschlichen Körpers verwandt oder haben eine nä^ 
bere Beziehung zu ihnen und ihre Verwandtschaft muss 
man kennen lernen^, — ohnstreitig richtig I — Tjwas 
eben durch Prüfung an Gesunden und durch Controle an 
Kranken geschieht^; — sehr relativ! — „man lokalisire 
die Arzneiwirkungen, wie die Krankheitserscheinungen.^ — 
Aus dem Einen folgt natürlich das Andere. 

7) „Die Arzneien müssen den Organen verwandt 
sein oder eine nähere Beziehung zu ihnen änfsern^ aber 
ihren krankhaften Zuständen müssen sie feindlich sein 



und ihnen entgegen wirken; hier tri£Et dann similia si- 
milibus und contraria contrariis zusammen un- 
ter einem höhern Gesetze, der organischen Re- 
action. So ist Digitalis ein dem Herzen zugewandtes 
Mittel; sie verlangsamt und entordnet die Herzbewegun- 
gen mit verminderter Harnausscheidung bei Gesunden; 
bei Kranken, deren Herzschläge aus activer Irritation 
sehr häufig und unregelmäfsig sind mit geringem Harn- 
abgang, wird Digitalis die Herzschläge seltener und re- 
gelmäfsig und den Harn vermehrt ausscheiden machen. 
Wie dies Beispiel mit der Digitalis, so muss es bei an- 
dern Arzneien geschehen mit möglichst scharfen diagno- 
stischen Bestimmungen.^ 

Dies ist im Allgemeinen Rademache r's Lehre in 
Paracelsischer Fassung mit Dogmatismus vermischt Bei 
dem Beispiele der Digitalis ist nicht zu vergessen, dass sie 
auch krankhaft verlangsamten Puls rascher ma- 
chen kann. Beim Schlufssatze müssen wir nicht ans den 
Augen lassen, dass die möglichst scharfen diagnosti- 
schen Bestimmungen weit hinter dem praktischen Bedürf- 
nisse zurückbleiben. 

8) „Man beobachte weit mehr als bisher geschehen, 
die epidemischen Einfiusse, unter deren Herrschaft der 
Mensch mit seinen Organen steht, nnd daher wechseln 
die Brennpunkte der Erkrankungen mit dem Wechsel der 
epidemischen Einflüsse,' nnd damit wechselt auch die Be- 
handlung, wie Paracelsus, Sydenham wohl erkannt 
haben. ^ 

Das ist nun der praktische Hauptpunkt von Rade- 
mach er's Lehre, und es ist auffallend, dass gerade hier 
Werber, wo er Namen nennt, nur Paracelsus nnd Sy- 
denham citirt nnd von Rademacher schweigt Rade- 
macher ist der einzige Schriftsteller, von dem wir 
das lernen können, was wir zur praktischen Erkenntniss 
der Epidemieenlehre in Bezug auf direkte Krankheitsheilung 
brauchen. In Bezug auf den Verfolg der Epidemieenlehre 
über Rade mach er hinaus ist das zu beachten, was des- 
sen Schfiler, vorzugsweise Kissel und ich gesagt haben 
und was gröfstentheils in Bernhardi's Zeitschrift nieder- 
gelegt ist. Ich bin im Begriffe, die von mir beobachteten 
Epidemieen in Rade mach er's Sinne ausführlich zu be- 
schreiben. Das was ich von 1843 — 1847 gefunden, ist be- 
reits in dem genannten Blatte enthalten '), das Uebrige 
wird folgen. Sobald ich mit der Schilderung meiner eige- 
nen Beobachtungen fertig bin, werde ich suchen Alles, was 
überhaupt über diesen Gegenstand veröffentlicht ist und was 
ich sonst noch erfahren kann, in einem besondern Werke 
zusammenzufassen. 

9) „Der Arzt unterrichte sich in allen Heilmitteln, 



') Zeitschr. für Erfahrungsheilkunst Bd. 11., Zeitschr. für 
wiflsensch. Therapie Bd. V. 



116 



iatromechanischen, iatromatbematischeo, iatrochemischen, 
iatrodynamiacheo, in der Hydrotherapie und Eliroatotbe- 
rapie; er rnuss alle Waffen kennen^ sich darin üben and 
nicht einseitig sich bilden.^ 

10) «Der Ar«t mos« alle Heilangsgeeetze and Hei- 
longsweisen kennen, welche in dieser Schrift besprochen 
worden sind; sie sind die strategischen ond taktischen 
Disciplinen des Arstes; ohne genaoe Kenntniss dieser 
and der Heilmittel kann Niemand mit Sicherheit gegen 
die Krankheiten zu Felde ziehen, oder mit richtigeren 
Worten, die Kranken gesund machen, denn nicht die 
Krankheitswesen, sondern die Kranken and de- 
ren kranke Organe sind so behandeln.^ 

Mit beiden Schlafssfitsen mass jeder strebende Arzt 
sich vollkommen einverstanden finden. In den letzten zwei 
Zeilen giebt Werber wieder za verstehen, dass zu allen 
Heilangsweisen die Rademacher'schen auch geboren. Bei 
£rw£gang des Inhalts beider S&tze fühlt man recht deut- 
lich: Ars longa, vita brevis! Ich möchte daher noch einen 
eUten Wink hinzufügen: 

11) In Bezog aaf Erkenntniss der landgfingigen 
Krankheiten begnöge man sich weder mit den eigenen 
Erfahrungen, noch behalte man dieselben für sich. In 
keinem Zweige der Heilkunst wird das coUegialische Zu- 
sammenwirken erspriefslicher sein, als hier. Rasches 

. Bekanntmachen der aufgefnndenen therapeutischen 
Natur und sofortige Benutzung der Erfahrungen An- 
derer bei jeder auftauchenden Krankheit wird unserem 

klinischen Wirken von nnberechenbarem Nutzen sein. 

• * 

• 

Meine kleine Abhandlung ist weit entfernt, den Gegen- 
stand zu erschöpfen. Ich wollte nur auf die Wichtigkeit 
von Rademacher's Lehre hinweisen. Sie ist die BIntbe, 
oder vielmehr die Fracht, welche in allen Gebieten, in al- 
len Hnifswissenschaften der Medicin wurzelt, sie alle um- 
fasst, aus allen Nahrung zieht, aus denselben hervorgeht 
und sich über dieselben erbebt, wie der Sporenträger der 
Eryptogame ober den Thallas. Doch Rademacher's 
Lehre ist zwar, wie jener, ein in sich geschlossenes, aber 
noch lange kein vollendetes, sondern ein in der Knospe be- 
findliches Ganze. Sie kann nur ein Beginnen genannt wer- 
den. Rademacher selbst bezeichnet sein Werk durch 
den Ausdruck ^Voluisse^. Wenn aber Diejenigen, welche 
diesen Anfang zu verwerthen wissen, schon das unverhfilt- 
nissmäfsige Gedeihen ihres klinischen Wirkens sehen; so 
Ifisst sich schliefsen, was aus dieser Lehre werden kann, 
wenn die Kräfte, welche jetzt, mit Werber za reden, des 
Sisyphus Stein wälzen, diesem durch rationelle Benutzung 
des therapeutischen Experiments, auf dem Fundamente der 
Bademacher'schen Erfahrungssätze fortarbeitend eine sichere 
Stutze zu geben wissen werden. 

Dies ist keine Poesie, sondern ganz nfichterne, aus 



langwierigen Experimenten und trockenen Berechnungen 
hervorgegangene Prosa. 

Was leisten Lippsprioge und Inselbad in der 
Lungentaberkuloset 

Von Dr. Hörling in Paderborn. 

Ldppspringe sowohl wie das Inselbad^ beide Nachbar- 
und Conkurrenzbäder, erfreuen sich seit einer Reihe von 
Jahren eines ziemlichen Rufes als Heilorte gegen die Lun- 
gentuberkulose, ich sage eines ziemlichen Rufes | denn wenn 
an beiden Bädern zusammen alljährlich 12 — 1300 Kurgä- 
ste, hauptsächlich Lungentnberkelkranke, eintreffen, so kann 
man daraus nicht den Schluss ziehen, dass der Ruf der 
beiden Bäder in der genannten Krankheit fest gegründet 
sei. Leider ist ja die furchtbare Krankheit in so zahlrei- 
chen Exemplaren in allen Ständen der Gesellschaft vertre- 
ten, dass, wenn die Heilkraft der beiden Bäder allgemein 
anerkannt wäre, bald eben so viele Tausende wie jetzt Hun- 
derte dort ihr Heil versuchen würden. Viele CoUegen ha- 
ben an ihren Kranken, die sie nach den genannten Bädern 
sandten, sicher trübe Erfahrungen gemacht and deshalb das 
Zutrauen verloren, andere halten überhaupt wenig von Mi- 
neralquellen bei der Lungentuberkolose und erwarten mehr 
von einem milden Klima, von einem passenden Regime und 
palliativen Linderungsmitteln, von Molken-, Milch-, Leber- 
thran-, Weintrauben- und andern Kuren. Gewiss hat jeder 
Arzt seine ihn überzeogenden Grande für seine Behand- 
lungsart, und man kann deswegen mit Keinem rechten. Die 
Tuberkulose ist eine von den Krankheiten, gegen die eine 
Unzahl von Mitteln empfohlen und angewandt werden; al- 
lein hier gilt leider der Satz: ,Je mehr Mittel empfohlen 
werden, desto weniger sicher ist die Heilung*^. Aach Lipp- 
springe und Inselbad bieten nichts weniger als sichere Ga- 
rantie der Heilung, gleichwohl haben beide Bader in zahl- 
reichen Fällen gute Hülfe geleistet, was schon aas der ei- 
nen Tbatsache erhellt, dass sie alljährlich meist von den- 
selben Aerzten mit Kranken beschickt werden. Ich habe 
an beiden Kurorten eine ziemliche Reihe von Jahren als 
Arzt gewirkt und deshalb Gelegenheit gehabt, dort eine 
grofse Anzahl von Lungen tuberkelkranken zu behandeln und 
zu beobachten. Ich will versuchen, in Nachfolgendem meine 
Erfahrungen niederzulegen. 

Die Lippspringer Heilquelle enthält nach der im Jahre 
1855 zuletzt vorgenommenen Fassung an festen Bestand- 
theilen in 16 Unzen 

nach Witting: 
Schwefelsaures Natron .... 5,20 Gran 
Schwefelsaure Kalkerde . . . 4,25 
Schwefelsaure Magnesia . . . 0,80 
Bikarbonat von Kalk 5,27 - 



117 



Bikarbonat von Magneeia . . . 0,60 Gran 
Bikarbonat von Eisenoxydol .0,14 - 
Bikarbonat von Natron .... 1,60 - 

Cblomatrinm 0,86 - 

Ghlormagnium 0,80 - 

Chlorkalciam 0,05 - 

Spnren von Jod- nnd Brom« 

Verbindungen, Erdharze, 

pbosphorsaure Salze. 

Verlnste 0,55 ■ 

20,12 Gran. 

nach Professor Stockhardt: 
Schwefelsaures Natron . • . 6,5080 Gran 
Schwefelsaure Ealkerde .. 6,3144 

Chlormagnesium 1,7802 

Cblomatrinm 0,2503 - 

Kohlensaure Ealkerde . . . 3,1995 - 
Kohlensaure Talkerde . . . 0,2588 - 
Kohlensaures Eisenoxydul .0,1113 

Kieselerde 0,0445 - 

Manganoxjdul^ Kali, organ. 

Stoffe in Spureii. 

18,4640 Gran. 
An Gasen enthfilt die Quelle in 100 Mengetbeilen Was- 
ser nach 6. Bischoff: 

Kohlensaures Gas . . 16,17 Mengetheile, 

Stickstoffgas 4,40 

Sauerstoffgas 0,55 ■ 

21,12 Mengetheile. 
Das aus der Quelle frei ausströmende Gas besteht in 
100 Theilen aus: 

Kohlensaurem Gase 14,90 Theilen, 
Stickstoffgase .... 82,44 
Sauerstoffgase . . ._^ ^^^_ _'__ 

100,00 Theilen. 
Die Wärme der Quelle ist 17 Grad R. 

Die Ottilienquelle des Inselbades enthält in 16 Unzen 
an festen Bestandtheilen nach Witting: 

Kohlensauren Kalk .... 2,50 Gran, 
Kohlensaure Talkerde . . 0,50 - 
Kohlensaures Eisenoxjdul 0,05 - 
Schwefelsaures Natron . . 0,75 - 
Schwefelsaure Talkerde . . 0,20 - 
Schwefelsaurer Kalk • . . 0,50 - 

Chlorkalciam 0,25 - 

Chlortalcium 0,50 - 

Chlornatrium .... . . . . 6,80 ■> 

12,05 Gran. 
In 100 Mengetbeilen der Ottilienquelle sind nach Wit- 
-ting enthalten: 



Kohlensäure . . . 2,344 Mengethmle, 
Stickstoffgas . . . 8,984 
Sanerstoffgas. . . 1,172 - 



12.500 Mengetheile, 
Das frei ansströmende Gas besteht in 100 Theilen aas: 
Kohlensäure .... 3 Procent, 

Stickstoffgase . . . 97 

100 Procent 
Nacq einer Untersachang, die ich mit Hälfe des Apo- 
thekers E. Giese in Paderborn und des Telegraphen - In- 
genieurs Reineke vornahm, enthält das Gas nodi Sparen 
von Ammonium, und befindet es sieh in positiv elektrischer 
Spannung. Das Nähere hierüber ist im Archiv der Balneo* 
logie I. Bd. 1. Heft S. 18 zu finden. Die Ottilienquelle hat 
14,5 Grad R. Wärme. 

Betrachtet man die festen Bestandtheile in der Lipp- 
springer Heilquelle und vergleicht sie mit den Bestandthei- 
len des Marienbader Kreuz- und Ferdinandsbrunnens, so 
wird man bald die grofse Aehnlichkeit finden, die zwischen 
beiden Bädern obwaltet. Allerdings bat Marienbad ein weit 
grofseres Quantum an Bestandtheilen; aber das Quäle ist 
fast gleich. So wie nun Marienbad als ein specifiker Kur- 
ort für alle Lieiden gilt, welche aus Plethora abdominalis 
entstehen, so muss ich auch Lippspringe für jene Krank- 
heiten zunächst empfehlen, die von Plethora abdominalis 
herrühren oder von ihr begleitet werden. Ich spreche die- 
sen Satz hier nicht theoretisch, sondern erfahrungsgemäfs 
ans. Kranke, welche an Blutanschoppnngen der Unterleibs- 
organe leiden, an gutartigen Anschwellungen der Leber, 
der Milz nnd der andern Unterleibsdrnsen, an chronischen 
Katarrhen der Magen- und Darmschleimhäote finden ganz 
gewiss in Lippspringe ein passendes Heilmittel und werden 
sich mit Dank der daselbst durchgemachten Kur erimiiern. 
Das Trinken des Wassers regt die Aasscheidaogen der Un- 
terleibsorgane in milder Weise konsequent an. Die Stähle 
werden gallig, oft mit Schleim überzogen nnd breiig, die 
Urinabsondernng wird vermehrt und reich an Harnstoff, er 
geht leicht in Fäulniss über. Specifisch aber wirkt das 
Wasser auf die sogen. Hämorrhoidalgefafse , sie sehwellen 
an und die erleichternde Blutung bleibt selten aos. Mit die- 
sen EIrscheinungen schwinden die Appetitlosigkeit, die Un- 
regelmäfsigkeit des Stuhlgangs, das Gefühl von Völle and 
Druck im Unterleibe und die hypochondrischen Launen der 
Kranken. Deutlich kann man wahrnehmen, wie eine vor- 
her angeschwollene Leber ond der gefüllte Bauch zusam- 
mengefallen and weich geworden sind. Das Aussehen wird 
non frischer, lebendiger, arterieller, körperliche and geistige 
Aktionen werden kräftiger and elastischer ausgeführt Die 
Ernährung geht gesund von Statten. Das Drängen des 
Bluts nach den Unterleibsorganen zeigt sich beim weibli- 
chen Geschlechte uns durch das 3 — 8 Tage Vorsetzen and 
Stärkerfliefsen der Menses. Auch kann man bd rielen Pa- 



118 



tienten nebenbei noch eine erhöhte Haottbätigkeit wahrneh- 
men, die sich durch leichte Transepiration bald nach dem 
Trinken bemerkbar macht» Das Wasser schwächt dabei 
den Organismas nicht, einmal weil es nie stürmisch wirkt 
imd dann weil es in genügender Menge Eisen and Kohlen- 
sftore enthält. 

Jeder Arst weifs, dass in Folge von Plethora abdomi- 
nalis häufig chronisdie Rachen-, Kehlkopfs- und Bronchial- 
Eatarrhe, and awar oft in hartnäckiger und bedenklicher 
Weise auftreten, zamal Kranke, die an Dnterleibsblatffille 
leiden, nebenbei sehr zu Erkältungen neigen. Diese Ka- 
tarrhe der Respirationsorgane bilden das eigentliche Feld, 
anf welchem Lippspringe , d. h. das Trinken des Wassers 
das Mögliche leistet. Das Wasser sieht, wenn ich mich so 
ausdrucken darf, den Katarrh weg von den Respirations- 
organen und leitet ihn nach den Unterleibsorganen. Der 
Andrang des Blutes nach den Athemorganen nimmt näm- 
lich seine Richtung nach den Unterleibsorganen und diese 
befreien sich von der Last durch vermehrte Absonderungen 
und häufig wieder durch Hämorrhoidalblutungen. Es ist 
eine interessante Thatsache, die ich oft beobachtet habe, 
dass bei solchen Kranken nach 8 — 14tägiger Dauer der 
Kur die Unterleibsorgane untweideutige Zeichen vermehr- 
ter BlutfüUe ergeben. Die Kranken klagen über Druck, 
Spannung und Schmers in der Leber, über Völle, Wärme 
und Unbehagen im Unterleibe, Schwere im Kreuze und den 
ontem Extremitäten, Anschwellen der Hämorrhoidalvenen. 
Die physikalische Untersuchung des Unterleibs ergiebt nun 
wirklich tastbare Anschwellung der Leber und Völle des 
Unterleibs, wie sie vor Beginn der Kur nicht da war. Da- 
hingegen verschwindet der Katarrh der Respirationsorgane 
mehr und mehr und verlässt die Patienten allmälig ganz. 
Wie schon gesagt entlasten sich die mit Blut überfüllten 
Unterleibsorgane nach und nach durch vermehrte Ausschei- 
dungen und Hämorrhoidalblutungen. Circa 6 Knrwochen 
reichen hin, diesen Cyklus der Wirkungen zu beendigen. 
Es ist zu bedauern, dass nicht mehr Kranke, welche mit 
Unterleibsblutfnlle, namentlich mit Leberanschoppungen so 
wie mit Reflexkatarrhen der Respirationsorgane in Folge 
von Plethora abdominalis behaftet sind, nach Lippspringe 
kommen; ich kann versichern, dass solche Kranke dort 
sicher genesen. 

(SchluBs folgt.) 

WitteroDgs- und Krankheits-ConstitutioD zu Berlin 
fOr den Monat Mllrz 1863. 

In diesem Monate war die Witterung überhaupt we- 
niger gleichmäfsig als im Monat Februar, besonders aber 
in der ersten Hälfte überwiegend unfreundlich und verän- 
derlich« Ebenso waren die Schwankongen in der Tempe- 
ratur der Luft nicht unerheblich and machten sich beson* 



ders zwischen dem 6. and 10. am stärksten bemerkbar. 
Regen fiel am 3,, 4,, 7., 8., 9., 12., 14., 15. und 16.; 
Schnee am 9., 10. und 12., wodurch in dieser Zeit eine 
nicht unbedeutende Nässe erzeugt wurde« Nebel wurde 
am 13. und 14. Morgens wahrgenommen, Ostwind blieb 
bis einschliefslich den 17. vorherrschend« Abweicbungen 
nach West wurden wahrgenommen am 1^ 2., 3., 6., 7. und 
11., nach Sud am 1., 5. ond 6., nach Nord am 8. und 17. 
Von diesem Tage an und bis zum Schlüsse des Monats 
war die Veränderlichkeit in der Witterung besonders zwi- 
schen dem 25. und 29. am stärksten hervortretend und 
ebenso der Wechsel in der Temperatur der Luft. Regen 
fiel am 18., 19., 20., 25., 27., 28. und 29., Schnee am 28. 
Westwind blieb vorherrschend bei kurzen Abweichongen 
nach Nord am 18., 22., und nach Ost am 19., 21. u. 22. 
Gelinder Frost wurde . im Laufe des Monats verschiedent- 
lich wahrgenommen. 

Das Thermometer schwankte Morgens um 6 Uhr zwi- 
schen H-6,7 am 24. und — 1,0»R. am 10., Mittags um 2 
Uhr zwischen +• 11,0 am 6. und 26. und — 0,8* R. am 
9. und Abends um 10 Uhr zwischen + 9,0 am 24. und 
— 1,5" R. am 9. Dessen mittlerer Stand betrug um die- 
selbe Zeit: Morgens H-2,8, Mittags +6,0 und Abends 
-l-4,0»R.; ebenso die Differenz : Morgens 7,7, Mittags 11,8 
und Abends 10,5* R. Die durchschnittliche Differenz ge- 
gen den vorigen Monat beträgt +1,1« R. Der gleichmäs^ 
sig höchste Thermometerstaad. wurde am 24. and der gleich- 
mäfsig niedrigste am 9. wahrgenommen. 

Das Barometer wich im Allgemeinen erheblich zurück, 
variirte nach dem 19. am stärksten und schwankte über- 
haupt zwischen 341,22'" am 25. und 326,65'" am 29. Des- 
sen mittlerer Stand betrug: Morgens um 6 Uhr 334,24'", 
Mittags um 2 Uhr 334,29'" und Abends um 10 Uhr 334,38'"; 
die Differenz 14,60"'. Barihelme. 

Im Monate März verringerte sich die Zahl der Kran- 
ken. Vorherrschend blieben Katarrhe der Respirationsor- 
gane und Rheumatismen. Die Fälle von Dipbtheritis wur- 
den seltener und weniger bösartig. Auch Masern und an- 
dere Ansschlagskrankheiten kamen, mit Ausnahme von mo- 
dificirten Pocken, seltener zus ärztlichen Behandlang. 

» Unter den Hausthieren erkrankten die Pferde in 
ungewöhnlich grofser Meng« an katarrhalischen und rheu- 
matischen Leiden in den verschiedensten Formen, wie na- 
mentlich Lungen- und Brustfellentzündungen, Brfiaue, Bron- 
chitis, Druse, Nasenkatarrh, Influenza, rheumatische Darm- 
entzündung und Kolik, und selbst mit Tetanas rheamaticus 
wurden 4 und mit Tetanus traumaticus 1 Pferd in die K. 
Thierarzneischule gebracht. Dabei ist es anfPallend, dass 
reiner Muskel- und Gelenkrheumatismus, so wie rheumati- 
sche HufenUundung nicht sehr häufig vorkameo. Qastri- 
cismen fanden sich in ganz mäfsiger Anzahl; dagegen w*» 



119 



r«D Falle Toa Botz bftofiger ab gewohnlieb. Mehrflltig er« 
•chien £e Brandmanke« ohne erkennbare Uraaebeo. -—Bei 
dem Rindvieh waren, anfser dem noch sehr verbreiteten 
Ifaol« ond Klanen weh, nur Gastridsmen nnd Rbenmatismen 
ID bemerken. • — Bei Schweinen kamen die letzteren nnd 
Lung^aentsondnngen vor. — Aach die Hnnde litten an 
rheamadteben nnd katarrhaliecheD Affektionen h&nfig, be^ 
sondere an rheamatiecher Erenzl&hmong. Anfserdem wa* 
reo Exantheme haafig. Wnthkrankheit kam nicht vor. 

Heriwig. 

Tagesereipifise und a&derweite MiUbeilongeiik 

— Wochenbericht der hiesigen öffentlichen Kran* 

kenhfiaser: 

Bestand Wöohl. Wöchl. hierunter Bestand 
28. März Zugang Abgang Todesfälle 4. April 

Bethanien .... 250 32 43 6 239 

Hedwigs -Krankenh. 212 49 57. 15 204 

Elisabeth-Erankeoh. 79 6 5 1 80 

Judisches Krankenh. 49 2 2 — 49 



dazu Charite • 



590 
1314 



89 107 



22 



572 
1325 



1904 1897 

In Bethanien waren Langen- und Brustfellentzündung 
vorherrschend. 

— Nach Weisung der Gharite-E ranken im Monat 

März 1863: 

M&nner Weiber Knab. Mdch. Summa 
Bestand. am 28. Febr. 781 492 9 15 1297 
Zugang im März 652 386 26 81 1095 



Samma 1433 


878 


35 


46 


2392 


Entlassen. ... 576 
Gestorben ... 59 


331 
31 


22 
3 


27 
4 


956 
97 


Be»tand am 31. HSrz 798 


516 


10 


15 


1339. 



Unter den Todten aiod todtgeboren 




1 






— Im Regierungs-Bezirk Breslau waren 








9 

< 


a . 


S 


1 


1 


1 


1 




• 


Sl-H 


0S 


^ 


o 


4> 


^ 




%4 

Ol 


^ 


^ 


^ 


< 


J:. 


iS 


nltinio 1862 


318 


79 


59 


6 


68 


83 


740 


. 1861 


313 


75 


64 


9 


64 


83 


746 


68 waren mitbin 
















*«62i-;r^; : : ; : 


5 


4 


5 


3 


4 


~^^ 


6 



ultimo 1862 ... . 
- 1861 . . . . 
es waren mithin 

1862< ""*•"■ 



(weniger 



■bezii 


k 0( 


»pell 


1 waren 




161 
167 


27 

28 


11 
11 


— 


39 
40 


57 
55 


i'e 


1 


— 


__ 


1 


2 



680 
675 



— In der Stadt Berlin waren 



ultimo 1862 

in Cbarlottenburg 



zusammen 

ultimo 1861 

es waren mithin 

imehr 

t weniger .... 



1862 j' 



549| 40 I 29 

6! — I 1 



555 

529 

26 



40 
44 



30 
30 



42 I 67 43 I 152 

— i 3 I 1 I 5 



42 
36 



70 ' 44 

65 I 43 



15T 
160 



— Die im Dorfe Neo-Schoneberg bei Berlin von 
dem Dr. Eduard Lewinstein im vorigen Jahre errich- 
tete, höchst zweckmäTsig eingerichtete Bade- und Trink- 
anstalt ist gegenwärtig zu einer vollständigen Maison 
de sant^ erweitert worden, welche chronischen Kranken 
unter Leitung hiesiger Aerzte die Benatzung der verschie- 
denartigsten Heilpotenzen, gute Krankenpflege und ange- 
nehmen ländlichen Aufenthalt gewährt. Die Anstalt be- 
steht aus der Maison de sante für Erwachsene^ einer 
solchen für Kinder, einer Meierei mit Molkenanstalt ond 
Krankenzimmern, die über den Kabställen belegen sind, 
einer Anstalt für medicinische Bäder (insbesondere auch 
Moorbäder) und Brunnen, einem Inbalations-Salon (ausge- 
stattet mit den bewährtesten Apparaten zur Inhalation dampf- 
förmiger Arzneien und staubförmiger Flüssigkeiten) und ei- 
nem Kabinet zar Anwendung comprimirter Luft. Aufser- 
dem sind für die Behandlung durch Elektricität, Heilgym- 
nastik nnd Wasserkur die geeigneten Vorkehrungen ge- 
troffen. 

Nach dem vom Dr. Lewinstein veröffentlichten Pro- 
gramm eignet sich die Anstalt zur Aufnahme: 

1 ) für Kranke, die an Hals-, Brust- nnd Unterleibsaffek- 
tionen leiden; 

2) für Solche, welche Milch-, Molken-, Brunnen- oder 
Badekaren unter ärztlicher Aufsicht gebrauchen wollen; 

3 ) für Reconvalescenten und schwächliche Personen, wel- 
che durch ländlichen Aufenthalt ihre Gesundheit kräf- 
tigen wollen; 

4) für Kranke, denen genügende häusliche Pflege pflegt; 

5) für schwächliche und kranke Kinder, besonders scro- 
pholöse, deren Verhältnisse weite Badereisen nicht ge- 
statten. 

Nicht aufgenommen werden Gemüths- und Krampf- 
kranke und solche, die an äufserlicb entstellenden Üebeln 
leiden. 

Die Preise für Wohnung und Beköstigung differiren 
für Erwachsene zwischen 40~'75 Thir. monatlich und für 
Kinder zwischen 35 — 40 Thlr. und ermäfsigen sich für Fa- 
milien. 

Wir dürfen die mit allem Com fort ausgestattete und 
allen Anforderungen der Wissenschaft entsprechende An- 
stalt aus eigener Anschauung empfehlen. 

— Sogenannte Türkische oder Römische Bäder 



120 



siiid Qanmehr aach hier in Berlin (Scbütcenstr. No. 1 9.) er- 
öffiiet worden. 

Literatar« 

Die Preursische Pharmakopoe in ihrer siebenten 
Ausgabe. Zur schnellen Orieotirung über alle in 
derselben enthaltenen Abfinderungen und Zusfitze und 
als Supplement zur sechsten Ausgabe. Von Dr. L. 
Posner, Königl. Sanitfitsrathe etc. Berlin 1863 bei 
Aug. Hirschwald. 66 S. 8. 

Dem unstreitig vorhandenen Bedurfnisse, den Ueber- 
gang aus der Benutzung der sechsten Ausgabe der Phar- 
makopoe in die Benutzung der siebenten dem Arzte zu er- 
leichtern, das auch uns bereits veranlasst hat, in No. 8. 
unserer Zeitung eine kurze Zusammenstellung der Verände- 
rungen >der siebenten Ausgabe zu geben, ist hier durch die 
Herausgabe einer eigenen kleinen Schrift Rechnung getra- 
gen worden, deren Anschaffung wir, da sie durch Vollstfin- 
digkeit und Uebersichtlichkeit ihrem Zwecke vollkommen 
entspricht, dem firztlichen Publikum empfehlen. Den Haupt- 
theil der Schrift bildet das alphabetische Verzeichniss s&mmt- 
licher Büttel der neuen Pharmakopoe, mit besonderer Be- 
zeichnung derjenigen, welche neu aufgenommen und derje- 
nigen deren Namen verfindert worden sind, und mit An- 
gabe der Verfinderungen in der Bereitung, ein Verzeichniss, 
welches für die Besitzer der filtern Pharmakopoe den Be- 
sitz der neuen fast entbehrlich macht. — Aufserdem sind 
die Prindpien, die bei Redaktion der neuen Ausgabe vor- 
geherrscht haben, in der Vorrede kurz erlfiutert, und den 
Beschluss endlich machen die Verfinderungen, welche mit 
den verschiedenen Tabellen (Reagentien, specifische Ge- 
wichte, Maximaldosen, Gifte und Separanda) vorgenommen 
worden sind, so wie besondere Zusammenstellungen der 
neu aufgenommenen, der fortgelassenen und der mit verfin- 
derter Nomenklatur aufgeführten Mittel und Prfiparale. 

Balneologiscbe Aphorismen mit besonderer Berücksich- 
tigung Driburgs. Von dem Brnnnenarzte Driburgs 
Anton Theobald Brück. Osnabrück bei Rack- 
borst 1863. 134 S. kl. 8. 
Die kleine Schrift giebt zuerst einen Bericht über Dri- 
burg, dessen Hauptquelle nach der Analyse von Wiggers 
Pyrmont durch gröfsern Gehalt von Eisen, an kohlensau- 
rem Manganoxydul und an freier Kohlensäure, so wie an 
auflösenden Salzen übertrifft. Der daselbst noch befindli- 
che Hersterbrun nen ist von milderer Wirkung, die Nieren- 
thfitigkeit anregend und überhaupt bei Krankheiten des uro- 
poStischen Systems wirksam. Hierzu kommen endlich noch 
die Schwefelschlammbfider als Eins der wichtigsten Kur- 



mittel Driburgs. — Die dem Berichte folgenden Aphoris- 
men enthalten manoherki sebfitzbare Erfabmngen über das 
Verhalten der Dribui^ zu denselben. Je mehr man ge- 
neigt ist, in der Praxis die Indikationen nod Eontraindikar 
tionen der Stahlquelien einaig und allein nach der Wirkung 
der reinen Eiseoprfiparate zu beurtheilen und auf die übri- 
gen Bestandtbeile jener Quellen kaum Gewicht zu lagen, 
um so wichtiger sind die Erfahrungen des Herrn Verfa»- 
sars über die durch die Verbindung des Eisens mit auflö- 
senden Salzen bedingte Wirksamkeit Driburgs bei Zustfin- 
den, in denen es von Manchem für kontraindicirt gehalten 
wird, wie selbst unter Umstfinden Schwangerschaft u. s. w., 
und wird daher jeder praktische Arzt dies Bücbeichen mit 
Interesse lesen. 



Anzeigen. 



Bei Th. Chr. Fr. Enslin in Berlin ist erschienen: 

Ophthalmologische Beiträge 

von 
Dr. R. FSrster, 

Privatdocenten an der Universität zu Breslau. 

Mit Holzschnitten und 2 Eupfertafeln. 
1 Thaler. 

Inlialtt !• Metamorphopsle, ein Symptom partiel- 
ler Schrumpfung der Retina. 

II* MlUr^psie* 

III. Cli^rlolcleltto «re^laris. 



Das 

Preofsisclie Phjsikats-EiajneHa 

Repetitorium 

för Civil- und Militair-Aerzte 

von 

Dr. Fr. Berth. Loeffler. 

1} Thlr. 

Das Regulativ für Obductionen, welches seit dem Er- 
scheinen des Buches eine Abänderung erfahren, wird in ei- 
nem Separatabdruck jedem Exemplare des Loffler*schen Ba- 
ches gratis beigegeben. 



Terlag Ton Th. Chr. Fr. Enslin (Adolph Enslin) in Berlin. -- Gedruckt bei A. W. Schade in Berlin, StalUchreiberstr. 47. 



Neue Folge. 
Tl Jahrgang. 



PREÜSSISCHE 



Di«B« £*itaBg «rteb^lnt w6eb«nc leh. 

Der Pr«is dts guistn Jahrgaagf, w«Iel)«r 

aiebt g«tr««iitw1fd, Ist > ThU. tO ftgr. 



MEDICINAL -ZEITUNG. 

Heraasgegeben von dem Verein ftkr Heilkunde in Preussen 

iBter Benitzug UBtlicher Hittheiluigeii des Eönigl. Hinisteriums der gdstlielieii, Unterriebts- 
nnd Hedieinftl-ÄBgelegeiiheiteii und der EOnigl. Provinzial-Behörden. • 

Redacteor: B. Möller, Geh. Medieinal-Rath etc. 



1863. 




16. 



22. April. 



Inhalt. Amtlicher Theil; PertoDalien ; Bekanntmachung. — Trichinen • Krankheit. — OcfaBengalle gegen den Bandwofm; ron 
Löwenthal. — Brand durch Frost. — Was leisten Lippspringe und Inselbad in der Lungentuberkulose; voi^ Hörling, (Scfalusa.) 
Tagesereignisse und anderweite Mittheilungen. — Anzeige. 



Amtlicher Theil. 

Personalien» 

Antitellongen. 

Der Ereis-Pbjaikas Dr. Wossidlo zu Kempen ist Id 
den Kreis Oels versetzt, and 

dem praktischen Arzt Dr. Abegg ip Danzig die zweite 
Hebammeulehrer- Stelle daselbst commissariscb übertragen 
worden. 

Die Stelle des zweiten Seeundair - Arztes (bisher Dr. 
Dietrich) bei dem geburtshulflich • klinischen Institut der 
Universität in Breslau ist dem praktischen Arzt Dr. Sieg- 
mand Caro übertragen worden. 

Dem anfserordentlichen Professor der Medicin Dr. 
Ziernfsen in Greifswald, welcher einen Raf als ordentl. 
Professor für spec. Pathologie und Therapie und als Di- 
rektor der medicinischen Klinik und Poliklinik bei der Uni- 
versitSl in Erlangen erhalten hat, ist die nachgesuchte Ent- 
lassung ertbeilt worden. 

Niederlassnilgen. 

Die praktischen Aerzte DDr. Beigard, Claus, Nie- 
ter, Pfeiffer, Simon und Weise haben sich in Berlin, 
Dr. Krabler und Dr. Bennecke in Greifswald niederge- 
lassen. 

Dr. Flume ist von Berlin nach Lünen und Dr. Jor- 
dan von Subl nach Erxleben gezogen. 



Apotheken-Angelegenheiten. 

Der Apotheker Marqaardt jun. hat die väterliche 
Apotheke in Woldenberg übernooimela. 

Der Apotheker Wenzel hat die Bnddensieg'scbe 
Apotheke in Tennstedt und der Apotheker Nenbert die 
Zimmermann'sche Apotheke in Treffnrt gekauft. 

Dem Apotheker Hayne ist die Verwaltung der Kett- 
ner'schen Apotheke in Schieiden übertragen worden. 

TodsifäUe. 
Der Sanitfitsratb Dr. Jo€l in Berlin, der Sanitätsratb 
Dr. Mahlendorf in Cöslin, Dr. Heck in Treoenbrietzen, 
Dr. Karthaus in Halver, Dr. Köhler in Essen und der 
Wundarzt Falkenstein in Berlin sind gestorben. 

Offene Medicinal- Stelle. 
Die Kreis -Physikats-Stelle des Kreises Schildberg, 
Beg.-Bezirk Posen, ist erledigt 



BekanotmMhnig« 

In Gemäfsheit einer Verfugung des Herrn Ministers 
der Geistlichen, Unterrichts- und Medicinal-Angelegenheiten 
vom 19. V. M. wird hierdurch nachstehendes zur öffentli- 
chen Kenntniss gebracht. 

Neuere amtliche Wahrnehmungen haben ergeben, dass 
das höchst giftige arsenikh altige Knpferoxyd, das Scheel- 
sche Grün, sehr hfiuiig zum Färben von Gegenständen der 
Bekleidung und des Putzes, namentlich der Kleider, Bän- 



122 



der, Bl&tter and sonstiger liegenstfinde des Kopfputzes be-» 
natst wird, nnd dass diese giftige Farbe mittelst einfachen 
Stärkeklebters «ar so iosr aiir:df«i £«^|e fürbtnden ist. 
dass daraus lebensgefährliche Folgen hervorgehen hoanen» 
Dazu kommt, dass dergleichen OegenstKnclB, vmentlkh 
Bänder, Blumen, Blätter, wenn, sie nicht mehr als Puts be- 
nutzt werden, schliefsliph als Spieleeug in die Hände iler 
Kinder gelangen, die ohne Vorsicht damit verfahren, sie 
com Munde fdhreb, wodurch Yergiftangeji herbeigefSbrt wer« I 
den können, «welche dadurch um so gef&hrüeber werden, 
dass gewohnlich die wahre Ursache des plötzlichen Brkran- I 
kens in solchen Fällen gar nicht oder nicht eur rechten ; 
Zeit erkannt wird. » 

Wir finden uns deshalb veranlasst, das Publikum, .die 
Polizei- und Medidnal - Beamten und Aerzte auf die eben 
bezeichnete Gefahr aufmerksam zu machen, und vor dem 
Ankauf «nd der Benutzung der gedachten, mit arsenikhal* 
tigen Farben ge£brbten Gegenstände xu warnen; — ferner 
die Fabrikanten und Verkäufer derartiger Gegenstände dar- 
auf hinzuweisen, dass sie durch das Feiibalten und Verkau- 



fen Solcher Gegenstände auf Grund des §. 304. des StrttF- 
gesetzbuches in schwere Strafen verfallen können. 

'Da es 411 grfinfn Farb^ nicht mttigett, dte ^lig un- 
schädlich, zu mäfsigen Preisen zu habon sind, und dem 
Sobeerschen Grün auch sonst nicht wesentlich nicbstehen, 
so empfiehlt es sich um so mehr, und zwar für die Fabri- 
kautem <$e letalgedachte giftige Farbe zu Gegenständen ge- 
dachter Art gar nicht zu verwenden, für die Handlungen 
aber^ ihre Bestellangen bei der Fabrik so abzafassen^ dasa 
Giftstoffe in den Gegenständen erwähnter Art nicht enthal« 
ten sein dürfen, sondern bei diesen Gegenständen ausge- 
seblössen bleibet^ mnosen. 

Die erforderliche Auskunft darSber, ob ein Gegenstand 
gedachter Art mit arsenikhaltigen Farben gefärbt sei oder 
nicht, kann in jeder Apotheke gegen eine mäfsige Entschä- 
digung erlangt werden. 

liegnitz, den 10. April 1863. 

Konigl. Regierung, Abth. des Innern, 
(gez.) V. Wegnern. 



TrichineDkrankheit 

Bericht des Herzogl. Dessauschen Medicinal-Ratbs Dr. 
Franke 1 an die Herzogl. Regierung daselbst. 

In Gemäfsheit des Marginal-Decrets vom 15. d. beehre 
ich mich bei gehorsamster Zuruekreichung desselben über 
die Frage: 

ob die in meinem Physikats-Bericbte pro Quartal IV. 
1861 erwähnte Krankheit etwa durch die Triebinen 
veranlasst gewesen sei? 
mich nachstehend zu änfstf-n. 

Als ich im Deeember v. J. die Bpidemie in Warms- 
dorf und Gusten beobachtete, schliefslich selbst erkrankte 
und danach den Bericht verfasste, waren mir die charak- 
teristischen Symptome der Trichinenkrankheft beim Men- 
schen leider noch nicht bekannt; nachdem ich jedoch von 
der einschlägigen Literatur Kenntniss genommen und die 
für die Diagnose besagter Krankheit daselbst hervorgeho- 
benen Symptome mit meinen Beobachtungen, die in den 
anliegenden Notizen von mir verzeichnet sind, verglichen 
habe, kann ich nicht umhin es für höchst wahrscheinlich 
zu erklären, 

dassl^die von mir beschriebene Epidemie nichts ande- 
res, als Trichinenkrankheit gewesen sei. 
Die Quelle der Erkrankung ist im Herrenhause der Do- 
mäne Warmsdorf zu suchen, mit welchem der gröfste Theil 
der Erkrankten nachweislich in direktem oder indirektem 
Verkehr standen. 



Notizen, 

die Epidemie auf der Herzogl. Domäne Warmsdorf im 

Winter 1861 zu 1862 betreffend. 

1. Oberamtmann W. leidet seit einigen Tagen an 
Darmkatarrh, Diarrhöe mit Fieber. Am 29. Novbr. 1861 
wurde ich gerufen, Diarrhöe verliert sich bis zum 2. Dec. 
Puls Morgens 66, Abends 69 in der Minute. Nach einer 
Indigestion am 8. Deeember erkrankt Patient aufs Neue 
unter Magenschmerzen, Trockenheit der Zunge, Verstopfung, 

I Gefühl von Schwere im Unterleibe, selbst nach erfolgter 
I Ausleerung, Blähungsbeschwerden, Angst, Anschwellung des 
I Gesichts, später der Fufse. Am 13. Dec. Puls 70, Abends 
80. Clysmata, Hirudines ad anum. 14. Dec. Emeticam 
ohne Verordnung genommen. 1 6. Verschlimmerung des Zn* 
Standes. Das Bedürfniss nach Ausleerungen wird durch 
Strahrsche Pillen befriedigt Patient kommt sehr herunter, 
erholt sich erst nach Monaten unter dem methodischen Ge- 
brauche von Einwicklungen in nasse Laken. 

2. Dmlle. L., 20 Jahr alt, Ibidem, leidet an Dysme- 
norrhoe, Leukämie, Magenbeschwerden, 29. Nov. Am 5. 
Dec bettlägerig. Wirbelsäule äufserst schmerzhaft. Ord. 
Blutegel. 6. und 7. freiwilliges Erbrechen, Urin dunkel. 
8. Diarrhoe, befüges Fieber. Am 9. Dec. Gesicht, H&nde 
und Füfse geschwollen. 10. Schweifse, Fieber wie gestern. 
13. Dec. Fieber und Gesichtsgeschwust mäfsiger. 14. bia 
21. Die Besserung schreitet fort, Patientin kann sich jetx;t 
ohne Hülfe aus dem Bett erheben. 22. Pat. reist ab. 

3. Arbeiter R., 48 Jahr alt, am 3. Dec, leidet seit 
einigen Tagen an fieberhaftem Magenkatarrh, Stuhlversto« 



128 



pfaog. Ist am gansen Körper ge8<3biro]leB, kaim sich vor 
Bcbmerz kaam im Bett omdrehen. Gegen die Hautwaesev* 
•Qoht wird der Schweifs kdostlicb erregt. Am 8. Decbr. 
Nor noch Spuren des Gesichts - Oedems ; Patient v^rtftsst 
das Haas. Spätem Nachrichten zufolge hat er noch tier 
Wochen leidend zagehracbt. 

4. Aognste Th., 24 Jahr alt, Köchin aof der Do- 
mftne Warmsdorf am 3. Dechr. Seit 2 Tagen appetitlos, 
OBWohl. Febriler Magenkatarrh. Stohlverstopfong wird dm'ch 
leichte Abfahrmittel gehoben. Scbweifse. Liride Gesichts- 
farbe. Anschwellnng des Gesichts gering. Pnis and Ap- 
petit am 8. Dec normal. Patientin trotz ihrer kolossalen 
Figur auffallend matt und schwer beweglich. Rackenschmerz 
noch vorhanden. Scbweifse dauern noch fort. 

5. Wilhelm ine Seh., 22 Jahr alt, Dienstrafidcben 
im Hause, ibidem. Am 5. Dec. Fieber, Schmers im R6k- 
ken. Armen und Beinen. Magen- and Darmkatarrh. Nachts 
Delirien« Gesicht gedunsen. Pat wird am 9. Decbr. z« 
ihren Eltern nach Amesdorf gebracht. Fieber und Schweifs, 
anfangs darch Mittel befördert, dauert fort. Gesicht, Arme 
und Beine ödematös. 14. Dec Fat bessert sich. Arme 
ond Beme noch stark ödematös. 20. Dec. Pat. seit meh- 
rern Tagen schon fieberfrei. Das rechte Bein wie erlahmt, 
schmerzhaft Appetit sehr gut. Das Kopfhaar fällt in der 
Reconvalescenz stark aus, wie auch bei No. 4* 

6. Herr W., 24 Jahr alt, seit 5 Tagen zom Besuche 
bei seinen Schwiegereltern, auf der Domäne Warmsdorf, 
erkrankt am 2. Dec an Intestinal-Katarrh, Diarrhoe, Fie- 
ber, trinkt Roth wein, hütet einige Tage das Bett und ver- 
lässt am 6. Dec. das Haus. In seiner Heimatb erkrankt 
er sofort aufs Neue und leidet während 4 Wochen angebe 
lieb an Typbus, wobei das Gesicht angeschwollen, das Haar 
ausgegangen sein soll. 

7. Mme. Ph., Wittwe, 40 Jahr alt, erkrankt ebenfalls 
am 2. December, und unter denselben Erscbeinongen wie 
No. 6. geht am 7. £>ecbr. gebessert in ihre Heimath, er- 
krankt daselbst an gastrischem Fieber mit Oedem des G^ 
sicbts, der Hände, Haar verlast. 

8., 9^ 10. Am 8. Dec. erkrankten Frau Oberamtmann 
W. (8.), Fräulein A. W, (9.) und Frau K. (10.) unter Fie- 
berznfällen, Anschweilung des Gesichts, Schweifsen. No, 8« 
sa Diarrhöen sehr disponirt, litt seit dem 5. Decbr. daran* 
überdies war sie über den Zustand ihres Mannes sehr be- 
sorgt. Letzteres war auch der Fall mit No. 9., die zudem 
ihren Bräutigam (No. 6.) gepflegt und durch dessen Abreise 
eine starke GemSthsbewegung erlitten hatte. Bei No. 8. 
hörte das Fieber nach circa 8, bei No. 9. nach 14 Tagen 
auf. Die Schmerzen im Rucken und den geschwotlenen 
Armen und Beinen waren bei No. 9. besonders lebhaft; die 
Reconvalescenz, Mattigkeit und Scbweifse dauerte noch Wo- 
chen lang. No. 10. ging in dem W.'schen Hause zur Pflege 
der Kranken ab und zu, Fieber und Oedem währten nur 



3 Tfeige, die PQfse waren nur sehr mäfsig geschwollen, den- 
noch klagte Patient noch nach 14 Tagen über Mattigkeit 
und Schwere in denselben. 

11. Marie F., Köchin, Domäne Warmsdorf, später 
in der Zackerfabrik. 9. Decbr. Klagt seit einigen Tagen 
6ber Magenbeschwerden, Diarrhoe. Gegenwärtige Symp- 
tome: Fieber, Brustbeklemmung, Anschwellung des Gesichts, 
besonders der Augenlider. Scbweifse, Rückenschmerz, 
Schmers nach dem Veriaufe der Intereostalnerven. Steifig- 
keit der Arme und Beine nebst Oedem der letztern Gber- 
daoem das Fieber, das erst am 26. Febr. nach längerem 
Gebraache der Digitalis aufhört — losuffic. valvul. cord. '— 
In der Reconvalescenz starkes und lang dauerndes Ausfal- 
len des Haupthaars. 

12. Verwalter T., Domäne Warmsdorf, erkrankt am 
10. Dec Fieber, Magenkatarrh, Stuhlverstopfong. 1 1 . De- 
cember heftiges Fieber, Scbweifse, Augenlider und Wangen 
ödematös. 12. Dec. Fieber und Oedem geringer. Patient 
reist noch an demselben Tage nach Hause» wo seine Krank- 
heit als Wassersucht diagnosticirt wird und von da er nach 
3 Wochen zurückkehrt 

13. Verwalter W., Domäne Warmsdorf, erkrankt am 
12. Seit 8 Tagen Gastricismus ; jetzt Brechneigung, Diar- 
rhoe, Fieber; Ord. Pulv. Doweri. Aip 16. Gesicht geschwol- 
len, heftige Scbweifse. Darmausleerung stockt. Angst, De- 
lirien. Kein Typhus - Exanthem. Pat. bleibt bis zum 28. 
im Bett, da er nach dem Aufhören des Fiebers äufserst 
sehwach auf den fibrigens wenig geschwollenen Beinen sich 
fühlte. Pat emer der am gefährlichsten Erkrankten. 

14. Hausmädchen Marie K., 10 Jahr alt, Domäne 
Warmsdorf, hat No. 1., 8. und 9. gepflegt, erkrankt plötz- 
lich am 12. Dec anter Fieber und Anschwellung des Ge* 
sicbts. HefUge Angst und Scbweifse. Schmerz längs der 
Intereostalnerven, der Arme nnd Beine; starke Geschwulst 
der letzteren. Die Arme in der Vorderarmbeuge lange Zeit 
gekrümmt. Fiebert noch am 28. Dec Bin Herzfehler wie 
bei ihrer Matter (No. 10.). Entlassen am 12. Januar 1862. 
Aasgehen der Haare and Steifigkeit der Beine dauert noch 
lange. 

15. Verwalter G., Domäne Warmsdorf, von sehr kräf- 
tiger Gonstitation , erkrankt nach einem scharfen Ritt am 
15. Dec. unter heftigem Fieber am 16. Dec. Schmerzhaf- 
tigkeit der Wirbelsäale, der Arme und- Beine. Anschwel- 
lung- des Gesichts. Schweifs. Patient versieht am 21. De- 
cember wieder seinen Dienst. 

16. Karl W. in Warmsdorf, Direktor der Zuckenfa^» 
brik, leidet seit dem 1. December an Darmkatarrb, Diar» 
rhoe, die dnreh Rothwein besehigt wird, befindet sich etwa 
8 Tage lang wohl. 17. Decbr. Fieber, Anschwellung- des 
Gesichts, später auch der ontem Extremitäten, Schlaflosig- 
keit, Beklemmung, Scbweifse. Der Zustand daaert bis ge- 
gen die Mitte des folgenden Monats, Verstopfung and Diar*' 



124- 



rboe, blutige Stühle wechaelo, Fat. magert anfserordentlicb 
ab, sein Gang ist Doob gegen Ende Januar 9ehr ansiober, 
sein Haar geht aus. 

17. Otto W., Amtmann, Domfiue Amesdorf, 29 J. 
alt, hat, wie sein Brader (No. 16.)f schon am 1« Dec. an 
Darmkatarrh gelitten. Am 16« Oedem des Gesichts, Fie- 
ber, Schweifse, Fat will nicht im Bett liegen. Die Füfse 
schwellen; das linke Bein insbesondere ist schwach und wie 
«n knrs. So bis cum 23« Dec., wo Fat. das Zimmer wie- 
der verlfisst. 

18. Frau Amtmann W., Domfine Amesdorf, Fuerpera 
seit 3 Wochen, hat seit dieser Zeit kanm ihr Zimmer ver- 
lassen« Am 17. December plötslicher Fieberanfall. An- 
schwellang des Gesichts, Schmerz in den Rückenwirbeln, 
Steifigkeit der Arme, heftige Schweifse. Der Znstand dauert 
drea 8 Tage, w&hrend welcher Fatient das Bett nicht ver- 
Ifisst; sie befindet sich w&hrend der Reconvalescenx besser, 
als die Andern« 

1 9. Frau Ffarrer S„ Mutter der vorigen, Dom« Ames- 
dorf, fiebert am 16. Dec; das Gesicht ist geschwollen am 
17. Fat. verweilt einige Tage im Bett, ist dann fieberfrei, 
fühlt indess noch Wochen lang eine Schwfiche in den et- 
was odematösen Beinen. 

^Schlass folgt.) 

Ochsengalle gegeo den Bandwurm. 

Vom SanitätBrath Dr. Löwenthal in Berlin. 

Zur Anwendung dieses Mittels wurde ich durch fol- 
gende Mittheilung einer Dame veranlasst, die sehr viele 
Jahre mit dem Bandwurm behaftet war. Nachdem sie meh- 
rere bewährte Aerzte wegen dieses Uebels an Rathe gezo- 
gen, und viele Arzneien ohne danernden Erfolg gebraucht 
hatte, entschloss sie sich, aof den Rath einer Freundin, 
Karpfengalle zn nehmen. Nach deren Stagigem Gebranche 
versicherte sie mich, dass diese das erste Mittel sei, was 
ihr seit Jahren wirkliche Linderung verscha£ft habe. Der 
Analogie gemäfs schlug ich derselben, anstatt der Karpfen* 
galle, die Ochsengalle vor, weil letztere leichter zu bescbaf* 
fen, und nach meiner Ansicht ebenso wirksam sein müfste. 
Ich verordnete, weil es zur Sommerzeit war, die eingedickte 
Galle in folgender Form: Fell, tauri insp. 3ij, Aqu* flor* 
Chamom. ^v. Vor- und Nachmittags einen £sslöffel voll. 
Nach einiger Zeit erfuhr ich zn meiner Frende, dass diese 
Galle eine eben so gute Wirkung hervorgebracht habe« 

Auf diese Erfahrung mich stützend wendete ich dieses 
Mittel mehrere Mal gegen den Bandwurm an» und fast im- 
mer mit demselben guten Erfolge; auch habeich bereits in 
der Hnifelandschen Gesellschaft, in der Sitzung am 26. Juli 
1850, wo ich über die Wirksamkeit der Ochsengalle gegen 
verschiedene Unterleibs • Krankheiten sprach, insbesondere 
dieser als ein vortreffliches Mittel gegen den Bandwurm er- 
wühnte* 



Da ich seit jener Zeit mehrfach Gelegenheit halte^ 
meine frühem Erfahrangeu bestitigt za finden, so erlaube 
ich mir, meinen geehrten Herren CoUegen auf diesem Wege 
Kenntniss davon zu geben, und füge nur noch ein Faar 
hierher gehörige Krankheitsfälle hinzu, welche mir in jung* 
ster Zeit in der Fraxis vorgekommen sind. 

Ein 40jSMger alter Mann, von mittlerer hagerer Sta- 
tur, mit gelblicher Hautfarbe, litt an folgenden Digestiona- 
Beschwerden: Uebelkeiten, Erbrechen, Schmerzen im Leibe, 
besonders um die Nabelgegend, und Obstmctionen. Gegen 
dieses deutlieh erkennbare Leberleiden verordnete ich foK 
gende Fillen: Fell, tauri insp., Extr. Aloes acido sulph. 
corr. Fnlv. R., Rhei opt., Natr. carb. sicc. aä 5ß. Mf. pill. 
pond. aeq. No. 60. DS. Morgens und Abends drei bis vier 
Stock zn nehmen. Nach dem Gebrauche derselben trat, 
nach nngef&hr acht Tagen, nicht nur ein bedeutender Nach- 
läse der früheren Beschwerden ein, sbndern es gingen ihm 
auch einige Bandwnrmenden ab, von denen er früher keine 
Spur wahigenommen hatte. Dies bestimmte mich ihn fri- 
sche Ochsengalle gebrauchen zu lassen, Vor- und Naehmit« 
tags einen Essloffel voll mit Chamomillen-Thee, er verlor 
noch mehrere Bandwürmer und befindet sich gegenwärtig 
ganz wohl. 

Eine ungefähr 35jährige verheirathete Dame, Mutter 
mehrerer Kinder, litt nach ihrer letzten Entbindung an Ver- 
dauungsbeschwerden, und in deren Folge an Verstopfungen 
des Leibes, gegen welche ich ähnliche Fillen, wie die eben 
angeführten, verschrieb. Bei bald eintretender ßesserong 
theilte sie mir mit, dass sie mehrere Bandwnrmenden ver^ 
loren habe. Sie gebrauchte diese Fillen noch eine Zeit 
lang fort und ist jetzt völlig genesen. 

Brand durch Froste 

Ein rüstiger Bergmann, 32 Jahr alt, kommt des Abends 
aus der Grube mit vom Grubenwasser dnrchnässten Bein- 
kleidern nnd Stiefeln, und legt bei schneidend kaltem 
Winde den gegen drei Viertelmeilen weiten Weg in seine 
Behausung zurück. Am folgenden Tage gelangt er ins La- 
zareth. An den Ohren und an beiden grofsen Zehen be- 
finden sich vom Froste entstandene Brandblasen, anch die 
Vorhaut rings um die Eichel, nnd diese selbst sind gefro- 
ren. Die genannten Stellen werden später brandig, kohl- 
schwarz, mumificiren und stofsen sich ab ; die Vorhaut geht 
verloren, und von der Eichel trennt sich in Form einer 
Kappe ron 3 Linien Dicke eine Schicht, so dass dieselbe 
einen bedeutenden Defekt zeigt. 

(Aus den 'Sanitäts-Berichten des Reg.-Bezirks Oppeln.) 

Eilner, 



126 



Was leisten Lippspringe nod loselbad io der 
LoDgentoberkolosef 

FoB Dr. Hdrling in Paderb^ra. 
(Schlass.) 

Die meisten Eraoken, welche Lippspringe besochen, 
leiden an Langentaberkalose. Das Trinken des Wassers 
wirkt bei ihnen nicht anders, wie bei denen, welche an Ple- 
thora abdominalis und an Katarrhen der Respirationsorgane 
in Folge von Unterleibsblutfulle leiden. Daher ist das Trin- 
ken des Lippspringer Wassers nar den Lungentuberkelkran- 
ken von Natzen, die eine milde aber gleicherzeit konsequente 
Ableitung auf die Unterleibsorgane, namentlich auf den Darm- 
kanal and seine annexen Gebilde vertragen. Es sind die- 
ses jene Kranken, die noch eine gute Snmme von Erfiften 
besitzen und bei denen sich noch keine Erscheinungen von 
Eolliqnation eingestellt haben. Diese Patienten haben di- 
rekt einen dreifachen Nutzen von der Quelle zu erwarten. 
Erstens bewirkt das Wasser die Abnahme und oft das gänz- 
liche Verschwinden des die Tuberkulose begleitenden Lun- 
genkatarrhs, zweitens verhindert und beseitigt es die Ent- 
zündungen des Lungenparenchyms in der Umgebung der 
Tuberkelablagerungen und beugt dadurch der Zerstörung 
der Lungen möglichst vor, drittens verhindert die Trinkkur 
neue Tuberkelablagerungen. Alle diese Wirkungen werden 
durch die specifike Tendenz des Wassers, den Säftestrom 
nach und durch die Unterleibsorgane abzuleiten, hervorge- 
rufen. Denn sowohl der tuberkulöse Lungenkatarrh, als die 
partiellen Lungenentzündungen als auch die Nachschübe der 
Tuberkeln gehen mit einem Orgasmus des Bluts nach den 
Lungen vor sich, und da dieser durch das Lippspringer 
Wasser von den Lungen nach den Unterleibsorganen gelei- 
tet wird, werden jene von der gefährlichen Richtung des 
Blutstroms befreit. Es ist möglich und sogar wahrschein- 
lich, dass die Säftemasse zugleich durch die vermehrte und 
▼eränderte Ausscheidung aller Sekretionsorgane eine der 
Tuberkelbildung ungünstige Mischung annimmt, dieses aber 
auf chemisch - physiologischem Wege nachzuweisen , ist bis 
jetzt nicht möglich. Gewiss ist jedoch, dass Tuberkelkranke 
anter diesen Verhältnissen sich stets in Lippspringe besser* 
ten, bisweilen vollständig genasen. Die Ableitungen durch 
die Unterleibsorgane schwächen den Kranken höchst selten, 
denn sie sind milde und der Gehalt des Wassers an Eisen 
▼erhindert die Erschlaffung des Bluts und der Faser. Da- 
hingegen bewirkt der Eisen- and Kohlensäuregehalt bei ir- 
ritablem Gefäfssystem nicht selten raschern and vollen Puls- 
schlag, und in diesen Fällen liegt namentlich in den ersten 
Wochen der Kur die Gefahr des Bluthustens nicht fern. 
Vermieden kann diese Gefahr werden, wenn die Kranken 
anfangs kleine Portionen Wasser mit Milch oder Molken 
▼ersetzt trinken, dabei fleifsig inhaliren und im Nothfalle 



nebenbei ein kühlendes, beruhigendes Mittel gebrauchen. 
Später, wenn erst die Ableitung auf die Unterleibsorgane 
einige Zeit stattgefunden hat und fort und fort stattfindet» 
ist die Gefahr des Blutspeiens kaum noch vorhanden. Bei 
vielen Tuberkelkranken wird das Herz in seiner rechten 
Abtheilung durch Erschwerung des kleinen Kreislaufs mas- 
sig erweitert und diese Erweiterung dehnt sich dann allmä- 
lig auf das ganze Venensystem aus. Man sieht bei solchen 
Kranken namentlich die Venen der Brustwand ausgedehnt 
oft bis in die feinen Capillaren, und es zeigen sich aach 
Erscheinungen von Plethora abdominalis, die sich als Mo- 
limina haemorrhoidalia und als oft sehr hartnäckige Dys- 
pepsien bekunden. In diesem Falle ist das Trinken des 
Lippspringer Wassers besonders angezeigt, indem es ver- 
möge seiner specifiken Wirkung auf die Unterleibsorgane 
diese Venosität beseitigt und die leidenden Organe von dem 
lastenden Drucke befreit. Die Erfahrung lehrt uns^ dass 
bei solchen Kranken bisweilen von selbst erleichternde Hä- 
morrhoidalblutungen oder auch Mastdarmiisteln entstehen, 
die zur Erhaltung und Erleichterung der Kranken wesent- 
lich beitragen und die Furcht vor operativer Heilung der 
Mastdarmfisteln in solchen Fällen ist nicht ungegründet. 
Diese venösen Tuberkelkranken bekommen in der Regel 
durch das Trinken des Lippspringer Wassers erleichternde 
Hämorrhoidalblutungen , die sichtbar angeschwollenen Ve- 
nen fallen zusammen, die Dyspepsie verschwindet, nament- 
lich aber werden die Lungen freier und Bluthusten ist bei 
diesen Kranken nach dem Gebrauche des Lippspringer Was. 
sers nicht zu furchten. Man gewahrt deutlich an solchen 
Kranken, wie sie allmälig arterieller, blühender und kräfti- 
ger werden. Sind jedoch bei dieser Art von Kranken be- 
reits kolliquative Erscheinungen vorbanden, dann kann ich 
das Trinken nicht empfehlen. Sobald überhaupt die Kran- 
ken in ihren Kräften bedeutend reducirt, sobald die Zeichen 
der beginnenden Körperauflösung eingetreten sind, wird das 
Lippspringer Wasser mehr als ein Remedium anceps. Sol- 
che Kranke vertragen keine Vermehrung der Ausscheidun- 
gen, bei ihnen muss alles aufgewandt werden, den Stoff- 
umsatz zu verlangsamen. Hier sind es die Inhalationen, 
welche das Mögliche leisten. Ich werde hierüber weiter 
anten das Nähere mittheilen, zuvor über das Trinken des 
Inselwassers in der Lungentuberkulose. 

Das Wasser der Inselquelle ist ärmer an festen Be- 
standtheilen als das Lippspringer Wasser, und statt der 
schwefelsauren Salze in Lippspringe herrscht hier das Koch- 
salz vor. Die Wirkungen des Inselwassers auf den Orga- 
nismus treten sehr gelinde auf. Hauptsächlich wird der 
Urin sowohl in seinen wässerigen als festen ßestandtheilen 
vermehrt, auf die Vermehrung der Hautausdünstung wirkt 
es in geringem Grade, und der Stuhlgang hält es eher zu- 
rück, als dass es ihn anregt. Gongestionserscheinungen nach 
den Beckenorganen werden seltener und nie in so hervor- 



1 



126 



Stechender Weise als in Lippspringe beobachtet. Dahinge- 
gen bernhigt das Inselwasser den Pols nnd Bluthusten er- 
regt es nie, ea scheint vielmehr ein ansgeseichnetes Mittel 
gegen dieses Leiden zu sein, zarte, floride Lungentuberkel- 
kranke, die leicht zu Pnlserregungen und Bluthusten nei- 
gen und freie Unterleibsorgane haben, können mit Nutzen 
das milde Inselwasser trinken. Das Lippspringer Wasser 
passt also im Gegensätze für noch kr&ftigere Kranke und 
far solche, bei denen sich ünterleibsstockungen , Leberan- 
schoppungen, selbst Fettleber, Dyspepsien und allgemeine 
Venosit&t neben der und durch die Tuberkulose entwickelt 
zeigen^ wfihrend das Inselwasser für zarte, floride, arterielle 
Constitutionen passt. 

Die Analyse der beiden Quellen zeigt, dass sie ein Gas 
in ganz besonderer Menge beigemischt enthalten, wie es 
keine andere Quelle in Europa aufser der Hidalgo -Quelle 
zu Portokosa in Arragonien hat, n&mlich das Stickstoffgas. 
Die Untersuchung des Gases der loselquelle hat ergeben, 
dass es sich in positiv elektrischer Spannung befindet, ich 
▼ermuthe dasselbe von der Lippspringe Quelle und werde 
demnächst auch dort die Untersuchung einleiten. Ob das 
dem Wasser beigemengte Stickgas mit dem Wasser getrun- 
ken eine besondere pharmakodynamische Wirkung entfal- 
tet, weifs ich nicht, nur das habe ich beobachtet, dass nach 
dem Trinken des Inselwassers die Athemzuge bei gleicher 
Tiefe vermehrt werden. Die Ursache dieser Erscheinung 
scheint mir eben das Stickgas zu sein. Das Gas wird mit 
dem Wasser zugleich in das Blut aufgenommen, und da 
hierdurch der Stickstoffgas-Gehalt desselben über das Nor- 
male erhöht wird, sucht sich das Blut davon wieder zu be- 
freien, die Lungen sind dazu die passendsten Organe und 
vermehrte Respirationsthätigkeit ist die Folge davon. Wird 
das Gas bald nach dem Trinken durch Aufstofsen aus dem 
Magen geworfen, so erfolgt keine Vermehrung der Athem- 
zuge. An beiden Badeorten sind geschlossene Räumlich- 
keiten eingerichtet, die zur Entwicklung und Aufnahme der 
Quellengase dienen, und zwar wird das Wasser an beiden 
Orten direkt aus der Quelle über ein Gradirwerk geleitet, 
auf dem Inselbade befindet sich noch ein Gas - Recipient, 
der das aus der Quelle frei ausströmende Gas beständig 
aufnimmt und während der Inhalationszeit in das Inhala- 
tioDSzimmer einströmen lässt. Die Errichtung eines solchen 
Recipienten in Lippspringe blieb bis jetzt ein pium deside- 
rinm, ist aber im Interesse der Kranken sehr zu wünschen. 
Die meisten der Tuberkelkranken benutzen diese Inbala- 
tionsräume, «im die aus dem Wasser strömenden Gase täg- 
lich stundenlang einznathmen. Ich habe die Wirkungen die- 
ser Inhalationen nun J7 Jahre lang mit Vorliebe an Kran- 
ken klinisch beobachtet und habe auf dem Inselbade an 
vier gesunden Personen und an einer Anzahl von Kranken 
die Wirkungen chemisch- physiologisch geprüft, und glaube 
deshalb ein etwas wiegendes Urtheil über die Inhalationen 



abgeben zu können. , In meiner Broschüre „über die Wir- 
kungen des Bades Lippspringe und des' Inselbades, Psder- 
born bei F. SchÖDingh'' habe ich meine Beobachtungen 
und Prüfungen bis zum Jahre 1858 ausführlich niederge- 
legt, und verweise ich den, der sich dafür näher interesiirt, 
auf dieses Werkchen. Seit der Zeit habe ich die Prüfan- 
gen jede Saison fortgesetzt und werde ich die Resoltate 
hier in Kurze mittheilen: 

1 ) Der Puls sinkt immer beim Gebrauche derselben und 
zwar bis zu 12 Schlägen in der Minute. 

2} Ebenso sinkt die Hauttemperatur bis zu |- * C. bei 
Gesunden und Kranken. 

3) Die Athemzuge werden bei Gesunden und Kranken 
um ein Drittheil tiefer. Während z. B. bei einer ge- 
sunden Person die ausgeathmete Luft im Inhalatious- 
zimmer in einer bestimmten Zeit 10,628 C.-ZoU be- 
trug, erreichte sie in einem gewöhnlichen Zimmer nur 
7,167 C.-ZoU, also 3,461 C'-Zoll weniger. Es tritt 
dadurch eine unwillkürliche Gymnastik der Lungen ein. 

4) Das Nervensystem wird beruhigt. Es äufsert sich die- 
ses bei den Kranken durch Abnahme des krampfhaf- 
ten Hustens und durch guten Schlaf. 

5} Die Hautausscheidung nimmt ab. 

6) Die Urinmenge und namentlich die Ausscheidung des 
Harnstoffs und des Kochsalzes nehmen bedeutend 
ab. Im Durchschnitt werden bei einer dreistündigen 
Iphalation täglich 4 — 5 Grammes Harnstoff und 3—4 
Grammes Kochsalz in 24 Stunden weniger ausgeschie- 
den, als ohne den Gebrauch derselben. 

7) Die Inhalation ist ein treffliches Expektorans, Wahr- 
scheinlich bewirken dieses die tiefern Athemzuge, die 
Luft dringt tiefer in die Lungen ein und lockert und 
löst die Sputa beim Ausathmen. 

8) Sie verhindert die Gewichtsabnahme des 
Körpers selbst bei schweren Lungenkran- 
ken, erhöht aber das Gewicht bei weniger 
schweren Kranken. Die Zunahme des Gewichts 
ist oft aufser ordentlich rasch und bedeutend. So habe 
ich viele Lungentuberkelkranke im sogenannten Isten 
Stadium behandelt, die bei alleinigem Gebrauche der 
Inhalation in der Woche 5 Pfund an Gewicht zunah« 
men. In der ersten Woche der Kur ist die Gewichts- 
zunahme am auffallendsten. Diese Oewicbtssunahme 
ist immer das untrüglichste Zeichen der Besserung, 
mit ihr nehmen alle krankhaften Erscheinungen gleich- 
zeitig ab. 

Die Jnhalation wird gewöhnlich mit der Trink-, io 
manchen Fällen auch mit der Badekur verbanden. Es ge- 
schieht dieses im Allgemeinen von den Kranken, welcbeo 
das Trinken der Mineralquellen zusagt, und ich verweise 
hier auf das, was oben über den innern Gebrauch der Mi- 
neralquellen gesagt ist. Die Inhalation koH*igirt zwei we- 



127 



Biger Tortheilhafle Wirkangen <k» Triakeos, enteot aim« 
lieh die sa starke HaoUkBSdaostiiDg ood die fibermfiCtige 
AoBseheidang des HarnstoffB, zweitens die Aofregong des 
OefäfM^etiis, die bei rcnbairen Krankeo darch das Trin- 
ken des Lipptpringer Wassers herrorgemfen wird* lob habe 
diese Tbatsacbe bei meinen cbeiniseb-pbjsiologiscben Prü- 
fnngen an Gesunden nnd Kranken bestitigt gefanden. .Die 
Wirkung des lipp^Mringer Wassers anf den Tractos ioter- 
stitialis, auf die Leber nnd HftmorrlM>idalgef&fse wird dnroh 
die Inbalatioa nicht beeintr&ohtigt. 

Der alleinige Gebrauch der Inhalation mnss nach mei- 
nen Erfahrungen bei denjenigen Kranken stattfinden, wel- 
che fort nnd fort selbst bei genügender Nahrungssufnhr nnd 
dem Mangel von kolliqnatiren Erscheinungen abmagern, 
ferner bei allen Kranken, die bereits zu Colliquationen nei- 
gen. Solche Kranke vertragen durchaus keine Mittel mehr, 
welche die Ausscheidungen anregen, bei ihnen gilt es, eine 
möglichst konservative Kur zu gebrauchen, und eine solche 
Kur ist die lubalationskur. Ich habe durch schlimme Er- 
fahrungen gewitzigt in den letzten Jahren bei derartigen 
Kranken nur inhaliren lassen, und habe damit die erfreu- 
lichsten Resultate erzielt. Mir ist mancher Kranke zuge- 
sandt worden, dessen Zustand in dem Begleitbriefe des 
Hausarztes als wohl hoifnungslos bezeichnet wurde; aber 
der alleinige Gebrauch der Inhalation st&rkte die Kranken 
80 bedeutend, vermehrte das Körpergewicht in so ao£fallen- 
der Weise und drängte alle Erscheinungen der Krankheit 
so sehr zurück, dass die CoUegen hinterher dankbar schrie- 
ben, die Kur habe geradezu Wunder gewirkt. Auch blieb 
in solchen glucklichen Fällen die Wirkung nicht auf die 
Dauer der Kur beschränkt, sondern sie erhielt sich und die 
Kranken wiederholten den Besuch mehrere Jahre hinterein- 
ander mit fortdauernder und steigernder Besserung bis zum 
vollständigen Erlöschen jeder krankhaften Erscheinung. Es 
ist naturlich, dass die Inhalationskur um so mehr Aussicht 
auf Erfolg hat, je weniger in- und extensiv die Krankheit 
vorangescbritten ist; aber selbst in den verzweifeltsten Fäl- 
len zeigte sie sich noch wirksam, indem sie den Schmel- 
zungsprocess aufhielt. AUe Tuberkelkraake müssen die 
Kur recht lange fortsetzen, zum mindesten den ganzen Som- 
mer über, wo möglich selbst im Winter. Mehrere Kranke 
haben bereits in Lippspringe Winterkuren mit Glflck durch- 
gemacht. 

Es erSbrigt, noch einige Worte über das Baden zu sa- 
gen. An beiden Orten werden Wannenbäder an Lungen- 
kranke verabreicht von 26 — 28 Grad R. Wärme. Sie wer- 
den von allen Kranken vertragen, denen auch das Trinken 
ansagt. Das Gefäfs- und Nervensystem werden durch die- 
selben beruhigt, sie erleichtern die Expektoration und ver- 
mehren im geringen Grade die Haut- und Nierenausscbei- 
dnngen. Es ist gut, wenn dem Bade einige Pfund Koch- 
salz zugesetzt werden, die Haut wird dadurch mehr gereizt 



und blutreicher, und der Kranke widersteht dndurch den 
Erkältungen eben Zwei bis drei Bäder in der Woehe sa- 
gen am besten zu. Tnberkelkranke mit ausgedehnten Ab- 
lagerungen ertragen die Bäder nicht, weil sie von Suffoka- 
tionaerscheinungen und starkem Herzklopfen in denselben 
befiallen werden, Blathuster bekonunen leicht Bluthusten 
im Bade» und Kranke im kolliqnativen Stadium können die 
Anstrengungen und die durch das Bad hervorgerufenen ver- 
mehrten Ausscheidungen nicht vertragen. 

Schliefsüch meinen Gollegen zur Nachricht, dass ich 
zur Consultation von Kranken auf dem Inseibade des Mor* 
gens von 8 — 10 und in Lippspringe des Nachmittags von 
4—7 zugegen bin. 

TagesereigHisfie «nd aaderweite Hittheilnngen« 

— Wochenbericht der hiesigen Öffentlichen Kran- 
kenhäuser: 

Bentaxid Wöchl. Wöchl. hierunter BesUod 
4. April Zugang Abgang Todesfälle II April 
Bethanien .... 239 29 23 4 245 

Hedwigs -Krankenh. 204 39 52 5 191 

Elisabeth -Krankenh. 80 6 13 1 73 

Jüdisches Krankenh. 49 3 10 ^ 42 



dasn öbarite 



572 
1325 



77 98 



10 



551 
1357 



1897 1908 

In Bethanien waren Lungen- und Brustfellentzündun- 
gen, und im Hedwigs -Krankenhause entzündliche Brustaf- 
fektionen vorherrschend. 

— Nach einer Zeitungs-Korrespondenz aus Aachen ent- 
hält die von der Bonner Zeitung gebrachte, angeblich ei- 
nem Privatscbreiben aus Aachen entlehnte und von andern 
Blättern wiederholte mjstificirende Notiz, in Betreff einer 
von der dortigen Polizei -Behörde ausgegangenen Bekannt- 
machung des Inhalts, dass man sich beim Rauchen von 
Cigarren aus hiesigen Fabriken der Vorsicht halber einer 
Cigarren spitze bedienen möge, indem aus einer hiesigen Fa- 
brik circa 40 syphilitisch-kranke Frauenzimmer eingezogen 
worden seien, kein wahres Wort und sind bereits Schritte 
geschehen um den böswilligen Urheber dieser sonderbaren 
Verleumdung zur gerichtlichen Verantwortung 9U ziehen. 
Inzwischen hat auch die dortige Königl. Polizei • Direktion 
folgende Erklärung darüber durch die Aachener Zeitung 
veröffentlichen zu müssen geglaubt, deren möglichste Ver- 
breitung im Interesse der Wahrheit gewünscht werden muss. 

Bekanntmachung. 

Die Nummer 89. der Elberfelder Zeitung enthält einen 
der Bonner Zeitung entnommenen, die Interessen der hie- 
sigen Cigarren-Fabrikanten gefährdenden und in seinen that- 
sächlichen Behauptungen durchaus unwahren Artikel. 



128 



leb erklftre daher: 

1 ) dftM es unwahr ist, dass Seitens der hiesigen Polisei- 
Behörde darch öffentliche Verkfindignng daraaf Aof« 
merksam gemacht worden sei, dass man sich beim 
Cigarrenraochen der Vorsicht halber einer Gigarren« 
spitze bedienen möge, indem ans einer hiesigen Fa- 
brik circa 40 Fraoenrimmer eingezogen worden seien, 
welche mit ansteckenden Krankheiten behaftet wären; 

2) dass nach den bei dem Militair ond sonst eingesoge- 
nen Erkundigungen die weitere Behauptung des Ar- 
tikels: „dass dem hiesigen Militair das Beziehen der 
Cigarren ans Aachener Fabriken sogar untersagt sei% 
eben so unwahr ist; 

3 ) dass das hiesige Hospital, worin syphilitische, von der 
Polizei aufgegriffene Dirnen untergebracht und kurirt 
werden, seit längerer Zeit nur einen geringen, sich 
ziemlich gleichbleibenden und noch nicht ein Drittel 
der angegebenen Zahl betragenden Bestand an solchen 
Kranken weiblichen Geschlechts hat, und dass augen- 
blicklich auch nicht eine einzige Cigarren -Arbeiterin 
sich daselbst in der Kur befindet; 

4) dass aufser den als liederlichen Dirnen bekannten, in 
Fabriken nicht beschäftigten Frauenspersonen in den 
letzten Monaten keine andere — geschweige 40 — 
aufgegriffen und nach dem Hospital gebracht worden 
seien; 

5) dass der Polizei von ei^er ungewöhnlichen Ausbrei- 
tung der Syphilis nach den eingezogenen Erkundigun* 
gen nichts bekannt ist. 

Ich ersuche diejenigen Blätter, welche obigen Artikel 
ganz oder theilweise gebracht haben, um gefällige Aufnahme 
dieser Erklärung. 

Aachen, den 4. April 1863. 
Der Königliche Landrath und Polizei- Direktor, 
Hafslacher. 

— In dem hiesigen Oewerkskranken- Verein, 
welcher im Jahre 1862 62868 Mitglieder zählte, wurden 
in demselben Jahre 4941 4 Kranke behandelt und 2099 der- 
selben in Krankenhäuser geschickt. Es starben von den 
Erkrankten 834, und zwar 417 in den Wobnungen, 368 in 
Krankenanstajten, 24 verunglückten bei der Arbeit, 1 wurde 
fibergefahren,.? ertranken, 1 stürzte aus dem Fenster, 1 
erstickte, 5 erschossen sich und 9 erhängten sich. 

— Ueber die Wirkung des vom Professor Friedreich 
gegen die Trichinen-Krankheit als Mittel vorgeschla- 
gene Kali und Natrum picronitricum stellte der Pro- 
sektor Dr. Fiedler zu Dresden Versuche an|^ Kaninchen 
an, die er in Virchow's Archiv veröffentlicht und die za 



folgenden Resnltateo f6hrteo: 1 > Das Kali und Natr. pi* 
eronilr. tödtet, selbst in mögliehst hoher Dosis gegeben, 
weder die Darm- noch die Muskel -Tilckiaen; 2) es ver- 
hindert die Einwanderung der Embryonen nieht nnd stört 
die Darmtrichinen in keiner Weise in ihrer Entwicklung. 
Bei den angestellten Versuchen starben die Kaninefaen 
eher als die Trichinen, ond glaubt F., dase bis jetzt die 
sicherste Therapie die von Zenker vorgeschlagene aeitige 
und energische Anwendung von Purgirmitteln sei, während 
die Therapie nichts mehr, vermöge, wenn die Trichinen den 
Darmkanal bereits verlassen haben* 

— Im BiCgierungs-Bezirk Co In waren 





1 


a . 


S 1 „ 
x •] S 


fe 


•3 


a 
o 

1 




s. 


3 l-l 


1- 


3 


^ 


< 


tS 


ulUmo 1862 ..... 


256 


22 


10 


'a 


38 


62 


253 


- 1861 


247 


25 


9 


6 


39 


61 


252 


es waren mithin 
















18621"®^^ 

(weniger . • . . 


9 


3 


1 


_^ 


1 


I 


1 



Im Begierungs-Bezirk Düsseldorf waren 



ultimo 1862 .... 
. 1861 . • . . 
es waren mithin 
[mehr 



1862 



weniger 



333 
327 


39 
40 


20 
21 


5 
5 


56 
53 


128 
127 


6 


... 


— 


— 


3 


1 


— 


1 


1 


— 


' — 


— 



447 
445 



— Im Regiemngs-Bezirk Coblens waren 



ultimo 1862 ... . 

ultimo 1861 ... . 

es waren mithin 



1862J°'*'" 



weniger 



138 
129 


30 
30 


6 
6 


1 
1 


14 
15 


[ 54 
53 


9 


— 


— 





— 


1 




4 


— 


— 


1 


— 1 



456 
423 



Anzeigen. 

Bei Th. Chr. Fr. Enslin in Berlin ist erschienen; 

Ophthalmologische Beiträge 

von 
Dr. R. Förster, 

Privatdocentea an der Univeraität zu Breslau. 

Mit Holssehnitten und 2 Kupfertafeln. 
1 Tbaler. 

Inliaiti 1« Metonaorphopsie, ein Sjmptom partiel- 
ler Schrumpfung der Retina. 

II« JfIiUrop«ie» 

III« Chorloldeiti« areolaris. 



Verlag von Th. Chr. Fr. Enslin (Adolph Enslin) in Berlin. — Gedruckt bei A. W. Schade in Berlin, StalUchreiberatr. 47 



Neae Folge. 
VI. Jahrgang, 



PREÜSSISCHE 



piMe Z«lto]ig tnohstat wSekMt'iek. 

Der Preii d«s gani«n Jahrgaiag«, wtleHtr 

niebt getrennt wird, iit 3 Tblr. 208gr. 



MEDICINAL -ZEITUNG. 

Herausgegeben von dem Verein fdr Heilkunde in Preussen 

nnter Benatzmig amtlicher Mittheilnngen des Königl. Ministeriums der geistlicheB, Unterriclits- 
ud Hedieinal-AngelegeBheiteB und der KQsigl. ProviBzial*Beli9rdeii. 

Redactenr: E. Haller, G«h. Medicmal-Rath etc. 



1863. 




11. 



20. April. 



Inhalt. Amtlicher Theil ; Personalien ; Bekanntmachung. — Trichinen - Krankheit. (Scblusa.) — Hemia complicata. — Geborts- 
ond Sterbe-Liate von Berlin für Monat März 1863. — Tagesereigniaae und anderweite Mittheilungen. — Literatur. — Anxeigen. 



Amtlicher TheiL 

Personftlim« 

Ansseichnimgen. 

Se. Majest&t der Eonig haben allergnädigst geruht, 
dem Assistenz - Arzt a. D. Poetzsch zu Magdeburg den 
Rothen Adler-Orden vierter Klasse, und 

dem Ereis-Phjsikns Dr. Butzke in Scbievelbein und 
dem praktischen Arzte Kreis- Wundarzt Dr. Moll in Nico- 
lai den Charakter als Sanitfitsrath zu verleihen. 

Anstellimgen. 

Der praktische Arzt Dr. Joesting ist zum Kreis-Phy- 
aikas des Kreises Erkelenz und 

der praktische Arzt Dr. Bit tu er zum Kreis- Wundarzt 
de« Kreises Poln. Wartenburg ernannt worden. 

IfiederlastnngeiL 

Der Ober-Stabs- und Regiments -Arzt Dr. Holzhau- 
sen hat sich in Rathenow, der Assistenz- Arzt Dr. För- 
ster in Friesack, Dr. Thomas und Dr. Fritze in Span- 
dau, Dr. Hfithe in Loslau, Dr. A. Nöthlichs in Lind- 
Jar and Dr. Staub in St. Wendel niedergelassen. 

Dr. Fleck ist von Friesack nach Magdebarg gezogen. 

Apotheken-Angelegenlieit. 
Der Apotheker Blas kuda hat die Krau se'sche Apo- 
theke in Betsche gekauft 



Todesf&lle. 
Der Direktor der Provinzial-Irren- Anstalt Dr. Hoff- 
mann io Siegburg, Dr. Schön in Oleiwitz, Dr. 6 raff in 
Trarbach, der Wundarzt Heinrich in liebenwalde und 
der Wundarzt Patein in Stettin sind gestorben. 

Offene Medidnal-Stalle. 
Die Kreis -Wundarzt -Stelle des Kreises Gladbach, 
Reg.-Bezirk Dnsseidorf, ist erledigt 

Dem hiesigen Sanitfitsrath und Direktor eines gymna- 
stisch-orthopfidischen Instituts Dr. H* W. Berend ist von 
Sr. Majestät dem Kaiser von Russland der St Annen-Or^ 
den dritter Klasse verliehen worden. 



Bekumtmaohmige 

Es zeigen sich im Schweinefleisch nicht selten Erschei- 
nungen, welche zum Theil zwar längst bekannt, jedoch erst 
in neuester Zeit richtig gewfirdigt, und als höchst gefahr- 
bringend für die menschliche Gesundheit erkannt sind. 

Diese Erscheinu'ogen sind die Finnen und die Tri- 
chinen des Schweines. 

Sowohl die Finnen als die Trichinen sind thierische 
Parasiten (Eingeweide- Wurmer, Bntozoen), und finden sich 
am hfiufigsten beim Schweine, kommen jedoch auch, wie* 
wohl viel seltener, bei andern Thieren vor. 

Beide Thiergattungen , Finnen wie Trichinen, haben 
die Fähigkeit, im menschlichen Körper, in welchen sie durch 



130 



den Oenass des mit ihnen behafteten FleiscbeB gelangen, 
sich weiter zu entwickeln, zu vermehren, and nach Um- 
ständen gefährliche Krankheiten herbeizuführen. Ja, der 
Genoss des trichioenhaltigen Fleisches hat sogar nicht sel- 
ten den Tod zar Folge gehabt. 

Wir sehen uns daher veranlasst, nachstehende Beleh- 
rang Gber diesen Gegenstand zor öfiPentlichen Eenntniss zn 
bringen. 

I. Finnen. 

Die Finnen zeigen sich bekanntlich als durchschei- 
nende, mit wässriger Flüssigkeit gefällte, meist erbsengrofse 
Blasen von elliptischer Form. Sie finden sich im Muskel- 
fleisch des zahmen und wilden Schweines, selbst im Her- 
zen und auch im Uirn und in den Aagen. 

Bei ihrer leicht erkennbaren Gröfse und oft sehr be- 
deutenden Menge im Schlacbtfleische könnten sie zwar der 
öffentlichen Aufmerksamkeit niöht entgehen; jedoch hat es 
lange gewährt, bis man in ihnen eine eigenthumlicbe Form 
der sogenannten Blasenwürmer (Cysticercus) erkannte. 
Und selbst dann noch hielt man dafür, dass das finnige 
Fleisch zwar ekelerregend, aber der menschlichen Gesund- 
heit nicht direkt nachtheilig sei. 

Diese Annahme ist jedoch irrig. Es ist vielmehr neuer- 
dings durch zahlreiche und übereinstimmende Beobachtun- 
gen erwiesen, dass die Finne nichts anderes, als die 
Scolex (die Larve) eines Bandwurmes ist; und 
dass sich aus ihr dieser Wurm in dem Darmka- 
nal des Menschen ausbildet, welcher die, noch 
nicht getödtete Finne mit dem Fleisch, in dem sie 
sitzt, genossen hat. 

Eine sichere Tödtung dieser Blasen würmer findet nur 
durch die Siedhitze statt. Wenn daher finniges Fleisch, 
welches völlig gar gekocht ist, seine Fähigkeit den Band- 
wurm zu erzeugen, verloren bat, so giebt es dennoch vie- 
lerlei Wege, auf denen die Inficirung des Menschen mit 
demselben erfolgen kann. Vor allen sind diejenigen Per- 
sonen dieser Gefahr ausgesetzt, welche mit rohem finnigen 
Fleische hanthieren, und, wie in den Schlächtereien und 
Küchen häufig geschiebt, bei der Zubereitung gewisser 
Fleisch waaren resp. Speisen, als Würste, Elofs- oder Pa- 
stetenmasse, zur Prüfung des Salz- oder Pfeffergehalts von 
dem rohen Fleisch kosten, oder solches wohl gar aus Wohl- 
geschmack verzehren. Aber auch das blofse Einbringen 
der mit Finnen beklebten Finger oder Messer in den Mund, 
oder die Besudelung des Brodes oder anderen, gesunden 
Fleisches mit solchen Fingern oder Messern kann die ge- 
dachte Gefahr herbeiführen. 

Wahrscheinlich, aber nicht sicher erwiesen ist 
es, dass die Finnen auch durch starke Austrocknung, also 
durch Pockeln und Räuchern des Fleisches getödtet, und 
somit unschädlich werden. Jedenfalls bleibt der Genuss 
einer rohen, nur schwach gesalzenen, nicht genügend aus- 



getrockneten und schlecht geräucherten finniges Fleisch' 
waare, als Schinken und Cervelatwurst, verdächtig. 

II. T r i c h i n e n. 

Die Trichinen sind ganz kleine, fadenförmige Warm- 
eben, w^che spiralförmig aufgerollt, entweder frei, oder in 
kleinen Blasenräumen (Ljfsen) eingekapselt, im Maskelflei- 
sehe vorkommen. 

Diese Lyfsen haben eine bald längliche, bald rundliche 
Gestalt. Für gewöhnlich sind sie indess dem blofsen Aage 
nicht sichtbar, besonders wenn sie in nur geringer Menge 
vorhanden sind; und nur da, wo das Fleisch mit ihnen 
durchweg angefüllt ist, sind sie auch ohne Anwendung des 
Vergröfserungsglases zu erkennen. Ein solches Fleisch hat 
sodann auf der Schnittfläche das Ansehen, als wenn es mit 
feinem weifsen oder graulichen Zwirn durchnäht, oder als 
wenn in ihm feine Hirsekörnchen eingestreut wären. Diese 
feinen weiHslichen Fädchen oder Körnchen sind die einge- 
kapselten Trichinen. Sobald sie durch den Oenoss solches 
Fleisches in den Magen gelangen, werden die kalkartigeo 
Eäpselchen durch die Verdauung aufgelöst, die Würmchen 
befreit, und nun bewegen sich diese fort, und gelangen in 
den Darm, in dessen Falten sie sich festsetzen. 

Hier erfolgt in kurzer Zeit, in wenigen Tagen — ihre 
Ausbildung, Wachsthum und eine fast unglaubliche Vermeh« 
rung. Die jungen Wfirmchen beginnen nach wenigen Ta- 
gen bereits ihre Auswanderung aus dem Darm, dessen 
Wände sie durchbohren, und gelangen von dort aus in die 
Muskeln des ganzen Körpers. EHer werden sie innerhalb 
der einzelnen Muskelbündel und zwischen den Muskelfasern 
wiederum mit einer kalkhaltigen Hülle eingekapselt. 

In diesem Zustande der Einkapselung sind sie für den- 
jenigen, der sie beherbergt, zwar unschädlich, desto gefähr- 
licher aber ist die Zeit ihrer Einwanderung in den Darm, 
die Auswanderung der Jungen aus dem Darnae, und die 
Wanderung der letzteren in die Muskeln des Unglücklichen, 
der von trichinen - haltigem Fleische gegessen hat. Denn 
man findet in einem halben Pfunde solchen Fleisches mit- 
unter 300,000 bis eine halbe Million Trichinen, und bei der 
ungeheuren Vermehrung dieser Thiere kann man ihren Nach- 
wuchs schon nach einer bis anderthalb Wochen auf 18 — 
20 Millionen berechnen, welche als Junge Brat den Darm 
ihres Wirths auf selbstgebahnten, widernatürlichen Wegen 
verlassen, und sich allmälig, zwischen den Zellgewebsscbei- 
den der Muskeln fortwandernd , in diese selbst hineinbe* 
geben. 

Diese Würmeben sind zuerst vor etwa 30 Jahren in 
menschlichen Leichen, von englischen Aerzten zufällig ent- 
deckt worden. Aber kaum drei Jahre sind es, seitdem man 
erkannt hat, dass die Trichinen die höchste Gefahr, ja den 
unter den schrecklichsten Qualen erfolgenden Tod des Men- 
schen, der von trichinen - haltigem Fleische genossen , and 



131 



swar biDBen wenigen Wochen, herbeiföbren können. In 
neuester Zeit haben sich die Beobachtangen hierüber so 
Teraiebrt, dass' es an der Zeit ist, die öffentliche Aafmerk- 
samkeit auf dieses gefährliebst« aller Schmarottertbiere su 
lenken. Von den beobachteten F&llen heben wir nachste- 
hende herror. 

1} Am 20. Januar 1860 wurde ein 20jähnges bis da- 
hin gesundes Dienstmädchen im Leipziger Stadt -Eranken- 
hause aufgenommen. Gegen Weihnachten hatten sie ange- 
fangen zu kränkeln, von Neajahr ab das Bett hüten müs- 
sen, und litt damals an heftigem Fieber und allgemeinen 
Gliederschmerzen, der Leib war aufgetrieben und schmerz- 
haft, Arme und Beine steif, gekrümmt, äufserst schmerz- 
haft, und nach kurzer Zeit anschwellend. Am 7ten Tage 
nach ihrer Aufnahme erfolgte, nach furchtbarer Steigerung 
ihrer Qaalen, der Tod. Die Leichenöffnung ergab sowohl 
im Innern des Darms, als auch bereits im Muskelfleiscb der 
Arme und Beine eine fast unglaubliche Masse von Trichinen. 

Die Dienstherrschaft der Unglücklichen hatte wenige 
Tage vor deren Erkrankung ein Schwein geschlachtet, 
welches, wie die noch vorhandenen Schinken und Wurste 
auswiesen, überreich mit Trichinen durchsetzt war. Das 
Mädchen hatte bei der Wurstbereitung von dem rohen Hack- 
fleische genascht, und musste ihre Lüsternheit mit furcht- 
baren Leiden und dem Tode bufsen. Auch der Schlächter, 
der das Schwein geschlachtet, war gleichzeitig mit dem Mäd- 
chen erkrankt; er jedoch, wie die übrigen Mitglieder der 
Familie, der das tricbinenhaltige Schwein zugehorte, waren 
nach einiger Zeit wieder genesen. 

2) In Plauen im sächsischen Voigtlande erkrankten zu 
Anfang vorigen Jahres einige Zwanzig Personen nach dem 
Genuss trichinenhaltigen Fleisches; unter ihnen der fünfte 
Theil sehr schwer. Die leichtern Fälle genasejn allmälig 
Dach Ablauf von etwa vier Wochen, die schweren lagen 8 
Wochen bis 4 Monate unter heftigen Leiden krank darnie- 
der; jedoch war nur eine Patientin unter ansäglichen Qua- 
len nach 2 Monaten gestorben. 

3) In der Mitte des vorigen Jahres trat eine ähnliche 
Massen-Erkrankung zu Kalbe a. d. S. ein. Hier wurden 
von zwei Aerzten im Ganzen 38 Personen (9 Männer, 25 
Frauen und erwachsene Mädchen, und 4 Kinder) fast gleich- 
zeitig an diesem schrecklichen Leiden behandelt, und der 
Nachweis gefuhrt, dass alle diese Personen nach dem Ge- 
nosse von trichinenhaltigem Schweinefleisch erkrankt waren. 
Von den 38 Personen starben 8, nämlich 5 Frauen, ein 
Mann^ ein Mädcqen und ein Kind. 

Aufserdem aber sind bei Leichenoifnungen, seitdem man 
darauf aufmerksam geworden, ziemlich häufig Trichinen in 
den Muskeln von Personen gefunden worden, bei deren 
Lebzeiten die Krankheit völlig übersehen oder verkannt wor- 
den war. 

Sicher getödtet, und dadurch unschädlich gemacht, w.er- 



den die Trichinen nur durch anhaltende Siedhitie. 
Vollkommen gar gekochtes Schweinefleisch oder völlig ga^ 
rer Braten sind daher unschädlich. Dagegen genügt das 
blofse Anbraten, oder eine nur kurze Dauer der Siedhitze 
keineswegs, alle im Innern des Koch- oder Bratstücks etwa 
befindlichen Trichinen zu todten. Ja, bei der letztgedacb- 
ten Erkrankung in Kalbe a. d. S. konnte nur bei 7 von 
den 38 erkrankten Personen der Genuss des rohen trichi- 
nenhaltigen Fleisches festgestellt werden; alle übrigen hat- 
ten es in der Form von Bratwurst, Fleiscbkloschen oder 
sog. Klops gegessen. Diese Speisen aber werden nicht sel- 
ten einer nur oberflächlichen und kurz andauernden Hitze 
ausgesetzt, so dass das Innere noch roh und blutig bleibt. 

Wenn es in Betreff der Finnen nur für wahrschein- 
lich erklärt werden konnte, dass sie durch starke Ans* 
trocknung, Pökelung und Räuchern des Fleisches getödtet 
und dadurch unschädlich werden, so kann dies auf die Tri- 
chinen keineswegs mit Sicherheit bezogen werden. Es schei- 
nen vielmehr diese Würmer eine besondere Lebenszähig- 
keit zu besitzen, welche sie in Stand setzt, die gedachten 
Proceduren zu überstehen. Ja, es ist durch direkte Versu- 
che erwiesen, dass trichinenhaltigee Fleisch durch zweitä- 
gige Pöckelung und dreitägiges B.äuchern nicht un- 
schädlich gemacht worden war. Denn in den damit gefut- 
terten gesunden Thieren wurden nach acht Wochen eben- 
falls die Trichinen im Fleische wiedergefunden. Dagegen 
fehlt es noch an Beobachtungen darüber, ob eine grund« 
liebe Pökelung und mehrwöchentliches Ränchern des 
Fleisches diese Würmer zu todten im Stande ist. 

Aus dieser Darstellung ergeben sich die Verhütungs- 
mittel gegen die Ansteckung mit Trichinen von selbst. 

Vor allem ist der Genuss oder das Kosten des ro- 
hen Fleisches durchaus zu vermeiden. Man hüte sich über- 
haupt, eine nicht völlig gar gekochte oder gar gebratene 
Schweinefleischspeise, in welcher Gestalt auch immer, zu 
geniefsen. Roher Schinken oder Speck, oder geräucherte 
Fleischwürste sind nur dann unbedenklich, wenn sie von 
gesundem Fleisch bereitet, wenigstens aber genügend lange 
im Pökel gelegen und gehörig geräuchert worden sind. 
Wurst und Schinken, so wie auch das rohe Fleisch, die 
aus den Schlächterläden geholt werden, unterwerfe man da^ 
her einer besonderen Prüfung, Das Fleisch halte man vor 
der Zubereitung von den übrigen Nahrungsmitteln, nament- 
lich denen, die roh genossen, nicht gekocht werden, dem 
Brode etc., und den gebränchlichen Geschirren abgesondert. 
Das Hackfleisch endlich, welches einer Prüfung auf Finnen 
oder Trichinen nicht mehr unterworfen werden kann, be- 
reite man selbst. 

Was aber das Feilhalten und den Verkauf des 
finnigen oder trichinenhaltigen Fleisches anlangt, 
so unterliegt es keinem Zweifel, dass solches Fleisch zu 
den verdorbenen Esswaaren gehört, deren Feilhalten 



132 



darch deo §.345., ad 5. des Strafgesetzbaches verbo- 
ten ist. 

Potsdam, den 7. April 1863. 

Eonigl. Begierang, Abth. des Innern. 



Trichinenkrankheit« 

Beriebt des Herzog]. Dessanscben Reg.-Med.-Raths Dr. 
Fr&nkel an die Herzog!. Regierung daselbst. 

(Schlags.) 

20. Dmlle H., Domäne Amesdorf. Am 17. Decbr. 
Erbrechen, Stahlverstopfang, heftiges Fieber. 18. Decbr. 
Oedem des Gesichts. 19. Dec. Nachlass des Fiebers. 20. 
Dec. Eintritt der Periode. 24. Decbr. Pat ist wieder im 
Dienst, klagt später über Schwäche der Beine and Aasfal- 

en des Haares. 

21. Verwalter S., Domäne Amesdorf. 20. Dec hef- 
tiger Fieber, Beklemmang, Schmerzen in den Rucken wir- 
beln, in den Armen und Beinen, Schweifs. 21. Dec. Ge- 
sicht geschwollen. 22. Dec. FSfse desgleichen. 24. Dec. 
fleber und Gesichtsgescbwulst haben aufgehört, Schweifse 
dauern fort 26. Decbr. Pat. verlässt das Zimmer, klagt 
noch einige Zeit lang über Unbeholfenheit im Gange. 

22. Pfarrer R., 75 Jahr alt, Domäne Amesdorf, hat 
No. 1. in Warmsdorf mehrmals besucht und dort Speisen 
genossen. Am 17. Decbr. Magenkatarrh, Fieber, Rucken- 
schmerz, Oedem des Gesichts. In den folgenden Tagen 
bis zum 26. Dec. dauerte das Fieber noch fort, ebenso das 
mittlerweile entstandene Oedem der Fofse bis za den Enieen, 
während das des Gesichts verschwand. Appetitlosigkeit mit 
Stuhlverstopfung hielt lange an, ebenso die Schwäche der 
Beine, die Schmerzhaftigkeit der Armee uud Rückenwirbel. 

23. Marie Seh., 22 Jahr alt, Magd im E.*schen 
Gute zu Amesdorf, erkrankt am 10. Dec. unter Fieber, ga- 
strischen Beschwerden, grofsem papulösen Exanthem, aus 
dem sich Varicellen entwickeln zu wollen scheinen. Am 
11. Dec ist das Gesicht geschwollen, späterhin Hände und 
Füfse. Das Exanthem verschwand mit dem Fieber nach 
circa 4 Tagen, Uebelkeiten, Rückenschmerzen, Steifigkeit 
in Händen und Beinen waren bedeutend. Vollständige Re- 
convalescenz am 19. 

24. Dmlle. Carol. B., 20 Jahr alt, Wirthschafterin 
im E.'schen Gute in Amesdorf, erkrankt am 12. December 
unter heftigem Fieber, Schmerz der Wirbelsäule and der 
Gegend der Intercostalräume , Anschwellung des Gesichts, 
der Beine und Hände, Verlauf des Fiebers und der Ge- 
sichtsgeschwulst in 3 Tagen. Pat. wird entlassen am 19. 
December. 

Vom 16. bis 19. Dec. mnss auch Anna W., 16 Jahr 
alt, zweites Dienstmädchen im E.*schen Hause das Bett hü- 



ten wegen rheumatischen Fiebers, Rückgratssohmerzen, ohoe 
Anschwellungen. 

25. Mme. E., ibidem , erkrankt am 17. Decbr. ooter 
denselben Erscheinungen: Fieber, Schmerz, Geschwulst n. 
s. f., ist aber trotz ihrer schwächlichen EorperbeschaifeD* 
heit kaum bettlägerig und schon am 24. December wieder 
gesund. 

26. 27. Euhhirt El. und seine Frau in Amesdorf 
wohnhaft, litten im Januar 1862 an Magenbeschwerden, 
Fieber, Gesichts- uad Fufsödemen. Die Fraa hatte seit 12. 
Decbr. bei der Pflege der Eranken in Warmsdorf, wo ihr 
Mann in Arbeit steht, Dienste geleistet und daselbst Kost 
für sich and ihre Familie erhalten. Von den Eindern er- 
krankte keines. 

28. Wittwe S t. in Amesdorf hatte einige Tage in der 
Mitte December aaf der Domäne Warmsdorf stellvertre- 
tende Dienste geleistet. ' Ende December waren ihr Füfse, 
Ober- and Unterschenkel und das Gesicht ödematos ge- 
schwollen ; sie kränkelte angeblich bis za ihrer Entbindung 
am 23. Januar 1862, wo sie sofort nach einer schwierigen 
Zangenoperation, durch welche ein todtes Eind befordert 
worden, gestorben sein soll. 

In Güsten erkrankte meines Wissens zuerst am 11. De- 
cember: 

29. Frau Eaufmann W. unter Fieber, Rücken- und 
Gliederschmerzen, Anschwellung des Gesichts, Schweiss. 
Pat. schien sich sehr bald za, erholen, als sie durch ein 
plötzliches Deliriren ihres Mannes erschreckt, Nachts aus 
dem Bette sprang, und, obgleich sie kurz vorher sich kaum 
hatte umwenden können, eine Weile im Zimmer umherlief, 
wonach die Anschwellung des Gesichts wieder zunahm. 
Arme und Beine zu schwellen anfingen, das Fieber bis za 
Delirien sich steigerte, Rücken- und Bauchhaat waren bei 
Berührung änfserst schmerzhaft, die Armbeuge and Enie- 
gejenke contrahirt und sehr empfindlich, Appetit gering, 
Ausleerungen träge. Nach 4 Wochen, nachdem das Oedem 
verschwunden war, konnte Pat. mit der Fufssohle den Bo- 
den nicht erreichen. 

30. Eaufmann W., 28 Jahr alt, Ebemann der vori- 
gen, erkrankt am 1 3. December mit Fieber, MageDkatarrh. 
In der folgenden Nacht ein Anfall von Deliriaoa, Angst bis 
zur Bewusstlosigkeit, Gesicht und Beine sind ödematos. 
Pat muss lang das Bett und Zimmer hüten. 

31. Johanna Pf., 18 Jahr alt, im Dienste des vo- 
rigen, 14. Dec. Anschwellung des Gesichts, der Beine und 
Arme, Fieber mit heftigen Delirien währt wochenlang; an- 
fangs Darchfälle, später Verstopfung. 

32. M., Gommis bei No. 30., erkrankt am 17. Dec. 
Fieber, Oedem des Gesichts. Beides Terschwindet am nach« 
sten Tage, Pat. besorgt seine Geschäfte und bleibt fortan 
gesand. 



X 



133 



33. Fraa Doctor D., vom 16. bis 20. Decbr. kraok. 
Oedem des Öesichts, der Füfse, Fieber. 

34. Frftulein Anna H., Nichte der vorigen and in 
demsdben Hanse lebend, erkrankt am 18. Decbr. Fieber, 
Oedem des Gesichts, andern Tages ein papulöses und nr- 
ticariafihnliebes Exanthem aof den Vorderarmen. Uebel- 
keiten, Angst, heftige Schweifse, grofse nervöse Reizbarkeit. 
Fieber bis zam 2S. Dee. Schmerzhaftigkeit des Räckens, 
der Beine, Steifigkeit der Arme, Anschwellung der Füfse 
dauern lange. In der Reconvalescenz gehen die Haare 
stark aus. 

35. 36. Apotheker L. und dessen Ehefrau litten vor- 
her an Diarrhoe, seit 14. resp. 12. Dec. an Fieber, Oedem 
des Gesichts etc., bei No. 35. grofse Angst, Deh'rien, Kopf- 
weh, Schwindel, bei 36. papulöses Exanthem anf den Hän- 
den und Vorderarmen. Bei Beiden dauert die Krankheit 
lange und hinterlässt grofse Schwäche; bei 36. trat schliefs- 
lich noch Urinverhaltung ein. 

37. Apotheker B., Provisor bei Herrn S., leidet vom 
18. Dec. an nur 2 Tage an Oedem des Gesichts, Fieber. 

38. Schreiber dieses erkrankte am 29. Dec. Abends 
mit heftigem Fieberanfall. 30. Dec. Morgens Augenlider, 
Gesicht geschwollen. Am 1. Januar 1862 schwellen Arme 
und Beine bis zur Schenkel beuge. Das Fieber dauert 4 
Tage, die Anschwellung der Beine und grofse Mattigkeit 
in den letztern noch 4 Wochen. Derselbe hatte in Warms- 
dorf öfters gefrühstückt. Die Untersuchung eines etwa lin- 
seogrofsen Muskelstuckee, welches er am 15. Oktbr. 1862 
ans seinem linken Biceps brachii sich ausschnitt, ergab keine 
Trichinen. 

39. Fleischermeister K. in GSsten hat am 29. Nov. 
1861 in Warmsdorf geschlachtet. Leichte Erkrankung am 
iO, Dec. Oedem des Gesichts, mäfsiges Fieber. Von sei- 
ner sehr zahlreichen Familie ist meines Wissens Niemand 
erkrankt. 

40. Br., Amtmann in Arnstedt bei Hettstedt, hielt 
sich nur einen Tag auf der Durchreise in Warmsdorf auf, 
im Anfange des Monats December, litt danach an Diarrhoe 
and erkrankte später angeblich an typhösem Leiden mit An- 
schwellung des Gesichts etc., während seine Ehefrau, geb. 
W., trotz eines wochenlangen Aufenthalts bei ihren Eltern 
in Warmsdorf durchaus immun blieb. 

HerniA complicata. 

Ein junger kräftiger Landmann, erst 6 Wochen ver- 
heirathet, hatte im trunkenen Zustande auf seiner nächtli- 
chen Heimreise das Unglück zu fallen nnd eine Quetschung 
des Hodensacks erlitten. Erst 8 Tage nachher wurde der 
Arzt geholt. Patient klagte über grofse Schmerzen im Ho- 
denaack, rechterseits, über Kolik^ achttägige Stuhlverstopfung 
und Erbrechen* Die Voraussetzung einer Hernie bestätigte 



sich durch die Untersnchong. Dabei jedoch was das Sero» 
tum ungemein grofs, sehr geröthet, nnd unverkennbar ery- 
sipelatös entzündet; die Oberhaut in Abschuppung. Die 
Hernie bezeichnete Patient als eine angebome, neben wel- 
cher augenscheinlich eine Entzündung und Abscessbildung 
innerhalb des Scrotums eingetreten war. Die mechanische 
Veranlassung durch Contusion erleichterte die Diagnose. 
An Reposition war nicht zu denken« Abgesehen von dem 
flussigen Inhalt, welcher eine unmittelbare Manipulation auf 
den Darm selbst — unmöglich machte, perhorrescirte die 
ungeheure Schmerzhaftigkeit jede intensivere Berührung. 

Es wurde der Patient von der Nothwendigkeit einer 
Bruchoperation in Kenntniss gesetzt, zunächst aber, da es 
spät Abend war, und der Zustand des Pulses befriedigte, 
Breiumschläge verordnet, wonach andern Morgens zeitig 
eine Fuhre zur Abholung des Arztes bei demselben eintref- 
fen sollte, um unter Assistenz mehrerer Personen die Her- 
nien- und Abscess- Operation vorzunehmen. Doch Patient 
und Umgebung hatten es nicht so eilig. Erst nach 4 Ta- 
g^n wurde gegen die Abendzeit nach dem Arzt geschickt. 
Pat. befand sich in einem bedauerlichen Zustande, kaum wie* 
der zu erkennen. Eothbrechen war sehr häufig eingetre- 
ten; der Puls sehr flüchtig, 140 Schläge in der Minute; in- 
dess war die Hauttemperatur nicht gesunken. Zunächst 
wurde das Scrotum vorsichtig mit einem Troikart punktirt, 
worauf ein Strom eitriger Flüssigkeit herausstürzte und ein 
Zusammensinken desselben erfolgte. Hiernach ging man 
zur Herniotomie über. Der Darm trat in die Schnittöff- 
nung und man vermochte mit dem Finger in die Bauch* 
Öffnung des Inguinalkanals zu dringen, ohne eine Incarce- 
ration wahrzunehmen. Es gelang aber nicht, den in der 
Scrotalhöhle befindlichen Darmtheii behufs der Reposition 
hervorzuheben. Der nach unten untersuchende Finger fand 
sofort das Hindemiss; der Darm war an die innere Scro- 
talwand angelöthet. Nach vorsichtiger Trennung zog man 
die Darmschlinge aufwärts und fand an derselben im Um- 
kreise eines Thalers eine schwärzlich gefärbte, mit weicher 
Exsudatmasse belegte Stelle. Hiernach wurde die Dwrm* 
schlinge mit Leichtigkeit reponirt, die Wunde bis auf ei- 
nen Zoll nach unten geheftet und nach oben durch den 
Kanal ein Bourdonnet eingeführt Es wurde nicht bean- 
standet, das zweifellos gangränisirte Darmstück in die 
Bauchhöhle zu bringen, da man in ähnlichen Fällen einen 
glücklichen Ausgang beobachtete. In die Scrotalwunde 
wurde gleichfalls ein Bourdonnet eingeführt, eine mit Heft- 
pflaster befestigte Compresse und darüber eine Rollbinde 
angelegt. Tages darauf war der Befund der, dafs Kolik 
und Erbrechen nicht mehr eingetreten waren ; dagegen war 
kein Stuhl erfolgt, ohngeachtet Patient mehrere Esslöffel 
voll Oleum Ricini genommen hatte. Der Leib war tjmpa- 
nitisch aufgetrieben, die ans der Wunde entfernten Bour- 
donnets zeigten gesunde Eiterung. Es wurden kalte Um- 



134 



sohlige auf den Leib, kahe Klyetiere and Calomel 2etQiid- 
Uch za 3 Oran verordnet. Seitdem ist die OeneeiiDg voll- 
etftndig erfolgt. 

(Aus den Sanitits-Bericbten des Beg.-Besirks Oppeln.) 

EUmt. 

Cfeburts- ond Sterbe-Liste von Berlio fBr M&rz 
1863. 

Im Monat Mfirs d. J. sind in Berlin 

. geboren : 966 Knaben u. 971 Mädchen, zus. 1937 Kinder, 
gestorben: 765mfinnl., 666weibl.Ge8chl., zus. 1431 Menschen, 
mithin mehr geboren als gestorben: 506 

Getraut wurden 403 Paare. — unter den Geburten ereig- 
neten sich 30mal Zwillings -Geburten. — uneheliche Kin- 
der wurden geboren 358 (166 Knaben und 192Mfidchen), 
es starben 135 (79 Knaben und 56 Mfidchen), worunter 111 
im ersten Lebensjahre. 

Lebensalter der Verstorbenen. 



Todt- 

gebo- 

ren 


Es starben im Alter 


4 £ 

J 1 


i!- 


Ja i 


1. 


u 
JO 

et 
•-* 


Ü 


zusamoien 


de 


ir- 
n 


© 

7 


4 

I 


m 


1 


CSiA 




48 


44 


368 250 


M 


14 


28 


215 


193 


181 


35 2 


685 


654 



Eines gewaltsamen Todes starben 27 Menschen, und 
zwar: durch Verunglückung 18, nämlich: 3 Männer, 2 
Frauen und 1 Knabe durch Ertrinken, 1 Mann in Folge 
Ton Kopfverletzungen, 1 Mann durch Deberfahren, 1 Mann, 

1 Knabe und 1 Mädchen an Verbrennung, 2 Männer durch 
Quetschung, 1 Mädchen durch Sturz aus dem Fenster, 1 
Knabe durch den Genuss schädlicher Substanzen, und 3 
Männer in Folge Sturzes oder Falles; durch Selbstmord 
und Mord 9, nämlich: 4 Männer, welche sich erhängten, 

2 Männer, die sich erschossen, 1 Mann, der sich vergiftete, 
1 Knabe, welcher sich durch einen Eisenbahnzug überfah- 
ren liefs, und 1 Mann, der erstochen wurde. 

Die 1431 Todesfälle überhaupt ereigneten sich unter 
folgenden näheren Krankheits- und Geschlechts -Verhält- 



mssen: 



Es starben: 



Todtgeboren 

Durch Lebensschwäche bald nach der Geburt 
Tod in Folge angeb. Bildungsfehler 
Alterschwääe 



1 


S 
"^ 


1 


a 


^ 


CO 


48 


44 


92 


27 


24 


51 


2 


1 


3 


29 


44 


73 



Es starben: 



1 



Durch Selbstmord 

Mord — Todschlag 

- Unglücksfälle 

An Eklampsie d« Schwangeren u. Gebärenden 

- Verblutung bei und nach der Entbindung 

- Wochenbettfieber • 

An innern akuten Krankheiten: 

Rohr 

Pocken 

Scharlach 

Masern ... 

Blasenausschlag 

Schwämmchen 

Keuchhusten 

Gastrisch-nervöses Fieber und Typhus 

Katarrhalisches Fieber und Grippe 

Rheumatismus 

Rothlauf 

Zellgewebeverhärtung der Kinder . . 

Durchfall u. Brechdurchfall der Kinder 

Entzündung des Gehirns 

Brandige Bräune (Diphtheritis) . . . 

Häutige Bräune 

Mandelbräune 

Bräune ohne nähere Bezeichnung . . 

Entzündung der Luftrohre . . • • 
des Brustfells n« d. Lungen 
des Herzens .... 
des Rückenmarks . . . 
des Magens und des Darm- 
kanals 

des Bauchfells . -. . • 

der Leber • 

der Harnwerkzeuge . . 

des Unterleibs ohne nähere 

Angabe des Organs . . 

An innern chron. Krankheiten: 

Organ. Krankheiten des Gehirns . . 

des Rückenmarks 

des Herzens • . 

der Lungen . . 

der Leber . . . 

derSpeiseröhre, d. 
Magens und des 
Darmkanals . . 
Sonstige organ. Krankheiten des Unter- 
leibs 

Blutfleckenkrankbeit 

Brustwassersucht 

Bauchwassersucht 

Allgemeine Wassersucht 

Brightsche Nierenkrankheit .... 

Steinkrankheit 

Syphilis 

Skrofeln und engtisehe Krankheit • . | 



8 

1 

14 



3 

2 

14 

1 

12 
11 
1 
1 
1 
8 
41 
9 
9 
1 

17 

20 

49 

1 

1 

1 
2 
2 
3 



10 
1 
4 
5 
4 



15 



09 



19 



3 
25 
6 
4 
3 

4 
28 

S 
15 

1 
14 
10 
35 

1 



12 
8 
6 



11 



8 
1 

18 
% 
1 

19 



1 
8 
6 

20 
1 
2 
3 

37 

17 

5 

4 

1 

12 
69 
17 
24 
2 

31 

30 

84 

2 

1 

5 
4 
2 

3 



17 
1 

16 
13 
10 



26 





3 


7 







1 




5 


10 







l 




13 


20 


^ 


1 


3 






1 






1 


5 


» 


13 



135 



Es starben: 



Tuberkulose des Gehirns 

der Lungen (Hals* a. Liin- 
genaehwindsttcbt) . • • 

Darmschwindsucbt 

Tuberkulose ohne nähere Benennung. 
Chronische Hautkrankheiten .... 
Krebs der Speiseröhre 

der Bmst 

des Magens 

des Leber 

der Gebärmutter 

des Mastdarms 

Krebs ohne nähere Benennung . . . 

Chron. Vergiftung 

Starrkrampf (Tetanos, Trismos) . . 

Epilepsie 

Eklampsie der Kinder 

Säuferwahnsinn 

Geisteskrankheiten 

An plötzliohen Krankheitsfällen: 

Gehimschlagfluss 

Lungen- und Herzschlag 

Nervenschlag — todtlicbe Ohnmacht . 
Ruptur eines innem Organs .... 

An finfsern Krankheiten: 

Caries und Nekrose 

Qiron. Entzündung der Gelenke . . 

Brucheinklemmung 

Karbunkel 

Brand der äufoern Gliedmafsen • . . 
der Alten 

Vereiterung des Zellgewebes und der 
Drüsen 

Todtlicber Ausgang von chir. Operatio- 
nen (Verblutung, Pjämie etc.) . . 

Andere chirurgische Krankheiten . • 

An nicht bestimmten Krankheiten 
od. unter wissenschaftlich nicht 
zu rubricirenden Krankheitsbe- 
nennungen: 

Abzehrung • 

Lungenlähmung 

Zahnen 

Blotkrankheit 

Nicht benannte Krankheiten .... 



127 
2 
4 



1 
IS 11 

1 
69 



30 

8 
J 



73 

1 
2 

1 

1 



27 

6 
3 
1 



43 


41 


23 


23 


4 


2 





1 


6 


1 



765i 666 



a 
s 

B 
CO 



200 
2 
5 
2 
2 
1 
7 
3 
4 
1 
4 
1 
24 
2 

114 
2 
2 



57 

14 

4 

1 



84 

46 

6 

1 

7 



1431 



Tagesereignisse und anderweite MittheilnngeD, 

— lieber die bisher dunkle Entwickelung und Wan- 
derung des in Russland und der Schweiz heimischen Bo- 
thryocephalos latus hat Dr. Knoch aus St Peters- 



burg einen interessanten, Ton der Med. Centralzeitung mi^ 
getheilten Vortrag gehalten, aus dem sich ergiebt, dass die 
Embryonen sich im sufsen Wasser in ihren Eiern entwik* 
kein und in demselben wandern; und dass sie mit dem 
Flusswasser als Getränk in den Darm der Säugethiere ge- 
langen und dort nach einiger Zeit zu geschlechtsreifen, brei- 
ten Bandwürmern sich entwickeln. 

Sicherstes Prophylaktikum ist daher das Filtriren des 
Trinkwassers. Als sicherstes Mittel nennt K. das ätheri- 
sche Extrakt des Filiz mas (in Pillenform mit Pnlv. rad. 
Fil. mar.; Abends und am andern Morgen 15 Gran zu neh- 
men, worauf 1 — 2 Stunden nach der letzten Dosis Ol. Ri- 
cini genommen wird). 

— Wochenbericht der hiesigen öffentlichen Kran- 
kenhäuser: 

Bettand Wöchl. Wöohl. hierunter BeaUnd 
1 I.April Zagang Abgang Todesfälle 1 S.April 

Bethanien .... 245 37 31 5 251 

Hedwigs -Krankenh. 191 47 52 8 186 

Elisabeth -Krankenh. 73 12 5 2 80 

Judisches Krankenh. 42 12 8 1 46 



dazu Charite • 



551 

1357 



108 96 



16 



563 
1326 



1980 1889 

In Bethanien waren Brustfellentzündung, und im Hed- 
wigs -Krankenhause Lungenentzündung vorherrschend. 

— Im Regierungs-Bezirk Magdeburg waren 





1 

< 




1 . 

TS 


a 
ja 


1 


1 
1 


a 

1 




^ 


^ 


^ 


.3 


^ 


< 


Ä 


ultimo 1862 


201 


82 


41 




78 


73 


564 


- 1861 


202 


82 


40 


— 


78 


73 


562 


es waren mithin 
















'H^V ; : : : 


1 


— 


1 


— 


— 


— 


2 


""" 


~— 


"~" 


~~" 


"— 


-"■ 



— Im Regierungs-Bezirk Merseburg waren 



ultimo 1862 ... . 
- 1861 .... 
es waren mithin 



1862| 



mehr . . 
weniger 



215 


59 


48 





70 


83 


203 


58 


50 


— 


67 


83 


12 


1 


-^ 





» 


... 


— 


— 


2 


— 


— 






709 
704 

- 5 



~ Im Regierungs-Bezirk Erfurt waren 



ultimo 1862 ... . 

ultimo 1861 .... 

es waren mithin 

mehr 



1862 



381 
369 

— - — — 12 



weniger 



77 
72 


25 
24 


24 

25 


— 


22 
24 


36 
36 


5 


1 


— 





— 


— 


— 


— 


1 


— 


2 


— 



— London hatte im Jahre 1862: 97418 Geburten 



136 



1 



(49187 mfinnliche und 48231 weibliche) aod 66950 Todea- 
desfiÜle (34133 männliche und 32817 weibliche). Von den 
Todesfällen kam Einer aaf ongefShr 40 Einw. (oder weni- 
ger als 2j- pGt.)» während in London in dem Zeitranme 
▼on 1765 ^ 1775 ungefähr aaf 20 Einwohner 1 Todesfall 
kam (5 pCt), — Den Erankenhänsem und Hospitälern ge- 
horten im Jahre 1862 von jenen Todesfällen 4532 an. 

— Id London starben in Einer Woche des Monat 
Febraar d. J. 25 Personen an Mensch enpocken. 

Literator« 

Uebersicht der öffentlichen nnd privaten Irren- nnd Idio- 
ten-Anstalten aller europäischen Staaten zusammen- 
gestellt von Sanitätsrath Dr. Albr. Erlenmeyer, 
dirig. Arcte u. s. w. Neuwied 1863 bei J. H. Heu- 
ser. 145 8. 8. 

Das vorliegende Werk, das der Verf. als eine neue 
Bearbeitung seiner frühern ähnlichen Zusammenstellungen 
beseichnet, ist ein aufserordentlich werthvoller Beitrag zur 
Statistik des Irrenwesens. Die Irren- und Idioten-Anstal- 
ten sind nach den Europäischen Staaten geordnet, bei je- 
dem Staate finden sich historische und statistische Notizen 
über das Irrenwesen; bei jeder Anstalt Angaben über Lage 
und Reisegelegenheit, fiber Zahl der Kranken, Zahl der 
Aerzte mit namentlicher Bezeichnung des dirigirenden Arz- 
tes, und wo es möglicii war, anch über die Zeit des Be- 
stehens. 

Den Schluss bildet aufser einem alphabetischen Ver- 
zeichnisse die nachstehende summarische Zusammenstellung: 
Irrenanstalten 



Belgien . . . 1 


lesit 


Et 51 


und 


keine Id 


loten« 


Dänemark 


- 


10 


- 


3 




Deutschland 


- 


157 


- 


16 




Frankreich 


- 


110 


- 


— 




Griechenland 


- 


3 


- 


— 




Orofsbrittanien 


- 


81 




5 




lullen 


- 


33 




— 




Niederlande 


- 


17 




2 




Portugal 


- 


4 




— 




Russland 


- 


74 




— 




Scandinavien 


- 


17 




— 




Schweiz 


- 


42 




— 




Spanien 


- 


7 




— 


- 


Türkei 


- 


2 




— 


- 



608 



26 



634 



Dass die Schweiz ohne Idiotenanstalt genannt ist, be- 
ruht wohl auf einem Versehen bei der Zusammenstellung, da 



doch im Texte die Guggenbührsche Eretinenaostalt aufge- 
führt worden ist 

Erlenmejer's Werk empfiehlt sich nicht allein aU 
Handbuch fSr den Arzt, der über eine einzelne Anstalt 
Auskunft sich verschaffen will, sondern auch als sicherer 
Führer Aerzten und Architekten, welche Irrenanstalten zu 
bereisen wünschen und oft genug zeitraubende Umwege zu 
gehen genothigt waren, vor Allem aber für einen Jeden, 
der Kenntniss von dem Irrenwesen der einzelnen Eoropfii- 
schen Staaten gewinnen will, und darf dasselbe daher am 
wenigsten in der Bibliothek des Irrenarztes fehlen. Mr, 



Anzeigen. 



Bei Ferdinand CSnlce in Brianyen ist so eben er- 
schienen and darch alle Buchhandlangen zu erhalten*. 

Handbuch 
der speciellen 

Pathologie und Therapie. 

Von 
Dr. C. KU€el 

H. N. Medicinalrathe. 

In zwei Bänden. 

Erster Band. 
Lex. 8. geh. Preis 4 Thlr. 12 Sgr. oder 7 Fl. 40 Kr. 



Bei Th. Chr. Fr. Enslin in Berlin ist erschienen: 
Das 

Prenfsiscbe Pbysikats-ExaineBs 

Repetitorium 

für Civil- und Militair-Aerzte 

▼on 

Dr. Fr. Berth. Loeffler. 

Ij Thlr. 

Das Begnlativ für Obdactionen, welches seit dem Er- 
scheinen des Baches eine Abänderung erfahren, wird in ei- 
nem Separatabdrack jedem^ Exemplare des LöfiFler'schen Bo- 
ches gratis beigegeben. 



Verlag tod Th. Chr. Fr. Enslin (Adolph Enslin) in Berlin. — Gedrackt hei A. W. Schade in Berlin, Stallachreiberstr. 47. 



Neue Folge. 
VI. Jahrgang. 



PREÜSSISCHE 



Diese Zeltqng ereeheiat wöchentlich. 

Der Freie dee saDsen Jahrgeage, weleber 

nicht getrennt wird, Ist 3 Tblr. 20 S^r. 



MEDICINAL -ZEITUNG. 

Herausgegeben von dem Verein für Heilkunde in Preussen 

iiter BenntaiDg amtlicker Mittkeilnigei deg KSnigl. ■misterinms der geistlichen, Unterrichts- 
nnd ■edicinal-Ängelegenheiten lud der Königl. Provinzial-Behörden. 

Redacteur: E. Mfiller, Oeh. Medicinal-Rath etc. 



1863. 




«.Mai. 



Inhalt. Amtlicher Theil; PersoDalien; Verfügung; Bekanntmachungen. -< Die Sterblichkeit der Kinder in Boclin w&hrend der 
Jahre 1851 bis 1860 Ton £. Loewer. (Fortaetaong.) — Tagesereigniflse und änderweite Mittheiinngen. — Literatur. — Anzeigen. 



Amtlicher Theil. 

Persdnftlien. 

AuBzeichnimgeii. 
Se. Majest&t der Eonig haben allergnfidigst geruht, 
dem praktischen Arzte Dr. Krug mann in Driesen und 
dem praktischen Arste Dr. Struck in Frankfurt a. M. den 
Cba{akter als Sanit&tsrath zu verleiben. 

Anstellnng. 
Der praktische Arzt Dr. Berten ist zum Kreis-Phy- 
aiktts des Kreises Rummelsburg ernannt worden. 

Hiederlassungen. 

Die prakt. Aerzte Dr. Schleusner und Dr. Scbar- 
lan haben sich in Danzig, Dr. Fritze in Spandan, Dr. 
Obernier in Bonn und Dr. Dorenberg in Xanten nie- 
dergelassen. 

Der praktische Arzt Dr. M eurer ist von Orfifratb nach 
Coblenz gezogen. 

Apotheken-Angelegenheiten. 

Der Apotheker Heck er hat die Just 'sehe Apotheke 
in Filehne gekauft. 

Dem Apotheker Pfeffer ist die Verwaltung der Fi- 
scher 'sehen Apotheke in Marienwerder fibertragen. 

Todesfalle. 
Der Wundarzt I. Klasse Müller in Bnchholz. 



Offene Medidnal- Stellen. 

Durch den Tod des Direktors Dr. Hoff mann zn 
Siegborg ist das Direktorium der ProTinzial-lrrenheilanstaU 
daselbst erledigt. Qnalificirte Bewei'ber haben sich bei der 
VerwaltuDgs-Gommission derselben zu Hfinden des Königii- 
chen Regierungs-Prfisidenten, Herrn ▼.Möller za Coln za 
melden. 

Die Kreis -Wundarzt - Stelle des Kreises Rnmmels- 
barg, Reg.-Bezirk Coslin, ist erledigt. 



I VorfBguDg. 

j Für die Zukunft wolle die Königliche Regierung dafür 

I sorgen, dass die Druckkosten für Impfscheine und 
Impflisten, wie in den übrigen Regierungs-Bezirken, so 
auch dort aus Communal- oder Kreis-Fonds berichtigt resp^ 
erstattet werden, indem kein Orund vorliegt, für den dor- 
tigen Bezirk ein abweichendes,, der Staatskasse zum Nach- 
tbeil gereichendes Verfahren eintreten zu lassen. 
Berlin, den 14. April 1863. 
Der Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medicinal- 
Angelegenheiteo. 
V, Mühier. 
Der Minister des Innern. 
Graf zu Eulen^urg. 
An 
die Königl. Regierung zu N. 



138 



BekMotmachungeD« 

Wir sehen uns veranlasst, den Herren Apothekern un- 
seres Verwaltungs • Bezirks die Bestimmung der revidirten 
Apotbeker-Ordimng vom 11. Oktober 1801, Tit. III. §. 2. 
ad g.f naeb welcher Drastica, Vomitoria etc. im Handver- 
kauf nicht verabfolgt werden dürfen , in Erinnerung la 
bringen. 

Berlin, den 18. April 1863. 

Eönigl. Regierung. Abth. des Innern. 

PoIizei-VcrordDung. 

Unter Bezugnahme auf unsere Verordnung vom 10. Au- 
gust 1850 (Amtsblatt 1850, 33. Stuck, S. 272), welche die 
Absonderung giftiger Substanzen von den zum Genuss be- 
stimmten Waaren in den Materialwaaren - und Eaufl&den 



vorsehreibt y verordnen wir zum Schutze gegen die Gefah- 
ren , welche aus dem unvorsichtigen Verkehre mit pboft- 
phor haltigen Zun d waaren in den gedachten Kaofl£. 
den entstehe», a«f Ornad des §.11. des Gesetzes vom ii. 
Märt 1850 über die Polizei» Verwaltung folgendes: 
i) In allen Eauß&deo und Vorratheräamen , io NvelcW 
zugleich Waaren, welche zum Genüsse bestimmt sind, 
gefuhrt werden« müssen gedachte Zünd waaren \q ver- 
schliefsbaren Behältern verwahrt werden. 
2) Weder nnter noch neben diesen Behältern dürfen Qe- 
nossmittel aufbewahrt werden. 

Etwanige Uebertretungen werden na^h MaaCsgabe des 
Strafgesetzbuchs (§. 345. sub 4.) mit Geldburse bi^ zu 50 
Thlr., oder Gefängnifsstrafe bis zu 6 Wochen bestraft. 
Potsdam, den 15. April 1863. 

Konigl. Regierung, Abth. des Innern. 



Vie Sterblichkeit der Kinder iq Berlin während der 
Jahre 1851-1860. 

Vom Stabsarzt Dr. E. Loewer in Berlin. 
(Fortsetzung.) 
Wenden wir uns jetzt zum zweiten Theile der Auf- 
gabe, die wir uns gestellt haben, so liegt uns die Betrach* 
tung der medieinal - polizeilichen Maafsregeln ob, die zur 
Abwehroog der ezcessiven Kindersterblichkeit bereits aus- 
geführt resp. noch auszuführen sind. Machen wir uns aber 
vorweg «nen Punkt klar! Wir wissen aus Erfahrung, dass 
durch passende Maafsnahmen das Sterbliehkeitsverbfiitniss 
der Kinder günstiger gestaltet werden kann, ja wir haben 
▼orbin gesehen, dass der letzte 1 Oj ährige Zeitraum ein bes- 
seres Resultat ergeben hat, als dasselbe noch 30 Jahre frü- 
her war. Aber trotzdem wurde der Gedanke unausfahr- 
bar, würde das Streben ein unnatürliches sein, dem Kin- 
desalter ein Sterblichkeitsverbältniss bereiten zu wollen, wie 
es das mittlere Lebensalter zeigt. Das Band, welches den 
Menschen nach seiner Geburt an das Leben fesselt, ist eben 
nur schwach und eine leichte Ursache, die später spurlos 
an ihm vorübergeht, kann es wieder losen. Dabei sind 
seine Feinde so zahlreiche, so mächtige, dass eine Herku- 
leskraft nicht ausreichen würde, ihn zu vertheidigen. Die 
Schwäche und Hülflosigkeit des Kindes selbst, die vielen 
seinem Alter eigenthümlichen Krankheiten, der tiefe Ein- 
fluss kosmischer Verhältnisse, dabei das ganze sociale Le- 
ben, das besonders, wie es einem Theil der unehelichen 
Kinder das Leben giebt, es ihnen auch bald wieder raubt, 
Unverstand und Gleichgültigkeit der Eltern — diese Alle 
fallen schwer in die Waagscbaale und treiben die der Ge- 
genanstrengungen in die Hohe. Dürfen wir aber glauben, 
dass letztere allein medicinal - polizeilicher Natur zu sein 



brauchen? Wir glauben, Nein! Der Menach, der heute 
noch im Kindesalter steht, gründet nach Jahren seinen ei- 
genen Heerd und hat seine eigene Familie. Ist er in I3n- 
gebildetbeit und Bohheit aufgewachsen^ so sind seine Nach- 
kommen denselben Gefabren ausgesetzt, denen er in sei- 
ner Kindheit vielleicht nur mit Mühe entgangen ist, er wird 
nicht mehr Liebe, Sorgfalt und Interesse seinen Kindeni 
schenken, als er erfahren hat, er misst mit dem Maafsstabe, 
mit dem bei ihm gemessen ist. Darum ist Alles, was zur 
moralischen und geistigen Ausbildung, besonders der ar- 
mem Klasse der Bevölkerung dient, von der eingreifend- 
sten Wichtigkeit. Hierher haben wir die Volksbibliothe- 
ken, die Fortbildungsanstahen , die sogenannten Rettungb- 
häuser zu rechnen, sie bearbeiten den Boden, auf dem spä- 
ter die zarte Pflanze des kindlichen Organisnaua gedeihen 
soll. Wir müssen es Berlin zum Lobe nachsagen, dass es 
die Wichtigkeit dieses Punktes erfasst hat und ihm die ^ 
bfihrende Aufmerksamkeit schenkt. 

Schon 1850 besafs es drei städtische Fortbildungsan- 
stalten ' ), die den bereits aus der Schule in das Gewerks- 
und Geschäftsleben eintretenden jungen Leuten OelegenheÄl 
geben sollen, die Lücken auszufüllen, die ein frfiber ver» 
nachlSssigter Schulunterricht in ihrer Bildung geVaaaen hat 
In demselben Jahre wurden auch vier städtische Volksbi- 
bliotheken dem Publikum zum Gebrauch übergeben mitBu- , 
ehern, deren Inhalt dem verschiedenen Bildungsgrade der I 
einzelnen Schichten der Bevölkerung angepasdt iBt. Als die ' 
Tendenz des Instituts ist hingestellt, dass der Inhalt der 
Bücher mehr auf nützliche und gründliche Belehrung und 
Veredlung des Herzens, als auf blofse Unterhaltang des 



') Bericht über die Verwaltang der Stadt Berlin in den Jalt- 
ren 1841— 1850. Berlin 1853 p. 368. 



139 



Leaers geriehtet aein soll. Die Bibliotheken sind wochent* 
lieb 3 Mal geöffnet, und bat das Erlangen von B&cbern 
keine Schwierigkeit £a ist später noch eine fünfte Biblio« 
thek hinzugekommen, im Jabre 1860 batten sie zasammen 
eine Leserzabi von 4058, vornehmlich ans dem Gewerbe- 
und Handwerkerstande. Aufser den vielen Vereinen, die 
fast in jeder Parochie sieb die Aufgabe stellen, den reli- 
gidsen Sinn zu verbreiten, aufser den Vereinen für sittlich 
verwahrloste Kinder, den Erwerbeschulen, wollen wir als 
Rettungshäuser nur noch die Magdalenen-Anstalt bervorhe- 
ben, die von einem wohlthfitigen Vereine gestiftet und ge- 
leitet wird und die Besserung sittlich verderbter Frauen« 
zimmer im Auge bat Einen gleich edlen Zweck verfolgt 
der Verein zur Fürsorge fOr entlassene Gefangene. Man 
mnss zugestehen, dass Berlin in jeder Beziehung seiner wür- 
dige Anstrengungen macht, auf diejenigen einzuwirken, de- 
nen der wichtige Wirkungskreis der Kindererziehnng und 
Kinderpflege früher oder sp&ter anheimfällt Man schlage 
das Interesse, welches die Medicinalpolizei an diese Vereine 
heftet, nicht zu gering an. Der Arzt wird vergebens Mut- 
terliebe in dem Herzen einer rohen Mutter anzuregen ver- 
Boehen, er wird vergebens an Mitleiden und Mitgefühl für 
die kranken und verlassenen Kinder appelliren, wenn seine 
Worte auf keinen fruchtbaren Boden fallen. Welche Fruchte 
lassen sich aber aus einem unkultivirten Boden ziehen, wenn 
man mit Sorgfalt und Geduld ihn bearbeitet, wenn man die 
schädlichen Elemente aus ihm zu entfernen bestrebt ist! 

Wenn wir nun die Ursachen der Kindersterblichkeit 
in das Auge fassen wollen, welche die Sanitätspolizei spe- 
ciell angeben und im Bereich welcher sie ihren Wirkungs- 
kreis hat, so ist es die Armuth der Eltern, die unsere Auf- 
merksamkeit vor Allem auf sich zieht Niemand zweifelt 
wohl an ihrer Bedeutsamkeit für Gesundheit und Leben, 
Niemand verkennt die Legionen von Leiden, die aus der 
Entbehrung resultiren, die besonders so tief in das Kindes- 
alter hineingreifen, das noch nicht das Widerstaodsvermö» 
gen gegen dii>selbeu besitzt, als die Erwachsenen. 

Berlin hat zwar nicht die Summe von Armen, wie 
London, aber es birgt auch in sich eine gewaltige Zahl von 
ihnen ')• Im Jahre 1851 existirten hier 7366, 1855: 6967, 
1858: 6229, 1860: 6385 Almosenempfänger, so dass auf 
100 Civileinwohner resp. 1,77, 1,63, 1,42 und 1,45 Almo« 
•enempfänger kommen. So bedeutend diese Zahl schon 
ist, so druckt sie den wahren Sachverhalt doch noch nicht 
richtig aus. Man darf nicht die grofse Zahl der sogenann* 
len verschämten Armen vergessen, die nicht von der Stadls 
sondern von Woblthätigkeits- Vereinen oder Privatpersonen 



Unterstützungen erhalten, nicht die grofse Zahl kleiner Be- 
amten, armer Handwerker etc., die sieb kümmerlich und 
nur mit Entbehrungen durch das lieben durchschlagen. 
Diese Entbehrungen tragen aber nicht sie allein, auch die 
Kinder leiden in einem noch gröfsem Maafsstabe darunter, 
weil sie ungleich empfindlicher gegen alle widrigen Einwir- 
1 kungen sind. Diese machen sich zuvörderst in den scblech- 
ten, ungesunden Wobnungen geltend, denn der Arme ist 
, gezwungen, für sich und seine Familie als Wohnung das 
I zu nehmen, wie Pappenheim ') sagt, was als Wohnung 
am billigsten zu haben ist, Gesundbeitsrüeksicbten nimmt 
er nicht und kann sie auch nicht nehmen, er sucht nur nach 
Dach und Fach. Die Wobnnngsverbältnisse haben sich 
I aber in Berlin in der letzten Zeit durch das fortwährende 
I Wachsen der Einwohnerzabi immer ungünstiger gestaltet, 
die Wohnungen sind immer theurer geworden. Während 
, die Wobnungen bis 30 Thlr. am Anfange des Jahres 1850 
; noch 18,78 pCt und von 31—50 Tblr. 33,23 pCt von der 
Gesammtzahl dar Wobnungen ausmachten *), nahmen die 
der erstem Kategorie 1860 nur noch 9,08 und die der letz- 
tem 25,53 von der Gesammtzahl ein. Die Zahl der Woh- 
j nungen von 30 Thlr. Miethawerth und darunter ist also in 
i den letzten 10 Jahren auf etwa die Hälfte herabgegangen t 
i Die nothwendige Folge davon ist, dass die Armen immer 
schlechtere Wohnungen aufsuchen, dass sie sich immer mehr 
zusammendrängen, dass eich mehrere in den Raum theilen 
müssen, der früher nur Einem gedient hat. Wie viele der 
ärmeru Klasse können aber nicht einmal 30 Thlr. für eine 
Wohnung erschwingen? Bei dieser Frage muss man sich 
nur vergegenwärtigen , was für Berlin eine- Wohnong für 
diesen Miethspreis sagen will. Man trifft sie nur in den 
ärmlichsten Gegenden der Stadt, wo sie entwedeir in irgend 
einer hohem Etage aus einem Zimmer ohne Küche und 
ohne Nebengelasse bestehen, oder sie sind schreckliche 
Kellerwohnungen altern Styls, da die in neuern Hänsern 
befindlichen schon beträchtlich theurer, weil gesunder sind. 
Wer sich einen Begriff von den Wohnungen für 30 Thlr. 
mit ihren Insassen machen will, muss die sogenannten Fa« 
milienhäoser besuchen, diesen vor dem Hamburger Thore 
belegenen und einen sobmutsigen Hof einschliefsenden Com» 
plez von alten Häusern. In der zweiten und dritten Etage, 
zu denen man auf dunklen Treppen und durch dunkle Gor- 
ridore gelangt, befinden sich numerirte, sdbmale Zimmer, 
die sohmntcig and von alten Sachen vollgepfropft sind. Die 
Dünste, die dem Eintretenden entgegen treten, sind nicht 
zu beschreiben. Hier lebt im glücklichsten Falle eine ein- 
zige Familie mit den zahlreichen blassen und jämmerlieb 



■) Müller, Berliner statistisohes Jahrbach für d. Jahr 1S54 
p. 141 n. 169. 

^) Commuualblatt der Haupt- und Residenzstadt Berlin 1860 
No. 7. p. 62 und Extrablatt No. 54. 1H6I. p. 445. 



* ') Pappenheim, Handbuch der Sanit&ttpolizei. Berlin 1858. 
Bd. I. p. 177. 

>) Communalblatt der Sudt Beriin. Extrablatt No. 54. 1861. 
p. 442. 



140 



«asflebenden Kiinlera nod mit den Scblafbarecben and Schlaf- 
mädcben, die nie fehlen. Es klingt wie Hohn, wenn man 
sagt, daes, je höher hinauf, die Zimmer swar billiger, aber 
auch immer« kleiner, immer scbmotsiger ond niedriger wer- 
den, und dasB sie in demselben Verhältnisse aoch immer 
mehr Menschen, ja sogar mehrere Familien aufnehmen, es 
klingt noch mehr wie Hohn, wenn man hört, dass diese 
Wohnungen in der Miethe gesteigert werden sollen, wenn 
sie von ihren alten Inhabern verlassen und von neuen be- 
logen werden. Zu diesen Wohnungen gehört keine Köche, 
kein Nebengelass irgend welcher Art, in den Zimmern wird 
geschlafen, der Tag verlebt, gekocht, gewaschen und Wä- 
sche getrocknet. In den Familienhäusern wohnen nach po- 
liseilicher Zählung 2000 Menschen oder 420 Familien mit 
Ausschluss der Schlafinsassen in 400 Sommern, wenn man 
hierunter jede Räumlichkeit versteht, die zum Aufenthalte 
am Tage oder in der Nacht dient Man glaube nicht, dass 
dies die einzigen Häuser sind, in denen diese ungfinstigen 
Verhältnisse existiren, nur wenige Schritte weiter zur Acker-, 
Berg-, Oartenstrafse etc. stöfst man mehr oder weniger auf 
dasselbe Bild. In der ganzen Stadt zerstreut trifft man 
aufserdem als Wohnstätten der Armuth die meist dunkeln 
Kellerwohnungen, die nicht allein von den Familien selbst 
bewohnt werden, sondern aufserdem noch zu Werkstätten, 
mit Vorliebe für Schuhmacher und Klempner, und zu ^Re- 
staurationen^ des niedersten Ranges dienen. Da ertönt der 
Hammer des Vaters neben dem Geschrei des Kindes, glimmt 
das Kohlenfener zum Löthen neben der Wiege des Säug- 
lings, hier machen die Gäste den Bewohnern das Bischen 
Raum streitig, was ihnen überhaupt zu Gebote steht, in 
beiden mischt sich die Ausdunstung der Familienmitglieder 
mit dem Dunste, der Gluth und den Gerüchen, welche dem 
in ihnen betriebenen (bewerbe eigen sind. Eine Eigentbnm- 
lichkeit der Kellerwohnungen ist gerade in Berlin die Feuch- 
tigkeit, denn es ist nichts Seltenes, bei einem einigermafsen 
hohen Wasserstande der Spree dieselben von Ueberschwem- 
mnngen bedroht zu sehen. Denke man sich zu allen je- 
nen Potenzen noch die Ausdfinstungen , die von in Fänl- 
niss fibergehenden vegetabilischen Substanzen ausgehen, die 
dumpfe Moderluft, die das faulende Holz verbreitet, so hat 
man eine Atmosphäre so zusammengesetzter, aber auch so 
hochgradig schädlicher Natur, dass sie zu einem absichtli- 
chen, langsamen Vergiftungstgde nicht unheilbringender con* 
stmirt sein könnte. An eine LSftung wird aber niemals, 
vor Allem nicht im Winter gedacht, wo die Ritzen an Fen- 
ster und Thuren noch sorglich mit Papier verklebt werden. 
Die entweichende Wärme ist den Armen zu theuer gewe- 
sen, um sie nicht möglichst lange auszunutzen, zudem hat 
jeder Arme eine angeborne Antipathie gegen die Ventila- 
tion. Die schädlichen Einwirkungen der Wohnungen bei 
der ärmern Klasse besteben nach Heck er im Mangel 
an Licht, Mangel an reiner Luft und in der Feuchtigkeit, 



denen man noch den Mangel an genügendem Räume hin- 
znf&gen könnte. *) Dieses unheilbringende Kleeblatt trifft das 
Kind an, wenn es das Licht der Welt erblickt, anstatt eine 
gedeihliche Ruhe zu geniefsen, muss es sich mit ihnen in 
einen Kampf auf Leben und Tod einlassen, und dass es 
so aufserordentlich oft unterliegt, ist wohl nicht zu verwun- 
dern. Heck er macht mit Recht darauf aafmetksam, dass 
bei dem Mangel an reiner und gesunder Luft eine Beein* 
träcbtigung der Respiration stattfinden und dadurch die ge- 
sammte ßlutbereitung einen Stofs erleiden muss. Es ent- 
wickelt sich auf diese Weise eine wahre Dyskrasie, die im 
Verein mit den aus den andern Noxen resultirenden Ver- 
kümmerungen der Gesundheit in dem Bilde der sogenann- 
ten Gachexia pauperum erscheint. Von ihr wird das Kind 
nach seiner Gebart heimgesucht, von ihr aber auch die 
Mutter und das noch ungeborne Kind, das von dem in 
seiner Mischung veränderten Blute vom Beginn seiner Eni- 
Wickelung an bis zur Gebart umgeben wird und ihm den 
Keim des Elends einpflanzt, der nnr geringer Einflösse be- 
darf, um zar vollen Ent Wickelung zu gelangen. Hier ha- 
ben wir die Erklärung des Untergangs wenigstens für ei- 
nen Theil der an Leben ssch wache gestorbenen 4742, eben 
so ffir die den Skrofeln erlegenen 938 Kinder! Berlin ist 
übrigens nicht lässig gewesen, diesen Uebelstanden in sei- 
ner ärmeren Bevölkerung entgegen zu treten. Die unter 
dem 21. April 1853 *) erlassene Bauordnung für Berlin 
bestimmt im §. 89., dass Kellergeschosse nur dann zu Woh- 
nungen eingerichtet werden dürfen, wenn deren Fufsboden 
mindestens 1 Fufs über dem höchsten Wasserstande, deren 
Decke aber wenigstens 3 Fufs über dem Niveau der StrafiM 
liegen. Der Sturz des Fensters soll 2 Fafs über dem Ni- 
veau der Strafse liegen und müssen die Mauern und Fufis- 
böden solcher Wohnungen gegen das Eindringen ond Auf- 
steigen der Erdfeuchtigkeit geschützt werden. Die Wirkung 
dieser Maafsregel ist von dem aufserordentlichsteD Nutzen 
gewesen, denn in den neuen Häusern sieht man nur mit 
Freade die Kellerwohnungen den vorgeschriebenen Verhält- 
nissen entsprechen und dadarcb zu Aufenthaltsorten wei> 
den, die den hygienischen Ansprächen genagen. Der §• 88. 
der Bauordnung schreibt aufserdem vor, dass alle zum tag» 
liehen Aufenthalte von Menschen bestimmten Wohnränme 
in neuen Gebäuden wenigstens 8 Fufs, und wenn solche in 
vorhandenen Gebäuden neu angelegt werden, wenigstens 
7| Fufs lichte Höhe erhalten. Alle Wohn- und Schlaf- 
räume mit weniger als 9 Fufs lichter Höhe müssen zur Her- 
stellang eines gehörigen Luftwechsels mit passenden Ein- 
richtungen und mindestens mit Fenstern zum Oeflfnen in 
hinreichender Zahl und Gröfse und mit von innen zu hei- 



>) C aap er, Vierteljahrsschrift f. gerichtl. u. öffentl. Medi- 
an. Berlin 1854. Bd. 5. p. 46 u. ff. 

*) W. Hörn, das preufs. Medicinalwesen Bd. 1. p. 46. 



141 



idoden Oefen auegestattet seio. Dies Gesetz enthält alles 
das, was for Neabaaten berücksichtigt werden oioss und 
WM auch vor seinem Erlasse yielfach z. B. von Bressler 
gewnnscbt ist. ') Es fragt sich nnn aber, welche Maafsre- 
geln ra ergreifen sind, am die vor jenem Erlasse aufge* 
fahrten Wohnungen , die den Gesnndheitsracksichten zuwi* 
der bandeln, gesunder zu gestalten? Es ist unmöglich, die- 
selben zu schliefsen, oder ihr Bewohnen zu untersagen, weil 
damit eine grofee Zahl von Familien obdachslos gemacht 
ond zum Zigeunerleben verdammt sein wurde. Dass bier- 
darch aber für das Leben der Kinder keine gröfsere Ga- 
rantie gegeben wGrde, als es vorher der Fall, liegt auf der 
Hand. Eine Räumung könnte deshalb nur für schlimme 
Fälle und nur allmälig eintreten, ähnlich wie es durch Par- 
laments-Akte vom 1. Juli 1844 In Liverpool angeordnet 
wurde. Wenn nun auch Berlin in seinem Arbeitshaose ein 
Institut besitzt, das obdachslos sich herumtreibende Fami- 
lien Wohnung auf gewisse Zeit anweist, so ist dies doch 
nur vorfibergehend und muss vor Allem eine Ueberfullung 
desselben mit Menschen vermieden werden '). Früher wurde 
überhaupt das Arbeitshaus von Umhertreibern und Arbeits- 
scheuen als eine Zufluchtsstätte betrachtet, in die sie sich 
auf die leichteste Weise Eingang zu verschaffen wussten 
und in welcher sie vorzugsweise die ungünstige Jahreszeit 
zubringen moobten. Das Verhältniss hat sich in der letz- 
tem Zeit gebessert, weil strengere gesetzliche Bestimmun- 
gen hinsichtlich der Bestrafung der Bettler etc. ergangen 
sind. Beispielsweise wurden im Jahre 1860 „obdachlose 
Familien^ nach Köpfen berechnet 61 männliche und 108 
weibliche, und „wegen Nichtbeschaffung eines Unterkom- 
mens*^ 693 männliche und 78 weibliche Personen dem Ar- 
beitshanse fiberwiesen '). Jedoch ist sein Hauptzweck nicht 
die Aufnahme der Obdachlosen, sondern die Correction der 
▼oo der Polizeibehörde wegen Polizei-Contraventionen etc. 
eingelieferten Personen. Es könnte also nur bei Ausnah- 
jzieflUlen zur Aufnahme von Familien dienen, die zum Ver- 
lasaen ihres Wohnraums aus medicinal-polizeilichen Grün- 
den angehalten gewesen wären. Dagegen besteht in Ber- 
lin ein Actienverein , der den Zweck verfolgt, in gemein- 
n Steiger Weise durch BauausfGhrungen in den verschiede- 
nen Stadttbeilen Berlins, oder vor dessen Thoren gesunde 
and geräumige Wohnungen für sogenannte kleine Leute zu 
beschaffen und diese billigst zu vermiethen. Es ist dies die 
Berliner gemeinnfitzige Bangesellschaft, der sich später noch 
die denselben Zweck verfolgende Alexandra-Stiftung ange- 



') Casper, Vierteljahrsschrift für gerichtl. n. öffeotl. Medi- 
oin Bd. 6. p. 312. 

') Bericht über die Verwaltang der Stadt Berlin in den Jah- 
ren 1841-1850 p. 267. 

') Communalblatt der Haupt- und Residenzstadt Berlin 1861 
3Vo. 31. p.245. 



schlössen hat '). Nach dem Verwaltungsberichte von 1859 
besitzt erstere 24 Hänser mit 219 Wohnungen und 31 Werk- 
stätten, in denen 200 Männer, 208 Frauen, 535 Kinder und 
214 Dienstboten, Lehrlinge und Einlieger wohnen. Die 
Alexandra-Stiftung besitzt 2 Wohnhäuser mit 25 Wohnun- 
gen und 13 Werkstätten, in denen 23 Männer, 25 Frauen, 
53 Kinder und 47 Dienstboten, Lehrlinge und Einlieger 
wohnen. Es muss zuerst mit Freude bemerkt werden, dass 
der gröfste Vortheil dieser gesunden Wohnungen besonders 
den Kindern zu Theil wird, da sie die Hauptsumme der 
Hansbewohner ansmachen. Andrerseits muss aber berück- 
sichtigt werden, dass eine so grofse Wohlthat diese Woh- 
nungen den „kleinen Leuten^ bieten, die eigentlichen Ar- 
men leer dabei ausgehen, denn sie sind nicht im Stande, 
die Miethen für dieselben zu erschwingen. Sie haben nur 
indirekten Vortheil dadurch, dass je mehr Wohnungen die 
gemeinnützige Baugesellschaft liefert, desto billiger wegen 
Mangels an Concurreuz auch die geringern Wohnungen 
werden, dass die Armen mit mehr Wahl bei der Annahme 
zu Werke gehen können und so die Wirthe zwingen die 
Wohnungen besser in Stand zu setzen und zu halten. Die- 
ser Vortheil ist aber ein verschwindend kleiner, da die Häu- 
serzahl der gemeinnützigen Baugesellschaft noch nicht im 
Verhältniss zu dem Bedarfe an Wohnungen für den ärme- 
ren Theil der Bevölkerung steht Eine wirkliche Hülfe 
wurde aber geleistet, wenn die Gesellschaft von dem Prin- 
cipe abginge, nur für „kleine Leute^ Wohnungen zu lie- 
fern, dies auf die Armen im Allgemeinen ausbreitete und 
so mehr die dürftigste Klasse, als eine gewisse mittlere im 
Auge hätte. Wenn wir deshalb den Vorschlag machen, im 
Interesse der Armen und besonders ihrer Kinder Häuser 
zu erbauen, in denen sie Wohnungen erhalten können, für 
den Miethswerth, wie sie ihn jetzt und zwar unverhältniss- 
mäfsig hoch bezahlen, so sind wir uns vollständig bewusst, 
dass bei dem jetzigen hohen Preise des Grund und Bodens 
in Berlin dies nur mit Aufopferung eines Theils der für 
den Boden lösbaren Summe geschehen könnte. Es ist na» 
türlich, dass keine Gesellschaft sich finden würde, die sich 
zu einem solchen Unternehmen hergäbe, was nur Verlust 
in Aussicht stellt Wenn die Stadt die Differenz der Ein- 
nahme für den Grund und Boden als ein Almosen für eine 
Anzahl Armer betrachten wollte, so sind wir überzeugt, 
dass sie dabei doch pur Vortheil haben würde, denn ohne 
Frage würden sich die Kosten für das Arbeitshaus, die 
Kurkosten im Armenkrankenwesen, die Beiträge zu wohl- 
thätigen Vereinen, wie für den Erziehungsverein für Kin- 
der im grünen Hause etc. verringern. Wir führen nur die* 
sen an, weil er nach dem Berichte des Vereins von 1861 
(p. 4) von der Stadt ein Darlehn von 6000 Thlrn. zu sehr 



* ) Communalblatt der Haupt- und Residenzstadt Berlin 1860 
No. 19. p. 165. 



142 



niedrigen Zinsen, immerhin also eine beträchtliche Unter- 
stützang erhalten hat. Motivirt wird unser Vorschlag wohl 
genagsam dorch die Menge Einderopfer, die dem Einflasse 
der entsetzlichen Wohnungen fallen, und wenn wir ihre 
Zahl auch nicht bestimmt sagen können, so werden wir 
uns ihrer bewnsst bei dem kürzesten Blicke, den wir in 
diese Wohnungen und auf ihre sämmtlichen kindlichen Be- 
wohner werfen, motivirt ferner durch das Vertrauen zur ge- 
meinnützigen Baugesellschaft, unter den angegebenen Ver- 
hältnissen auch für die ärmste Klasse Wohnungen herzu- 
stellen, da ihr Zweck ja nicht Spekulation und Gewinn, 
sondern lediglich Erleichterung des Elends ist Die Häu- 
ser wurden schon der Eostenersparniss halber nach dem 
Kasernirungssysteme aufzuführen sein, und Pappenheim *) 
hat sicherlich Recht, wenn er sagt, dass den medicinischen 
Nachthellen der Kasernirung durch gute Ventilation, gemein- 
same Waschanstalt, hygienische Revisiooen leicht bis zu ei- 
nem gewissen Grade abgeholfen werden kann, dass durch 
die Möglichkeit gemeinsamer und dadurch billiger Heizung 
und Wäschereinigung an sich schon ein grofser Vortbeil 
erwächst, dass endlich eine strenge Hauszucht Reinlichkeit 
und so weit als möglich Frieden garantiren können. Bei 
der Wohnungsfrage tritt uns aber noch ein wichtiger Punkt 
entgegen. Nach §. 90.' der Berliner Bauordnung sollen 
Wohnungen in neuen Häusern oder in neu erbauten Stock- 
werken erst nach Ablauf von 9 Monaten nach Vollendung 
des Rohbaues bezogen werden, und nur das Polizei-Präsi- 
dium hat das Recht, nach den Umständen die Frist bis auf 
4 Monate und bei Wohnungen in neu erbauten Stockwer- 
ken bis auf 3 Monate zu ermäfsigen. Es ist nicht anzu- 
nehmen, dass gegen dies so bestimmte Gesetz gefehlt wird, 
wenn polizeiliche Aufsicht stattfindet. Mag nun aber das 
Polizei - Präsidium „die Umstände^ sehr oft vorfinden, um 
die Frist zu verkurzen, was ja sehr leicht möglich ist, da 
es seinem Ermessen überlassen ist, unter ,,Umständen^ zu 
verstehen, was es will, mag die Zeit von 9 Monaten zur 
Austrocknung der Wohnung oft nicht hinreichen, so yiei 
steht fest, wenn man auf die Stimme des Publikums hören 
will, dass sehr häufig Arme in Wohnungen für geringe 
Miethe aufgenommen werden, die sonst für sie viel zu 
theuer sind, um mit ihrem und ihrer Einder Leibe die 
Wohnungen „auszu wohnen^. Sieht man sich beispielsweise 
die neuen Häuser in der Gegend des Moritzplatzes an, so 
bemerkt man allerdings mit Verwunderung, dass in den, 
sonst nur von der gut zahlenden Elasse bewohnten Eta- 
gen, wo die noch nicht eingerichteten Zimmer und Zugänge 
auch noch nicht zur Aufnahme ihrer eigentlichen Bewohner 
vorbereitet sind, eine Anzahl Familien aus der ärmeren 
Klasse der Bevölkerung hausen. Wie sehr die Hygiene 
das Bewohnen feuchter Wohnungen verdammt, weifs Je- 



') Pappenbeim, Handb. der Sanitfitspolizei Bd. I. p. 195. 



dermann, weshalb sollen wir also noch auf den BioiiM 
dieser Unsitte auf Gesundheit und Leben der EindeT «ü« 
merksam machen? Jedenfalls kann das Resoltat dieser 
Erkenntniss nur der Wunsch sein, dass mit aller Energie 
der §. 90. gehandhabt wird und die Umstände, die die 
Frist verkürzen, jedesmal mit strengen medicinal-polizeiU« 
eben Augen betrachtet werden. Eine zweite Last, die die 
Armuth drfickt und die Gesundheit und das Leben ibver 
Einder untergräbt, ist der Mangel an Reinlichkeit Nicht 
allein der Eörper, sondern auch die Eleidnng and die Wa- 
sche sind die Träger des Schmutzes und der Unreiolicfa- 
keit und zwar in einem solchen Grade, dass der Arme ei- 
nen ganz specifischen Geruch von sich giebt, der sich mit 
Nichts vergleichen lässt, weil er so zusammengesetzter Ka- 
tnr ist. Es ist wohl feststehende Thatsache, dass vor Al- 
lem beim neugebomen Einde die Reinlichkeit des Eörper« 
aufser der guten Nahrung die Grundbedingung zum Qedei- 
hen und das hauptsächlichste prophylaktische Mittel %9%m 
so viele Erankheiten ist. Nicht minder ist bei den altern 
Eindern Reinlichkeit in Eleidung und Wäsche eine Bedin- 
gung zur Entwickelung des Eörpers und das Gegentheil die 
Basis zu den verschiedensten Erankheiten. Wir sehen hier- 
bei ganz davon ab, dass eine ungenfigende, mangelhaft 
schätzende Bekleidung naturlich auch ihre verderbliche Fol* 
gen hat. Die Armuth ist nun aber nicht reinlich, denn vor 
Allem kostet die Reinlichkeit Geld, und dies reicht ja kaum 
zur Bestreitung der Mundbedurfnisse aus. Aber auch Zeit 
und Raum fehlen, Zeit, weil sie durch die Arbeit wahrend 
des Tages absorbirt wird, Raum, weil kauoi die Zimmer- 
bewohner davon genug haben. Das wirksamste Mittel hier^ 
gegen sind die öffentlichen Wasch- und Badeanstalten. Sie 
machen es dem Armen möglich, mit ganz geringen Qeld- 
aufwande ohne eine noch gröfsere Raumbedchr&nkong io 
seiner Wohnung zu erleiden und ohne sie eugleieb aift 
Trockenraum zu benutzen, die Reinlichkeit des Körpers und 
der Eörperbekleidung bei seinen Eindern aa eraxogUcheu. 
Berlin besitzt zwei öffentliche Bade- und Waschanstaitea, 
deren genaue Beschreibung Pappen heim *) giebt^ auf den 
wir deshalb verweisen. Aufserdem ezistiren für den Som- 
mer noch 3 unentgeldliche Plussbäder (Waisenbri&cke) Burg- 
strafse, Werdersche Mühlen), die auf Eosten des Magistrats 
unterhalten werden. Diese letztern sind haupts&dbWcb fest 
die Einder wichtig, die hier in der Stadt selbst nnd anter 
Obhut baden können, während sie sonst, Qm nichts Y>eub- 
len zu brauchen, auf einsame und aller Aufsicht eotbeih 
rende Orte fern von der Stadt angewiesen ^w&ren. V?ie « 
Jeder weifs, dass die Waschanstalten eine aufserordentlicbe 
Wohltbat für die Armuth sind, und dass ihre Verbreitung 
eine Garantie für bessere Einderpflege and Herabsetzung 



') Pappenheim, Handbuch der Sanitfitspolisei Band 1- 
p. 180—186. 



143 



der KindermorUilität i8t, so moss sich aber aoeh Jeder sa- 
gen, dass zwei solche Anstalten far eine so grofse Stadt, 
wie Berlin» viel so wenig sind. Paris hat dagegen jetct in 
jedem Stadttheile eine öffentliche Wasch- ond Badeanstalt, 
and dass ihre Zahl nicht za grofs ist, lehrt jeder Besuch, 
wo man die R&ome zum Waschen jedesmal in der regsten 
Benutzung findet. Die Medicinalpolizei muss deshalb in- 
nigst wünschen und mit aller Thätigkeit dabin wirken, dass 
diese Einrichtungen vervielfacht und in möglichst vielen 
Stadtbezirken aufgeführt werden. Den Aerzten ist es aber 
' an das Herz zu legen, dem in seinen Gewohnheiten leider 
so eonservativen Armen auf die Wohlthat aufmerksam zu 
machen, die ihm für die Pflege seiner Kinder aus der Be* 
nutzuog dieser so leicht benutzbaren Institute erwächst. 

Leider giebt nun aber auch der Arme seinen Kindern 
nicht die passendste, sondern die billigste Nahrung, welche 
Rücksichten ihn ja auch bei seiner eigenen Ernährung lei- 
ten. Dem nengebornen Kinde werden hier zwei Alterna- 
tiven geboten. Die Mutter s&ugt es entweder und ist dies 
immerhin der glucklichste Fall, wenn die Nahrung dann 
auch oft nur k&rglich zufliefst und in demselben mangel- 
haften Verhfiltnisse gegeben wird, wie die Mutter sie selbst 
an sich nimmt, oder es wird kunstlich ernährt. Der letz- 
tere Fall fordert das Kind zu einem harten Kampfe um 
Bein Leben heraus, dem es bekanntlich bei weitem am häu- 
figsten unterliegt Wir wollen mit Hey fei der ') ein Bild 
dieser Brnäbrangs weise geben, wie es gewiss mancher Arzt 
in seiner Praxis beobachtet bat. „Hier (in Oberschwaben) 
werden die Kinder auf dem Lande zum grofsten Theile 
nicht von der Mutter genährt, sondern erhalten vom Tage 
der Geburt ab Mehl- oder Milchbrei, der stets auf einen, 
oft aaf mehrere Tage vorräthig gekocht, nicht selten schon 
mit Schimmel in dem Augenblicke aberzogen ist, wo er ge- 
reicht wird. Dabei giebt man sich nicht einmal die Muhe, 
ihn am Feuer zo erwärmen, bevor man ihn den Kindern 
in den Mund steckt, sondern nimmt ihn einen Augenblick 
zuvor selbst in den Mund und stopft ihn dann dem Kinde 
hinter dieMaxillen, unbekümmert, ob er auch gehörig ver- 
schluckt wird. 13 m die Kinder ruhig zu halten und das 
Schreien zu verhindern, steckt man ihnen fortwährend ei- 
nen Lutschbentel in den Mund, den sie Tag und Nacht bei 
sich behalten.^ Bei uns spielt aufserdem in der ersten Zeit 
die Saugflache eine grofse Rolle, der Brei kommt erst an 
die Reihe, wenn das Kind bereits einige Monate alt ist. 
Ihre Wirkung ist meistentheils auch keine bessere, denn die 
Milch, die darin gereicht wird, ist entweder nicht nahrhaft 
genug, weil sie vor dem Ankaufe schon zu verdfinnt war, 
oder ihre Vermischung mit Wasser geschieht auf eine dem 
Alter des Kindes nicht entsprechende Weise. Dazu tritt 
Unrein lichkeit der Flache, leichte Zersetzung der Milch, die 

>) MediciniBohe Zeitung 1S34. No. 7. p. a2. 



nioht zu jeder Mahlzeit besonders zubereitet wird, Mangel 
an Reinlichkeit bei den Pfropfen und Sangstöpseln. Alle 
diese Verbältnisse reden so fiberzengend, dass wohl jetzt 
keine Stimme mehr existirt, die in den allgemeinen Ruf 
nicht mit einstimmte, dass die künstliche Ernährung für das 
Kind die gefährlichste, dass ihr die meisten Opfer an Kin- 
dern zuzuschreiben ist Will nun die Mutter bei der är- 
meren Klasse wirklich selbst säugen, so kann sie diesen 
Vorsatz nur für die seltenen Fälle regelmäfsig ausfuhren, 
dass sie nicht selbst zur Arbeit geht, sondern den Tag ober 
zu Hause bleibt. Muss sie aber auch verdienen, so giebt 
sie die Brust nur vor ihrem Weggehen und nach der Zu- 
rflckkunft Zwischendarcb erhalt das Kind entweder schon 
einen vorher bereiteten Brei von den altern Geschwistern^ 
wenn diese noch nicht in dem Alter sind , dass sie die 
Schule oder die Arbeit ruft, oder die Mutter legt, wie es 
gerade in Berlin eine gewöhnliche Erscheinung ist, bei dem 
Weggehen dem Kinde eine Saugflasche in den Mund, aus 
der es saugen soll, wenn es Hunger hat, aus der es aber 
immer sangt, wenn es nipht gerade schläft. 
(Fortsetzung folgt) 

Tagesereignisse und anderweite Hittlieilungeiit 

— Im Regierungs- Bezirk Oppeln ist die Grenzsperre 
wegen der Rinderpest gegen Polen und Galizien auf 'die 
milderen Bestimmungen des §. 2. der Verordnung vom 27. 
März 1836 reducirt worden. 



— Im Regiemngs Bezirk Aachen wwrea 



2 






; a . 



1^ 



SM 



h! ^ I 



ultimo 1862 . . . . 
- 1861 . . . . 
es waren mithin 
Imehr 



1862 



weniger 



130 
122 



22 , 6 

23 ' 7 



1 ! 1 



I 



22 
23 



o 



45 
45 



« 

S 
S 



231 
226 



— Im Regienings-BeeiriE Trier waren 

ultimo 1862 ... . 
altimo 1861 .... 
es waren mithin 

imebr 

weniger . . . 



1862JI 



91 

87 


27 
29 


?! = 


21 
22 


42 
42 


4 


2 


~ - 


1 


= 



400 
403 



— 3 



— - Im Regiemngs- Bezirk Dan zig waren 



ultimo 1862 ... . 
- 1861 .... 
es waren mithin 

imehr 

[weniger . . . 



1862J; 



123 
124 



20 
21 



13 
13 



19 
19 



40 
40 



231 
227 



^ 



144 



-* Woehenberioht der hiesigen öfFentlicheD Kran- 

kenhfiQser: 

Be«Und Wdchl. Wöchl. hieranUr Bestand 
18. April Zugang Abgang Todesfalle 25.April 

Bethanien ..... 251 46 35 7 262 

Hedwigs -Krankenh. 186 61 46 5 201 

Blisabeth-Krankeoh. 80 S 10 3 78 

Jodisches Krankenh. 46 2 8 1 40 



dasn Charit^ 



563 
1326 



117 



99 



16 



581 
1351 



1889 1932 

In Bethanien waren Langen* ond Bmstfellentsandung, 
und im Hedwigs-Erankenbanse Langenentsundang vorherr- 
schend. 

Literatur. 

Die Aphorismen des Hippokrates nebst den Glossen ei- 
nes Homöopathen von G. v. Boenninghaasen, 
Königl. Pr. Reg.-Ratbe a. D.. Doctor beider Rechte, 
nnd der Medicin etc. Leipzig bei Otto Par fürst 
1863. 640 S. 8. 

Gewiss leugnet kein Arzt, dass die Arzneiwissenschaft 
aneh der Homöopathie manchen Fortschritt verdankt Wir 
dürfen daher ein Bach nur am deswillen, dass es von ei- 
nem Homöopathen herrührt, nicht nnbeachtet lassen, nnd 
glauben vielmehr auch unsern Lesern das vorliegende Werk, 
dessen Verf. nicht nur im mediciniseben Wissen überall be- 
wandert sieh zeigt, sondern anch in anderweiter deutscher 
und anslfindischör Literatur eine wahrhaft seltene Belesen- 
heit an den Tag legt, empfehlen zu dürfen. Beziehen sich 
auch die Glossen, welche an die einzelnen Aphorismen sich 
anschliefsen und den eigentlichen Inhalt des Buches aasma- 
chen, wesentlich auf die Homöopathie, so wird doch der 
allopathische Leser unendlich viel Lehrreiches und Interes- 
santes darin finden, und worauf eben auch Gewicht zu le- 
gen ist, da der Arzt, wenn er auch nicht Homöopath ist, 
doch die Homöopathie kennen sollte, mit den Grundzugen 
der letzteren leichter bekannt werden, als dies bei dem 
Studium homöopathischer Lehrbücher in der Regel der 
Fall ist 

Winterkuren in Aachen. Von Dr. Alex. Reumont 
Aachen bei J. A. Mayer 1863. 16 S. kl. 8. 

Der Herr Verfasser macht darauf aufmerksam, dass 
Aachen dtirch die dort bestehenden Einrichtungen eben so 
wohl wie durch die klimatischen Verhältnisse zu Winter- 
kuren wohl geeignet sei, und empfiehlt sie insbesondere bei 
syphilitisch - merkuriellen Erkrankungen , wo die Aachener 
Thermen theils als Vorbereitungskur, theils in Verbindung 



mit spedfischen Kuren, theils als Nachkur sich bewahrt 
haben, bei chronischen Hautkrankheiten, bei den Residaeo 
akuter Gelenkrheumatismen und bei den Folgeznstindeo 
nach Verwundungen, Knochenbrüchen und VerrenkungisD. 

Mr. 

Anzeigen. 



Die KrankeHlieiler doellsalzseife, 

aus den KrankeDheiler-Jod^chwefelbruonen bereitet, ist nach At- 
testen der anerkanntesten Aerzte Deutschlands gegen ünreild^- 
keit der Haut mnd aUe Hantkrankheiten, Scropkela, Fieektsm, 
DrtseB, Yerh&rtiuigeB, Geschwüre (selbst syphilitisclier ud 
Msartiger Natur), Sckranden, Bamentlich ancn gegen Frostken- 
len ete. ete. das sicherste und zugleich unschädlichste 
Heilmittel, indem sie, sowie auch die Krankenheiler 
Brunnen, niemals eine Krankheit in den Körper zu- 
rücktreibt, sondern sie aus dem Körper ausscheidet. 
Sie dient auch aU bewährtes Mittel gegen das Ausfallen der 
Haare in Folge tou Schwäche der Haut, uod bewirkt in Fällen, 
wo die Haare nach Krankheiten ausgingen -^ was bei Damen 
so häufig vorkommt — nach wenigen Wochen einen neuen kräf- 
tigen Haarwuchs. 

Es gieht drei verschiedene Sorten von Krankenfaeiler Quell- 
salzaelfe: 

I) die JFodsodMielfe, als ausgezeichnete Toilette- 
seife und Mich eres Präservativmittel g^en Unreinigkeit der 
Haut etc. Sie wird wie die gewöhnliche !M>iletteceife sebraucbt, 
und ist als solche allen kosmetischen Seifen zum 
täglichen Gebrauche unbedingt vorzuziehen, weil 
sie, von allen schädlichen Bestandtheilen durchaus 
frei, neben ihrer mediciniseben Wirkung die Haut weifs, glatt 
und zart macht, und nicht theurer zu stehen kommt, als andere 
gute Toiletteseife; 2) die jrodsodMicIiiverelseire, aU 
Hellmittel gegen oben angeführte Krankheitsfälle^ 3> die ver* 
•MrlLte Qaellsalsselfe, für hartnäckige oder veraltete 
Fälle, in deneudie Jodsodaschwefelseife nicht kräftig genu« wir- 
ken sollte. Diese Seife ist von ffanx ftberrasckender Heilkraft 
lud bewirkt selbst in den kartnaekigsten FäUen, n denem am- 
dere Mittel erfolglos geblieben, noek ToUstftndige Heiluig, 

Der Vorstand des Franz-Joseph- Kinderspitals, Herr Prof. 
Dr. Löschner in Prag, sagt darüber in einem Berichte: 

Von allen Präparaten der Krankenheiler Mineralquellen ent- 
faltete unzweifelhaft die verstärkteQuellsalzseife, welche 
wir bei chronischen Ausschlägen mit gutem Erfolge anwendeten, 
die eklatantesten Wirkungen. Namentlich waren es Ec- 
zema» Impetiiro, Ecthvma, und zwar zumeist inveterirte Falle, 
wo sich diese Seife in Verbindung mit Bädern (von Quellsalx) 
als ein zuverlässiges Heilmittel bewährte. Auch bewirkte sie bei 
einem Falle langdauemder Psoriasis sehr rasch merkliche Bes- 
serung, und nach längerer Applikation vollkommene Heilang des 
Leidens. 

Bei direktem Bezüge von der Brunnen • Verwaltung Kran- 
kenheil in Tölz (Bayern) kostet: 1 Paket Jodsoda- oder Jod- 
sodaschwefelseife l Fl. 6 Kr. oder 19 Sgr., 1 Paket verstärkte 
QuellsaUseife 1 Fl. 54 Kr. oder 1 Thir. 3 Sgr. 

Die Krankenheiler Quellsalzseife ist auch zu beziehen durch: 
S. F. Hej^l wä. Comp, in Berlin, Sam. Rlttei» in Leip- 
zig, die JlIolii^iiapotlielLe in Dresden, S. Sleli 



äi 



dinier in Hamburg, S. Helnr. Dressier io Frankfurt 
a. M , lind. IjIikI in Wien, Stoll u. Selimldle in St. Pe- 
tersburg und Moskau und alle Apotheken uml Mineralwasaer- 
Handiungen. 



Verlag von Th. Chr. Fr. Enslin (Adolph B&slin) in Berlin. — Gedruckt bei A. W. Schade in Berlin, Stallschreiberatr. 47. 



Neae Folge. 
VI Jakrgang. 



PREÜSSISCHE 



Dt«*« S«ltaBg «r«eh«iBt wdcb«at«ioh. 

D«T Pr«i« d«* gaasttBlahrgaage, w«l«b«r 

Biobt ««traaat wird, !•» 3 Thlr. 90 8gr. 



MEDICINAL -ZEITUNG. 

Heraasgegeben von dem Verein fttr Heilkunde in Preussen 

uter BentznBg untlicher ■ittkeilingei des KSiiigl. ■muteriiBS der geigtUckei, Unterrichti- 
«Dd ledicinal-Ängelegenheiteii und der KSnigl. Provinzid-fiehSrden. 

Redactear: £. Möller, Geh. Medieinal-Rath etc. 



1863. 




19. 



13. Mai. 



Inhalt. Amtlicher Theil; Personalien; VeHögniig. — Ueber fremde Körper im Sabem Gehörgange ond deren Entfernung; 
Ton Voltolini. — Tageaereigniaae and anderweite Mittheilnngen. — Literatur. -«- Anxeigen. 



Amtlicher TheiL 

Personalien« 

AnizeiehnimgeiL 

Se. Majeet&t der Eonig haben allergDädigst gernht, 
dem Ereis-Phjsikus, SanitStsrath Dr. Königsfeld su D6* 
ren ond dem Wundarite erster Klasse und Geburtshelfer, 
Knappscbafts-Arzt Langer zn Waldenbarg, Reg. - Bezirk 
Breslau, den Rotben Adler-Orden vierter Klasse zu verlei- 
hen, sowie 

den praktischen Arzt Dr. August Hirsch zu Dan- 
zig zum ordentlichen Professor in der medicinischen Fakul- 
tät der Universitfit in Berlin zu ernennen. 

Anstellimg. 
Der praktische Arzt Dr. Laehr ist zum Kreis- Wund- 
arzt des Kreises Sorau ernannt worden« 

Viederlassnngen. 

Die praktischen Aerzte Dr. v. Haselberg, v. Olfers, 
Plaskuda, Weise, Heinr^ Schmidt, Herrn. Schmidt 
haben sich in Berlin, Dr. Bertog in Oschersleben, Dr. 
Blumen thal in Egeln, Dr. Fürst in Osterborg, die DDr. 
Fleck, Noeldecben und Je ssnitzer in Magdeburg, Dr. 
Aogenstein in Cöln, Dr. Fuchs und Dr. Hertel in 
Bonn ond die Thierfirzte Egge 1 in g und Rohl in Egeln 
und Krüger in Potsdam niedergelassen. 

Dr. Schulze ist von Frankfurt a. d. O. nach Berlin, 



Dr. Mulle r von Rüebenbewen nach Trarbaeh, Dr. Jan- 
sen von Aachen nach Randevath ond der Wundarzt erster 
Klasse Caroa von Lanzig nach Berlin gezogen. 

Apotheken-Angelegaaheitea. 

Der Apotheker Marggraf hat die BlelTsche Apo- 
theke in Berlin, der Apotheker Döring die Marggraf- 
sehe Apotheke in Berlin, der Apotheker Warringen die 
Schumaeher'sche Apotheke in Bornhelm und der Apo* 
theker Kabisch die Lncanns'sobe Apotheke in Halber- 
atadt gekaoft. 

Dem Apotheker C r u s i n s ist die Verwaltung der B e b m - 
sehen Apotheke in Berlin obertragen worden. 

Todesfälle. 
Dr. Mantey in Berlin, Dr. Zernial Jon. in Erzle^ 
ben, Dr. Geron in Malmedj, der Wundarzt 2ter Klasse 
Schneider in Berlin, Wenkebach in Potsdam, derThier- 
arzt Zander in Potsdam und der Apotheker Behm in 
Berlin sind gestorben. 



VerfDgung« 

Die Anfragen der Königl. Regierung in dem Berichte 
vom . . . beantworten sich im Allgemeinen aus der Cir- 
kular-Verfügung vom 16. Februar 1844, und was speoielt 
die Gensdarmen betrifft, aus der Yerfugong vom 22. Juli 
1823. In beiden ist, die Verpflichtung der Kreis- 
Medicinal«Beamten von einer amtlichen Requisi- 



146 



tiOD abhängig gemacht. Daraus folgt, das» der Kreis-Pbj- 
sikos nicht terpAicbtet ist, deo Gesandheitszastand eines 
sich bei ihm aas eigener Bewegoog meldenden Beamten 
oder X^eqsdaroMfi aneiHgekli^h'VQ'-niilersvchwi. 

Oh fm linzeinen Ifalle ^in ausreichendes dieasiJiches 
Inlj^rißse' voHiegt, um ^ne Bjßqiiisitioo ao den Sreis-M^i- 
cinal-Bcamten wegen unentgeltlicher Untersuchung des Ge- 
snndbeitszustandes eines Beamten zu erlassen, ist von der 
Behörde, welche um solche Requisition angegangen wird, 
sdbfllBtaodig zu präfeo. Im Aügememen bemerke ich, dtos 
der Einkauf von Be&mtenfrauen in die WRtwenkass«, da 



derselbe vqh Amts wegen befördert und controlirt wird, ?on 
denjenigen Zwecken nicht auszuschlieCbeo sein wird, wel- 
che, wenn die übrigen Voraussetzungen der Erlasse von 
1823 und M44 yonhanden sind, «ine amtiictae ftsquisitioQ 
dea Kreis-Medicinal-Beamten rechtfertigen« 
Berlin, den 28. April 1863. 
Der Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medicinal- 
Angelegen heiten. 

In Vertretung: Lehnerl, 
An 
die £6n]gl. RegieroDg zu N. 



Ceber fremde Körper im Kuisern GehSrgange ond 
deren Entfernung« 

Voö Dr. Voltolini, Privatdoccnt an der Universität xu Breslau. 
(Vortrag, gebalten im Verein Breslauer Aerzte.) 

Schon CelsQs wandte die Ocalarinspection des Ohres 
an und lehrte fremde Körper aus demselben entfernen; sein 
Rath bestand darin, deo Palleten auf ein Brett zu biodeii, 
das nor in der Mitte nnterstötst, an beiden Enden ftei 
schwebend wAre, dann mit einem Hammer so lange auf 
das Ende des Brettes zu klopfen, wo sich die Fufse des 
Patienten befinden, bis der fremde Körper aus dem Ohre 
faHe. Wir lachen jetzt vieileicbt fiber diesen Vorschlag, 
aber man kann doch wenigstens noch bei demselben lacben, 
w&hrend, wenn man heut zu Tage zuweilen selbst 'bedetr- 
teode Aerzte die robesten nnd gewaltsamsten Versuche ma- 
dben sieht, um einen vielleicht für das Ohr ganz unschul- 
digen Körper zu entfernen, dem Patienten und audi dem 
Arzte das Lachen vergeht, denn schon so mancher Patient 
bat hierdurch sein Leben eingeböfst. 

Wir wollen deshalb näher betrachten, was, nach dem 
heutigen Standpunkte der Ohrenheilkunde, die nüchterne 
Beobachtung Gber Entfernung fremder Körper aus dem 6e* 
b^rgange lehrt. 

Die erste Frage, wenn es sieb um fremde Körper im 
Gehörgange bandelt, ist die, ob denn auch wirklich ein sol- 
cher vorhanden ist, denn nicht gar selten begegnet es, dass 
Personen einen fremden Körper, ein Insekt u. dgl. im Ohre 
zu haben glauben und die genaue Untersuchung zeigt doch 
den Gehörgang ganz frei. Es kam einst beim fürchterlich- 
sten Schneetreiben weit vom Lande ein Patient zu mir ge- 
fahren, weil er glaubte ein Thier im Ohre zu haben, das 
hin und herkröche. Die Untersuchung zeigte nichts als eine 
akute Entzündung des Trommelfells, die dem Manne jene 
Empfindung simulirte. v. Tröltscb erzählt einen ganz ähn- 
lichen Fall C<iie Krankbeiten des Ohres, Wurzburg 1862, 
S. 33), nur war dieser in sofern noch schlimmer, als be- 



reits mehrere Personen den Gehörgang beleidigt, auch eia 
junger Mediciner mit einer Pincette sich an der Jagd be- 
theiligt hatte. Wilde (praktische Bemerkungen über Oh- 
renheilkunde. Aus dem Englischen von v. Haselb^rg. 
Gött ia gm ia»5, 8. 217) «rafiUi dau £«11, daaa.eiiMa.MMiv 
gens eine Frau in grofser Aufregung ins Hospital atfirzte, 
mit der Angabe, ihr sei ein Stecknadelknopf ins Ohr ge- 
konömen und verschiedene Personen hätten vergebens ver- 
sucht, ihn herauszubringen. Nachdem Wilde jeden Tbeil 
des Gehörgangs bs- GeaichMeld gebfatkt hatte, konnte er 
der Frau die Versicherung geben, dass ihre Furcht unbe- 
gründet sei; sie ging cnfrieden weg — und ganz frei you 
dem Schmerz, den sie angeblich vorher empfunden. 

Aber aucb der umgekehrte Fall kommt vor, dass Per- 
sonen einen fremden Körper im Ohre tragen, ohne auch 
nur eine Ahnung davon zu haben. Erst heute entfernte 
ich einer Dame ein ganz zusammengewickeltes, sehr haa- 
riges Blatt aus der Tiefe des Gehörgangs vom Trommel- 
fell. Sie hatte mich nicht wegen dieses Ohres consaltirt, 
denn das war ihrer Meinung nach ganz gut, sondern w^ 
gen des andern Ohres, das sehr schwerhörig geworden. 
Beim Vergleich beider Ohren mit einander entdeckte kb 
jenes Blatt, von dem die Patientin auch keine Ahnung 
hatte und durchaus nicht begreifen konnte, wie dasselbe \a 
das Ohr gekommen ; das Ohr hörte übrigens nur unbedeu- 
tend schlechter. Einer andern Dame, die sich nur vregen 
Ohrensausens an mich wandte, das schon längere Zeit be- 
standen und gegen das bereits verschiedene Mittel ange- 
wendet worden waren, nahm ich eine sechseckige Glasperle 
aus der Tiefe des Gehörgangs; aucb sie halte keine Ab- 
nung, dass und wie der Körper ins Ohr gelangt sei. 

Wo also irgend Verdacht auf einen fremden Korper 
im Ohr vorhanden ist, untersuche man genan, und zwar, 
wenn irgend möglich, beim Sonnenlicht, welches durch keV 
nerlei kunstliches oder reflektirtes Tageslicht ersetzt wer- 
den kann; nur wenn man jenes nicht haben kann, bediene 
man sich eines Erleuchtungsapparats. Ich benutze den von 
mir construirten, den ich auch zur Laryngoskopie ond Rbi- 



147 



ooakopie anwende *); der eioCachste Apparat von alUo iat 
der, wenn mao an den Stiel eines blanken Löffels einen 
Wacbistock klebt, so dass die Flamme gerade in die Höh- 
long des Löffels zu stehen kommt; fasst man den so ar- 
mirten Löffel dann an den Stiel und hält die Flamme ge- 
gen das Ohr, indem man neben dem Löffel vorbei siebt, 
so wird man nicbt geblendet und kann das Ohr bequem; 
untersuchen. 

Ist nun wirklich ein fremder Körper im Ohre, so fragt 
es sich, von welcher Beschaffenheit ist derselbe? Die Er- 
fahrung lehrt, dass besonders häufig folgende Dinge gefun- 
den werden: Insekten, Watte, Speck, Erbsen, Bohnen, Per* 
len, Bleistifte^ Steine, Obrenschmalzpfröpfe u. dergl.; dem 
Ohrwurm bat man mit Unrecht eine besondere Vorliebe für 
dus Ohr zugeschrieben. Uebrigens können Insekten selbst 
ihr Nest im Ohre aufschlagen und z. B. Maden sich in 
grofser Menge im Ohre anhäufen. Bei Sectionen von Kinds- 
köpfen habe ich wiederholt eine kleine gesellig lebende 
Spinne, wie man sie an Gartenzäunen auf einen Haufen 
zusammengeballt antrifft, im Ohre in grofser Menge gefun- 
den, und zwar lebend. Wilde (K c. S. 214) erzählt, dass 
er einst mit einem Freunde auf die Jagd ging, als dieser 
plötzlich ausrief: ^Ach, ein Ohrwurm!^ seine Büchse auf 
die Erde warf, ^u Boden £el, aufs jämmerlichste stöhnte 
and sich in Convulsionen wälzte. Wilde eilte zu einem 
nahen Bache aud goss etwas Wasser in das Ohr, worauf 
alsbald eine kleine Fliege herauskroch und der Mann au- 
genblicklich erleichtert war. 

Die Zufälle, welche solche fremde Gegenstände im Ohre 
erzeugen, können ganz unbedeutend sein, sie können aber 
auch einen türcbterlichen Grad erreichen; die Deutung 
wurde jedoch nicht richtig sein, wollte man die letzteren 
blas von dem Eindruck auf die sensibeln Nerven herleiten, 
denn z. B. in dem Falle von Wilde kaun man doch an- 
möglich annehmeu, dass eine kleine Fliege einen solchen 
Schmerz hervorrufen wird, um jene Erscheinungen zu er- 
klären. Ich glaube vielmehr, dass hier die heftige Tonern* 
pfindnng im Gehörnerven zur Erklärung dienen muss; man 
wird sich darüber nicht wundern, wenn man erwägt, dass 
der Gehörnerv sich in der Medulla oblongata mit mehreren 
andern Nerven und dem kleinen Gehirn verbindet, und das 
Zusammenfahren des ganzen Körpers uaeb heftigen Scball- 
eindrücken ist Jedem bekannt. Von dem gleichkam ver- 
nichtenden Eindrucke heftiger Schalleindrücke kann man 
sich durch ein Experiment überzeugen: nimmt man ein 
Hörrohr aus vinem Doppelsuhlauch bestehend, wovon je in 
ein Ohr ein Schlauch gebracht wird, setzt auf das Eqde 
des Schlauches, in welchen die beiden Schläuche munden, 
ein Mundstück, überzieht dieses mit einer Blase und her 



') Ij»struo»enienmacher Härtet hiereelbst, OkiauerstraCse 19^ 
hat denselben stets voiräthig für K^ Thlr. 



rührt letztere nur mit der Spitxe einer tönenden Siioamga* 
bei, so ist der Eindruck so gewaltig, dass man sich vor 
dem Umfallen sichern muss. * 

Die Symptome, welche fremde Körper gewöhnlich er- 
regen, sind: gröfsere oder geringere Schwerhörigkeit, Sum- 
men, Sausen u. dgl. subjektive Gehörerschein ungen, Schwin- 
del, Eingenommenheit und Druck im Kopfe, Schmerzen, 
die bedeutend sein, aber auch ganz fehlen können. Schwer- 
hörigkeit ist auch nicht immer vorbanden und in gewisser 
Art möchte man sagen, ist es gut, wenn sie zugegen ist^ 
da sie die Aufmerksamkeit des Arztes auf den Sitz des 
Uebels leitet. Manche Kranke hören trotz des fremden 
Körpers im Ohre ganz gut und sind dann ganz erstaunt, 
wenn man ihnen z. B. bei angesammelten Ohrenschmalze 
sagt, sie wurden nächstens taub geworden sein. Es ist dies 
physikalisch sehr leicht zu erklären: Schallwellen, welche 
in der Luft entstanden sind, werden durch die Luft am 
besten fortgepflanzt zum Trommelfelle, so lange daher sich 
noch irgend Luft neben dem fremden Körper zum Trom- 
melfelle hindurchpresst, hören die Kranken öfter ganz gut, 
sobald aber auch die letzte Oeffnung sich schliefst, ist die 
Schwerhörigkeit plötzlich eingetreten, denn nun gelangen 
die Schallwellen der Luft nicht mehr direkt zum Trommel- 
fell, sondern erst an einen festen Körper; Schallwellen aber 
von der Luft an feste Körper werden sehr schlecht über- 
geleitet; eine Membran, und zwar eine sehr dünne (Trom- 
melfell), muBSte deshalb die gute Leitung vermitteln. 

Schwindel, Eingenommenheit des Kopfes, Summen und 
Sftusen müssen stets die Aufmerksamkeit des Arztes auf 
das Ohr lenken; so manchen Kranken hat man schon we- 
gen dieser Symptome nach Carlsbad, Kissingen, in die See- 
bäder etc. geschickt, und doch war das ganze Leiden nur 
durch einen fremden Körper im Obre erzeugt. Ich stellte 
einst einen Patienten in wenigen Tagen her, welcher seit 
6 Jahren an ähnlichen Kopferachein ungen litt; er war wie- 
derholt ins Seebad geschickt, schliefslich elektrisirt worden. 
Alles ohne Erfolg — , die Eqtfernung eines Obrensebmalz- 
pfropfes beseitigte sofort das Leiden. 

Ab«r auch in entfernteren Organen des Körpers kön- 
nen mehr oder weniger bedenkliche Leiden auftreten, ja 
selbst ohne dass der fremde Körper im Obre eine beson- 
dere Empfindung hervorruft, so dass sein Dasein zuweilen 
gar nicht geahnt wird. Es ist bekannt, dass bei vielen 
Menschen Husten entsteht, wenn die Haat des äufsern Ge- 
hörgangs gereizt wird — ein Ohrensausen; es ist dies eine. 
ReAexerscheinung, die von Reizung eines Zweiges des Va- 
gus herrührt, der sich im äufsern Gehörgaug verbreitet. 
Die Physiologen habeo viel darüber hin und her gestritten 
(Job. Müller, Handbuch der Physiologie, 4. ÄufL Bd. L 
S. 621), ob den Reflexbewegungen immer eine Zweckmäs- 
sigkeit zum Grunde liege; bei vielen solchen Bewegungen 
ist es unzweifelhaft z. B. Husten naob Reizung der Schleim- 



148 



Laut des Traetas respiratorios, Scbliefsen der Augenlider 
beim beftigen Licbtreis tu 8. w.; aber was soll, bat man 
gesagt, z. D. ffir eine ZweckmäTsigkeit eingeseben werden, 
beim Hasten nacb Reizung des Obres? Man hat jedoch 
nach meiner Meinung die Frage anrichtig gestellt und mass 
sie so lauten, ob die Reflexbewegung nur eintritt, weil neben 
dem scheinbar unzweckmäfsigen Reize, doch stets daneben 
auch der zweckmäfsige Reiz, um mich so auszudrucken, 
vorhanden ist. Also z. B. wenn Jemand beim Blicken in 
das helle Sonnenlicht niest, so ist hierbei keinerlei Zweck- 
mftfsigkeit abzusehen, aber fragen wir die Person warum 
sie denn niese, so werden wir stets die Antwort erhalten, 
weil es sie in der Nase kitzele, und hierfür ist doch ge- 
wiss das Niesen zweckmfifsig. Gerade so beim Obre; fra- 
gen wir die Personen, warum sie denn husten bei Reizung 
des finfsern Gehörganges, so werden wir stets die Antwort 
erhalten, weil es sie im Halse kitzele — , und hierfür ist 
doch gewiss das Husten zweckmäfsig. Danach scheint es 
doch offenbar, als wenn die Reflexbewegung stets nur ein- 
tritt, weil ein für sie zweckmfifsiger Reiz sich geltend macht, 
mag dieser nun durch Irradiation vom ersten Ort der Rei- 
zung her oder vielleicht gar durch Fortleitung zum Gehirn 
entstanden sein. Bekanntlich versetzt jeder sensible Nerve, 
er mag im Centrum am Gehirn, oder sonst irgendwo ge- 
reizt werden, die Empfindung der Reizung nach der Peri- 
pherie (Schmerzen längst amputirter Glieder), so dass im- 
merhin denkbar wftre, eine Reizung eines sensiblen Nerven 
geht zum Gehirn und hier auf einen andern sensiblen Ner- 
ven fiber, und dieser erst ruft die Reflexerscheinnng in mo- 
torischen Nerven hervor. Weil denn nun häufig bei Re- 
flexerscheinungen nur der zweckmäfsige Reiz empfunden 
wird, der entferntere aber, von welchem jener erst verur- 
sacht wurde, nicht, so kann dies zo grofsen Irrtbamern in 
der Diagnose fShren. Die Erfahrung giebt hierfür die 
schönsten Belege. Bojer (chirurgische Erankbeiten fiber- 
setzt von Textor. Bd. 6. S. 10) erwähnt eines Falles aus 
der Praxis des Fabricius Hildanas, wo ein an Epi- 
lepsie, Atrophie eines Armes und Anästhesie der ganzen 
Kdrperbälfte leidendes Mädchen von all diesen Zuf&llen 
dorefa Entfernung einer Glaskugel aus dem Obre geheilt 
wurde, welche seit 8 Jahren unbeachtet daselbst sich be- 
funden hatte. Romberg (Lehrbuch der Nervenkrankhei- 
ten n. S. 130) erwähnt eines Falles von einem Mädchen, 
welches längere Zeit an starkem Hasten und Auswurf litt, 
sich öfters erbrach und dabei zusehends abmagerte. Bei 
näherer Prüfung ergab sich endlich, dass in jedem Ohre 
eine Bohne steckte« die vor geraumer Zeit beim Spielen in 
den Gehörgang gerathen war. Das Ausziehen war von hef- 
tigem Husten, starkem Erbrechen und öfterem Niesen be- 
gleitet. Die Zufälle hörten sofort auf und das Kind genas 
▼öllig. Tojubee (tbe diseases of the ear. London 1860 
8. 39) erwÜint eines Patienten, der ein Stfickchen (todten) 



Knochens im Gebörgang hatte und an Hasten litt, welcher 
keiner Behandlung wich, der aber verschwand, sobald der 
Knochen entfernt wurde. Wilde fuhrt ebenso einen Fall 
an von Epilepsie und Taubheit, welche nacb des Beobach- 
ters Ansicht von der Existenz eines fremden Körpers im 
Ohre verursacht und durch dessen Entfernung beseitigt 
wurden. 

Wie sollen nun fremde Körper aus dem Obre entfernt 
werden? Man wähle stets zuerst die einfachste und sanf- 
teste Methode, nämlich das Ausspritzen mit warmem Was- 
ser; man kann auf diese Weise meistens Substanzen von 
der verschiedensten Beschaffenheit und Gestalt, selbst Blei- 
stifte, entfernen. Die Quellbarkeit gewisser Stoffe fBrchtet 
man mit Unrecht, sie können sich nur bis auf einen ge- 
wissen Grad ausdehnen uud weichen nach der Seite aos, 
nach welcher der Gebörgang offen ist, also nach aufsen. 
Die Furcht vor der Gefahr der Quellbarkeit mag vielleicht 
Mancher noch aus seinen Studienjahren mitgenommen ha- 
ben, wo er durch Erbsen Schädel sprengte, aber dies wfirde 
wobl nicht gelingen, wenn dabei nicht das Foramen ma- 
gnum fest zugekeilt wurde. Ich wurde einst von einem 
Collegen ersucht, ihm bei einer Operation behülflich zu sein. 
Er schickte sich eben an einen Knaben zu chloroformiren, 
welcher seit einem Jahre in jedem Obre eine Brbse hatte. 
Ich schlag zunächst das Spritzen vor, and mit wenigen 
Spritzenstöfsen kam die Erbse aus jedem Ohr sum Vor- 
schein. — Aufser einer knieförmigen Pincette, einem Ohr- 
löffel mit langem Stiel und einem kleinen Korkzieher, sind 
fast alle für unsem Zweck empfohlene Instrumente mehr 
oder weniger Spielereien oder gefährlich. Mit dem Kork- 
zieher kann man Watte und ähnliche weiche Korper sehr 
gut entfernen ; in manchen Fällen kann man mit dem Ohr- 
löffel hinter den Körper gelangen und ihn so hebelartig 
nach aufsen bewegen. Zu gleichem Zwecke kann man sich 
auch manchmal einer auf die Fläche gebogenen Haarnadel 
bedienen. Niemals wende man Gewalt an and nie- 
mals gehe man mit irgend einem Instrament auch 
nur eine Linie weiter im Gebörgang, als so weit 
man dasselbe mit dem Auge verfolgen kann, denn 
mancher Kranke hat schon durch solche rohe Versage sein 
Leben, oder was doch auch keine Kleinigkeit ist, sein Ge- 
hör eingebfifst Man macht sich auch dorch rohe Versuche 
die Sache sofort schwerer, denn die Blatung und Anschwel- 
laog verhindert nun jeden freien Einblick, wodurch man 
immer mehr genötbfgt ins Blinde hinein zu operiren. Sol- 
che gewaltsame Versuche sind aber auch gans anphjsika- 
liscb; wäre der Gehörgang hinten durch eine feste Wand 
geschlossen, so könnte sich der Körper gegen stStsen, and 
wenn es auch einen augenblicklichen heftigen Schmers rer- 
orsachen w8rde, so worde man ihn doch herausbekommen; 
Don ist aber die Wand nicht fest, sondern wird von dem 
so sarten Trommelfell gebildet; beim Versoche den Körper 



149 



zo fassen, gleitet er meistens nach hinten, durchbohrt das 
Trommelfell und gelangt in die Paukenhöhle; setzt man 
nao dennoch die forcirten Versuche fort, so ist es fast an- 
vermeidlicb, dass das Leben des Kranken in Gefahr ge- 
bracht wird. Gelingt es also nach einigen sanften Ver- 
suchen (oder Ausspritzungen) nicht, wobei das Auge stets 
zum Führer der Hand dienen muss, so lasse man deu Kör- 
per ruhig im Ohre — und wenn es eioe Degenspitze wäre! 
Wem dieser Ausspruch zu stark aufgetragen erscheint, 
dem kann die Erfahrung die Richtigkeit desselben bewei- 
sea. Riolan erzählt einen Fall, in welchem die Spitze ei- 
nes Ohrlöffels durch das Trommelfell drang, abbrach, in 
der Trommelhöhle sitzen blieb, aber nur leichte Taubheit 
Terarsachte; La motte einen solchen, wo eine Nadel, Vol- 
kam er einen andern, wo eine Scheerenspitze ins Ohr drang, 
abbrach und mehrere Jahre unter empfindlichen Schmer- 
zen, aber ohne weitere gef&hrliche Erscheinungen im Ohre 
stecken blieb (Kramer, die Erkenntnis« und Heilung der 
Ohrenkrankheiten. Berlin 1849. S. 662). Hiermit soll ja 
nun gar nicht gesagt sein, wie sich von selbst versteht, 
dass man den Körper Oberhaupt im Ohre lasse, sondern 
nur, dass man nicht durch stürmische Manipulationen die 
Sache ärger mache. Man lasse also den Körper im Ohre, 
mache tägliche Ausspritzungen mit warmem Wasser und 
allenfalls warmen Breiumschlägen ; die eintretende Eiterung 
und Einspritzungen lockern den Körper ond geben ihm 
dann aach eine andere Richtong. . Zum Beweise des zuletzt 
Gesagten will ich hier einen Fall mittheilen, welchen ich 
in diesen Tagen beobachtete. Ein Tertianer buddelte sich 
mit einem drei Viertelzoll langen Bleistifte im linken Ohre, 
als ihn ans Verseben plötzlich ein Mitschüler gegen den 
Arm stiefs und der Bleistift im Ohre verschwand. Herr 
Dr. Gründer machte sogleich einige gelinde Versuche den 
Körper zu entfernen, die aber misslangen, weshalb er den 
Knaben zu mir brachte. Der Gehörgang blutete etwas und 
trotz des Erlenchtungsapparates war es nicht möglich den 
Korper genau zu erkennen und seine Lage zu bestimmen, 
obgleich ich ihn theilweise sehen und auch mit der Sonde 
berfihren konnte; er schien etwas quer gelagert und bei 
jeder Berührung waren die Schmerzen heftig in der Tiefe 
des Ohres. Nach einigen vorsichtigen, aber vergeblichen 
Versuchen rieth ich, die Sache auf sich beruhen und den 
Stift im Ohre zu lassen. Es wurden kalte Umschläge über 
das Ohr und alle Stunden Einspritzungen von Alaon in das 
Ohr gemacht. DerWirth des Kranken war in grofser Be- 
sorgniss und sah öfter des Nachts nach ihm, aber der 
Koabe schlief gaiu ruhig, hatte auch am andern Morgen 
fast gar keine Beschwerden, nur dass er eben fQhlte, der 
Bleistift sei noch im Ohre. Es wurden nun wieder Versu- 
che bei hellem Sonnenlicht gemacht, und da ich nach eini- 
gen Aasspritzangen den Körper jetzt deutlich sehen konnte, 
so holte ich mit der Pincette 3 Stficke des Bleistifts her- 



aus, das 4te kam durch Spritzen zum Vorschein: durch die 
Einspritzongen war nämlich der Stift aufgeleimt und in 4 
StScke zerfallen. Eine bereits beginnende Eitemng liefs 
nicht genau den Zustand des Gehörgangs erkennen, das 
Trommelfell schien aber verletzt; der Kranke befindet sich 
noch in Behandlung. 

Nach Allem hier AngefShrten ist es kaum denkbar, 
dass jemals der Fall eintreten könnte, wo Gefahr im Ver- 
zuge w£re und der fremde Körper augenblicklich entfernt 
werden musste; ich unterlasse es deshalb auch weitere Vor- 
scfalfige zu machen, um nicht erst Jemanden zu ernsteren 
Operationen zu verleiten, die in der Regel gar nicht nÖthig 
sind. Erwähnen will ich nur, dass man für solche beson- 
dere Fälle empfohlen hat, die Ohrmuschel, namentlich fiber 
dem Gehörgange abzulösen und von oben mit einem Instru- 
mente in den Gehörgang zu gehen (v.Tröltsch 1. c. S. 36). 

Tagesereignisse nod aoderweite NittheiluDgen. 

— Wochenbericht der hiesigen öffentlichen Kran- 
kenhäuser: 

Bestand Wdohl. Wöohl. hierunter Bectand 
25. April Zugang Abgang Todesfälle 2. Mai 

Bethanien .... 262 33 29 2 266 

Hedwigs -Krankenh. 201 41 39 5 203 

Elisabeth -Krankenh. 78 10 8 3 80 

Judisches Krankenh. 40 5 4 — 41 



dazu Charite 



581 
. 1351 



89 



80 



10 



590 
1805 



1932 1895 

In Bethanien und im Hedwigs-Krankenbaose waren 
Lungenentsfindnngen vorherrschend. 

— Im Regiemngs-Beairk Marienwerder waren 






8 



ultimo 1862 .... 
. 1861 .... 
es waren mithin 



jgg^jmehr 



s 


1 . 


N • 


S 


9 


« 




B . 

S « 


1« 
1" 


8 

M 
C 


1 


-5 


92 


26 


6 




26 


56 


94 


26 


12 





26 


54 


2 


^■"~ 


6 


... 


*^^ 


2 



346 
348 



weniger 



— Nsch Engelken (Allgem. Zeitschr. für Psychia- 
trie) ist Opium das erste und einzige Mittel gegen Puer- 
peral -Psychosen (Manie und Melancholie), und giebt 
es keine Kontraindikation dagegen. Der heftige Orgasmus, 
der scheinbar entzündliche Zustand darf von der dreisten 
Anwendung nicht abschrecken, selbst wenn die Mutter selbst 
das Kind nfihrt Er beginnt mit 2 — 3 Qran pro dosi und 
ffthrt so lange fort, als irgend ein Erfolg bemerUich ist; 



160 



oi^b etwa 8 Ta^en aber hat sich der Organismus daran 
gewöhnt und man steigt um 1 — 2 Gran pro dosi. Viel- 
leicht dauern bei den höheren Gaben die Krank hei tsersc hei« 
noogen noch fort, dies darf aber von einer weiteren Ver- 
abreichung des Mittels, von einer weiteren Steigerung der 
Gaben nicht abhalten. Wie weit man steigen kann, lässt 
sieh im Allgemeinen nicht angeben. Engclken und auch 
Biedel in Wien sind bis 16 Gran pro dosi gestiegen, ohne 
dass üble Zuf&Ue die Folge gewesen sind. Treten Konge- 
stionen gegen den Kopf ein, so lässt mau das Opium nicht 
weg, sondern macht kalte Umschläge auf den Kopf und 
lässt das Opium in den letzten Gaben weiter nehmen. 

Die Obstruktion wird durch Ol. Ricini beseitigt; übri- 
gens belästigt sie den Kranken wenig, selbst nach 8 — 10 
Tagen findet man noch nicht den Leib schmerzhaft oder 
aufgetrieben. So lange die Kranken durch die Verstopfung 
nicht belästigt werden, braucht man nicht einzuschreiten. 
Engelken hält sie sogar für ein erwünschtes Symptom* 

Hat man das Opium auf diese Art etwa 14 Tage ge- 
braucht, so tritt eine auffallende Besserung ein, die häufig 
für Heilung gehalten wird. Will man nun mit dem Mittel 
nicht mehr steigen, oder setzt man es gar aus, so sind Re- 
ddive die unvermeidliche Folge. Die Dauer bis zur völli- 
gen Genesung beträgl 2 — 3 Monate, und so lange muss 
man mit dem Opium fortfahren, aber selbst dann darf man 
es nicht plötzlich aussetzen, sondern es noch längere Zeit 
fortgeben. Die Frauen sind wohl gesund, aber ihr Nerven- 
system ist noch nicht kräftig genug, um sich in die neuen 
ungewohnten Verhältnisse zu fugen, um alle Pflichten zo 
übernehmen. Ihr Nervensystem bedarf einer Stärkung und 
diese wird eiozig und allein durch das Opium erreicht. 

Da nach Puerperal - Psychosen auch bei spätem Ent- 
bindungen Recidive sehr zu furchten sind, so hat Engel- 
ken auob mit Erfolg das Opium als Prophylaktiknm gege- 
ben,' indem er etwa 14 Tage vor der Entbindung beginnt 
und es in kleine Dosen längere Zeit fortsetzt. Die Ent- 
bindung ist dadurch nicht gestört worden. 

Engelken giebt übrigens das Opium bei Melancholie 
und Manie nicht immer von. vornherein, sondern hält ea oft 
fSr nöthig den Organismus durch Tart. stib. in vollen oder 
gebrochenen Gaben vorzubereiten. 

— Nachweisung der Charite-Kranken im Monat 

April 1863: 

Männer Weiber Knab. Mdch. Summa 

Bestand am Sl.März 798 516 10 15 1339 

Zugang im April 656 372 33 19 1080 



Samma 1454 


888 


43 


34 


2419 


Entlassen. ... 592 
Gestorben ... 54 


346 
36 


24 
6 


21 

7 


989 
103 


Bestand am 30. April 8Ü8 


506 


13 


6 


1333 



Literatur. 

Fünfter Jahresbericht über das Soolbad Salzungen 
im Jahre 1862 vom Badearzt Med. Rath Dr. Wag- 
ner. Meiningen 1863. 

Salzungen war im Jahre 1862 theiis wegen der un- 
günstigen Witterungsverbältnisse, theiis wegen der damals 
herrschenden Scharlach - Epidemie weniger besucht als in 
dem vorhergehenden Jahre, dennoch erreichte die Badeliste 
die Höhe von 663 Nummern. Hierunter machten die an 
Krankheiten der Respirationsorgane Leidenden einen Haupt- 
bestaodtheil aus, sogar einen stärkeren noch als die Skro- 
phulösen, und bemerkt der Herr Verf., dass die von Jahr 
zu Jahr wachsende Zahl der dort Hülfe suchenden Brust- 
kranken gewiss der beste Beweis von der Wirksamkeit 
Salzungens für diese Krankheit sei. Nächst den genannten 
beiden Krankheits- Kategorien fanden Fälle von Chiorosis» 
von Neuralgien, von chronischem Gebärmutterkatarrh und 
Gebärmutter-Infarkten, von Gicht, Rheumatismus und Haut- 
krankheiten Heilung oder wesentliche Besserung. 

Unter den Kurmitteln Salzungens hält der Herr Verf.» 
namentlich auch tür Tuberkulose, die dortige Trinksoole, 
welche durch einen Zusatz von Kohlensäure verbessert, so- 
wohl an Ort und Stelle getrunken, als auch bereits vielfach 
nach aufserhalb versendet wird, für Eins der wirksamsten. 
Nach der dem Jahresberichte beigefugten Analyse enthält 
die kohlensaure naturliche Soolquelle in einem Pfunde = 
7660 Gran: 

Chlornatrium 91,39046 Gran, 

Chlorcalcium 10,23756 - 

Ghlormagnesium 1,76102 

Brom magnesium 0,2373 

Schwefelsaures Kali 0,7703 

Kalk 1,81785 

Kohlensauren - 1,55328 

Magnesia 0,10598 



Eisenoxydul 0,02304 

1 



Alaunerde 

Thonerde ; Spuren. 

Organische Substanzen^ 
Freie Kohlensäure 



25,19600 



Mr. 



Dnter den Todten sind todtge boren 4 



Bericht über die vierte ßade-Saison zu Neuenabr in 
Rheinpreufsen im Jahre 1862 von Sanitäts-Rath Dr. 
Weidgen, Badearzt. Aarweiler 1863. 

Die Frequenz Neuenabr*s steigert sich, wie wir die^ 
sem Berichte entnehmen, ansehnlich, und man ist bemQht, 
demgemäfs au\:h durch Neubauten die Zahl der Wobnou* 
gen zu vermehren und durch mancherlei Verschönerungen 
den Kurgästen den Aufenthalt angenehm au machen. Bei 
Besprechung der in der letzten Saison erlangten Kurerfolge 



151 



bezeichnet der Herr Verf. chronische Katarrhe des Larynx 
(so lange sieht GesebwOTe rorbanden sind), Bronchialka- 
tarrhe, LangenhepatisatioD , Tuberkulose (so weit es sich 
am Ldnderaog handelt^ Lnogenerophysem, pleuritische £x- 
sqdate, Magen-, Darm- und Blasen klitarr he, Leberasscbwel* 
langen und Leberkoliken, Krahkheitei) des weiblichen 
Sexualsystems, Gicht und Rheumatismus, Harngries, Skro- 
feln aod Krankheiten des Nervensystems als die geeigne- 
ten für Neuenahr. Ein Fall von Diabetes mellitus wurde 
nach 4 wöchentlicher Kur geheilt, ein Resultat, das, wenn 
dem Herrn Verf. auch unbekannt ist, ob die Wirkung nach- 
haltig geblieben, doch zu fernem Versuchen auffordert. 

Der Anbang der kleinen Schrift enthält die Analyse 
des neuen grofsen Sprudels, welcher in 10,000 Gewicbts- 
theilen enthält: 

Kohlensaures Natron 7,4200 

Schwefelsaures Natron 0,9074 

Kohlensauren Kalk 2,1000 

Kohlensaure Bittererde 2,8701 

Biscnoxjd und Thonerde 0,1900 

Kieselerde 0,2430 * 

Kali 0,2813 

Lithion 0,0018 



Kohlensäure 
Temperatur 



15,1386 
39,936 pCt. seines Volums. 
+ a2* £. Mr. 



Nice et son climat par Edwin Lee, Docteur-medicin 
etc. Deuxi^me Edition. Paris, Bailli^re et fils. 
1863. 
Der Herr Verf. schildert Nizza mit Rucksicht auf seine 
Benutzung als Aufenthalt für Kranke und macht insbeson- 
dere darauf aufmerksam, daas die Wahl der Wobnoog da- 
•elbst von grofser Wichtigkeit sei. Nizza besitze je nach 
der Lrokalität Verschiedenheiten seines Klimas, und eben 
darin liege ein .Vortbeil für die Krantoso, dass die Eine 
Stadtgegend dieser, die andere jener speciellen Indikation 
entspreche. lo den benachbarten Theilen and an den Ab- 
hängen der Hügel herrsche ein gleich mäfsiges, mildes Klima 
frei von kalten Winden und von Feuchtigkeit« In den neuen 
seit einigen Jahren erbauten Stadttheilen sei das Klima 
zwar weniger milde und mehr den atmosphärischen Verän- 
deropgen unterworfen, aber dessen angeachtet Breat- und 
andern chronischen Kranken zusagend. Die Croix de mar* 
bre, die Ponchettes, das Lazareth, der qnai Massena, der 
öffentliche Garten passe für Kranken, die weniger empfind- 
lich gegen Witterungswechsel seien und die Promenade des 
Anglais, der Boulevard du midi, die direkt den Seewinden 
aoBgesetzt sind, passen für solche, die wenn aoeb kränk- 
lich, doch einer kräftigenden Atmosphäre bedOrfen. 

Bezüglich der kalten Winde, welche während des Win- 
ters von Zeit zu Zeit in Nizza berrschan, änfsert der Ver- 



fasser, dass Kranke ihren BhiflGssen leicht sieh entziehen 
können, ohne daram das Haus zu hfiten. Diese Winde 
seien Gbrigens nicfaf mit denen 6€t nördlichen Gegenden 
zu vergleichen, doch seien sie gerade wetzen ihres Geo^n*« 
Satzes zu der gewöhnlichen Milde dos Kitmas um so em- 
pfindKcher, bedingten daher um so mehr Vorsicht Seitens 
der Kranken, nnd nöthigten sogar Manchen bei Annäberang 
des Frfihlings, zn welcher Zeit jener Gegebsfatz am schroff« 
sten sich äufsere, eine Ortsveränderung vorzunehmen. 

Nächst Nizza schildert Verf. auch ViÜaf^anca und Men- 
tone ^nd bespricht in einem Anhange den Ginfluss der See- 
reisen auf die Lungenschwindsucht. Nach den Berichten 
des Obersten Tu II och über den Gesundheitszustand der 
Englischen Marine wirkt der Aufenthalt auf der See gun- 
stig auf nicht entzündliche Brnstkrankheiten, und es scheint 
aufser Zweifel, dass die Symptome der Phtbisis auf der See 
sich verringern, wie man oft an Soldaten beobachtet hat, 
die wegen Phtbisis von Malta nach England zurückgeschickt 
und während der De4>erfabrt so weit hergestellt wurden, 
dass sie wieder den Dienst antreten konnten. Auch ist die 
Zahl der durch Schwindsucht veranlassten Todesfälle an 
Bord der Englischen Schiffe eine sehr geringe. Als Ge* 
währsmann für seine Ansicht über den günstigen Einfloss 
der Seereisen auf die Phtbisis, welche unter Andern von 
Rochard bestritten wird, führt Verf. schliefslich Bondfn 

und andere Autoritäten an. Mr. 

I 

Archiv der Balneologie, herausgegeben von Profes- 
sor Dr. Löschner, k. k. Statthai terei- und Landes» 
Mehicinalratb in Prag und Hofrath Dr. Spengler 
in Bad-Ems. 1. Band 4. Heft. Neuwied bei J. H. 
Heuser 1862. 
Prof. Löschner macht in eioer anziehend geschrie- 
benen Skizse das ärztliche Publikum auf das schön gele» 
gene Tetschen-Bodenbacb aufmerksam, das theils dnrch 
die dortige alkalisch - erdige Eisenquelle Josefsbad, theils 
durch künstliche Bäder und durch Naturschönheit zum Kur- 
ort nnd Sommeraufentbalt für Kranke und Rekonvalesceo» 
ten sich eignet. Dann folgen Bemerkungen über Neuen* 
ahr von Med.-Rath Kurz, klimatologische und balneolo- 
gische Mittheilungeo über die Jonischen Inseln von Pro- 
fessor Landerer, Nachrichten über die letzte Saison Drij- 
bürge von MedicinalRatb Brück, über die letzte ^aisQ« 
Schwalbacbs von Dr. F. Müller, über das AraMnbad^ 
Spital zu Schinznach und viele andere kleinere 'tMdneo^ 
logische Mittbeilungen, Nekrologe u. s. w. 

Wie sich hieraus ergiebt, bietet auch dieees Heft aus^ 
; serordentlich Vieles, das den ärztlichen Leser zu belehre« 

I und zu interessiren geeignet ist. 

i Mr. 



-- 152- 



In Folge aaserer Bitte sind ffir die verwittwete Frau 1 
Dr. Maller lo Berliocheo 643 Thlr. 1 Sgr. eingegaDgen; ! 
nach Absag der Unkosten fSr Porto nnd Drocksachen im 1 
Betrage von 13 Thlr. 28 Sgr. 10 Pf. sind an sie abgeführt i 
worden 629 Thlr. 2 Sgr. 2 Pf. Indem wir im Namen der > 
Wittwe den Herren Oebem nnd Sammlern nnsem wärm- 
sten Dank abstatten, bemerken wir scbliefslich , dass die 
Richtigkeit obiger Rechnongslegnng vom Magistrat tu Ber- 
linchen .beglaubigt ist 

Hol%kaMsen^ Leopoid^ TUiMen, 

Namens- Veneichniss der Herren Einsender (wegen Mangel 
an Raum ohne Titulatur). 





^ 






-^ bfi 




H 


X 




t-jtß^ 


Adler 


5^1 


Hübner 


315 


AlbaruB 


6 


15 


J&cobi 


3,)D 


Becker 


2 


20 


Jobow 


6 


, 


Beeck 


5 


— 


Kaotler 


7 


15 


Bebreod 


3 


5 


Eausow 


7 


20 


Bl&nk 


3 


— 


Kerstein 


5 


.^^ 


Bopa 


t 


— 


Klein 


25 


— 


Brachvogel 


7 


25 


Klusemann 


7 


— 


Bänke 


3 


— 


Koch 


2 


. — 


Batzke 


2 


— 


K&bkr 


3 


5 


Canth 


1 


15 


Koppe 


2 


— 


Caruo 


23 


15 


Kor seh 


G 


— 


C&sper 


12 


— 


Kräh m er 


23 


— 


Cassel 


3 


— 


KretBchtnar 


10 


— 


Cursava 


3 


— 


Koschel 


1 


— 


Cynthius 


6 


— 


Larisch 


2 


— 


Delbrück 


10 


— 


Lebrs 


5 


22i 


Dolscius 


3 


— 


Lessmann 


9 


5 


Drofs 


6 


15 


Leuscher 


2 


10 


Eisfeld 


2 


— 


Litten 


6 


— 


Fanninger 


4 


— 


Loewe 


2 


20 


Franke 


5 


10 


Mfirkün 


12 


— 


Friedrich 


8 


— 


Mampe (Bromberg) 


14 


— 


Fritsch 


3 


— 


Mejer 


8 


— 


Frohberg 


3 


25 


Moll 


1 


— 


Oemmel 


2 


— 


Nicolai 


3 


10 


Qra£funder 


5 


20 


Niesemann 


8 


^mm 


Grfinbaum 


10 


~- 


Paasch 


5 





Oatlwein 


2 


— 


Pauls 


4 


— . 




8 


20 


Philipp 
Plfitschke 


5 


-. 


Hasbach 


5 


5 


5 — 


Heer 


5 


— 


Preufsendorf 


4 26 


Heine 


4 


— 


Prey 


15 





Heinrich 


5 


— 


Prochnow • 


7 





Herrmann 


7 


— 


Rehfeld 


2 


... 


Hensner 


6 


— 


Rohowsky 


4 





HiUer 


2 


10 


Rnhbaum 


4 





Hirschfeld (Aogerburg) 


2 


10 


Rnnze 


5 





Hirschfeld (WirsiU) 


4 


— 


Samel 


6 





Honerkopf 


9 


15 


Schacht 


7 





Hoffmann 


9 


— 


Schlecht 


5 





Holshansen 


9 


— 


Schlesinger 


1 


— 



Schrader 

Schulzen 

Schwabe 

Schwärs 

Serlow 

Soer 

Sommerlatte 

Suffert 

Tbienemann 

Tschepke 

Wagner 

Weese 

Weihe 

Weifs 

Weisel 



!* 



3c 

D — 

-115 
T— 
lilO 

t 

2I15 

m 



Wenxel (Bergen) 

Werner (Perleberg) 

Werner (Trebnitz) 

Wilke 

Wilcsewski 

Wolf (Carthaus) 

Wolf (Gruneberg) 

Wolf (Quedlinburg) 

>yo88idlo 

Wustefeld 

von Wulf-Cr6na 

Zernial 



c? 



615 

5- 

2- 

6 — 

9- 

1 

420 

7 

5 

7 

.5 



10 



Anzeigen. 



Im Verlage von Otto Porffirst in Leipsig ist so eben er- 
■chienen : 

Die 

Aphorismen des Hippokrates 

nebst den 

Glossen eines Homöopathen. 

Herausgegeben 

von 

C. 9. Bönnighau^en^ 

Königl. Preafs. RegienmgsraÜi a. D., Doctor beider Rechte nnd 

der Medicin etc. etc. 

42 Bogen. 8. Preis 4 Thlr. 

Der allgemein geschfitste Name des Herrn Verfassers 
macht jede weitere Empfehlung des Werkes überflüssig nud 
erlaube ich mir nur auf die Besprechung in der bomöopa- 
tbischen Zeitung 1863 No. 9. aufmerksam tu machen. 

Zugleich empfehle ich den Herren Aersten nachstehend 
benanntes sugleidi erschienenes Werk, welches wohl bald 
unentbehrlich sein dfirfte: 

Quellen-Nachweis 

der 
physiologischen Arzneiprüfungen 

voa 
Dr. phil. G. Otto Klemert. 

Preis 20 Sgr. 

Bin vollstftndiges Verseichniss meines homöopathisch- 
medicinischen Verlags wurde ausgegeben nnd ist in Jeder 
Buchhandlung su haben. 

I ■ ■ 

Berichtigung. 

Der Verfasser des in No. 16. abjMdrackten Berichts ,,TTi- 
ohinenkrankheit^^ ist der Dr. M. Fr&nkel, dirigirender Arvt 
der Hersogl. Irrenanstalt in Dessau und früher Physikua in Ga- 
sten; nicht wie irrthümlich angegeben ist, der Herzoglich Des«. 
Reg.- nnd Med.-Rath Dr H. Franke 1, dnrch dessen Vermittlang 
der Bericht der Redaktion sagegangen war. 



Verlag ron Th. Chr. Fr. Enslin (Adolph Enslin) in Berlin. — Gedruckt bei A« W. Sehade in Berlin, Stollsch reibers tr. 47. 



Neue Folge. 
VI. Jahrgang. 



PREÜSSISCHE 



Diese Zettong «rsobelnt w(khftntlieh. 

Der Preis des gaiuen JAlurgangs» welcher 

nicht getrennt wird, Ist S Tblr. 20 8gr. 



MEDICINAL -ZEITUNG. 

Herausgegeben von dem Verein fOr Heilkunde in Preussen 

vnter Benntzviig amtlicher Hittheiliingen des Eönigl. Hinisteriiims der geistlichen, Unterrichts- 
vnd Hedicinal-Angelegenheiten nnd der Eönigl. Provinzial-BehQrdeB. 

Redacteur: E. Müller, Geh. Medicinal-Rath etc. 



1863. 




20. 



30. Mai. 



Inhalt. Amtlicher Theil; Personalien. ~ Bemerkungen za der Zusammenstellnng der statistischen Verhältnisse des ärztlichen 
Personals und der Apotheken in Preufsen far das Jahr 1861. — Witterangs und Krankheits - Constitation Ton Berlin für Monat 
April 1863. — Tagesereignisse und anderweite Mitthelinngen. — Literatur. — Anzeigen. 



Amtlicher TheiL 

Personalieüe 

AuBzeidmniigen. 
Se. Majestät der König haben allergnädigst geruht, 
dem SanitStsratb Dr. Lieber den Charakter als Geheimer 
Sanitfitsrath , dem Grfiflich Stolbergschen Pbysikas Dr. 
Friedrich in Wernigerode und dem Direktor der Heb- 
ammeulehranstalt Dr. Everken in Paderborn den Charak- 
ter als Saoit&tsrath zu verleiben. 

AnttellniLg. 
Der praktische Arzt Dr. Rebfeld ist. zum Ereis-Phy- 
sikos des Kreises Prenzlaa ernannt worden. 



Ifiederlattiingen. 
Der praktische Arzt Dr. Brühl hat sich in Schwerin 
a. W., Dr. Schonfeld und Dr. Jacoby in Thorn, Dr. 
Hertel in Trier, Dr. Veith in Fraustadt, Dr. Üben in 
Halver und Dr. Blankenstein in Dortmund niederge- 
lassen. 

Dr. Deubel ist von Burg nach Barmen ond der Thier- 
arzt erster Klasse Hauckold von Winzig nach Gnhraa 
gezogen. 

TodetfaU. 

Der Kreis -Wundairzt Tubbesing in Soest ist ge- 
Btorben. 



BemerkungeD zu der Zosammenstellung der statisti- 
schen Verh&ltoisse des ärztlichen Personals und der 
Apotheken in Preufsen fQr das Jahr 1861. 

Die diesmalige Zasammensteilung folgt aas dem Grunde 
schon nach zwei Jahren, am einen gleichzeitigen Abscbluss 
mit der dreijährigen allgemeinen Volkszählung zu erlangen 
and dadurch eine nähere Beziehung der Resultate zu er- 
möglichen. 

Im Jahre 1849, mit welchem diese Zusammenstellun- 
gen beginnen, fand eine Volkszählung statt. Dies ist auch 
1861 der Fall gewesen. 



Im Nachstehenden soll eine Yergleichung der ärztli- 
chen Statistik am, Beginn und am Scbluss dieser 12jähri- 
gen Periode versacht werden. 

Die Einwohnerzahl des Preufsischen Staats, mit 
Ausschluss der HohenzoUernschen Lande, in deren medici- 
nal-statistischen Verhältnissen seit der Besitznahme durch 
die Krone Preufsen, sich nichts Wesentliches geändert bat, 
so wie des Jadegebiets betrug nach der Zählung von 1861 

18,410,875, 
1849 belief sich dieselbe auf ... . . 16,282,573, 
sie ist mithin in diesen 12 Jahren um . . 2,128,302 
oder um 13,07 pCt. gewachsen. 



154 



Die ADsabI der Aerste betrog im Jabr 1861 5985, 
uDd zwar 4472 praktische and 
1513 Wand&rzte; 

im Jahre 1849 waren 5558 

Aercte, nnd darunter 3518 praktische Aerzte und 

2040 Wand&rzte; 
die Zahl der praktischen Aerzte ist mithin während dieses 
Zeitraums am 954 oder am 27,11 pCt. gestiegen, die Zahl 
der Wondfirzte aber am 527 oder om 25,99 pGt. gefallen, 
im Ganzen also die Zahl der Aerzte überhaupt nar um 427 
oder am 7,68 pCt. gewachsen. 

Das Wachsen der Einwohnerzahl abersteigt daher die 
Zunahme des ärztlichen Personals um 5,39 pCt, d. h. es 
fehlen circa 300 Aerzte, um die Zanahme derselben mit 
dem Wachsen der Einwohnerzahl in gleichem Yerhältniss 
SU erhalten. 

Die vorige 12jährige Periode von 1837 bis 1849 hat 
ein solches Yerhältniss nicht ergeben. 



Es waren 1837 bei 13,883,612 Einw. 4741 Aerzte über- 
haupt, die Zanahme beider Zahlen am Schlass des Jahres 
1849 ergiebt fast genau denselben Procentsatz, nämlich 
17,27 und 17,23 pCt. Die thatsächliehen Verhältnisse, wel- 
che die nach dem Obigen eich herausstellende Differenz 
verursacht haben, können daher erst nach 1 849 eingetreten 
sein. Sie stehen im Zusammenhang mit der Aufhebung der 
chirurgischen Lehranstalten und dem Aufhören der Ausbil- 
dung von Wundärzten erster und zweiter Klaese, und ha- 
ben sich in den einzelnen Begierungs-Bezirken und Provin- 
zen in verschiedenem Grade geltend gemacht So ist z. B. 
in der Provinz Sachsen die Anzahl der Aerzte im Jahre 
1861 eine geringere als im Jahre 1849, in Westphalen ist 
dieselbe nur um ein Geringes gestiegen und im Regierungs- 
Bezirk Monster selbst bedeotend gefallen. Es wird daher 
von Interesse sein, dieses Yerhältniss in der nachfolgenden 
Tabelle zu übersehen. 





Namen 
der 


Einwoh 


nerzahl 


Zanahme 
der Einwoh- 


Zahl der Äente überhaupt 

1 


Zonahni« 
der Aente 


1 


Regierungs-Bezirke. 


1849. 


1861. 


ner nach 
Prooent. 


1849. 


1861. 


nach Procent. 


1. 


Königsberg . • • . 


847,553 


982,894 


15,97 


196 


284 


26,53 


2. 


Gambinnen 








545,346 


695,571 


27,54 


76 


90 


18,40 


3. 


Danzig . . . 








404,667 


475,570 


17,52 


115 


163 


39,13 


4. 


Marienwerder 








621,046 


712,831 


14,77 


117 


134 


14,52 


5. 


Stettin . . . 








562,127 


654,963 


16,51 


179 


196 


9,49 


6. 


Göslin . . 








448,516 


524,108 


16,85 


83 


93 


12,04 


7. 


Stralsund . . 








187,058 


210,668 


12,62 


85 


91 


7,05 


8. 


Posen . . , 








897,339 


963,441 


7,36 


173 


209 


20,80 


9. 


Bromberg . . 








454,675 


522,109 


14,83 


81 


93 


14,81 


10. 


Breslau 








1,174,679 


1,295,959 


10,32 


478 


484 


1,25 


11. 


Liegnitz • 








921,002 


956,892 


3,89 


288 


297 


3,12 


12. 


Oppeln . . , 








965,912 


1,137,844 


17,80 


210 


210 





13. 


Berlin . . , 








423,902 


547,571 


29,17 


515 


625 


21,35 


14. 


Potsdam . 








845,033 


947,034 


12,07 


321 


330 


2,80 


15. 


Frankfurt . 








860,087 


973,154 


12,62 


249 


246 


-1,21 


16. 


Magdeburg . 








691,374 


779,754 


12,78 


359 


327 


— 8,92 


17. 


Mersebnrg . . 






t* • 


742,644 


831,968 


12,02 


320 


329 


2,81 


18. 


Erfurt . . 








347,279 


364,695 


5,01 


140 


122 


— 12,87 


19. 


Münster . 








421,935 


442,397 


4,84 


197 


173 


-12,19 


20. 


Minden . . 








463,229 


472,145 


1,92 


139 


146 


5,03 


21. 


Arnsberg .. 








579,757 


703,523 


21,34 


213 


237 


11,26 


22. 


Coln . . . 








497,330 


567,475 


14,10 


250 


284 


18,60 


23. 


Düsseldorf 








907,151 


1,115,365 


22,95 


345 


395 


14,49 


24. 


Coblenz . 








502,984 


529,929 


5,35 


176 


188 


6,81 


25. 


Aachen . • 








411,525 


458,746 


11,47 


144 


153 


6,25 


26. 


Trier . . 








492,182 


544,269 


10,58 


.109 


122 


11,91 






Sui 


ma 


la . 


16,282,573 


18,410,875 


13,07 


5558 


5985 


7,68 



Im Allgemeinen hat die Zunahme der Bevölkerung eine 
Vermehrung des ärztlichen Personals zur Folge gehabt. 
Ganz besonders ist beides in der Provinz Preufsen und Po* 
sen, dann in der Rheinprovinz und in Pommern der Fall 



gewesen, wogegen in der Provinz Schlesien bei ziemlich 
bedeutender Zunahme der Bevölkerung ein Stillstand in der 
Verroehrang der Aerzte eingetreten ist (im Regierunge-Be- 
zirk Oppeln sind bei einer Bevölkerungs-Zunahme von 17,80 



166 



pCt 1861 ebensoviel Aercte als 1849). Dasselbe gilt auch 
för die Prolins BraDdecborg, wenn man Berlin aosschiiefst 
In Westpbalen ist es nur der gewerbsthätige Begierangs- 
Bezirk Arnsberg, in welchem sieb eine bedeutende Vermeh* 
rong in beiden Beziebangen nachweist; im Regiemngs-Be- 
sirk MÖDSter dagegen die stärkste Abnahme des Srztlichen 
Personals. Endlich in der Provinz Sachsen, woselbst sich 
dorehschnittlich ein aberwiegender Rfickschritt herausstellt 
Dieser anomale Zustand bat hauptsfichlich diejenigen 
Laadestheile getroffen, in welchen das Institut der Wund* 
arzte am ausgebreitetsten war, zugleich aber auch keine 
bedeutende Vermehrung der Bevölkerung sich herausstellte. 
So ist z. B. in der Provinz Sachsen seit 1849 die Zahl der 
Wundärzte um 115 gefallen, in der Provinz Schlesien um 
108, in Westpbalen um 58. 

Bei Vergleichung der Provinzen stellt sich folgende 
Reihenfolge dar: 

1} Provinz PreuTsen mit 18,53 pCt. bei den Einwohnern 

und 25,99 pCt. bei den Aerzten, 
2} Provinz Posen mit 9,87 pCt. bei den Einwohnern und 

18,89 pCt. bei den Aerzten, 
3} Rheinprovinz mit 14,39 pGt bei den Einwohnern und 
11,52 pGt bei den Aerzten, 



4) Provinz Brandenburg mit 15,91 pGt bei den Einwoh- 
nern und 10,69 pCt. bei den Aerzten, 

5) Provinz Pommern mit 16,03 pCt bei den Einwohnern 
und 9,51 pGt. bei den Aerzten, 

6) Provinz Schlesien mit 10,74 pGt. bei den Einwohnern 
und 1,53 pCt. bei den Aerzten, 

7) Provinz Westpbalen mit 10,45 pGt. bei den Einwoh* 
nern und 1,27 pGt. bei den Aerzten, 

8) Provinz Sachsen mit 10,95 pGt. bei den Einwohnern 
und 5,01 pGt. bei den Aerzten. 

Es ist noch von Wichtigkeit, die Vermehrung der Aenrte 
in den gröfseren Städten zu übersehen, da sich im Allge- 
meinen und nicht mit Unrecht die Ansicht geltend macht, 
dass der Zudrang zu den Städten das richtige Verhältniss 
überschreitet. Andererseits muss man nicht übersehen, dass 
der Stadtarzt zugleich für eine nicht unbedeutende Anzahl 
ländlicher Bewohner der Umgegend in Anspruch genommen 
wird, welche bei der Bevölkerung der Stadt nicht in Rech- 
nung gestellt wird. 

Die nachfolgende Tabelle zeigt das in Rede stehende 
Verhältniss in den 20 gröfsten Städten des Preufsischen 
Staats. 



o 



(3 

s 



1. 

2. 

3. 

4. 

5. 

6. 

7. 

8. 

9. 
10. 
11. 
12. 
13. 
14. 
15. 
16. 
17. 
18. 
19. 
20. 



Namen der Städte. 



Berlin .... 
Breslau . . . 

Göln 

Königsberg in Pr. 
Magdeburg . • 
Danzig .... 
Aachen .... 
Stettin .... 
Posen .... 
Potsdam . • . 
Elberfeld . . . 
Crefeld. . . . 
Barmen . . . 
Halle a. S. . . 
Erfurt .... 
Frankfurt . . . 
Dusseldorf . . 
Goblenz . . . 
Munster • • . 
Elbing .... 



Einwohnerzabi 



1849. 



423,902 
110,702 
94,789 
75,240 
70,488 
63,917 
50,533 
47,202 
44,963 
39,864 
38,663 
36,134 
35,989 
33,848 
32,224 
29,969 
26,463 
25,318 
24,664 
21,637 



1861. 



547,571 
145,589 
120,568 
94,579 
86,301 
82,765 
59,941 
64,431 
51,232 
41,824 
56,307 
50,584 
49,787 
42,976 
37,012 
36,557 
41,292 
28,525 
27,332 
25,539 



Zanahme 
der Einwoh- 
ner nach 
Procent 



Zahl der Aerzte überhaupt 



29,17 
31,51 
28,95 
25,70 
22,43 
29,48 
18,61 
36,50 
13,94 
4,91 
45,63 
39,99 
38,33 
26,96 
14,85 
21,98 
56,03 
12,66 
10,81 
18,03 



1849. 



515 
185 
91 
82 
62 
57 
45 
54 
29 
46 
24 
16 
15 
35 
32 
24 
35 
35 
35 
12 



1861. 



625 
198 
114 
118 
70 
91 
45 
59 
58 
43 
23 
17 
17 
50 
30 
21 
43 
47 
36 
20 



Zunahme 

der Aerzte 

nach Procent. 



21,35 
7,02 
25,27 
43,90 
12,90 
59,64 


9,24 
100,00 

— 6,52 
-4,17 

6,25 
13,33 
42,85 

— 6,25 
29,16 
22,85 
34,28 

2,85 
66,66 



Die gröfsere Vermehrung der Aerzte fand nicht in den 
^öfseren Städten statt, in einigen ist sogar eine Vermin- 
derung eingetreten, nämlich in Potsdam, Erfurt und Bi- 
berfeld. 

Am stärksten war der Zugang in Posen, demnächst in 
E^lbing, Danzig und Königsberg, analog der Zunahme in 



der betreffenden Provinz. Berlin ist erst die lOte Stadt 
in der sich bildenden Reihenfolge. Die Städte in der Rhein- 
provinz zeigen durchgehend eine starke Zunahme der Be- 
völkerung, ohne dass eine solche bei den Aerzten eingetre- 
ten wäre, ja Elberfeld hat 1861 sogar weniger Aerzte als 
1849. In Potsdam war die schwächste Vermehrung der 



156 



Einwohner and die stfirkste Verminderong des firstlichen 
Personals. 

Um diese Verb&ltnisse in concreto Zahlen sa bringen, 
darf man nor die Anzahl der Personen berechnen, die bei 
einer gegebenen Einwohnerzahl auf Einen Arzt kommen 
und diese Zahlen am Anfange nnd am Ende der 12jähri- 
gen Periode znsammensteilen. Die Dichtigkeit der Bevöl- 
kerang in den verschiedenen Landestheilen wird hierbei ein 
wohl in Betracht za ziehender Faktor sein. 

Beides durfte die nachfolgende Tabelle des Näheren' 
ergeben : 



i 




Es kommen 


£b kommen 


«> 


Namen 


1849 


1861 


'S 


der 


auf Einen Arzt 


auf Einen Arst 


% 


Regier.-Bezirke. 










►3 




Einw. 


Q.-Meilen 


Einw. 


Q.-Heilen 


1. 


KSnigsberg . . 


4324 


2,08 


3663 


1,64 


2. 


GambinDen . . 


7175 


3,92 


7727 


3,31 


3. 


Danzig .... 


3518 


1,32 


2917 


0,93 


4. 


Marieowerder . 


5308 


2,72 


5319 


2,38 


5. 


Stettin 


3140 


1,33 


3875 


1,21 


6. 


Cöslin 


5403 


3,10 


5635 


2,77 


7. 


Stralsund . . . 


2200 


0,94 


2315 


0,87 


8. 


Posen 


5186 


1,86 


4609 


1,53 


9. 


Bromberg . . . 


5613 


2,65 


5614 


2,31 


10. 


Breslaa .... 


2457 


0,51 


2677 


0,51 


11. 


Liegnitz .... 


3197 


0,87 


3221 


0,84 


12. 


Oppeln .... 


4599 


1,15 


5418 


1,15 


13. 


Berlin 


823 


0,0019 


876 


0,0016 


14. 


Potsdam .... 


2632 


1,18 


2869 


1,15 


15. 


Frankfurt . . . 


3454 


1,41 


3955 


1,43 


16. 


Magdeburg . . 


1925 


0,58 


2384 


0,64 


17. 


Merseburg . . . 


2320 


0,59 


2528 


0,57 


18. 


Erfurt 


2480 


0,44 


2989 


0,50 


19. 


Münster .... 


2141 


0,67 


2556 


0,76 


20. 


Minden .... 


3332 


0,69 


3233 


0,65 


21. 


Arnsberg . . . 


2721 


0,65 


2968 


0,59 


22. 


Cöln 


1989 


0,28 


1998 


0,20 


23. 


Dfisseldorf . . 


2629 


0,28 


2823 


0,24 


24. 


Coblenc .... 


2857 


0,62 


2818 


0,58 


25. 


Aachen .... 


2857 


0,53 


2998 


0,49 


26. 


Trier 


4515 


1,20 


4461 


1,07 




Summa 


2929 


0,91 


3076 


0,84 



Es kommen hiernach 1861 147 Personen mehr anf Ei- 
nen Arzt als 1849. 

Abgesehen von Berlin variirt jene Zahl in den einzel- 
nen Regiernngs-Bezirken von 1998 im Cölner Departement 
bis 7727 im Onmbinner, diese auf 3,31 Quadratmeilen ver- 
theilt, jene anf einer Fünftel. Ein Zahlenbild der anstren- 
genden Thätigkeit des beschfiftigten Arztes in Ostprenfsen 
gegen die ärztliche Praxis am Rhein. Es gewähren daher 
die östlichen Provinzen für die ärztliche Thätigkeit ein er- 
giebigeres Feld, als die westlichen, in denen das zuträgli- 



che Verhältniss der Aerzte zu den Einwohnern wohl sohon 
erreicht, wenn nicht an Stellen überstiegen ist. Dies zeigt 
auch die bereits oben nachgewiesene grdfsere Vermehrang 
des ärztlichen Personals in jenem Theile des Staats. 

Der gröfsere Wohlstand der Einwohner in den west* 
lieberen Provinzen, die dort mehr entwickelte indastrielle 
Thätigkeit nnd der höhere Eolturzastand der Bevölkeraog 
werden immer eine gröfsere Anzahl von Aerzten hinziehen, 
als es die östlichen, im Allgemeinen anf Ackerbau nnd 
Viehzucht angewiesenen, dann bevölkerten Theile des Staats 
vermögen. Es muss aber als ein erfreuliches Zeichen des 
Wohlstandes nnd der Cnltur betrachtet werden, dass sich 
auch hier die Zahl der Aerzte vermehrt hat. 

Bei Vergleichnng der Provinzen stellt sich folgende 
Reihenfolge heraus: 

Es kommen anf Einen Arzt 

1849 1861 



ind.Prov.Posen 5322 Ew. auf 2,11 4919 auf l,77aw 


Prenfsen 4798 - 


. 2,33 4514 - 1,85 - 


Pommern 3451 - 


- 1,66 3657 - 1,50 ^ 


Schlesien 3136 - 


. 0,76 3421 - 0,74 - 


Brandenburg 




ohne Berlin 2991 - 


- 1,28 3333 - 1,27 - 


Westphalen 2668 - 


- 0,67 2910 - 0,66 - 


Rheinprov. 2745 - 


- 0,47 2815 - 0,42 - 


Sachsen 2174 - 


- 0,56 2540 - 0,59 - 



Die Provinzen folgen hierbei beinahe ihrer geographi- 
schen Lage von Osten nach Westen und in nur wenig ver- 
änderter Reihe, wie sie oben sich ergeben hat. Eine Ab- 
nahme der Personen auf einen Arzt hat nur in den Pro- 
vinzen Posen und Prenfsen sich ergeben, in den übrigen 
Provinzen war diese Zahl gegen 1849 gestiegen. 

Der Flächenraum , welcher auf einen Arzt kommt, ist, 
mit Ausnahme von Sachsen, überall kleiner geworden und 
hat natürlich in Preufsen nnd Posen am bedeutendsten ab- 
genommen, da hier die Zahl der Aerzte am meisten ge- 
wachsen ist; er ist aber doch noch 3 bis 4 Mal so grofs, 
als in Sachsen, Westphalen und am Rhein. 

Die nachfolgende Tabelle giebt die Anzahl der Perso- 
nen auf Einen Arzt in den früher schon genannten 20 grofs- 
ten Städten der Monarchie. 



e0 



Namen der Städte. 



Berlin .... 
3re8lau . . . 
Cöln .... 
Königsberg in Pr. 
Magdeburg . . 
Danzig .... 



Es kommen auf 
Einen Arzt 



1849. 



1861. 



823 

589 

J041 

917 

1136 

1121 



876 

735 
1057 

801 
1232 

909 



157 



i 




Es konmen snT 


i 


Ivanen der Stidte. 


Einen Atzt 


9 




1849. 


1861. 


^ 








7. 


Aachen 


1122 


1332 


8. 


Stettin . . 








874 


1092 


9. 


Posen . . 








1550 


883 


10. 


Potsdam . 








866 


972 


11. 


Elberfeld . . 








1610 


2013 


12. 


Crefeld. . 








2258 


2975 


13. 


Barmen 








2399 


2928 


14. 


Halle a. S. 








967 


859 


15. 


Brfnrt . . 








1007 


1237 


16. 


Prankfdrt . 








1248 


1179 


17. 


D&sseldorf 








756 


960 


18. 


Coblenz . , 








723 


606 


19. 


Monster . 








704 


759 


20. 


E)bing . . . 








1808 


1276 



In Breslao wareji 1849 verhfiltnissmäfsig die meisten 
Aerzte; 1861 war dies in Coblenz der Fall. Berlin nimmt 
sowohl 1849 als aach 1861 erst die ffinfte Stelle in der 
Reihe der Städte ein. 

Verhältnissmäfsig am wenigsten Aerzte hat Elberfeld, 
Crefeld and Barmen. Hier betragt der Unterschied beinahe 
das 3* and 4fache gegen Coblenz and Dusseldorf. 

Im Gegensatz zo den gröfseren Städten sei hier be- 
merkt, dasB in 72 der kleineren Aerzte oder Wundärzte 
nicht domiciliren. 

Hieran knüpft sich der dritte Ponkt der Haupttabelle, 
nämlich die Niederlassangsorte des ärztlichen Per- 
sonals. 

Es sind dergleichen am Schlass des Jahres 1861 1788 
vermerkt, und zwar ffir praktische Aerzte 1256; 
nur für Wandärzte 532. 

Im Jahre 1849 gab es 1809 Niederlassangsorte, näm- 
lich: für praktische Aerzte etc. 1106, 

nur für Wundärzte 703. 

Das Plus der Aerzte mit 150 gegen das Minus der 
Wandärzte mit 171 giebt für 1861 eine Differenz von 21 
Orten gegen 1849. 

Diese geringe Abnahme der ärztlichen Wohnorte wird 
sich hoffentlich in nicht zu langer Zeit durch die steigende 
Niederlassung promovirter Aerzte in ländlichen Ortschaften 
ausgleichen. 

Es waren nämlich 1849 in 1106 Orten 
1853 in 1157 
1856 in 1188 
1859 in 1226 
und 1861 in 1256 
promovirte Aer/te ansässig. Eine stetige Zunahme, die 
freilich jetzt noch den Abgang der Wundärzte nicht er- 
setzt hat. 



Die Einwohner, welche im Durchschnitt aaf Einen 
Wohnort des Arztes angewiesen sind, haben sich bei der 
Zunahme der Bevölkerang and der Abnahme der Wohn- 
orte der Aerzte natürlich vermehren müssen. 

Im Jahre 1849 kamen auf 1 Wohnort der Aerzte 9000 
Einwohner, 1861 aber 10296. 

Den Provinzen nach stellen sich diese Zahlen wie 
folgt: 





Wohnorte 


Einw. 


Wohnorte 


1 Einw. 




AetAente auf einen 


der Aerztel auf einen 




18 4 9 


18 6 1 


in der Provinz 










Prenfsen 


165 


14,658 


183 


15,665 


Pommern 


94 


12,741 


97 


14,327 


Posen 


101 


13,386 


108 


13,755 


Schlesien 


358 


8551 


331 


10,243 


Brandenbarg 








10,667 


ohne Berlin 


186 


9167 


180 




Sachsen 


315 


5654 


288 


6862 


Westphalen 


242 


6053 


231 


7004 


Rbeinprovins 


347 


8101 


369 


8714 



Im Allgemeinen hat der Vergleich des statistischen 
Verhältnisses der Aerzte in den Jahren 1849 and 1861 er- 
geben, dass die Zunahme der Aerzte mit der Zunahme der 
Bevölkerang nicht gleichen Schritt gehalten hat, und dass 
daher die Einwohner, welche auf- einen Arzt angewiesen 
sind, sich vermehrt haben, 

dass die Niederlassungsorte der Aerzte überhaupt am 
ein Geringes abgenommen und die der promovirten Aerzte 
dieses Deficit noch nicht gedeckt haben, 

dass die Zunahme der Aerzte in den östlichen Provin- 
zen gröfser war, als in den westlichen Theilen des Staats, 
welche letztere dessenungeachtet in Beziehung auf ärztliche 
Hülfe immer noch um Vieles besser gestellt sind als jene. 

Die Vertheilung und Vermehrung der Apotheken im 
Preufsischen Staat und ihr Verhältniss zu der Zahl der Ein- 
wohner innerhalb der hier in Rede stehenden 12jährigen 
Periode mögen in dem Nachstehenden nunmehr noch eine 
kurze Erwähnung finden: 

Die Anzahl der Apotheken 

im Jahre 1861 betrag . . 1536 
im Jahre 1849 waren . . 1465. 

Die Zahl der Apotheken ist mithin während dieser 12 
Jahre um 71 oder um 4,84 pCt. gewachsen. 

Die Zunahme der Bevölkerong, welche, wie oben be- 
merkt, 13,07 pCt. betrug, übersteigt daher die der Apothe- 
ken um 8,13 pCt., d.h. es fehlen circa 130 Apotheken, am 
ein gleiches Verhältniss zu erhalten. 

Sehen wir auf die vorige zwölQährige Periode zurück, 
so waren 1837 \iei 13,883,612 Einwohnern 1351 Apothe- 
ken and 1849 eine Vermehrang der Einwohner um 17,27 



- 168 



pGt aod der Apotheken am 8,43 pCt eingetreten. Ein 
etwas ganstigeres Resultat als 1861, indem nur 115 Apo- 
theken sar Herstellang eines gleichen Verhältnisses fehlten. 
(SohloM folgt.) 

WitteruDgs- und Erankheits-CoDstitutioa zu Berlin 
für den Monat April 1863. 

Der Witterangswechsel war in diesem Monat weniger 
aaffftllig und empfindlich als im vorigen, anch blieb heite- 
res and schönes Wetter überwiegend and vorherrschend. 
Die Temperatur der Laft liefs zwischen dem 6. und 8. und 
jEwischen dem 14. and 18. nicht unbedeatende Steigeran- 
gen wahrnehmen, ging aber zwischen dieser Zeit und spä- 
ter merklich zaruck, was besonders von den Nächten an- 
zufahren bleibt. Vollständiger, jedoch nur geringer Frost 
machte sich nur in der Nacht zum 1. geltend. Bis ein- 
schliefslich den 21. regnete es nur am 5. und 8., 12., 13. 
and 19. wenig, etwas stärker dagegen vom 22. bis 25. täg- 
lich and antermischt mit Graupeln, sowie am 27. und 28. 
wiedenim spärlich. Nebel wurde am 9. Morgens wahrge- 
nommen. Vom 1. bis 6., am 8. nnd vom 20. bis zum 
Schlüsse des Monats blieb Westwind vorherrschend bei kur<» 
zen Abweichungen nach Ost am 6., 19. und nach Sud am 
20. und 21. Am 7. und vom 9. bis 18. herrschte Ostwind, 
bei kürzeren Abweichungen nach Nord am 9. und 13. und 
nach Sud am 7., 13. nnd 18. Im Allgemeinen war der 
Wind durchweg heftig. 

Das Thermometer sehwankte Morgens am 6 Uhr zwi- 
schen + 7,6 am 8., auch annähernd am 15. und — 0,5* R. 
am 1., Mittags um 2 Uhr zwischen -4-16,4 am 7., auch 
annähernd am 15., und +5,8* R. am 25. und Abends um 
10 Uhr zwischen +10,5 am 7., aach annähernd am 14. 
nnd + 3,4* R. am 24. Dessen mittlerer Stand betrag um 
dieselbe Zeit: Morgens + 4,0, Mittags + 10,5 und Abends 
+6,7* R,; ebenso die Differenz : Morgens 8,1, Mittags 10,6 
and Abends 7,1* R. Die durchschnittliche Differenz ge- 
gen den vorigen Monat beträgt +2,8* R. Der gleichmäs- 
sig höchste Thermometerstand wurde am 7. und 15., der 
gleichmäfsig niedrigste dagegen am 24. wahrgenommen. 

Das Barometer variirte unerheblich und schwankte über- 
haupt zwischen 339,70"' am 1. und 332,08'" am 29. Des- 
sen mittlerer Stand betrug: Morgens um 6 Uhr 335,87'", 
Mittags um 2 Uhr 335,65'" und Abends um 10 Uhr 335,65"'; 
die Differenz 7,62'". Barihelme. 

Während des Monats April blieb die Krankbeits- 
Gonstitution an verändert so, wie sie in den vorherge- 
henden Monaten beobachtet war, es blieben vorherrschend 
Katarrhe der Respirationsorgane und akute Rheumatismen; 
ferner Masern, Mandelbräune und modificirte Pocken. Fälle 
von Diphtheritis waren seltener. — Die gesammte Morbi- 
lität hatte sich verringert. ^ Mr. 



Die Hausthiere erkrankten in mäfsiger Anzahl und 
vorwaltend an rheumatischen Affektionen. Bei den Pfer- 
den bemerkte man Koliken in Folge von Erkältung als die 
häufigste Krankheit; auch kamen mehr als im vorigen Mo- 
nat aknte Rheumatismen und rheumatische Hufentzündun- 
gen vor und selbst Tetanus rheumaticus entwickelte sich in 
einigen Fällen. Aufserdem wurden Katarrhe, Bräune, ka- 
tarrhalische Bronchitis, Influenza, Oastricismen, Gehirncon- 
gestionen, Gehirnentzündung und Gehirn wassersocht, Brand- 
mauke und der Rotzkrankheit verdächtige Fälle gefunden. 
— Unter dem Rindvieh eines Ritterguts war die Lungen- 
seuche ausgebrochen ; die Maul- nnd Klauenseuche herrschte 
an mehreren Orten, und als sporadische Krankheiten fan- 
den sich rheumatische und gastrische Leiden und in einem 
Stalle ein höchst akuter Typhus. — Bei Schweinen und 
Ziegen kamen vereinzelt Rheumatismus, rheumatische Kreuz- 
lähmung, Gastricismus and die Aphthenkrankheit vor. — 
Die Hunde litten zahlreich an verschiedenen rheumatischen, 
, katarrhalischen and gastrischen Affektionen, mehrere auch 
; an Krämpfen und nervösen Lähmungen, und viele waren 
' mit Flechten nnd Räade behaftet. Von Wuthkrankheit ist 
kein Fall vorgekommen. Hertwig. 

Tagesereignisse nnd anderweite Mittheilungen. 

— Wochenbericht der hiesigen öffentlichen Kran- 
kenhäuser: 

Begtapd Wöchl. Wöchl. hierunter Bestand 
2.4fai Zugang Abgang TodesfSlle 9. M&i 

Bethanien .... 266 42 41 3 267 

Hedwigs -Krankenh. 203 67 55 4 215 

Elisabeth -Krankenh. 80 10 15 5 75 

Judisches Krankenh. 41 6 9 1 38 



dazu Charite • 



590 
1305 



125 120 



13 



595 
1304 



1895 1899 

In Bethanien und im Hedwigs-Krankenbause waren 
Lungenentzündungen vorherrschend. 

— Das hiesige Polizei-Präsidium hat den sogen. Ba- 
se hin' sehen Lebertbran, welcher einer unverbürgten 
Angabe zufolge gröfstentheils aus vegetabilischen Gelen be- 
steheji sollte, durch den Chemiker Dr. Ziureck unterso- 
chen lassen. Auf Grund der angestellten umfassenden Un- 
tersuchungen äufsert sich Dr. Ziureck dahin: die Annahme, 
der Baschin'sche Lebertbran bestehe aus einer Mischung 
von -^ vegetabilischen Oeles und yV Lebertbran, sei an- 
richtig und seien überhaupt vegetabilische Gele darin nicht 
vorbanden; dagegen unterscheide, die abweichende Farbe 
und der viel mildere Geruch des Bascbin'scben Lebertbran 
sowie seine schwächere Reaktion mit Schwefelsäure und 
seine abweichende Reaktion mit Gerbsäure ihn von andern 



159 



Lebertbranen. Aach sei Jod- ond Bromgehalt in dem 6a- 
schi Duschen Tbrao nicht nacbzu weisen. Darob Behandlung 
des gewöhnlichen Lebertbrans mit Kohle sei es übrigens 
gelungen, ein dem Bascbin'schen Thran an Farbe, 6e- 
roch and sonstigen Eigenschaften ganz gleichen Thran dar- 
zastellen; er halte daher jenen Thran für einen durch 
Behandlung mit Entfärbungsmitteln (höchstwahr- 
scheinlich mit Kohle) entfärbten Leberthran. Ob 
die Wirkung durch diese Behandlung alterirt werde, lasse 
er unentschieden; gewiss aber sei, dass durch eine derar- 
tige Manipulation Stoffe, die in dem gewöhnlichen Leber- 
thran enthalten sind, ausgeschieden werden« 

LiteratoN 

Lehrbuch der M edicinalpolizei. Zum Behuf akade- 
mischer Vorlesungen und zum Gebrauch für Medi- 
cinalpolizei-Beamte entworfen von Dr. W. Hacker- 
mann, Phjsikus des Oreifswalder Kreises und Pri- 
▼atdocent der dortigen Universität, Berlin 1863 bei 
Ferd. Schneider. 422 S. 6. 

Das vorliegende Werk ist ein streng wissenschaftlich 
gehaltenes Lehrbuch, das weniger die bestehende Medici- 
nal-Oesetzgebung, als die Forderungen, welche die Arznei- 
wissenschaft an die Staatsverwaltung zu stellen hat, erör- 
tert. — Der Herr Verf. theilt seine Arbeit, nachdem er eine 
karse Einleitung, die von dem Inhalte der Medicinalpolizei 
und von den Medicinalbeamten handelt, vorausgeschickt hat, 
in acht Abschnitte, in denen die verschiedenen schädlichen 
Einflüsse und zwar: 1) Seitens gewisser Gegenden (Sum- 
pfe etc.), 2) Seitens gewisser Plätze (Kirchhöfe, Schindan- 
ger, Kloaken etc.), 3) Seitens der Wohnungen, 4) Seitens 
gewisser Beschäftigungen, 5) die Kontagien und Miasmen, 
6) die schädlichen Einflüsse Seitens der Nahrungsmittel, so 
wie der Koch- und Essgeschirre, 7) Seitens gewisser Han- 
delsartikel und 8) Seitens der Medicinalpfuscherei abgehan- 
delt werden. 

Wir möchten diese Anordnung nicht ganz gelungen 
Dennen, besonders nicht rucksichtlich des dritten Abschnit- 
tes, in welchen Vieles aufgenommen worden ist, das ein 
besonderes Kapitel erfordert hätte und wenigstens unter die 
allgemeine Rubrik ,| schädliche Einflasse von Seiten der 
Wohnungen^ nicht gehört. Wir meinen die Krankenhäu- 
ser, die Sorge für die Erziehung verlassener Kinder, das 
Schulwesen, das Apotbekenwesen etc. 

Den materiellen Inhalt des Werkes betreffend, dürfen 
wir dem Herrn Verf. das Zeugniss nicht versagen, dass er 
mit Kenntniss und Benutzung der vorhandenen Literatur 
und mit sachverständiger Kritik dem Leser ein übersichtli- 
ches Bild der einzelnen die Medicinalpolizei berührenden 
Gegenstände gegeben bat. Wir fuhren beispielsweise das 



Resum^ an, mit welchem er die Erörterung der Findelhaos- 
frage schliefst: ^ 

1 ) Die Findelhäuser haben auf die Zunahme der un- 
ehelichen Geburten keinen Einflnss; die vergleichende Sta- 
tistik weist nach, dass das Verhältniss der unehelichen Ge- 
burten zu den ehelichen in denjenigen Ländern, die keine 
Findelhäuser besitzen, durchschnittlich dasselbe ist, wie in 
denen , welche derartige Anstalten haben. Die Ursachen 
für die Steigerung der unehelichen Gebarten liegen ledig- 
lich in den aUgemeinen materiellen und sittlichen Zustän- 
den der Bevölkerung. 

2) Dagegen aber lässt sich nicht in Abrede stellen, 
dass die Findelhäuser die Aussetzungen neugeborner Kin- 
der befordern. Hufeland's Aussprach „Findelhäuser ma- 
chen Findelkinder^ (diesen Begriff auf die Aussetzungen be- 
schränkt) ist gewiss wahr. 

3) Die Aufhebung der Findelhäoser vermehrt die Zahl 
der Kindermorde nicht, wie von den Vertheidigem dersel- 
ben behauptet wird. Aus den in Frankreich gemachten 
Erfahrungen hat sich herausgestellt, dass in denjenigen De- 
partements, welche die meisten Drehläden (Tours) hatten, 
in gleichem Zeitraum die meisten Kindermorde vorkamen, 
und zwar in 17 mit zusammen 95 Tours 42, in 17 andern 
mit zusammen 38 Tours 38 Kindermorde, statt dass in 
letzteren verhaltnissmäfsig 234 hätten vorkommen müssen. 
In 14 Departements ferner ist die Schliefsung der Findel- 
hänser durchgeführt worden, ohne dass in diesen eine Stei- 
gerung der Kindermorde beobachtet worden wäre. 

4) Die Findelhäuser haben vor der Unterbringung der 
Kinder in Privatfamilienpflege grofse Vorzüge. Die hygiei- 
nischen Verhältnisse derartiger Anstalten (vorausgesetzt de- 
ren zweckmäfsige Anlage und Einrichtung) sind die besten; 
die Koncentration der Verwaltung erleichtert die Aufsicht 
und gewährt den Kindern die nothwendige Sorgfalt Alles, 
was zur Pflege der Kinder gehört (gute Ernährung, die 
nicht durch kunstliche Auffutternng, sondern durch eigens 
gehaltenen Ammen geschieht, Heizung, Reinlichkeit and 
Krankenwartung) können aufs Beste geleitet werden. Alle 
diese Vortheile fallen in den Wohnungen von Pflegeeltern, 
die fast durchschnittlich arme Leute sind, fort und — den- 
noch herrscht in den Findelhäusern eine so enorme Sterb- 
lichkeit, dass sie ganz aufser Verhältniss mit der stärksten 
steht, welche die Kinder selbst in den dürftigsten Klassen 
hinrafft. Die Findelhäuser erfüllen also bei allem Kosten- 
aufwande, welchen sie bedingen, ihren Zweck höchst un- 
vollkommen und schon aus diesem Grunde sind sie keine 
für den Staat empfehlenswerthe Anstalten. Mr, 

Medicinisch-chirurgische Encyklopädie f3r praktische 
Aerzte. In Verbindung mit mehreren Aerzten her- 
ausgegeben von Dr. H. Pro seh und Dr. H. Plofs, 
praktischen Aerzten in Leipzig. Vollständig in drei 



leo 



Bänden. Sapplemeotband , heraasgegeben von Dr. 

H. Plofs. Erste Hälfte. Abquetschen — Krampf. 

Leipzig bei F. A. Brockhaus 1863. 240 S. gr. 8. 
Der vorliegende Sopplementband ist für die Besitzer 
der in den Jahren 1854 — 56 herausgegebenen medicinisch- 
chirnrgischen ^ncjklopädie unentbehrlich, da er alles das, 
wodurch seitdem das ärztliche Wissen bereichert worden 
ist, kurz und übersichtlich, unter Bezeichnung der betreffen- 
den Literatur und in alphabetischer Folge vorträgt. Selbst- 
verständlich sind die meisten Artikel nicht vollständige mo- 
nographische Arbeiten, sondern Nachträge welche an die 
Encyklopädie sich anschliefsen. Nur Einzelne und zwar 
solche, deren Gegenstand der neuesten Zeit angehört, wie 
beispielsweise der Artikel ^Augenspiegel*, sind wenn auch 
in gedrängter Kürze, doch so vollständig bearbeitet, dass 
sie dem Bedürfnisse des praktischen Arztes Rechnung 
tragen. JWr. 

Das Soolbad Königsdorff-Jastrzemb. Zweiter Ba- 
debericht von Dr. H. Faupel, Badearzt. Gleiwitz 
1863. 

Dies neue Soolbad zeichnet sich durch seinen Reich- 
thum an Jod und Brom aus und dürfte Kreuznach am nach* 
sten stehen. Es hat daher gewiss eine Zukunft, wie sich 
dies auch aus der verhältnissmäfsig nicht geringen Frequenz 
des Jahres 1862 vermuthen lässt. Die Badeliste ergab 238 
Nummern mit 540 Personen, denen freilich der Ort kaum 
ein Unterkommen gewährte. Wie der vorliegende Bericht 
ergiebt, ist nunmehr dem Wohnungsmangel durch Neubau- 
ten abgeholfen worden. 

Die mitgetheilten Versuche, welche Professor v. Bä- 
ren sprung in Berlin bei Skrophulösen und Hautkranken, 
Dr. Freund sen. in Breslau bei Krankheiten der weibli- 
chen Sezualorgane mit dem Wasser anstellten, haben sehr 
ermuthigende Resultate geliefert. In gleicher Weise bestä- 
tigen die von dem Herrn Verf. an Ort und Stelle beobach- 
teten Krankheitsfälle, von denen er die bemerkenswerthe- 
sten mittheilt, die Wirksamkeit dieses Bades. Mr, 



bieten der Medicin, Chemie, Pharmacie, Geogra- 
phie n. d. Naturwissenschaften. 



A u c t i o n 

der R. Froriep'schen Bibliothek in Nordhausen. 

'JJ" Am 6. Juli c. und folg. Tagen wird in Nordhau- 
sen die von dem Herrn Geheimerath Prof. Dr. R. Fro- 
riep in Weimar hinterlassene Bibliothek versteigert. — Das 
Verzeichniss, welches durch jede Buchhandlung, sowie di- 
rekt von dem Buchhändler Ferd. Förstemann in Nord- 
hausen zu beziehen ist, nmfasst 3579 Nummern und ent- 
hält die vorzüglichsten Werke besonders aus den Ge- 



Anzeigen. 



Verlag von Friedrieh Vicwcg u. Sohn in Brannschweig. 

(Zu beziehen durch jede Buchhandlung.) 

Beiträge 

zur 

vergleichenden Physiologie der irri- 
tablen Substanzen. 

Von 

Adolf Fick. 

Mit in den Text eingedruckten Holzschnitten. 
gr. 4. geh. Preis 1 Thhr. 15 Sgr. 

Der Verfasser hat in Vergleichung mit dem so vielsei- 
tig studirten Froschmuskel ein anderes irritabeles Gebilde, 
den Muschelschliefsmuskel, zum Gegenstande einer syste- 
matischen Untersuchung gemacht Bs konnte nicht fehlen, 
dass sich dabei zahlreiche neue, zum Theil sehr unerwar- 
tete Thatsachen ergaben. Solche werden wiederum Aus- 
gangspunkte für neue Versuche an quergestreiften Muskel- 
fasern. Der ganze Komplex dieser Untersuchungen ist in 
vorliegender Abhandlung dargestellt. 

So eben erscbien im Verlage vod Cent tantin Ziemsson 
in Danzig und kann durch alle Buchbaudluogeu bezogen werden: 

Grelfswalder medicinische Beiträge. 

Unter Mitwirkung der medicinischen Fakultät 
zu Greifswald 

herauigegob en von 

Professor Dr. Hugo Ziemssen. 

/. Band. 

Mit 1 lithogr. Tafel und 49 in den Text gedruckten Gurren. 

gr. 8. geh. Preis 2 Thlr. 20 Sgr. 

Von vorstehendem Journale soll jährlich ein Band von 
20 — 25 Bogen, welcher, etwa in 2 — 3 Hefte getheilt, aus- 
gegeben wird, erscheinen. 

Herausgeber wie Verleger erlauben sich die Aafmerk- 
samkeit der ärztlichen Welt auf das neu erscheinende Greifs- 
walder Organ zu lenken, und geben sich der Hoffnung hiny 
dass die „Beiträge^ den Herren Aerzten, insbesondere aber 
denjenigen, welche einst der Universität Greifswald ange- 
hörten, eine willkommene Erscheinung sein werden. 



Verlag von Th. Chr. Fr. Ensliu (Adolph Enslin) in Berlm. — Gedruckt bei A. W. Schade in Berlin, SulUchreiberatr. 47. 



Nene Folge. 
Vi: Jülirgaiig. 



PKEÜSSISCEE 



Die«« Z«ltaii( «TMli^iBt wAeb«nllieh. 
niebt g«tr«Bat wird, Ist 9 Tblr. ^'Sgr. 



MEDICINAL - ZEITUNG. 

Herausgegeben von dem Verein ftlr HeOktmde in Preussen' 

unter Benntxong amtlicher Mittheilmigen des KOnigl. Hinisterioms der geistKchen, ünterrichts- 
nnd Hedidnal-Ängelegenlieiteii nnd der KSnigl. Proviuial-Bekoirden. 

Redactetur: E. M 911er, Geh. Medicjnal-Itath etc. 



1863. 




27. Mai. 



InhsJt. Amtlicher Theil; Personalien. — Bemerkungen zn der Zusammenstellnng der statistischen Verhältnisse des Srstlichen 
Personals und der Apotheken in Ftenfsen für das Jahr 1861. — Witterungs-. nnd Krankbeits- Constitntibn Ton Berlin für Monat 
April 1863. — - Tagesereignisse und anderweite Mittheilungen. — Literatur. ~ Anzeigen. 



Amtlicher Theü. 

Persosalien. 

Ansieiolmimgeii. 

Se. Majest&t der König haben allergnfidigst geruht, 
dem Kreis- Wandarzt BSrger za Arnawalde den Kronen- 
Orden vierter Klasse, nnd 

dem Sanit&tsratb Dr. Löwentbal bierselbst deifCha- 
rakter als Geheimer Sanitfitsrath zn verleiben, sowie 

dem Geheimen Medictnalratb, Professor Dr. Langen- 
beek sa Berlin die Erlaabniss znr Anlegoog des von des 
Kdnigs der Belgier Majest&t ihm verliehenen KommaDdenr- 
'Kreoses des Leopolds-Ordens za ertheilen. -^ 

Ifiederlassnni^eii. 

Der praktische Arzt Dr. Koch, Leibarzt Sr. Konigl. 
Hoheit des Pursten za Hpbenzollem-Sigmaringen hat sich 
in Dasseldorf und Dr. Böhnke in Danzig niedergelassen. 

Dr. Robert ist von Bonn nach Brandeubarg, Dr. 
Schwarz aaer von Erfurt nach Torgao und Dr. Sonder- 
land von Neersen nach Heiligenhaos gezogen. 



TodesfalL i 

Dr. Zimmermann in DSrrenberg, Dn Unkelbach 
in Rbeinbach, Dr. «Kriege in'Barmen; Dr. (jöwenberg 
in Gammln nnd der Wundarzt' Stein bar ih In Stahm sind 
gestorben. 

Offene HedidnatSMleii. 
Die Kreis-Pbjsikats-Stelle des Kreises Dann, welche 
seit einiger Zeit erledigt ist, soll nnnmehr wieder besetzt 
werden, was hiermit Behufs Bewerbung am dieselbe be- 
kannt gemacht wird. 

Trier, den 7. Mai 1863. 

Konigl. Begiernng, Abth. des Innern* 

Die Kreis- Wandarzt -Stelle des Bammelsburger 
Kreises, fnit welcher ein Gehalt von jährlich 100 Thlm. 
verbunden, ist erledigt, und werden qualificirte Medidnal- 
Personen, welche sich um diese Stelle bewerben wollen, 
aufgefordert, sich binnen 6 Wochen anter Einreichnng ih- 
rer Zeugnisse bei uns zu melden. 

CösHn, den 11. Mai 1863. 

KöDigl. Regierang. Abth. des Innern. 



BemerkaDgen zu der ZosammeDstelloDg der statast^ 

«eben VerhIUtnisse des ftrstlichen Personals ind der 

Apotheken io Preorsen fBr das Jahr 1861. 

(Schluss.) 
Nichtsdestoweniger ist schon damals die Anlage neoer 



Apotheken gegen die Zanahme der Bevölkerong zarockge- 
blieben, und nur in der Neuzeit noch mehr, als* in frühe- 
ren Jahren. 

Wie sich dies seit 1849 in den einzelnen RegierangSr 
Bezirken gestaltet bat, durfte die nachfolgende Tabelle er- 
geben: 



162 



)g 



s 



1. 

2. 

3. 
4. 

5. 

6. 

7. 

8. 

9. 
10. 
IK 
12. 
13. 
14. 
15. 
16. 
17. 
18. 
19. 
20. 
21. 
22. 
23. 
24. 
25. 
26. 



Namen 

der 

Ri^UroagB-Bexirke. 



Zunahme 
d, Einw. 

von 

1849/lßl 

»ach ffCt. 



Königsberg . 

Gumbinnen • 

Daosig . . . 
M«rieawerd«r 

Stettin . . . 

Göslin . . . 

Stralsund . . 

Posen . . . 

Bromberg . . 

Breslau . . 

Liegnitz • • 

Oppeln . • . 

Berlin . . . 

Potsdam . . 

Frankfurt . . 

Magdeburg . 

Merseburg . . 

Erfurt . . . 

Munster . . 

Minden . . . 

ArnaJberg • . 

Coln . . . . 

Dusseldorf . 

Coblenz • . 

Aachen. . • 

Trier . . . 



ZakI der 
Apotheken 

I6«|l8«t 



15,97 

27,54 

17,52 

14,77 

16,51 

16,8& 

12,62 

7,36 

14,83 

10,32 

3,89 

17,80 

29,17 

12,07 

12,62 

12,78 

12,02 

5,01 

4,84 

1,92 

21,34 

14,10 

22,95 

5,35 

11,47 

10,58 



SWBIIM 



13,07 



35 
37 
52 
51 
27 
22 
64 
31 
77 
55 
51 
39 
86 
85 



ZnMbnia 
der Apo- 

tbekeo 
nacb pCt. 



69 


69 


82 


83 


36 


36 


53 


60 


54 


56 


76 


82 


59 


60 


120 


127 


52 


53 


45 


46 


39 


41 


1465 


1536 



2,93 
20,00 
8,10 
3,84 


3,70 


6,25 
6,45 
7,79 
1,81 
7,85 
10,25 
4,65 
3,52 


1,21 


13,20 
3,70 
7,89 
1,69 
5,83 
1,92 
2,22 
5,12 



4,84 



In 4 Regiernngs - Bezirken Stettin, Stralsund, Magde- 
burg und Erfurt hat sich die Zahl der Apotheken in den 
12 Jahren nicht geändert. Terhältnissmäfsig am meisten 
neue Concessionirungen haben im Regiernngs- Bezirk Onm- 
binnen stattgefunden, demnächst in dem Regiernngs-Bezirk 
Munster, in Berlin, Arnsberg, Breslau und Oppeln. Auch 
im Düsseldorfer Verwaltuogs - Bezirk sind bei der grofsen 
Anzahl von Apotheken dennoch 7 neue angelegt. Mit Aus- 
nahme von Munster hat in den genannten Bezirken auch 
die Bevölkerung sich bedeutend vermehrt, und wird dies 
Jedenfalls mit ein Motiv zur Anlage neuer Apotheken ge* 
Wesen sein. Der Regierungs-Bezirk Dusseldorf zeigt aber 
vornehmlich, dass auch bei einer schon bestehenden gros- 
sen Anzahl von Apotheken die Möglichkeit neuer Anlagen 
gegeben ist, und dass nur die strengere Benrtbeilnng der 
f for de r li c be a . Varücagen aa maafagebender Stelle aar Er- 
klärung des Umstandes dienen kann, dass in einzelnen Ver- 
waltnngs - Bezirken so wenig fflr Anlage neuer Apotheken 
geschieht 

Dies zeigen auch die in letzter Zeit sich so sehr häu- 
fenden Recurs-Oesuche wegen Anlage nener Apotheken. 

Den Provinzen nach sind in 12 Jahren 
in der Provinz 



A^ofBen lie Apotheken von 192 tißf 206, d« L um 14 

FomBiem - - - 100 auf 101, d. i. um 1 

Posen - • - 95 mif 101, d. L am 6 

Schlesien - - - 183 auf 194, d. i um 11 

Brandenburg - - 210 auf 221, d. i. um 11 

Sachsen - - 187 auf 188, d. i. um 1 

Westphalen - - 183 auf 198, d. i. um 15 

Rhein - - 315 auf 327, d. i. um 12 
gestSe^Q. 

Von diesen nenea Anlagen kommen 6 auf die groben 
Städte: , 

4 auf Berlin incl. der 2 Apotheken der Moabiter und 
Rixdorfer, welche gelegentlich der Vergröfserung des Weich- 
bildes zu Berlin gekommen sind. 

1 auf Stettin (dagegen ist in Wollin eine Apotheke 
eingegangen, so dass im Regiernngs-Beurk Stettin die Zahl 
der Apotheken gleich blieb). 

1 auf Grefeld. 

Ferner kommen noch 16 Apotheken auf kleinere Städte. 
Dagegen sind 3 städtische Apotheken eingegangen. £s sind 
daher 52 neue Apotheken in ländlichen Ortschaften ange- 
legt worden. 

Von den 987 Städten des Preufsischen Staates sind 
noch 90 ohne Apotheken, und zwar: 

4 in der Provinz Preufsen, 
59 - - - Posen, 

5 - - - Schlesien^ 

2 - • - Pommern, 

8 - - - Brandenburg, 

% 9 • - - Sachsen, 

3 - - - Westphalen, 
10 - - Rheinprovinz. 

Viele dieser Städte sind jedoch so klein und baben 
Dar einige Hundert Binwohner, dass eine Apotheke in deo« 
selben nicht wurde bestehen können, ja das» seibat nicht 
einmal ein Arzt sich in ihnen niederlässt. 

Man rechnet im Allgemeinen, dass auf 10,000 Men- 
schen Eine Apotheke kommen mfisse. In der Wirklichkeit 
kommen aber durchschnittlich mehr darauf. 

So ergeben sich 1861 11986 Menschen, 
1849 11114 
auf 1 Apotheke, also 872 Menschen mehr. 

Dabei ist ein Raum von 3,30 resp. 3,40 Qnadratmei- 
len anf Eine Apotheke angewiesen. 

Natürlich stellen sich diese Verhältnisse in der Wirk- 
licfakeit ganz anders dar. In duanbeKölkertea Q^ttt^cn 
wird em grosserer FMdbenraom und mehr MenaDben aar 
Existenz einer ApoÜieke geboren als in atarkbewohntea 
Gegenden und grofsen Städten. Wie sich dieses in den 
letzten zwölf Jahren gestaltet hat, zeigt die nachfolgende 
Tabelle: 



163 



i 




Ea kommen 


El kommen 




Ntmen 


184» 


iBtil 


1 


der 
Regier.-Bezirke. 


auf Eine 


Apotheke 


anf Eine Apotheke 


A. 




Einw. 


Q.-Rreilen 


Einw. Q -Meilen 


1. 


KöDtgsberg . . 


12,468 


6,00 


14,041 


5,82 


2. 


GoaibioDefi . . 


lb,b8l 


8,&4 


16,558 


7,09 


3. 


Danzig .... 


10,936 


4,10 


11,869 


8,80 


4. 


MarieoWBrder . 


11,948 


6,13 


13,200 


5,90 


5. 


Stettin . . . . ; 


11,022 


4,68 


12,842 


4,68 


6. 


Cöslin 


16,611 


9,55 


18,718 


9,21 


7. 


SOralsnDd . . . 


8,502 


3,«3 


9,575 


8,63 


8. 


Posen 


14,020 


5,03 


14,168 


4,73 


9. 


Bnmbcrg . . . 


14,666 


6,93 


15,881 


6,50 


10. 


Breslaa .... 


15,255 


3,22 


15,613 


2,98 


11. 


Liegnitc .... 


16,745 


4,56 


17,087 


4,47 


12. 


Oppeln .... 


18,939 


4,76 


20,687 


4,41 


13. 


Berlin 


10,869 


0,025 


12,734 


0,023 


14. 


Potsdam .... 


9,825 


4,43 


10,522 


4,23 


15. 


Prankfart . . . 


10,118 


4,14 


11,658 


4,00 


16. 


Magdeburg . . 


10,009 


8,04 


ii,aoo 


3,04 


17. 


Mersebarg . . . 


9,056 


2,30 


10,023 


2,27 


18. 


Erfurt 


■9,646 


1,72 


10,130 


1,72 


19. 


Manster .... 


7,961 


2,48 


7,373 


2,20 


20. 


Minden .... 


8,578 


1,77 


8,431 


1,71 


21. 


Arnsberg . . . 


7,628 


1,84 


8,579 


1,70 


22. 


C51n 


8,429 


1,22 


9,457 


1,20 


23. 


Dfisseldorf . . 


7,559 


0,81 


8,752 


0,77 


24. 


Coblens .... 


9,672 


2,11 


9,998 


2,07 


25. 


Aachen .... 


9,145 


1,68 


9,972 


1,65 


26. 


Trier 


12,620 


8,35 


13,274 


3,19 




Snmma 


11,114 


3,40 


11,986 


3,80 



Die Darcbschnittszabl der Binwohner anf Eioe Apo* 
theke ist während dieser Zeit nor in den Regierangs - Be- 
zirken Munster und Minden gefallen, in allen übrigen Be* 
gieruDgs-Besirken gestiegen. Im Oppelnseben Regiernngs- 
Bezirk ist diese Zabl am grdfsten geblieben und beträgt ge- 
genwärtig 20,687; mehr als das Doppelte der angenomiae- 
Den Noroialzahl. Demnächst folgt der Regierangs -Bezirk 
Coslin mit 18718 Einwohnern anf 1 Apotheke, aber mit 
mehr als noch einmal so grofsem dorcbscbnittlichen Plä- 
cbenraom, so dass die Einwohner dieses Departements je- 
denfalls am angJSnstigsten in Beziehung aaf ihren Arznei- 
bedarf gestellt sind. Wenig besser ist es in dieser Hin- 
sicht in den Begierongs - Bezirken Oaiabinnea und Brom- 
l>erg. Ueberhaupt biieben in den östlioben Provinzen nur 
die sächsischen Begieniags - Bezirke and die Regieroags- 
Besirke Danaig, Stralsaod^ PotMLam «ad Fiwikfart noter 
dem dorchscbiiittlicfaeB Mittel, wogegen in dem westlieben 
Tbeil der Monarchie nur Im Begierongs -Bezirk Trier sich 
die Dnrchschnittszahl über das Mittel erhebt. 

Es tritt daher bei der Anlage nea^r Apotheken mehr 
noch als bei der Niederlassung der Aerzte die Berücksich- 



tigung des Wohlstandes in den Vordergrand, und wir se- 
hen, dass ungeachtet der geringen hier also ungünstigen 
Dnrchschnittszahl der Binwohner in den westlichen Provio- 
zen verbältoissmäfsig weit mehr Apotheken in den verflos- 
senen 12 Jahren angelegt worden sind, alz dorcbsehnittlicfa 
in den östlichen. 

Bei Vergleichnng der Provinzen stellt sich folgende 
Reihenfolge heraus: 

Es kommen auf Eine Apotheke 



in der Pronox 




1849 1861 


Schlesien 


16,730 Ew. anf 4,05 17,477 anf 3,82 


Posen 


14,758 


- - 5,65 14,708 - 5,81 


Prenfsen 


12,596 


- - 6,13 13,917 - 5,71 


Poimnern 


11,977 


- - 5,77 18,766 - 5,71 


Brandenburg 


10,138 


- - 8,54 11,166 - 3,31 


Sachsen 


9,525 


- - 2.46 10,512 - 2,45 


Rbeinproviaz 


8,924 


- - 1,54 9,834 - 1,47 


Westpbalen 


8,005 


- - 2,01 8,172 - 1,85 



Eäne Abnahme dieser Zahlen bat nur in der Provinz 
Posen sieb ergeben. In Beziehung anf den Flächenraam 
folgen die Provinzen genau der Ordnung, wie sie in die- 
sen Zusammenstellungen sich von Osten nach Westen ge- 
wöhnlich aneinander reihen. 

Wir haben schon oben bemerkt, dass in den 20 gro- 
fsen Städten der Monarchie nor 6 Apotheken während der 
letzten 12 Jahre nen angelegt worden sind. Zur näheren 
Benrtbeiluog der etwanigen Bedfirfnissfrage durfte es von 
Werth sein, zo erfahren, wie sich während dieser Zeit das 
Verbäitniss zwischen den Einwohnern ond den Apotheken 
in diesen Städten gestellt hat 

Dazu wird die folgende Tabelle dienen; (siehe oai- 
stehend S. 165.) 

Wenn bei den städtischen Apotheken überhaupt auf 
die ländliche Bevölkerung der nächsten Dmgegend auch 
Rücksicht genommen werden muss, und sich demnach die 
Zahl der Einwohner, welche die vorstehende Tabelle auf 
Eine Apotheke nachweist, bei manchen Städten bedeutend 
vermehren durfte, so zeigen doch schon ohnedies Berlin, 
Magdeburg, Stettin, Halle, Breslau und Crefeld mehr als 
10,000 Eis wohner auf jede der in diesen Städten befindli- 
chen Apotheken. Für grofse Städte durfte aber überhaupt 
diese Durchschnittszahl zu grofs erscheinen, da die dicht 
gedrängte Volksmenge einen viel gröfseren Arzneibedarf ha- 
ben wird, als die in dann bewohnten Gegenden. Dass dies 
der Fall und die Apotheken in den grofsen Städten bei 
einer geringeren Eiowohoerzafal zu bestehen vermögen, zeigt 
die überwiegende Mehrzahl, in welcher diese Zahl nicht er- 
reicht wird. 



164 



Zusammenstellang 

der statistischen Verhältnisse des arztlichen Personals und der Apotheken in den einzelnen 
Re^erungs-Bezirken des Preufsischen Staats am Schluss des Jahres 1861. 















BeTdlkemng, 


Flucben- 
ichalt 

qi.-Meil. 


Zaht der 


Zahl 
in 


der Orte, 
welchen 


Zahl der 
Apothe- 
ken. 


Es kommen 
Eiowohn. auf je 


Es kommen 
Q..Meil. auf je 


TS 

.d 


( 


o 

s 

o 


3 

li 


£3 

s 
e 

oa 

3 
«4 

< 


Ou 


1 


CS 


< 
■5 


t: 
% 

ja 
o 


o 

i 


d 

s 

4) 


1 

g 

'S 


1 

s. 

"«5 


ET 

4 


wohnen. 


!_ 


I. 


Königsberg 


982,894 


408 


204' 


44 


248, 


57 


9 


66 


70 


3663 


14892 


14041 


1,64 


6,18 


5,82 


% 


Gumb innen . 










695,^71 


298 


73, 


17 


90 


30 


8 


38 


42 


7727 


18.301 


16558 


3,31 


7,84 7,09 


a 


Daazig . . 










475,570 


152 


124 


39 


163 


21 


6 


27 


40 


2917 


17613 


11889 


0,93 


5,62 3,80 


4. 


Marienwenie 


r , 








712,831 


319 


^S 


40 


134 


38 


14 


52 


54 


.^19 


1370H 


13200 


2,38 


6,13 


5,90 


&. 


Stettin . 










654,963 


239 


UZ 


53 


196 


33 


13 


46 


51 


3875 


14238 


12842 


1,21 


5,19 


4,68 


6 


Cö*li»i . , 










a24,]08 


258 


68: 


2.^ 


m 


20 


11 


31 


28 


5635 


16906 


18718 


2,77 


8,32 


9,21 


7. 


StralBiind 










210,668 


80 


m\ 


22 


91 


16 


4 


20 


22 


2315 


10.538 


9575 


0,87 


4,00 


3,6i 


8. 


PoBcn 










9fl3,441 


322 


152' 


57 


209 


60 


23 


73 


68 


4609 


13197 


14168 


1,53 


4,61 


4,73 


9. 


Bromberg 










522,109 


215 


74' 


19 


93 


30 


5 


35 


33 


Ö6I4 


14917 


15831 


2,31 


6,14 


6,50 


10. 


ß res Uli . 










1,295,959 


248 ' 


327 


157 


484 


72 


54 


126 


83 


2677 


10285 


15613 


0,51 


1,96 


2,98 


11. 


LiognlU . 










95ß,892 


251 


163 


131 


297 


50 


84 


134 


56 


3221 


7140 


17087 


0,84 


1,48 


4,47 


12. 


Oppelü . 










J,137,S44 


243 , 


167 


43 


210 


62 


9 


71 


55 


5418 


16025 


20687 


1,15 


3,42 


4,41 


13. 


Berlin , , 










547,571 


1 


520 


105 


625 


1 


• 


1 


43 


876 


• 


12734 




, 


, 


14. 


Potadam . . 










947,034 


381 


234 


96 


330 


74 


18 


92 


90 


2869 


10293 


10522 


1,15 4,14 


4,23 


15. 


Fronkriirt . 










073,151 


352 


185 


61 


246 


67 


21 


88 


88 


3956 


11068 


11058 


1,431 4,00 


4,00 


I& 


Magdeburg 










779,754 


210 


20ü 


127 


327 


62 


66 


128 


69 


2384 


6091 


11300 


0,64* 1,64 


3,04 


17 


Merseburg 










831, 9H8 


1H9 


216 


113 


329 


75 


42 


117 


83 


2528 


7110 


10023 


0,57! 1,61 


2,27 


18. 


Erfurt . . 










364,695 


62 


72 


50 


122 


24 


19 


43 


36 


2989 


8481 


10130 


0,50' l,i4J 1,72 


19^ 


Miinater , 










442,397 


132 


138 


35 


173 


63 


14 


77 


60 


2556 


5745 


7373 


0,76 l,7l| 2,20 


20. 


Minden , 










472,145 


96 


121 


25 


146 


44 


13 


57 


56 


3233 


8283 


8431 


0,65 1,68| 1,71 


21 


Arnabetg 










703,523 


MO 


201 


36 


217 


84 


13 


97 


82 


2968 


7252 


8579 


0,59. 1,44^ 1^70 


22- 


Ci>la , , 










567,475 


72 


244 


40 


2h t 


56 


11 


67 


60 


1998 


8469 


9457 


0,20] 1,07 


' 1,26 


23 


Düaaeldorf 










1,115,365 


98 


328 


67 


395 


101 


25 


126 


127 


2823 


8852 


8782 


0,24. 0,77 


^0,77 


24. 


Coblenz . 










529,929 


110 


146 


42 


188 


53 


23 


76 


53 


2818 


6972 


VcrVO 


a,58} 1,4^ 


1 2,07 


25. 


Aaeben . 










458,746 


76 


122 


31 


153 


43 


11 


54 


46 


2998 


8495 


9972 


«,49| 1,4< 


> 1,66 


S6. 


Trier , 








*■ 


544.269 


131 


87 


35 


122 


30 


16 


46 


41 


4461 


11859 


13274 


l,07|2,8i 


1 3,19 




Samma 


18,410,875 


5083 


4472 


1513 


5986 


1256 


532 


1788 


1536 


3076 16296 11986 


0,84 


%ßi 


^ 3,30 


27. 


HohenzoUem 


64,676 


21 


21 


17 


38 


11 


11 


22 


10 


1702 


2935 


6467 


0,55 


f 0,9! 


> 2,10 


28. 


Jadegebiet . 


• • 




• 




95« 




' 




• 


• 


• 


• 


• 






* 


• 




• 



165 



e 

'S 



p 
m 



2. 

3. 

4. 

5. 

6. 

7. 

8. 

9. 
10. 
11. 
12. 
13. 
14. 
15. 
16. 
17. 
18. 
19. 
20. 



Namea d«r St&dte» 



Berlin . . • .- 
Breslau . • • 

Cöln 

Königsberg in Pr. 
Magdeburg . • 
Danzig .... 
Aachen .... 
Stettin .... 
Pocien .... 
Potsdam • • . 
Elberfeld . . . 
Crefeld. . . . 
Barmen . • , 
Halle a. S. . . 
Erfurt .... 
Frankfurt , . • 
Dusseldorf . . 
Coblenz , . . 
MGnster . . . 
£lbing .... 



Einwohner- 
zahl 



423,902 
110,702 

94,789 
75,240 
70,488 
63,917 
50,533 
47,202 
44,963 
39,864 
38,663 
36,134 
85,989 
33,848 
32,224 
29,969 
26,463 
25,318 
24,664 
21,637 



18 4 9 

der 

Apotbefcen 



14 

17 
11 
7 
12 
8 
5 
7 
5 
6 
4 
5 
4 
6 
4 
7 
5 
5 
6 



Tagesereignisse und anderweite Mittheiluagen. 

— Nach dem in den Gbarit^Annalen veröffentlichten 
Berichte über das Gebärbans der Charit^ befanden sich 
bei Beginn des Winter-Semesters 1860 bis 1861 10 Schwan- 
gere, 23 Wöchnerinnen mit 7 Knaben und 14 Mfidchen in 
der Anstalt und worden während des Semesters 337 Indi- 
viduen neu aufgenommen. Wie viele davon verheirathet 
waren, enthält der Berieht nicht Entbanden worden 321 
Personen (181 Erstgebärende nnd 140 Mehrgebä- 
rende). Die Dauer der Geburt war für Mehrgebärende 
am kOrzesten 1| Stnnde, für Erstgebärende 34* Stande, am 
längsten bei einer Erstgebärenden 54 Standen. Der gros* 
sere Tbeil der Gebarten (192) fiel auf die Standen von 
10 Uhr Abends bis 4 Uhr Morgens. Fehl- und Fr ah« 
gebarten kamen 46 Mal vor. Die Ursachen derselben 
waren konstitutionelle Syphilis 12 Mal, gewaltsame Ersehnt- 
terung des Körpers durch Fall 3 Mal, grobe Misshandlung 

1 Mai, Heben schwerer LiasteD 6 Mal, stürmisch ausgeüb- 
ter Coitas 3 Mal (im 5ten, 7ten und 9ten Monat), Sehreok 

2 Mal, frohere Aborten 2 Mal, ZwilliDgSschwangersohaft 
2 Mal, schwere Allgemeinleiden 2 Mal, zn carte Jugend 
1 Mal, Plaeenta praevia lateralis 1 Mal, onbesthnmt 2 MaL 

Von Kindeslagen kamen vor: erste Schädellage 194, 
•weite Sebädellage 53, dritte in die zweite fibergehende 
Sehäd^bge 31, vierte Scbftdellage 1, erste Gesichtalage 2, 
erste Steisslage 2, zweite Steisslage 5, vierte Steiselage 1, 
«wehe F«Cllafpe 1, vierte FoHllage 2, zweite Schalterlage 



Einwohner 

auf 
i Apotheke 



10,869 
. 7,907 
5,575 
6,840 
10,069 
5,326 
6,316 
9,440 
6,423 
7,972 
6,443 
9,033 
7,197 
8,462 
5,370 
7,492 
3,780 
5,063 
4,932 
3,606 



Einwohner- 
zahl 



547,571 
145,589 
120,568 
94,579 
86,301 
82,765 
59,941 
64,431 
51,232 
41,824 
56,307 
50,584 
49,787 
42,976 
37,012 
36,557 
41,292 
28,525 
27,332 
, 25,539 



18 6 1 

der 
Apotheken 



43 
14 

17 
11 
7 
12 
8 
6 
7 
5 
6 
5 
5 
4 
6 
4 
7 
5 
5 
6 



Einwohner 

aaf 
I Apotheke 



12,734 

10,399 
7,092 
8,598 

12,328 
6,897 
7,492 

10,738 
7,318 
8,364 
9,384 

10,116 
9,957 

10,744 
6,168 
9,139 
5,898 
5,705 
5,466 
4,256 



erste Unterart 2. Die beiden Qesicbtslagen verliefen, der 
Natur überlassen, glucklich für Mutter und Kind. 

Zwiliings^eburten kamen 7 Mai vor. 

Kunsthulfe wurde in 61 Fällen nötbig und bestand 
29 Mal in Anlegcyg der Zange an den vorliegenden Kopf, 
9 Mal in Anwendung des Smellie'scben Handgriffes beim 
nachfolgenden Kopf, 2 Mal in Wendung auf die Fufse, 2 
Mal in Extraktion an den Fufsen, 2 Mal in Reposition der 
vorgefallenen Nabelschnur mittelst der Hand, 16 Mal in 
seitlichen Einschnitten in die groDsen Schaamlippen, 1 Mal 
in Lösung der adhärenten Plaeenta. 

Grofsere Dammrisse kamen bei 22 Gebärenden vor; 
in 10 Fällen gelang die Prima intensio durch die sofortige 
Anlegung der blutigen Naht (mit Seidenfäden). 

Puerperale Erkrankungen waren selten; derar- 
tige Fälle wurden aus dem Gebärhause an die AbtheUnng 
für kranke Weiber abgegeben; es geschah dies mit 29 von 
321 Entbundenen. In den Monaten October nnd Februar 
war keine solche Verlegung nothwendig, im März 1, im 
Januar 3, November 6 nnd im December 17. Eklampsie 
kam 2 Mal vor and verlief tödtlich. Anfserdem starben 
von den wegen Puerperal - Erkrankungen verlegten Wöch- 
nerinnen 6 und Eine zum I2ten Mal Entbundene an plötz- 
lich auftretendem Lungenödem. 

Von den Neugebornen waren 156 männlichen and 
167 weiblichen Geschlechts; bei 3 Fruchten war das Ge- 
schlecht noch nicht kenntlich. Todtgeboren wurden 24 
Knaben and 14 Mädchen, die häufigste Ursache des Ab- 
aterbens war Syphilis der Mutter. Von den Neugebornen 



166 



] 



BtarbeD 12 Eoaben and 9 Mfldcben, and zwar 14 an Atro- 
phie, 8 an Brecbdnrcbfkll, '2 an Oebirnentzündnng, 1 an 
SSellgewebsverh&rtong, 1 an icteras. ' 

— Wocbenbericbt der hiesigen 5ffentliehen Kran- 
kenfa&nser: 

Bentand WOohl. Wdchl. hieranter BesUnd 
9. Mai Zollang Abgang TodesfSUe 16. Mai 

Be^anien .... 267 37 54 6 250 

Hedwigs -Krankenh. 215 60 62 5 213 

Blisabeth-Krankenh. 75 6 8 2 73 

Jodisches Krankenh. 88 6 9 — 35 



dam Charit^ • 



595 
1304 



109 133 



13 



571 
1230 



1899 1801 

In Bethanien and im Hedwigs-Krankenbaase waren 
Langenentzündangen vorherrschend. 

— Die gegenwärtige Verbreitung der Mens eben pok- 
ken in Grofsbrittanien giebt der Englischen Zeitschrift 
Lancet Anlass die Schutzblattern-Impfoog zu besprechen 
nnd in ihrer mangelhaften Aasfuhrung besonders den Grand 
jener Yerbreitang za Sachen. Nach einer sorgffiltigen Dn- 
tersachang der in den letzten 27 Jahren im Londoner Pok- 
ken - Hospitale anfgenommenen Ffille betrafen 80 pCt ge- 
impfte Personen, doch waren bei einer grofsen Zahl die 
Impfnarben angenagend oder ansichtbar. Es ergab sich 
aber zwischen der Bösartigkeit and Tödtlichkeit der Krank- 
heit einerseits and der Abwesenheit gater Impfnarben an- 
dererseits eine anmittelbare Beziehung. Das VerHftltniss 
der Sterblichkeit anter den durch Vaccination nicht geschfitz- 
ten Individuen betrog 37 pGt., das Sterblich keits- Verhält- 
niss solcher Kranken, von denen zwar die Impfung fest* 
stand, aber Narben nicht vorhanden waren, betrag 21,7 pCt.; 
solcher Kranken, welche nngenugende Narben zeigten, 11 
pCt., and endlich solcher Kranken, welche 4 oder mehr 
gate Impfnarben zeigten, weniger als ein halbes Procent 

Die mangelhafte Impfung wird zum Theil der Beschaf- 
fenheit der Lymphe, zum Theil der Art der Ausführung 
zugeschrieben. In letzterer Beziehung wird die Unken nt- 
, niss vieler Aerzte beklagt und der Wansch ausgesprochen, 
dass der Unterricht der Studirenden auch auf die Vaccina- 
tion ausgedehnt werde. 

Wir bemerken hierbei, dass trotzdem, dass in dem 
preufsischen Staatsexamen von dem angehenden Arzte der 
Nachweis seiner Bekanntschaft tnit der Impfbng verlangt 
wird, doch die hiesige K. Impfanstalt nur zu oft Gelegen- 
heit hat zu erfahren, "wie wenig oft Aerzte, and selbst sol- 
che die als Bezirks-Impfftrzte fungiren, mit dem Impfwesen 
vertraut sind. 

Schliefslicfa {nteressirt uns eine Bemerkung der BftgK«- 
sehen Zeitschrift, weil sie eine Thatsache besfütigt, die in 



der hiesigen K. Impfanstali Ungst als durch die Erfabraog 
festgestellt angenommen ist, deren aber unseres Wisseos in 
der umfassenden Literatur des ImpfwesenS nirgends gedacht 
worden ist. Es heifst dort: „Man darf die Revaocination 
(die selbst, wenn die normale Vaccination stattgefaoden 
hat, nach Ablaof der Kindeijahre nie vers&amt werden 
darf) nicht als Besatz für die mangelhaft ausgeführte Erste 
Impfung ansehen. Es beruht die Voraessetzung auf einen 
Irrtbum, dass es gleicbgöltig sei, ob die erste Impfung gut 
ausfalle, weil man die Impfung wiederholen könne. Erfah- 
rung lehrt, das« wenn die Impfung eine ungenügende Wir- 
kung hat, auch die folgenden Impfungen niobt von norma- 
lem Erfolg sind nnd daher das betreffende Individuum ge- 
gen bösartige Pockenerkrankung nicht geschützt ist. Man 
kann daher bei der Ausfahrong der ersten Impfung nicht 
sorgsam genag sein.^ 

Dieser Satz ist vollkommen richttg. Ist ein Kind zum 
ersten Male ohne Erfolg oder mit angenOgendem Erfolge 
geimpft und gelingt es selbst bei der wiederholten Impfung 
desselben Kindes normal scheinende Pocken zu erzielen, 
so ist doch die von diesen Pocken abgenommene Lymphe 
zor Portpflanzang angeeignet. Verwendet man sie zur wei- 
teren Impfung, so erscheinen verkümmerte, unregelmäfsig 
verlaufende, anechte Pocken. Es liegt hierin jedenfalls der 
Grand, warum bisweilen die Berichte die Impffirzte ange- 
ben, die Lymphe, welche sie aus der Impfanatalt beaogen 
haben, sei anfangs sehr gat gewesen, habe aber bereits nach 
wenigen Oeneratioaen entartet sich gezeigt Diese Tbatsa- 
che ist f3r das Impfwesen von aofserordentlicher Wichtig- 
keit, and BOSS daher der Arzt sich hüten ein Kind, 
an dem die Vaccination früher Ein Mal fehl ge- 
schlagen ist, cor Fortpflanzung der Ljmpbe sa 
benutzen. 

Bei dieser Gelegenheit wollen wir aoch nicht anbe- 
merkt lassen, dass das so hfiufig Gbliche Verfahren aar fta» 
vaccination Lymphe, die aas den Pocken anderer Revacci- 
nirter entnommen ist, cu benutzen, verwerflich ist, w^l eins 
solche Lymphe niemals normale Schntzpocken erzeagea 
kann und daher mnthraafslicb anch nicht aosreicbenden 
Sobnts gegen Variola gewfthrt 



«^ Das Kgl. Bayerscbe Staats-Ministeriam des 
Innern hal aar Verbflloog von Gefahren ffir die Ge- 
snndheit bei dem Arbeitsbetriebe in Fabriken and 
bei Gewerben anter dem 8. April d. J. angaordneti 

§.1. In Fabriken oad Werkstitten, in welchen Qaack* 
Silber, Arsenik, Phosphor, gifthaltige Farben oder andere 
ehemische Produkte hergestellt oder verarbeHat w^erden, ist 
fSr die Entfemang der gesandheitsscMdUcben Abiftlle «ad ] 
Gase durch sorgffihige ReioigiiBg und Loft-Bmeaeraag der 
Arbeltariame Sorge su tragen. 

§. 2. In den Spiegel - Fabriken sind die GAaabctsyr 



167 



In lH>ben und geriomigen ArbefUnLokako ontersobriDgeo. 
Die Qoecki^Hber-DAmpfe, wekbe b«i 4eii Qaeoksilber-»Lfo- 
teroDgeii od4 anderen demrtigen Proceeaen aioh entwicMa, 
iafiesen aaf feorgfjMtige, den jii^eitern mdglichel-voseftiftdii- 
eile Weise aufgefangen werden. 

§. 3. In Fabriken, fn weleb«n Areenik prodoeiii oder 
verarbeitet wird (in Fabriken areerokbaltiger^ oheaoiscber 
iVodakte, der areeoigeB Sinre, dee Schweinfnrter <> Orön, 
der Sznalte), muM Bieenoxydbydrat l>ebafe der sofortigen 
Anwendung bei etwa yorkommenden Vergiftangen stete vor- 
banden sein. 

§. 4. FSr jene Fabriken, in welcbeo Phosphor cur An- 
fertigung von Zuudbolzcben verarbeitet wird» gelten folgende 
Vorschriften: 1) Personen mit sehad haften Zahnen sind als 
Arbeiter nicht zuzulassen. 2) Zur Bereitung des Phosphor- 
Breies, zum Eintauchen der Hölzer in denselben sowie zum 
Trocknen der Hölzer sind nur gesunde, kräftige Männer zu 
verwenden. 3} In der Trockenstube darf die durch Hetz- 
snng entwickelte Wärme 16 Grad R. nicht öbersteigeli. 
Die Trockenstube muss von den übrigen Arbeitsräumen 
vollständig getrennt sein and Abzngskanäle enthalten, dnrcb 
welche die entwickelten Dämpfe entweichen können, ohne 
die in den übrigen Arbeitsräumen beschäftigten Arbeiter zu 
belästigen. 4) Das Reinigen der Steckrahmen -Tiegel nnd 
der übrigen zur Fabrikation von Zündhölzern verwendeten 
Geräthe mittelst Ausbrennens ist verboten. 

§. 5; In den Nadel - Fabriken hat das Schleifen oder 
Spitzen der Nadeln entweder mittelst Iffaschinen oder un- 
ter Aufstellung eines energischen Ventilations-Apparate (Ex- 
haustor mit Gentrifugal-Maschine), durch welchen der Schleif- 
staub von den Arbeitern weggezogen wird, stattzufinden. 

Iiitoratort 

Beiträge zur consarvativen Chirurgie oder Beob- 
achtungen und Bemerkungen über die zweckmäfsig- 
ste Therapie der complicirten Frakturen und der 
Körperverletzungen überhaupt, mit Beschreibung vie- 
" 1er entsprechender Fälle eigener Erfahrung vgn Dr. 
Hermann Schulte, Knappschafts^ und Hospital- 
Arzt zu Bochum u. s. w. Zum Besten des Elisa- 
beth-Hospitals zn Bochum. Bochum 1863 bei Ad. 
Stumpf. 67 8. 8. 

Der Herr Verfasser empfiehlt den von ihm wesentlioh 
znodificirten Bnrggräve'schen Watten verband bei kom- 
plicirten und Eomminutiv - Frakturen und andern Körper- 
verletzungen, als Quetschungen mit und ohne Zerreifsnng 
der Haut, Distorsionen, nach Reposition der Luxationen, 
nach Amputationen und Resectionen. Der Verband soll 
Dicht den festen Kontentivverband ersetzen, sondern er soll 
nur an die Stelle der antiphlogistischen Vorkar treten, und 
nachdem durch ihn die Öefateea einer geforebteten £nt» 



«iodiing beseitigt sind, andern festen Verbiadttt, mit ndar 
ohne untergelegte Wattenlage, nsit Freilassnag der aofwal 
eiternden Wunde Platz machen, «od ist hanplaftebiich b^i 
denjenigen komplieirten «nd Komnit»«tiv - Frakturen Mi«a* 

wenden, wo eine sofortige Anlegung eines der gebrtufUk 
«hefl festen Kontentiwerbände gefährlich und kontraledtcirt 
erscheint und wo nach den Regein der Sehale ortlieh die 
Kälte angewendet an werden pdegt 

In Steile der letztem wird als sofortiges Verbandoiü^ 
lel Watte ohne eine erhärtende Masse, jedoch mit Snbia- 
neu und Binden nnd mit öfterem Wechsel des Verbaedea 
«nter besonderer Berncksiehtigang der Wunden, bei hiegUi- 
nender Eiterung, benutzt. Die Art der Aokgoog iat fan- 
gendes Um das verletzte Glied wird, nachdem die etwa la- 
sen Knochensplitter, fremde Körper eto. entfernt und die 
Reposition so gut wie möglich vollzogen, eine etwa ly bie 
2 2^11 dicke Lage Watte gelegt, die auch die Wunden 
gleichmäfsig bedeckt, und die Watte dann mit einer RoU- 
binde oder je nachdem es zweckmäfsig erscheint, mit einer 
vielköpfingen Binde so fest umgeben, dass die bausehige 
Watte ziemlieb fest komprimirt wird. Von der Methode 
des Dr. v. Engelhardt in Riga unterscheidet sich dies 
Verfahren also wesentlich dadurch, dass die Wunde nicht 
freigelassen wird* Wunden, die Hoffnung zur prima inten- 
tio geben, werden vorher vereinigt. Alsdann folgen mit 
Watte umgebene Schienen, und diese werden dann, naeb- 
dem etwai|;e Unebenheiten und Lücken zuvor mit Watte 
ausgefüllt sind, mit einer Binde so fest angezogen, als es 
zur Retention der Fragmente erforderlich ist Demnächst 
folgen wie beim gewöhnlichen Schienenverbande die Stroh- 
laden, Spreukissen, Schweben und andere Lagerungsappa- 
rate, wie sie die ruhige und sichere Lage des verletzten 
Gliedes erheischt Bei Unterschenkel brücben hat man, na- 
mentlich wenn ein weiterer Transport stattfinden soll, dar- 
auf zu sehen, dass die Laden die Fufssoble etwas überra- 
gen, die tiefern Stellen über dem Fufsgelenk passend aus- 
gefüllt und noch mit einer Binde oder einem Tucbe so um- 
geben werden, dass nicht Schwankungen des Fufses statt- 
finden können. Ist die Fraktur an dem Oberschenkel oder 
an dem Oberarm, so wird auch der Unterschenkel oder 
Vorderarm mit einer dünneren Lage Watte und einer Binde 
fest umgeben. Zweckmäfsig und oft nothwendig ist es auch, 
wenn Watte und Binden das sonächst oberhalb und unter- 
halb der Fraktur liegende Gelenk mit umfasseo. 

Herr Verfasser hält diesen Verband für besser als den 
aoch von Ravoth adopiirten Verband von Burggräve, 
welaber zuerst lai^e, die nahe liegenden Gelenke überra- 
gende Schienen mit untergelegter Wattenlage anlegt aod 
dann die Schienen mit einer Binde befestigt, weil die Watte 
anter den Schienen leicht aiefa verschiebt. 

Wie bereits erwähnt, soll der Verband nur ein vorläo- 
figeci die aotifblogistiscbe Behandlang eraetsender sein, er 



168 



wird m des enten 4 bw 6 Tagen soboa der BebliGUDett 
W9gsn geweelMeU and spAter darch ekieii defioilhren Ver- 
band ersetat« Wofern niebt gröfsere Qef&be gerietst ündy 
00 ist selbst die fortdauernde Blotong kein Hinderniss fSr 
den Wattenverband. 

Ueber die Wiii[ong8wei8e der Watte aof frische Wun- 
den spricht sich der Herr Verfasser dabin ans, dass sie die 
Wunde sanft deckt und gegen die scbfidlichen Einwirkun- 
gen der atmosphärischen Luft und des Temperaturwech- 
sels, und doch auch ohne su erbitseu, schulet; die Blat- 
ond Neryenthfttigkeit der gequetschten Tbeiie werden neu 
belebt und die prima intentio oder eine gute Eiterung da- 
durch gefördert. Die Schmerzen mindern sich bald nach 
Anlegung des Verbandes, es tritt kein oder höchst unbe- 
deutendes Fieber und keine wesentliche entanndUche Reak- 
tion oder Anschwellung des- verletsten Gliedes ein. 

Der Herr Verfasser hat diesen Verband bei 68 kom- 
plicirten Frakturen mit dem besten Erfolge angewendet und 
berichtet ansf&hrlich Ober eine grofse Zahl derselben, unter 
denen mehrere sich finden, welche die Absetzung des Olie- 
des SU erfordern schienen und dennoch glucklich yerliefen. 

In der Tbat sind die Resultate, die der Herr Verfas- 
ser erreicht hat, der Art, dass sie seinem Verfahren zur 
groGsen Empfehlung gereichen, und ist es gewiss wnnschens- 
werth, dass dasselbe in weitern Kreisen und ganz beson- 
ders in der Militair^Gbirurgie Anwendung finden möge. Wir 
empfehlen daher die Schrift der Beachtung eines jeden prak- 
tisdien Chimiigen. 



Anzeigen. 



Unter den Personalien der No. 16. d. Ztg. ist mitge- 
theilt, dass Herr Dr. Jordan von Suhl nach Erxieben ge- 
sogen sei. Mit Bezug hierauf bemerke ich, dass Herr Dr. 
Jordan hier nicht angezogen und die Stelle eines Arz- 
tes noch unbesetzt ist 

Erzleben bei Magdeburg. 

JocAmaiifi, Apotheker. 



Eioladung. 

Auf der sieben und dreifsigsten Versammlung deutscher 
Naturforscher und Aerzte in Garlsbald ist beschlossen wor- 
den, dass die acht und dreifsigste in Stettin stattfin- 
-den solL Die Unterzeichneten, welche mit dem Amte der 
GeschfiftsfBbmng betraut worden nnd, geben sich nun die 
Ehre 
tu der in der Woche vom 18. bis 24. September 1863 
in Stettin tsgenden Versammlung 



die dedtsohan Nataribrtoher fwd Aerste eben so dringend 
als berzlieb einzuladen. SteltiQ hat bisher noch nicht den 
Vorzug gehabt, die Zierden und Triger deutscher Natur* 
Wissenschaft und Heilkunst gastlich anfnehoien su könaeo, 
und wird sich nach Krfiften bemühen, das ihm durch die 
Carlsbader Wahl geschenkte Vertrauen zu rechtfertigen. 

Dass anch nichtdeatsche Mitarbeiter im Weinberge der 
Natorwissonschaflen uns hochwillkommen sein werden, b^ 
darf kaum einer ausdrficklidien Vezsicheruog. 

Stettin im Mai 1863. 

Die Geschäftsführer der 38. Versammlung deutscher 
Naturforscher und Aerzte. 
Dr. C. A. Dohm^ Dr. Behm, 

PrSsident des entomoL Vereins. Geb. Med.-Ratb. 



Bei VerdlBAiifl finlce is firlMsyen ist so eben er- 
schienen aod durch alle Buchhandlungen zu erhalten: 

Beigei, Dr. H., Balneologiscbe Notizen über die Kurmittel 
des Bades Reinerz in Schlesien, mit besonderer Be- 
rücksichtigung der daselbst eingerichteten jodhaltigen Moor^ 
bäder. Mit 4 lith'. Tafeln, gr. 8. geh. 1 Thlr. oder 
1 Fl. 48 Kr. 

Siiebeh sen., Dr., Ricket's, Rhacbitis oder Rachitis. Tabes 
pectorea, articoli duplicata, Zwiewnchs, Englische Krank- 
heit u. s. w. 8. geh. 15 Sgr. oder 48 Kr. 

FtrcAoio, Handbuch der speciellen Pathologie und Therapie, 
VI. Band H. Abtheil. 3. Heft (Vogel Nierenkrankbeiten, 
1. Lief.) Lex. 8. geb. 28 Sgr. oder 1 FL 36 Kr. 



Bei Tb. Chr. Er. Enslin in Berlin ist erschienen: 
Das 

Prenfslsclie Plijsikate-Eiamens 

Repetitorium 

ftUr Civil- und Militair-Aerzte 

TOB 

Dr. Fr. Barth. LoeflTler. 



Das RegulaÜT fSr Obdnctionen, welches seit dem Er- 
scheinen des Boches eine A b&nderung erfahren, wird in ei- 
nem Separatabdrock jedem Exemplare des L5ffler*schen Ba* 
ches gratis beigegeben. 



Vsrlftg Ton Th. Chr. Ft. Bnslili (Adolph Enslm) in Bsfrlin. -^ Gedruckt bei A. W. Sckttdd in Bertia, SUllsohMibsMir. 47. 



Neue Folge. 
Tl. Jahrgang. 



PREüSSISCHE 



Dl«i« ZaltuBK «rsohalBt wAebMt:i«ta. 

Der Prell 4es ganeen Jahrgaagt» welebtr 

nicht getrennt wird, lat 3 Tblr. 20 8gr. 



MEDICINAL -ZEITUNG. 

Herausgegeben von dem Verein für Heilkunde in Preussen 

UBter BeBVtiug amtlieher Mittheilnngea des Königl. Ministerivms der geistlichen, Unterriehts- 
nnd Medicinal-AngeiegenlieiteB und der Eönigi. Provinzial-Beliörden. 

Redacteur: £. Müller, Geh. Medicin&l-Rath etc. 



1863. 




22. 



3. Juni. 



Inhalt. Amtlicher Theil; Personalien. — Die Sterblichkeit der Kinder in Berlin während der Jahre 1851 bis 1860 Yon £. 
Loewer. (Fortsetzung.) — Geburts- und Sterbe-Liste von Berlin für Monat April 1863. — Tagesereignisse und anderweite Mittbei- 
laogen. — Literatur. — Aufforderoug. — Anzeige. 



Amtlicher TheiL 

PerBonalien. 

^ Anttellong. 

Der praktische Arzt Dr. Dick ist zum Kreis-Pbysikas 
des Elreises Schleiden eroannt worden. 

Viederlassungen. 

Der praktische Arzt Dr. Scb äffer bat sieb in Frank- 
fort a. d. O., Dr. Anter in Landsberg a.d. W. und Dr. 
Siering in Dusseldorf niedergelassen. 

Dr. Flame ist von Berlin nach Lünen, Dr. Dre jer 
von Oelde nach Geilenkirchen, Dr. Krautbaasen von 



Odenkirchen nach Gladbach, Dr. J^sting von Gladbach 
nach Erkelenz nnd der Wandarzt erster Klasse Albrecht 
nach Lieben walde gezogen. 

Apotheken-Angaleg^iihMttii. 

Der Apotheker Kroger ist sam gericbtlicbeD Admi* 
nistrator der Jacoby'scheo Apotheke in Stenscewo ernannt 
worden. 

Der Apotheker Peters hat die Lionnet'sche Apo- 
theke in Friesack gekauft. 

Todesfälle. 
Der praktische Arzt Dr. Bfihren in Gladbach und Dr. 
Schuster in Wrietzen a. d. O. sind gestorben. 



INe Sterblichkeit der Kinder in Berlin wfthrend der 
Jahre 1851-1860. 

Vom Stabsarzt Dr. E. Loewer in Berlin. 
(Fortsetzung.) 
Dass die auf solche combinirte Art aasgeführte ErnSb- 
rong des Kindes ebenfalls nur sch&dlicber Natur sein kann, 
ist klar, denn sie geschieht nicht nach Bedürfniss des Kin- 
de», dass sich Anfangs den Magen überladet und später 
hungern muss, die Milch, die zuerst warm gewesen sein 
mag, wird nachher kalt genommen, korz, es findet nicht 
die geringste Ueberwachung statt. Man werfe aber nicht 



den Stein des Anstofses aaf alle die Motter, die so verfah* 
reo, die Zeit ist das einzige Kapital, das sie besitsen, ond 
dies moss so hoch verwerthet werden, als möglich. Sie 
müssen aofser dem Hause arbeiten, um überfaaopt noch die 
Milch kaufen zu können, die sie ihrem Kinde geben, sie 
müssen die Milch, so verdünnt ond so offenbar nntaoglioh 
sie von ihnen selbst befunden werden mag, ans dem näch- 
sten Laden holen, da sie unverfälschte oder von derselben 
Kuh herstammende Milch nicht beaablen können. Die pä- 
diatrischen Schriften haben es leicht, zuzurufen, dass die 
Brnährung bei den Kindern zu überwachen nnd gesnnd- 
heitsgemäfs einzurichten ist, um die ezcessive Mortalität zu 



170 



▼erbessero. Dm Leti tere wissen wir Alle, das Erstcäre ist 
nicht so leicht gethao« wie gesprochen. Und döcti mass 
die Medicinalpolizei gegen diese, ihren PriDcipien so ganz 
widersprechenden Verh&ltoisse einschreiten ond den so oft 
an sie Kericfateten Raf am Abhülfe beachten. In der ThaX 
giebt es anch ein Mittel, das die geschilderten Missbränche 
nm Vieles bessern kann, es sind die Greches, wie sie in 
Paris, London, Brüssel, Wien etc. schon lange eingeführt 
sind. Bekanntlich bringt die Matter, die den Tag über aof 
Arbeit geht, ihr Kind dorthin, kommt in den Pansen zwi- 
schen ihrer Arbeit,* am es za s&ugen und weife es während 
der ganzen Zeit ihrer Abwesenheit in einem gesunden Lo- 
kale, im Zustande der gröfsten Reinlichkeit, unter der lie- 
bevollsten und genauesten Aufsicht. Berlin hat jetzt keine 
Greches ')» ^^^ ^^^ deren 2 gehabt, die eine in der Frie- 
drich-Wilhelmstadt, die andere in der Eöthenerstrafse, beide 
sind nach kurzem Bestände eingegangen, weil ihnen trotz 
des geringen Kostgeldes von 1^ Sgr. pro Tag zu wenig 
Pfleglinge überwiesen wurden. Die letzte Anstalt hat so- 
gar nicht bestehen können, trotzdem sie Kinder in ganze 
Pflege aufgenommen hat. Müller sieht hierin den Beweis, 
dass bei uns bessere Zust&nde herrschen, als in Prankreich, 
von wo ans die Gr^helb nach Deutschland gekommen sind, 
weil die MüUer im Stande sind, ihren Säugling selbst zu 
pflegen. Dass dies aber in der That nicht der Fall ist, 
haben wir so eben gesehen, die Matter verlasst das Kind 
für den Tag und Sberl&sst es mit einer Sangflasche in dem 
Munde seinem schatzenden Engel ; von einer Pflege ist eben 
nur bei Müttern die Rede, die zu Hause bleiben, die also 
überhaupt die Greches nicht in Anspruch zu nehmen brau- 
chen. Dagegen hat der andere von Müller angefahrte 
Grund ein grofses Gewicht, dass die Greches in Stadtthei- 
len angelegt waren, in denen gerade verhältnissmäfsig sehr 
wenige Tagelöhner wohnen. Die Berliner Krippen hatten 
übrigens einiges Abweichende von denen anderer Städte, 
und mag hierin vielleicht auch ein Grund ihres Untergangs 
liegen. Sie stellten als Zweck hin, nur „ehelichen^ und 
blos ausnahmsweise auch unehelichen Kindern von Eltern, 
die aufser dem Hause auf Arbeit gehen, während des Ta- 
ges Pflege und Nahrung zu gewähren. Weshalb waren die 
unehelichen Kinder von der Wohlthat ausgeschlossen? Es 
kommt doch der Fall nicht selten vor, dass Mütter, wenn 
sie sich in keinem regelmäfsigen Dienste befinden und eine 
eigene kleine Wohnung besitzen, wie Plätterinnen, Nähte- 
rinnen, Wäscherinnen, ihr oneheliches Kind bei sich behal- 
ten and einer Eostfraa nicht übergeben möchten. Letzte- 
res müssen sie jetzt thon, wenn sie es den Tag über nicht 
allein lassen wollen, sie brauchten es aber nicht, wenn das 
Kind am Tage in einer Krippe aufgenommen ond am Abend 



von der Motter wieder abgeholt würde. Zoletat lehrt opa 
die bei den onehelicben Kindern besonders starke Mortali- 
tät, dass man ihnen gerade alle Vortheile and Wohltbaten 
KU Theil werden lassen müsste, die irgendwie aof Her- 
absetzung der Sterblichkeit influenciren können. Die ange- 
führte Beschränkung fehlt auch bei den Bestimmungen über 
die französischen Krippen '), sie nehmen „alle Kinder ar- 
mer Mütter, die sich gut fuhren und aufser dem Hause ar- 
beiten, anf^. Es befindet sich in Paris in jedem Stadli>e* 
zirke eine Greche, die sich der lebhaftesten Betheiligung 
von Seiten des Publikums erfreut. Der Preis ist für ein 
Kind 20 Gentimes pro Tag, für 2 Kinder derselben Eltern 
30 Gentimes. Wien, wo die erste Krippe 1849 gegründet 
wurde, besitzt jetzt deren 9 mit 117 Betteben, die tägliche 
Verpflegungssumme pro Kind beträgt 2 Kreuzer. *) Auch 
sie nehmen alle gesunden Kinder armer Eltern, mögen sie 
ehelich oder unehelich sein, auf, wenn letztere aufser ihrer 
Wohnung arbeiten. Aber auch noch in einem andern 
Punkte unterscheiden sich die Greches der letztgenannten 
Städte von den frühern Berlinern, denn erstere nehmen 
Kinder bis zum vollendeten 2ten Jahre, letztere nehmen 
solche bis zum Alter von 4 Jahren anf. Hierdurch wird 
der eigentliche Zweck der Krippe verwischt, was gerade 
für die Armen gefahrlich ist, denen ja Alles, besonders das 
Neue, genau und leicht fasslich vor die Augen geführt wer- 
den muss. Sie nehmen dadurch das Ansehen von Kinder^ 
bewahranstalten an, und setzen sich für den Fall einer leb- 
haften Betheiligung in die Gefahr, zu viel Kinder zu be- 
herbergen, die verschieden ernährt, beaufsichtigt und be- 
schäftigt werden müssen, die zu diesen verschiedenen- Z wek- 
ken ein zahlreicheres und verschiedenes Personal beanspra- 
chen, sie kommen in die Lage, leicht durch Ueberfüilung 
ein Heerd zur Verbreitung von Krankheiten zu werden. 
Sollen wir nun für Berlin die Wiedereinrichtung der Krip- 
pen wünschen, nachdem die Erfahrung gegen ihr Bedürf- 
niss gesprochen zu haben scheint? Wenn wir diese Fra- 
gen bejahen, so leiten uns dabei zwei Gründe. Zuerat 
müssen wir in den Greches ein Gegenmittel gegen die Kin- 
dersterblichkeit anerkennen, weit sich in ihnen während des 
Tages die Kinder unter fortwährender Aufsicht, in einem 
den Ansprüchen der Hygiene entsprechenden Lokale beftB«^ 
den und ihnen Pflege nnd Ernährung von aufmerksamen, 
sachverständigen Händen zu Theil wird. Sodann ist viel- 
leicht jetzt in Berlin das Bedürfniss gröfser, als vor 8 Jah- 
ren, da mit der bedeutenden Zunahme der Industrie und 



■) Müller, Berliner statistisches Jahrbuch fSr d. Jahr 1854 
p. 135. 



') Tardieu, dictionnaire d^bygi^oe publique et de salnbrit^. 
Paris 1852. Bd. I. p. 437. 

*) Hügel, über die socialen HamanitSts -Anstalten. Wien 
1851. p. 65 nnd 

Wittelsböfer, Wien'i Heil- n. HamanitSts-Anstalten. Wien 
1856. p. 387 



171 - 



ämp FabrtkABlageDy die einseloen Tbeile der 6Udt im gaoE 
bestimmtes Oeprfige aofdriickeD, aach die Zahl der arbei- 
t»adeo Famiä^i eo bedeatcad «agenommen hat. Die An- 
lage wurde aber in den StadttheileD erfolgen müeaeo, wo 
die Bewohner haopts&oblicb dem Arbeiterstande angeboren, 
b^spielsweiee in der Gegend von der Aogoststrsfse bis snm 
Roeentbaier-Tbor. Die bei einer fiinrichtang sa befolgen- 
den Maafsnahmen *) können wir nach dem Beispiele der 
Franaosen dahin feststellen, dass an R&nmlicbkeiten eine 
Wohnnng'fur die erste Aufseherin, welche die Kinder alle 
Tage bei ihrer Ankunft empfängt, eine kleine Euebe, ein 
Anfbewabrongssimmer für Wüsche and Kleider der Pfleg- 
linge, ein Trockenranm, ein Spielsaal, ein Zimmer für die 
Wiegen der Siaglinge und ein Garten nöthig sind, und 
dass das anfsunehmende Kind gesund und bereits vaodnirt, 
resp. dass es je nach dem Alter in der Anstalt sn vaoci- 
niren ist. Die Matter, welche einen S&ogling bringt, hat 
sa bestimmten Zeiträumen lu erscheinen, um ihn zo Stil* 
len. Die Pariser Aufnahme-Bedingongen schreiben ao&er- 
dem ¥or, dass die Eltern das Kind im Zustande der Rein- 
lichkeit Sbergeben. So nöthig, so fast selbstverstfindlieh 
dies ist, so wird es wohl meist nur ein frommer Wunsch 
bleiben, da die Reinlichkeits-Prineipien bei der arbeitenden 
Klasse, aufser Sonntags, nicht sehr bedeutend sind. Man 
mag deshalb immerhin darauf halten, dass das Kind mög» 
liehst rein an die Anstalt abgegeben wird, man wird das 
Gegentbeil aber nicht als Abweisungsgrund anwenden, viel* 
mehr es als die Aufgabe der Grippe ansehen müssen, die 
Kinder, wenn es nöthig ist, nach der Aufnahme bu reini* 
gen; vielleicht wirkt dies den Eltern t£glich vor die Augen 
gelfihrte Beispiel mehr, als ein strenger Paragraph. In Pa« 
ris soll die Mutter auch die Wäsche liefern, die täglich für 
das Kind gebraucht wird. Für Kinder, die bereits laufen, 
mag dies durchzufuhren sein, für die Säuglinge sicherlich 
nicht Die Motter besitzen wohl nur höchst selten die für 
ein solches Kind nöthigen Windeln und Unterlagen, weil 
sie so arm sind, sie zu beschaffen, and bedingt dieser Man- 
gel eben die Unreinlichkeit, unter deren Folgen die Kinder 
der Armen leiden. Die Wasche wird, wie die Betten der 
Steglinge, von der Anstalt geliefert werden müssen, wie 
dies nach Witteis höf er auch in Wien geschieht, wenn 
sie ihren Zweck erreichen and überhaupt Kinder in Pflege 
nehmen will, die strenge Durchf&hrang jenes Paragraphen 
irirde es den meisten Müttern unmöglich machen, ihr Kind 
sa bringen. Hinsichtlich der Kosten für die Aufnahme muss 
berücksichtigt werden, dass die Anstalt um so mehr Auf* 
nähme finden wird, je billiger sie ist, und dass sie am 
gröfsten sein wird, wenn sie onentgeldltch stattfindet. Wir 
flehen oas also geawongen, einer anentgeldlichen Aufnahme 



') Tardieu, dictionnaire d'^hygiine publique et de salabrit^. 
Bd. I. p. 438. 



der Kinder in die Krippe das Wort za reden, wie sie snm 
Tfaeil in Wien stattfindet. £s mnss zugegeben werd^ dass 
dadurch der Kostenpunkt nicht onbedeatend erböht wird, 
ja dass dadurch vieUeiebt die Anlage einer Krippe auf be» 
trächtliohe Schwierigkeiten stöfst. Eben so sebr steht aber 
aoch fest, dass der Arme bei einer Einrichtung, die in sei- 
nem Interesse geschieht, nicht fragt, ob sie ihm nützHoh 
ist,, sondern ob sie ihm etwas kostet, dass er die früher 
zur Aufnahme erforderlichen Ij- Sgr. lieber für Kartoffeln 
oder Brod für seine Familie ausgegeben hat, als für die 
Beaufsichtigung seines Kindes, dass die Wohlthätigkeit bei 
einer Einrichtung nicht *80 den Kostenpunkt als die Zweck- 
dienlichkeit, ja fast Noth wendigkeit im Auge haben mnss. 
Wer sich an die Erhöhung der Kosten stöfst, dem mache 
man nur klar, wie die Krippe alle Grundbedingungen zur 
Verminderung der excessiven Kindersterblichkeit erfüllt, wie 
sie dem Kinde des Armen in den ihm am gefittirlicbsten 
Jahren alles das gewährt, was ihm seine Eltern nie leisten 
können, die vielmehr den Gesundheitsrücksichten so oft ge- 
rade entgegengesetzt verfahren. -^ Wo die Ernährung des 
Kindes künstlich durch die Saugflascbe aasgeführt wird, 
wie es theils ausschliefsüch, theils bei mangelnder Nahrung 
dntch die Matterbrost noch neben dieser geschieht, haben 
wir alle Aufmerksamkeit auf die aas Kaotschack gefertig- 
ten Saugstöpsel zu richten. Es hat sich bekanntlich in der 
nenern Zeit herausgestellt, dass dies^ben oft Metallmischon* 
gen enthalten, die sich vom Kaatschnck leicht trennen ond 
verschluckt gesundheitsgefährlicb werden, selbst giftig wir- 
ken können. Diese Metallverbindongen sind mmst Zink« 
oxyd und Bleioxyd ^), die Erfurter and Magdeburger Be- 
gierungen sprechen auch von Scbwefelarsenik. Beide Re- 
gierungen geben als Untwscheidnngsmerkmale der unschul- 
digen und der mit Metallverbindungen präparirten an, dass 
erstere weniger schwer, dehnbarer, etwas dorchsobeinend 
sind und eine glänzende, bräunliche Schnittfläche haben, 
während die letztern schwerer, härter, nndnrchscbeinend, 
ohne Glanz sind und ihre Dorcbschnittsfläcbe dieselbe graae 
Farbe, wie die Oberfläche, zeigt ') Aoch die Regierang 
zu Cöln führt an, dass Sangstöpsel mit 19—20 pGt Zink- 
oxyd gefanden werden, und dass sich dieses verftlschte 
Fabrikat dadurch charakterisirt, dass es dne gelblichweilse 
Farbe, ziemlich harte Gonsistenz ond geringe Elasticität be^ 
sitzt, und dass es sogleich, oder nach kurzer Zeit im Was- 
ser «ntersinkt, während das ans reinem Gommi verfertigte 
aof der Oberfläche des Wassers schwimmt Ealenberg «) 
theilt aofserdem mit, dass es noch eine Sorte Sangstöpsel 
giebt, die w«fslieb, hart, wenig elaatiseh sind, aber kein 



■) Preufs. HcdicinaUZtg. 1861 Ko.SS. und 1862 No. 6. 
*) C aap er, yierteljahrsschrift f. gerichtl. u. dffentl. Medi- 
ein 1861 Bd. 20. p. 167 ond 1862 Bd. 21. p. 185. 
«) Preofik Medicinal-Ztg. 186» No. 18. p. 138. 



172 



Metall, soDdeni 20*-30 pCt. Thonerde entbalteo. Fnr diese 
eowohl, wie for die metallhaltigen bat auch er die angege- 
bene Sehwimmprobe aU stichhaltig erprobt. Er berichtet 
dabei Sber einen fSr die Sch&dlicbkeit der verf&lschten Sang- 
Stöpsel sehr instraktiven Fall. Ein Kind, dessen Eltern, 
wie die vom Lande angenommene Amme, gesund waren, 
litt an anhaltenden Verdanangsstörnngen , abwechselnd an 
Dorehfall und Verstopfong, hatte noch keinen Zahn, konnte 
nicht aufrecht sitsen, sank vielmehr in sitzender Stellung 
so SQsammen, dass die Lendenwirbel kjpbotisch herrortra^ 
ton. Sein Aussehen war auffallend bleich, die Zunge stets 
wei(s belegt, die Em&hrong dürftig,' jedoch keine auffallende 
Abmagerung vorhanden. Die n&here Erkundigung ergab, 
dass- man das Kind seit mehreren Monaten gewöhnt hatte, 
beim Einschlafen an einem mit einem Kautschuck - Sang- 
stöpsel versehenen Flfischchen su saugen, und dass das Kind 
seitdem wfihrend der gansen Nacht, sowie bei Tage stun- 
denlang derartige Saugstöpsel im Munde gehabt, letzteren 
aber förmlich in kleinen Partikeln versehrt hatte. Etwa 
alle 14 Tage musste ein neuer besorgt werden, weil der 
alte durch den Gebranch schadhaft geworden war. Die 
mechanisch abgeriebenen Stucke waren mitbin vom Kinde 
verschluckt worden. Es ergab sich ferner, dass die in An- 
wendung gezogenen Saugstöpsel zu der hellen, festen, aus 
vulkanisirtem Kautschuck angefertigten Sorte gehörten, und 
dass man dieser gerade deshalb den Vorzug gegeben hatte, 
weil solche Saugstöpsel Ifinger anhielten, als die anfangs 
gebrauchten dunkeln und elastischen. Die chemische Un- 
tersuchung jener ergab einen deutlichen Gebalt von Zink 
und Bleiozjd. Sie wurden sofort aufser Gebrauch gesetzt, 
worauf sich das Kind wieder erholte, aber in seiner allge- 
meinen Entwickelung nicht die seinem Alter entsprechen- 
den Fortschritte machte. 

Durch die Erlasse fast aller Regierungen sind bereits 
das Publikum sowohl, wie die Aerzte auf die Gefahr auf- 
merksam gemacht worden, welche bei der kSnstlichen Er- 
nährung den Kindern aus dem Gebrauche der mit den ge- 
nannten Metaliverbindungen versetzten Saugstöpsel erwächst, 
und bedarf es wohl keines Wortes weiter, da ihre giftigen 
Wirkungen bekannt genug sind. Die Medicinalpolizei wird 
aber mit der gröfeten Aufmerksamkeit auf die Anwendung 
der unverfälschten Fabrikate su sehen haben, damit nicht 
KU den ohnehin schon ungünstigen Chancen zur Erhaltung 
des Kindes bei der kfinstlichen Ern&hrung noch ein neues 
verderbliches Moment hinzutritt. Diese Aufmerksamkeit 
muss übrigens auch auf die aus Kantschnck angefertigten 
Warzenhutchen ausgedehnt werden, wenn die selbststillen- 
den Mutter solche in Gebrauch ziehen, da sie dieselben me- 
tallischen Beimengungen zeigen, als die Saugstöpsel. 

Bei der wohl.habenden Klasse der Bevölkerung handelt 
es sich weniger um Selbststillen oder kunstliche firn&hmng, 
als um Selbststillen oder Annahme einer Amme. Es ist 



nun zwar bekannt, dass das Landrecht vorschreibt, dass 
jede „gesunde Mutter ihr Kind selbst stillen soll^. Ebenso 
steht es aber auch fest, dass dies Gesetz unausführbar ist, 
da dem Gericht ein Zwang der Contravenienten durch exe- 
kutive Gewalt unmöglich ist. Im Gegentheile ist es in den 
gröfsern Städten, und ihnen voran in Berlin, jetzt Mode ge- 
worden, dass jedesmal zum Stillen eines neugebomea Kin- 
des eine Amme angenommen wird, weil sich die Mutter in 
ihrem gesellschaftlichen Leben nicht stören lassen will. Es 
steht uns nicht zu, hier über Vergessen der Mutterpflicbten 
zu sprechen, wohl aber müssen wir versuchen, so ohnmäch- 
tig wir auch im Allgemeinen dem Zeitgeiste gegenüber sein 
mögen, durch Zureden und Darstellung der Nützlichkeit des 
Selbststillens fSr Mutter und Kind die Mutter zu dieser 
Pflicht hinzufuhren. Es herrscht die gröfste Einigkeit dar- 
über, dass die Milch der eigenen Mutter für das Kind die 
ffesundeste, weil naturgemfifseste Nahrung ist. Selbst für 
den Fall, dass die Milch der Mutter zur Ernährung des 
Kindes allein nicht ausreicht, dass die Saugflasche neben- 
her gereicht werden muss, ist der Vortheil dieser gemiscb- 
ten Ernährungsweise immer noch gröfser für das Kind, als 
wenn es einer Amme anvertraut wird, deren Gesundheita- 
zustand man oft nicht genau feststellen kann und die auch 
nicht immer die Garantie bietet, dass sie das ihr überge- 
bene Kind während des nothwendigen Zeitraums in hinrei- 
chender Weise ernährt. Ist bei der gemischten Ernährungs- 
weise die Darreichung der Mutterbrust überwiegend, beob- 
achtet man bei der Sangflascbe die nöthige Sorgfalt und 
Reinlichkeit, so hat sich bis jetzt noch kein nennenswerther 
Nachtheil für das Kind dabei herausgestellt. Dubois ^} 
hat gefunden, dass die Kinder, welche so ernährt werden, 
des Morgens grüne und des Abends gelbe Stühle haben, 
und erklärt diese Erscheinung daraus, dass die Kinder 
meist des Nachts die Flasche erhalten, deren Wirkung sich 
dann des Morgens durch grüne Stühle, Röthnng des Anas 
und vielleicht Kolikschmerzen dokumentirt Einen wahren 
Nachtheil für die Gesundheit des Kindes hat er nie gefon- 
den und das Resultat seiner Beobachtungen ist, dass die 
noch so genau ausgeführte künstliche Ernährung niemsüs 
einer selbst mangelhaften natürlichen gleich kommt. Soll 
nun eine Amme angenommen werden, so ist es natürlich 
Pflicht, bei der Auswahl derselben mit der gröfetmöglioh- 
sten Aufmerksamkeit nach den Principien zu Werke su ge- 
hen, die ja allen Aerzten genugsam bekannt und in al^o 
Schriften über Pädiatrik und GeburtshulfSs zu finden sind« 
Ist es aber allein Sache der Familien, die eine Amme 
annehmen, über ihre Tauglichkeit sich zu vergewissern, 
oder liegt es der Medicinalpolizei ob, sich dieser Angele- 
genheit anzunehmen? Wir sind entschieden der letzteren 
Ansicht und wurden Frage wie Beantwortung für überflüs^ 



^ ) Journal de medecioe et de chimrg. pratiqaes 18€i p. 164. 



173 



eig halten, wenn nieht gerade in der neoesten Zeit Pap- 
penheim *) eine jede Einmischang des Staats in die Un- 
tersochang fiber Tanglicbkeit und Oesnndbeit der Ammen 
▼on der Hand wiese und diese als einen Eingriff in die 
Rechte der betheiligten Familien ansiebt. Er sagt: ^^Wenn 
eine Matter ihren Sfiogling selbst stillt, oder auf andere 
Weise ern&hrt, findet der Staat nicht die entfernteste Ver- 
anlassung, nachznsehen, ob die Mutter nicht krätzig, vene- 
risch, in Bezug auf Quantität oder Qualität der Milchabson- 
derung insufficient oder sonst wie ungeeignet zum Säugen 
oder Ernähren eines Kindes sei, er kümmert sich ferner 
nicht darum, ob die Sangbeutel, die dem Kinde geboten 
werden, oder der Mehlbrei nicht sauer, ob das Trinkgefäfs 
nicht aus schädlichem Metalle besteht Was soll nun der 
Staat für ein gröfseres Interesse, welche Verpflichtung soll 
er haben, sich darum zu bekümmern, dass die Amme, die 
die Mutter für ihren Säugling engagirt, alle erdenklichen 
guten Eigenschaften habc?^ Die Sache liegt sehr einfach, 
der Vordersatz ist falsch, folglich muss auch der Schluss- 
satz falsch sein. Zuvörderst ist es eine Unmöglichkeit, dass 
die Tansende von Muttern, die in einer grofsen Stadt, bei- 
spielsweise in Berlin, ihr Kind stillen, medicinal-polizeilich 
auf ihre Gesundheit untersucht werden können. Die Me- 
dicinalpolizei hat, wie jede menschliche Thätigkeit, ihre 
Grenzen, jedes Glied derselben hat nicht hundert Hände 
und hundert Augen, um alle antihjgienischen Verhältnisse 
auffinden zu können, sie lässt aber überall ihre Thätigkeit 
eintreten, wo sie auf dergleichen stöfst So kümmert sie 
sich ganz gewiss darum, ob die Trinkgefäfse schädliche 
Metallbeimischungen haben und die vorhin erwähnten Er- 
lasse und Verbote über Verkauf der mit schädlichen Me- 
tallverbiodungen versetzten Saugstöpsel und Warzenhütchen 
liefern hierfür den besten Beweis. Eben so sehr kümmert 
sie sich um die Ernährungsverhältnisse bei den Kindern, 
und wenn wir auch in Berlin keine CrSche haben, die die 
Ernährung der am Tage von ihren Eltern verlassenen Kin- 
der leiten könnte, so haben wir doch in dem Anfsichtsver- 
ein für Haltekinder ein Organ, das mit allen möglieben 
Maafsregeln die Ernährung der unehelichen Kinder über- 
wacht. Wenn es aber nicht möglich ist, alle säugenden 
Mütter zu untersuchen, weil es ihrer zu viele sind, weshalb 
sollte es sich nicht bei den Ammen thun lassen, die doch 
in bedeutend kleinerer Zahl auftreten, übrigens bei den An- 
meldungen des Dienstantritts jedesmal die Revue der Be- 
hörde passiren müssen? Wenn der Staat sich nicht um die 
Gesundheit seiner Angehörigen bekümmern soll, die doch, 
wie auch Pappenheim zugeben wird, so oft durch kranke 
Ammen gefährdet und untergraben wird, welches wäre dann 
der Zweck der Sanitätspolizei ? Wenn Pappenheim') die- 



>) Pappen heim, Haudb. d. Sanitätspolizci Bd. 1. p. 99. 
«) a. a. 0. Bd. 2. p. 389. 



ses niiAt anerkeniien will, so widerspricht er seiner eige- 
nen Definition, wenn er als ihre Aufgabe hinstellt, alle 
Paukte des Lebens zu eruiren, auf welchen die öffentliche 
Gesundheit des Schutzes oder der Reparatur bedarf. Mit 
welchem andern Rechte sollte sich dann die Medicinalpo- 
lizei um die Wohnungen kümmern und, ohne den Eingriff 
in fremde Rechte zu furchten, wohl gar SchlieCanng von ge- 
sundheitswidrigen Wohnstätten beantragen? Wir kämen of- 
fenbar mit der Ansicht Pappenbeim's auf das Feld der 
Inkonsequenzen und müssen deshalb es als die Aufgabe der 
Medicinalpolizei betrachten, auf Gesundheit und Tauglich- 
keit der Ammen ihr vollstes Augenmerk zu richten. Wel- 
che Wege sind nun dabei einzuschlagen? Der gewöhnli- 
che Gebrauch beim Engagement von Ammen ist, dass ent- 
weder der Hausarzt, oder der Geburtshelfer, dessen beson- 
dere Thätigkeit hier in den wohlhabenden Familien mei- 
sten theils gewünscht wird, den Eltern eine solche aus der 
Zahl derer empfiehlt, die bei ihm sich zur Uebernahme ei- 
nes Dienstes gemeldet haben, oder dass Vermietber die Ver- 
mittler \^erden. Im erstem Falle findet wohl immer, im 
zweiten weniger eiue Untersuchung der Amme statt, ehe 
sie in den Dienst tritt, jedenfalls aber geschieht sie nicht 
durchgehends. Wird sie vorgenommen, so betrifft sie meist 
nur den Status praesens der Amme selbst, man erfährt 
Nichts, oder nur Falsches über ihre Vergangenheit, man 
sieht nicht ihr Kind oder es wird sogar ein untergescbobe« 
nes vorgezeigt, kurz, für das, was über den augenblickli- 
chen Befund der Amme hinausgeht, was durch einen Eza* 
men gesammelt werden muss, kann man als wahr nicht 
immer einstehen. Es kann aber auch die Noth wendigkeit 
gebieten, die erste beste sich vorstellende Amme zu neh-> 
men, wenn die Quellen, an die man sich gewandt hat, nicht 
mehr zu liefern im Stande sind, ähnlich wird zuweilen eine 
Mutter sich veranlasst sehen, für ihr Kind eine Amme zu 
engagiren, gegen die sie persönliche Abneigung fühlt, weil 
ihr eine Auswahl nicht geboten wird. Diese Gründe ha- 
ben schon früh Ammen- Anstalten und Ammen-Besorgungs- 
anstalten in das Leben gerufen, die tbeils einen Theil, theils 
allen den genannten üebelständen abhelfen wollten. Die 
erste Ammen-Anstalt verdankt man vielleicht Paris, da sie 
von Tardieu ') auf das Jahr 1350 verlegt wird, die jetzt 
bestehende verdankt ihre Regulirung dem Jahre 1806. Man 
breche nicht in den Ruf aus, dass ein Institut, welches 5 
Jahrhunderte besteht und sich bewährt, nütztlich und überall 
einzuführen sein müsse. Die französischen Sitten sind an- 
dere, als die unsrigen, worauf schon früher einmal aufmerk- 
sam gemacht wurde, was dort gut ist und sich bewährt, 
hat nicht denselben Anspruch auch bei uns. 



>) Tardieu, dictioDuaire d'h^^gi^ne publique et de salubrite 
Bd. I. p. 231. 

(Fortsetzung folgt) 



174 



Gebarts- oimI Sterbe-Liste tod Berlin fflr April 
1863. 

Im Monat April d. J. sind in Berlin 

geboren : 862 Knaben a. 837 M&dchen, zofi. 1 699 Kinder, 
geetorben: 670nifinnl., 586weibl.Oe8oh]^ x vlb. 1256 Menschen, 
mithin mehr geboren als gestorben: 443 

Oetraut wurden 1034 Paare. — Unter den Gebarten ereig- 
neten sich 20mal Zwillings -Geburten. — Uneheliche Kin- 
der wurden geboren 285 (148 Knaben und 137 Mädchen), 
es starben 137 (65 Knaben nnd 72 Mädchen), worunter 122 
im ersten Lebensjahre. 

Lebensalter der Verstorbenen, 



Todl- 
^«- bo- 
re» 

wur- 
den 

G ; *^ 


Es starben im Alter 


-'S 

IS 


^ i S: -s -a 
1 , 1 e lia 


IS 4 

« 1 o 

1 1 


JD |.3i ^ 


su^ammen 

= 1-3 


&1 Ist 


.%4 


2iol.<ti' »!|K 


T99' r^o 


)S8!2fll l 


607' 561 



E^es gewaltsamen Todes starben 25 Menschen, and 
swar: durch Verungluckung 13, nämlich: 2 Männer nnd 
2 Franen durch Ertrinken, 2 Männer in Folge von Kopf* 
Verletzungen, 1 Mann und 1 Knabe durch Ueberfahren, 1 
Knabe an Verbrennung, 2 Männer und 1 Frau in Folge 
Sturzes oder Falles und 1 Mann, welcher erstarrt gefun- 
den wnrde; durch Selbstmord 12, nämlich: 8 Männer, wel- 
che sich erhängten, 3 Männer, die sich erschossen, und 1 
Mann, der sich erstach. 

Die 1256 Todesfälle überhaupt ereigneten sich unter 
folgenden näheren Krankheits- und Geschlechts -Verhält- 
nissen: 



Es starben: 



Es starben: 



S 
S 
o 
CO 



Todtgeboren 

Durch Lebensschwäche bald nach der Geburt 
Tod in Folge angeb. Bildungsfehler 

Alterschwääe 

Selbstmord 

- Unglficksfalle 

An Verblutung bei und nach der Entbindung 
- Wochenbettfieber 

An innern akuten Krankheiten: 

Ruhr 

Pocken 

Masern 

Frieseln 

Blasenaasschlag 



■s 
s 
s 


3 
1 


ä 

i 


51 


37 


88 


24 


27 


51 


1 





1 


20 


33 


53 


12 


— 


12 


10 


3 


13 


— 


1 


1 


— 


5 


5 


2 


2 


4 


6 


2 


8 


9 


7 


16 


— 


1 


1 


1 


1 


2 



Schwämmchen 

Keuchhusten 

Gastrisch-nervöses Fieber und Typhus 
Katarrhalisches Fieber und Grippe 

Rheumatismus 

Rothlauf 

Zellgewebeverhärtuog der Kinder . . 

Brechdurchfall 

Durchfall u. Brechdurchfall der Kinder 

Entzündung des Gehirns 

Brandige Bräune (Diphtheritis) . . • 

Häutige Bräune 

Bräune ohne nähere Bezeichnung . . 
EntzSndung der Luftröhre .... 

des Brustfells u. d. Lungen 

des Herzens .... 

des Rückenmarks . . . 

des Magens und des Darm- 
kanals 

des Bauchfells .... 

der Leber 

der Blutgefäfse .... 

• des Unterleibs ohne nähere 

Angabe des Organs . • 

An innern chron. Krankheiten: 

Organ. Krankheiten des Gkhirns . . 
des Ruckenmarks 
des Herzens . . 
der Lungen . . 
der Leber . . . 
der Speiseröhre, d. 
Magens und des 
Darmkanals . . 
Sonstige organ. Krankheiten des Unter- 
leibs 

Bluterkrankheit 

Blutfleckenkrankheit 

Brustwassersucht 

Allgemeine Wassersucht 

Brightsche Nierenkrankheit .... 

Harnruhr 

Skrofeln und englische Krankheit • . 

Tuberkulose des Gehirns 

der Lungen (Hals- u. Lun- 
genschwindsucht) . . • 
Darmschwindsucht ........ 

Tuberkulose ohne nähere Benennung. 
Chronische Hautkrankheiten .... 

Krebs der Speiseröhre 

der Brust 

des Magens 

des Leber 

der Gebärmutter 

Krebs ohne nähere Benennung . . . 
Starrkrampf (Tetanus, Trismus) • . 
Epilepsie 



1 
14 

8 



10 

28 
9 

14 
8 

15 

29 
2 



12 

2 

11 

9 

7 



12 

5 
1 
1 
4 
10 
4 
2 
7 
3 

107 
4 

3 

1 



8 
1 



2 
2 

8 

5 

3 

3 

1 

1 

12 

31 

8 

10 

13 

11 

23 



12 
6 
3 



11 
2 

5 
2 

83 
2 



1 
1 
1 
2 

i 



2 

3 

22 

13 

3 

5 

1 

1 

22 

59 

17 

24 

21 

26 

52 

2 

1 

2 
i 
1 
1 

10 



21 

2 

23 

15 
10 



17 

12 
1 
1 

7 
21 

6 

2 
12 

5 

190 
6 
1 
3 
1 
1 
8 
3 
2 
1 

16 
2 



175 



Es starben: 



Eklampsie der Kinder 

Sänferwahnsinn • 

Geisteskrankheiten ....... 

An plötzlichen Erankbeitsfäiien: 

Oehimschlagflass 

Longen- und Herzschlag 

Nervenschlag — tödtlicbe Ohnmacht . 
. Raptor eines innem Organs . • . • 

An fiofsern Krankheiten: 

Caries und Nekrose 

Bracheinklemmung 

Brand der änfsern Gliedmafsen . . . 
der Alten 

Vereiterung des Zellgewebes und der 
Drusen 

Tödtlicher Ausgang von chir. Operatio- 
nen (Verblutung, PyÄmie etc.) . . 

Andere cbimrgische Krankheiten • • 

An nicht bestimmten Krankheiten 
od. unter wissenschaftlich nicht 
SU rubricirenden Krankheitsbe- 
nennungen: 

Abzehrung 

LuDgenlähmung 

Zahnen 

Blutzersetzung 

Nicht benannte Krankheiten .... 



55 
1 

1 



32 

10 

1 



36 

16 

2 

1 

6 



41 



18 

13 

2 

2 



47 

21 

1 

1 

4 



I 670, 586 



S 

a 

a 



96 
1 
2 



50 

23 

3 

2 



83 

37 

3 

2 

10 



1256 



Tagesereignisse mi anderweite MittheilnngeD. 

— Wochenbericht der hiesigen öffentlichen Kran- 
kenhfinser: 

Bettand Wöohl. Wöehl. hierunter Bestand 
16. Mai Zugang Abgang Todesf&lle 23. Mai 

Beth^ien .... 250 45 55 4 240 

Hedwigs -Krankenh. 213 . . . 213*) 

Blisabeth-Krankenh. 73 8 8 3 73 

Jüdisches Krankenh. 35 2 2 — 35 



dazu Charit^ . 



571 
1230 



55 65 



561 
1186 



1801 1747 

In Bethanien waren LungenentsündongeD vorherrschend. 
*) Der Bericht des Hedwigs-Krankenhaoses fehlt. 

Literatur« 

Die Paradozie des Willens oder das freiwillige Handeln 
bei innerem Widerstreben von Dr. Knop. Leipiig 
1863. Verlag ?on Pernitssch. 



Die In neoester Zeit immer bfofiger Torgekommenen 
Fmie, dass geistig vollkommen gesunde Verbrecher von den 
Oescbwomen trotz der verurtheilenden Oatacbten der Aerste 
freigesprochen wurden, hat den Verf. sa obiger Sdirift ver- 
anlasst, wodarch er zunAehst der Griminaljustiz, dann aber 
auch der medicinischen Wissenschaft und dem XrstUdieD 
Stande einen Dienst za erweisen gedenkt. 

Vielleicht wird die Griminaljustiz ihm mehr Dank da- 
für zollen, als dies von der medicinischen Wissenschaft und 
dem firztlichen Stande geschehen kann, denn in der medi- 
cinischen Literatur ist diese Frage bereits praciser und kür- 
zer abgehandelt als in vorliegender Broschüre. Auch bringt 
dieselbe keine nenen Beweismittel gegen die Pinersche 
Theorie der Mania sine delirio, das noch schlimmere Da- 
geheuer der Monomania Esqairols, der Amentia occnlta 
Piatners, der Mania traositoria, sondern sie beseitigt diese 
längst beseitigten Hypothesen durch eine grofse Anzahl von 
Gitaten, die allerdings den grofsen Fleifs und die Belesen- 
heit des Verfassers dokumentiren. 

In d9n einleitenden Worten hat Verf. eine £in- 
theilung der Geisteskrankheiten nicht vermeiden können. 
„Diese lassen sich zwar ebenso schwer wie die Wolken 
dassificiren , doch seit Howard dies glücklich gelungen, 
warum sollen wir zweifeln, Gleiches zu vollbringen an den 
Wolken der Seele, d^ irrigen Znst&nden^? £r hftlt sich 
an die extremsten Fälle und erhält folgende 6 charakt^- 
stische Formen: 

1) Hallucination mit Illusion — das halincinirende Irrsein, 

2) Melancholie — das melancholische Irrsein, 

3) Wahnsinn — das chimärische Irrsein, 

4) Verwirrtheit — das fragmentarische Irrsein, 

5) Blödsinn — das stupide Irrsdn, 

6) Tobsucht — das tnmnltnarische Irrsein, 
die sich unter einander verbinden können. 

Für das charakteristische Merkmal einer Geistesstörung 
hält er die Illusion. Die Hallucination an sich, so lange 
sie in blofser Verstimmung und Alteration der Sinne be- 
steht, ist keine Geisteskrankheit, sie wird es aber sofort, 
sobald die subjective Sinnesempfindung des Hallucinanten 
für Wahrheit, das Wahngebilde für Wirklichkeit gehalten 
wird. 

Die historische Begründung der Paradoxie 
des Willens sagt uns, dass dieser eigenthümliche Ge- 
mütbszustand so alt, als das Menschengeschlecht sei. Brst 
im 16ten Jahrhundert wurde er Gegenstand philosophischer 
Betrachtungen, und „Herbart's Geiste war es vorbehal- 
ten, den Schleier der Isis so weit zu lüften, dass sowohl 
der Irrenarzt als auch der forensisch - medicinische Prakti- 
ker die Paradoxie des Willens begreifen und für seine Be> 
mfssphäre ausbeuten konnte^. Bs folgen dann die betref- 
fenden Abschnitte ans Herbart*s ^Einleitung in die Phi- 
losophie *'. 



176 



Die physiologische Begranduag seichoet sich 
durch die Kühoheit der Hypothese aos. Die sensitiven Ner- 
ven sind alterirt, der betrefi'ende Mensch hat abnorme Or- 
gangefohle im Unterleibe (wamm nicht im kranken Kopfe), 
Organ« Hallncinationen, welche den Morel' sehen vegetati- 
ven Hallacinationen eingereiht werden. Leider fehlen die 
anatomischen Beweise. Dafür glaubt Verf. noch einen an- 
dern Beweis in dem Yorhaodensein der paradoxen Symp- 
tome SQ haben: Anaesthesia dolorosa» Amanrose mit sub- 
jektiven Lichterscbeinungen, Schwerhörigkeit mit Ohrensau- 
sen, Paralysis agitans, schwacher Puls und starker Hers- 
sehlag, gleiche Wirkung nach Hitze und Killte — schade 
nar, dass dies ffir jeden keine Paradoxen mehr sind, der 
sich mit der Physiologie bekannt gemacht bat. Am besten 
aber wird der physiologische Standpunkt des Verf.'s cha- 
rakterisirt durch seinen Glauben an die Pur kinje'sche Hy- 
pothese, dass das Wesen des Irrseins und des Traumes in 
einer Einschnürung des nervösen Stabkranzes durch die ihn 
dicht umlagerude graue, gefSfs- und blutreiche, faserkornige 
Ganglienmasse und also in gradueller Beschränkung der vom 
Orofshirn zum übrigen Nervensystem ausströmenden Inner- 
vation (Bewusstsein und WillkOr) bestehe und seine darans 
entspringende Einsicht in den Wirkungskreis der Heilmittel 
bei Psychosen resp. der des Opiums und des Mercurs. „In- 
dem' das Opium die krampfhafte Einschnürung des nervö- 
sen Stabkranzes aufhebt, während der Merkur die auf ma^ 
terielle Ursachen beruhende Einschnürung des nervösen 
Stabkranzes auflockert und durch Ableitung vom Gehirn in 
Folge der Saiivation die Genesung herbeifSbrt^. 

DerUebergang derParadoxie des Willens in 
die forensische Medicin liegt in der Neigung der 
menschlichen Natur zum Wunderbaren, und da man Dä- 
monen und Gespenster in die Wissenschaft des 19. Jahrb. 
sich einzuführen scheut, so nimmt man seine Zu^ucht zum 
Instinkt. Doch schliefst dieParadoxie des Willens 
den Instinkt ans, denn der Mensch hat keinen Instinkt, 
sondern statt dessen die Vernunft, d. h. ihn treibt kein an- 
derer Mechanismus, als der, welcher sich aus den Vorstel- 
lungen erzengt, welche er empfing — sein Wille. Dieser 
muss durch Selbstbeherrschung geübt werden. 

Die Babylonische Sprachverwirrung auf dem 
Gebiete dfr forensischen Psychologie enthält die 
verschiedeneu Ansichten und Aeufsernngen der verschiede- 
nen wissenschaftlichen Autoritäten über die streitige Frage. 

Endlich giebt der Verfasser unter dem Titel: That- 
sachen der Paradoxie des Willens eine Symptoma- 
tologie dieses merkwürdigen Zustandes und theilt uns ei- 
nige Fälle mit ans seiner, wie es scheint, nicht allzu rei- 
chen Erfahrung, denn bei der Mordmonomauie citirt er vor 
Andern höchst oberflächlich beobachtete Jagd- wie Kran- 



kengeschichten, wobei er ganz vergisst nns die Organ-Hai* 
lucinationen, worauf nach ihm die Paradoxien des WilleaB 
zurückzuführen sind, anzugeben. Gleich beim ersten Falle, 
welchen Verf. durch Mercur geheilt haben will, sollte man 
meinen, dies sei vielmehr durch das Opium geschehen, wel- 
ches in der neuesten Zeit besonders gegen exaltirte Zustände 
mit Nutzen gegeben ist, und das er mit Mercor verbunden 
gegeben hatte. 

Zum Schluss folgt noch ein- gerichtlich- psychologisches 
Outachten, jedenfalls zur Warnung, niemals ein eben so 
weitschweifiges und gekünsteltes einem Kreisgerichte zu 
überreichen, damit es uns nicht eben so wie dem Verfas- 
ser gehe, dessen Gutachten der Gerichtshof nicht beitrat. 

Dr. Boecker. 



Aufforderung. 

In hiesiger Kreisstadt ist die Stelle eines zweiten Arz- 
tes erledigt 

Der hiesige Ort zählt 4200 Seelen und ist von den 
Nachbarstädten durchschnittlich 4 — 5 Meilen entfernt 

Wir können somit jedem tüchtigen Arzte für eine 
überaus reichliche Praxis bürgen, und sind fiberdem 
bereit, demselben die städtische Armenpraxis zu übertragen. 
Es wird zur schleunigsten Niederlassung aufgefordert 

Rummelsburg, den 15. Mai 1863. 
Der Magistrat 



Anzeigen. 



Bei Th. Chr. Er. Snalin in Berlin ist enohienen: 
Das 

PreuCsisclie Pliysikate-Exameiis 

Repetitorium 

für Civil- und Militair-Aerzte 

▼ on 

Dr. Fr. Berth. Loeffler. 

li Thlr. 

Das Regulativ für Obductionen, welches seit dem Er- 
scheinen des Buches eine Abänderung erfahren, wird in ei- 
nem Separatabdruck jedem Exemplare des Loffler*8chen Bu- 
ches gratis beigegeben. 



Verlag vou Th. Chr. Fr. Enslin (Adolph Enslin) in Berlin. — Gedruckt bei A. W. Sofaado in Berlin, Stalls cbreiberstr. 47. 



Heue Folge. 
VI. Jahrgang. 



PREÜSSISCHE 



Dl«8« ZeituBg •rtehdhit w8oh»n«>Teo. 

Der Pr«U dea gftosen Jahrgang«, walehtr 

nicht gatrenat wird, iat 3 Thlr. 20 8gr. 



MEDICINAL -ZEITUNG. 

Herausgegeben von dem Verein fQr Heilkunde in Preussen 

uter Benntznng amtlicher Mittheilvngen des Königl. Ministeriums der geistlichen, ünterrichts- 
nnd Hedicinal-Angelegenheiten nnd der Eönigl. ProTinzial-Behörden. 

Redacteur: E. Müller, Geh. Medicinal-Rath etc. 



1863. 




23. 



10. Juni. 



Inhalt.' Amtlicher Theil; Personalien. — Gutachten betreffend die Zor^hnnngsfahigkeit des der GotteslSsterung angeschuldig- 
ten Maurergesellen A. S. in C; von Böhm. — Der tjposc Typhoid im Vergiftungs- Process ; von Blüm lein. — Tagesereignisse 
und anderweite Mittheilungen. — Literatur. — Auction. — Marienbad. — Anzeige. 



Amtlicher Theil. 

PersoDalien« 

Anszeichnungen. 

Se. Majestät der König haben allergnädigst geruht, 
dem Sanitätsrath Dr. Jäger -zu Danzig and dem Kreis- 
Wondarzt Lambey zu Glogaa den Rothen Adler -Orden 
▼ierter Klasse, sowie 

dem praktischen Arzte Dr. Schmarr in Wollin den 
Charakter als Sanitätsrath za verleiben. 

Versetzung. 

Der Kreis-Thierarzt Grobe za Borgsteinfart ist in den : 
Kreis Halle, Reg.-Bezirk Minden, versetzt worden. | 

Niederlassungen. I 

Der praktische Arzt Dr. Ulm er hat sich in Galmsee, I 



Dr. Appel in Brandenburg a. H. and Dr. van Ackeren 
in Cleve niedergelassen. 

Dr. Greef ist von Elberfeld nach Bonn, Dr. Son- 
derland von Neersen nach Heiligenhaas und der Thier- 
arzt erster Klasse Koch von Naaen nach Stolp gezogen. 

Apotheken-Angelegenheit. 

Dem Apotheker Fodeeta ist die Administration der 
Filial-Apotheke in Aschebeig übertragen worden. 

Todesfälle. 

Der Medicinal-Assessor Dr. V arges in Magdeburg and 
der praktische Arzt Dr. Lindau in Thorn sind gestorben. 

Offene Medidnal- Stelle. 
DleKreis-Thierarzt-Stelle der Kreise Steinf ort-Teck- 
lenburg, Reg.-Bezirk Munster, ist erledigt 



Irutachten betreffend die ZarechnuDgsJf&higkeit des 

der GotteslftsteruDg aDgeschuldigten Maarergeseilen 

A. S. in C. 

Vom Kreis-Physikus Dr. Böhm in Templin. 

Am ersten Pfingstfeiertage 18 . . erhob sich der Mau- 
rergeselle A. S. von seinem im Mittelschiff der Kirche ein- 
genommenen Parterresitze als der Prediger Superintendent 



P. das Evangelium eben vorgelesen hatte und die Predigt 
beginnen wollte, mit den Worten: „Glaubet ihm nicht, er 
ist ein Heuchler und Schauspieler!^ sich an die in der 
Kirche anwesenden Gemeinde>Mitglieder wendend nnd mit 
heftigen Gestikulationep auf den genannten Geistlichen zei* 
gend. Darauf tbat der Angeklagte einige Schritte nach der 
Kanzel zu und die Hand drohend gegen den Prediger er- 
hebend, sagte er mit lauter, vernehmlicher Stimme : ^Glaubst 



— 178 



Da an den heiligen Geist? Es giebt keinen, Du Heuchler!^ 
— Nach diesem Auftritte wurde Incalpat von dem Kfister 
W. und zweien Kirchendienern nach kurzem Widersträaben 
gewaltsam in die Sakristei gebracht, von wo er dem her- 
beigeholten Polizisten in den Polizeigewahrsam willig folgte. 

Im ersten richterlichen Verhör (act. fol. 3.) gab nun 
S. als Entschuldigungsgrand an, zur Zeit der incriminir- 
ten Aeufsernngen sich in einem so hohen Grade der Tran- 
kenheit befanden zo haben, dass er gar nicht gewusst, wo 
er gewesen wäre, am allerwenigsten geahnt hätte, er sei 
in einer Kirche und mit einer Gemeinde zum Gottesdienst 
versammelt. — 

Wenn es Sberhaapt selten unserm sachverständigen 
gerichtsärztlichen Aussprache anheimgestellt werden wird, 
Trunkenheit, ihren Grad und ihre daraus herzuleitende Zu- 
rechnung der Schuld oder za constatirende Unzurechnungs- 
föhigkeit za benrtheilen, da bei einem übrigens gesunden 
Menschen der Rausch und seine Höhe von jedem Laien 
nach der gemeinen Erfahrung ebenso richtig festgestellt 
werden kann, so müssen wir in dem vorliegenden Falle 
uns um so mehr Licht und Aufklärung aus den Akten als 
aus unserer Wissenschaft holen, als wir den Angeklagten 
nicht in dem angeblich trunkenen Znstande untersucht ha- 
ben, sondern nur ex post aus den aktenmäfsig festgestell- 
ten Thatsachen und Zeugenaussagen unser Urtheii bilden 
können. Auf unsere medicinische Wissenschaft allein ba- 
sirt, können wir nur feststellen, ob es ein Trinker ex pro- 
fessu ist, bei dem fortgesetzter Missbrauch von Spirituosen 
bereits körperliche Veränderungen hervorgebracht hat und 
zweitens auf gerichtlich - psychologischem Wege, ob er ein 
Mensch sei von dem man einen solchen wie den am ersten 
Pfingstfeiertage begangenen Excess im nüchternen Zustande 
nach seiner Erziehung und durch dieselbe begründeten Prin- 
cipien, nach seiner religiösen Anschauung und dem bisher 
geführten Lebenswandel erwarten könne. 

Zur Beantwortung der ersten Frage haben wir den In- 
culpaten einer genauen Untersuchung unterworfen, welche 
folgendes Resultat ergeben hat: 

Der Maurergeselle A. S. ist ein kräftiger, wohlgebau- 
ter Mann von 28 Jahren, dessen lebhafte, schnell den Ge- 
genstand wechselnde feurige dunkle Augen alsbald ein 
leicht erregbares sanguinisches Temperament verrathen, das 
auch im Gespräch durch schnelles Sprechen, lebendige Ge- 
stikulationen und häufiges Verändern der Zuge wie des 
Gesichtsausdrucks sich doknmentirt. Die gesunde normale 
Farbe des Antlitzes, die rothe Färbung des Zahnfleisches, 
der Augenlidbindehaut, so wie der Schleimhaut des Mun- 
des vergewisserten uns bald, dass wir im Inculpaten nicht 
einen durch lange Gewohnheit professionirten Trinker vor 
uns haben, und so fanden wir denn auch bei einer nähe- 
ren Besichtigung des Körpers des S. keine der anatomi- 
schen Veränderungen, welche sich durch den länger fort- 



I gesetzten Missbrauch geistiger Getränke sa bilden pflegen; 
I weder eine ubermäfsige Fettablagerung in dem Unterbaat- 

< Zellgewebe noch eine Erweiterung und Erschlaffung der 
I Hautvenen, noch konnten wir mit HSIfe der Perkassidn and 

Palpation eine VergrÖfserung der Leber oder eine Aufge- 

< triebenheit des Magens entdecken, wogegen der in einem 
gröfsern Umfange als im normalen Zustande gedämpfte Per^ 
knssionston in der Milzgegend als Residuum eines vor 2 
Jahren uberstandenen langwierigen Wechselfiebers anza- 
sprechen ist. Hiernach urtheilen wir, dass Incnlpat kein 
professionirter Trunkenbold ist. 

Was nun die Beantwortung der zweiten von uns auf- 
geworfenen ' Frage betrifi^t, so müssen wir nach der richti- 
gen Sprache und Aussprache, die nicht den specitiscben 
Jargon der untern Volksklassen, zu der Inquisit seinem 
Stande und seinen Verhältnissen nach doch zu rechnen ist, 
zeigt, ihm einen gewissen Bildungsgrad zusprechen, der we- 
nigstens einen regelmäfsig genossenen Elementarunterricht 
bezeugt und der auch durch eine deutliche leserliche Hand- 
schrift bewiesen wird. Ebenso schildern alle darüber ver- 
nommenen Zeugen (act. fol. 9., 10., 11.) den Inculpaten 
als einen ruhigen, arbeitsamen Menschen, der mit seiner 
Frau in friedlichem Einvernehmen lebt, für Reinlichkeit and 
Ordnung in seinem Hauswesen sorgt und darauf sieht, dass 
seine Kinder pünktlich und regelmäfsig die Schule besu- 
chen. Finden wir nun auch Depositionen, wie namentlich 
die seines frühem Brodherrn des Maurermeisters C, bei dem 
S. im Jahre 1848 arbeitete, der oft von ihm „dreiste Re- 
den von Freiheit und Gleichheit^ (act. fol. 14.) gehört hat, 
und zeigte er nicht immer, wie ein Nachbar sich ausdruckt, 
bei Gesprächen über Religion den ^rechten Respekt vor der 
Bibel^ (act fol. 15.), so sind dies doch keine Motive die 
uns annehmen lassen, S., ein sonst besonnener, rernünfti- 
ger Mann, schon vorgerfickteren Alters, werde einen Ex- 
cess, wie den oben bezeichneten, in vollkommen nüchter- 
nem Zustande begehen. Durch sämmtlicbe Zeugenaussagen, 
namentlich durch die des Gemeinde-Vorstehers Kaufmann 
L., des Küsters W., der Kirchendiener S. und O., sowie 
des Polizei - Beamten P. ist auch festgestellt , dass S. zur 
Zeit qu. in „angetrunkenem Zustande^ sich befanden, dass 
er „stark nach Branntwein roch*', dass ^seine Kleider, 
hauptsächlich Halstuch und Vorhemdchen sich in grofser 
Unordnung befanden** (act. fol. 9., 11., 14.). 

Es fragt sich nun, welchen Grad hatte die Trunken- 
heit des S. an dem in Rede stehenden Tage erreicht, na- 
mentlich ob dies ein so hober war, dass er die freie Wii- 
lensbestimmung (§. 40. des Strafgesetzbuches) oder das Un- 
terscheidungsvermögen (§. 42. 1. c.) aufzubeben vermochte. 

Gewöhnlich werden drei Grade der Trunkenheit zam 
Behufe gerichtsärztlicher Untersuchungen Von den meisten 
Lehrern der medic. forens. unterschieden: 

Der niedrigste Grad: die Angetrunkenheit, der Raaschy 



179 



in welchem die aufgeregte Pbaotasie den Verstand zurück- 
gedr&ngt and durch ein Vergessen der nöthigen Rücksich- 
ten und Verbältnisse, je nach der Individualität des Trin- 
kers, den Einen zu ausgelassener Heiterkeit, sarkastischen 
Bemerkungen, rückhaltloser Offenheit und Darlegung der 
tiefsten Herzensgeheimnisse bewegt, in dem Andern mür- 
rische Verschlossenheit, misanthropische Zuruckgezogenbeit, 
eine Melancholie erregt, die in Klagen und Weinen sich 
Erleichterung zu verschaffen sucht; oft das Spruchwort in 
vino veritas zu bewahrheiten vermag, ebenso aber auch den 
wahren Charakter des Individui in das gerade Gegentheil 
umwandeln kann. 

Der zweite Grad der Trunkenheit, die Betrunkenheit^ 
lässt Personen und Dinge dem Betrunkenen anders erschei- 
nen, als sie wirklich sind und versetzt ihn in einen traum- 
ähnlichen Zustand, der das normale Gleichgewicht der See- 
lenkräfte aufhebt, den freien Verstandesgebrauch schwächt 
nnd durch die gesteigerte Reizbarkeit, die Klarheit des Be- 
wusstseins trübt, ohne es vollständig aufzuheben. 

Der dritte und höchste Grad der Trunkenheit, die Be- 
soffenheit, charakterisirt sich durch eine solche Aufhebung 
oder Verwirrung des Bewusstseins, dass der Trunkene gar 
nicht mehr weifs, was er thut: die Herrschaft der Vernunft 
bat aufgehört, ein blinder Trieb zwingt zu schrankenlosem 
Handeln. 

Welchem dieser Grade der Trunkenheit ist nun das 
Benehmen des S-, sind nun die incriminirten Aeufserungen 
des Angeschuldigten entsprungen? War es die durch den 
Rausch aufgeregte Phantasie, die den Verstand zurückge- 
drängt, war es ein traumähnlicher Zustand, der des Be- 
wusstseins Klarheit getrübt, war es endlich ein blinder 
Trieb mit aufgehobenem oder verwirrtem Bewusstsein, der 
sich in dem Benehmen des Inculpaten spiegelt? Nicht mit 
lallender, zitternder Stimme, sondern mit lauter, fester, 
durch das ganze Schiff der Kirche tönender, ruft S. die 
obengenannten Worte der Gemeinde zu, er wendet sich zu 
denen die er anredet, er erhebt den Arm gegen den Pre- 
diger mit drohender Gebehrde und auf ihn deutend ruft er 
den Gemeinde-Mitgliedern zu : ^Glaubt ihm nicht, er ist ein 
Heuchler!^ Diese von allen Zeugen auf gleiche Weise an- 
gegebene und beschriebene Scene beweist evident, dass S. 
genau wusste zu wem er sprach und wovon er sprach, 
sonst wäre das Wenden des Körpers zu den Angeredeten, 
sonst wäre die richtige Gestikulation undenkbar. Und spä- 
ter als er sich fragend an den Prediger wendet, thut er ei- 
nan Schritt auf die Kanzel zu und beweist auch dadurch, 
dass er genau wusste an wen er die Frage gerichtet: 
^Glaubst Du an den heiligen Geist, Du Heuchler!^ Weder 
ein im traumähnlichen Zustande sich befindender Betrunke- 
ner, noch ein des Bewusstseins beraubter Besoffener wurde 
zu unterscheiden wissen, wen er anredet noch wovon er 
spricht. Auf gleiche Weise finden wir in dem Benehmen 



des S. nach dieser Scene nichts Widersinniges, nichts das 
eine Verwirrung oder Aufhebung des Bewusstseins erzeugt 
Nach kurzem Widerstände folgt er, da er einsieht, dasa 
seine Körperkraft vier kräftigen Männern nicht gewachsen 
sei, dem Küster^ den beiden Kirchendienern und einem Ge-» 
meinde-Vorstandsroitgliede in die Sacristei, hier verhält er 
sich ruhig und lässt sich, ohne Widerstand zu leisten, durch 
den herbeigeholten Polizeibeamten in den Polizeigewahrsam 
bringen. Hatte die aufgeregte Phantasie und die duroh den 
Branntweingenuss erregte Reizbarkeit kurz vorher noch zu 
Widerstand gegen vier Männer gestachelt, so wird er durch 
das Erscheinen des Vertreters des Gesetzes, durch die Po- 
lizei - Uniform gänzlich zur Besinnung gebracht, er wider- 
setzt sicTi nicht, obgleich es wohl leichter und erfolgreicher 
gewesen wäre, Einem als Vieren zu widerstehen. Nach 
kurzem, in freier Luft zuräckgelegtem Wege finden wir 
auch den Angeklagten vollständig ernüchtert, er fragt den 
Polizei-Beamten (act. fol. 15.) weshalb er ihn arretire, und 
als dieser ihm sagt, wegen seiner gotteslästerlichen Aeufse* 
rungen, so entgegnet er nichts, sondern bittet ihn doch frei 
zu lassen, „er sei Familienvater und ein armer Kerl^; erst 
in der gerichtlichen Vernehmung bringt er den Entschuldi- 
gungsgrund der Trunkenheit vor. Auch ans diesem schnel- 
len Ernüchtern, das durch einen kurzen, in freier Luft zu- 
rückgelegten Weg bewirkt werden konnte, ist mit Sicher- 
heit zu schliefsen, dass die Trunkenheit des Angeschuldig- 
ten nur einen niedrigen Grad erreicht hatte, wie wir diea 
auch aus dem ganzen Benehmen, aus dem logischen Zu- 
sammenhange zwischen Reden und Gebehrden und aus der 
Erkennung der angeredeten Personen erwiesen zu iiaben 
glauben. 

Ist auch die Ventilirung der Frage, ob Inquisit sich ab- 
sichtlich in den Rausch versetzt um dadurch die Courage 
zur Ausführung seines einmal gefassten Entschlusses zu er- 
langen, unseres Erachtens völlig indifferent, so wollen wir sie 
doch der Vollständigkeit wegen berubren, und müssen aus dem 
Charakter des Angeschuldigten, in dem sich nichts Furcht- 
sames, Aengstliches und Weibisches findet, schliefsen, dass 
es bei ihm eines solchen muthmachenden Reizmittels nicht 
bedurft habe. 

Hiernach glauben wir durch Vorstehendes unser Gut- 
achten motivirt zu haben, das dahin lautet: 

dass der der Gotteslästerung angeschuldigte Maurerge- 
selle A. S. zur Zeit der incriminirten Aeufserpngen sich 
zwar in einem berauschten Zustande befunden, dieser 
jedoch nicht einen so hohen Grad erreicht hatte, dass 
durch ihn die freie Willensbestim mnng nnd das Unter- 
scheidungsvermögen aufgehoben waren. 



180 



Ber typose Typhoid im Vergiftuags-Process. 

Von Dr. Blümlein in Grefrath. 

Am 25. April 1862 warde ich in aller Frühe zn dem eine 
Stande von hier in O. wohnenden Kaufmann, Herrn Seh., 
gerufen, weil in dessen Hanse Tages zuvor drei Personen 
plötzlich erkrankt waren. Die Haushaltung des Herrn 
Seh., welcher beiläufig bemerkt in sehr guten und friedli- 
chen Verhältnissen lebt, besteht aus ihm, seiner Frau, ei- 
ner Pflegetochter und einem Dienstmädchen. Er selbst ist 
ein Mann von 48 Jahren und abdominell plethorischer Con- 
stitution, leidet häufig an gastrischen Störungen mit Gicht- 
paroxysroen, namentlich Podagra; seine Frau, 42 Jahr alt, 
ist eine gracile, nervenschwache, gegen fremde Eindrucke 
äufserst empfindliche Person, welche häufig wegen chroni- 
scher rheumatischer Beschwerden bettlägerig kränkelt; die 
Tochter, 22 Jahre alt, hat zwar ein florides Aeufsere, je- 
doch eine leucophlegmatische, chlorotische Constitution und 
leidet an Unregelmäfsigkeit der Menses. Da das Dienst- 
mädchen an der Scene nicht Theil hatte, so kann es un- 
berücksichtigt gelassen bleiben. 

Bei meiner Ankunft an Ort und Stelle in den Mor- 
genstunden des 25. April traf ich den Herrn Seh. in der 
Wohnstube bei einer Tasse Thee. Seinem Referate über 
das in seinem Hause Vorgefallene entnehmeich Folgendes: 

Am 23. April c. Abends afsen alle drei Personen (er, 
Frau und Tochter), ihrer Meinung nach sämmtlich gesund, 
Salat, mit einem halbharten Gänseei und Buttersauce prä- 
parirt und eine gewöhnliche Milchsnppe. Das Ei war ein 
altes und für die Ostertage seit mehreren Wochen aufbe- 
wahrt, bereits Sonnabend vor Ostern (19. April c.) gekocht 
worden; als ein gesottenes hatte es somit vor der Präpa- 
ration des Salats vier Tage gelegen. Schon über dem Es- 
sen klagte zuerst die Tochter, dass dieses Gericht nicht 
schmecke, und meinte das Ei müsse wohl zu alt und zu 
stark sein ; es wurde ihr unter der Hand so widerlich, dass 
sie ferner nicht mehr essen konnte und von der Milchsuppe 
abstand. Durch diese Aeufserung aufmerksam gemacht 
stimmten die beiden anfangs darüber noch scherzenden El- 
tern bald ihrer Tochter bei, so dass auch die Frau den 
Salat stehen liefs, wohingegen der Mann den noch kleinen 
Rest verzehrte. Beide afsen jedoch noch von der Milch- 
suppe, welche indessen nichts Auffallendes an sich erken- 
nen liefs. Des andern Morgens (24. April c.) fehlte die 
Tochter beim Frühstücken. Die Mutter, über die grofse 
Empfindlichkeit ihrer Tochter etwas aufgebracht, begab sich 
selbst zu ihr auf die Schlafstube und überzeugte sich jetzt 
von dem wirklichen Kranksein des Mädchens. Diese klagte \ 
ihr nun die ganze Nacht gebrochen und purgirt zu haben, 
Boch fortwährend an heftigen Leibschmerzen und unsägli- 
chem Durste zu leiden und sich ganz krank zu fühlen; 
worauf die Mutter ihr geratben nur im Bette zu bleiben. 



Thee zu trinken und zu schwitzen. Herr Seh. und seine 
Frau konnten in den VoVmittagsstunden dieses Tages fiber 
ein besonderes Kranksein wohl nicht sich beklagen, obschon 
ihr Befinden nicht das gewöhnliche gewesen war und hat- 
ten deshalb als Mittagskost nur einen Kartoffelpfannenka- 
chen in Butter gebacken gegessen. Indessen gegen 4 Dbr 
Nachmittags wurde zuerst die Frau von denselben Krank* 
heits-Symptoraen , wie solche bei der Tochter eingetreten, 
befallen, so dass sie sich zu Bette legen mnsste und zwei 
Stunden später, gegen 6 Uhr, folgte ihr der Mann mit den- 
selben Erscheinungen. 

Am Schlüsse dieses Referats sprach Herr Seh. seine 
Meinung dahin aus, dass die Ursache der plötzlichen und 
gleichzeitigen Erkrankung wohl in dem Genüsse irgend ei- 
nes Stoffes, wahrscheinlich in dem alten, starken, seit vier 
Tagen halb hart gesottenen Eie zu suchen sei. 

Der Status praesens am 25. April c. war bei allen 3 
Personen mit einem geringen individuellen Unterschiede so 
ziemlich derselbe: Häufiges Würgen und Erbrechen, fre- 
quente und wässrige Stuhle, Schmerzen in der Magengrube 
und heftiges Leibschneiden, die Bauchwand eingefallen und 
bei Palpation empfindlich; das Allgemeingefubl bedeutend 
gestört, Collapsus virium. Abgeschlagenheit, Müdigkeit und 
Schmerzen in den Gliedern; die Zunge stark weifs belegt; 
bei dem Manne und der Frau Frösteln am ganzen Körper 
und schwacher kaum beschleunigter Puls; bei der Tochter 
dagegen schon die Erscheinungen der allgemeinen Reak- 
tion: Eingenommenheit des Kopfes, Kopfschmerzen, rotbes 
Gesicht, beschleunigter Puls, heifse Haut ohne Schweifs, 
starker Durst. 

In Erwägung der Antecedentien mnsste dieser Sjmp- 
tomencomplex in mir den Gedanken zunächst an eine Ver- 
giftung naturlich aufkommen lassen. Ein plötzliches und 
gleichzeitiges Erkranken von dr.ei Personen innerhalb 24 
Stunden mit denselben Erscheinungen, zumal solchen, wel- 
che nach dem Genüsse irritativer Gifte auftreten, nach ei- 
nem gemeinschaftlichen Mahle rechtfertigte gewiss den Ver- 
dacht, dass in den Körper der Betreffenden Stoffe gelangt 
sein könnten, welche die Gesundheit zu zerstören geeignet 
waren ; ich sage den Verdacht, denn aus den obigen patho- 
logischen Erscheinungen mit apodiktischer Gewissheit auf 
eine stattgehabte Vergiftung zu schliefsen, wurde eben so 
voreilig und verwegen sein, als es unmöglich ist ans Einem 
Symptome oder einer Symptomengruppe eine vitale Ano- 
malie gründlich zu diagnosticiren. Ich hielt es deshalb fSr 
meine Pflicht auf die Aeufserung des Herrn Seh. ^wahr- 
scheinlich irgend eine verdächtige Substanz gegessen zu ha- 
ben*' näher einzugehen, die Beschaffenheit der am Abende 
des 23. April genossenen Nahrungsmittel, wonach zunächst 
die Erkrankung der Tochter statt hatte, zu ermitteln, und 
demnächst nach der Präparation des von den beiden Bi- 
tern am Mittage des 24. April verzehrten Kartoffelpfanne n- 



181 



kacheoB mich zu erkandigen. Trotz aller möglichen Re- 
cherchen konnte ich jedoch za keinem hefriedigenden Re* 
saltate gelangen. Der Salat war gewohnlicher Kopfsalat 
aas dem Hausgarten, von der Tochter selbst geholt and 
gereinigt, sowie das ganze Abendessen wie gewöhnlich von 
ihr eigends zubereitet worden, aafserdem hatte sie selbst 
von der Milchsoppe bekanntlich Nichts genossen, weshalb 
auch an deren Reinheit nicht gezweifelt werden brauchte, 
obichon beide Eltern selbige zu sich genommen. Hinsicht- 
lich des Pfannenkuchens erfuhr ich, dass die Frau densel- 
ben aus gewöhnlichen Kartoffeln mit Butter selbst gebacken 
hatte und er somit frei von jeder fremden Substanz sein 
masste. Von allen drei Personen wurde ich wiederholt aof 
das £i unter dem Salate als die alleinige Ursache der Er- 
krankung zurückgewiesen. Eine genauere Nachfrage nun 
nach diesem Gänseeie ergabt dass dasselbe l&ngere Zeit in 
Häcksel aufbewahrt worden, somit alt und übrigens schon 
seit vier Tagen und halb hart gesotten war. Bei die- 
ser mangelhaften Aufklärung und dem negativen Resultate 
musste ich mein vollständiges und grundliches Urtheil über 
die mögliche Krankheitsursache bei meinem ersten Besache 
einstweilen sistiren, zumal mir weder aus meiner Praxis 
ein ähnlicher Fall vorlag, noch aus der Literatur erinner- 
lich war. Aus letzterer waren mir wohl Fälle mit ähnli- 
chen Erscheinungen wie die obigen, durch Wurst-, Käse- 
nnd Fischgift hervorgerufen, bekannt, allein theils deren 
grofse Seltenheit, theils die noch völlige Unkenntniss über 
das Wesen dieses Giftes, obschon van den Corput sol- 
ches von der Sarcina botulina und Schlossberger von 
einer organischen Base abhängig erklären wollten, machten 
mich bedenklich in dem Gänseeie qn. dasselbe giftige Agens 
anzunehmen. Auch di^ Aufbewahrungsart und Zeit dieser 
Eier, einige Wochen in Häcksel und nicht in Stoffen von 
chemischer Wirkung berechtigten mich nicht zu der An- 
nahme einer effektiv giftigen Beschaffenheit desselben, wie- 
wohl Dumas auf eine bis jetzt verborgene Ursache des 
Verderbens animalischer Substanzen bei tadelloser Conser- 
virung aufmerksam gemacht hat (Pappen h. San.-Poliz. 
Bd. I. S. 500.) In dem kleinsten Dorfe wurden die in ei- 
nem Jahre vorkommenden Erkrankungsfälle mit ähnlichen 
Vergiftungs-Erscheinungen, wie die obigen, nicht zu zählen 
sein. Dagegen ist jedem Arzte ans der Diätetik und noch 
mehr aus seiner Praxis bekannt, dass Eier im Allgemeinen^ 
ganz besonders aber Gänseeier, zumal alte und hart ge- 
sottene zu den schwerverdaulichen Nahrungsmitteln gehö- 
ren, dass viele Menschen eine grofse Idiosynkrasie gegen 
dieselben besitzen und nicht ein einziges Ei zu essen im 
Stande sind, ohne durch ein rasch eintretendes Unwohlsein 
hinterher dafür büfsen zu müssen. Diesem Lehr- und 
Brfabrungssatze konnte ich das plötzliche Erkranken der 
cblorotischen und sensibelen Tochter, der das Essen augen- 
blicklich widerlich wurde, wohl entnehmen; auch das meh- 



rere Stunden später eintretende Erkranken der beiden El» 
tern, auf welche die bis jetzt noch allein dastehende schäd- 
liche Potenz (das Ei) nicht in dem Grade ihre Wirkung 
geänfsert hatte wie auf die Tochter, war ich befugt theil» 
jenem Umstände aufzubürden, theils konnte es aber auch 
in dem abermaligen Genüsse einer schwerverdaulichen Speise 
des in Butter gebackenen Kartoffelpfannenkuchens (zur Mit- 
tagszeit des 24. April c.) seinen Grund haben. Was dem 
Eie in seiner schädlichen Wirkung auf die beiden Eltern 
an Kraft fehlte, indem die Mutter nur unbedeutend von dem 
Salate gegessen und der Vater nur einen kleinen Rest des« 
selben verzehrte, ersetzte der Pfannenkuchen um so hin- 
Ifinglicher, als die Kartoffeln des Jahres 1861 hier in der 
Gegend durchaus schlecht waren und nur wenig Amylnm- 
stoffe enthielten. Beide Agentien, sowohl das Gänseei als 
auch der Kartoffelpfannenkuchen, hielt ich deshalb wohl für 
fähig bei den drei schon constitutionell prädisponirten In- 
dividuen eine Indigestion, einen Gastricismus mit einigem 
Erbrechen und Purgiren hervorzurufen, jedoch . genügten sie 
mir nicht das gleichzeitige Erkranken an einem Tage, die 
Heftigkeit sämmtlicher Erscheinungen, die bedeutende Stö- 
rung des Gemeingefühls, den vollständigen GoUapsus und 
den bei meiner Ankunft schon eingetretenen Reaktionszu- 
stand der Tochter zu erklären. Der Grund hierfür musste 
tiefer liegen, wohingegen jene beide als Gelegenheits-Ursa- 
chen, als vermittelnde Momente mächtig genug waren, ei- 
nen im Körper noch schlummernden Feind aufzuwecken und 
in Thätigkeit za versetzen. Diesen zu entlarven, die Causa 
proxima aufzusuchen war natürlich jetzt eine Hauptaufgabe 
um der Therapie eine rationelle Basis geben zu können. 
'Dieses Pensum schon erschöpfend zu lösen bei einem erst 
eintägigen Erkranken und einem negativen Resultate hin- 
sichtlich der Aufsuchung eines palpablen Giftstoffes war ich 
bei dem ersten Besuche dieser 3 Patienten begreiflich nicht 
im Stande, obschon ich es mir nicht unterdrückte, dass ein 
krankmachendes Agens habe walten und ein giftiges Prin- 
oip bergen können, ohne gerade sinnenföUig oder chemisch 
darstellbar sein zu müssen. 

Die Praxis in hiesiger Gegend, deren Krankheits-Ge- 
nius — gleich den Deltaländern grofser Flüsse — von dem 
Wechselfieber-Miasma, der Malaria, beherrscht wird, so dass 
die Tjposen hierorts stabil und endemisch grassiren, ja in 
den letzten Jahren mit einem eigenthümlichen Charakter 
wiederholt epidemisch auftraten, brachte mir öfters Erkran- 
knngsfälle zur Behandlung, welche urplötzlich und mit den 
heftigsten Symptomen der Cholerine das Individuum befie- 
len und nach kürzerer oder längerer Frist, je nachdem der 
Sturm im Auftreten sich besänftigen liefs, in ein tjposes 
Fieber, in ein wirkliches Intermittens* Typhoid übergingen. 
Auch bei obigen Kranken dachte ich an diese wiederholt 
gemachte Beobachtung. Allein da jene Fälle bis jetzt nur 
sporadische waren und ein plötzliches, gleichzeitiges und 



182 — 



derartiges Befallen von mehreren Personen in einer Hans- 
haitang mir noch nicht vorgekommen, übrigens aoch die 
t3rpo8en Fieber sowie das typose Typhoid, selbst als Epi- 
demien, selten mit sturmischen Erscheinungen, häufiger erst 
nach längerem oder kürzerem mäfsigem Kranksein sich ent- 
wickeln, so hatte ich keinen hinlänglichen Grund die drei 
vorliegenden concreten Erkrankungen schon von vorn her- 
ein und ohne längere Beobachtung als in diese Kategorie 
gehörig zu betrachten. Doch die Möglichkeit, ja hohe Wahr- 
scheinlichkeit einer miasmatischen, das Wesen jener Er- 
krankungen bedingenden Ursache vor Augen haltend sah 
ich mit Spannung dem Kran kheits verlaufe in den nächst- 
folgenden Tagen entgegen und suchte für den ersten Au- 
genblick der Hauptindication, der Beschwichtigung des Bre« 
chens und Purgirens, durch Diät und beruhigende Mittel zu 
genügen. Ich verordnete deshalb am 25. April c. ffir alle 
3 Patienten eine Mixtur aus einem Dect. althae. mit Natr. 
acet., Aqu. laurocer., Gumm. arab. und Syr. althae. Bei 
meinem zweiten Besuche (26. April c.) hatte das Allge- 
meinbefinden bei Keinem sich um etwas gebessert, das Er- 
brechen indessen aufgehört; die Stühle waren zwar an Zahl 
geringer geworden, jedoch noch immer von wässriger Be- 
schaffenheit und mit Leibschmerzen verbunden; der Reak- 
tionsznstand bei der Tochter schien zu remittiren und zu 
exacerbiren, ohne jedoch einen bestimmten Typus erkennen 
zu lassen ; auch bei der Frau war in der letzten Nacht ein 
Reaktionsfieber aufgetreten, und zwar ohne über vorherge- 
gangene Kälte klagen zu können; der Mann blieb jedoch 
von aller Reaktion noch frei und konnte ab und zu das 
Bett verlassen; die Zunge verrieth bei allen dreien noch 
einen bedeutenden gastrischen Zustand. Meine Verordnung 
an diesem Tage bestand in Wiederholung obiger Mixtur 
unter Zusatz von Tinct. opii simpl. Am folgenden Tage 
(27. April) hatten die Stühle an Zahl immer mehr ab und 
an Consistenz zugenommen; die Leibschmerzen hielten bei 
der Frau, trotzdem ich für sie Gataplasmen auf den Unter- 
leib angeordnet hatte, am längsten an, so dass sie mehrere 
Male fast ohnmächtig wurde. Die Zungen schienen sich 
reinigen zu wollen; das Fieber nahm bei der Frau densel- 
ben Gharakter an wie bei der Tochter, den der Remission 
und Exacerbation. Der Mann zeigte an diesem Tage deut- 
lich das Wechselfiebercolorit und alle seine Klagen: Gäh- 
nen, Recken, Kältegefühl, Ameisenlaufen, Abgeschlagen- 
heit, krampfartige Schmerzen in den Unterextremitäten be- 
stimmten mich einen baldigen Ausbruch einer Intermittens 
annehmen zu müssen. Da die Arzneien des vorigen Ta- 
ges noch nicht verbraucht waren, so sistirte ich die neue 
Verordnung auf den folgenden. An diesem Tage (28. April) 
wiederholte ich meinen Besuch in den Nachmittagsstunden. 
Der Mann erzählte mir, heute schon früh (10 Uhr Mor- 
gens) von einem vollständigen Wechselfieber - Paroxysmns 
befallen worden zu sein und noch im Schweifse zu liegen. 



Mit Freuden sah ich jetzt meine gehegte Vermotbung einer 
vorhandenen miasmatischen Toxicose zur Grewissheit erbo* 
ben und ich nahm fortan keinen Anstand die der Indicatio 
morbi entsprechende direkte Behandlung bei allen dreien 
einzuschlagen. 

(Fortsetzttog folgt.) 

Tagesereignisse und anderweite IlittheiluDgeD. 

— Wochenbericht der hiesigen öffentlichen Krkn- 
kenhäuser: 

Bestand Wöchl. Wöchl. hierunter Be»r4Uid 
23. Mai Zugang Abgang Todesfälle 30. Mai 

Bethanien .... 240 32 55 3 237 

Hedwigs -Erankenh. 213 99 92 11 • 220*) 

Elisabeth -Erankenh. 73 7 2 1 78 

Judisches Erankenh. 35 12 9 1 38 



dazu Charite • 



561 
1186 



150 138 



16 



573 

1204 



1747 1777 

In Bethanien war gastrisches Fieber vorherrschend. 

*) Der Zu- und Abgang bezieht sich auf die beiden letz> 
ten Wocheo. 

— In den Hohenzollernschen Landen waren 



S 1 



^5 

c . 



1^ 



N ^ 

TS 



ultimo 1862 ... . 
- 1861 .... 
es waren mithin 

imehr 

I weniger . . . 



1862J' 



20 
21 



11 
12 






?? 


s 


ä i 


N 


g 


M 1 


& 


■? 


£ \ 




.s 


? 1 


cn 


JC 


04 


N 


H 


< 


._ 


11 


11 


— 


11 


11 





z 






c 

9 

B 

B 

.0 



119 
117 



Literatoft 

Balneologi scher Bericht über die 378te Versamm- 
lung deutscher Naturforscher und Äerzte im Septem- 
ber 1862 zuEarlsbad. Von Hofrath Dr. L. Speng- 
ler zu Bad Ems. Neuwied bei J. H. Heuser 1863. 

Die medicinische Sektion der Earlsbader Naturforscher- 
Versammlung bildete auf Prof. Löschner's Antrag eine 
eigene Unterabtheilung für Balneologie; über die Verband* 
lungen dieser letzteren sowie über alles Andere, das sonst 
noch die Balneologie betreffend in der Earlsbader Versamoa« 
lung behandelt wurde, giebt der Herr Verf. .ausführlichen 
Bericht Aus dem reichen Inhalt desselben können wir oas 
nicht versagen Einzelnes mitzutheilen. 

Dr. Eronser hielt einen Vortrag über Diabetes 
mellitus, in dem er nachwies, dass der Eleberbrod- 
genuss, der in dieser Erankheit von Bouchardat a. A. BO 



183 



sehr gerühmt worden, das specifiscbe Gewicht and den 
Zackergehalt des Urins am meisten erhöhe, dass das Schwarz- 
brod sich fibnlich verhalte, wenn aach nicht in demselben 
MaaPse, and dass die Enthaltsamkeit von Brod wie von allen 
AmyJaceen am meisten das specifiscbe Gewicht und den 
i^ackergebalt des Urins vermindere. 

Dr. Schnitzler hielt einen Vortrag über die Inha- 
lation medikamentöser Flüssigkeiten in Staab- 
form. Von den durch Inhalation behandelten Fällen betraf 
Einer einen an Pharyngo - laryngitis Leidenden, der nach 
wenijgen Tagen durch Tannin gebessert wurde; fünf Fälle 
von Laryngitis chronica wurden theils durch Alaan, theils 
durch Tannin bedeutend gebessert; dagegen nützte die In- 
halation in einem Falle, von chronischer Laryngitis in Folge 
von Taberkulose sehr wenig. Ein Fall von Bronchitis und 
Emphysem bessert sich nach Alann. In zwei Fällen von sy- 
philitischen Geschwüren des Nasenrachenraums und des 
Kehlkopfs trat auf Inhalation von Sublimat (1 Gran auf die 
Unze) rasche Heilung ein. Das Reinerwerden der Ge- 
achwürsflächen konnte nach jedesmaligem Einathmen mit 
dem Eehlkopfsspiegel konstatirt werden. Ein Croupfall, in 
dem die Inhalation erst im letzten Stadium, als Brechmit- 
tel bereits die Wirkung versagten, angewendet wurde, en- 
dete lethal; in einem zweiten trat auf die Inhalation von 
Bromkalium (10 Gran auf die Unze) jedesmal Erleichterung 
der Respiration ein und nach 3 Tagen war jedes Symptom 
von Croup verschwunden. 

Dr. Schnitzler empfiehlt statt des Apparats von Sa- 
les-Girous einen nach seiner Angabe konstruirten Appa- 
rat, der einfacher, kleiner und portativer ist und den Vor- 
zug besitzt, dass die Zerstäubung nicht wie bei dem von 
Sales-Girous vor, sondern in der Mundhöhle selbst statt- 
findet. Er besteht ans einem starken, nach Kubikcentime- 
tern graduirten Glascylinder, welcher oben und unten durch 
metallne Deckplatten (mittelst Verbindungsspangen) luftdicht 
geschlossen ist. Im Cylinder wird ein Kolben mittelst schnell- 
steigender Schraube leicht vorwärts getrieben; um schnelle 
rückgängige Bewegungen damit machen zu können, ist die 
Mutterschraube, welche in das Gewinde eingreift, mit einer 
entsprechenden Vorrichtung zum Oefl^nen versehen. Aus 
der oberen Metalldecke, in welcher seitwärts ein Sicher- 
heitsventil angebracht ist, ragt eine kurze mit einem Hahn 
versehene Röhre hervor, in welche ein Haarröhrchen luft- 
dicht eingeschroben werden kann, an deren oberem Ende 
sich eine Linse drehbar aufstecken lässt; am uutern Ende 
ist eine Flügelmutter zum festen Ein- und bequemen Aus- 
schrauben angebracht. Mit der Linse in Verbindung steht 
eine Metallrinne die in einen Kautschukschlauch führt. 

Die Gebrauchsweise des Apparats ist folgende: Das 
Haarröhrchen wird abgeschroben, dann die kurze aus der 
obern Deckplatte hervorragende Röhre in die Flüssigkeit 
getancht und der Kolben durch Oeffnnng der Matterschraube 



rasch bis anf etwa drei Viertel des Cylinders zurückgezo* 
gen und so die Flüssigkeit wie bei einer gewöhnlichen Säug- 
pumpe eingezogen. Darauf lässt man noch durch weiteres 
I Zurückziehen des Kolbens bis auf etwa 20 Ctm. Luft ein- 
I treten. Nun werden der Hahn und die Mutterscbraube ge- 
I sperrt, das Haarröhrchen luftdicht einges'^.hroben und so- 
' dann der Kolben mittelst der scbnellsteigenden Schraube 
' vorwärts getrieben, bis die Luft bis auf ein Fünftel oder 
! Sechstel ihres ursprünglichen Volumens, d. h. bis auf 5 — 
I 4 Ctm. comprimirt ist (Wegen der Gefahr zu starken Luft- 
I drucks ist das Sicherheitsventil angebracht.) Dann wird der 
I Hahn geöffnet; die Flüssigkeit tritt in Folge des hohen Luft» 
drucks (der dadurch, dass der Kolben, während der Kranke 
den flüssigen Staub inbalirt, vom Arzte immerwährend nach 
vorwärts getrieben wird, vollkommen gleichmäfsig bleibt) 
im feinsten Strahle aus dem Haarröhrchen heraus, schlägt 
hier an die Linse und zerstäubt in solch feine Theilchen, 
dass Tausende dazu erforderlich wären, um einen einzigen 
Tropfen zu bilden. Um jene Flüssigkeitstheilchen, die sich 
allmälig an der Linse selbst niederschlagen, aufzunehmen, 
ist die Rinne angebracht, die in einen Gummischlauch führt 
Der Preis des Apparats beträgt 15 Fl. — 

Professor Clar aus Gratz berichtet über die von ihm 
eingerichtete diätetische Heilanstalt, die den Zweck 
hat die gesammten diätetischen Einflüsse so zu regeln, ins- 
besondere dem Kranken solche Nahrungsmittel, solches Ge- 
tränk und eine solche Atmosphäre zu bieten, welche den 
gesammten Stoffwechsel zu verbessern im Stande sind. Die 
Anstalt, in welcher sich auch mehrere Inhalationszimmer, 
eins für Terpentin, eins für Ammoniak, und eins für ver- 
schiedene Inhalationen, Bäder, Kuhställe u. s. w. befinden, 
hatte im Sommer 1861 nur 48, sowohl ambulante als sta- 
bile Kurgäste, im Sommer 1862 bereits 102; die Mehrzahl 
derselben w|iren Brustkranke. Mr, 

Beobachtungen über die Heilwirkung der Colberger 
Soole in ihrer alleinigen Anwendung und in ihrer 
Verbindung mit dem Gebrauche dos Seebades und 
der Seeluft von Dr. M. B ehrend. 3te8 Heft Kur- 
zeit 1862. Colberg bei C. A. Howe 1863. 
Das vorliegende dritte Heft giebt Notizen über den zu- 
nehmenden Besuch Colbergs im Jahre 1862 und über die 
Erweiterung der Soolbade- Anstalt des Verfassers, mit wel- 
chem ein Pensionat für kranke Kinder verbunden ist, und 
enthält aufserdem einep durch Krankheitsfälle erläuterten 
Bericht über die Wirkungen der Sool- und Seebäder. Es 
wird darin besonders auf die von dem Herrn Verfasser neu 
in Gebrauch genommenen Inhalationen von Salzdämpfen 
aufmerksam gemacht. Er bedient sich dazu der Dämpfe 
einer in seiner Anstalt befindlichen grofsen Siedepfanne, in 
welcher die reine Soole, wie sie aus der Quelle kommt, zu 
einem Badesalze abgedampft wird. — Die mitgetheilten 



184 



ErankeDgescbichten bezieben sich auf Fälle von Nerven- 
krankheiten, Skrofeln n. s. w. und liefern den Beweis der 
Heilkraft der Colberger Sool- nnd Seebäder. Mr. 



A u c t i o n 

der R. Froriep'schen Bibliothek in Nordhausen. 

Ö' Am 6. Juli c. und folg. Tagen wird in Nord hau- 
sen die von dem Herrn Geheimerath Prof. Dr. R. Fro- 
riep in Weimar hinterlassene Bibliothek versteigert. — Das 
Verseichniss, welches durch jede Buchhandlung, sowie di- 
rekt von dem Buchhändler Ferd. Förstemann in Nord- 
hansen zu beziehen ist, umfasst 3579 Nummern und ent- 
hält die vorzüglichsten Werke besonders aus den Ge- 
bieten der Medicin, Chemie, Pharmacie, Geogra- 
phie u. d. Naturwissenschaften. 



Marienbad. 

Auf meine Veranlassung sind auch in dieser Saison 
Fichtennadel- und Kräuter-Extrakt täglich frisch bereitet in 
der hiesigen Apotheke zu haben. Wegen Logis-Bestellung 
in meinem Hause kann man sich brieflich oder telegraphisch 
an mich wenden. Anfragen über specielle Anzeige der hie- 
sigen Mineralwasserkur werde ich jederzeit schleunigst be- 
antworten. 

Dr. Josef Frankl, 

Badearzt zu Marienbad in Böhmen, im eigenen 

Hanse „zum Kaiser von Oesterreich'*. 



Anzeigen. 



und ist als solche allen kosmetischen Seifen zum 
täglichen Gebrauche unbedingt vorzuziehen, weil 
sie, von allen schädlichen Best andtheilen durchaus 
frei, neben ihrer medicinischen Wirkung die Haut weifs, glitt 
und zart macht, und nicht theurer zu stehen kommt, als andere 
gute Toiletteseife; 2) die JodsodaseHwefelselfe, aU 
Heilmittel gegen oben angeführte KrankheiiifäUe; 3) die ver- 
stärkte Quellsalzselfe, für hartnäckige oder Teraltete 
Fälle, in denen die Jodsodascbwefelseife nicht kräftig genug wir- 
ken sollte. Diese Seife ist Ton ffanz überrasclieiider Heilkrsft 
und bewirkt selbst in den hartiuLckigsteii Füllen, in denen an- 
dere Mittel erfolglos geblieben, noch yollständige Heilung. 

Der Vorstand des Franz -Joseph- Kinderspitals, Herr Prot 
Dr. T.öschner in Prag, sagt darüber in einem Berichte: 

Von allen Präparaten der Krankenheiler Mineralquellen ent- 
faltete unzweifelhaft die verstärkte Quellsalxseife, weiche 
wir bei chronischen Ausschlägen mit gutem Erfolge anwendeten, 
die eclatantestcn Wirkungen. Namentlich waren es Ec- 
zema, Impetigo, Ecthyma, und zwar xumeist inveterirte Fälle, 
wo sich diese Seife in Verbindung mit Bädern (von QuclUak) 
als ein zuverlässiges Heilmittel bewährte. Auch bewirkte sie bei 
einem Falle langdauemder Psoriasis («ehr rasch merkliche Bes- 
serung, und nach längerer Applikation vollkommene Heilung des 
Leidens. 

Bei direktem Bezüge von der Brunnen - Verwaltung Kran- 
kenheil in Tölz (Bayern) kostet: 1 Paket Jodsoda- oder Jod- 
sodascbwefelseife 1 Fl. 6 Kr. oder 19 Sgr., 1 Paket verstärkte 
Quellsalzseife I Fl. 54 Kr. oder 1 Thir. 3 Sgr. 

Die Krankenheiler Quellsalzseife ist auch zu bezieben durch: 
J. F. Heyl u. Comp, in Berlin, Sana« Ritter in Leip- 
zig, die Mohrenapotheke in Dresden, JF. Heiiner« 
dinier in Hamburg, J. Helnr. Dressier in Frankfurt 
a. M., liUd. U^l in Wien, StoU u. SeHmldt in St. Pe- 
tersburg und Moskau und alle Apotheken und Mineralwasier^ 
Handlungen. 



Bei Th. Chr. Fr. Enslin in Berlin ist erachieneu: 
Das 

Prenfsisclie Pbysikats-Examene 

Repetitorium 

filr Civil- und Militair-Aerzte 

von 

Dr. Fr. Berth. Loeffler. 

li'Tblr. 

Das Regulativ für Obdactioneo, welches seit dem Er- 
scheinen des Baches eine Abfinderang erfahren, wird in ei- 
nem Separatabdrack jedem Exemplare des Löffler'schen Ba- 
ches gratis beigegeben. 



Die Krankenlieiler ^neilsalzseife, 

aus den Krankenheiler-Jodschwefelbrunnen bereitet, ist nach At- 
testen der anerkanntesten Aerzte Deutschlands gegen Unreinig- 
keit der Haut and alle Haatkrankheiten, Seropheln, Flechten, 
Drüsen, Yerhärtnngen, Geschwüre (selbst syphilitisclier nnd 
b9sartiger Natur), Schrnnden, namentlich auch gegen Frostbeu- 
len etc. etc. das sicherste und zugleich unschädlichste 
Heilmittel, indem sie, sowie auch die Krankenbeiler 
Brunnen, niemals eine Krankheit in den Körper zu- 
rücktreibt, sondern sie aus dem Körper ausscheidet. 
Sie dient auch als bewährtes Mittel gegen das Ausfallen der 
Haare in Folge von Schwäche der Haut, und bewirkt in Fallen, 
wo die Haare nach Krankheiten ausgingen — was hei Damen 
80 häufig vorkommt — nach wenigen Wochen einen neuen kräf- 
tigen Haarwuchs. 

Es giebt drei verschiedene Sorten von Krankenheiler Quell- 
■ahtteife: 

I) die Jodsodaselfe, als ausgezeichnete Toilette- 
seife und sich eres Präser?ativmittel gegen Unreinigkeit der 
Haut etc. Sie wird wie die gewöhnliche Toiletteseife gebraucht, ' 

Verlag von Th. Chr. Fr. Entlin (Adolph Enslin) in Berlin. — Gedruckt bei A.W. Schade in Berlin, Stall ach reibers tr. 47 



Nene Folge. 
VL Jahrgang. 



PREÜSSISCHE 



DtoB« Z«itattg «nohtlBi wtebMic i«ft. 

D«r Preis dM gusM Jdirgaagi, w«toktr 

nicht getrennt wird, ist 3 Thlr. 208gr. 



MEDICINAL - ZEITUNG. 

Herausgegeben von dem Verein für Heilkunde in Preussen 

oiter Benntinitg amtlicher ■ittheilnngen des K5nigl. ■inisterinms der geistlichen, Unterrichts- 
utd ■edidnal-Angelegenheiteii nnd der Königl. Provinzial-BehOrden. 

Redactenr: £. Müller, Geh. Medioinal-Rath etc. 



1863. 




17. Ju2ii. 



Inhalt. Amtlicher Theil; Personalien *, Verfügung. — Die Sterblichkeit der Kinder in Berlin w&hrend der Jahre 1851 bis 
IWO Ton E. Loewer. <Fortsetzung.) — Witterungs- and Krankheits - Constitution von Berlin für Monat Mai 1863. — Tagesereig- 
nine und anderwMte MittbeilnDgen. ^ Literatur. — Anzeige. 



Amtlicher TheiL 

Personalien. 

HiedorlutuBgen« 
Die praktiacheo Aerste DDr. BInmeothal, van Ga- 
lik, Hering, lientze> Long ond Sander haben sich 
in Berlin, Dr. Corth in Wangerin, Dr. Michelaen in 
Bogaaen, Dr. Leviseur in Xians, Dr. Kahnemann in 
Bialoaliwe, Dr. Amberg in Iserlohn, Dr. van Beers in 
Uerdingen, der Zlahnarst Anerbach in Berlin nnd der 
Thierarst erster Klasae Priester in Greifsiyald niederge- 



D/er praktische Am Dr. Gerold ist von Aken nach 
BecUn, dar Ober-Stabsarst a. D. Dr. Eeyl von Arnswalde 
nach Berlin, Dr. Goetsch von Berlin nach SlawenUig, 
Dff. Liepelt von Berlin nach Magdebarg, der Asaistena- 
Amt Dr. Zncker von Thorn nach Sagan, der Garnison- 
St^bfant Dr. d'Arrest von Sagan nach Eosel gesogen. 

Todesfälle. 
Dr. Gaspary ana Berlin in Nizsa» Dr. Strahl in 
1 Berlin nnd Dr. Lambrecht in Brandenburg a. H. sind 
: geatorben. 

i 

VerfQgiing. 

Aaf den Bericht vom . . eröffne ich der Eonigl. Be« 
i^erang im Binverstfindniss mit dem Herrn Minister for 
Hjtndel, Gewerbe nnd öffentliche Arbeiten, der im Uebri- 



gen sein Ressort bei der Sache nicht für betheiligt erach- 
tet, dass es hinsichtlich der anslftndi sehen Aerzte, 
welehe zar Praxis im Inlande zugelassen zn werden 
wflnschen, lediglich bei dem Girkular-Erlass vom 9. Jannar 
1826 bewenden mnss. 

In dem gedachten Beriebt unterscheidet die EgI. Re- 
gierung nicht hinreichend scharf zwischen Aerzten, welche 
in Preufiien approbirt sind nnd solchen, welche ohne diese 
Approbation erlangt zu haben, zur Praxis verstattet sein 
wollen. 

Was die ersteren betrillt, so ist bereits in dem zur Er- 
Iftoterang des Gesetzes vom 22. Juni 1861 ergangenen Cir- 
kular-Brlass vom 16. Juli 1861 ausdrücklich bemerkt, dass 
AusUnder, welche in Prenfsen ein approbationspflichtiges 
Gewerbe betreiben wollen, ganz dieselben Bedingungen zu 
erfnUen haben, wie Inifinder. Auf Aerzte angewendet, be- 
deutet dies, dass sie gemftfs §. 42. der Allgem. Gewerbe- 
Ordnung vom 17. Jannar 1845 einer Approbation Seitens 
meines Ministeriums bed&rfen. Unter welchen Bedingungen 
diese Approbation an Ausl&ndem zn ertheiien, hat nicht die 
Regierung, sondern das Bfinisterium im einzelnen Falle zu 
beunhellen. Im Allgemeinen ist hierfür das Cirkular-Re- 
Script vom 4. Mftrz 1853 maafsgebend. Haben aber Aus- 
l&nder diese Approbation erlangt, so sind sie eben so wie 
InUnder zur firztliehen Praxis im Inlande befugt. 

Dagegen können Auslfinder, welche eine Approbation 
Seitens meines Ministeriums nicht erlangt haben, ein Recht 
auf Zulassung zur Praxis im Inlande fiberhaupt nicht und 
namentlich nicht auf Grund der Allgem. Gewerbe-Ordnung 
fw sich in Anspruch nehmen. Es ist daher ein Missver- 



186 - 



ttfindniss, weon die KSnigl. BegteroDg meint, dass in Folge \ 
der neuen Ab&ndernngen der OewerbegeseUgeboDg dar Gir- ! 
kalar- Erläse vom 9. Januar 1826 den gesetzlichen Boden 
rerloren bat. Dieser Erlass bandelt ledigHcb von solchen 
aasIfindischeD Aersten, welche eine i&l&ndisohe Approbation 
nicht erlangt haben und demzafolge nach §. 42. der Allg. 
Gewerbe - Ordnung sur Ausübung firstlicher Praxis im In- 
lande nicht berechtigt sind. Wenn daher der gedachte Er- 
lass unter bestimmten Voraussetsnogen und in gewissen 
Grfinzen Ausl&ndern die Praxis im Inlande gestattet, so ist 



dies eine durch die Umstfinde gerechtfertigte Beginstigaug, 
nicht aber, wie die Eönigl. Regierung anzunehmen scheiDt, 
eine Beschränkung ihrer in der Gewerbegesetzgebung be- 
gründeten Rechte. 

Berlin, den 9. Mai 1863. 
Der Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medicinal- 
Angelegenbeiten. 

(gez.) V. Mnhler. 
An 
die Königl. Regierung zu N. 



Die Sterblichkeit der Kinder in Berlin w&lirend der 
Jahre 1851 -1810. 

yom Subsarzt Dr. E. Loewer in Berlin. 
(PortoetfuDg.) 

In Paris nehmen die Eltern die Amme ihres Kindes 
nieht in ibreoi Haas« asl, eondern sie übergeben es ihr, 
damit sie es in ihrem Wohnorte und* io ihrer Wolinaog er- 
nfibrt. Die bei weitem meisten Ammen, die sich sam Am- 
mendienste anbieten, wohnen nicht in Paris selbst, sondern 
in der Umgegend und schicken Ton hier ans ihr Gesuch 
um einen Dienst mit einem Qualifikationsatteste, das vom 
Maire und dem Ante ibrea Wohnortes ausgestellt ist, nach 
Paris an das Ammen -Bureau. Wenn die Reihe an ihnen 
ist, werden sie von der Direktion benachrichtigt, sie hie- 
ben sich nach Paris, werden dort von dem Anstalts-Arste 
untersucht,' bleiben in der Anstalt, bis ihnen ein S&ugling 
überwiesen ist und kehren dann mit ktsterem nach ihrem 
Wohnorte anrnck, nachdem der Arat sie und das ihnen an- 
vertraute Kind nochmals untersucht hat. Die Paris«* An- 
stalt sammelt also niemals die Ammen aaf unbestimmte 
Zeit auf 9 sie giebt ihnen, so an sagen 9 Logis, bis sie den 
Säugling erhalten, und dies immer nur für knrae Zeit, da 
sie nicht eher gerufen werden, als dies in Aussicht steht« 
Sie werden aber nach Paris aar Uebemahme citirt, damit 
einentheils sich die Direktion von ihrem körperlichen Zu- 
stande nberaeugt, weil andemtbeils sie die natürlichsten 
Empf&nger des Kindes sind, das sie unterwegs n&hren, wie 
sie es spfiter nfibren werden. Kne Ampaenanstalt in Pa- 
ris hat deshalb einen gana andern Sinn^ als bei uns, ond 
wurde der einen grofsen Fehler begeben, der mit dem Mafs- 
stabe der Pariser Einrichtungen an andere Verhältnisse ge* 
hen und eine solche Anstalt errichten wollte« Man bat 
übrigens Aehnliches in BeriUn versucht, die hiesigen Anstal- 
ten sind aber alle nur AmmenbesorgnngSF-Anstalten gewe- 
sen. Die erste Idee daan tauchte 1806 auf« Bie kam der 
kriegerischen Umstfinde wegen nicht zur Ausführung. Im 



Jahre 1826 errichtete ßchweitser') eine Besorgungsanstalt, 
die rein privater Natur war. Die Personen, die einen Am- 
mendienst wünschten, sollten sich einige Wochen vor ihrer 
Niederkunft an sein Bureau wenden, spfiter mit Einsendung 
von Attesten über Führung und frühere Gesundheit die Nie- 
derkunft anzeigen und sich zur körperlichen Untersuchung 
stellen, sobald es ihr Zustand erlaubte. Suchten Eltern eine 
Amme, so hatten sie sich mit Angabe ihres Gharakten, 
Wohnorts, Geschlechts und EörperbeschaiFenhelt des zu sin- 
genden Kindes an das Bureau zu wenden , und wurde ih- 
nen dann, je nach der Zahl der notirten Bewerberinneo 
eine oder mehrere Ammen zur 'Auswahl mit ihren betref- 
fenden Attesten zugeschickt. Wenn eine solche angenom- 
men war, so hatten die Bitern des Sfiuglings 3 Thlr. Ge- 
bühren zu entrichten. Diese Ammenbesorgnogs- Anstatt hielt 
sich nicht, was nicht Wunder nehmen kann, da sie nkht 
im Geringsten mehr Garantie bot, als Jedes gewShnliebe 
Vermiethungs - Büreaii. Sie unterschied sich nur dadurch 
von einem solchen, dass der firztliche Vermiether die Am* 
men selbst untersuchte, wfihrend es sonst ein anderer ge- 
than haben wQrde, da bei Familien, die 3 Thlr. fSr Beso^ 
gung einer Amme zahlen sollen, auch diese Sorgfalt für 
ihr Kind vorauszusetzen ist. Die Beibringung der Atteste 
hat keinen Werth, da die guten gezeigt, die seblediien weg- 
gelassen werden können. Vor Allem aber konnte über die 
Gesundheit der Amme und ihre Lebensweise bis snim Dienst- 
antritte Nichts festgestellt werden, da sie in ihrer Wohnung 
und ihren Lebensverhfiltnissen, wie bisher, verbKeben. Bine 
fihnliche kurze Lebensdauer hatten die beiden Ammenbe- 
sorgungs-Büreaus, welche um 1844 herum von den beiden 
Aerzten Meyer und Löwenthal *) eingericfateC waren, 
da auch sie Ammen lieferten, die sie nur durch edne ein-, 
resp. zweimalige Untersuchung kannten, von deren Vergan- 
genheit und Leben bis zum Dienstantritte sie nichts Be- 



') Schweitzer, die Ammenbesorgungs- Anstalt für Beriis. 
Berlin 1826 p. 11. 

*) Wollheim, Yersuoh einer medieiniBoheu Topographie und 
Statistik von Berlin p. 118. 



187 



^tuniBfieii wiaseo kooDlen. Alte diese Besorgniig^-ADfitalleii 
waren swar tod der Polizei geiiehmi|{t, aber sie wurden 
weder ooterstüUt, noch wurde ihnen ein bestimmter ofü* 
cieller, medicinal - polizeilicher Charakter veriiehen, woran 
wahiscbeinlich die obigen Grunde die Schuld hatten. Da- 
gegen erlieDs das Polizei -Pr&sidiQm zu Berlin am 25. Au« 
gjDSt 1852 eine Verordnung '), worin sie es den Ammen- 
▼ermiethern zur Pflicht macht, dass sie nur Frauensimmer 
Yermiethen, die nach ärztlichen Attesten als Amme quali* 
fidrt sind. Diese Verordnung stellt das Publikum aber in 
Nichts sicher, denn von der Zeit an, wo die Amme sich 
voll einem Arzte das wahrheiisgem&fse Attest holt, bis zu 
dem vielleicht erst Ifiogere Zeit darauf wirklich erfolgenden 
Dienstantritte kann sie sich die verschiedensten Krankhei- 
ten zuziehen, die sie in die Familien einschleppt, wenn 
diese nicht eine nochmalige Untersuchung vor der Aufnahme 
der Amme erfolgen lassen. Es muss zugestanden werden, 
dass die angefahrten Uebelstande zum grofsen Theile bei 
eigentlichen Ammen- Anstalten wegfallen, wenn man unter 
ibnan Institute versteht, in denen die Ammen bis zu ihrem 
Dienstantritte mit ihren Kindern unter fortwährender Auf- 
sicht zusammen wohnen. Dieselben haben in der neuern 
Zeit mehrfache Verkbeidiger gefunden, die alle Gründe fßr 
eine solche Anstalt hervorheben, aber wenig Worte für Ge- 
g^grunde haben. So l^t Freund *) hervor, dass bei 
einer vorzunehmenden Untersuchung eine Unterschiebung ei- 
nes, gesunden fremden Kindes an Stelle des krfinkliehen et* 
geoen hi^r nicht möglich ist, wo Mutter und Kind fortwäh- 
rend unter Beobachtung sind, dass man durch letztere sich 
in Oewissheit. über den Gesundheitszustand von beiden und 
dia Milcbqnastit&t bei der Mutter setzen könne, dass die 
Anstalt den etwaigen Ansprüchen wegen Ammen am sicher- 
sten genüge und so einer Verlegenheit im Falle der Noth 
vorbeogie, 'und dass sie auch ein unangemessenes Fordern 
von Lohn hintertreibe. Die Anstalt würde auch eine Aus- 
wahl sa verschiedenen Zeilen entbundener Ammen darbie- 
teut 9H wurde dadorch, dass sie den Müttern rascher einen 
Dienst verschafft, ihnen auch die Mittel liefern, früh genug 
ihr Kind gut unterzubringen. Auch Hoffmann '), so sehr 
er die früher in München projektirte Ammen-Anstalt ver- 
wirft* ^ die Ammen «erstreut in der Stadt wohnen lassen 
vfoUte u^d wohl aach noch andere M&ngel einschloss, re- 
det einem Ammen-Institute das Wort, in dem die Ammen 
io eineni Hause wohnen. Wir wollen von den angeführten 
Gründen für die Nützlichkeit einer solchen Anstalt kein 
Jota wegnehmen, aber dennoch sind wir weit davon ent- 
ferot» ihre Errichtung für so leicht ausführbar zu erkliren. 



M Pappenheim, Hsndb. d. SanitStspolisei Bd. I. p. 1(M>. 
*> Gas per, Vierteljahressohrift f. geriehtL a. dife&tl. Medi- 
ciu. fiierlin laM. Bd. 10. p. 64. 

•) s. a. 0. Berlin 1857. Bd. U. p. 32. 



wie Freund es thut und überhaupt in den Ruf nach ihrer 
Nothwendigkeit eintustimmen. Die Anlage einer Ammen- 
Anstalt wurde schon an den bedeutenden Kosten sofaeiteni, 
da sie sich hier durch Beitrflge der ammensuchenden Pa^ 
milien und der Ammen selbst nicht halten kann. Freund 
sucht dies duroh ein eigenibfimUches Ezempel zu wideile- 
gen. Er fuhrt an, dass es sich in Paris jährlich uai 4000 
Ammen handelt, dass ^diese Zahl allerdings für unsere Ber- 
liner Verhältnisse viel zu hoch gegriffen^ ist. Dennoch legt 
er die 4000 Ammen seiner Berechnung zu Grunde und er* 
hAlt als E^nschreibegebühren von den Eltern für jede aus 
dem Institute erhaltene Amme k 3 Thlr., die Summe von 
12,000 Thlr., und auf dtesen problematisehsn 12,000 Tblin. 
baut er weiter. Dies heifst aber wohl zu sehr Sand in die 
Augen streuen! Wenn «ch auch die Einwohnerzahl von 
Beriin zu Paris etwa wie 1:3 verhält, so haben wir den- 
noch bei weitem niflht ein Drittel der Pariser Ammenzahl, 
denn in Paris ist die Debergabe des Kindes an eine Amme 
Tagesordnung, was doch in Berlin nicht so stereotyp der 
Fall ist und, was bei uils ganz wegfült, alle die im Fin* 
delbanse aufgenommenen Kinder und der bei weitem gröllMe 
Theii der aufsereheüehen werden, sobaUi als möglich, aas 
der Stadt weggeschiA und dnreh Vermitteinng des Ammen- 
Bureaus zu Ammen auf das Land gegeben. In Beriin tritt 
hierfür die künstliehe Ernihvung ein; bei einem Tbeil der 
armen Familien, die in Paris ihr Kind vielleieht dem Fin* 
delbanse fibergeben würden, nfihrl die Malter hier wohl 
selbst. Wenn deshalb hier nidit die Stadt das Oeb&uda 
mit der nüthigen innern Einrichtung iief^ und im Stande 
erhfilt, wenn sie nicht zum grofiiten Theile das Personal 
der Aerzte und Beamten besolden wiU, so wird sich hier 
nie eine Ammen-Anstalt erriehttn lassen, die nicht an die 
ammensuchenden Familien so hohe Ansprüche stellt, wie 
sie nur die Reichen zu erfUlen gesoBoen sein könnten. 
Wir können uns aber nichi verhehlen, dass eine solche An- 
stalt immer noch riele Uehelstfinde in sich aehliefst, wenn 
wir ganz von den moraliscben Gegengründen absehen wol- 
len. Befinden sich viele Ammen mit ihren Kindern in der 
Anstalt, so kann es leieht, besonders nach etvras längerem 
Bestehen derselben, dabin kommen, dass sifti der Kinder 
das ungünstige SterbliehlBeila^Verhäknias der Findelkioder 
in den Findelhänsem bemächtigt Die Bedingungen dazu 
sind wenigstens vorhanden: viele kleine Kinder in demsel- 
ben^ Saale, reqp. je nach der Anordnung in mehreren Sä* 
lea, leichte Luftverderbniss und Dehertragnng einer bei en 
nem Kinde ansgebrochenen Krankheit md die andern. Was 
wird nun aus einer Person, deren Kind in der Anstalt ge- 
storben ist? Sie wird, wenn sie nicht bald darauf einen 
Ammendienst bekommt und ihre Mikhsekratioa su gering 
geworden ist, entlassea, damit sie sich eiuMi Dienst sucht. 
Damit erleidet aber die Anstalt einen pecuniären Verinst, 
der um so giöfser irt, je mehr Kinder sterben , denn sie 



188 



erhält för die ertbeilte Pflege keine Vergatoog weder von 
einer Familie* da sie die Amme eben nicht mehr nnterbrin* 
gen kasD, noch von dieeer eelbst, da sie wfibreod ihres 
Änleolhalts in der Anstalt nichts verdient hat. Sodana 
kaan das Institat das moralische Betragen der Amme nie 
sicher nberwaohen. So lange sie der Anstalt angehört, 
kann sie onmoglich immer in derselben festgehalten wer- 
den, ja sie mnss ins Freie geben, nm sich ihrer Gesund» 
heit wegen Bewegung in machen. Während dieser Zeit 
kann sie aber ihre frohem Bekanntschaften aufsnchen, mit 
ihrem Schwangerer verkehren ond sich so ansteckende 
Krankheiten, beispielsweise Syphilis ond Krätze, zuziehen. 
Ueber diese Benutsong der Aosgäoge kann das Institut aber 
völlig im Dunkeln gebalten werden , wenn nur die Amme 
die Yorsioht gebraocht, zur vorgeschriebenen Zeit ihr Kind 
zu reinigen ond zu stillen ond zur bestimmten Zeit zur An- 
stalt sorfickcukehren. Die so geholten Krankheiten werden 
im glücklichsten Falle bei der Inspektion vor dem Dienst- 
antritt gefunden, und die Amme wird dann wohl entlassen 
werden mflssen, da die Anstalt aufcibr dem schon hierdurch 
herbeigefShrten pekuniären Verlust nicht noch die Knrko- 
sten wird tragen wollen. Ist eine Ansteckung aber kurz 
vor dem Dienstantritte erfolgt, so braucht sie sich bei der 
dann erfolgenden Inspection noch nicht deutlich zu marki- 
reu« Sie kann erst nach Uebernahme des Dienstes ausbre- 
chen, vielleicht sogar, wenn sie von der Amme aus nahe- 
liegenden Gründen verheimlicht ist, erst nach der Ueber- 
tragong derselben auf den Säugling oder auf andere Fami- 
lien*Mitglieder von ihrer Existenz Zeugniss geben. Aber 
anch tn andern Fällen kann sich das Institut fiber die Ge- 
^ snndbeit der Amme täuschen. Gesetzt den Fall, eine Per- 
son ist während ihrer Schwangerschaft secundär syphilitisch 
gewesen, die Krankheit wird unterdrfickt und die Amme 
zeigt bei ihrem Bimritte in die Anstalt eben so wenig wie 
das mit Syphilis congenita geborne Kind ein Krankheits- 
symptom. Wir woUen annehmen, dass die Amme 14 Tage 
nach ihrem Aufenthalte dnen Dienst erhält, das Kind wird 
in Kost gegeben nnd weder Instifut noch Dienstherrschaft 
erfahren, dass nach Ablauf des ersten Monats, wie- es ja 
meisteos gesdieht, die Syphilis congenita bei ihm ausbricht. 
Bbenso erscheint auch bei der Amme die fr&her unterdrfickte 
Krankheit zum Schrecken der' Eltern wieder, wenn der 
SäoglEng schon längere Sicit genährt ist, wenn die Amme 
ihre Krankheit mögliehet lange verheimlicht hat Man wird 
einwenden, dass diesen IrrthSmern jeder untersuchende Arzt 
ausgesetzt ist Gewiss, aber dann haben sich die Eltern 
audi nicht an eine Anstalt gewendet, mit dem Vertrauen 
und der Ueberzeugung, eine gesunde Amme zu erhalten, 
an etoe Anstalt, deren Grundpfeiler eben dies Vertrauen' 
bildet, dann haben sie für eine Täutehong nicht eine Be* 
Zahlung geleistet, wie sie die Anstalt beanspruchen wflrde. 
Alle diese Gründe bestimmen uns, die Errichtung einer 1 



Ammen-Anstalt nicht, speciefl nicht fir Berlin va wünschen, 
und wir treten den vielfachen abschtäglichen Antworten bei, 
die vom Cultus- Ministerium und dem Polizei- Präsidium auf 
Anträge für Errichtung von Ammen^Anstalten in Berlin er- 
gangen sind. Was ist nun aber zu thun? denn dass di^ 
Medicinal-Polizei sich nm die Ammen zu bekümmern hat, 
haben wir vorhin als unsere Ansicht kundgegeben und auch 
darauf hingewiesen, dass die einzige für Beiiin existireede 
Maafsregel, die vorbin erwähnte Polizei -Verordnung von 
1852 nicht ausreichend ist. Wir möchten unsere Vorschläge 
in folgenden Sätzen formuliren: 

1) Jede Person, die in einen Ammendienst^ treten will, 
hat sich nach ihrer Niederkunft, wenn es ihr Zustand 
erlaubt, bei der Polizei zu melden, von der sie Be- 
hufs Feststellung ihrer Qualifikation zu einem Bezirks- 
Physikus etc. gesendet wird. Zu dieser Untersochnog 
hat sie ihr Kind mitzubringen. Betrügereien, die hier- 
bei angewendet werden, ziehen Freiheitsetrafen nadi 
sich. 

2) Die mit einem Qualifikationsschein versehenen Perso- 
nen erhalten damit das Recht, sich einen Ammendienst 
zu verschaffen. 

8) Hat efne Person einen solchen Dienst gefanden, so 
hat sie sich vor dem Antritte desselben einer noch- 
maligen ärztlichen Untersuchung mit ihrem Kinde zu 
unterwerfen. Den Familien steht es dabei frei, tich 
eines Arztes zu bedienen, welchen sie dazu nefamen 
wollen. Die Bezirks-Physici sind rerpftiehtet, etwai- 
gen Aufibrderungen zq dieeer Untersuohang Folge zu 
leisten. Der Befund derselben ist in jedem Falle in 
Form eines einfaehea Untersochnngsscheiiia niederzu* 
schreiben. 
4) Ist der Dienstantritt der Amme erfdgi, so hal der 
Dienstherr bei der Anmeldung desselben aachderPo* 
lizei den Qualifikationsschein (No. 1.) und den Unter* 
snchungsscbein (No. 3.) einzureichen, die dann remit* 
tirt werden. Wo die Scheine fehlen, hat die Polizei 
das Recht, eine den Dienstherra treffende Strafe fest^ 
zusetzen nnd auf seine Kosten eine Untersnohnng' der 
Amme anzuordnen. 
b} Bei Dienstwecfasel und Annahme einer neo^n Ammen^ 
«teile hat sich die Amme einer nochmidigeo ArKtli^hen 
Untersuchung, wie in No. 3., zu unterwarfen. Der 
betreffende Schein ist ebenfalls bei der Poliaef einzu* 
reichen. 

Man erlaube uns noch einige Bemerkungon. 
Den Familien wird auf diese Weise keine- Ammer oe> 
troyirt, sondern es ist ihnen freie Wahl unter den Bewer- 
bern gelassen, deren jetzt wenigstens aooh woJil immer 
mehtf^re auftreten werden. £s bleibt ihnen fiberlaasen, At- 
teste über frühere Dienstverhältnisse von der Amine so for- 
dern npd die Yereinbarung mit ihr tiber ihren Lohn an tref- 



180 



fSen, da nar die Dnterflocbcrög der körperlichen Tauglichkeit 
in das Ressort des Arstes gehfitt. 'Wir haben die PoTisei 
mit herangezogen, weil dadurch die ganze Vornahme eine 
gesetdiche Kraft erhfilt nnd haben die Bezirks-Physici be- 
afispnicht, weil sie die natMichen Beamten der Medicinal- 
Pölieei für Berlin sind. Es werden faierdtirch anch den 
Ammen alle Kosten gespart, denn die Feststellung der Qua- 
lifikation nach No. 1. wSrde in die amtliche Thfitigkeit der 
Betitks-Physicf fallen, die Dntersacfaung nach No. 3. resp. 
ITö. 5. wfire auf Kosten des Dienstherrn vorzunehmen. 
Weitlftafigkeiten für die Ammen erwachsen übrigens hier- 
bei gar nicht, denn'b^ Üebernahme öines Dienstes bat sich 
hiet jede' Person bei der Polizei zu melden, und nur die 
erste Untersuchung würde eine, aber nicht ins Gewicht fal- 
lende Zeit der Amme beanspruchen. Dadurch aber, dass' 
ihr die Bemühung um einen Dienst überlassen bleibt, wird 
sie keine protegirte Person, die nach einer Schwängerung 
alle Sorge für sie dem Staate reif, der Stadt anbei mgiebt, 
Irie es bei Ammen -Anstalten und bei Ammenbesorgungs- 
Anstalten geschieht; die gegen diese vorgebrachten morali- 
schen Gründe fallen also auch liier weg. Wenn immerhin 
die Aasführung der Vorschläge keiiie positive Garantie für 
die Amme giebt, so leistet sfie doch vielleicht annähernd 
Genügendes und jedenfalls mehr, als bis jetzt geschehen 
ist. Wir müssen noch des Vorschlags Erwähnung thnn, 
den Routh *) in der neuesten Keit zu den vielen schon 
geschehenen hinzugefügt hat. Er hält ebenfalls die Milch 
einer gnt ausgewählten Amme für den besten Ersatz der 
Mutter mfich. Aber die Schwierigkeit, ^ine gute Amme zu 
finden und da^ Unheil, welches eine schlec^hte stiften kann, 
verftniassen )hn ' isu dem Vorschlag^', die Anstellung eraer 
solchen Überhaupt änfztag^ben und, wenn die eigene Mutter 
nicht stillen kabn; dem Kinde die Brust eTnes Thferes, z. 
B. einer 2Rege, zu geben oder, da das nicht allgemein ge- 
scbeben kann, sogleich die künstliche Ernährung mit Kuh- 
mileh eibtreten zo latrseki. Ds ist Äieil olfeitbar efn-B^tm, 
dem nicht beizupfli<^n istf^uqd können wir eher sagen, 
damit ein solches nicht eintrete, müssen wir uns für veiy 
pflichtet hakea^', die Ammen, einev mdglichst genauen Un- 
terftoohnng za unterwerfen* 

' Wir haben vorhin gesehen, dass die nnebelicheD Kin- 
der ein so nnverhältnissmftl^ig grofseis Contingent zur all- 
g^emeifien Kindersterblichkeit liefern, und wird es hier vor 
^Uem Aufgäbe der'Medicinalpolizel sein, auf Gegenmittet 
xa_ sinnen. Da diese! Kinder nur in den allerseltensten Fäl-» 
len bei ihren Müttern bleiben und fast immer von diesen 
jEO fremden Leuten in Kost gegeben werden, so wird uns 
Am mei^t^tt die Art ihrer Unterbringung beschäftigen müs- 
sen. Ba ist sdion ä priori anzunelimen, di^ss man dieseti 



• ) The British «nd foreign medico-chirurgical reriew. Januarj 
18e2. p. 58. 



armen Kindern niemals ein so günstiges Sterblichkeitsveri< 
hältniss wird verschafi^n kdnnen, als diejenigen haben, wei» 
che bei ihren E^rn bleiben, denn die Pflege, die Aoftnerk''' 
samkeit, die Sorgfalt der eigenen Motter ist nie ddroh fremde» 
erkaufte Personen zu iei*seteen, wi^ die Bbnäbrong cdtiefl 
Kindes durch die Brust der eigenen Motter nie der ddrolf 
andere Bmährongsweisen gleichkommt. Die bei wedtew 
meisten Hauptstädte senden bekannilich ihre nnebetiebcfii 
Kinder in ein Fiodelhaos, das die spätere Sorge für sie 
übernimmt, B^lin hat kein Findeihans und befolgt für die 
unehelichen Kinder sowohl, wie für die von ihren Eltsnii 
verlassenen das Princip der Unterbringung in PamiüeD. 
Bei Besprechung dieser Verhältnisse handelt es sieh nicht 
allein um Abwägung des Wecthes von Findeihans ond Dn- 
terbringung in Familien, die Frage nimmt ein ernsteres 
Adsaefaen dadurah ao^ d%BS ni»n BerUn so oft den Manual 
eines Findelbauses vorwarfen hört, mit dem stillen Be* 
daoem, dass es wohl nicht genug für seine onebelicben 
Kinder thot. Der Gedanke^ in Berlin ein' Findelhaus so 
enichteO) ist mehrmals aut^taocht, eine BeaÜsiroDg ist ikni 
niemals gefolgt Nehmen wir die beiden entgegenstehend»» 
sten SMlperioden ■), 'se ging Mben 1747 Friedrieb der 
Grofee mit der Idee um, „sor Verbfitoeg des biidier s^ 
bäofig im schwänge gehenden Kindennordes in Bertis^ ein 
PindelbaaB auf seine Kasten an emcfateti, in dei» die Kna^ 
ben bis avm iOten und Uten Jahre» die Mädoheo bis seöa 
iStefi oder 14ten Jahre erzogen Werden soHten. Die Idee 
fiel bald, um nicht wieder aofgenommea «e Werden. In 
der jüngsten Zeit, im Odober 1860^ bat bier eine Bürger«* 
Versemmhing Behufs Ertriebtimg eines Findelhauses etata^ 
g^Adien, in der es mit vielen Reden pro et centra we* 
Hustens bis ^ur Ernennui^ eines Comit^'s eor Bntwerfeni^ 
eines geordnetem Plans kam. Dabei ist- es aber eie^ ge- 
blieben, bis jeltt li'enigstens hat man von weitete- Sohritteii 
BitbbB gehört Dafür wurde in Berlia 1840 ein Aefeiehta« 
vterein für HaRekinder gegründet, der in Folge eines los« 
mediatbericbts ') des Ministers v. Rechow an den-Küoig 
die competenten Behörden mit in seinen Kreis sog und- jb« 
rer Unterstütciing und Aefmerlisamkeit tMibafUg worde. 
Der Immediafbericht sohüdert die Lage der oneheliobstt 
Kinder anfsetordentlieb wisrm tind wahr» ^Die Väter eiD* 
adatten- sieb gewöhnlich frei ^on Jeder Pfliebr,i können eft 
ntvr diircb eiben gesetslicben Zwange so mer vielfach düttf* 
tlgen Leistung gezwungen werden, während die MMen die«- 
nend, oder «ob itenen Anssdrirelfangeti hlogiAiend« ihte Kia» 
der nieht selbst ersieben können-^ oder ^s eiebt wellen^ nor 
mühsatn und äiit Widerwillen späriiobe Kestee für die ^r^- 
aiebung doreb Fremde aufbringen nad nicht selssn es für 



') CommoDalblatt der Haupt- u. Residensstadt Berlin 1861. 
m. 1. p. 6. 

*) Hörn, das preufs. Medicinalwesen Bd. 1. p. 95. 



190 



ein Oiiek iudteD, wenn der Tod die von ihnen ale Bürde 
«ud'Hindernise betrachteten Kinder hinwegrefft. Dem ent- 
«prechend lind die Fraoen, welche ein Gewerbe ans der 
/lafnahme dergieieben Kinder machen nnd sich gegen ge- 
fsoge Vergfitang daan verstehen, sn derep Verwahrlosopg 
Qoeh mehr, als die l^atter geneigt, nnd so findet man denn 
hinfig dieae nnglncklicfaen Kinder in einem wahrhaft be« 
daaeraewördigen Znstande, in angeennden, feuchten und 
fitMtesn Wohnungen, auf schmutzigem Lager, Tage lang an 
elenden, eogeoannten Lntschbeuteln k^oeiMl und ohne War- 
toüg im eigenen Unflath yerkSmmernd.^ So war es in der 
That Irflher und die Kostfrauen verdienten mit Recht den 
tehon früher abgeführten Titel ,|Eogelmacher^. 

(Fortsetsmig folgt) 

Witterangs- und Krankheits-Constitntion zu BerÜD 
fOr den Monat Hai 1883. 

Wenn überbanpt in diesem Monat heiteres Wetter vor- 
lierraehend geblieben ist, ao gli dies noch besondera für 
dSe Tage bis eioaehliefiilicb den 19., in welcher Zeit sieb 
mwt am 4« knraer B^en in geringer Quantitfit einstellts* 
Vom 2(^. ab liefe sieb «war mehrfach Hiimeifung an Bo- 
gen wahrnehmen, dqeb fiel dieser nur am 20., 24.^ 25^ 
28«, 30« nnd 31. in so geringer jQu^^t&t, dass er snm 
TImI nur als Staubregen beaeiohnet werden konnte. In 
Folge dessen ist grobe Trockenheit der Luft vorherrschend 
geblieben^ welobe, bei fast durchweg heftigem Winde, der 
Vegetation eben nicht gunstig gewesen ist Im Anschlüsse 
Wenm blieb auch die Temperatpr der I^uft in sofern ab*' 
wechselnd merklich anrüek, aia eich nur um die Mittage- 
seit und namentlich awiscbeadem 17. nnd 18. ein höherer 
Thermometerstand wahmebmen lieb; sQ9i Tbeilanch wohl 
die in einiger Entfernung von hier stattgehabten Gewitter 
inoht ohne Einflnsa geblieben sind* Am 1., 4., 5., 7., 8., 
▼•m 11. bia 16., 18. nnd vom 27. bis 31. war Westwind, 
am Z, 3«, 6«, 9., 10., 17.« vom 20. bis 24. Ostwind, am 
lA., 25m 26. Nordwind vorbevrschend. 

Das Tberniometer vaiürte am 16. nnd 20. am stfirk- 
sieii nnd schwankte Morgens um 6 Uhr «wischen + 13,6 
am 18. und + 3,4* R. am 20., Mittag» nm 2 Uhr innachen 
-|-2d,9 am 18. und + 10,1* B. am 1. und 10. nnd Abende 
am 10 \Ar swiaehen +16,7 am 17. und +5,9«B. am 
1. Deaaen mittlerer Stand betrug um dieselbe Zeit: Mor- 
gens + 8,0, Mittags + 14,6 nnd Abends + 10,1 • B. ; eben 
eo die Differenz: Moigens 10,2, Mittags 12,9 und Abends 
10^* B. Die dorchschnittUche Differena gegen den vori- 
gen Monat beirfigt +3,8* B. Der gleiobm&Taig höchste 
Thermometerstand wurde am 17. und 18., der gleichmfts- 
sig niedrigste dagegen am 1. wahrgenommen. 

Das Barometer variirte nicht aufKllig und schwankte 
fiberbaupt awischen 340,32'" am 9. und 332,17"' am 24. 



Dessen mittlerer Stand betrug: Morgens um 6 Ubr 336,17'\ 
Mittags am 3 Uhr 335,82'" und Abends nm 10 Uhr 835,89'"; 
die Differenz 8,15'". Barihelme. 

Im Mai blieben katarrhalische Krankheiten derBespi* 
rationsorgane und Bhenmatiamen vorherrschend. Fille von 
Diphtheritis waren immer noch siemlich h&ufig. Eine grofse 
Auabreitang aber gewannen die Varioloiden. Von andern 
Exanthemen waren Masern die h&ofigsten. Einder-Durcb- 
f&Ile und Bredhdurchf&Ue waren nicht selten. Mr. 

Bei den Haosthieren. eeigten sich, wohl in, Folge der 
mehrentheils rauhen Luft, Erkfiltungskrankheiten in beden* 
tender Anxahl. Dies war besondere bei den Pferden der 
Fall, bei denen Katarrhe, Brfione, Bronchitis, Druse, ka- 
tarrhalische Lungenentzündungen und Bhenmatismen bfinfig 
"Vorkamen. Auch die Influenza fand sich noch in mehre- 
ren Exemplaren ein. Am h&ufigsten traten aber Koliken 
in Folge von Erkältungen ein, — an einzelnen Tagen in 
2 bis 3 F&llen. Beine Oastridsmen kamen nur wenige vor. 
Mehrfältig entstanden Anfälle von Schwindel, Oehirnentznn- 
dongen und akute Oehirnwassersncht. In einem Falle war 
Starrkrampf entstanden. Auffällig erschien bei der. sehr 
trockenen Witterung das Vorkommen der Mauke bei meh- 
reren Pferden. MehrflBltig fiand sieb auch Bot« und Wurm. 
— Bei dem Bindvieh kam in der ganzen Umgegend- von 
Berlin die Maul- und Klauenaeucbe vor. — Unter den Hun- 
den herrschte die Staupe; auch waren Bhenmatismen sehr 
häufig. Die Wnthkrankheit ist nach 9 Jahren zum BesCen 
Male plötzlich wieder erschienen, und ohne dass in der Um- 
gegend eine Spur von ihr bekannt ist. Am 11« Mai wor-« 
den zwei tolle Hunde fast zu gleicher Zeit, und am 28« 
Mai ein dritter Hund in die Tbierarzneiscbnie gebracht; ein 
vierter, der am 11. Mai von einem jener beiden Hunde ge- 
bissen worden war, verfiel am 3, Juni in dieselbe Kriuik- 
heit. HeHwig. 

Tftgesereignittse ud uderweite JSittliMliiiigeB^ 

— Nachweisung der Charite-K ranken im MoiuU 
Mai 1863: 

Mfiniier Weiber Knab. Mdeh. Summa 
Bestand am 30. April 808 506 13 6 1S33 

Zugang im Mai 614 402 29 23 1068 



Summa 1422 


908 


42 


29' 


1401 


Entlassen. ... 659 
Gestorben ... 65 


375 
36 


21 

8 


20 
4 


107& 
113 


Bestand am 31. Mai 698 


437 


13 


9 


1213 



Unter den Todten sind todtgeboren 4 

— Vom 25. bis 31. Mai starben in Berlin an Durch- 
fällen und Brecbdurchf&Uea 30 Kinderw Inderseiben 
Zeit starben auch 2 Erwachsene an Brechdurchfall.' 

— Vom 1. bis 9. Juni starben 19 Kinder an Dor ch- 
ffiUen nnd Brechdurchfillen. 



191 



«-* WooheBVeriobt dor hie8%««i dtfrarCUebeii Bünm* 
kenhAoser: 

Beai«Dä Wöobl. Wöohl. Meranter Baatand 
30. Mai Zugang Abgang Todesfölle 6. Juni 

Bethanien .... 237 61 50 8 248 

Hedwigs -Erankenh. 220 66 61 5 225 

Elisabeth -Krankenb. 78 6 9 1 75 

Jüdisches Krankenb. 38 4 6 2 36 



dani Charit^ • 



573 137 126 
. 1204 



.16 



584 
1237 



1777 1821 

h) Beihauien waren Lnngenentsündungen vorherrschend. 

Literatar« 

Das Sool- und Seebad Colberg in der Saison des 
Jahres 1862. Nebst einer Zusammenstellung und 
Berichtigung der Irrthumer, deren man bei den Aerz- 
ten in Betreff der hieeigen Bfider begegnet, vom Dr. 
Hirschfeld. Colberg 1863. Post'sche Buch- 
drnckerei. 

Der Herr Verfasser dieser Badeaobrift legt unter den 
Colberger Kurmitteln aebeya den SooU und Seebädern auch 
ddn dortigen Korhrnonen eine vormgsweise Wirkung zur 
Regnlirang der vegetativen VeniobtungeD bei. Wo es dar« 
auf aat—swl» eftwaa so. sertbeilen oder DnterleibsstockiiD- 
geA sn Ideen, da empfiehlt er den 'Manderfeldbronnen, der 
mil flieinam'6ehalt von 68 Qraa Chlorsalaen pro Pimd dem 
KreuaolMdier fiUsenbnunieD, dem £issioger Bakozj und der 
Hombasger Elisabetfaqoelle am nfichsten steht; wo gleich- 
seitig Aüfimie stattfindet, den Salinenstahlbrunnen, welcher 
neben 77 Oran Chlorsalsen fast ^ Oran kohlensaures und 
Chloreisen pro Pfund ei^tMilt» Wo die auflosende Wirkung 
des Munderfeldbmnnens nicht ausreichte, werden neben dem- 
selben noch einige GlSser Colberger Bitterbrunnen gebraucht, 
welcher gleich dem FrieddabshaUer neben 80 Gr^^n Chlor- 
salzen ungefähr anderthalb Drachmen Bittersalze pro Pfund 
enthält und ähnlich jenem durch kunstliche Vermischung ge- 
wonnen wird. Die beiden erstgenannten Brunnen werden 
selbst von dem empfindlichsten Magen gut vertragen und 
bewirken bei einer Quantität von l-^H Pfund zwei- bis 
dreimaligen Stuhlgang. — Nach Besprechung der im vori- 
gen Jahre bei Nervenkranken, Skrofulösen, Gelähmten etc. 
stattgehabten Erfolge, wobei nicht verhehlt wird, dass man- 
che Kranke, namentlich solche die an bedeutenden Unterleibs- 
leiden, Magenkatarrhen und Leberanschoppungen litten, bes- 
ser gethan hätten, andere Kurorte aufzusuchen, stellt der 
Herr Verf. schlieislich die irrigen Voraussetzungen zusam- 
men, die über die Sool- und Seebäder und speciell über 
Colberg noch häufig verbreitet sind. Z. B. die Ansicht, 
dass Soolbäder aufregen und dass man die Kur mit ver- 
dünnten Bädern beginnen müsse j die Axmahme, dass Col- 



berg an Stärke viel bin^ Kreuznach zoräckslebe; die An- 
sicht, dass Sool- und Seebäder, waHne und halte Bädei* sa 
sehr gegen kontrastiren, mn sie kwz nadi einander aDW«n-' 
den zu durfon; ferner die Furcht vor der nacbtheiligen Wir^ 
knng lang protrahirter Bäder und vor der UebersitUgung^ 
durch zu lange Kurdaoer; die Meinung, dass fSr Schwaa«* 
gere Seebäder kontraindieivt sind, und endUeh aoefa den 
Zweifel an dem Vorbandeneem des ndtAngen Gomforts Ar 
die Colberger Badegäste. Mr. 

Archiv fSr Balneologie, herausgegeben von Profee«- 
sor Dr. Lö sehn er und Holrath Dr. Spengleiw 
IL Bd. 1. Heft Neuwied bei J. £L Heaser 1863. 

Von grOfeeren Arbeiten finden sieh In diesem Hefts 
ein Aufsatz des Medieinal-Baths Dr. Richter zu Alexisbad 
über die Art der Wirkung der Bisenmittel in ehlorotiseben 
und anämischen Kraokheitsfbrmen, imd ein Baineologisoher 
Bericht über die 37ste Versanmkmg der Naturforscher und 
Aerste sn Karlsbad im September 1862 von Hofrath Dr, 
Spengler. 

Medidnal • Rath Rieliter veHrirft die bisher übliche 
humeridpathologische Erklärung der guten Erfolge der t&^ 
senmittel in dilorotiselMfn Krankheitsformen, dass der man- 
gelhafte Misohungssusland des Mutes durch kunstlieh von 
aulsen* zugefQbrtes Eisen, als Bildungsmaterial för die fsf^ 
bigen Blutsellen, verbessert werde, und ist durch Vi rchoVs 
OelhilM>pathologie zu der Ansicht geleitet worden, dass das 
Eisen durch eine Veränderung, welche es in der Vitalität 
gewisser fe^tSt oi^;»niscber Theile veranlasst, schliefslich 
auch einen Impuls zur Heilitttg der Ohiorose abgebe. Vir« 
chow's Beobachtungen fiber die Wirkungen des Kali uttd 
Natron auf das Flimmerepithel deuten ihm den Weg an, 
der zu gehen ist, um zur richtigen Deutung zu gelangen. 
Wenn es wahr sei, was Spengler fiber die Emser Quel- 
len, die als den hauptsächlichsten Paktor ihrer Wirksam- 
keit das Natron haben, beobachtet hat, dass sie nämlich 
ihre gute Wirkung in v^rsdhlededen, för d}rskraBisch gehal« 
tenen Krankheitsniständen dem Umstände verdsaken, dass 
sie das FUmmerepithel auf der Respirafions- und Sezual- 
schleimhaut sur Reoi|;anisstion und zur normalen VitaM- 
tätsäufserung surfickfÜhren, so sei schon hier durch direkte 
Beobachtung ein Beispiel gegeben, wonach die lange nur 
im Sinn der bümoralpaChologischen Ansichten erklärte gute 
Wnknng dieser Quellen sich als eise nur sehr lokale , auf 
feste Theile bezugiicbe darstellte und in der Regelung and 
Erhebung der Vitalität des Plimmereplthels ihre Deutung 
fände. R. soeht nun in dieser Arbeit nachzoweisen, dass 
es bei der Wirkung des Eisens sowohl in den chlorotischen 
wie anderweiten Krankheitsformen nicht auf die direkte 
Ueberfährung des Eisens in das Blut, mn dort sofort zur 
Bildung von farbigen Blutkugelcben verwendet zu werden, 
ankomme, denn dies geschehe in Wirklichkeit nicht, son* 



192 



d^m fieloiehr aitf d«D viliü«ii Seis, den 4m Bieea 9ein«r 
N»tiir naieh aof dM^ koolraktileii 4>rg»nia<ri)eii Grebilde, mit 
d^BOB es iSL Berfihroog kommt, ausübe« Hierdarch werde 
die stoffliche Reatanratioii, die BtihliefsUcb aoelx die Gre- 
aammtmiacbong des Blatte enreiobt uod ihm die BeBohai^ 
feabeit nimmt, welche ale das Weseo der Qhiorose betraob- 
tet wird) eingekitet and giaaiebevti Nor iadem die Eisen* 
priparate den Tonus der koötraktilen Oebilde, besonders 
der feiniten Gefäfse herstellen, entfalten sie ihre thearapeu- 
tische Wirkung, und nar in soweit sie dies tbun, geben sie 
gfinstige HeilresultHte. Mögen deshalb die Etitenearbönate 
immerhin leicbteir in das Blut «indringen nnd dfer im Blute 
physiologisch normal sieh findenden EisenverlHndung adfi- 
qq^r sein, so werden sie in cblorotisicheii Znst&nden doch 
nfeht im Stande sein, das so leisten, was die Eisensulpbate 
mid Eisenmuriate bei äofserliober Anwendung tberapeotisek 
bewiric^n, weil es eben anf ihr fängehen in das.. Blut gar 
olebt ankomme, sondern nur «nf den organischen Reis, den 
dia «stirkem Eisenpr j^rate entaehiedoBer nnd intensiver >anf 
die organische Faser ausüben. 

Der Verf. schliefet daraus, dass die Wirkungsweise der 
80^. stSrkern fiisenb&der nicht eingeschr&akter, sondehrn sehr 
viel amlsssen4er sei, als die der Eisens&aerlinge, weil die 
stirkern Salse in Sjankheitsformen wirksam sind; welche 
nur aus einer Erscblaffung der kontraktilen Paser hervor- 
geben, aber keine falsche Blatmiscbong aufweisen, z. B. 
Flnor albus, gegen welche die Eisencarbonate innerlidi stets 
vavgebens angewendet werden. 

Den balneologischen Bericht des HofratB Spengler, 
der auch als Separatabdruck im Bmshhaodel erschienen ist, 
haben wir bereits in der' letsten No. besprocheiL ilfr. 

Bad Oeyn hausen (Rehme) für Aerste und Laien 
von Dr. L. Lehmann, Königin Bruni^eni^rzt, Leip*' 
zig bei Wolfgang Gerhard 1863. 

Der Herr Yetf. bespriobt die aus Karerfolgen geschöpf- 
ten Indikationen, die Theorie der B&derwirkung überhaupt . 
und endlich die Lokalverbfiltnisse Oeynbaasens. Die bei* 
dein ersten Abschnitte geben einsig und allem den Arzt, 
der letzte den Laien an; wenn wir eine solche DualitAt ei- 
ner Badesohrift, wie fiberhaopt einer medicinischen Schrift, 
aach niemals billigen mögen, so wird glCkklicherweise der 
Werth des vorliegenden Büchleins für den Arzt doch da- 
durch nicht beeinträchtigt. Wir dürfen dasselbe vielmehr 
jedem Arzte emplehkn, da der Herr Verf., wie seine bis- 
herigen balneologischen Arbeiten hinreichend ergeben, zu 
de^penigsn Badefirsten gehört, welche die Gewohnheit und 
die Bef&hignng besitzen, die* Fortschritte der Physiologie 
nnd der Chemie für die Balaeologie zu verwerthen. 

Bei Besprechung der ans Enrerfolgen geschöpften In- 



dikationen interessireB besonders die AnsinhtBn und Brfeh- 
rnngen des Verfassers, welche ihm eigenthumlioh und oft 
von den herkömmlichen Ansichten abweichend sind, und 
deren wir beispielsweise Einige hier folgen lassen: 

„Es ist ein ziemlich allgemein verbreiteter Irrthum, dass 
Schwangerschaft den Gebrauch des Soolbades, und na- 
mentlich das hiesige, kontraindicire.^ 

Ferner mit Bezug actf die er et bische Form der Skro- 
feln, welche gewöhnlich für Eontraindikation des dortigen 
Bades gehalten wird: „Es ist alljfihrlich zu konstatiren, 
dass die zartesten Kinder mit weifsem Teint nnd durch- 
scheinenden Venen, mit rosigem Anfing der Wangen und 
lebhaftem Pulsschlag, gracilem Wuchs und Fettmangel hier 
höchst glfickliche Veränderung ihrer Ernährung nnd der vei^ 
schiedensten lokalen Erkrankungen finden.^ 

Rücksichts der Karies: „ich bemerke hier, dass selbst 
diejenigen Ffille, bei denen* bereits pyfimische Erscheinun- 
gen nnd hektisches Fieber eingetreten sind, nicht selten 
noch einen unglaablicben Erfolg davon trugen. Ja ich bin 
in Uebereinstimmung mit den hiesigen Aerzten der wohlbe- 
gründeten Ansicht, dass Zehrfieber bei Eiterungen wnnder» 
bar unter dem Gebrsocbe des Bades schWiodet, wenn auch 
in manchen F&Hennnr gaos allmiltg.'' o. s. w. 

In dem Sw^en, die Theorie der B&devwirk»ag betref- 
fenden Abschnitte wird- vocsBgsweise die Frage fiber die 
Darohgftng^keit dier Haut für die im Bade elithMiCMa Sub- 
stanzen erörtert, die Trinkkur der Oeynlumser Quelle be- 
sonders empfohlen and ihre Heilkraft dem Gehalte an Brom, 
Jod, Eisen, Mangan, Lithium und Arsenik aogosofarieben. 



Anzeigen. 



Ophtfaalmologisehe Beitrage 

von 
Dr. R. Fdrstor/ 

Privatdocenten an ^er Uniyerait£t zu Bx;eslan- 
Mit HoUschnitteiü unß Z Enpfert^jfeln. 
,1 Thaler. 

Imhalti I« metensorpliopsle, ein Symp^m pitrtiel- 
1er Schrumpfung der Retina. 
11» nill&ropsle. 
111. CHorloldeiei« «reolMrls« 



Feriag von Th. Ohr. Fr. Enslin (Adolph Enslia) in Berlin. — Gedruckt bei A W. Schade in Berlin, Stsllschreiborstr. 47. 



Nene Folge. 
VI. Jahrgang. 



PREÜSSISCHE 



DIete Zeltang erseh^lnt wSehwtUeb. 

Der PrtiB det gui«n Jahrgangs, w«leh«r 

Dicht getrennt wird, itt 3 Tfalr. 20 8gr. 



MEDICINAL -ZEITUNG. 

Herausgegeben von dem Verein für Heükimde in Preussen 

unter Benntznng amtlicher Mittheilnngeii des K5nigl. ■inisterinms der geistlichen, Dnterrichts- 
nnd Hedicinal-AngelegeBheiteB nid der Königl. Proviniai-Behörden. 

Redacteor: E. Müller, Geh. Medicinal-Bath etc. 



1863. 




24. Juni. 



Inhalt. Amtlicher Theil; PersoDalien; Verfügung. — Das tjpose Typhoid im Yei^iftong« - Prooess ; Ton Biümlein. (ForU 
setzoDg.) — Tagesereignisse und anderweite Mittheilungen. — Anzeigen. 



Amtlicher TheiL 

Personalien« 

Avsseicfannngen. 

Se. Majest&t der König haben allergnfidigst geruht, 
dem Geheimen Sanitfitsrath und Oberarzt des Burger-Hos- 
pitaU zn G5ln Dr. Nuckel den Rothen Adler-Orden vier- 
ter Ellasse, sowie 

dem au fserord entlichen Professor an der hiesigen Egl. 
Unirersitfit Dr. A. v. Gräfe den Charakter als Geheimer 
Hedicinalratb nnd 

den praktischen Aerzten Dr. Moritz Meyer nnd Dr. 
Ho fm ei er in Berlin den Charakter als Sanitfitsrath zu 
▼erleihen. 

Anatellong. 
Der Thierarzt erster Klasse Riedel ist zum Kreis- 
Tbierarzt im Kreise Neisse ernannt worden. 

Hiederlasflimgen. 

Der praktische Arzt Dr. C. J. Schfifer bat sich in 
Siegborg nnd der Thierarzt erster Klasse Thieme in Nauen 
niedergelassen. 

Der praktische Arzt Dr. L. A. Besser ist von Berlin 
nach Siegbnrg, Dr. Ohm von Zanow nach Krojanke, Dr. 
«Jordan von Brxleben nach Grofsbodungen, Dr. Sander 
von Siegburg nach Barmen, Dr. Braus von Coln nach 
Aachen, Dr. Sack von Brühl nach Coln, Dr. Denbel von 



Burg nach Barmen, Dr. Hoelzer von Freibnrg a.W. nach 
EUrich, Dr. Roberz von Grofsbnllesheim nach Rheinbach, 
Dr. Ob er i er von Bonn nach Siegbnrg, Dr. Legrand von 
Dusseldorf nach Duisburg, der Wundarzt zweiter Klasse 
Prinzing von Finken walde nach Berlin and der Wund» 
arzt zweiter Klasse BSszermöny von Reinerz noch Nea- 
Altmannsdorf gezogen. 

Apotheken-Angelegenheit. 
Der Apotheker Wölke hat die Szitnick'sche Apo- 
theke in Arys gekauft. 

Todesfiall. 

Der Kreis-Physikns Geh. Sanitätsrath Dr. Prieger in 
Creuznach ist gestorben. 

Offene Hedidnal-Stelle. 

Die Kreis -Physikats- Stelle des Kreises Creozoach» 
Reg.-Bezirk Coblenz, ist erledigt. 



Verfügung. 

Der Königl. Regierung übersende ich hierbei ein Bz- 
emplar der zweiten Aasgabe des von dem vortragenden 
Rath in meinem Ministerium, Geheimen Ober-Medicinalrath 
Dr. Hörn, im Verlag der Aag. Hirsc4iwald'8chen Boch-- 
handlung hierselbst herausgegebenen Werks: 

„Das Preafsiscbe Medicinalwesen^ IL Theile 
zor Aa(|^ahme in die Bibliothek des Collegiams. 



194 



Da das Werk auf amtlichen Qaellen beniht und go- 
ivohl wegen seiner ZoTerlässigkeit ond Votlst&ndigkeity als 
aoch wegen der sweckmifsigen Anordnang des Inhalts nach 
Materien 211m Oebraaofa f&r die Medicinal-Beamten vorzug- 
lich geeignet und in der «weiten Ausgabe, deren Inhalt bis 
aaf die neueste Zeit sich erstreckt, wesentlich vervollstän- 
digt ist, so veranlasse ich die Eonigl. Regierung, auch die 
sweite Ausgabe den Medicinal-Beamten und Medicinal-Per- 
sonen durch die Amtsblätter in angemessener Weise zur 
Anschaffung zu empfehlen. 

Zugleich veranlasse ich die Eonigl. Regierung, in Ih- 
ren Berichten die in Bezug genonimenen VerfSgungen künf- 



tighin unter Bezeichnung der betreffenden Stelle dieser swei- 
ten Ausgabe des Werks zu allegiren. 

Das Inventarisations - Attest über die Aufnahme des 
Werks in die Bibliothek der KBnigl. Regierung ist an die 
Generalkasse meines Ministeriums einzusenden. 
' Berlin, den 20. Mai 1863. 

Der Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medicinal- 
Angelegenheiten. 

(gez.) o. Mühkr. 
An 
sfimmtliche Eonigl. Regierungen und 
das EgI. Polizei-PrSsidium hierselbst 



Das typose Typhoid im Vergiftungs-Process. 

Von Dr. BlÜmleilL in Grefrath. 
(Fortsetzung.) 

Ohne die Detailirnng des ferneren Erankheitsverlanfs 
dieser 3 Patienten weiter ausfuhren zu wollen, indem ich 
Ober die genetische, morphologische und therapeutische Seite 
dieser Erkrankung nachträglich einige Mittheilungen im All- 
gemeinen anzuknüpfen gedenke, bemerke ich hier noch, dass 
der Mann unter dem Gebrauche des Natr. acet mit Cbini- 
num sulph. und Tinct» opii simpl., welche letztere jedoch 
bald weggelassen werden konnte, da die Stuhle normal 
wurden, rasch der Genesung zugeführt wurde, wohingegen 
bei der Frau und Tochter das Intermittens-Typhoid mit re- 
mittirendem Fiebercharakter sich entwickelte, wovon beide 
sich nur langsam erholten. Die Tochter hatte am meisten 
gelitten, so dass ihr allm&lig alles Eopfhaar ausfiel. Es 
hatte somit in den hier vorliegenden Ffillen, wenn auch 
nicht im strafrechtlichen Sinne, welcher den Vorsatz als 
Frftmisse hat, so doch im wissenschaftlichen eine Intoxika- 
tion stattgefunden und zwar durch die Malaria^ welche die 
atmosphärische Constitution der hiesigen Gegend zu einer 
stationär miasmatischen stempelt und die Insassen in die 
Fieber - Opportunität versetzt, weshalb es nur des Hinzu- 
kommens der Causa occasionalis zu der Causa proxima be- 
durfte, um ein tjposes Erkranken als Produkt hervorzuru- 
fen. Das vermittelnde Moment, die Indigestion, war bei 
allen 8 Personen ein gemeinschaftliches, und wegen der bei 
ihnen vorhandenen prädisponirenden Constitution auch ein 
gleichzeitig wirkendes gewesen. Diesem günstigen Zusam- 
mentreffen der cansalen Factoren muss das gemeinschaftli- 
ebe und gleichzeitige Resultat, der typose Process, zuge- 
schrieben werden, 'wohingegen das sturmische Auftreten 
desselben theils in der Individualität der Befallenen, theils 
in der Intensität des Malariagiftes einzig seinen Grund ha- 
ben konnte« Und gerade dieser Umstand, da ihm irrthum- 
lich eine bestimmte schädliche Potenz unterstellt wurde, 



war es, aus welchem das täuschende Bild einer Vergiftung 
durch einen palpablen Giftstoff hervorging. Wären die 3 
Personen wenn auch in demselben Hause und mit densel- 
ben Symptomen wie oben, jedoch successiv erkrankt, und 
hätten sie jene Unterstellung auf sich beruhen lassen, so 
würde solches die Täuschung nicht erregt haben, indem 
dieses Vorkommniss namentlich in den letzten Jahren in 
hiesiger Gegend kein seltenes mehr ist, ja schon als an 
epidemisches erkannt wurde. Die causalen Verhältnisse die- 
ser jetzt häufiger als früher zur Beobachtung gekommenen 
Erankheitsform mochten aus folgendem Nachtrage einiger» 
maisen wohl ereichtlich und erklärbar sein. — 



Ein Beitrag zur Beleuchtung der physischen Beschaf- 
fenheit einer Gegend findet immer seine Rechtferügung in 
dem grofsen Geheimniss der auf die Salubrität mächtig wir- 
kenden Naturkräfte. Wir anerkennen diese ans ihren Pro- 
dukten^ ohne ihre dynamische Wechselwirkung mit dem Or- 
ganismus ergrflnden und über ihre Existenz einen mehr als 
hypothetischen Beweis liefern zu können; denn die Natur 
ist und bleibt das Buch mit den sieben Siegeln, dessen Tex- 
tessinn selbst den tiefgehenden Forschern räthaelbaft blei- 
ben wird. Nichtsdestoweniger ist es die Pflicht des Arztes 
die aus dem physischen Elima stammenden Krankheitsur- 
sachen zu recherchiren und ihre Beziehung sn der organi* 
sehen Welt zu würdigen. Von diesem Gesichtspunkte aus 
mochte ich auch meinem Wirkungskreise die gebohrende 
Aufmerksamkeit zuwenden und einige seit Jahren gemachte 
Beobachtungen mittheilen. 

Umkreise ich um meinen Wohnort einen Flachenranm 
von einer Meile, so habe ich ein Terrain, welches theils im 
Ereise Eempen mit seiner südöstlichen, theils im Kreise 
Geldern mit seiner nordwestlichen Seite gelegen , mir auf 
Grund einer vieljährigen ärztlichen Praxis hinsichtlich des 
Einflusses seines physischen Elimas auf die Morhilit&ta- und 
Mortalitäts -Verhältnisse seiner Bewohner wohl hinl&ngUch 



196 



bekannt «ein durfte 9 am ein einigermafsen befnedigendes 
Urtbeil hierüber mir zamuthen zo können. 

Dieses Terrain liegt anter dem 51sten Grade nördli- 
cher Breite and dem 248ten Grade östlicher Länge, zwi- 
schen dem linken Rhein- und dem rechten Maasnfer, ond 
gehört demnach zu dem Deltalande dieser beiden grofsen 
Flosse, obergehend in die Senkung des letzteren Flusses 
bis zur Entfernung von 800 rhein. Ruthen von demselben. 
A priori Ifisst sich hieraus schon auf seine allgemeine phy- 
sische Beschaffenheit, die der Niederungen nämlich, schlies- 
sen. Es bildet im Ganzen eine ebene Fl&che, welche auf 
der Südwestseite nur von einer einzigen von Süden nach 
Norden verlaufenden Hugelreihe mit mäfsiger Steigerang, 
bis zur durchschnittlichen Höhe von 100 Fufs, und abwech- 
selnder, viele bewohnte Thäler einschliefsender Breite un- 
terbrochen wird. Diese Hügelreihe, gegen 1800 preufsi- 
sche Morgen umfassend, befindet sich jetzt in Händen von 
Privaten and wird gröfstentheils zu Ackerland and ein klei- 
ner Theil zar Eiesgewinnung benatzt; ihre südliche Hälfte 
gtegen 1600 preufs« Morgen betragend, war zo einem gros- 
sen Theile bis zam Jahre 1855 Gemeinde-Eigenthom, gänz- 
lich steril ond nur mit niedrigem Gestrüpp und Heidekraut 
besetzt; um diese Zeit verkauft wurden mehrere hundert 
Morgen ausgerodet, der kleinere Rest, mit einer kanm be- 
merkbaren Erdkrume bedeckt, blieb für die Eiesgewin- 
nung liegen. Die Erdkruste selbst als Obergrund ist gröfs- 
tentheils aus Sand und Lehm in verschiedener Mischung 
and Tiefe formirt, der Untergrund bildet allemal ein san- 
diges Eiesstratum. Im Uebrigen wird die flache Ebene 
wohl in zwei Hälften können unterschieden werden, von 
welchen annähernd die eine auf Ackerland, die andere aaf 
Wiesen, Brüche, Haide, Samp£ß ond Holzung fällt. Der 
Ackerboden enthält durchschnittlich meistens Sand und 
Lehm, im Untergrunde je tiefer desto mehr kleiartige Sand- 
mischong. Die Mischung der Bestandtheile ist hinsichtlich 
der Productionskraft des Obergrundes durcbgehends eine 
gunstige, obsohon nicht zu verkennen, dass auch auf weite 
Strecken hin der Sand prävalirt, welcher in der Nähe der 
Wiesen und Brüche sogar torf- und moorartig wird. Die- 
ses Mischungs-Verhältniss bedingt dort einen schweren 
frachtbaren Boden, hier einen leichten, mageren, und setzt 
jenen in den Stand Wasser, Eohlensäure und Ammoniak 
aos der Luft zu absorbiren, die dem Wachsthume und dem 
Bedecktbleiben der Wurzeln nothwendige Consistenz zu be- 
wahren so wie die Nährstoffe der Pflanzen zo binden; da- 
gegen treffen die Gegensätze hiervon diesen. Eine extreme 
Witterangs-Beschaffenheit ist bei beiden Bodenarten an der 
sacbtheiligen Wirkung bald erkennbar. Lange anhaltende 
N£6se, reicl^iche Meteorwässer sättigen den im Untergrande 
kleihaltigen, schweren Obergrund, sowie lange Dürre den 
leichten sandigen Boden bald austrocknet und der Vegeta- 
tion allen Nahruogsstoff entzieht. Die amfangreicben Wie- 



sen und Bruche, theilweise in unmittelbarer Nähe der Be- 
wohner, haben eine geringe Abdachung von Süden nach 
Nordep und ei|^ oft grell wechselnde Bodenart, Tor^ 
Moore mit sandigem Elei, San4 mit schwacher Lehmmi- 
schung, und sind fast überall mehr oder weniger eisenozjd- 
haltig und theilweise undurchlässig. Da wo Torfboden vor- 
herrschend ist, wie namentlich auf der Westseite, wurden 
vor vielen Jahren weite Strecken zur Gewinnung von Brenn- 
material ausgetorft und dadurch der Grund zu kleinen Seen, 
grofsen Teichen und stagnirenden Wässern gelegt, welche 
durch Anwuchs von Schilf und Rohr mit der Zeit gröfsten- 
theils in Sümpfe ohne Abflufs umgeschafft wurden. Neben 
diesen durch die Nothwendigkeit entstandenen Sümpfen er- 
strecken die sumpfigen Niederungen sich in zwei Hanpt- 
richtungen von Süden nach Norden, jede ein aneinander- 
hängendes Terrain bildend, von welchen die eine an der 
westlichen Grenze, dem Nettflnsse angehörig, nördlich theils 
in eine grofse sumpfige sterile Haide, theils in das Niers- 
thal ausläuft, die andere an der östlichen Seite als Niers- 
niederung nach dem Ereise Geldern hin sich ausdehnt. Die 
Nett-Niedernng bildet in ihrer weitesten Ausdehnung einen 
Constanten Sumpf, indem ihr Niveau mehr oder weniger 
unter dem Wasserspiegel dieses Flusses steht, welcher aus- 
serdem noch einen änfserst schlangenformigen Verlauf hat, 
nur 15 Fufs breit und ohne sonderliche Vorfluth ist. Die 
Wiesen hierselbst sind selbstredend im Allgemeinen von 
schlechter Qualität, da nur wenige bei mittelmäfsiger Som- 
merwitterung hinlänglich trocken werden um eine üppige 
Vegetation aufkommen lassen zu können und eine Meliori- 
mng durch den Eostenpunkt abschreckt Nicht viel besser 
war das Niersthal vor dem Jahre 1856 situirt. Obschon 
seine Bodenqualität im Allgemeinen eine der Vegetation 
günstigere kann genannt werden, so war doch der Um- 
stand, dass die Fluthen des Niersflusses, welcher eine Breite 
von 42 Fufs, hier wenig Gefälle und nur eine Vorfluth an 
den Freigräben der Wassermühlen hatte, dass sogar seine 
gewöhnlichen Wassermassen sich beliebig in die Wiesen und 
Brücher ergiefsen konnten, und das auf diese Weise und 
durch atmosphärische Niederschläge angesammelte Wasser 
keinen hinreichenden Abfluss hatte, gewiss eine hinlängli- 
che Ursache eine Versumpfung des Niers- Terrains zu be- 
wirken. Diese Sumpfbildung war auf weite Strecken hin 
allerdings nur eine vorübergehende, indem bei guter Som- 
merwitterung der Wasserspiegel der Niers meistens anter 
der Fläche der Niederung stand und das Wasser dahin ab- 
sickern konnte, oder in imbibitionsfähigen Unterschichten 
sich verlor; allein auf vielleicht noch gröfsere Strecken hin 
fand diese günstige Terrainbildung nicht statt, ond das über 
die Fläche ergossene, häufig durch Regengüsse oder Schnee 
vermehrte Wasser wnrde nach der Sättigung des Obergrun- 
des von dem gröfstentheils undurchlässigen Untergrande 
nicht absorbirt, wodurch eine constante Sumpfbildung ge- 



196 



geben war. In Erwägnng dieser Physik and deren nach- 
tbeiligen Folgen für die Wiesenkultnr , hatte die Staatsbe- 
hörde alle Ursache im obigen Jahre für Ae Niersniederan- 
gen ein Meliorationsprojekt in Anregung and zar Dnrch- 
fQhrang zo bringen, dessen Hauptzweck darin bestand, tbeils 
durch allgemeine Scbatzanlagen die Fluthen der Niers von 
den Brüchen abzuhalten, tbeils durch Entwfisserungs- Anla- 
gen alles überflüssige Wasser ans dem Bruchterrain abzu- 
führen. Der Vortheil dieser über den ganzen Melidrations- 
Bezirk von 11800 Morgen sich erstreckenden Anlagen konnte 
nur ein allgemeiner und positiver sein, wohingegen die wei- 
tere Durchführung derselben, mittelst Stauschleusen auch 
eine beliebige Bewässerung des ganzen Wiesen-Terrains zu 
constitniren, hinsichtlich ihres Nutzens noch höchst proble- 
matisch sich erwiesen hat Die Yortheile, welche jene An- 
lagen in ökonomischer und Sanitfitshinsicht gewähren, wer- 
den nach den bisherigen Wahrnehmungen durch diese, we- 
nigstens im hiesigen Distrikte, theilweise beschränkt, theil- 
weise aufgehoben, ja schlagen sogar hin und wieder in das 
Gegentheil um. Diese Nachtheile haben ihren Grund darin : 
dass das Aufstauen des Wassers, welches planmäfsig im 
Frühjahre und Herbste das Wasser wiederholt je 5 Tage 
lang im Mittel 6 Zoll hoch über die ganze Fläche, im Som- 
mer wenigstens einmal behufs einer Wurzelbefeuchtung bis 
zur Terrainhöhe stattfinden soll, bei der Ausführung aber 
nur wenig oder gar nicht zutrifft Bedenkt man hiernach, 
dass bei einer nur 6zölligen Aufstauung im Mittel ein gros- 
ser Theil der Ebene der ausgedehnten Staubassins gar nicht 
bewässert wird, ja eine Wurzelbefenchtung kaum möglich 
ist, so ist erklärlich, dass, wenn der erstere Zweck erreicht 
werden soll, auf grofsem Wiesencomplexe das Wasser fiirs- 
hoeb za stehen kommt, sonach künstlich eine Ueberschwem- 
mung mit ihren Folgen hervorgerufen werden muss, welche 
man durch die obigen Schutz- und Entwässerungs-Anlagen 
gerade verhindern wollte. Die seitherige Praxis hat dieses 
Resultat auch bestätigt Durch diese Bewässern ngsart ha- 
ben wir zu wiederholten Malen im Jahre in unserer näch- 
sten Nähe das schönste Bild eines vollständigen Sees vor 
uns, an dessen östliches Ufer in parallerer Richtung eine 
ganze Gemeinde von 2700 Einwohnern unmittelbar an- 
grenzt, von dessen westlichem Ufer andere Gemeinden mit 
einer bedeutend gröfseren Seelenzahl in nur ganz geringer 
Entfernung liegen; abgesehen von den kleinen Wohnplätzen 
and vielen Gehöften, welche aach diesseits mehr oder we- 
niger direkt sich anschliefsen. Erwägen wir nun, dass diese 
Ueberschwemmung nicht allemal im Herbste vor dem Fro- 
ste und im Frühjahre nach demselben, sonderni zum öfte- 
ren im Winter stattfand, wo mitunter plötzlich nach der 
offenen Witterung Frost eintrat, wie im verflossenen Win- 
ter, und dickes Eis statt Wasser die Wiesen lange Zeit be- 
deckte; femer .dass das hochstehende, den meistens undurch- 
lässigen Untergrund nicht flltrirende, ans seiner Qnelie Kälte 



eher als Düngkräfte mit sich bringende Gewässer den Bo- 
den anslaagt und eine gesättigte Lösung der Bodenbestaod- 
theile bei deip raschen Ablassen mit sich fortreifst; erwSgt 
man endlich, dass überhaupt durch öfters wiederholte wenn 
auch momentan^ Ueberschwemmungen Brüche nicht in Wie* 
sen umgeschafft werden, vielmehr die Sumpfbildnng hie^ 
durch begünstigt wird, so stellen diese Momente das allge- 
meine Urtheil der Interessenten, durch die Melioration, so 
weit sie die Bewässerung betrifft, in der Wiesencultnr quan- 
titativ und qualitativ verloren zu haben, hinlänglich als be- 
gründet dar. Der kundige Empiriker, auch ohne egoisti- 
sches Interesse, giebt sein gewiss maafsgebendes, kategori- 
sches Urtheil dahin ab: dass die zeitgemäfse Schutz- and 
Entwässerungs-Operation für die ganze Niersniederung eben . 
so vortheilhaft sein muss, als die Bewässerung resp. Ueber- 
schwemmung derselben mehr oder weniger nachtheilig ist, 
und letzteres namentlich für diejenigen vorzüglichen Wie- 
sen, welche bisheran die freie Ueberrieselung genossen. 
Sollte diese durch bewährte Oeconomen erfahrungsmäfsig 
bestätigte Ansicht auch Zweifler finden, woran es gewiss 
nicht fehlen wird, so werden doch die nachtheiligen Folgen 
jener Ueberschwemmungen in sanitätspolizeilicher Hinsieht 
nicht angezweifelt werden können. Pappenheim (Sani- 
tätspolizei Bd. 2. S. 164) sagt hierüber also: „die Ueber- 
schwemmungen (hiermit wird die Bewässerung durch Rüek- 
stane bis znr Höhe von 6 — 12 Zoll ond höher doch wohl 
identisch sein; d. Verf.) stellen im Freien Gberall, wo me 
Vegetationen treffen, auf längere oder kürzere Zeit die Ver- 
hältnisse des Sumpfes her, und sind der Hauptsache nach 
von diesem Gesichtspunkte in weiterer Folge als Schädlich- 
keit zu beurtheilen, welche das Wasser den Bmnnen oder 
den Verlauf unterirdischer Wasserläufe durch resp. einfa- 
ches Einlaufen oder durch Infiltration mit organischen Sub- 
stanzen oder Staub organischer Natur infieirt. Herbst- und 
Winterinundationen bedingen aus naheliegenden Ursachen 
eine gröfsere Noth als die des Frühlings- nnd Sommers; 
aber auch nach diesen habe ich schwere W^chselfieber ent- 
stehen sehen. ^ Nach diesem Ausspruche einer Antorität, 
welche ihre Schlüsse aus der praktischen Erfahrung genom- 
men, kann über die gesundheitswidrige Qualitfit des Trink- 
wassers der Adjacenten sowie deren Hausthiere nicht mehr 
gerechtet werden. In dieser Beziehung sagt derselbe Au- 
tor (1. c. S. 488): ,,das Snmpfwasser, welches eine ge8ä^ 
tigte Lösung von Bodensalzen darstellt und immer mehr 
oder weniger mit den Zersetzungsprodukten organischen 
Lebens imprägnirt ist, ist als Trinkwasser in mancher Be- 
ziehung anomal. Es verliert diese Anomalie nicht oder nur 
unvollständig, wenn es in Abwässerungsgräben oder in Bron- 
nen der Sumpfgegend absickert, und geniefsen aof diese 
Weise sowohl die Wesen, welche ihr Trink^easser direkt 
aus dem Sumpfe entnehmen, als auch diejenigen, welebe 
aus Brunnen trinken, die vom Sumpfe ihr Wasser benehea, 



197 



ein iD mannichfacber Weise ▼erooreioigCes Wasser.^ — Be- 
sitzen wir auch keine erschöpfende Eenntniss von der Qua- 
]itfic dieser Produkte organischen Ursprungs, so müssen wir 
doch unendlich viele in diesem Trinkwasser voraussetzen, 
denn dasselbe empffingt aus seinen Quellen, dem Sumpfe, 
die in Zersetzung begriffenen Stoffe von Pflanzen- und 
Thierleichen , welche, so lange sie von der Wasserfläche 
theilweise oder ganz verdeckt bleiben, unter dieser mittelst 
der wässrigen Lösung von Bodensalzen ihre Metamorphose 
durchmachen und dann ihre deletfire Beschaffenheit dem 
Schöpfwasser mittheilen. . Man sieht es diesem vom Moor- 
boden durch capiliares Aufsteigen in die Brunnen kommen- 
den und mit der Fluth gleichmäfsig steigenden Wasser an 
seiner grünlichen oder brSnnlichen Färbung an, dass es mit 
organischen Residuen imprägnirt ist, mögen diese suspen- 
dirt, molecular oder gelöst sein. Werden diese organischen 
Trümmer nach dem Abflüsse des Wassers der schutzenden 
Decke beraubt und somit der Oxydation durch den Sauer- 
stoff der^Luft und der Wärme ausgesetzt, so zerfallen als- 
bald ihre organischen Combinationen in binäre Znsammen- 
setzungen; es entwickelt sich in ihnen ein Fermentations- 
oder Fäulnissprocess, dessen Produkte eine Menge Gase 
darstellen, wie Kohlensäure, Stickgas, Kohlen-, Schwefel- 
nnd Phosphorwasserstoffgas, welche in die Luft entweichen 
und den nächsten Schichten den vorhandenen aktiven Sauer- 
stoff entziehen, diese also oxjgen- ärmer machen. Nach 
Thouvenel ist in diesen Luftschichten die negative Elek- 
tricität vorherrschend, woraus, obschon die Ozonometrie 
mafsgebend noch nicht abgeschlossen hat, doch a priori auf 
eine Veränderung des Ozongehalts in ihnen sich sobliefsen 
lässt, indem das Ozon als positiv elektrischer Sauerstoff be- 
zeichnet wird. Aufserdem dass die Atmosphäre des sum- 
pfigen Terrains mit diesem specifischen Oase im Verhält- 
nisse der Windstille mehr oder weniger geschwängert ist, 
finden wir auch ihr hygrometrisches Verhalten constant von 
der Norm abweichend ; als feuchte mit dickem Nebel häufig 
überladene Ltift enthält sie eine gröfsere Menge tropfbarer 
Flüssigkeit, ist weniger elastisch und elektrisch und bedingt 
somit einen bedeutenderen Druck. Wohl selbstredend kann 
hingestellt werden, dass dieser physischen Beschaffenheit an 
Ort und Stelle auch eine specifische Vegetation entspricht 
Die Gräser, mit Ausnahme auf einzelnen gut gedüng- 
ten Distrikten, sind reich an Kieselsäure, arm an Protein 
Qnd Stärke. 

Die in Rede stehende Bewässerung durch Rückstau 
resp. wiederholte Ueberschwemmuog hat demnach eine ano- 
male Besshaffenheit des Trinkwassers und der Atmosphäre, 
des ersteren in einer unberechenbaren Bntfernnng, der letz- 
teren in einer von der jedesmaligen Windströmnng abhän- 
gigen Diffusion zur Folge und beeinträchtigt mehr oder we- 
niger die örtliche Vegetation durch Verminderung der Pflan- 
sennährstoffe. 



Ungefähr parallel mit diesen beiden grofsen Niederun- 
gen der Niers und der Nette, und fast in der Mitte zwischen 
beiden, verläuft. von Süden nach Norden ein 204 FuTs Breite 
und 10 Fufs Tiefe haltendes, weithin das beste Ackerland 
durchschneidendes, an sich wasserleeres Flussbett, der von 
Napoleon L 1806 als Verbindung des Rheins mit der 
Maas zum Ausbau decretirte und 1811 wiederum sistirte 
Nordkanal. Br wird hierorts theilweise zu Ackerland, 
theilweise zu Wiese und niedrigem Holzgewächs benutzt. 
Die ältesten Leute erzählen noch heute, dass die hiesige 
Gegend seit der Ausgrabung dieses Kanals ungesund ge- 
worden sei, und es hat diese Ansicht auch ihren hinläng- 
lichen physischen Grund. Gemäfs seiner Lage in einem an 
und für sich schon niedrigen, stellenweise aber wirklich 
sumpfigen, nichtsdestoweniger dicht bewohnten Terrain und 
aufserdem mit änfserst geringem Gefälle dient er als Re- 
servoir tbeils für die von der obenerwähnten Hügelkette 
zuströmenden, theils für die Meteorgewässer, welche hier, 
gleichsam in einer Gisterne, ohne allen Abfluss stagniren 
und in Fäulniss und Gährnng übergehen müssen. Diese 
Zersetzungsprocesse in den im Flufsbette sich vorfindenden 
organischen Resten verpesten die auf demselben lagernde 
Luftfliphicht um so mehr, als diese von den beiden seitlichen 
hohen Ufern eingeschlossen sich condensirt und ihre Diln- 
tion durch Windströme verhindert wird. 

Im Gegensatz zu der bisher abgehandelten grofsartigen 
Sumpfbildung stofsen wir in hiesiger Gegend auf eine Menge 
von kleineren Sümpfen, welche zwar in ganz anderer Form 
in die Erscheinung treten, hinsichtlich ihres physischen Ver- 
haltens jedoch ein vollständiges Analogon constituiren; ich 
meine die bei den meisten Gehöften oft in der nächsten 
Nähe der Wirthschaft vorhandenen Flachsröstegruben. In 
diesen, welche eigens dazu hergerichtet und meistens ohne 
allen Abfluss sind, wird mit Hülfe eines durch die Einwir- 
kung des stagnirenden schon fauligen Wassers der Grube 
und der Luftwärme auf die stickstoffhaltigen Substanzen 
der Leinpflanze eingeleiteten Gährungsprocesses die Bast- 
faser derselben von den übrigen Gebilden des Stengels ge- 
lockert und zur weiteren Verarbeitung vorbereitet. Das 
Wesen und wirksame Agens einer solchen Wasserrotte wird 
also durch den in ihr selbst thätigen Verwesungsact und 
somit ein Sumpf, zwar en miniature und künstlich, jedoch 
mit denselben Verwesungsprodukten eines natürlichen gros- 
sen Sumpfes dargestellt. Auch ihr entströmen die bekann- 
ten specifischen stinkenden Gase nach Sättigung ihres Men- 
strunms in die Luft und vergiften diese und das Wasser, 
nämlich die Kohlen-, Schwefel- und Phosphorwasserstoff- 
verbindungen, Ammoniak und Kohlensäure. Auf beiden 
Wegen also, durch das Trinken eines leicht möglicherweise 
zum Brunnen gelangten vergifteten Wassers und durch das 
Einathmen einer mit Fäulnissgasen geschwängerten Atmo- 
sphäre, finden die giftigen Agentien ihren Eingang in den 



198 



Organismas der an Ort and Steile lebenden Wesen, und 
lassen aach^urch das letztere Mediam die zufälligen Pas- 
santen nicht angefährdet vorSber gehen. Za dieser Kate- 
gorie von Sdmpfen gehören aach die Hofgräben, welche 
der Sicherheit wegen in verschiedener Breite und Tiefe die 
Gehöfte umgeben und vollständig amschliefsen, die noch an 
vielen Orten vorhandenen Stadt-, Dorf- und Brandgräben, 
die Weiher, welche sämmtlich meist ohne oder doch nar 
sehr geringen Abfluss den Detritus der Wirthschaften und 
Strafsenrinnen aufnehmen, den crepirten kleineren Haus- 
thieren häufig als Grab dienen und zur Sommerzeit theil- 
weise oder ganz austrocknen. Sie sind die wahren Brut- 
stätten und Quellen mephitischer Ausdünstungen und ge- 
fährden Hausbewohner und ganze Nachbarschaften, ja ge- 
hen fiber diese hinaus, wenn die Windströmung dazu gun* 
stig ist 

(Fortsetzung folgt.) 

Tagesereignisse nnd anderweite MittheilnngeD. 

— Wochenbericht der hiesigen öffentlichen Kran- 
kenhäuser: 

Bestand Wöchl. Wdchl. hiernnter Bestand 
6.Jani Zugang Abgang Tod^sföUe 13. Juni 

Bethanien .... 248 56 35 5 269 

Hedwigs -Krankenh. 225 52 57 13 220 

Elisabeth -Krankenh. 75 12 4 — 83 

Judisches Krankenh. 36 5 4 1 37 



dazu Charite • 



584 125 
1237 



100 



19 



609 
1244 



1821 1853 

In Bethanien waren Lungenentzündungen und Nerven- 
fieber und im Hedwigs • Krankenhause Lungenentzündung 
vorherrschend. 

— Vom 8. bis 14. Juni starben in Berlin 40 Kinder 
an Durchfällen und Brechdurchfällen. 

— Nach einem von den Herren Dr. Hartmann, 
Kreis-Physikus Dr. Keil, Prof. Dr. K rahm er und Dr. 
Delbrück an die Preufsischen Aerzte erlassenen Cirku- 
larscfareiben d. d. Naumburg und Halle den 20. April 1863 
steht nunmehr die Concessionirung des von den Ge- 
nannten gegründeten Pension s-Vereins für Aerzte be- 
vor und handelt es sich nur noch um den Nachweis von 
300 Beitritts - Erklärungen. Der dem Girkular beigefügte 
Tarif normirt für die Versicherung einer jährlichen Pension 
von 100 Thlrn.: 1) wenn der Beitrag in Einer Summe ge- 
zahlt wird, den Beitrag von 213 Thlr. für das Alter von 
30 Jahren steigend bis 354 Thlr. 15 Sgr. für das Alter 
von 53 Jahren und von da abnehmend bis 275 Thlr. für 
das Alter von 65 Jahren; 2) wenn die Zahlung in jährli- 
chen Terminen erfolgt, die Beiträge von 12 Thlr. 16 Sgr. 



9 Pf. für das Alter von 30 Jahren steigend bis 88 Thlr. 
1 Sgr. 9 Pf. für das Alter von 65 Jahren. 

Zum Grenuss der versicherten Pension gelangt jedes 
Mitglied, es mag invalide sein oder nicht, mit erreichtem 
70sten Lebensjahre, und aufserdem jedes Mitglied, welches 
in Folge eingetretener körperlicher oder geistiger Unfähig- 
keit zur Niederlegung der Praxis gezwungen ist. Wird ein 
Mitglied nach bereits erfolgter Pensionirnng wieder arbeits- 
fähig oder erwirbt es sich andauernd durch irgend welche 
Thätigkeit die Mittel zum nothwendigen Unterhalte, so kann 
die Auszahlung der Pensionen ganz oder theilweise suspen- 
dirt werden. 

Wir begrüfsen dies Unternehmen mit Freuden und 
wünschen von Herzen ihm die umfangreichste Betheiiigung! 
Doch möchten wir mit Bezug auf die Bestimmungen über 
die Berechtigung zum Pensionsgenuss wohl eine Aenderuog 
für wünschenswerth halten. Die Zahl der Aerzte, die vor 
erreichtem 70sten Lebensjahre wegen körperlicher oder gei- 
stiger UnfiÜiigkeit zur Niederleg ung ihrer Braxis ge- 
zwungen sind, ist glücklicherweise verhältni^smäüsig gering, 
aber leider grofs ist die Zahl derer, welche vor dem sieb- 
zigsten Jahre wegen Kränklichkeit ihre Praxis beschrän- 
ken müssen und dadurch in ihrem Erwerbe immer mehr 
zurückkommen. Allen diesen wird der Pensions -Verein 
nicht eher helfen, als bis sie die Praxis niederzulegen 
gezwungen sindl 

Wir verkennen nicht die grofse Schwierigkeit, eine 
Fassung des Statuts, die diesem Uebelstande abzuhelfen im 
Stande wäre, zu finden. Doch gelingt auch das vielleicht 
den Herren Kollegen, welche bisher keine Mühe gescheut 
haben, ihr segensreiches Unternehmen bis zu seinem g^en- 
wärtigen Standpunkt zu fördern! 

— Die Gesammtzahl der im Jahre 1862 beim Berg- 
werk sbetriebe in PrenCsen, soweit die Werke unter 
der Aufsicht der Bergbehörden stehen, verunglückten Ar- 
beiter betrug nach der Zeitschrift für Berg-, Hütten- und 
Salinen wesen: 

Auf Erzbergwerken ... 43 Arbeiter 

Auf Kohlen- und Erzberg- 
werken zusammen . . . 

bei andern Mineralgewinnun- 
gen . 



230 



im Ganzen beim Bergbau 237 Arbeiter 
Auf Aufbereitnngs-Anstalten .... 5 

Gesammtsumme 242 Arbeiter. 
Nach der von dem Berg-Assessor Dr. AUhaus ver- 
öfiPentlichten Zusammenstellung der statistischen Ergebnisse 
des PreuCsischen Bergwerks-, Hütten- und Salinenbetriebea 
von 1852 bis 1861 forderte der Betrieb sämmtlioher Berg- 
werke im Durchschnitt jener zehn Jahre jährlich 174 Opfw, 
nämlich beim Steinkohlen-Bergbau 120, beim Braonkohleo- 



199 



Bergbaa 18 and beim Eri-Bergbaa 36 oder beziebangsweiBe 
aof 1000 Arbeiter 1,811; 2,103; 1,896 ond 1,240. Setzt 
man die Gefährlichkeit der Bergwerke überhaupt = 100, 
80 verh&lt sich dieselbe hiernach bei der Gewinnung von 
Steinkohle, von Braunkohle und von Erzen = 116 : 105 : 
68,5. Mit andern Lfindem verglichen erscheint der Berg- 
bau Preufsens in einem günstigen Lichte, der Brittische 
Steinkohlen-Bergbau fordert mehr als die doppelte Zahl von 
Opfern. 

— Der höchst interessante Bericht, welchen Melier 
der Pariser Academie de M^decine über den Ausbruch des 
gelben Fiebers zu St. Nazaire in Frankreich erstattet 
bat, schliefst mit folgenden S&tzen: 

1) Es ist unstreitig das. gelbe Fieber, um das es sich 
bandelt. 2) Es ist dasselbe von der Havannah nach St. 
Nazaire eingeschleppt und ist nicht in dem letztern, einem 
neuen und ausgezeichnet gesunden Hafen entstanden. 3) We- 
der die Ladung noch die Mannschaft haben die Krankheit 
eingeschleppt, die Ladung ist unmittelbar nach der Eisen- 
bahn geschafft und hat keine Erkrankung veranlasst; die 
ausgeschiffte Mannschaft eben so wenig. Es i^ dies eine 
wichtige Thatsache, die mit vielen andern Beobachtungen 
fibereinstimmt. 4) Die ihrer Natur nach unbekannte Ursa- 
che, welche die Erkrankungen veranlasste, hatte ihren Sitz 
in dem Schiffe selbst und insbesondere in dem Kielräume 
und den untern Theilen; daraus erklärt sich warum die auf 
dem Meer begonnenen Erkrankungen hauptsächlich im Au- 
genblick des Loschens der Ladung zum Ausbruch kamen. 

5) Es bietet daher nicht die l&ngere oder kürzere Dauer 
der Quarantaine eine Sicherheit, sondern das sicherste Mit- 
tel ist, zunächst das Schiff zu isoliren, die Ladung mit al- 
lem Zubehör zu löschen und endlich das Schiff zu desin- 
ficiren. Die Mannschaft muss baden, Wäsche wechseln 
etc. und eine gewisse Zeit (einige Tage) an einem gesun- 
den und abgesonderten Orte unter Beobachtung bleiben« 

6) Durch die drei genannten Mittel, Absonderung, Löschung 
and Desinfection des Schiffes muss die Quarantaine ge- 
ändert werden; man wird dadurch Zeit sparen ohne die 
Kosten erheblich zu vermehren. 7) Der Epidemie von St 
Nazaire gleichen alle übrigen kleinen oder gröfsern Epide- 
mieen des gelben Fiebers in Europa, sie laufen alle wie 
die von St. Nazaire auf die Lehre von der Einschleppung 
hinaus. 8) Sie scheinen aufserdem auf die Lehre der Ver- 
breitung der Krankheit durch die Kranken hinauszulaufen, 
abgesehen von den örtlichen Einflüssen und Heerdeo, wel- 
che dabei mitwirken können, und es ist folglich das gelbe 
Fieber, dessen Ein scbleppung unzweifelhaft ist, auch in ge- 
wissem Maafse fähig, sich weiter zu verbreiten. 9) Aus 
diesem doppelten Gesichtspunkte der Möglichkeit der Ein- 
schleppung und der Weiterverbreituog geht die Notbweo- 
digkeit sanitätspolizeilicher Maafsregeln hervor. 10) Die 



Zunahme des Verkehrs mit Amerika und die Verbreitung 
des gelben Fiebers in Gegenden, die lange Zeit verschont 
waren, muss die Besorgniss vor dieser Krankheit steigern, 
und legt den Mitteln, die dieser vorbeugen sollen, um so 
mehr Gewicht bei. 11) Die Regierung muss daher für die 
Folge ihre Sorgfalt verdoppeln. 12) Sie hat zu dieseoi 
Zweck dieselben Sanitäts - Maafsregeln für den Ocean und 
das Mittelländische Meer vorgeschrieben, die Maafsregel dar 
Löschung der Schiffe und ihrer Desinfection angeordnet und 
die Lazarethe, die man schon für entbehrlich hielt, wieder 
hergestellt. 13) Sie beschäftige sich in Zeiten mit den Mit» 
teln, um der Infection der Schiffe möglichst vorzubeugen, 
sei es durch zweckmäfsige Aenderungen ihres Baues, oder 
durch Ueberwachuog der Ventilation und der Art der Ver- 
packung der Waaren, sowie durch Vorsichts - Maafsr^eln, 
die bei der Abfahrt und während der Fahrt zu nehmen 
sind. 14) St. Nazaire ist von der Regierung gesundheits- 
gemäfs eingerichtet worden und soll nun dort noch ein mit 
einem Bassin versehenes Lazareth angelegt werden, wel- 
ches der Rücksicht auf die Erhaltung der öffentlichen Ge- 
sundheit entspricht und alle Uebelstände vermeidet, welche 
mit Recht an den alten Lazarethen getadelt worden sind. 

— Garbo suberis gegen Dysenterie. Feldarat 
Policzky berichtet in der Wiener MedicinaMIalle von dem 
günstigen Erfolge dieses auf den Griechischen Schiffen ge- 
bräuchlichen Volksmittels. Kranke, welche täglich 10 bis 
20 Stuhlgänge hatten, bekamen den ersten Tag Morgens 
und Abends einen halben Esslöffel, den zweiten Tag einen, 
den dritten Tag anderthalb, den vierten Tag 2 Esslöffel 
von der gebrannten, pulverisirten Korkkohle, die in einer 
hinreichenden Quantität gewöhnlichen Wassers zu einem 
Brei angemacht wurde. Mit diesen 2 Esslöffeln wurde 2 
bis 3 Tage fortgefahren; zum Getränk Salep oder ftisches 
Wasser und als Nahrung volle Diät mit Ei gegeben. Bei 
denen, die in 24 Stunden über 30 Stuhlgänge hatten, wurde 
gleich mit einem Esslöffel dreimal täglich angefangen, täg- 
lich bis zum dritten Tage um einen halben Esslöffel ge- 
stiegen und 4 — 5 Tage uHt 2 Esslöffeln früh und Abends 
fortgefahren. 

Sowohl bei den leichteren, wie bei den hartnäckigen 
Fällen wurden die Stühle am 3ten oder 4ten Tage schmerz- 
los, seltener und fester und die leichteren Fälle waren am 
8ten oder 9ten, die schwereren am 12ten oder 13ten Tage 
als geheilt zu betrachten. Es starb Keiner. 

— Zur Verhütung des Kindbett fieber-Miasma in 
Gebäranstalten empfiehlt Breslau (Wiener med. Wochen- 
schrift), sowohl bei kranken, als bei gesunden Wöchnerin- 
nen in Gebäranstalten eine geraume Zeit hindurch beharr- 
lich, wenigstens zwei Mal täglich, die in die Unterlagen, 
Betten, Hemden u. s. w. ausgeflossenen Lochien mit Li- 



200 



qaor Kali hjpermaDganici eu desinficiren. Es ist dies 
eine ooncentrirte Lösnog voo etwa 2 Unzen krystaliisirtem 
Kali bypermanganicam in Einem Pfunde destillirten Was- 
sers. Mit organischen Substanzen in Berührung gebracht 
giebt diese Lösung schnell einen Theil ihres Sauerstoffs ab 
und erzeugt Ozydationsprodukte, die allerdings noch wenig 
bekannt sind. Jedenfalls aber wird die Fäulniss und G&b- 
rong unterbrochen und somit eine Oesinfection erzengt. 

— Die in der hiesigen Gharite angestellten Versuche 
mit Einreibungen von Peru-Balsam gegen Krätze ha- 
ben, wie wir hören, in jeder Beziehung das beste Resultat 
gegeben. 

— Vor einiger Zeit wurde von Geh. Rath Dr. Lan- 
gen b eck die Exstirpation eines Epithelial - Carcinoms an 
einem Manne aus der Provinz ausgeführt und dabei das 
angrenzende Muskelgewebe so eigenthnmlich gefunden, dass 
eine nähere Untersuchung desselben angestellt wurde. Es 
ergab sich, dass es von zahllosen abgestorbenen Trichi- 
nen in verkalkten Kapseln durchsetzt war. In anamnesti- 
scher Beziehung wurde nun ermittelt, dass im Jahre 1845 
in einer Stadt der Lausitz eine Kirchen- und Schulvisitar 
tion stattgefunden, an der acht Personen, worunter der Ope- 
rirte, Theil nahmen. Sieben derselben nahmen nach been- 
detem Geschäft ein Frühstück aus Schinken, Schlackwurst, 
Käse, Kalbsbraten und Weifswein ein. Der achte war ab- 
gerufen und trank später nur ein Glas Bothwein. Nach 
3 — 4 Tagen erkrankten sämmtliche sieben Theilnehmer 
des Frühstücks an heftigen Durchfällen, Schmerzen im Halse, 
Oedem des Gesichts und der Extremitäten; vier starben 
und die drei andern siechten lange Zeit. Wegen des Ver- 
dachts einer Vergiftung wurde eine gerichtliche Untersuchung 
eingeleitet, die jedoch ohne Resultat blieb; nichtsdestowe- 
niger blieb auf dem Wirthe der Verdacht der Giftmische- 
rei haften, er musste sein Geschäft aufgeben und nach Ame- 
rika auswandern. 

— Den Nasenpolypen eipes zehnjährigen Mädchens 
beseitigte Dr. Wilh. Stricker (Virch'ow's Archii^nrch 
Bepinseln mit Jodtinktur. Er pinselte alle 2 Tage und 
nach 4maligem Gebrauch wurde der etwa eine Erbse grofse 
Polyp im vertrockneten Zustande ausgeschneutzt. Der Na- 
senrucken blätterte sich dabei ebenso in trocknen Schuppen 
ab, wie dies bei der direkten Anwendung des Jodes ge- 
schieht 

— Die arthritiseben Ablagerungen an den Fin- 
gerspitzen einer 77jährigen Frau beseitigte Dr. W. Stricker 
(Virchow's Archiv) durch eine dem Weilbacher Na- 



tron -Li thion -Wasser ähnliche, jedoch stärkere Mischung, 
Die Weiibacber Quelle enthält nach R. Fresenius Ana- 
lyse in 16 Unzen nur pj|^ Gran Lithion; Dr. Stricker 
liefe dagegen in einer Mineralwasser-Fabrik 5 Gran Natr. 
bicarbon. und 2 Gran Lithion carbon. in 18 Unzen kohlen* 
säurehaltigem Wasser auflösen und Anfangs einen ganzen, 
dann einen halben Achtzehnunzenkrug täglich verbrauchen. 
Nach dem Verbrauch von 12 Krügen waren die Eonkre- 
mente vollständig verschwunden. 



Anzeigen. 



Ip der A. Förstner'flcbeD Verlagsbandlung (Arthur Felix) 
in Leipzig iat 00 eben erscbieoen und durch alle BucbhaodluD- 
geo XU bevieheo: 

Handbuch der speciellen praktischen Arznei- 
mittellehre. Zum Gebrauch für Studirende, prak- 
tische Aerzte, Physikats-Aerzte und Apotheker, so 
wie als Leitfaden fllr den akademischen Unterricht. 
Von Dr. Mich. B. Lessing, Königl. Preufs. Sa- 
nitätsrath in Berlin. Achte von Neuem gämlick um- 
gearbeitete und f>%elfach vermehrte Auflage, gr. 4. 
XVI u. 532 S. Broschirt 5J Thlr. 

Der seit länger als 25 Jahren in der Wissenschaft mit 
Achtung genannte Name des Herrn Verfassers wie die be- 
trächtliche Zahl der Auflagen machen bei vorliegendem 
Werke jede weitere Empfehlung unnöthig. In Betracht des 
darin behandelten Oegenstandes wird seine Brauchbarkeit 
in den Augen der ärztlichen Praktiker noch durch den Um- 
stand bedeutend gewinnen, dass der Herr Verf. nicht blos 
ein gelehrter Theoretiker, sondern ein vielbeschäftig- 
ter praktischer Arst ist Zugleich ist dnrch eine ge- 
schickte Behandlung des Drucks hier so viel Material in 
einem einzigen Bande enthalten wie sonst in drei starken 
Grofsoctavbänden. 



Bei Th. Chr. Fr. Enslin in Berlin ist erschienen: 

Ophthalmolo^ische Beiträge 

von 
Dr. R. Fdrstor, 

Privatdocenten an der Universität zu Breslaa. 

Mit Holzschnitten und 2 Eupfertafeln. 
1 Thaler. 

Inlialtt I« netemorphopsle, ein Sjmptom partiel- 
ler Schrumpfung der Retina. 

II« Mlkropsle« 

III. CItorioldeltis areolarls. 



Verlag von Th. Chr. Fr. Enslin (Adolph Enslin) in Berlin. — Gedruckt bei A, W. Schade in Berlin, Stallschreiberatr. 4T. 



Neae Folge. 
VI. Jahrgang. 



PREÜSSISCHE 



DU«« Zeltimg •rsobetait vftokt&tUdi« 

D«r Preis des gaaien Jahrgengt, weleher 

nloht getreastirird, Ist 8 Thlr. 20 8gr. 



MEDICINAL -ZEITUNG. 

Herausgegeben von dem Verein fOr Heilkunde in Preussen 

uter fiemitmig amtlicher littheiluigeii des KQnigi. ■misterimiu der geistUeken, Unterriehts- 
«nd ledicmai-Ängelegeidieiteii und der K9iiigl. Provinzial-BehQrden. 

Redaotenr: E. Mfiller, Geh. Mediomal-Bath etc. 



1863. 




26. 



1. JuU. 



LÜialt. AiDtlicher Theii*, Personalien. -^ Die Sterblichkeit der Kinder in Berlin wShrend der Jahre 1851 bis 1860 Ton 
£. Loewer. (Fortaeteong.) ~ Tageaereigniase und aaderweite Miitheilnngen. — Gebnrta- und 8terbe>Liate Ton Berlin Ar Monat 
Mai 1863. — Dystokie. — Literatur. — Anzeigen. 



Amtlicher Thefl« 

PerooDaliene 

Anstellimgeii. 

Der praktische Arzt Dr. Rosentbal ist zum Sjreis- 
Pbysikas des Kreises Rosenberg, Reg.-Bezirk Oppeln, ond 

der praktische Arzt Dr. Nickse zam Kreis- Wundarzt 
de« Kreises Neostettin ernannt worden. 

Miederlassiingeii. 
Der praktische Arzt Dr. Honert hat sich in Balve, 
Dr. Oreyen in Meinerzhagen und Dr. Bolle und Dr. 
Yelten in Aachen niedergelassen. 



Der Medicinal-Rath Dr. Snckow ist von Jena nach 
Breslau und Dr. Oreef von Elberfeld nach Bonn gezogen« 

Apotheken-Angeltgeiiheit 
Der Apotheker Szitnick hat die Stadie'sche Apo- 
theke in Gumbinnen gekauft. 

Todezfille. 
Der Sjreis-Phjsikus Dr. Rohowski in Bunzlan, Dr. 
Eckardt in Hohenmölsen und Dr. Thomae in Zahna 
sind gestorben. 

Offene Hedioinal-SteUe. 
Die Sjreis-Phjsikats-Stelle des Kreises Bunzlan, Reg«- 
Bezirk Liegnitz, ist erledigt. 



Die Sterblichkeit der Kinder in Berlin wfthrend der 
Jahre 1851-1860. 

Vom Stabsarzt Dr. E. Loewer in Berlin.- 
(Fortsetzung.) 

Der AnfsichtSTerein für Haltekinder, als dessen Stifter 
der bei uns Allen in so hohem Andenken stehende Barez 
genannt wird, hat sich deshalb ein nicht hoch genug anzu- 
acblagendes Verdienst erworben. Interessant